ihrem Geburtstage. Ihren Mann, den Zimmer- meister Heinrich K e ß l e r I., mit dem sie am 1. Juni 1933 noch die diamantene Hochzeit feiern konnte, überlebte sie nur um wenig mehr als ein Jahr. Der Gatte war bei seinem Tode 90V« Jahre alt. 8 Söhne, von denen 2 als Opfer des Weltkrieges starben, und eine Tochter gingen aus ihrer Ehe hervor.
$ Alten-Buseck, 17. Jan. Die durch hiesige SA.-Manner durchgeführte Eintopfsammlung erbrachte für die Ortsgruppe Alten-Buseck den stattlichen Betrag von 70,40 Mark. Hiervon entfielen auf Alten-Buseck 35,65 Mark, Rödgen 24,25 Mark und auf Trohe 10,50 Mark. — Die H o l z h a u e r e i im Gemeindewald Daubringen wurde am Montag beendet. Im Staatswald Nieder-Seilbach wurde am Dienstag eine Rotte aus Treis (Lumda) eingestellt, damit die Holzhauerei früher beendet werden kann. Die Arbeiten im Gemeindewald Alten-Buseck werden in den nächsten Tagen zum Abschluß kommen.
co Lollar, 17. Jan. Die Sammlung am Sonntag vom Eintopfgericht ergab in der hiesigen Ortsgruppe einen Betrag von 277,60 RM. Das Ergebnis ist wesentlich höher als an den vorhergehenden Eintopssonntagen. — Am nächsten Sonntag wird hier die Kreisführerschule der NSj) AP. mit einem feierlichen Akt eröffnet. Sie befindet sich in der hiesigen neuen Schule, in der zwei Säle für die Kreisführerschule eingerichtet sind.
00 Ettingshausen, 17. Jan. Die am vergangenen Sonntag für das Eintopfgericht durchgeführte Sammlung erbrachte in der hiesigen Ortsgruppe folgende Beträge: Ettingshausen 28,27 Mark, Queckborn 26,60 Mark, Münster 12,75 Mark; insgesamt also 67,62 Mark.
-s-Grünberg, 18. Jan. Bei der gestern hier abgehaltenen Holzoer st eigerung aus der staatlichen Försterei Harbach, bei der größere Mengen Buchenholz aus den Forstorten in der Gemarkung Göbelnrod zum Ausgebot kamen, wurden folgende Durchschnittspreise erzielt: Buchenscheit 8 Mark, Buchenknüppel 6 Mark je Raummeter. Eine Versteigerung im städtischen Walde hat bis jetzt noch nicht stattgefunden, trotzdem auch hier wegen des erhöhten Hiebsatzes — 4800 Festmeter gegenüber 3200 Festmeter im Vorjahre — größere Mengen zum Verkauf kommen werden.
4= Lauter, 17. Jan. In diesen Tagen feiert unsere Mitbürgerin Frau Eleonore Tröller in voller körperlicher, geistiger Frische ihren 8 2. Geburtstag. Ihr Ehegatte konnte im November vergangenen Jahres sein 81. Lebensjahr vollenden. Im Jahre 1932 konnten die Eheleute im Kreise ihrer Angehörigen das Fest der goldenen Hochzeit feiern.
> Holzheim, 17. Jan. In der Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember v. I. wurden hier im Ob» dachlosenheim, das sich im Rathaus befindet, 715 Personen Nachtquartier gewährt.
co Eberstadt, 17. Jan. Bei der im benachbarten Klosterwald abgehaltenen Holzverstei- g e r u n g wurden für je zwei Raummeter folgende Preise erzielt: Buchenscheite 18 bis 22 Mark, Buchenknüppel 14 bis 16 Mark, Eichenscheite 11 bis 13 Mark, Eichenknüppel 5 bis 6 Mark, Fichtenknüppel 4 bis 5 Mark, Buchenreisig (10 rm) 10 Mk., Eichenreisig (10 rm) 7 Mark.
