185. Jahrgang
Gietzener Anzeiger
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Oer erste Tag der Sanktionen.
Der Völkerbundskrieg.
Von unserem römischen E.-Verireier.
Rom, Mitte November.
Je näher der schwarze Montag heranrückt, an dem die ersten Kriegshandlungen des Völkerbundes beginnen — sollen, um so mehr muß der Gleichmut auffallen, mit dem die italienische Nation der eigenartigen Offensive entgegensieht. In der Karikatur sieht das so aus: angetrieben von ihrem britischen Auftragsgeber und Aufseher, haben 52 Arbeiter, von denen jeder eine Nation verkörpert, im Schweiße ihres Angesichts eine Mauer rings um Italien aufgerichtet, hinter der es verhungern und ersticken soll. Schaut man aber über den Mauerrand hinweg und in den Todesring hinein, so sieht man la bella Italia pomade in einem Faulenzer sitzen, und merkt mit ihr, daß die Mauer nicht weniger als vier große Lücken aufweist, durch die der Weg offen ist nach Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Amerika und Brasilien.
Das ist in der Tat die Auffassung des Volkes und sie könnte ja genügen, um feine Gelassenheit zu erklären. Deutschland, die unbeteiligte Großmacht, hat eine gute Presse, wie seit langem nicht mehr, und rechnet der Mann auf der Straße schon etwas voreilig mit der wohlwollenden, statt nur mit der unbedingten Neutralität des „Ex-Feindes", wenn nicht gar mit feiner entscheidenden Unterstützung, so legt sich der nachdenkliche Politiker ernsthaft die Frage vor, wo denn nun eigentlich die natürlichen Freunde und Gegner der italienischen Großmacht sitzen. Ist es wirklich reiner Zufall, daß Gus dem Genfer Block so etwas wie ein Dreibund herausgebrochen ist: Deutschland, Oesterreich- Ungarn und Italien? Man braucht die Frage nur zu stellen, um alle die alten Erinnerungen zu wecken, die einst zum Zusammenschluß dieser Mächtegruppe führten. War sie unnatürlicher als die Entente mit England und Frankreich, den beiden Mächten, die Italien im Mittelmeer e i n s ch l i e ß e n und nach Form und Inhalt die Schlüsselgewalt ausüben? In <bem Augenblick, wo der Gefangene des Mittelmeeres über Afrika nach dem Indischen Ozean ausbrechen will, wer stellt sich ihm entgegen? Die Mittelmächte nicht. Der Führer hat, die Zeitungen heben es hervor, gerade am 11. November, dem Waffenstillstandstag, der mit dem Geburtstag des Königs Vittorio oder, wie er heute lieber genannt wird, des Re Vittorioso, des Siegerkönigs, zusammenfällt, ein Glückwunschtelegramm gesandt. Natürlich wäre es abwegig, aus dem zufälligen zeitlichen Zusammentreffen politische Schlüsse zu ziehen und ernsthafte Leute unterlassen das auch in Rom, aber für das popolino, das kleine Volk, das so gerne mit Zahlen spielt und sie im Lotto versucht, hat jetzt jedes Zeichen seine Bedeutung.
Heber Ungarn und Oesterreich braucht man gar nicht zu reden heute; es sind Freunde, die ihre Freundschaft im Gegensatz zu gewissen anderen Nationen — die lateinische Schwester kriegt wieder einiges zu hören — nicht bloß auf Worte abgestellt, sondern durch die Tat bewiesen haben. Man rechnet es ihnen hoch an, daß sie in Genf den Mut zu einer selbständigen Haltung, zu einer Auflehnung gegen das Gebot der britischen Allmacht aufbrachten.
Das wäre die politische Seite des Sanktionskrieges, dieser neuesten Errungenschaft des Pazifismus. Die praktische Seite des damit aufgeworfenen Fragenkomplexes wird von kompetenter Seite, der italienischen Hausfrau, kurz und bündig beantwortet: Wir haben Brot und gutes Wasser, wir haben unsere unvergleichliche Sonne — was brauchen wir mehr? Das steht in der Zeitung und weckt stürmische Begeisterung. Schicht für Schicht der Bevölkerung scheint von einem wahren Entsagungsrausch befallen zu werden, die Vorschläge für die Errichtung einer freiwilligen Gegenmauer, für den völligen Abschluß vom Ausland, für die Selbstversorgung und Selbstgenügsamkeit überstürzen sich. Allen Ernstes wird gefordert, daß sogar fremden Büchern der Einlaß verwehrt werde, fremde Vornamen sollen vermieden und überhaupt in der Öffentlichkeit jedes Fremdwort ausgemerzt werden. Bisher wurden sie bei öffentlichem Anschlag nur besteuert, Buchstabe für Buchstabe.
