Nr. 92 vierter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffenl Donnerstag, 18. April M5
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Deutschlands Elf gegen Belgien.
Zum Länderkampf am 24. April in Brüssel.
Deutschlands Fußball-Mannschaft für den Länderkampf gegen Belgien am 24. April in Brüssel wurde vom Deutschen Fußball-Bund wie folgt ausgestellt-
Buchloh (VfB. Speldorf): Janes (Fortuna Dussel- oory.Tlefel (Eintracht Frankfurt): Bender (Fortuna Düsseldorf), Goldbrunner (Bayern München), Grämlich (Eintracht Frankfurt): Lehner (Augsburg) Siffling (SV. Waldhof), Schulz (Arm. Hannover, Conen (Saarbrücken), Fath (Wormatia Worms).
Die neue deutsche Reichsmannschaft weist gegenüber den Mannschaften, die die Spiele gegen die Schweiz, Holland und Paris gewannen, beträchtliche Veränderungen auf. Das hervorstechendste ist, daß man nach längerer Zeit auch wieder einmal zwei Debütanten in der Elf hat. Der Frankfurter Eintrachtmann Tiefel und der Hannover Armine Schulz sollen sich gegen Belgien die ersten internationalen Sporen verdienen. Die Mannschaft ist stark und sie wird Stärke und Können auch nötig haben. Belgien darf nicht unterschätzt werden. Erst an diesem Sonntag gelang den Belgiern gegen Frankreich ein Unentschieden 1:1, und das läßt allerhand Rückschlüsse auf die augenblickliche Spielstärke unseres nächsten Gegners zu.
Spaniens Fußballmannschaft gegen Deutschland.
Einer durchaus glaubhaften spanischen Meldung aus Barcelona zufolge wurde von Dr. Garcia Z a l a z a r die spanische Elf für den Länderkampf gegen Deutschland am 12. Mai in Köln wie folgt aufgestellt: Zamora; Ciriaco, Quincvces; Pedro Regueiro, Cilaurren, Leon; Casuco, Jrragorri, Langara, Luis Regueiro, Emilim.
Syielvereinigung Fürch in Lollar.
7Uit neun Spielern der allen Meister-Elf.
Dem Sportverein 1920 Lollar ist es gelungen, eine Mannschaft der Spielvereimgung Fürth für den zweiten Osterfeiertag zu einem Gesellschaftsspiel zu gewinnen. Die Spielvereinigung Fürth hat für diese Begegnung eine starke Mannschaft gemeldet, in der nicht weniger denn neun Mann der alten Meistermannschaft mitwirken werden. Vor allem wird auch der zwölffache Internationale Hagen mit dabei sein. Hagen wird bereits am ersten Feiertagabend im Rahmen eines großen Begrüßungsabends einen Vortrag halten, in dem er über seine Erlebnisse und Erfahrungen bei vielen Länderspielen plaudern wird. Ein Eintrittsgeld wird zu diesem Vortrag nicht erhoben.
Dor dem Spiel der Aktiven (am zweiten Osterfeiertag) werden Jugend- und Schülerspiele ausgetragen.
, FCTeutonia * Watzenborn-Steinberg
Watzenborn- Steinberg I — Heuchelheim I.
Die erste Elf des FC. „Teutonia" Watzenborn- Steinberg empfängt am morgigen Freitag die erste Mannschaft des Sportvereins 1920 Heuchelheim. Die Gastgeber haben sich damit zweifellos einen gleichwertigen Gegner verschrieben. Man wird einen spannenden Kampf erwarten dürfen. Die Platzbesitzer treten mit ihrer seitherigen bewährten Mannschaft an und haben als wesentliches Aktivum den eigenen Platz und das eigens Publikum, das die Mannschaft stark unterstützt. Für die Gäste würde es nicht leicht sein, einen Sieg zu landen, denn auch der Platz in Watzenborn-Steinberg wird ihnen einige Schwierigkeiten bereiten. Der Ausgang des Spieles ist schwer vorauszusagen. Die Chancen liegen beim Gastgeber._______________________________
Sportverein 1928 Garbenteich.
Garbenleich I — Butzbach I.