co Langsdorf, 17. Jan. Die erste öffentliche Holzversteigerung in unserem Gemeindewald hatte ein für die Finanzlage der Gemeinde befriedigendes Ergebnis. Es kosteten Buchenscheitholz pro rm im Durchschnitt 9 Mark, Buchenknüppel 5,50 Mark. Buchenreisig 1 Mark, Buchenstockholz 4 Mark. Für Lärchenschnittholz wurden pro rm 5 Mark geboten. Von anderen Holzarten kamen nur unbedeutende Mengen zum Verkauf. — Ein hiesiger Landwirt hielt kürzlich eine freiwillige Güte r v e r st e i g e r u n g ab, bei der folgende Preisbildungen zustandekamen: Eine Wiese von 4300 Quadratmeter galt 1760 Mark, ein weitenlleaener Acker von 4400 Quadratmeter 1320 Mark, ein Obstbaumstück von 700 Quadratmeter auf wenig ertragreichem Boden 286 Mark, ein Grabstück von 450 Quadratmeter 460 Mark. Diese Preise, die der wirtschaftlichen Rentabilität des Ackerbaues nicht
entsprechen, bewiesen, daß das Landbedürfnis in hiesiger Gemeinde noch längst nicht befriedigt ist.
Kreis Bübingen.
* Selters, 17. Jan. Gestern kam hier die fünf» zehnjährige Gertrud Schauerauf eisglatter Straße so unglücklich zu Fall, daß sie einen Unterschen- k e l b r u ch erlitt und zur Behandlung nach Gießen gebracht werden mußte.
Kreis Alsfeld.
LPD. Alsfeld, 17. Jan. Seit 1. Dezember v. I. wurde die auf einem Gute als Hausdame angestellte geschiedene Frau Erna Schickedanz aus Offenbach vermißt. Die Frau war zuletzt in der Gegend des Dorfes Ohmes gesehen worden. Vor einigen Tagen wurden planmäßig Streifen in dem in Betracht kommenden Gelände veranstaltet, wobei man erst das Fahrrad und die Handtasche der Vermißten, am folgenden Tage die Frau selbst tot in einem Waldstück bei Ohmes auffand. Die Tote, deren Ableben offensichtlich durch Erhängen eingetreten ist, war infolge der langen Zeit schon fast unkenntlich. Man nimmt an, daß die Frau aus Gram über die Ehescheidung freiwillig in den Tod gegangen ist.
£ Windhausen, 17. Jan. Landwirt Eduard Schmidt hat durch Vermittlung der Ortsbauern- schäft, sowie Siedlungsgesellschaften sein Gehöft an Landwirt Schaaf von hier übergeben, um in Altenburg einen Teil des Bredowschen Gutes zu bewirtschaften, das z. Zt. versiedelt wird. Es wurden damit zwei leistungsfähige Bauern- Höfe geschaffen. Wie man hört, wurde ein Drittel bar bezahlt, während sich der Rest im Laufe von 40 Jahren mit dem Pachtpreis amortisiert. So wird unternehmungslustigen Landwirten die Möglichkeit gegeben, zu siedeln, ohne daß sie Gefahr laufen
müssen, eines Tages von Haus und Hof zu kommen, wenn sie vielleicht einmal durch eine Mißernte die Zinsen nicht aufbringen können.
ss. Grebenau, 17. Jan. Bei der gestrigen Polizeijagd auj Wildschweine in den Waldungen des Forstamtes Grebenau wurde e i n Keiler zur Strecke gebracht. Der glückliche Schütze war Georg Schmidt, Grebenau.
Hochherzige Tat eines alten Invaliden.
Dillenburg, 17. Jan. (LPD.) Ein alter Invalide aus dem Dillkreis, der von der Deutschen Arbeitsfront eine zusätzliche Rente von 24 Mark monatlich erhält, kam am Dienstag freudestrahlend zum Geschäftszimmer der Deutschen Arbeitsfront und bat, ihm vom 1. Januar ab 5 Mark monatlich von seiner Unter st ützung einzu behalten und sie dem ä l t e st e n bedürftigen Saarinvaliden zu überweisen. Den Einwand, daß er ja selbst sehr bedürftig sei, ließ er nicht gelten, er müsse seiner großen Freude und Dankbarkeit, so meinte er, mit einer Tat Ausdruck geben, die für ihn ein empfindliches Opfer bedeute.
