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Der Voden als Träger der Dolksernährung.

Von Dr. Opitz, o. Professor an der Landwirtschaftlichen Kochschule Berlin-Dahlem.

Die Sicherung unserer Volksernährung aus eige­ner Scholle ist bekanntlich der zur Zeit im Vorder­gründe aller agrarpolitischen Fragen stehende Grundsatz. Die Ursachen dafür, daß mit allen Mit­teln auf Nahrungsfreiheit hingearbeitet werden muß, sind bekannt; sie sind einmal in der Devisennot zu suchen, also wirtschaftlicher Art, zum anderen sind sie bevölkerungs- politischer Art; ein großes, arbeitssames und fähiges Volk muß aus politischen, nationalen und rassischen Ursachen heiß darum bemüht sein, selbst für seine Lebensgrundlagen zu sorgen. Im national­sozialistischen Staat kann dieses große Ziel von keinem Volksgenossen außer acht gelassen werden.

In allererster Linie gilt dies für den deut­schen Bauern. Wird er das gesteckte Ziel er­reichen können? Wird er imstande sein, aus seiner Scholle so viel herauszuholen, daß die Selbsterhal- hing künftig vollkommen gesichert erscheint? Man­nigfache Erfahrungstatsachen berechtigen uns dazu, diese Frage annähernd hundertprozentig zu be­jahen. Zunächst sei auf den großen Aufschwung der deutschen Landwirtschaft in den letzten fünfzig Jahren vor dem Weltkrieg verwiesen: die Flä- chenerträge von Brotgetreide, Kartoffeln und anderen Erzeugnissen des Bodens st i e g e n trotz gefährlicher Wirtschaftskrisen stärker an als die Bevölkerungszahl. Im Durchschnitt lagen die Flächenerträge in Deutschland vor dem Kriege höher als in anderen europäischen Ländern mit günstigeren Klima- und Bodenverhältnissen. Dieselben Ert(agshöhen sind nach Ueberwindung der Folgen des Weltkrieges in der Neuzeit nicht nur erreicht, sondern in den letzten Jahren sogar noch übertroffen. Dabei sind wir aber noch keineswegs am Ende der Entwicklung, denn es ist eine feststehende Tatsache, daß die wissenschaftlichen i'nd praktischen Erfahrungen auf dem Gebiete des Ackerbaues trotz aller bereits erzielten Fortschritte noch keineswegs restlos von allen, denen ein Stück deutschen Ackerlandes anvertraut ist, ausgenutzt werden. Nachdem jetzt durch die nationalsozialistische Agrarpolitik die Wirtschaftlichkeit einer Mehrerzeu­gung durch das Festpreissystem und andere weit­sichtige Maßnahmen sichergestellt ist, bedarf es da­her nur noch der vollen Auswertung dessen, was wir über die Technik des Anbaues, die Düngung usw. bereits wissen, um der Er­zeugung von Gütern aus der heimischen Scholle einen neuen starken Impuls zu geben.

Die Erzeugung von Pflanzenmassen ist ein ver­wickelter, von vielen Wachstumsfaktoren und deren physiologischem Gleichgewicht abhängiger Vorgang, unter denen aber der Boden als Träger, Nähr­stoffquelle und Vermittler aller Wachstumsfaktoren an allerer st er Stelle steht. Mögen auch ge­wisse in der Hand des Bauern liegende Maßnah­men, wie insbesondere zweckmäßige Düngung und Anbau dem Standort bestens angepaßter Kultur­pflanzenarten und -sorten besonders leicht ins Auge fallende Erfolge zeitigen, so kommt der Bear­beitung des Grund und Bodens doch des­halb eine grundlegende Bedeutung zu, weil sie in mancherlei Hinsicht erst die Voraussetzungen für die möglichst vollkommene Ernährung der Pflanze, überhaupt für kräftiges Wachstum und hohe Er­träge schafft. Auf einem sich selbst überlassenen Boden können im Gegensatz zur Unkrautflora Kul­turpflanzen nicht gedeihen. Denn nur die Bear­beitung versetzt den Boden in jenen günstigen physikalischen Zustand, in dem er bei entsprechen­dem Lockerheitsgrad von gröberen und feinen Hohl-1 räumen, den Trägern der lebenswichtigen Elemente Wasser und Sauerstoff, durchsetzt ist. Nur unter solchen Bedingungen vermag die Pflanze ein kräf­tiges Wurzelsystem zu entwickeln, können die Wur­zeln atmen, Wasser und Nährstoff aufnehmen und den oberirdischen Planzenkörper aufbauen. Ohne diese durch die Bearbeitung bewirkten Poren im