Ist es schon Kriegsbrauch, daß immer der andere angefangen hat, so' kehrt nun Italien bewußt und entschlossen die Genfer Gesetztafeln um, indem es von sich aus den Boykott des Auslands verfügt. Befahl der Völkerbund: Ihr dürft nichts mehr nach Italien ausführen! — so sagt nun Rom: Wir lassen nichts mehr herein! Die Wirtschaftler mögen zusehen, wie sie mit dem Wortspiel fertig werden.
Daß die Regierung die Sache aber nicht auf die leichte Achsel nimmt, beweist der an die Sanktionsländer gerichtete Protest Mussolinis. Schließlich handelt es sich nicht „bloß" darum, em Vierzigmillionenvolk vor dem Hungertod zu bewahren, Italien hat auch noch an sein Heer in Abessinien zu denken. Rom steht in einem Dreifrontenkrieg: gegen Genf, England und Abessinien Der letzte Gegner erwies sich bisher als der ungefährlichste, der Vormarsch begegnete keinen nennenswerten militärischen Schwierigkeiten die freiwillige Unterwerfung vieler Stamme bedeutet für die unaufhaltsam vordringenden Sieger von Adua auch einen nicht zu unterschätzenden moralischen Erst)!?. Nun aber ist nach den Kr.egsbench erstattern ans italienischer Seite der Punkt erreicht, wo die Entfernung den Nachschub auffrißt, das heißt, ein Lastwagen verbraucht für sich selber alles, was er mitzuschleppen imstande ist, em Mulo kann nicht mett" trag« als den eigenen Nahrungsbedarf.
Wenn die Heimat sich selbst ernähren kann, die Front kann es nicht. Wie soll das also weitergehen?
Dazu kommt der Waffenzustrom nach Abessinien, ins feindliche Lager. Aus sicheren Anzeichen läßt sich schließen, daß sich der Feind erst dann zu stellen gedenkt, wenn er seiner Nachschubbasis sicher ist. Mit jedem Schritt rückwärts näyert er sich ihr im gleichen Maße, wie sich der Italiener von seiner Zufuhrgrenze entfernt. Das bedrohte Mutterland muß also unaufhörlich nach Afrika abgeben. Das weiß natürlich England und was man auch gegen die Sanktionen sagen mag, noch selten hat der Brite falsch gerechnet.
Es gibt nur zweierlei, sagen die Franzosen: Entweder einen vollständigen Sieg Englands oder ein Einlenken Italiens unter dem Druck der Sanktionen. Im zweiten Falle
würde es die Aufgabe Frankreichs fein, sich schützend vor die lateinische Schwester zu stellen, damit sie aus dem Krieg möglichst wenig geschwächt und auf jeden Fall landbereichert hervorgehe. Eine von Berechnung nicht freie Ueberlegung, die viel für sich hat, sofern man die dritte Möglichkeit, die doch immerhin auch vorhanden ist, ausschließt: einen vollen Erfolg Italiens. In Rom ist man jedenfalls von dem Endsieg überzeugt, auch wenn die Unabhängigkeit Abessiniens bestehen bleiben sollte — wie diejenige Marrokos oder Aegyptens.
Und dann gäbe es eigentlich nur Sieger. England bliebe der Herr im Mittelmeer, der Völkerbund hätte seine Kraftprobe bestanden, der König der Könige seine Krone gerettet und Italien seinen Willen durchgesetzt. Keine schlechte Lösung. Nur einer bliebe auf dem Schlachtfeld liegen: die schon recht ausgemergelte Weltwirtschaft.
Kommandowechsel in Ostasnka.
Bono durch Badoglio erseht.—Die Bereinigung der Eritrea- mit der Somalifront soll von Norden aus forciert werden.
Rom, 16. Rov. (DRV.) „Agenzia Sfefani“ meldet: „2Nit der Rückeroberung Wakalles hat der Oberkommijsar General de Bono bie ihm anvertraute Ausgabe zu Ende geführt. Der Duce hat aus diesem Anlaß an den General ein Telegramm gerichtet, in dem er dem General das Zeugnis ausstellt, daß er die ihm übertragene Aufgabe, die nun als durchgeführt anzusehen sei, unter außerordentlich schwierigen Umständen und mit Ergebnissen erledigt habe, die ihm ein Anrecht auf die Dankbarkeit der Ration geben. In Anerkennung der mit der Wiedereroberung und Befriedung von Tigre geleisteten Arbeit hat der König auf Vorschlag des Duce General de Bono zum Marschall von Italien ernannt. Marschall Badoglio (bisher Generalslabschef des talienifchen Heeres) wurde beauftragt, de Bono als Oberkommifsar für Ostafrika ab- zulöfen."