Zwischenfall bei einer Beerdigung.
LPD. Lampertheim, 17. Jan. Ein ungewöhnlicher Vorfall ereignete sich bei der Beerdigung einer älteren Frau. Die Gruft war nicht breit genug ausgehoben, und um diesen Fehler zu beheben, stieg ein Arbeiter in das Grab. Dabei stürzte die Erde nach; er wurde verschüttet und so unglücklich von Stützbrettern blockiert, daß er fast erstickt wäre. Nach seiner Rettung mußte er in ärztliche Behandlung übergeführt werden.
SJL-Spoit
OerOFB-Bundesjugend-Sportlehrer spricht in (ließen.
Der Jugendsportlehrer des Deutschen Fußballbun- des Gabriel aus Berlin hält vom 28. Januar bis 3. Februar 1935 in unserem Gau Vorträge über den Umbruch der Jugendorganisation des DFB. und über die hierdurch anfallenden Arbeiten, die in der nächsten Zeit von ollen Vereinen in ihrem Jugendbetrieb zu leisten sind. Zu den Vorträgen sind alle Dereinsführer, Vereinsjugendleiter, Jugendlichen und die Schiedsrichter eingeladen, soweit ihnen am gleichen Abend die Heimkehr an ihren Wohnort möglich ist.
Der Bundesjugend-Sportlehrer spricht am 28. Januar in Hanau, 29. Januar in Bad-Nauheim. 30. Januar in Gießen (Leiter: Kreisführer Henkel), 31. Januar in Marburg, 1. Februar in Corbach, 2. Februar in H. Lichtenau, 3. Februar in Kassel.
Marburg gewinnt die deutsche Hochschul-Fuhbattmeifferschaft
Im Kampf um die Deutsche Hochschul-Meisterschaft im Fußball siegte in Nürnberg die Universität Marburg gegen die Universität Würzburg mit 5:3 (4:3) Toren.
Oie Winternachtfahrt verleat.
Die Winternachtfahrt des Gaues 3 Hessen des DDAC., die ursprünglich für den Monat Januar vorgesehen war und gemeinsam mit der Motorbrigade Hessen der NSKK. durchgeführt werden sollte, muß um einige Wochen verschoben werden, weil die neuen Richtlinien im Kraftfahrsport, die im Interesse einer einheitlichen Arbeit im Reich notwenda sind, noch nicht in ihrer endgültigen Form festliegen.
Sieg der deutschen Tennislehrer.
Nach dem l:0-Stand des ersten Tages konnten die deutschen Tennislehrer, die im Haag einen Län-
dertarnpf gegen Holland bestritten, noch einen sicheren 4:1-Sieg erringen. Messerschrnidt -Frankfurt a. M. verlor sein zweites Einzelspiel gegen Goedraad 4:6, 6:1, 1:6, 6:3, 6:1. Najuch gewann seine beiden Einzelspiele, ebenso fiel das Doppel an Deutschland.
Oie Spiele -er Bezirkskiaffe, Gruppe Gießen-Oill.
W.-Steinberg — 1900 Gießen (Krug, Friedberg); DfB.-R Gießen — Naunheim (Falk, Marburg); TuSV. Bissenberg — Wetzlar (Künstler, Friedberg); Dillenburg — Frohnhausen (Rüspeler, Gießen).
Oie Spiele der Kreisklassen am Sonntag.