Die erste Mannschaft des Sportvereins Garbenteich hat am morgigen Karfreitag die erste Elf des VfR Butzbach zu Gast, Butzbach stellt eine leistungsfähige Mannschaft, die auch technisch auf der höhe ist. Bisher gab es schon manche schöne Begegnung zwischen beiden Vereinen. Die Einheimischen treten voraussichtlich komplett an und dürften einen ebenbürtigen Gegner darstellen. Der Ausgang des Kampfes ist nicht vorauszusagen. Dor dem Spiel der ersten Mannschaften stehen sich die Schüler von Butzbach und Garbenteich gegenüber. Fußball im Turnverein Großen-Linden
Großen-Linden I — 1900 Gießen II.
Großen-Linden empfängt am morgigen Karfreitag die 2. Mannschaft der Spielvereinigung 1900 Gießen. Da der Platzbesitzer nur erst einige Spiele absolviert hat, muß man den Ausgang des Spieles als offen erachten. Die Gäste dürfen den Kampf nicht leicht nehmen. Wenn Großen-Linden komplett antritt, könnte es eine Ueberraschung geben.
Gießener Leichtathlet in Eschwege erfolgreich.
Der zur Zeit in Eschwege weilende Gießener Lelchtathlet W. Berghöfer vom VfB.-Reichs- bahn Gießen nahm am vergangenen Sonntag am 3. Nationalen Querseldein-Lauf in Eschwege teil und wurde überraschender Sieger. Unter 43 Teilnehmern durchlief Berghöfer die 20 km lange Strecke in der sehr achtbaren Zeit oon 1:18,05 Stunde. Berghöfer zog gleich vom Start an frisch davon und führte die ganze Strecke unangefochten bis in das Ziel. Zweiter wurde Herrmann vom Reichswehrbataillon in Kassel mit 1:18,53 Stunde. Besonders beachtenswert ist, daß Berghöfer zum ersten Male über eine so lange Strecke startete.
Vor Beginn der Wettkampfzeit hatte Kreisführer D a u p e r t - Wiefeck nochmals feine Mitarbeiter zusammengerufen, um mit ihnen die kommende Arbeit durchzusprechen. Eingangs der Tagung konnte er zwei neue Helfer in dem Jugendwart O r t m a n n - Eibelshausen und Volksturnwart Dr. Wilhelm Loh-Gießen begrüßen.
Ein Rückblick auf die Ereignisse der letzten Wochen ergab, daß vor allem durch die Einführung der Wehrpflicht die Aufgaben der Turnerschaft nur noch gewachsen seien und daß man ihre Arbeit in vollem Maße anerkenne, wie auch der Wettkampf, zwischen Reichsheer und Turnerschaft erst kürzlich gezeigt hat. Diesem Mehr an Arbeit wird vor allem eine vermehrte Lehrtätigkeit neue »Helfer zuführen. Insbesondere sollen nunmehr die Teilnehmer an den Lehrgängen der Deutschen Turnschule, dem Herzen der Turnerschaft, wie man sie so gerne nennt, zur tätigen Mitarbeit auch im Kreis yerangezogen werden. Sie sollen da eingesetzt werden, wo es gilt, neu. aufzubauen und wo noch die geeigneten vereinseigenen Kräfte fehlen. Weiterhin wird probeweise ein Abendlehrgana für Dorturnerausbildung für die Vereine der näheren Umgebung Gießens durchgeführt werden.
Von dieser regen Vorarbeit gut vorbereitet, sollen dann im Juli und August die einzelnen Veranstaltungen des Kreises vonstatten gehen. Zunächst aber werden sich die wanderfrohen Turner an Himmelfahrt, dem früheren Götz-Wandertag, mit den Wandervereinen nach Sternwanderun-
Beginn des Nizzaer Reitturniers.
Oberleutnant Brandt mit Baron
Zweiter im Eröfsnungs- Springen.
Das 15. Internationale Reitturnier in Nizza, an dem elf Nationen teilnehmen, begann am Mittwoch mit dem Eröffnungsspringen. Zu dem Springen, das über einen 600 Meter langen Kurs mit 14 Sprüngen führte, wurden alle 97 verfügbaren Pferde gesattelt. In diesem Wettbewerb um den „Großen Preis der Hotels von Nizza" gab es einen überraschenden Sieg des portugiesischen Leutnants Beltrao auf Biscuit, der in 1:15,6 den Kurs als Schnellster fehlerlos absolvierte. Oberleutnant Brandt (Deutschland) mit Baron und de Gallier (Schweiz) mit Durmitor endeten mit je 1:19,2 auf dem zweiten Platz. Oberleutnant Brandt und der Schweizer lagen bis kurz vor Schluß der Prüfung an der Spitze, doch konnte der portugiesische Leutnant eine schnellere Zeit erreichen.
