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Wirkung von 10 000 kleinen Glühbirnen hält es selbst ein an Jupiterlampen gewöhnter Filmstar nicht lange aus.

Oer Arbeitsfrontempfänger.

Don den technischen Neukonstruktionen auf dem Gebiete des reinen Rundfunkapparates ist die große Ueberraschung der Arbeitsfrontempfän- ger, dessen Existenz geheim gehalten war. bis ihn Dr. Goebbels bei der Eröffnung der Ausstellung dem deutschen Volke übergab. Diesem Gerät darf eine ähnliche Bedeutung vorausgesagt werden wie dem millionenfach verbreiteten Volksempfän- g e r. Er ist der zweite Standardempfänger, der von der gesamten Rundfunkindustrie gemein- f a m hergestellt wird, diesmal aber für die Be­triebe. Mit seiner Einführung soll der Gemein­schaftsempfang nationaler Feiern durch die Be- triebsgefolgschaften verbessert und vertieft werden. Aber auch der Unterhaltung und Entspannung der Belegschaftsmitglieder in Arbeitspausen oder wäh­rend mechanischer Arbeit soll er dienen. Deshalb möge ihn jeder deutsche Arbeitsbetrieb erwerben. 3L Millionen dafür in Frage kom­mende Betriebe gibt es in Deutschland es wird der zweite große Erfolgzug des nationalsozia­listischen Rundfunks werden!

Erinnert der Volksempfänger mit seiner Marken­bezeichnungVE 3 01" an den 30. 1. 1933, als Adolf Hitler Kanzler des Reichs wurde, so will der Arbeitsfrontempfänger mit der Typen­markeD A F 1011" an den 10. 11. 1933 an­knüpfen, als der Führer zum ersten Male aus einem großen Betriebe, den Siemenswerken in Berlin, zu den in ihren Betrieben versammelten Arbeitern Deutschlands sprach. Natürlich mußten an den Arbeitsfrontempfänger höhere tech­nische Ansprüche gestellt werden, als an den VE 301, verlangt doch der größere Hörerkreis im großen Raum eine möglichst geringe Anfälligkeit für Stö­rungen aus Maschinen, eine große Fxequenzband- breite, die das gesamte Tonband naturgetreu wie- vergibt, und eine bedeutende Lautstärke ohne Ver­zerrung des Klangs. Alles dies wurde nach müh­samen Konstruktionsversuchen in einem Maße er­reicht, wie es bisher kein anderes Gerät aufwies. Der DAF1011 ist sorgfältig auf seine Güte in den ungünstigsten Empfangsbezirken ausprobiert und hat nicht enttäuscht. Er wird 295 Mark kosten und kann unter den gleichen Bedingungen bezogen wer­den wie der Volksempfänger.

Neuheiten der Industrie.

Die deutsche Rundfunkindustrie nimmt mit der Ausstellung ihrer letzten Saisonneu­heiten nicht weniger als fünf Hallen ein. Durch­gängig ist sestzustellen, daß die Zeit der umwäl­zenden Neuerungen abgeschlossen ist und die Arbeit sich der Vertiefung und Verbesserung des bereits grundsätzlich Gesicherten gewidmet hat. Dem Durch­einander im Stromnetz Deutschlands begegnet als wichtigste Neuerung der All ström-Empfän­ge r. Er ermöglicht die Verwendung bei Gleich« und Wechselstrom. Wer jedoch einen Wechselstrom­empfänger besitzt, hat keinen Grund davon abzu­gehen, denn bei gleicher Röhrenzahl ist er tonlich immer noch leistungsfähiger.

Große Aufmerksamkeit ist der Trennschärfe im allgemeinen zugewandt worden. Neue Son- struktionen mit fünf bis neun Röhren, wahre Aether-Rennwagen, erreichen ein unüberbiet­bares Höchstmaß an Trennschärfe, mindern je* doch Sie tonliche Qualität durch Unter­drückung der höheren Töne so stark, daß zur wahl- weisen Verwendung Vorrichtungen eingebaut sind, die zwar geringere Trennschärfe, aber wundervolle Natürlichkeit des Tons verbürgen. Hier gibt's nur noch ein Entweder Oder.