1900II — Großen-Buseck (Willer,Wetzlar); VfB.II gegen Heuchelheim (Kaletsch, Wetzlar); Lich — Krofdorf (Schneider, Gießen); Wieseck — Leihgestern (Keller, Naunheim); Aßlar — Wetzlar II (O. Rüspeler, Gleiberg); Spfr. Wetzlar — Burgsolms (Küster, Berghausen); Werdors — Naunheim II (Grote, Mainzlar); Nauborn — Tgde. Wetzlar (Deibel, Gie- ßen); Holzhausen — Leun (Volkmar, Wetzlar); Al- lendorf — Garbenteich (Niersbach, Wetzlar); Treis gegen 1900 III (Schnabel, Wieseck), Alten-Buseck gegen Londorf (Offenbacher, Gießen); Werdors II gegen Bechlingen (Wolf, Allendorf); Oberndorf gegen Leun II (Lind, Wetzlar); Bonbaden r- Berghausen (Kreiling, Gießen); WetzlarIII — Burgsolms II (R. Würz, Holzhausen); Spfr. Wetzlar II — Aßlar II (Kröner, Oberbiel) Ehringshausen — Tgde. Wetzlar II (Knavp, Werdorf); Rodheim — Vetzberg (Weinandt, Leihgestern); Fellingshausen — Launs- bach (Sack, Heuchelheim); Hohensolms — Heuchelheim II (Dietzel, Wetzlar).
Schülerspiele: Nauborn — Aßlar (Trautmann, Büblingshausen); Büblingshausen — Spfr. Wetzlar (Dörr, Werdorf).
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Anni Stolte unterbot deutsche Bestzeit. Die Düs* seldorfer Meisterschwimmerin Anni S t o l t e ver* besserte die bisherige deutsche Höchstleistung im 400-m-Rückenschwimmen von 6:38,5 auf 6:33,6.
Iugends piele: Tgde. Wetzlar — Albshausen (Drescher, Garbenheim); Leun — Holzhausen (Bern* Hardt, Tiefenbach).
*
1900 II empfängt Großen Buseck. Gegen dies« Mannschaft dürfte 1900 selbst bei größtem Eifer nicht aufkommen. Heuchelheim tritt gegen VfB. II an. Hier muß der Tabellenführer beweisen, ob er fähig ist, auch weiter die Spitze zu halten. Krofdorf fährt nach Lich und hat dort wenig Aussichten auf Sieg. Leihgestern muß in Wieseck antreten, wo der Platzverein dem Gegner keinerlei Chancen lassen wird. Allendorf empfängt Garbenteich und sollte sicherer Sieger werden. Treis hat 1900 III zu Gast. Der eigene Plaß sollte ausschlaggebend sein. Londorf trifft in Alten-Buseck auf einen äußerst starken Gegner, der voraussichtlich Sieger werden dürste. Lokalkampf in Rodheim: Vetzberg hat keine Aussicht auf Sieg. Fellingshausen empfängt Launs- bach und sollte das Spiel gewinnen können. Heuchelheim II fährt nach Hohensolms und wird die Punkte mit nach Hause bringen.
Vorspiel um dieIugendgruppeumeister- schast des OZB., Gruppe Gießen.
Durch Auslosung wurde bestimmt, daß am kommenden Sonntag, vor dem Ligaspiel VfB.-Reichs- bahn Gießen gegen Naunheim, das Vorspiel um die Jugend-Gruppenmeisterschaft der Abteilung I des Sportkreises Gießen zwischen der 1. Jugendmannschaft der Spielvereinigung 1900 Gießen gegen die gleiche Mannschaft des Sportvereins 1920 Heuchelheim stattfindet. Leihgestern spielt am Sonntag darauf gegen den Sieger aus diesem Treffen.
Am vergangenen Sonntag trennten sich beide Mannschaften in einem Gesellschaftsspiel unentschieden 3:3. 1900 wird wesentlich verstärkt antreten, es wird trotzdem nicht leicht werden, gegen die äußerst flinken Heuchelheimer Spieler einen Vorteil herauszuholen.
Nachdruck verboten!
11 Fortsetzung
Was soll ich denn mit einem Auto? ROMAN VON KÄTHE METZNER.
Urheberrechtsschutz: Füns-Türrne-Verlag, Halle (S.).
bildung genossen hatte, und der sie auch die Vermittlung dieses ersten Engagements verdankte.