Coubertin-Medaille für Fähnrichs der Reichsmarine
Der Begründer der modernen olympischen Spiele, Baron de Coubertin, stiftete nach einem Besuch der Marineschule Mürwik im Juli 1914 als Preis für die Fähnriche dieser Schule eine Medaille, deren Austragung infolge des Kriegsausbruches unterblieb. Auf Grund der durch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht erlangten Gleichberechtigung Deutschlands erfolgte nunmehr eine Anfrage bei Baron de Coubertin, ob er mit einer Verwendung der Medaille auch heute noch einverstanden sei. In seinem Antwortschreiben teilte Coubertin mit, daß er mit der vorgesehenen Verwendung der Medaille voll einverstanden sei. Er bäte, sie als Beweis des großen Interesses anzusehen, mit dem er die Vorbereitung der 11. Olympischen Spiele verfolge, deren Gelingen ihm am Herzen liege. Die Coubertin- Medaille wird für den sportlich besten Fähnrich der Marineschule Flensburg-Mürwik im Rahmen der Marinemeisterschaften 1935 in Kiel zum Austrag gebracht werden. ,
gen an historischen Orten unserer Heimat treffen. Dann rollt ein Fest nach dem anderen ab.
An Pfingsten führt die 75-Jahrfeier der Turnerschaft Jung und Alt in Coburg zu festlicher Erinnerung zusammen. Oberturnwart Schüler wird den Kreis vertreten. Das aus unserer Gegend immer gern besuchte F e l d b e r g- f e st schließt sich am 16. Juni an. Dann treten die Faustballer auf den Plan und kämpfen um den Aufstieg in die höheren Klassen. Einen Höhepunkt stellt das Kreisturnfest in Sinn dar, das zum ersten Male im neuen Kreise Turnerinnen und Turner zum turnerischen Mehrkampf antreten läßt. Auch das Rhönturnfest wird, nachdem es zu einer Veranstaltung unseres Gaues geworden ist, am 14. Juli die besseren Volksturner des Kreises als Teilnehmer sehen.
Die gesamte Festarbeit aber wird gekrönt durch das 1. Gaufest des Reichsbundes. Don den Kreisvereinen wird wegen der besonderen Begün- stiaung durch die Lage Gießens inmitten des Kreisgebietes ein besonders starker Besuch erwartet.
Den früheren Bezirksturnfesten entsprechend werden für je zwei Unterkreise zusammen am 18. und 25. August volkstümliche Turnfeste gehalten, die Turner und Turnerinnen von der Schuljugend aufwärts bis zu den Altersturnen zu volkstümlichen Mehrkämpfen vereint. Die Austragungsorte werden in Kürze bestimmt werden. Dem Kranz der oielbeliebten Bergfeste ist ein weiteres hinzugefügt worden: das hoherodskopf-Bergfest
Die Leitung des Turnkreises Lahn-Dill tagte.
am 1. September ist wieder erstanden, nachdem es seit der Vorkriegszeit ausgesetzt worden war.
Und zum Abschluß werden sich die Alters- t u r n e r am 8. September in Lich treffen. Sie werden bei all den vorhergehenden Veranstaltungen immer die stillen Arbeiter in Gestalt von Riegenführern und Kampfrichtern stellen, so daß ihnen wenig Zeit für turnerische Geselligkeit bleibt. Auch auf wettkämpferische Betätigung werden sie aus den gleichen Gründen zumeist verzichten. So wird dieser Tag eine Belohnung für diese Arbeit sein, und sie in jugendfroher Begeisterung trotz manch grauen Haares alte Kameradschaft wieder aufleben lassen.
Nach Erörterung kassentechnischer Fragen wurde auch eingehend die Sonderausgabe der Turnerschaft, die Dietarbeit, behandelt. In diesem Jahre sollen die er st en Versuche mit völkischer Aussprache in festlichem Rahmen gemacht werden. Dies bedingt eine wechselnde Ausgestaltung bei den einzelnen Festen, da einheitliche Richtlinien wegen der Neuheit der Sache noch nicht gegeben werden können. Die Erfahrung wird dann den Weg für kommende Feiern zeigen.
Nach fünfstündiger Beratung konnte Kreisführer D a u p e r t die Tagung schließen, die gezeigt hatte, daß alle an verantwortlicher Stelle stehenden Turner und Turnerinnen das Ziel turnerischer Arbeit erkannt haben und nach seiner Verwirklichung streben: „Im Jahnschen Sinne arbeiten für das Reich Adolf Hitlers".
