Ur.242 Drittes blot
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderyefsem
Mittwoch, (b. Moder (935
Aus Natur und Technik
Milli-
Deutschland bautbalbstamLuWiffesülAmerika
Fahrzeuge nach Luftschiffes angebracht werden. Das erste Luftschiff, litär-Luftschiffes dessen Modell wir hier zeigen, wird bereite im
im
in die Zukunft.
Dipl.-Ing. A. Lion.
in unauffälliger Weise die
brauchen nicht mehr mit bet
sich im Scheuertuch leicht verfangen, können nuni auch nicht mehr gefährlich werden.
Brille eingebaut. Brillenbügel bewirkt Belichtung.
Vom weißen Gold.
Don Heinz Wohlgemuih
Hausfrau findet sich damit ab und vergißt, daß sie durch gute Beleuchtung viel Zeit sparen und manche Arbeit besser machen kann.
Am Schreibtisch, überhaupt in den Büros, steht es manchmal noch schlimmer. In wievielen Büroräumen müssen Menschen sich tagtäglich stundenlang mit künstlichem Licht behelfen, dessen Helligkeit noch nicht Eindreißigstel der des Tageslichtes beträgt! Es gibt einen einfachen Maßstab für richtige Beleuchtung am Schreibtisch, überhaupt im Zimmer: man nehme sich den Börsenteil seiner Zeitung vor und stelle fest, ob man ohne Anstrengung und Ermüdung der Augen jede noch so kleine Zahl
des Kurszettels lesen kann.
Verhängnisvoller noch als im Büro können Die Folgen schlechter Beleuchtung in den W e r k st ä t- t e n des Handwerks und der Industrie sein. Es ist ein Verbrechen, die Gesundheit der Gefolgschaft durch schlechte Beleuchtung zu schädigen: es ist aber auch eine Dummheit-, denn der Betriebsleiter setzt fahrlässig die Leistungsfähigkeit seines eigenen Betriebes herab, verursacht Arbeitsfehler und damit Kosten und Mißstimmung. In der Werkstatt ist es noch wichtiger als im Haushalt, nicht nur Licht zu haben, sondern g u t e s L i ch t. Für jeden einzelnen Arbeitsplatz muß genau überlegt werden, ob er mit der Allgemeinbeleuchtung des Raumes auskommt oder ob 'eine Einzelplatz-Beleuchtung erforderlich ist. Jede Werkstatt ist anders, in jeder Werkstatt gibt es andere Maschinen, anderes Arbeitsgut und eine andere Anordnung der Arbeits-Vorgänge. Noch immer gibt es Werkstätten, in denen blendende Hängelampen unzureichendes Licht spenden oder behelfsmäßig aufgehängte Handlampen die wichtigsten Teile einer Arbeitsmaschine derart bestrahlen, daß sie unübersichtlich sind, blendende Reflexe auf den Metallteilen erzeugen und sogar die Gefahr von Kurzschlüssen und Unfällen mit sich bringen. Bei vielen Maschinen, z.B. in Druckerei- oder Textilbetrieben, aber auch in vielen Werkstätten ber metallverarbei- tenben Jnbustrien, muß heute Die Beleuchtung ge- rabezu als Maschinenteil angesehen werben, ber von vornherein mitentworfen unb unter Umstänben sogar miteingebaut sein muß, unb manche feine Arbeit etwa in ber Montage ober ber Prüferei oder beim Uhrmacher oder Goldschmied, ist sogar in erster Linie abhängig von der Güte und Zweckmäßigkeit des künstlichen Lichtes
Die wirtschaftliche Betrachtungsweise der Llcht- fraqe kann man aber auch nach einer anderen Seite hin erweitern: Vom Elektrizitätswerk fordert jeder Abnehmer naturgemäß, daß es ihm den Strom so billig wie möglich liefert. Je mehr Abnehmer das Werk aber hat und je besser sich die Stromabnahme beim Werk über den ganzen Tag verteilt um so billiger kann das Werk Strom liefern und um so mehr Sondertarife kann es für ! bestimmte Zwecke gewähren, liebet die Hälfte der
Wattstunde stellt.