Einen breiten Raum nehmen die Zwei - Röh - ren-Geräte ein. Diese Uebergangstype zwischen Volksempfänger und großem Fernempfänger ist zu einem Preise von 150 bis 160 Mark soweit ver­vollkommnet worden, daß die Apparate die Ver­gleiche mit früheren mehrröhrigen durchaus halten. Als Fernempfänger ermöglichen sie die Auffindung von 30 bis 50 Stationen. Da der Rundfunk nach wie vor ein Saisongeschäft darstellt, haben die Firmen viel Erfindungsgabe auf neue Gehäuse gelegt, die jedoch oft nur wenig veränderte alte Typen in sich bergen. Man darf aber feststellen, daß ein an technischer Gesetzmäßigkeit geschulter Geichmack für die künstlerische Gestaltung vorteil­haft maßgebend war.

Oer Hörer sendet.

Wer sich um neue Konstruktionen weniger küm­mern will, hat ebenfalls reichlich Gelegenheit, seine Kenntnis des Rundfunks zu erweitern, ja f e l b st vors Mikrophon zu treten und zu sen­den. Zn Halle I ist während der Ausstellungsdauer ein Dolkssender eingerichtet worden, an dem der ganze Sendebetrieb genau studiert werden kann. Dieser Sender läßt jeden zu Worte kommen, der glaubt, fingen, sprechen oder erzählen zu können. Die besten Aufnahmen von den 30 000 Platten, die hergestellt werden, kommen als unmittelbare Stimme des Volkes in den Programmen zu Ver­wertung. Aus allen Teilen des Reichs werden Menschen sämtlicher Volksschichten sich an den neu­artigen Programmen beteiligen. Möge der Versuch den Aufwand an Arbeit und Mitteln rechtfertigen! Auf jeden Fall bringt er den Hörer in eine so un­mittelbare Berührung mit dem Sendebetrieb, daß sich schon darum ein Besuch der 12. Großen Deut­schen Rundfunkausstellung 1935 lohnt. J. j.

Staatssekretär Or. Lewald 75 Jahre.

Am 18. August begeht Staatssekretär a. D. Dr. Theodor Lewald seinen 75. Geburtstag. Dr. Lewald, der sich einer erstaunlichen körperlichen und geistigen Frische erfreut, ist seit mehreren Jahr­zehnten um die Förderung von Sport und Leibes- Übungen bemüht. Er ist ein Kämpfer für die olym­pische Idee und ein begeisterter Verfechter des Sportgedankens. Im Jahre 1925 wurde er in bas Internationale Olympische Komitee gewählt, und hat hier durch ständige Fühlung­nahme mit den führenden sportlichen Persönlich- feiten der Nationen außerordentlich viel für die Sache geleistet. Nicht zuletzt war es seinen weit­reichenden internationalen Beziehungen zu danken, daß das Internationale Olympische Komitee d i e XI. Olympischen Spiele nach Berlin vergab. In seiner Eigenschaft als Präsident des Organisations-Komitees für die XI. Olympischen Spiele hat Lewald es, von der Reichsregierung in beispiellos großzügiger Weise unterstützt, verstanden, den nächstjährigen Welt- spielen einen ungeahnten Widerhall zu geben.

. bloß nicht am Detektor wackeln?" Aus des Rundfunks Kindertagen. - Merkwürdigkeiten zwischen Sender, Antenne und Lautsprecher.

Serichiet von Hermann Oembeck.

Copyright by Verlag Presse-Tagesdienst, Berlin W 35.

DerZukunstsroman" von 1910...

Die Gegenwart hat die großen Fabulierer unserer Kinderjahre weit überholt. Was will uns heute ein Jules Verne erzählen in seinen einst für phan­tastisch angesehenen Romanzen der Technik kommen­der Jahrzehnte, was ein anderer Dichter von Zu­kunftsromanen?!