Die Adker-Rekorde anerkannt.
Die in der Zeit vom 25. bis 31. März auf der Berliner Avus ausgestellten 13 Klasssnrekorde des Adler-Trumpf-Junior-Kleinwagens (999,585 ccm) wurden jetzt von der AJACR. offiziell als Klassenrekorde der Klasse G über 750 bis 1100 ccm anerkannt.
Kurze Gportnotizen.
R e i ch s s p o r t f ü h r e r von Tschammer und Osten wird am 26. April nach Frankfurt kommen und abends im Saalbau zu den Frankfurter Turnern und Sportlern sprechen.
Um im Olympischen Jahr für Rugby werben zu können, beabsichtigt der Internationale Rugbyverband im Mai 1936 ein Rugbyturnier in Form eines Vierländerkampfes in Berlin auszutragen. Deutschland und Frankreich haben ihr Teilnahme bereits zugesagt.
Finnlands K un stturn-Meist erschaft fiel an einen neuen, ganz hervorragenden Mann, M. N o r o m a, der Saarvala und Tukiainen überlegen schlug.
Norwegens Skiläufer für die Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen wurden bereits ausgewählt. Oscar Gjöslien, Sigurd Vestad, Kaare hatten, Trygve Brodahl werden Norwegen im 50-Kilometer-Lauf, Bergendahl, Rustadstuen, Hagen, Jversen im 18-Kilometer- Langlauf, Hagen, hoffsbakken, Lian, Röen und Oesterklöft in der Kombination Lang-Sprunglauf vertreten.
In einem Zwischenrundenspiel zur Deutschen Hochschul-Meisterschaft spielten am Mittwoch in Frankfurt die Universitäten Marburg und Heidelberg. Marburg siegte verdient mit 4:2 (2:1) Toren.
NIVEA
mild, leicht schäumend.
ganz wundervoll im Geschmack
ÄMMMlIIL...
Roman von Charlotte prenzel. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.). 2 Fortsetzung Nachdruck verboten!
„Wenn ich Sie recht verstehe, sind Sie aus derselben Branche wie Herr Scholz! Kannten Sie sich bis heute nicht?"
„Vorgestellt waren wir uns nicht, aber dem Namen nach kannten wir uns allerdings!"
„Das ist ein merkwürdiges Zusammentreffen!"
„Gewiß!" , .
Sie hatten die Untermainbrücke erreicht, fern Fuß zögerte. „Wohin wenden Sie sich nun, Fräulein ©aber?" , t L
„Oh, es ist mir eigentlich gleich! Ich habe nun doch nichts Bestimmtes vor. Wenn Sie den Main hinunteraehen, könnte ich einen Spaziergang machen!^ . „ . v _
Der Main glitzerte und funkelte rn der Sonne, zahllose Boote belebten die Flache. Kulissenartig bauten sich am jenseitigen Ufer die Haustr der Altstadt auf. Sonntäglich gekleidete Menschen kamen ihnen entgegen, blank geputzte Autos flitzten an ihnen vorüber. f , .
„Ist es nicht schön - unser Frankfurt? sagte Irene. „Ich möchte es mit keiner anderen Stadt vertauschen!" . ,.
„Gewiß ist es schön! Und Sie werden hier ganz zu Hause sein, werden Ihre Familie, Ihre Verwandten hier haben!"
„Und Sie?" fragte sie schnell.
Ich habe keine Familie!" antwortete er, und wieder zuckte das Lächeln um seinen Mund.
Irene atmete tief. „Dann sind Sie hier immer noch nicht heimisch!"
^oriitn ? "
"Das liegt doch im Wort! heimisch kann man nur werden, wenn man ein heim hat.
„Mir hat meine Arbeitsstätte von jeher das $ Das Gespräch stockte wieder. Sie gingen über den Eisernen Steg, nahmen den Weg über den Römer. Fred fragte nicht mehr nach ihrem Ziel, er wußte, daß sie ihn, so weit es nur g^g, begleiten würde — und offen, rote er gegen sich selbst war, mußte er zugeben, daß er gar nichts dagegen hatte, daß dieses schöne Mädchen an seiner Seite blieb.
Schließlich, als sich Fred immer weiter in die Straßen der Altstadt verlor, raffte Irene sich aus. „Nun muß ich mich von Ihnen verabschieden!
Er blieb stehen. „Ich habe mich sehr gefreut, Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben!" .
Sie gab ihm die Hand. „Werde ich Sie Wiedersehen?"
