Einzelbild herunterladen

Rr.M Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesienj

Montag,! 7. Juni 1935

OJlxfport

Mev.-Tschammer-und-Osien-kampfbahn" in dad-Aauhetm.

feierliche Einweihung. - Handball-Begegnung und fußball-Grobkampf.

Die Stadt Bad-Nauheim übergab am gestrigen Sonntag vor etwa 3000 Teilnehmern dieVon- Tfchammer-und-Osten-Kampfbahn" eine wert- volle Bereicherung der öffentlichen Einrichtungen der Stadt ihrer Bestimmung. Die Sportstätte liegt unweit des Waldhauses am Johannisberg, rings umgeben von hohem Waldbestand, ideal schön und recht geeignet, die Jugend Kraft gewinnen zu assen für ihre Ausgaben um die Zukunft Deutsch­lands.

Die Sportplatzanlage umfaßt ein Spielfeld von vorgeschriebenen Maßen, eine 100-Meter-Laufbahn, einen herrlichen Wiesenplan unter hohen Eichen (ein einzigartiger Platz für Kundgebungen im Freien), ferner die nötigen Terrassenanlagen für die Zuschauer, schließlich aber auch ein zweckmäßiges Gebäude, das Umkleide- und Waschräume für die Sportler und einen Wirtschaftsraum birgt. Die ge­samte Anlage ist ausbaufähig. Zu großen Kund­gebungen können sich auf dem Gelände der neu­geschaffenen Kampfbahn 25 000 Menschen finden.'

Die Einweihungsfeier war von gutem Wetter begünstigt. Das Programm, das der Tag brachte, war reichhaltig und interessant.

Man sah zunächst das Handball-Auswahlspiel

Kreis VIII - Kreis XI 9:6 (1:3).

Für diese Begegnung standen sich folgende Mannschaften gegenüber:

Kreis 8: Tor: Fischer, VfB. Gießen: Vertei­diger: Krämer und Bärwinkel, TV. Wetzlar: Läufer: Reeg, Pausch, Müller, TV. Wetzlar: Stürmer: Bechthold, TV. Krofdorf, Wagner, TV. Wetzlar, Krüger. 1900 Gießen, Ries, TV Wetzlar, Allendörfer, TV. Lützellinden.

Kreis 11 Tor: Sommerkorn, TV Pobl-Göns: Verteidiger: Klifchat, TuSp. Butzbach, Biermann, TV. Büdesheim: Läufer: Hantel, TV. Bad Vilbel.

Fritzel, TV. Rieder-Eschbach, Sommerlad, TuSp.! Butzbach: Stürmer: Hummel, TD. Bad Vilbel Winüisch, Klotz, Junghans Tqm. Friedberg, Berg. TuSp. Butzbach.

Das Spiel zeigte zwei grundverschiedene Halb-; Zeiten. Es begann zunächst mit gleichoerteiltem | Kampf, in dem sich aber bald die Mannen des Kreises 11 als etwas überlegen erwiesen. Der Leistungsunterschied war jedoch nicht groß. Im­merhin gingen die Gastgeber bereits in der 3 Minute durch ihren Halblinken in Führung In der 13. Minute erhöhten sie auf 2:0, eine Mi nute später auf 3:0. Erst kurz vor Schluß der Halbzeit konnten die Gäste ein Tor aufholen. Bis dahin war der Torhüter der Mannschaft des Krei­ses Friedberg kaum zu überwinden.

In der zweiten Halbzeit kam es anders. Die Mannschaft des Kreises Lahn-Dill nahm eine Um­stellung im Sturm vor, die sich sofort und sehr nachdrücklich bewährte. Krüger (1900) ging auf Halblinks. Er verkürzte auf 3:2. Die Gastgeber erhöhten eine halbe Minute später auf 4:2, un­mittelbar im Gegenangriff folgte aber das dritte Tor für den Kreis 8. Der bis dahin glänzende Tormann (Sommerkorn-Pohl-Göns) wurde nun sehr unsicher, während sein Gegenüber die schärf­sten Bälle hielt. Bald lautete das Ergebnis 4:4 und schließlich übernahm der Kreis 8 die Führung, um sie bis zum Schluß nicht mehr abzugeben. Die Mannschaft spielte onsaezeichnet zusammen und vermochte das Spiel mit 6:9 Toren für sich zu entscheiden. Beide Mannschaften zeigten ein sehr gereiftes technisches Können, spielten sehr fair, und verschufen dem Kampf einen werbenden Charakter.

Während der Halbzeit wurde eine 4 mal 100- Meter-Stasses gelaufen, die die Aktiven des Sportvereins Bad-Rauheim für sich entschieden.