Diese Treiboffe bieten noch reiche technische Entfaltungsmöglichkeiten, und es ist zu hoffen, daß wir uns mit ihrer Hilfe von dem Zwang zur Einfuhr der Mineralöle, mit denen wir im Gegensatz zu anderen großen Ländern nur recht spärlich ausgestattet sind, dank der Schöpferkraft unserer Chemiker und Techniker mehr und mehr unabhängig zu machen vermögen.
Notizbuch der kleinen Erfindungen.
Ein neuer Wäscheleinespanner, aus einer stark verzinnten Rolle und einem Eisen- oder Holzgewinde bestehend, vereinfacht das Leinenspannen. Um die Rolle gelegt, wird die Leine bis zur notwendigen Spannung angezogen. Sie bleibt dann vollkommen straff.
Eine kleine Aufrollvorrichtung, die jetzt für billiges Geld geschaffen wurde, hält von Zuleitungen elektrischer Bügeleisen und von Telephonschnüren unnötigen Verschleiß fern. Auch Störungen durch Kurzschluß werden vermieden.
März nächsten Jahres seine Probefahrten unternehmen. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Die amerikanische Industrie bestellte, wie bereits „aus aller Welt" gemeldet wurde, bei einem deutschen Luftschiffwerk in Speyer zehn halbstarre Luftschiff e. Es handelt sich um dem System des damaligen Militär-Luftschiffes M 4" das nach Entwürfen des Konstrukteurs Bas en ach gebaut wurde. Die Luftschiffe werden 110 m lang, 23 m breit und 20 m hoch sein und vor
allem für die Nachtreklame in Amerika verwendet werden. Zu diesem Zweck werden Beleuchtungsanlagen mit 15 000 Lampen an den Außenseiten des
Scheuertücher
Hand ausgewrungen zu werden. Eine kleine, aus zwei Metallringen und einer Gummihülse bestehende Zusatzvorrichtung zum Eimer vereinfacht das Aus- wringen außerordentlich. Splitter, Nägel usw., dis
Gutes Licht!
Neuzeitliche Beleuchtungstechnik.
Für kriminalistische und ähnliche Zwecke hat ein Pariser Optiker eine überaus winzige und dennoch haarscharf arbeitende Kamera in den Steg einer Ein Druck auf den rechten
GasundSttomalsAutottasistoff.
Bon Dr. Lener, Berlin.
Als gasförmige Treibstoffe kommen sowohl Hochdruckgase wie Leuchtgas und Methan als auch Flüssiggase wie Ruhrgaso'l, Butan, Propan in Betracht. Das Leuchtgas oder Stadtgas wird durch Trockendeftillation von Steinkohle und neuerdings auch aus roher und brikettierter Braunkohle gewonnen. Es hat gegenüber den anderen Gasarten den Vorteil, daß es in unbegrenzter Menge herge- ftellt werden kann. Sein Heizwert ist aber bedeutend geringer, deshalb muß es stark zusammengepreßt in drucksesten Flaschen mitgeführt werden, die ein ziemlich hohes Gewicht aufweisen. Durch diese B e - l a st u n g des Kraftwagens find dem Anwendungsbereich des Leuchtgases bestimmte Grenzen gezogen, die bei einem Eigengewicht des Fahrzeuges von zwei Tonnen liegen; somit kommen hierfür nur Lastwagen und Kraftomnibusse in Frage. Der Inhalt der einzelnen Flasche beträgt etwa 10 bis 12 Kubikmeter und reicht für eine Strecke von 100 bis 120 Kilometer. Zwei Kubik- meter Gas ersetzen ein Liter Benzin und kosten ungefähr 20 bis 24 Pfennig. Die Umstellung des Fahrzeuges auf Gasantrieb ist verhältnismäßig einfach: die Kosten betragen etwa 600 bis 800 Mark einschließlich des Kaufpreises von vier bis fünf Gas- dehältern. Wenn der mitgeführte Gasvorrat nicht ausreicht, besteht die Möglichkeit, mit flüssigem Treibstoff weiter zu fahren. In Frankreich und England ist Lebchtgas für den Motorantrieb schon seit längerer Zeit nutzbar gemacht. In Deutschland sollen neuerdings in verschiedenen Städten Versuchstank st eilen eingerichtet und Typen von Versuchswagen in Betrieb genommen werden, um auf Grund größerer Erfahrungen diesen Treibstoff auf möglichst breiter und wirtschaftlicher Grund- läge in den deutschen Kraftverkehr einzuschalten.