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Nach einem Funkspruch des Kriegsberichterstatters des DNB. auß Asmara waren im Hauptquartier seit langem Gerüchte über taktische Meinungsverschiedenheiten im Umlauf. Während Granziani im Somaliland nach erprobten Kolonialmethoden vorging und trotz verhältnismäßig geringer Truppenstärke (eine reguläre Division, eine Schwarzhemdendivision und einige tausend Askaris) wichtige strategische Erfolge errang, blieben die drei Armeekorps an der Nord front, wie man meint, gewissermaßen hinter d e n Ereignissen zurück. Das Hauptziel aller Operationen ist und bleibt die Vereinigung der Eritrea - mit der Soma- l i f r o n t. ' Das bisherige Oberkommando vertrat den Standpunkt, daß die Truppen nur äußerst vorsichtig vorgehen dürften, um unnütze Verluste zu vermeiden. Die Folge war ein Still- stand mit der Wirkung, daß sich der Truppen an der Nordfront einige Müdigkeit bemächtigte. Man sagt, daß an der Nordfront, von einigen kleineren Zusammenstößen abgesehen, kein Krieg im eigentlichen Sinne des Wortes vor sich gegangen fei. Die Art dieses Vorgehens brachte aber auch die Gefahr, daß die geplante Verbindung zwischen Nord- und Südfront vorläufig nicht mög- l i ch wurde.
Mit der Ernennung B a d o g l i o s wird eine
völlige Aenderung der Taktik erwartet. Man wird voraussichtlich versuchen, jetzt ander Nordfront unter allem Einsatz mög - lichst weit vorzustoßen und gleichzeitig das Schwergewicht der Operationen so zu verlagern, daß eine Verbindung mit Graziani an der Südfront schnellstens gesichert wird. Wenn dies vor Eintritt der neuen Regenzeit im Frühjahr nicht möglich wird, muß zwangsläufig eine Pause eintreten, die nur dem Gegner zugutekommen könnte. Der Kommandowechsel soll auch wohl eine Warnung an d i e Großmächte sein, um sie vielleicht zu Zugeständnissen zu bewegen, da sonst das Vorgehen jetzt militärischen Charakter annehmen würde.
Der Vormarsch gegen den Takazzeflnß.
Asmara, 17. Nov. (Funkspruch des DNB.) Der am Sonntagfrüh ausgegebene Heeresbericht von der Nordfront besagt, daß das Korps Mara v i g n a den Vormarsch auf den Takazzefluß fortgesetzt und bereits den wichtigen Fluß- Übergang beim Timschet genommen hat. Kleinere Abteilungen des Gegners gingen bei Feuereröffnung über den Fluß zurück. An einem anderen Punkt des Takazzefluffes kam es zu einem Feuergefecht, bei dem es gelang, den Führer der abessinischen Vorhut gefangen zu nehmen. Die Aufklärungsflüge werden bis zum Aschangi-See fortgesetzt. A n t a l o wurde mit Bomben belegt. Der Ort scheint jetzt vom Gegner völlig geräumt zu sein. In Aksum ist ein umfangreicher Briefwechsel zwischen dem Kaiser von Abessinien und Ras Seyoum gefunden worden, aus dem hervorgeht, daß sich die Abessinier auf eine energische Verteidigung vorbereitet hätten, u. a. durch Anlage von Schützengräben. Infolge eines Versehens sei jedoch ein wichtiger Punkt, den die italienischen Tanks passieren konnten, nicht ungangbar g e= macht worden. „Quotidiano Eritrea" veröffentlicht eine Warnung an die Straßenbauarbeiter, deren Verträge jetzt ablaufen und die angeblich wegen Verzierung ihrer Heimbeförderung unruhig geworden sind. Die zuständigen militärischen Stellen mahnen zur Disziplin im Interesse des italienischen Vormarsches und drohen scharfe Maßnahmen gegen Zuwiderhandlungen bei der Heimkehr nach Italien an.
Italien zur schärfsten Abwehr bereit.
Eine Entschließung des Großen Faschistischen Kato.
Rom, 16. Nov. (DNB.) Der Große Faschistische Rat ist zu seiner Herbsttagung zusommengetreten.