Im Anschluß an dieses Sviel fand die eigentliche

Die neugeschaffeneVon-Tschammer-und-Osten-Kampfbahn" der Stadt Bad-Rauheim.

3 v. .

>

I*-. W

DK

M- ffiiW

M

Turnerinnen des Turnvereins Bad-Rauheim verschönten die Einweihungsfeier mit einem Tanzspiel. Die Turnerinnen beim Einmarsch in die Kampfbahn. (Aufnahmen |2|: Neuner, Gießener Anzeiger.)

gegnung deutlich zu spüren, daß es nicht um Punkte und Positionen ging. So wurde denn mit aller Ritterlichkeit gekämpft und den Zuschauern sehr guter Fußball gezeigt. Insbesondere in der ersten Halbzeit Überboten sich beide Mannschaften in minutiösem Zuspiel, das lediglich durch den sehr weichen Boden etwas beeinträchtigt wurde. Das erste Tor, die Führung, erzielten die Nordhessen. Der Erfolg ergab sich überraschend. Der Ball wurde

Einweihungsfeier

für die neugeschaffene Kampfbahn statt. Baurat Röder (Bad-Nauheim) sprach zunächst von der Entwicklungsgeschichte dieser Kampfbahn und dann von den technischen Einzelheiten. Er erinnerte an die Bedeutung dieser Stätte als Mittel der Er­tüchtigung der Jugend und kam dann aus die Sport­stätte als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme an Hand von interessantem Zahlenmaterial zu sprechen. Schließlich übergab er die Kampfbahn der Stadt Bad-Nauheim zu treuen Händen.

Der Beigeordnete und Ortsgruppenleiter, Pg. Götz, hieß, nachdem er der Helden der Arbeit von Reinsdorf gedacht hatte, alle Teilnehmer an dieser Veranstaltung willkommen. Mit Worten herzlichsten Dankes und eingehender Würdigung der Verdienste aller derer, die die Anlage schufen. Übernahm er die Kampfbahn in die Obhut der Stadt, gab ihr den NamenVon-Tschammer-und-Osten- Kampfbahn" und übergab sie damit gleichzeitig ihrer Bestimmung. Mit einem Gelöbnis treuer Ge­folgschaft für den Reichssportführer schloß er seine Ansprache.

Den Höhepunkt der Veranstaltung stellte ein Fußballgroßkampf dar.

OauAordheffen - GauMittel: 1 (1:1).

Die Mannschaften traten wie folgt an:

Gau Mitte: Tschach (Gelbrot Meiningen): Riechert (Vikt. 96 Magdeburg), R. Müller (Halle 96): Godau (Spfr. Halle), Werner (1. SV. Jena), Tetzner (Wacker Halle): Schüßler (1. SV. Jena), H. Müller (Steinach 08), Staudinger (Mühlhau­sen 99), Reinmann (Germania Ilmenau), Schlag (Wacker Halle).

Gau Nordhessen: Sonnrein (Hanau 93); Eufinger (Hanau 93), Lippert (Gießen 1900): Rein- bardt (Hanau 93), Pletsch, Strasser (beide Borussia Fulda); Markert (Kassel 03), Kammer!, Maintz (beide Bor. Fulda), Meisel (Germ. Fulda), Kleim (Kassel 03) (von der 20. Minute ab spielte Weißen- born-Hanau 93 Mittelstürmer).

Boten schon die Handballspieler der beiden heimi­schen Kreise einen ausgezeichneten Sport, so galt dies in gesteigertem Maße von den Gaumannschas- ten Es standen sich zwei völlig gleichwertige Geg­ner im Feld gegenüber. Das Ergebnis ist gerecht. Allerdings hätten die Nordhessen in der druckoollen letzten Viertelstunde den Kampf für sich entscheiden können und müssen.

Der Kampf trug den Charakter eines reinen Werbespieles. Es war auch in jeder Phase der Be­

oon Meisel zweimal ausgenommen und über den herausgelaufenen Tormann hinweg in das Netz gehoben. Das war in der 17. Minute! In rassigem Kampf waren abwechselnd beide Tore in Gefahr. Sonnrein im Tor der Nordhessen, erwies sich als sehr sicher und hielt brillant. In der 30. Minute der ersten Halbzeit mußte aber auch er sich geschlagen bekennen. Aus kurzer Entfernung schoß der Links­außen S cb l a g der Gäste unter die Latte. Dec Tormann sprang vergeblich. So lautete das Halb­zeitergebnis 1:1, das auch das Endergebnis dar­stellen sollte.