„Vielleicht! Aber ich pflege gar keinen Verkehr!" „Oh, Sie werden nun doch zu den Gästen des Hauses Scholz gehören! Herr Scholz ist sehr gesellig."
„Wenn dort stets ähnliche Bekanntschaften zu machen sind, wäre es zu überlegen!"
Sie streckte ihm noch einmal die Hand hin und überließ sie ihm länger als notwendig. „Auf Wiedersehen, Herr Morland!" In dem Blick ihrer Augen lag ein eigentümliches Flimmern.
„Auf Wiedersehen, Fräulein Gaber!" sagte er und erwiderte den Druck ihrer Hand. —
Auf dem ganzen Nachhauseweg stand das Bild des Mannes vor ihr, dessen letztes Wort „Auf Wiedersehen!" gewesen war. Freilich, wenn sie sich des Gesprächs erinnerte, verlor dieses Wort an Bedeutung. Fred Morland war nicht sehr gesprächig gewesen; aber er war wohl von der Art der Leute, die keinen Verkehr haben und daher wenig mitteilsam sind. Irene aber war sich ihrer Schönheit und ihres Wertes so voll bewußt, daß sie bestimmt auf ein Wiedersehen rechnete, wenn sie nur wollte ,.. Und sie wollte.
Als sie durch den Vorgarten schritt, der sich vor dem Miethause befand, knirschten plötzlich die Bremsen eines Autos hinter ihr, und ein Ruf traf sie: ,Irene!"
" Sie wandte sich um. Vom Führersitz erhob sich die untersetzte Gestalt eines jungen Mannes. Sem breites, rotes Gesicht strahlte eitel Freude und Vergnügen.
„Was ist, Kurt?"
„Ich wollte dich zu einer Autopartte entladen! Kommst du mit?" .
Sie zögerte einen Augenblick. „Ja, tch komme! Bringe nur meinen Schläger ins Haus und hole mir einen Mantel!"
„Gut, ich warte auf dich!"
Irene legte den Schläger auf der Diele nieder, holte ihren Mantel von dem Garderobestander und trat nur für einige Augenblicke in das Wohnzimmer ein, in dem mehrere junge Stimmen durcheinander redeten.
In dem Zimmer selbst herrschte eine Unordnung, daß sich Irenes Gesicht finster verzog. Die Früh- stückstafel war noch nicht abgedeckt, Spielsachen standen umher, zwei ältere Knaben balgten sich um eine Eisenbahn, ein älteres Mädchen lag auf dem Sofa und las, ein jüngeres war gerade im Begriff, mit beiden Händen in die Zuckerbüchse zu langen.
„Laß das!" herrschte Irene sie an. „Wo ist die Mutter?" „
„Schläft noch!" antwortete es im Chor.
„Vater?"
„Fortgegangen!" , _r.
„Dann richtet aus, ich käme mcyt zum Eßen — ich bin eingeladen!"
„Natürlich — du hast es gut!" tönte eine grollende Stimme vom Sofa her. „Du — die Prinzessin!"
Irene hörte die Worte nicht mehr, sie schloß hastig die Tür und trat wieder auf die Treppe hinaus. Sie seufzte. Schrecklich, diese Zustände zu Hause. Solange sie in dem Konsulat eine einträgliche Beschäftigung gehabt hatte, war es noch gegangen — aber jetzt, da sie keinen Verdienst mehr hatte und auch keinen mehr fand, war das Leben mit den vielen Kindern, dem nie reichenden Einkommen des Vaters, der nicht wirtschaften könnenden Mutter und den meist unehrlichen Dienstboten entsetzlich.
Ihr Gesicht klärte sich erst wieder auf, als sie Kurt die Hand gab. „Gute Idee von dir, mich abzuholen!" lobte sie.
„Ich suchte dich schon im Stadion und fuhr dann auf gut Glück hierher!"
„Wo fahren wir hin?"
„Ich denke: Taunus! Oder willst du nach Wiesbaden? Auf dem Neroberg ißt es sich auch ganz leidlich-zu Mittag!"
„Fein, Kurt! Fahr zu!"
Sie fuhren los. Sehr bald hatte Irene die häusliche Misere vergessen. Die Welt war herrlich, das Leben schön: schade nur, daß Kurt Lechner kein Genie im Chauffieren war. Auch auf den geradesten Landstraßen kam er mit seinem schönen 'Wagen nicht über sechzig Kilometer; er hatte einfach Angst, schneller zu fahren. Wenigstens ließ es sich plaudern.