Frau Msrenthien hatte eine ziemlich bedeutende Laufbahn hinter sich, war aber, wie das so wenige können, rechtzeitig aus der Oefsentlichkeit zurückgetreten und hatte eine Ballettschule gegründet, die sich eines ganz ausgezeichneten Rufes erfreute, und aus der schon manche später bekannte Tänzerin hervorgegangen war.
Augenblicklich war Gisela Steinbrück die Schülerin Frau Merenthiens, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigte.
„Gisela, Sie wissen ja ganz genau Bescheid! Ich verlasse mich nun vollkommen auf Sie!" sagte sie jetzt noch einstläl ruhig und zuversichtlich.
„Ach, Frau Direktor! Ich werde es schon machen. Ja! Nur .. das Herz klopft mir doch ein bißchen sehr. Das exstemal!"
Die Meisterin lächelte. Giselas Wuchs, ihre Be- gabung, ihre Schönheit ... Ihr war nicht bange.
Die erste Nummer war ein ganz grotesker Clowntanz, der Gisela fabelhaft lag und bei dem ihre Beweglichkeit zum vollen Ausdruck kam. Das Gegenstück hierzu war die zweite Nummer: „Traum". v
„Ich habe mich so oft gewundert, Gisa, daß Ihnen die zweite Nummer so liegt! Dieses Traumhaft-Versonnene, diese hingebenden Bewegungen passen eigentlich so wenig zu Ihrem sonstigen Temperament. Woher Sie das genommen haben, ist mir rätselhaft. Aber es ist natürlich herrlich, daß Sie nicht einseitig sind" hatte Frau Merenthien erst vor kurzem gesagt.
„Oh, da ist schon ein kleines Geheimnis habet, Frau Direktor! Aber — Ihnen kann ich es ja verraten. Sie kennen meine Schwester Gerlinde mcht. Wir sehen uns äußerlich ähnlich wie aus den Augen geschnitten, aber unsere Wesensart ist grundver- schieden. Ich bin die nüchternste Wirklichkeit, die man sich denken kann. Ich baue alles auf meinem Willen auf, stecke mir meine Ziele und setze alle Kraft ein, um sie zu erreichen. Meine Schweller ist das ganze Gegenteil. Sie ist wirklich ,Traum Ich brauche nur an Gerlinde zu denken, nur ihre Art nach'zuahmen: wie schön sie lächelt, wie sie sich bewegt — das ist so unwirklich schön das ist eben Traum" sagte Gisela lächelnd.
Die Meisterin hatte den Kovf geschüttelt. Damit konnte sie llch nicht einverstanden erklären.
„Nein. Gisa, so darf das aber nicht fein! Dos wäre ja Nachahmung. Sie sollen doch aber als Künstlerin aus sich selber heraus fchaffen. Ach, ich bin gewiß, Sie irren sich, Giesela! Das alles hegt tn Ihnen auch. Sie sind nur zu jung und wissen es nicht. Man kann nichts nachahmen, was mcht tief in einem selber ist." . ,.
An dieses Gespräch mit ihrer Schülerin dachte die Meisterin später, als Gisela Steinbruck m der Verdi-Diele zum ersten Male vor dem Publikum ihre Nummer „Traum" tanzte
„Nein, das kann ich dir nicht versprechen, Ria! Jetzt nicht und niemals! Du mußt mir glauben, daß ich Fräulein Steinbrück nicht liebe."
„Also liebst du sie doch?"
„Fängt es wieder an, Ria?" Jetzt verging die weiche Regung in Günter von Gersheims Gesicht, und es wurde sehr hart.
„Ich werde recht behalten, Günter! Nein, hab' feine Angst, es fängt nicht wieder an. Aber — sie ist doch nur eine ganz, ganz große Komödiantin. Nichts weiter."
„Ich kenne sie nicht, Ria! Aber mein. G-wsijen gebietet mir, das fremde junge Mädchen m Schutz zu nehmen."