Feoe.rzoni verlas, auch im Namen von sieben Kameraden, eine Entschließung, in der dem Duce begeisterter Beifall gezollt wird, weil er das höchste Recht der Nation verwirklichte, sich in Afrika kraft der Tüchtigkeit ihrer Söhne, die für ihr Leben und ihre Zukunft unerläßlichen Bedingungen und Mittel sicherzustellen. Alle Italiener sind in bedingungslosem Vertrauen bereit, jedes Opfer auf sich zu n e h m e n, um die nationalen Ziele zu erreichen.
Der Sekretär der Partei hat eine Botschaft an die in Afrika kämpfenden Truppen vorgeschlagen, die mit der Entschließung durch Zuruf angenommen wurde DerDuce hat darauf Bericht über die Lage der Nation amVorabend ber Sanktionen erstattet. Zu dem Bericht sprachen sechs Mitglieder des Großen Faschistischen Rates. Dann wurde folgende Entschließung angenommen:
Der Große Rat des Faschismus, der sich am Vorabend der Anwendung der sogenannten 'Sanktionen' aeqen Italien versammelt hat, betrachtet das». Datum des 18. November 1935 als ein Datum der Schmach und der Ungerechtigkeit in der Weltgeschichte; er bezeichnet die nie zuvor angewandten Sanktionen als einen Vorsatz, das italienische Volk wirtschaftlich zu ersticken, und als einen eitlen Versuch es zu demütigen, um ihm die Verwirklichung seiner Ideale und die Verteidigung seiner
Lebensnotwendigkeiten zu verhindern. Der Große Rat des Faschismus erwähnt lobend die musterhafte Ruhe und straffe Disziplin, mit denen das italienische Volk beweist, daß es sich der geschichtlichen Bedeutung der gegenwärtigen Ereignisse im vollen Ausmaß bewußt ist, und fordert es auf, den Sanktionen den unerschütterlichen Wider- st a n d entgegenzusetzen und alle moralischen Kräfte und alle materiellen Quellen der Nation zu mobilisieren; er fordert die Italiener auf, am Montag, dem 18. November, für 24 Stunden die Häuser zu beflaggen. Der Große Rat beschließt, auf den 1. Dezember die 94 Provinzialausschüsse der Mütter und Witwen der Gefallenen des Weltkrieges nach Rom einzuberufen, um den Widerstand planmäßig zu verstärken, bei dem den italienischen Frauen eine erstrangige Aufgabe anoertraut ist. Er ordnet an, daß an den Rathäusern Italiens ein Gedenk- ftein für die Belagerung angebracht wird, damit in den kommenden Jahrhunderten die ungeheure Ungerechtigkeit gegen Italien dokumentiert bleibe, dem die Kultur aller Kontinente so viel verdankt. Er entbietet den Staaten, welche unter Ablehnung der Sanktionen der Sache des Friedens gedient und sich zum Dolmetsch des Geistes der Völker gemacht haben, den Ausdruck feiner Sympathie. Der Große Rat des Faschismus ist sicher, daß die bevorstehende Probe der Welt die römische Tüchtigkeit des italienischen Volkes im Jahre XIV der faschistischen Zeitrechnung zeigen wird."
Paris in Verlegenheit.
Paris, 18. Nov. (DNB. Funkspruch.) Das Inkrafttreten der wirtschaftlichen Sühnemqßnahmen gegen Italien wird von der Pariser Presse ziemlich peinlich empfunden. „Excelsior" gibt dem Wunsche Ausdruck, daß man in Rom trotz verständlicher bitterer Gefühle in den kommenden schweren Tagen kaltes Blut bewahren möge. Italien müsse die Haltung Frankreichs verstehen, so wie Frankreich stets für Italiens Lage Verständnis gehabt habe. Zu wünschen fei, daß die Feindseligkeiten und die Sühnemaßnahmen bald durch Verhandlungen zum Verschwinden gebracht werden könnten. Laval werde dazu sein Möglichstes tun.
„Le Jour" allerdings meint, in einer Stunde, da ein unmenschlicher Trieb die Sühnemaßnahmen beginne, könne man nicht ernsthaft von Frieden reden. Man brauche keinen Augenblick zu glauben, daß Italien jemals auf Tigre, Dgaben und Harrar verzichten werde. Ebenso wenig könne man annehmen, daß die eben auf fünf Jahre neu bestätigte englische Regierung bereit fein werde, dem Völkerbund, der Englands Evangelium fei, jetzt unrecht zu geben und zu erklären, Mussolini, der den Weg Englands nach Indien und die englische Vorherrschaft im Mittelmeer bedrohe, sei im Recht. Daher sei es für Frankreich im Augenblick leichter, eine Stecknadel im Heuschober zu finden, als eine Friedensmöglichkeit ausfindig zu machen. Die Ernennung Badoglios beweise, daß Italien auf einen schnellen militärischen Erfolg hinarbeite, aber diese Lösung könne „zu Ruin e'n" führen.