Um zu prüfen, wie sich der Leuchtgasantrieb im Fernverkehr bewährt, hat vor kurzem die Ruhrgas- AG. eine Probefahrt von Essen nach Königsberg unternommen. Der Betriebsstoff wurde in zwölf Flaschen mit je 10 Kubikmeter Leuchtgas mit- geführt. Das Gas wurde in Hannover, der zur Zeit einzigen.Leuchtgastankstelle in Deutschland, getankt. Die Gesamtstrecke von 1185 Kilometer wurde mit einer durchschnittlichen Stundengeschwindigkeit von rund 43 Kilometer zurückgelegt, wobei der gesamte Gasverbrauch 575 Kubikmeter, also 48,5 Kubikmeter je 100 Kilometer betrug.
In neuester Zeit wird auch das Elektrofahrzeug wieder stärker beachtet. In den städtischen Fuhrparken findet es schon seit langer Zeit Verwendung. Durch das Gewicht der Akkumulatoren sind seine Anwendungsmöglichkeiten im Fernverkehr allerdings begrenzt, im Stadtverkehr je- doch mit seinen nur kurzen Wegstrecken, den ungleichmäßigen Geschwindigkeiten, dem öfteren Anhalten und Anfahren ist seine Verwendung sehr angebracht. Dor allem ist es gut brauchbar für Straßenreinigung, Müllabfuhr, Transportgewerbe und Kohlenhandel. Die Benutzung des billigen Nachtstromes zum Aufladen der Akkumulatoren gestaltet den Elektroantrieb billig und trägt außerdem zur wirtschaftlicheren Ausnutzung der Elektrizitätswerke bei. An Stelle von einem Liter Benzin braucht man 2V2 Kilowattstunden Strom, der sich z. B. in Berlin auf nur 4 Pf. für eine Kilo-
Nachdem uns die Alliierten 140 bis 160 arben Goldmark Tribute und Kriegsentschädigungen
Das Amt „Schönheit der Arbeit" in der Deut- , schen Arbeitsfront führt einen großen Werbefeldzug für gute und zweckmäßige Bel euch t u n g durch, mit den Leitsprüchen „Gutes Licht schont die Augen" und „Gutes Licht — gute Arbeit eine Werbung, die unterstützt wird von der Deutschen Lichttechnischen Gesellschaft von der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Elektrowirtschaft von der Gewerbeaufsicht und den Elektrogemeinschaften. Man muß sich eigentlich wundern, daß eine Werbung für etwas so Grundlegendes, wie 8ute Beleuchtung, überhaupt noch erforderlich ist, und daß nicht jedermann für seinen Wirkungskreis, sein Arbeitsgebiet den Wert des guten Lichtes von vornherein anerkennt Um so mehr, als das deutsche Volk, wenigstens in seinem häuslichen Leben, verhältnismäßig anfprud)5D0 1l in biefer Beziehung ist,. wah° rend z B. der Amerikaner in seinen Wohnraumen .gemütliche" Schummerbeleuchtung, d. h. niedrige, fast vollkommen verdeckte, kleine Stehlampen womöglich noch mit farbigen Schirmen, gerne sieht.