Ria lachte auf.
Ah! Günter, Freiherr von Gersheim, Ritter der Mannequins!" jagte sie, noch immer zynisch lachend. _...
Dann wandte sie sich zur Tur.
Günter von Gersheim begleitete Ria trotzdem bis an ihren Wagen. Seine Verbeugung war, wie immer, tadellos. ~, ££ , ,, hll
„Leb wohl, liebe Ria! Ich hoffe sehr, daß du dich besinnst, und daß alles gut wird.
„Und ich hoffe, daß ich recht behalte. Unk) .. ich werde recht behalten", triumphierte Ria Velten. „Ich rufe dich an. Leb wohl, ©unter.
Der Motor sprang an. Noch einmal lachte Ria. Dann lenkte sie ihre Aufm.elrjamkett auf das Steuer.
*
In der Verdi-Diele war der Übliche allabendliche Betrieb, wie er sich in all den vornehmen T°nZ- Gaststätten Berlins abspielt. Hier verkehrten speziell Künstler vom Film und Theater, und ^ "ar n folgedesien nur allzu begreiflich, daß Gisela Stem brück, di- seit dem ersten Dezember h,°r für: Oret Soloeinlagen am Abend engagiert war an ° -l°- Engagement bewußt ober auch unbewußt b ften Hoffnungen knüpfte.
So energisch und zielbewußt Gisela aber son, austrat, sie kannte cs doch nicht verhindern, daß ihr vor diesem ersten Austreten tn der Oeiscntlich ^Ste°ftand jetzt In dem kleinen Künstlerzimmer und test ruhig noch einig- Instruktionen °°r .> ■ -rin" Über sich ergehen. Die Meisterin war die Leiterin der Ballettschule, an der Gisela ihre Aus
Ihre scharfen Augen folgten jeder Bewegung der Schülerin. Aber es war nichts zu tadeln. Gisela übertraf ihre kühnsten Erwartungen.
Das verwöhnte Publikum, das nicht allzu geneigt war, den Unterhaltungseinlagen im allgemeinen zuviel Aufmerksamkeit zu schenken, schaute interessiert auf.
Dieses junge Geschöpf war ja hinreißend schön. Berührte sie den Boden überhaupt oder schwebte sie nur darüber hin? Es war etwas in Giselas Art zu tanzen, das das Auge bannte, das gleichsam einspann in die Harmonie der Bewegungen, die mit dem Rhythmus der zarten Musik so ocr» schmolzen.
Der Beifall war für diese Umgebung ungewöhnlich stark. Frau Merenthien strahlte.
Ein ebensolcher Erfolg war die dritte und letzte Nummer Giselas, ein russischer Bauerntanz, non Gisela aber künstlerisch variiert und mit solch einer Glut des Empfindens getanzt, daß sie die Zuschauer packte und mitriß.
Gisela befand sich in einem Rausch des Triumphs und Glücks.
„Der Erfolg gibt mir recht!" lächelte sie ihrem schönen Spiegelbild zu. „Ich werde auf diesem Wege vorwärtskommen. Man wird mich feiern, vergöttern. Ach, Mutter ... ach, Gerlinde, du kleines dummes Schäfchen! Wenn ihr hier bei mir ge- roefen wäret heute, bann würbet ihr wohl anderen Sinnes werden. Man muß sich selber seine Zukunft schaffen."
Da trat Frau Merenthien bei ihr ein.
„Gisela, ich gratuliere Ihnen, Kind! Sie haben sich selbst übertroffen. Doch wir wollen uns nicht allzu lange hier aufhalten. Ich sehe, Sie haben sich bereits umgefleibet. Das ist gut. Wir wollen gleich hinuntergehen. Wir sind für heute abend gebeten, noch hierzubleiben. Ein paar Stammaäste möchten Sie gern kennenlernen."
„Mich?" Gisela beherrschte nur mühsam ihre Erwartung, während sie in dem schlichten Abenb- kleide, das ihre junge Schönheit so ganz besonders betonte, neben Frau Merenthien in das elegante Lokal hinunterschritt.