Nach der Pause vollzog sich das Spiel im Kampf um den Sieg in etwas schärferen Formen, es wurde aber nun auf beiden Seiten nicht mehr so exakt gespielt. Mancher Ball ging über und neben die Latten. Manche Chance 'blieb unausgenutzt. Der Sturm der Gäste war dabei immer etwas gefähr­licher, während sich die Nordhessen des öfteren in fruchtlosen Kombinationen verloren. Das zeigte sich insbesondere in der letzten Viertelstunde, in der sich die Einheimischen viele Chancen herausarbeiten, aber diese durch aufgeregtes Spiel versiebten. So blieb es bei dem 1:1.

In der Mannschaft der Nordhessen war der Mit­telläufer Pletsch die treibende Kraft. Er hatte auch gute Assistenten. Der Sturm fand keine Einheit, insbesondere in der zweiten Halbzeit fiel er ziem­lich auseinander. Die Verteidigung der Gastgeber war sehr sicher. Lippert (1900 Gießen) fiel durch sein ruhiges und sicheres Eingreifen auf. In der zweiten Halbzeit bewies er verschiedentlich seine starke Veranlagung. Der Tormann war untadelig.

Bei den Gästen fühlte man kaum einen schwachen Punkt. Hervorragend war ihr Linksaußen, sehr aut der Mittelstürmer und der Mittelläufer. Die Mannschaft ließ allerdings insgesamt den letzten Einsatz vermissen. Das kultivierte Spiel, das von beiden Mannschaften vorgeführt wurde, erfreute und begeisterte die Zuschauer, die bis zum Schluß- pfiff aufmerksam folgten. Schiedsrichter war Fer­dinand (Frankfurt).

In der Pause hielt der Gaubeauftragte des Reichssportführers, Verleger M e i ft e r (Kassel),

Auf den Spicherer Höhen.

43on Jofef Friedrich perkonig.

Jeder junge Mensch in Saarbrücken, von den älteren gar nicht zu reden, weiß einem eine Menge Dinge zu erzählen, die, nirgends aufgezeich­net, eine Art von unveräußerlichem und treu wei­tervererbtem Familiengut, der großen Geschichte des Jahres 1870 einen freundlichen, um nicht zu sagen lächelnden Zug verleihen. Man möchte es nicht glauben, und dennoch ist es wahr, daß unter der bewegten, eher den Dingen von morgen als von gestern zugeneigten Gegenwart dieser Stadt noch immer vernehmlich die Vergangenheit fort­lebt, daß ein letztes Echo der ersten Augustschlach­ten von 1870 nicht etwa nur ein Hirngespinst eini­ger allerletzter Veteranen ist, die ihre alte Zeit in den geliebten Medaillen und Kreuzen bewahren, sondern von durchaus jungen Leuten kann man immer wieder die Frage hören:Unb auf die Spicherer Höhen wollen Sie nicht...?"

Es ist natürlich, jeder, der einmal in Saar­brücken ist, wird über die weite, holprige Ebene bis an den Roten Berg zu gelangen trachten. Auf diesem mehrere Kilometer breit sich hindehnen­den Felde ohne Baum, auf dem für den bedrohten Menschen eine seichte Mulde, eine sanfte Boden­falte schon ein Geschenk Gottes bedeutet, über dem sich der Himmel wie ein riesiger Glassturz wölbt, kann man nicht nur ungefähr ahnen, wie es den armen Soldaten am tropischen Augustanfang 1870 zumute gewesen sein muß, als sie gegen den Roten Berg stürmten, sondern man begreift auch, was es heißt, in diesem Kessel einen Krieg zu beginnen, hier unter einer unbarmherzigen Sonne die Augen einer ganzen Welt auf sich gerichtet zu wissen.

Es muß ein furchtbares Rasen im Sonnenbrand und Pulverdampf gewesen sein, diese steilen, tod­speienden Hänge hinan. Man schämt sich wahr­haftig, wenn man im summenden Wagen die viel­fach gekrümmte Straße so leicht emporgleitet, wo jeder Zentimeter Höhe buchstäblich einen Deutschen und einen Franzosen kostete; denn fast hundert Meter ragt der Berg über die Ebene empor, und rund 10 000 warf der blutige Tag von Spichern auf jeder Seite in das Grab oder in das Lazarett. Die vielen morschen unb erneuten Kreuze auf ber Höhe bas bebaumte Felb hat sich allenthalben nach ihnen gerichtet, so daß bie Gräber vom Pflug verschonte Inseln wur­den sind unverwischbare Zeugnisse geworden.