Gutes Licht bringt Leben ins Heim und erhöht den Genuß des abendlichen Zusammenseins. Das wissen wir alle, aber die wenigsten wissen, welche lichttechnischen Einzelheiten von Bedeutung sein können, um die Behaglichkeit im Eß- oder Wohnzimmer zu steigern, um die Augen z u sch 0 n e n und Die Sauberhaltung zu erleichtern, Gesichtspunkte, die auch im Schlafraum und erst recht im Kinder- zimmer von größter Bedeutung sind. In tmemel Millionen Räumen in Deutschlund mag wohl Die Beleuchtung nicht ausreichend sein, weil die Hausfrau sparen will! — sparen am falschen Platz. Denn das Auge ist unser wichtigstes Organ; ganz abgesehen von sonstigen verhängnisvollen Auswirkungen schlechter Beleuchtung: eine Vase, die vom Tisch gestoßen wird, eine verdorbene Mehlspeise, in die an Stelle von Zucker versehentlich Salz gekommen ist, eine Blutvergiftung, entstanden durch einen Schnitt in den Finger beim Kartoffelschälen im Halbdunkel, jeder dieser Unfälle mag leicht mehr kosten, als man im ganzen Jahr an Beleuchtung sparen kann. In wievielen Räumen blen- d e t die Beleuchtung, weil das Licht der nackten, nickit mattierten oder nicht mit einer Uebersang- Kugel umkleideten Glühbirne das Auge trifft! Man fühlt sich unbehaglich, verdirbt sich die Augen, gehöhnt sich nie an die falsche Beleuchtung und ist hnfh au gleichgültig, um sie mit verhältnismäßig geringen Kosten zu verbessern Auf wieviel Arbeit-- ütähe9 in der Küche, im Waschraum ober m ber W.Ecke fallen l ä st i g e S ch a 11 e n, Folge eines ungeschickt ungeordneten Beleuchtungskörpers! Dis
Einnahmen ber Elektrizitätswerke stammen aber aus den Stromverkäufen für Beleuchtungszwecke. Diese Einnahmen finb ziemlich „krisenfest"; benn es hat sich gezeigt, baß auch in der Zeit der schwersten Wirtschaftskrise ber Stromverbrauch für Beleuchtung, durchaus im Gegensatz zum sonstigen Stromabsatz, so gut wie gar nicht zurückgegangen ist. Was das bedeutet, kann man ermessen, wenn man sich vor Augen hält, daß in Europa (außer Rußland) etwa drei Viertel der Bevölkerung in Orten mit Lichtnetzen wohnt, und daß in den meisten europäischen Ländern der Anteil der Bevölkerung, der elektrische Beleuchtung verwendet, ebenso groß ist.
Ein großer Teil dieses hohen Lichtstrom-Absatzes fällt auf die städtische Straßenbeleuchtung Unb bies ist vielleicht bas Gebiet, auf bem ber Laie am ehesten bemerkt, baß, wie in jeher anberen Wissenschaft, auch in ber Beleuchtungswissenschaft weitergearheitet wirb. Hier unb ba kommt ber Kraftfahrer plötzlich in Straßen mit anbersfarbigem, unb zwar einfarbigem, etwa gelblichem ober bläulichem Licht. Im ersten Augenblick ist bas Auge betroffen, aber es gewöhnt sich schnell an bie Einfarbigkeit ber Natrum- ober Quecksilberbampflampen, unb bie Erfahrung hat gezeigt, baß bas einfarbige Licht bem weißen auf ber Straße in mancher Beziehung stark überlegen ist. Das gilt vor allem bann, wenn man auf bas Erkennen sämtlicher Farben, selbstverstänb- lich mit Ausnahme ber roten Verkehrszeichen, verzichten kann, wie auf allen Fernverkehrsstraßen. Die Formen-Empfinblichkeit bes Auges ist beim farbigen Licht, wie zahlreiche Versuche gezeigt haben, großer als bei weißem Licht, unb befonbers vorteilhaft ist bas einfarbige Licht bei bunftigem ober nebligem Wetter. Selbstverstänblich ist mit ber Verwenbung biefer neuzeitlichen Leuchten ein bestimmter Zweck oerbunben. In erster Linie eine Erhöhung ber Verkehrssicherheit, bie außerorbentlich von ber zweckmäßigen Beleuchtung abhängig ist. In ben Vereinigten Staaten hat man festgestellt, baß bie Zahl ber nächtlichen Unfälle etwa 40 v.H. höher ist als bie ber am Tage oorfommenben. Mit einer Verbesserung ber Beleuchtungsanlagen in amerikanischen Versuchsstraßen trat augenblicklich em Rückgang ber Unfallzahl ein. Die Unfallziffer stieg anberseits, sobalb bie Wirtschaftskrise zur Einschränkung ber Ausgaben für Beleuchtung zwang. Ging man mit biesen Ausgaben auf ein Drittel herunter, dann trat fast eine Verboppelung ber nächtlichen Unfälle ein.