An einer Stelle eines um 1910 herum erschienen Buches heißt es beispielsweise:Dann drehte er einen mit sonderbaren Ziffern und Zeichen bedeckten Knopf an einem geheimnisvoll aussehenden Wand­schrank nach einem unbekannten Rhythmus, und plötzlich hörten die Gäste die Stimme des großen Sängers mitten im Raume schweben. Ein Ahnen befiel sie von magischer Kraft dieses Mannes, der über die Stimmen aus dem Weltraum zu gebieten wußte, der die Violine und die Bratsche aus fernem Konzertsaal zu sich hinein befahl ins Zimmer ..." Der dies in einem alten Roman, der vielleicht heute noch auf einem Bücherwagen irgendwo als zer- chliffener Schmöker um zwanzig Pfennige zu haben ist, geschrieben hat, würde heute mit diesen Zeilen nur das nachsichtige Lächeln der Fünfjäh­rigen ernten. Selbst die Kindergeschichten unserer Tage müssen moderner sein.

Und die Schreiber der heute erscheinenden Zu­kunftsromane müssen schon die Laboratorien der technischen Werke aufsuchen, bevor sie ihre Bücher in Druck geben, damit diese auf dem Weg von der Setzmaschine zum Buchhändler nicht allzu sehr veralten.

Schneller, als sie gedacht haben!

Noch vor zwei Jahrzehnten konnte ein Physiker die Worte zu den Hörern eines feiner Vorträge prechen:Einst wird der Tag kommen, in einer päteren Generation wird es sein, wo man seinem Freunde zurufen kann: Freund, wo in der Welt bist du? Aus dem fernsten Teile Amerikas wird dann die Stimme des Freundes antworten: Freund, hier bin ich, was willst du von mir?!" Der Phy- ifer hat es selbst nicht zu glauben gewagt, daß noch feine Generation die Verwirklichung dessen erleben wird, das ihm noch in grauer ferner Zu­kunft zu liegen schien.

Wunschträume der Menschheit sind erfüllt wor­den, geboren wurde ihre Verwirklichung in den Rüstkammern der Wissenschaft und der Industrie gemeinsam, in den Laboratorien und teils in den tillen Arbeitszimmern der Männer, die den prak­tischen Versuch der Theorie oorgezogen haben.

Aehnlich groß wie das politische Geschehen der letzten drei Jahrzehnte ist der Umbruch aller Begriffe auf technischem Gebiet. Was im Jahre 1905 etwa noch alsSpielerei wirklichkeitsfremder Phantasten" mit ein paarbegütigenden" Sätzen gutgemeint beiseitegeschoben werden konnte, ist heute für unsere Siebenjährigen etwas so Selbstverständliches wie das Aufgehen der ersten Gleichung im kleinen Ein­maleins.

Der technischen Wunder größtes.

Don den Tagen, da der Mensch der Vorzeit das Feuer als etwas Unirdisches ansah, bis zur Erfin­dung des rollenden Rades vergingen unendliche Zeiträume, waren es zehntausend, waren es hun­derttausend Jahre?

Die Angehörigen der Völker, die auf gebrech­lichen Segelbooten Meere durchkreuzten und zum erstenmal aus den Regionen des Mare nostrum hmauffegelten ins kalte Nordland, konnten nicht ahnen, daß ihre Nachfahren anderthalb Jahrtau­send später stählerne Vögel donnernd unter dem Himmel dahinziehen lassen würden, die dabei Ent­fernungen in der Zeitspanne zwischen Morgen­grauen und Mittag hinter sich bringen, zu deren Bewältigung noch die Ruderschiffe ihrer Zeit viele Wochen den Gefahren des Meeres ausgesetzt waren.

Von dem Tage an, da in Deutschland zum ersten­mal eine Dampflokomotive über die Schienen ächzte, bis zur täglichen Blitzfahrt desFlotten Rhein­länders", der das halbe Deutschland in fünf Stun­den durchrast, sind hundert Jahre vergangen.

Der Augenblick, da die Brüder Wilbour und Or- Ditte Wright mit einem Doppeldecker, der uns heute vorkommt wie ein besserer Kastendrachen, mit einem Feuer spuckenden Mortorchen von ein paar Pferdestärken zwölf Sekunden lang durch die Lust flogen", liegt erst wenig mehr als drei Jahrzehnte zurück. Heute fliegen wir alle, wenn wir wollen, in den Blitzflugzeugen der Deutschen Lufthansa im Dr-ihundertkilometertempo über Deutschland dahin. Heute lassen ganze Gruppen luftbegeisterter junger Deutscher die Welt aufhorchen, wenn sie gleich in Staffeln Rekordflüge ohne Motor und ohne Luft­schraube über fast fünfhundert Kilometer mit ge­meinsamer Landung ausführen!