Was tun nun in der Nähe der Toten, in einer ländlichen Landschaft, die dem friedlichen Bauer gehört, unb die noch lange ein Ziel der Wallfahrt

nachdenklicher Menschen von hüben und drüben bleiben wird, die paar erbeuteten Kanonen, die ihre Rohre drohend nach der Richtung drehen, wo Deutschland liegt? Es ist eine überflüssige, eine museale Gebärde, es ist eine Torheit von jedenfalls kleiner Ursache und wahrscheinlich großer Wirkung, o daß Frankreich wohl daran täte, jenen über- pannten Kopf, der den ersten Gedanken zu dieser tummen Drohung an der Grenze ausbrütete, bei Wasser und Brot auskühlen zu lassen. Unb biefem einen möge bann ber anbere zugesellt werben, ber bie Abler auf ben Denkmälern ber beutschen Re­gimenter entfernen ließ.

Roter Berg, Spicherer Höhen, Giffertwalb finb sonst eine munberbare, friebliche Grenze, völlig jenen überlassen, bie erinnert sein wollen. Es wirb wahrscheinlich jebem Besucher ähnlich er­gehen: Hinter bem bichten Gebüsch an einem Denkmal tritt ein alter Mann von ärmlicher Sauberkeit hervor. Den bünn behaarten Greisen­kopf entblößt, fragt er:Sie finb hier fremb?" unb ohne eine Antwort abzuwarten beginnt er, in bie weite Gegenb zu unseren Füßen weisenb, ein eingelerntes Kapitel ber Kriegsgeschichte oorzu- tragen, in allen Einzelheiten getreu, im gesamten sachlich, ohne Leibenschaft, ohne eigene Meinung, wie bewußt einer Berufung, ben Besuchern biefer Höhen Anfang, Verlauf unb Enbe jener ersten Schlacht bes Jahres 1870 zu erklären. Regiments­nummern, Namen von Generälen unb Orten, Ein­zelheiten bes Kampfes finb einem Gebächtnis über­lassen, bas nun schon längst nachtwcmblerisch sicher, boch fast teilnahmslos bie Geschichte bes Augusttages wiebergibt. Später hörte ich, baß ber kleine, zerbrechliche' Greis seit vierzig Jahren Deutschen unb Franzosen, manchmal auch gleich­zeitig, immer einen Satz zuerst in ber einen, bann in ber anberen Sprache, Sieg unb Nieberlage er­klärt, inbem er sich unbestechlich an ben Gefechts­bericht hält. Niemals habe ihn jemanb von bem schmalen Grate, ber bie beiben Völker und auch ihre Geschichte scheidet, herabzulocken vermocht. So wie er beide Sprachen gleich gut spricht, läßt er sich seine auf diesen einen Tag beschränkte, aber darin erstaunlich reiche Wissenschaft mit Franc und Mark gleich gern bezahlen.

Aus der berufsmäßigen Gleichmütigkeit feine Rede scheint das Spruchband eines aufgezogenen Apparates zu sein wirft ihn erst der Wider­stand gegen feine Führung bis zum letzten Bo­denfleck, der noch in feine gewohnte Ordnung ge­hört Er denkt nicht daran, einem auch nur eine einzige Einzelheit zu schenken: Hier zog sich da­mals die schöne, alte Pappelallee empor, und hier war der Steinbruch, der das Grab der unzähligen

toten Pferde wurde, dort hatten die Franzosen so und soviele schwere Geschütze eingebaut und dort verblutete dieses und jenes deutsche Regiment in immer erneutem Ansturm auf die Schützengräben in der Lehne. Manche der riesigen Massengräber auf dem Roten Berge sind vor einigen Jahren ge­öffnet worden. Je zwölf Skelette kamen gemein­sam in einen Sarg. Fast alle Schädel hatten das Kugelloch in der Stirn oder im Scheitel; dann waren es todsicher die Gebeine deutscher Soldaten, die bei d utSmemrau rarnxtizeiöwre-Ddf..iheHsie die bei dem Sturm auf den steilen Hang ja fast nur den Kopf als Ziel boten. Sie wurden in den Ehrenfriedhof drunten im Tale gebettet. Bis herauf sieht man die wohlgeordneten, ausgerichte­ten Reihen der toten Bataillone.