Im „Populaire" erklärt Leon Blum, Lavals Berechnungen seien über den Hausen geworfen worden. Laval habe geglaubt, daß es nach einigen Wochen militärischer Erfolge und nach den englischen Wahlen zu einer Verständigung zwischen Italien und England hätte kommen können. Mussolini denke nicht daran, seine Operationen in Abessinien einzustellen, wie die Ernennung Badoglios am besten beweise. So begehe Laval einen Irrtum nach dem andern und erleide eine Niederlage nach der andern.
Wird auch eine Venzinsperre erwogen?
Daily Telegraph berichtet von weiteren Sanktionen.
London, 18. Nov. (DNB. Funkspruch.) „Daily Telegraph" schreibt: Im Ausland sei der Glaube entstanden, nach den Wahlen werde in der britischen Politik eine Aenderung eintreten, Englands Eintreten für die Völkerbundsgrundsätze werde nachlassen. Davon sei aber keineRede. Sollte die Regierung ihre Politik ändern, so nur in umgekehrter Richtung. Die letzten Besprechungen zwischen Mussolini und dem britischen Botschafter in Rom hätten zu der Schlußfolgerung genötigt, daß die britischen Vorsichtsmaßnahmen im Mittelmeer vorläufig b e • st e h e n bleiben müßten. Vor 14 Tagen habe der Völkerbund beschlossen, einen technischen Ausschuß mit der Prüfung der Möglichkeit weiterer Sühnemaßnahmen zu beauftragen, die sich noch wirksamer zeigen könnten, um Italien zur Einstellung der Feindseligkeiten zu zwingen. Es bestehe Grund zu "der Annahme, daß die Anwendung dieser neuen Sühnemaßnahmen jetzt zur Erörterung kommen werde. Wahrscheinlich werde die erste und wichtigste Maßnahme in einem Ausfuhrverbot für Oele bestehen. In Washington sei angebeutet worden, daß Maßnahmen getroffen werden könnten, um eine Durchbrechung der Einkreisung durch amerikanische Del- gesellschaften zu verhindern. Das habe wohl den Ausschlag gegeben. Eine Unterbrechung der Benzinlieferungen für die mit Kraftfahrzeugen reichlich ausgerüsteten italienischen Streitkräfte würde das wirksamste Mittel sein, um die Bewegung unfähig zu machen. Allerdings würden die Staaten, die an den Sühnemaßnahmen teilnehmen, sich klar sein müssen, daß eine fo weit gehende Maßnahme als feindselige Haltung angesehen werden könnte.
England und Aegypten.
London, 16. Nov. (DNB.) Wie Morning Post meldet, fand in London eine Ministerbesprechung über die Lage in Aegypten statt. Angesichts der zahlreichen britischen Kriegsschiffe in Alexandrien und der kürzlichen Verstärkung der britischen Garnisonen in Aegypten seien jedoch irgendwelche Sondermaßnahmen unwahrscheinlich. England stehe auf dem Standpunkt, daß der Wunsch der Wafd-Partei nach Wiedereinführung der 1923er- Verfassung unerfüllbar fei, und daß der jetzige Ministerpräsident Nessim Pascha weiterhin u n t e r st ü tz t werden müsse. Die Lage in Aegypten könne selbstverständlich nicht von der allgemeinen Stellung Englands im Mittelmeer getrennt werden. Daher sei es unwahrscheinlich, daß irgendwelche britischen Kriegsschiffe zurückgezogen würden, bevor sich die Lage geklärt habe. Der Versuch Mussolinis, die laufenden Besprechungen zur Grundlage eines neuen Ausgleichs der englisch- italienischen Beziehungen im Mittelmeer zu machen, habe in London keinen Beifall gefunden.
Ursprungszeugnisse für die Einfuhr noch England.
Berlin, 16. Nov. (DNB.) Die britische Negierung hat der Reichsregierung in diesen Tagen in einer Note mitgeteilt, daß infolge der von i h r getroffenen Wirtschaftsmaß« nahmen g eg en Italien vom 18. November ab bei der Wareneinfuhr aus Deutsch» land nach England die Eigenschaft der Waren als deutsche Waren durch Ursprungszeugnisse besonders nachgewiesen werden müsse. Die