Boden gibt es keine Lösung und Verteilung von Nährstoffen aus dem Nährstoffkapital des Bodens, ist auch eine volle Entwicklung der Bodenbakterien, jener Kleinlebewesen, welche den Boden an Stick­stoff bereichern, die, selbst auf das Vorhandensein von mildem Humus im Boden angewiesen, diesen Humus weiter zu Pflayzennahrung verarbeiten, un­denkbar; ohne Bearbeitung gibt es daher keine Bodengare, von der wir doch wissen, daß sie den wesentlichsten Teil der Bodenfruchtbarkeit darstellt. Ebenso wie ein völlig unbearbeiteter fördert auch ein schlecht bearbeiteter Boden die pflanzenschäd­lichen und hemmt oder hindert die der Pflanze för­derlichen chemischen und biologischen Prozesse. Hier fehlt es entweder an Luft oder an Wasser; all die günstigen Atmungs-, Zersetzungs- und Lösungs­vorgänge finden in unzureichendem Maße oder überhaupt nicht statt. Der Boden versauert infolge Mangels an Sauerstoff; er wird unfruchtbar.

Ebenso wie der Bauer von der Bedeutung einer guten Bodenbearbeitung grundsätzlich überzeugt sein muß, weiß er auch, daß es eine für alle Fälle beste Art der Bodenbearbeitung nicht gibt, daß auch hier, wie bei allen ackerbaulichen Maßnahmen, reiner Schematismus von Uebel wäre. Wir kennen zwar gewisse Grundsätze der Bearbeitung als richtig und allgemein zu­treffend, wissen aber, daß deren Verwirklichung je nach Lage der Dinge ganz verschieden sein kann: jeder Boden muß individuell behandelt werden.

Die Ursachen hierfür sind vielseitig und mannig­faltig: sie beruhen natürlich zunächst in der Man- nigfaltigkeit der Böden selbst, weiter im Klima und der jeweiligen Witterung. So verlangt ein schwerer Boden in feuchtem Klima eine völlig andere Behandlung als ein Sandboden oder lehmi­ger Sandboden in trockener Lage. Entscheidend sind weiter wirtschaftliche Gesichtspunkte, so die Art der anzubauenden Pflanze, deren Vor­frucht, die Art der Düngung, ob es sich darum han­delt, Stalldung oder Gründung oder Kalk oder künst­liche Düngemittel dem Boden einzuverleiben; auch die verfügbaren Zugkräfte, ob motorische Kraft oder nur Zugtiere, und hier wieder ob Pferde oder Zug­ochsen zur Verfügung stehen, sprechen dabei mit. Es ergibt sich daher eine große Mannigfaltigkeit der Bearbeitung mit Bezug auf die Zeit, die Häufigkeit, die Tiefe und Breite der Arbeitsgänge. Gan; beson­dere Ausmerksamket erfordert auch die Frage der Anwendung der einzelnen Geräte, ihrer Aufeinanderfolge, ihrer Verbindung mit- und Er­gänzung untereinander. Der wichtigste Träger der Bodenbearbeitung ist auch heute immer noch der Pflug; je nach der Schwere und Schichtung des Bodens, je nach Zeit und Arbeitszweck stehen aber wieder ganz verschiedene Pflugtypen zur Verfügung, und groß ist die Zahl der zur Ergänzung der Pflug­arbeit in Betracht kommenden Geräte wie Krümmer, Grubber, Eggen, Walzen, Packer, Schleifen usw-, von der Fülle der verschiedenen Arten von Drill­maschinen ganz abgesehen. Jedes einzelne dieser Geräte ist aber wieder der Bodenart und der Ar­beitszeit weitgehend anzupassen. Allgemein aner­kannt, in der Ausführung je nach Lage der Dinge aber grundlegend verschieden ist auch der Grundsatz Pflegliche Behandlung des Bodens auch nach der Saat" mit dem Ziel, einen guten physikali­schen Bodenzustand auch während des Wachstums zu erhalten und zugleich das Unkraut zu vertilgen. Erst wenn die Pflanzendecke sich zu schließen be­ginnt, sind die Pflegemaßnahmen beendet.