Voraussetzung für bie weitgehenbe Einführung farbiger Leuchtröhren ist natürlich beren Wirt- schaftlichkeit. In biefer Beziehung finb bie bisher gemachten Erfahrungen günstig, um so mehr als ber Wirkungsgrab ber gewöhnlichen Metallbraht- lampen verhältnismäßig klein ist, unb sie ihre Energie viel mehr in Wärme als in Licht umsetzen, 1 während die Gasentladung, auf der das einfarbige
Licht beruht, im allgemeinen bei ziemlich niedriger Temperatur vor sich geht. Die Quecksilber-Hochdruck- . Dampflampe hat etwa die doppelte Lichtausbeute wie die Glühlampe. Eine wesentliche Verbesserung ist in letzter Zeit durch die Doppelwendel-Glühlampen erzielt worden, die bei gleichem Stromverbrauch eine bis zu 20 v. H. höhere Lichtausbeute haben. Wir stehen also heute vielleicht am Beginn einer bedeutsamen Weiterentwicklung der Lichttechnik, um so mehr, als man auch in manchen Werkstätten, z. B. in Glaswerken und auch für bestimmte Zwecke in der Metallindustrie, zum Erkennen von feinen Rissen ober Farbllnterschieben zweckmäßig farbiges Licht verwenbet. Im allgemeinen verlangt natürlich bas Auge weißes, bem Tageslicht möglichst gut angepaßtes Licht, um bie Umwelt in ben natürlichen Farben erkennen zu können, unb bie neuesten Versuche gehen bahin, weißes Licht mit hohem Wir» kungsgrab zu schaffen burch eine Verbinbung ber Gasentlabung unb ber Selbstleuchtefähigkeit bestimmter chemischer Verbinbungen, ber sog. Phos- phore. — Die Werbung für gutes, zweckmäßiges Licht tritt also nicht nur für bereits Vorhanbenes ein, fonbern weist in ihren Auswirkungen burchaus
Wenn hier nun im folgenben vom weißen Golb gesprochen wirb, so hcmbelt es sich um einen Rohstoff, ben ber beutsche Bauer in hinreichenber Menge ohne Zutun bes Auslanbes ber verarbeitenden Industrie liefert. Zuckerrübe und Z u k- k e r, unser weißes Gold, sind Träger eines Rohstoffes, ber in unserer Wirtschaft einen vielfältigen Arbeitsvorgang auslöft. Man kann schon beshalb dieses für unsere Volkswirtschaft so wichtige (Erzeugnis mit weißem Golb bezeichnen, weil es wirkliche Werte schafft. Der Wert bes weißen Golbes, das Jahr für Jahr auf deutscher Scholle gewonnen wird beträgt bei Zugrundelegen einer Anbaufläche von etwa 300 000 ha ungefähr 350 Mill 1 - onen Mark. Damit ist aber erst ber Rohstoff gewonnen. Bei ber folgenben Verarbeitung unb ben häufigen Umschlägen bes aus ber Rübe gewonnenen Zuckers werben Kapitalkräfte in Bewegung gesetzt, bie sehr beachtlich finb. Allein 350 Millionen Mark weißes Golb ringt ber Bauer bem heimatlichen Boben alljährlich ab. Wieviel Mühe unb Arbeit kostet es aber, ehe biefer Schatz gehoben ist! Wir wissen, baß ber Zuckerrübenanbau größte Sorgfalt erforbert unb einen erheblichen Arbeitsaufwand im landwirtschaftlichen Betrieb voraussetzt. Tadellose Bestellung des Bodens, reichliche Versorgung mit den benötigten Nährstoffen und sorgfältigste Pflege bringen erst den erwarteten Erfolg Es gibt z.B. kaum eine Kulturpflanze, die an den Nahrstoff- oehalt des Bodens so viel Ansprüche stellt wie gerade die Zuckerrübe. Daher kommt es daß der