Die Zeitspanne, die ein Mann braucht, um über­haupt erst mal Schule, Lehrzeit und erste Gesellen- jahre hinter sich zu bringen, ist seit dem ersten draht­losen Gespräch über Großentfernung erst ins Land gegangen, und schon stehen die ersten paar Dutzend Fernsehempfänger in Wohnzimmern und in den Vorführräumen, die auf Ultrakurzwellen auch die Bewegung neben der Stimme herbeizaubern.

Uns hat die Technik zu sehr verwöhnt. Wir sind Zeugen von Fortschritten geworden, wie sie sich auch in den nächsten Jahrzehnten wohl nicht in gleichem Ausmaß überstürzen werden. Der technischen Wun­der größte sind uns Rundfunk und Fernsehen. Die Zeit der Entwicklung vom Versuch zum Gegenstand des täglichen Gebrauchs, die vom ersten Tage an bis heute erfüllt ist von Wundern der Technik, ist freilich jene gleiche Zeit, in der sich Weltgeschehen aneinanderreiht, wie nicht in langen Jahrhunderten zuvor. Und deshalb ist uns das Wunder der Technik zu etwas Alltäglichem geworden, dem man kaum noch besondere Beachtung zu schenken braucht ...

kann nicht mehr überboten werden.

In der Entwicklung der Rundfunkempfänger jedenfalls ist ein Ziel, das noch vor zwölf Jahren fast unerreichbar erschien, überholt worden: Die Empfangsapparate von 1935 werden auch in einer großen Reihe von Jahren nichtveraltet" oderun­brauchbar" fein. Eine Trennschärfe von neun Kilohertz, eine Empfindlichkeit von fünf Mikrovolt kann praktisch nicht mehr überboten werden.

Die Käufer der Apparate von 1935 haben es gut. Für ihr Geld erhalten sie Empfangsgeräte, die am Abschluß einer zeitweise stürmischen Entwicklungs­reihe stehen und Spitzenklasse barstellen.

Am Anfang der Versuche standen Deutsche als Pioniere, Entdecker unbekannter technischer Fer­nen. Heute führen die deutschen Funktechniker, die deutschen Fabriken im Reich der drahtlosen Welle abermals mit hohen Graden. Für die deutsche Weltgeltung tragen sie einen erheblichen Anteil bei.

(Fortsetzung folgt!)

Inseln des Deutschtums.

Don unserem R W.-Äerichterstaiier.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) IV.

Die Botschaft in Tokio.

Tokio, Juli 1935.

Jeder Deutsche, der nach Japan kommt und der Hauptstadt Tokio einen Besuch abstattet, wird nicht versäumen, auf der Botschaft vorzusprechen. Sie ist als offizielle Vertretung des Reiches zugleich der Sammelpunkt aller Deutschen in I a - pan. Der deutsche Botschafter ist Dr. Herbert von Di r k s e n, eine im gesellschaftlichen Leben Tokios wohlbekannte Erscheinung. Niemand wird sich dem Eindruck dieses ruhigen, in sich geschlossenen Mannes entziehen können. Dr. von Dirksen kann auf eine erfolgreiche diplomatische Laufbahn zurückblicken, die ihn schon in verhältnismäßig jungen Jahren auf führende Posten brachte. Aus dem preußischen Ver­waltungsdienst hervorgegangen, arbeitete er wäh­rend des Krieges in der Landverwaltung der balti­schen Provinzen, wurde dann nacheinander im aus­wärtigen Dienst in Wa r s ch a u und als General­konsul in Danzig verwendet. Im Auswärtigen Amt leitete er die Dftabteilung und wurde mit 45 Jahren Botschafter in Moskau, ein Posten, den er fünf Jahre innehatte. Ende 1933 kam er als Botschafter nach Tokio. Soweit das arbeitsreiche Dasein einem Botschafter Zeit und Erholung läßt, widmet sich Dr. von Dirksen seiner Bücherei, seiner Sammlung chinesischer Keramik oder dem Sport: Golf und Tennis.