Für die Frage, wie weit die Grundsätze einer vollkommenen Bodenbearbeitung in sorgfältiger An­passung an den Einzelfall nun wirklich in die Tat umgesetzt werden können, ist nicht allein die Tüch­tigkeit des Bauern als Ackersmann, sondern seine Tüchtigkeit als Leiter des Betriebes im ganzen genommen entscheidend. Denn

Nr.l5 Zweiter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessens Zreitag, 18. Januar M5

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selbst wenn er weiß, was mit seinen Ackerschlägen zu einer bestimmten Zeit zu geschehen hat, so nützen ihm seine Kenntnisse in der Bodenbearbeitung nur wenig oder nichts, wenn er die Arbeits-, Gespann­kräfte und Geräte infolge mangelhafter Einteilung und Führung des Betriebes nicht im richtigen Augenblick anzusetzen vermag. Nicht als ein wenn auch noch so wichtiges Ding für sich, son­dern als Glied eines organischen Gan­

zen in pflanzenphysiologischer wie in betriebswirt­schaftlicher Hinsicht ist wie alle übrigen landwirt­schaftlichen Teilmaßnahmen auch die Bearbeitung des Bodens zu betrachten. Derjenige aber, welcher der Landwirtschaft ferner steht, wolle einmal über­legen, ob der Bauer mit seinem Pfluge wirklich nur so einfache und selbstverständliche Arbeit ver­richtet, wie es der oberflächliche Beobachter im all­gemeinen zu glauben geneigt ist.

Morgen haben wir eine totale Mondfinsternis!

Ausblick auf die Himmelserscheinungen im Jahre 1935.

Von Dr Erwin Kossinna

Die alte Frage:Was wird die Zukunft bringen?" ist wohl zu keiner Zeit Gegenstand so lebhafter Erörterungen, wie zu Beginn eines neuen Jahres, wobei dann freilich meist der Phantasie ein recht weiter Spielraum gelassen wird. Nur eine Wissen­schaft, die S t e r n k u n d e, ist in der Lage, gewisse Erscheinungen mit Sicherheit vorauszusagen, da sie auf Vorgängen beruhen, die mit gesetzmäßiger Re­gelmäßigkeit wie ein Uhrwerk ablaufen. Jahrhun­dertelange Beobachtungen hatten es schon den Astro­nomen des Altertums ermöglicht, nicht nur eine den Ansprüchen des täglichen Lebens genügende Zeiteinteilung zu schaffen, sondern auch S o n n e n - und Mondfinsternisse vorauszusagen. Heute,

Licht. Der vom Erdschatten verdunkelte Teil des Mondes leuchtet häufig in kupferroter Farbe; diese rührt von den durch die Erdatmosphäre hindurch­gehenden Sonnenstrahlen, die hier gekrümmt werden und infolgedessen die Mondscheibe treffen. Die zweite Mondfinsternis am 16. Juli, 4 Uhr, bleibt in unseren Gegenden u n s i ch t b a r, da der Mond bei Beginn der Finsternis gerade untergeht.