Rohzuckerfabriken, Zuckerraffinerien, Weißzuckerfabriken, Melasse - Entzuckerungsanstalten, um ben gewonnenen Rohzucker in beste Derbraucherformen überzuführen. Von ben Zuckerfabriken werben bie verschiebenen Zuckerarten bem Groß- hanbel zugeführt unb von hier aus fließen sie burch bie mannigfaltigsten Kanäle zum Verbraucher. Als Großverbraucher kommen besonbers Bäckereien, Konditoreien, Schokoladen-Zuckerwaren- unb Keksfabriken, Marmelaben- unb Konserveninbustrie, Obst- unb Beerenweinkellereien, Kaffee- unb Speise- Häuser in Betracht. Der weitaus größere Teil des Zuckers geht aber in die Hände ber Hausfrau. In ber Küche unb am Familientisch finben zwei Drittel bes Gesamtverbrauches Verwertung. Die Hausfrau braucht bas „weiße Golb" zum Kochen, Backen, Einmachen von Früchten unb Säften, wie überhaupt bei ber Obstverwertung.
Die Erzeugung bes „weißen Golbes" übersteigt ben Verbrauch in Deutschlanb. Deshalb müssen Wege gefunben werben, um be-ihes miteinander in Einklang zu bringen. Auf der letzten „Grünen Woche" in Berlin war es ein glücklicher Gedanke, eine sogenannte Zuckersparkasse zu empfehlen. Sie soll bewirken, daß die Hausfrau ihren Vorrat an Zucker vergrößert, und zwar dadurch, daß das Einmacheglas, in dem Marmelade ober Früchte aufbewahrt würben, nicht leer stehen bleibt, sondern zur Hälfte mit Zucker gefüllt wird, der für bie nächste Einmachzeit bereitstehen soll. Der Zucker verbirbt nicht, sondern bietet der Hausfrau eine gewisse Nahrungsreserve, die insofern angenehm empfunden wird, als dann zur Einmachezeit ber Eommenben Ernte bie Anforberungen ber Hausfrau an ben Gelbbeutel nicht so stark sinb wie im anbern Falle. Zur Obsternte muß in erster Linie Obst gekauft werben. Der benötigte Zucker liegt bereit in ber Sparkasse mit bem „weißen Golb".
Hanbelsbünger - Verbrauch auf ber Zuckerrübenanbaufläche außerorbentlich hoch ist, ein Umftanb, welcher ber Düngerinbustrie unb zum Teil bem Bergbau zugutekommt. Nach Professor Remy beträgt ber Nährftoffbebarf ber Zuckerrübe bei einer Ernte von etwa 400 dz Blatt je ha 160 kg Stickstoff, 72 kg Phosphorsäure unb 150 kg Kali. Wichtig ist bei ihrer Düngung, schnell wirkenbe Düngemittel anzuwenben, b. h. Salpeter-Stickstoff, 4O prozentiges Kali, Superphosphat ober Thomasmehl. Zahlreiche Versuche haben bewiesen, baß Thomasmehl ein guter Phosphorsäurebünger ist, ber sich auf allen Bäben gleichmäßig gut verwenben läßt unb auch im Zuckerrübenanbau in fteigenbem Maße an- gemenbet wirb. Auch mit Rücksicht auf bie große Thomasmehlerzeugung unserer Saarinbustrie ist eine stärkere Verwendung von Thomasmehl burchaus angebracht. Die Saar allein erzeugt jährlich runb 300 000 Tonnen von biesem wichtigen Nährstoff. Im Hinblick auf unsere Devisenknappheit, bie ben Bezug von Rohphosphaten aus bem Aus- lanbe erschwert, ist eine stärkere Heranziehung von Thomasmehl als Phosphorsäurebünger wünschenswert. Wir bienen bamit unserem Lanbe unb unseren Brübern an ber Saar.