Frau Merenthien schritt auf einen Tisch zu, der zwischen Palmen in einer lauschigen Nische stand, und an dem sich aroei Herren im tadellosen Abendanzug erhoben, als sie die Damen gewahrten.
„Dottor von Sachs", stellte der eine sich vor. Dann deutete er auf seinen Begleiter. „Mein Kollege, Doktor Zenker."
„Freut uns außerordentlich, meine Gnädigste, daß Sie uns die Ehre erweisen wollen, den Rest des Abends in unserer Gesellschaft zu verbringen", wandte dieser sich an Gisela.
Das junge Mädchen strahlte. Frau Merenthien strahlte. Sekt kam. Die Stimmung an dem kleinen, versteckten Tische steigerte llch von Stunde zu Stunde
Doktor von Sachs und Gisela tanzten.
„Elfchen ..." Doktor von Sachs drückte Gisela während des Tanzes an sich.
Dem Mädchen fiel es nicht auf, baß ber offizielle Ton so schnell einem anberen gewichen war. Sie sah nicht, baß in ben Augen bes Mannes bas Begehren brannte ... ober wollte sie das nicht sehen?
„Wissen Sie, daß wir eigentlich schon alte Bekannte sind?" fragte Doktor von Sachs plötzlich unvermittelt.
Gisela lächelte ahnungslos.
„Nicht daß ich wüßte, Herr Doktor!"
,^)eu, kleiner Racker! So jung und schon so ...*, er verschluckte das Wort, das er scheinbar auf der Zunge hatte, und vollendete: „Ich müßte mich doch sehr tauschen, wenn ich Sie neulich in der ,Femina' gesehen haben sollte. Hatte ben ganzen Abenb schon ein Auge auf Sie. Aber Sie waren ja so engagiert Gingen übrigens sehr früh weg. Glaube, schon so gegen zwölf Uhr ober nach zwölf ..."
Währenb feiner Worte hatte er Gisela scharf fixiert, bie ohne Zögern erroiberte:
„Nun ja! Ich gebe zu. Sie haben sich nicht geirrt, Herr Doktor! Ja — ich war einmal in der ,Femina' zum Tanz. War reizend an dem Abend. Hm! Schließlich bin ich ja keinem Rechenschaft schuldig."
„Gewiß nicht, kleines Mädchen! Nein, nein! Nur nicht verplempern! Wäre schade um so eine kleine süße Maus wie Sie. Die Herren Kavaliere Oh, man weiß ja Bescheid. Sie fuhren dann übrigens mit einem Herrn im Auto weg. Sah es zufällig. Ging zur selben Zeit. Ich hatte irgendwie kein Interesse mehr an dem Rummel. Die Sonne war weg. Und diese blassen Sternchen da interessierten mich nicht weiter."
Gisela erinnerte sich nur zu genau. Es war ein hübscher Abend gewesen. Mit einer Kollegin war sie dort gewesen in der „Femina". Man hatte ein bißchen getanzt, geraucht ... Ein Bekannter der Kolleain hatte sie mit seinem Wagen heimgebracht, weil sie schließlich doch ein bißchen Unruhe bekam. Aber zu Hause schlief alles, als sie heimkam. Nun, die Sache war gut vorbeigegangen. Sie hatte bei der Mutter ein bißchen gemogelt, als sie fragte. Und dann krähte kein Hahn mehr danach.
„Oh, mein Herr! Von Verplempern kann feine Rede fein. Sie brauchen wirklich nicht meinen Schutzengel zu spielen. Ich beschütze mich schon selbst. Uebrigens ein drolliger Schutzengel, wenn man Sie so ansieht ..." Gisela lachte übermütig und entzückend, was Doktor von Sachs wieder aufs neue entflammte.
„Ah, meine Schöne, ich verstehe ... Sie spielen auf meine ergrauten Schläfen an. Oh ... das machen die Sorgen!"
(Fortsetzung folgt!)