Ein Botschafter hat aber nur wenig Privatleben, wenn man so sagen darf. Der Tag ist ausgefüllt mit dem Dienst in der Botschaft, mit Empfängen, Konferenzen oder gesellschaftüchen Verpflichtungen. Zur Bewältigung des gewaltigen Arbeitsstoffes steht ihm ein ebenfalls diplomatisch geschulter Stab zur Seite. Da ist zunächst, wenn wir einen Vergleich mit militärischen Einrichtungen ziehen wollen, der Chef des Stabes, der Botschaftsrat Dr. N o e b e l. Er ist der Vertreter des Botschafters und bearbeitet die politischen Angelegenheiten, die Personalien der Be­amten und Angestellten der Botschaft und der Kon­sularbehörden sowie der deutschen Kolonie. Unter- stützt wird er von dem Kanzler der Botschaft, Schultze, dem die gesamten büromäßigen Ar­beiten unterstehen. Herr Schultze verfügt über große dienstliche Erfahrungen und kennt Ostasien fast 30 Jahre. Dr. Noebel arbeitete nach dem Kriege bei der früheren sächsischen Gesandtschaft in Berlin, 'n der Ostabteilung des Auswärtigen Amtes (Polen Sofia und wurde bann Gesandtfchaftsrat in innere Politik bearbeitet Gesandtschaftsrat Dr. Kolb, der auf einen fünfzehnjährigen Dienst m Japan zurückblickt. Zu seinem Aufgabenbereich gehören außerdem die Rechtsangelegenheiten, kul­

turelle Aufgaben wie Schulen, Missionen, Musik, Film, Sport; ferner das Nachrichtenwesen und die japanische Kanzlei. Dr. Kolb kam nach Tokio, machte den Krieg an der Front mit, war nachein­ander im Außendienst in Prag, Stockholm, Kobe, Tokio, Teheran und wieder Tokio. Er ist der eigentliche Fachberater für japanische Angelegenhei­ten. Der Legationssekretär Dr. Haas bearbeitet die Wirtschaftsfragen einschließlich japanisches Finanz-, Steuer- und Zollwesen; ferner Verkehrs- fragen, Konsular- und Handelsangelegenheiten. Dr. Haas war vorher drei Jahre in China. Lega­tionssekretär Dr. Melchers, vorher bei der Ge­sandtschaft in Addis Abeba, hat das gesamte Presse- wesen zu bearbeiten. Außerdem leitet er das Privatsekretariat des Botschafters, einschließlich Etikette-Angelegenheiten. Der Botschaft zugeteilt sind ferner der Militärattache Oberst Ott und der Marineattache Kapitän z. S. W e n n e k e r. Beide Herren berichten über Einrichtungen und Fort- schritte von Heer und Flotte in Japan. Oberst Ott hat schon vor Antritt seiner jetzigen Tätigkeit die Mandschurei bereift und verfügt über ein aus­gezeichnetes Wissen über japanische militärische Dinge.

Es ist sicher interessant, einmal einen kurzen Einblick in den täglichen Dienst der Botschaft zu nehmen. Zunächst ist der tägliche Vortrag beim Botschafter um 11 Uhr vormittags, in dem alle Abteilungen über die Vorgänge des Tages, über Presse, Besuche und laufende Angelegenheiten be­richten. An einen Vortrag über die gesamte Presse knüpfen sich Erörterungen über politische, wirt­schaftliche ober militärische Vorgänge des Tages, Zuteilung neuer Aufgaben, von Berichten, Vorträ­gen ufw. Gegen 12 Uhr erledigt der Botschafter die täglichen Empfänge von Persönlichkeiten aus allen Kreisen des öffentlichen Lebens ober er hat selbst Besuche bei den verschiedenen Stellen zu machen. Bis in den späten Abend sind dann die Abteilungen mit den laufenden Arbeiten voll be­schäftigt. Ein großer Teil des diplomatischen Dien­stes entfällt auf die repräsentativen Verpflichtungen, die in Tokio besonders in den Wintermonaten viel Zeit in Anspruch nehmen.

Als Mittelpunkt der deutschen Kolonie erwachsen dem Botschafter und seinem Stabe besondere Der- pflichtungen: Empfänge, Vortragsabende, mufita» lische Darbietungen wechseln mitDeutschen Abenden", an denen sich die NSDAP.-Orts­gruppe Tokio-Pokohama ebenfalls in den Dienst der Kolonie stellt. DieseDeutschen Abende", denen der 1. Mai, der Geburtstag des Führers, das Erntedankfest oder das Weiynachtsfest eine beson­dere Weihe geben, zeigen den Botschafter und Frau von Dirksen als echte deutsche Gastgeber, bei denen jeder Deutsche ein Stück Heimat findet.