Ist mein Geldgeschenk für den Alten ein unge­wöhnlicher Dank oder entzündete er sich an seinem eigenen Berichte, er will nun auch noch die Stand­orte und Handlungen der niederen Kommanden erklären er scheint Tausende immer bereiter Na­men an Drähten zu haben er möchte mich in das kleine Privatmuseum führen, das in dem Re­staurantCote de Spicheren" angehäuft ist. Als ich den Hüter der Vergangenheit nun sanft zu ver­abschieden trachte, nimmt er mir noch das Ver­sprechen ab, an bem Ehrenthal nicht achtlos vor- überzufahren. Dort sei bie Schulzen Kathrin zu Grabe gelegt, bie ben vor Hitze unb in Wunben verschmachtenben Solbaten furchtlos Wasser in bie vorberste Kampflinie brachte. Dort seien alle jene bestattet, bie sich bei Spichern bas Eiserne Kreuz oerbienten. Unb inmitten ber vielen toten Männer ruht sie, bie einzige Frau, bie tapfere, mitleibige Bauernmagb Katharina Weißgerber, genannt Schulzen Kathrin"

Es steht auf freiem Felbe, hart an ber Straße, bie in bas lothringische Lanb führt, bahin, wo an ber Grenze bie Förberanlagen von Grubenschächten mit feinen Strichen in ben Hellen Horizont ge­zeichnet finb, wo bie Rauchfahnen aus Schloten ber Hüttenwerke in ben Himmel wehen, eine einsame Birke über einem alten ©olbatengrabe. Dort treffe ich einen hohlwangigen Arbeiter raftenb, rußig von ber Schicht fommenb. Er scheint kein Mensch zu sein, ber sich leicht in bie grausame Weltorbnung fügt.Sie waren broben?" fragt er mich im Laufe bes Gesprächs, unb sein Kops zeigt gegen bie Spicherer Höhen.Sinb brave Burschen gewesen, unsere Soldaten", ergänzt er sich selbst.

Kein gesunder Mensch, aber auch kein gesundes Volk kann seine große Vergangenheit ungeschehen haben wollen. Es gibt einen Stolz und eine Würde, die durchaus zeitlos sind.

Eröffnung der Römerberg-Iesi spiele in Frankfurt.

Es ist ein überaus glücklicher Gedanke gewesen, den Beginn des Reichshandwerktages mit der Eröffnung der Romerberg-Fe ft spiele in Frankfurt zusammenfallen zu lassen. Ist doch, wie Oberbürgermeister Dr. Krebs in seiner Fest­ansprache mit Recht betonte, der Schauplatz dieser Festspiele, der Römerberg, in der Geschlossenheit seiner mittelalterlichen Baukunst der beredteste Zeuge der großen Leistungen der damaligen Hand­werksmeister und zu gleicher Zeit auch der Platz, auf dem sich schon vor 600 Jahren vor großen Dolksmassen die Passionsspiele der Handwerker abspielten

In hellen Scharen waren Handwerksmeister aus allen Teilen Deutschlands der Einladung der Stadt Frankfurt gefolgt. Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs sand in seiner Begrüßungsansprache glück­liche Worte über die Verbundenheit des deutschen Handwerks mit der alten Kaiser- und Krönungsstadt. Herzlich begrüßte er auch die taufend Handwerks­gesellen, die, einer Anregung des Reichshandwerks­meisters Schmidt folgend, einen alten Brauch wie­der ausgenommen und auf ihren Wanderungen durch Deutschland nun in Frankfurt zusammengekommen seien. Er freue sich, daß das deutsche Handwerk sei­nen Weg gefunden habe zu ber Vaterstabt Goethes, ber selbst Hanbwerkerkreisen entsprossen sei unb sich kraft feiner Herkunft fein ganzes Leben mit bem Hanbwerk innig oerbunben gefühlt habe.

Weiteren Begrüßungsworten bes Generalinten- bauten Meißner unb bes besten Sprechers bes Schauspielhauses, Joachim Gottschalk, folgten bie Aufführung vonW allen st eins Lager" unb berP i c c o l o m i n i". Die Aufführung hin­terließ ben gleichen starken Einbruck wie in den Vorjahren Die Besetzung der Hauptrollen mit Ro­bert Taube als Wallenstein, Ernst Sattler als Octavio, Franz Schneider als Questenberg Joachim Gottschalk als Max Piccolomini ist stehengeblieben; die Regie lag wieder in den be­währten Händen des Generalintendanten Meiß­ner. Die Lagerszenen und auch das Gelage im Terzkyschen Hause waren voll wilder Lebendigkeit und Kraft, der Aufmarsch des Heeres vor Wallen­stein ein packendes Bild der bunten Vielgestaltigkeit dieser Söldnerscharen. Dazu der wundervolle Rah- men, in den das eindrucksvolle Geschehen gestellt ist. Reichsstatthalter (Bauleiter Sprenger wohnte dem zweiten Teil der Vorstellung bei. L.