Der Lauf des Mondes bestimmt bekanntlich das Datum der beweglichen Feste. In diesem Jahre ist nun am 20. März, einen Tag vor Frühlingsanfang, Vollmond. Da Ostern aber am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert wird^ in diesem Jahre also am 21. April, so fällt dieses Fest und

Sonne

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Die schematische Darstellung einer M o n d f i n st e r n i s, wie sie am 19. Januar wieder zu beobachten sein wird. Die Mondfinsternis, von der man in Deutschland nur die zweite Hälfte wird verfolgen können, dauert von 14.53 Uhr und endet um 18.41 Uhr. Hiervon umfaßt die totale Verfinsterung die Zeit von 16.03 bis 17.30 Uhr.

mit den so sehr verbesserten Hilfsmitteln der Astro­nomie, kann man solche Ereignisse fast auf die Sekunde genau berechnen.

Sonnen- und Mondfinsternisse.

Das Jahr 1935 bringt, wie schon kurz berichtet, nicht weniger als fünf Sonnen- und zwei Mond­finsternisse. Das ist die Höchst za hl der in einem Jahr überhaupt möglichen Finsternisse. Aber leider ist von den Sonnenfinsternissen keine einzige in Mitteleuropa sichtbar. Da der Schattenkegel des Mondes immer nur eine schmale Zone auf der Erdoberfläche trifft, wird die Finster­nis nur auf einem sehr beschränkten Gebiet sichtbar. Bei der in Nordamerika und Südgrönland zu be­obachtenden Sonnenfinsternis vom 3. Februar wer­den annähernd drei Viertel des Sonnendurchmessers abgeblendet. Die in Südamerika und Neuseeland sichtbare Finsternis am 25. Dezember ist dagegen ringförmig, da der Mond in Erdferne steht und kleiner erscheint als die Sonnenscheibe.

Von den beiden totalen Mondfinsternissen dieses Jahres ist in Deutschland nur die erste, am 19. Januar, sichtbar. Der Vollmond geht an diesem Tage in Mitteldeutschland gegen 16.30 Uhr bereits völlig verfinstert auf, so daß nur die zweite Hälfte des Vorganges beobachtet werden kann. Um 17.31 Uhr, wenn bei uns die Dämmerung in Dunkelheit übergeht, verläßt der Mond den Kernschatten der Erde. Damit hört die Totalität der Finsternis auf. Um 18 Uhr erscheint nur noch die Hälfte der Mond­scheibe verfinstert; 18.41 Uhr verläßt der Mond den

Kernschatten ganz und strahlt wieder im normalen damit auch Pfingsten nahezu auf den späte- sten überhaupt m ö g l i ch e w T e r m i n. Wir feiern dementsprechend Himmelfahrt erst am 30. Mai und Pfingsten am 9. Juni. Das Jahr 1935 weist daher nur 23 Sonntage nach Trinitatis auf, gegen­über 26 im vorigen Jahre.

Scheinbarer Lauf der Sonne.

Tief zieht die Sonne im Januar ihre Bahn am Himmelsgewölbe. In Mitteldeutschland erreicht sie nur eine Mittagshöhe von 16 Grad, und kurz ist der Tagbogen. Erst im Februar beginnt sie stärker zu steigen, erreicht am 21. März, 14 Uhr, den Him­melsäquator (Frühlings-Tag- und Nachtgleiche) und zugleich eine Mittagshöhe von 38 Grad. Am 22. Juni, dem Tag der Sommersonnen­wende, steigt sie 62 Grad über den Horizont. Zu­nächst langsam, bann immer rascher, wendet sie sich wieder dem Süden zu, überschreitet am 24. Sep­tember, 0.39 Uhr, den Aequator (Herbst-Tag- und Nachtgleiche) und erreicht am 22. Dezember, 19 Uhr, im Wendekreis des Steinbocks den südlichsten Punkt ihrer Bahn.

Die Sonne durchläuft ihre scheinbare Bahn am Himmelsgewölbe nicht mit gleichbleibender Ge­schwindigkeit. Demzufolge unterscheidet sich die wahre Sonnenzeit von der mittleren Ortszeit meist um einen gewissen Betrag, die sogenannte Z e i t g l e i - ch u n g. Mitte Februar bleibt die Sonne hinter der mittleren Ortszeit um 14,30 Minuten zurück; im November ist die Sonne dagegen der mittleren Orts-

Leben im Dienste der Menschheit

Die Persönlichkeit Albert Schweitzers.