Ist der Zuckerrübensamen ber Erbe anvertraut, bann beginnt erst bie große Arbeit, um bie Rübe zur Entwicklung zu bringen. Hacken, Verziehen, Pflege usw. erforbert einen Arbeitsaufwanb, der kaum bei einer anderen Kultur angewandt wird. Daher kommt es, daß die Erzeugungskosten der Zuckerrübe im Durchschnitt etwa 700 Mark je ha betragen. Mit bem Abernten ber Zuckerrübe nimmt bie fabrikmäßige Verarbeitung, unb bamit eigentlich bie Gewinnung bes „weißen Golbes", seinen Anfang. Nach ber Gewinnung bes Rohzuckers läuft bas „weiße Golb" viele Wege, ehe es in bie Hänbe bes Verbrauchers gelangt. Da arbeiten
abgenommen haben unb wir seit 1914 ungeheuerliche Opfer an materiellem Gut haben bringen müssen, ist es nicht weiter erstaunlich, baß unsere Golb- unb Devisenoorräte so stark zusammengeschrumpft finb. Wir müssen beshalb mit ben vor- hanbenen Golb- unb Devisendestänben sparsam wirtschaften unb unsere Einfuhr auf ein Minbestmaß einschränken. Diese Maßnahmen genügen aber nicht; ba wir nicht in ber glücklichen Lage sinb, Golb burch unserer Hänbe Arbeit unmittelbar zu gewinnen, ist es notmenbig, unserer Volkswirtschaft anbere Werte zuzuführen, bamit wir leben können. Dies erreichen wir burch eine Steigerung ber bergbaulichen unb landwirtschaftlichen Urerzeugung. Bergbau, Industrie und Landwirtschaft machen daher die größten Anstrengungen, bie Urerzeugung zu steigern, einmal, um neue Werte zu schaffen, außerdem aber, um bie heimische Rohstoffgrunblage zu erweitern. Daß bei ber Lösung biefer Aufgabe unsre Lanbwirtschaft eine bebeutsame Rolle zu übernehmen hat, ist selbstverstänblich. Mit einer Erzeugungssteigerung in ber Lanbwirtschaft wirb auch bie landwirtschaftliche Probuktionsmittel - Jnbustrie belebt. Soll bie Erzeugungsschlacht ber Lanbwirtschaft zum Erfolg führen, so ist ein erhöhter Aufwand an landwirtschaftlichen Betriebsmitteln, die Industrie und Bergbau liefern, Voraussetzung für ein Gelingen bi'efes Planes. Damit wird der Beschäftigungsgrad der die Landwirtschaft beliefernden Industrie erhöht, neue Arbeitsplätze werden geschaffen. Aber nicht nur dies. Weitere Arbeitsplätze werden geschaffen in den Industrien, welche die von der Landwirtschaft erzeugten Rohstoffe weiterverarbeiten. Denken wir in diesem Zusammenhänge an unsere heimischen Rohstoffe wie Delfaaten, Tierfette, Getreide, Kartoffeln, Hopfen usw., alle diese Rohstoffe werden in den verschiedenen Industrien weiterverarbeitet: in Getreidemühlen und Bäckereien, in Oelmühlen und Margarinefabriken, tii Brennereien und Brauereien.