„Warum spielst du heute nicht?"
„Mir verging die Lust, als ich von Lianes Unfall hörte. Ja, davon weißt du natürlich noch nichts. Ihr Pferd scheute heute morgen im Walde. Du weißt doch, sie liefert immer solche Extrastückchen — in der Schule fiel sie mal von einer Leiter und brach sich den Arm, beim Schwimmen wurde sie schon mal ganz blau aus dem Wasser gezogen. Diesmal wäre sie im besten Falle aus dem Sattel gefallen, was übrigens doch noch geschah, trotzdem ein Herr ihr zu Hilfe kam und das Tier zum Stehen brachte."
Kurt lachte leicht auf. „Nein, diese Liane! Immer muß ihr etwas passieren!"
„Ja — dafür hat sie wenigstens eine interessante Bekanntschaft gemacht! Kennst du eigentlich einen Herrn Morland? Er ist auch aus der Lederwaren- branche."
Kurts Kopf flog herum; er bremste so stark, daß der Wagen fast zum Halten kam: „Herr Morland? Wie kommst du auf den?"
„Er war Lianes Lebensretter!"
„Ach, was du nicht sagst!" Der Wagen fuhr wieder an. „Dieser Morland! Unglaublich!"
„Warum unglaublich?"
„Weil der Mann ganz einfach alles kann. Vor etlichen Jahren fängt er hier ein Fabrikchen an, ganz klein und bescheiden, setzt sich durch, ver
größert. sich, bringt Muster, auf die alle fliegen, zieht einem die Haut vom Kopfe, wenn man ihm Leder anbietet, und wird immer mehr zuU gefürchteten Konkurrenz. Dabei soll er keinen Pfennig eigenes Vermögen gehabt haben, ein Freund soll ihm fein Geld anoertraut haben."
Ganz plötzlich sah Irene ihn wieder vor sich. Das männlich schöne Gesicht mit den markanten Zügen, die Energie und Entschlossenheit verrieten. Ja, es sah ihm ähnlich, daß er sich durchsetzte.
„Ja, denke dir", sagte sie nach einer Weile, „durch diesen Unfall mußten sich Herr Scholz und er kennenlernen!"
„Diese Bekanntschaft kann von Bedeutung sein!" meinte Kurt nachdenklich.
„Wie meinst du das?" fragte Irene aufhorchend.
„Nun, Herr Scholz ist alt, und nirgends zeigt sich ein Erbe für feine Firma!"
Irene fühlte, wie sie erblaßte. „Und da meinst du..."
„Allerdings! Eine Verbindung zwischen beiden wäre nicht von der Hand zu weisen. Scholz bekäme einen tüchtigen Menschen in sein Geschäft."
Erst nach einer Weile fragte Irene, und ihre Stimme klang merkwürdig belegt: „Steht die Firma Scholz nicht mehr so fest und sicher wie früher?"
Kurt hob die Schultern. „Alle Firmen haben zu kämpfen. Die Jungen werden mit den Schwierigkeiten groß, für die Alten sind sie etwas Neues — sie können nicht Schritt halten mit der Zeit. Bei meinem alten Herrn ist's ja ähnlich. Ich weiß nur eines: die Firma Scholz bezahlt nicht mehr so prompt wie srüher."
Ganz unvermittelt lachte Irene auf. „Ich stelle mir vor: Herr Morland und Liane ein Paar! Kannst du dir das denken?"
„Schwerlich!" lachte Kurt zurück. „Aber man kann ja nie wissen!" —
Sie nahmen ein etwas verspätetes Mittagsmahl auf dem Neroberg ein, wo nur einzelne Tische besetzt waren. Hier gefiel es Irene, sie dachte nur flüchtig an die lange Tafel zu Hause und atmete die milde Luft in vollen Zügen ein.
„Das war eine gute Idee von dir, hierher zu fahren!" lobte sie.
Er legte seine Serviette zusammen und lehnte sich in seinen Stuhl zurück; sein Blick hob sich dem ihren entgegen. „Ja, Irene, ich wollte dich eigent» lich etwas fragen!" bekannte er zögernd.
„Du mich? Da bin ich neugierig!"
„Ja! Ich wollte dich fragen, ob du meine Frau werden willst?"
Durch Irenes Körper ging es wie ein elektrischer Schlag. „Deine Frau?"
„Ja'! Findest du das so seltsam?"
(Fortsetzung folgt!)