Es ist ein tröstendes Wunder, wenn es in unserer Zeit des Spezialistentums noch immer Menschen gibt, die das Leben als ein großes Ganzes in sei­ner Tiefe und seinem Reichtum erfassen, wenn Men­schen ihr Wirken und Schaffen nur dem Heil der Menschheit weihen. Ein solcher Mann ist Albert Schweitzer, der hervorragende Theologe und Kulturphilosoph, der Bach-Forscher und Meister- Organist, der Arzt wurde, um im afrikanischen Ur­wald den Schwarzen seelische und körperliche Hilfe zu bringen, und es ist das Vorbildliche seines Daseins, das die besten Geister in aller Welt diesem Manne an feinem 60. Geburtstage in Bewunde­rung und Dankbarkeit Glückwünsche barbringen ließ.

Albert Schweitzer, der Elsässer, der aus der deut­schen wie aus der französischen Kultur so reich zu schöpfen wußte und doch so deutsch blieb, daß er nur das Deutsche als seine Muttersprache empfinden fann, hat selbst die Geschichte seines Schicksals, die wie eine schöne Legende der Gegenwart anmutet, in seinem Buch21 usk meinem Leben und Denken" geschildert. Er erzählte hier, wie er schon mit fünf Jahren seine Liebe zur Musik und mit acht die vom Großvater ererbte Leidenschaft für die Orgel endeckte. Bach und Wagner wurden seine größten künstlerischen Erlebnisse, und das Studium des genialen Johann Sebastian, dem er sich von Jugend auf widmete, verdankt ihm unendlich viel, denn er wurde nicht nur ein einzigartiger Wieder­beleber der Bachschen Orgelkunst, sondern auch der Begründer eines neuen Verständnisses für das Werk des Thomas-Kantors, der Herausgeber feiner Or­gelwerke und dann überhaupt ein Bahnbrecher in der Reform des Orgelbaues.

Den Kampf um die gute Orgel, der ihn so viel Mühe kostete und so segensreiche Süchte trug, hat er alsein Stück des Kampfes um die Wahrheit aufgefaßt, und dieses Ringen um Wahrheit be­stimmte überhaupt all fein Tun, führte ihn zum theologischen Studium und zu seinen großartigen religionswissenschaftlichen Arbeiten, in denen er eine Auseinandersetzung des christlichen ^^ubens mit der historischen Wahrheit erstrebte. Nachdem er vom Prediger zu St. Nicolai in Straßburg aus oen theologischen Lehrstuhl der Straßburger Universität gelangt war und sich als Gelehrter einen hochange- sehenen Namen errungen hatte, fing er mit dreißig Jahren ganz von vorn an, indem er den Entschluß faßte,Urwaldarzt zu werden!" Schon feit feinen (Stdbenk'ntagen mar es ihm unfaßlich gewesen, baß er ein glücki-iches Leben führen dürfte, wo er rings um sich soviel Leid und Sorge fak

An einem strahlenden Sommermorgen es war im Jahre 1896" so erzählt er selbst von die­sem Augenblick,überfiel mich der Gedanke, daß ich mein Glück nicht als etwas Selbstverständliches hinnehmen dürfe, sondern etwas dafür geben müsse. Indem ich mich mit ihm auseinandersetzte, wurde ich, bevor ich aufstand, während draußen die Vögel sangen, mit mir selbst dahin eins, daß ich mich bis zu meinem dreißigsten Lebensjahr für berechtigt halten wollte, der Wissenschaft und der Kunst zu leben, um mich von da an einem unmittelbaren menschlichen Dienen zu weihen." Notwendig schien ihm dazu das Studium der Medizin, und er stu­dierte nun von 1905 bis 1912 die Naturwissenschaf­ten, wozu er sich die Mittel durch Orgelkonzerte ver­schaffte, bestand die ärztlichen Prüfungen und war nun für feine neue Aufgabe ausgerüstet.