Das Haus der Deutschen Botschaft ist oonx Hauptbahnhof leicht zu erreichen. Auf das Sauber- wortDoitsu-no Taifhikan" lenkt der freundliche Taxifahrer sofort seinen Wagen in bas Regierungs- unb Diplomatenviertel, am Kaiserlichen Schloß vor« bei zu ben einfachen Häusern bes Auswärtigen Amtes, bes Flottenministeriums und des Innen­ministeriums ober zu den modernen Gebäuden des Polizeipräsidiums nach Kojimachi-ku, dem Stadtbezirk, der durch das neue Parlamentsge­bäude weithin sichtbar gekennzeichnet ist. 3« einem schönen alten Garten liegt das weiße, einstöckige, langgestreckte Haus der Botschaft, das nun Jett etwa 50 Jahren deutsche Gesandte und Botschafter beherbergt.

Etwa 1861 wurden die offiziellen Beziehungen Preußens mit Japan durch den Gesandten Graf Eulenburg aufgenommen. Ihm folgten eine Reihe von Vertretern Preußens und des Reiches, die mit der Geschichte Japans eng verbunden sind: von Brand, Eisendecher, Graf Doenhoff, Gras Leyden, Baron Gutschmidt, von Holleben, Freiherr von Waldthausen und, als letzter Botschafter vor dem Kriege, Graf Rex. Gesandter Eisendecher ist erst vor kurzem, 94jährig, gestorben. Nach dem Kriege führte Dr. S o l f neun Jahre die Vertre­tung bes Reiches, ihm folgte Dr. D o r e tz s ch. Wenn man bie diplomatischen Berichte dieser deut­schen Vertreter zusammenfassen würbe, so gäbe das einen ber interessantesten Abrisse aus ber japani­schen Geschichte ber letzten 75 Jahre: ben Aufstieg des heutigen Kaiserreiches, den Verfall des Shogunat-Systems bis zur Weltmacht, die nach Er­werb Koreas, Formosas, der Kwantunghalbinsel, eines Teiles von Sachalin, der Kurilen und im Süden ber Inseln bis zum Aeguator eine führende Stellung in Ostasien behauptet. Der erste Ge­sandte erlebte noch die Zeit der Kämpfe um bie nationale Einigung unb ben Beginn ber Restau­ration unter Kaiser Maiji.

Bevor Enbe ber siebziger Jahre bas heutige Botschaftsgebäube entstand, pachtete der erste Ge­sandte den Wohnsitz eines Daymios. Heute flehen auf demselben Grundstück neben dem Haus des Botschafters kleinere Wohnhäuser des Botschafts­rats unb bes Gesanbschaftsrats; ferner bis Kanzlei unb bas einfache Bürohaus bes Attaches. In näch­ster Nähe ber Botschaft liegen bie an preußische Einfachheit erinnernben Bürohäuser bes General- ftabs unb bes Kriegsministeriums, also Hirn und Herz ber japanischen Armee, beren Aufbau und Erziehung bie trabitioneüe Freunbschaft mit den deutschen Heereseinrichtungen verrät.

WchrpflichtiindArbeitsrechl.

Don Rechtsanwalt Dr. Carl Ialck, Berlin.

Die Einführung der allgemeinen Wehr­pflicht löst zwangsläufig zahlreiche schwierige Fragen auf den verschiedensten Gebieten unseres wirtschaftlichen und sozialen Lebens aus. Dor allem hat die nachträgliche wafsenmähige Ausbildung derjenigen Jahrgänge, die in der vergangenen Zeit nicht militärisch geschult worden sind, solche Auswirkungen. Denn zahlreiche Männer aus diesen Jahresklasfen, roe(u,e jetzt als Ersatzreservisten zu acht- wöchigen Kursen herangezogen werden, stehen schon selbständig im wirtschaftlichen Leben und haben daraufhin eine Familie gegründet, für die sie ein- zutreten haben. So ist die Sorge derer verständlich. Die in vorgerückteren Jahren aus ihrer vielfach mühsam erworbenen Erwerbsstellung durch die mi­litärische Ausbildung herausgerissen werden und befürchten, sie würden nach ihrer Entlassung aus dem Heeresdienst erneut vor der Notwendigkeit eines Neuaufbaues ihrer wirtschaftlichen Dasems- grunblagen oder vor dem Kampfe um die Wieder­erlangung einer in ber Zwischenzeit verlorenge­gangenen Stellung stehen.

Der Einfluß ber Erfüllung ber gesetzlichen Wehr­pflicht auf bestehenbe Arbeltsrechtsverhältnisse hat eine eingehenbe gesetzliche Regelung bisher nicht gefunden. Aber aus dem an ber Spitze bes Wehr- gesetzes stehendem Satze, daß der Wehrdienst E h r e n d i e n st am deutschen Volke" ist, in Verbindung mit zwei noch zu besprechenden Einzelbestimmungen ergibt sich eine wichtige grundsätzliche Richtschnur für die Ent­scheidung der Einzelfragen. Das Wehrgesetz hat nämlich diese für die Erhaltung und die Stärkung des Wehrwillens und die Wehrfreudigkeit wichtigen Fragen klar erkannt.

Zum Besten des Soldaten, der nach Erfüllung der aktiven Dienstpflicht in Ehren aus dem aktiven Wehrdienst ausscheidet, wird bestimmt, daß er b e l Vermittlung in A r d e i t s p l ä tz,e der freien Wir tschast bevorzugt z u be­rücksichtigen ist. Diese bewußt allgemein ge­haltene Anordnung bes Gesetzgebers spricht eine Verpflichtung in zweifacher Richtung aus. Den Ar- beitsvermittlungsstellen, also ben öffentlichen Be- hörben, wird aufgegeben, solche ehemaligen Sol­daten bevorzugt zu vermitteln und ge­gebenenfalls die Vermittlung anderer unter Um­ständen solange zurückzustellen, bis diese ehemaligen Soldaten untergebracht sind. Gleichzeitig richtet sich diese Verpflichtung auch an diejenigen, bie inner­halb ber freien Wirtschaft über bie Vergebung von Arbeitsplätzen zu entscheiden haben. Sie wer­den nicht nur sittlich, sondern was etwas voll­ständig Neues in unserer Rechtsentwicklung ist auch rechtlich verpflichtet, solche ehemaligen Sol­daten bei der Neubesetzung von Arbeitsplätzen be­vor z u g t zu berücksichtigen, d.h. ihnen vor anderen sachlich gleichwertigen Bewerbern den Vorzug zu geben.

Darüber hinaus bestimmt das Wehrgesetz weiter folgendes:Bei Rückkehr in den Zivilberuf darf ihnen d. h. den nach Erfüllung der aktiven Dienstpflicht ehrenvoll ausgefduebenen Solbaten aus ber burch ben aktiven Wehrdienst bedingten Abwesenheit kein Nachteil erwachsen."

Daraus ergibt sich zunächst einmal, daß einem Angestellten und Arbeiter aus Anlaß der Ein­ziehung zum aktiven Wehrdienst nicht gekün­digt werden darf, sei es, daß es sich um die Ab­leistung des Dienstjahres, sei ee um die eines afhtroöfhiqen Kursus, handelt. Eine Ausnahme von diesen Grundgedanken kann nur itt den Fällen gel­ten, in denen es sich um ein loses, von vornher­ein nur auf kurze Zeit gedachtes Arbeitsverhältnis handelt wie z. B. bei einer Urlaubsvertretung ober begleichen.

Das Arbeitsrechtsverhältnis läuft also während der Zeit bes aktiven Wehrbienstes weiter. Der Ein­gezogene hat allerbings während der Zeit, in ber er seine Wehrpflicht erfüllt, keinen Anspruch auf Gehalt oder Lohn. Aber nach ber Er­füllung ber Wehrpflicht tritt er auf Grunb bes ölten, nicht aufgelösten, vielmehr nur ruhen­den Arbeitsrechtsverhältnisses lieber in bie alte Arbeitsstelle mit allen aus bieser sich ergebenden Rechten unb Pflichten. Die Zeit, bie der