Zunächst hatte er daran gedacht, den Unglück­lichen, Verwahrlosten und Kranken in Europa zu helfen, aber ein Zufall lenkte feine Aufmerksamkeit auf die Kongo-Mission und die furchtbaren am Kongo herrschenden Zustände und nach Ueberwin­dung unzähliger innerer und äußerer Schwierig­keiten ging er 1913 als Missionsarzt nach der Sta­tion Lambarene, wo er dann ein so aufopfe­rungsvolles und segensreiches Wirken entfaltet bat. 1917 wurde er mitten aus fruchtbarster Tätigkeit in diesem französischen Kolonialgebiet dadurch her­ausgerissen, daß er als Deutscher in ein französisches Gefangenenlager gebracht wurde, und als er nach sieben Jahren wieder zurückkehren konnte, war un­terdessen das von ihm erbaute Spital zusammen­gebrochen und mußte wieder aufgebaut werden.

Neben diesem unermüdlichen Schaffen im Urwald war Schweitzer künstlerisch und wissenschaftlich tätig. Aus der Berührung mit den Primitiven und den Anfängen kulturellen Lebens erwuchs ihm seine Kulturphilosophie. Er erkannte, daß der Niedergang unserer Kultur eine Folge des Kraftlos­werdens der ethischen Werte ist und daß eine neue Kultur nur aus einer ethischen Weltanschauung ge­schaffen werden könne, als deren Grundlage ihm die Ehrfurcht" vor dem Leben erscheint.

Diese Kultur einer ethischen Welt- und Lebens­bejahung hat er an dem Studium der Weltreligionen auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft und soeben erst in einem neuen Werk der Weltanschauung der indi­schen Denker gegenübergestellt. Er fand seine Auf­fassung vollauf bestätigt, und gewann daraus, ver­trauend auf die Kraft der Wahrheit und des Geistes, feinen Glauben an die Zukunft der Menschheit.Als Gutes ist mir zuteil geworden", sagt er am Schluß seiner eigenen Lehensschilderung,daß ich im Dienste her Barmherzigkeit stehen darf, daß mein Wirken Erjolg hat, datz ich viel Liebe und Güte von Men­

schen erfahre, daß ich treue Helfer habe, die mein Tun zu dem ihren machen, daß ich über eine Ge­sundheit verfüge, die mir angestrengtestes Arbeiten erlaubt, daß ich eine sich stets im Gleichgewicht hal­tende Gemütsart und eine mit Ruhe und lieber- legung sich betätigende Energie besitze, und daß ich alles, was mir an Glück widerfährt, auch als solches erkenne und als etwas hinnehme, für das ich Dank­barkeitsopfer darzubringen habe." C. K.

Auf der Suche nach dem llr-pimpf.

Was einPimpf" ist, das weiß heute ein jeder! Das ist so ein prächtiger kleiner Kerl, der im Jung­volk mit schiefem Mützchen singend hinter Fahne und Trommel herzieht. Aber sein seltsamer Name hat die Sprachforscher nicht ruhen lassen und in derMuttersprache", der Zeitschrift des Deutschen Svrachvereins, wurde eifrig nach dem Ursprung des Wortes und damit nach dem ersten Träger dieses Namens geforscht. Eine Fülle von Auskünften und Deutungen werden dort bekannt gegeben, die zwar den Ursprung des Wortes nicht eindeutig, aber doch mit viel Wahrscheinlichkeit erkennen lassen. Fest steht zunächst, daß der Name aus der älteren Iugendbewenuna ins Iunavolk gelangt iff. Man nannte die Jüngsten der Iugendgruppen stets mit harmlosem Spott Kleinqemüse oder Zwergobst, halbe Portion oder Dünnmänner. Im Alt-Wandervogel, der nach Neroth in der Eifel sich auchNerother Wandervogel" nannte, findet sich auch der Name Börg, der einen Jung-Eber bezeichnete und auf die Vierzehnjährigen angewandt wurde,die keine Kinder mehr sein wollten und noch keine Männer waren". 1920 taucht bei den Nerothern der Pimpf auf und 1926 gibt es in der Darmstädter Gruppe der Nerother Wandervögel die Pimpfen,einen von den älteren deutlich' abgetrennten Stand der Zehn- bis Vierzehnjährigen mit eigenen Pimpf- abenben im Nest und eigenen Gemeinschaftsleistun- gen wie Schattenspielen, Lesen usw. Daneben aber wird behauptet, daß der erste Pimpf diesen Namen als richtigen Familiennamen getragen habe.Der erste Pimpf hieß Erwin Pimpf. Er war Führer einer PfadfindergruppeFähnlein der Adler". Wo er hinkam, nannte man seine Jungs einfach die Pimpfe oder das Fähnlein Pimnf... Ueberall, wo die Pimpfengruppe mit anderen Gruppen am Lager­feuer zusammenkam, wurden sie beliebt, denn sie waren zünftig und konnten am besten erzählen. Allmählich bürgerte sich das Wort Pimpf dann in ganz Deutschland ein für die Inngwand"rer. Erwin Pimvf ist heute ein^r der blauen Iung-'ns D n'lch- land«. Er wurde k'rzlicl) auf einer Weltreise Ober­matrose und wird in vier Jahren feine zwölfjährige

Dienstzeit beendet haben." Man ist diesem Erwin Pimpf auf die Spur gegangen, aber die Einwohner­bücher der deutschen Städte, die nachgeschlagen wurden, haben keine Familie Pimpf enthalten. Erwin wird also den Namen Pimpf wohl als Uebername geführt haben und er steht damit in Wettstreit mit vielen anderen, die ebenfalls behaup­ten, diesen Namen zuerst zugeteilt bekommen zu haben. Im Jahre 1903 wurde der Ausdruck Pimpf schon von einem Studenten in Gießen gehört und gebraucht, und es wird die Annahme ausge­sprochen, daß erdem Pflanzgarten der Gießener Studentensprache selbst entsprossen sei".Mit dem Worte Pimpf wurde schlechthin ein »Individuum', und zwar kein allzu bedeutendes, bezeichnet. Oft nahm der Ausdruck daher einen solchen Sinn an, daß der damit Bezeichnete sich zum mindesten ver­anlaßt fühlte mjt einer Säbelforderung zu ant­worten, was auch geschehen ist." Die Pimpfe von heute werden darüber hoffentlich nicht böse werden und auch die weiteren Deutungen, die darauf Hin­weisen, daß das Wort mit größter Wahrscheinlichkeit aus dem Bayrisch-Oesterreichischen stammt und nicht gerade eine sehr liebevolle Bezeichnung war, nicht mit Unwillen aufnehmen. Eberhard Freiherr von Künßberg schreibt:Pimpf ist österreichisch. Vor allem ist es in der Schülersprache geläufig, aber auch darüber hinaus." Und Professor Dr. Alfred Götze in Gießen schließt sich dieser Erklärung an. Das seit Beginn des 19. Jahrhunderts bezeugte bayrisch-österreichische Scheltwort gelangt aus dem Gebiet von Wien um die Jahrhundertwende als studentischer Ulkname ins Reich, tritt 1903 in Gießen auf, wird kurz norm Weltkrieg von deutschen Stu­denten in die Wandervogelbewegung getragen und ergibt hier eine harmlose Neckerei der jüngsten Mit­glieder. Von ha wird Pimpf erst gelegentlicher Neck­name, endlich amtliche Bezeichnung der Jüngsten im Deutschen Jungvolk."

Sochsckmlnachrichten.

Professor Dr. Gustav Böhmer, Ordinarius für römisches und bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht und Rechtsphilosophie an der Univer­sität Frankfurt, ist in gleicher Eigenschaft an die Universität Marburg berufen worden.

Professor Dr. Wilhelm Richter, Extraordi­narius für Haut- und Geschlechtskrankheiten an her Universität Berlin, ist zum ordentlichen Professor in Berlin ernannt worden.

Der Privatdozent Dr. Max El ar a in Blumau bei Bo^cn hat ciiv n Ru* al« ^. hina/ his auf h 'n Lehnstuhl für Anatom'" und Histologie au der Uni­versität Leipzig erhalten.