Nr.M Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für (vverhetzeu,
sreitag,lb. August (935
Mädchen für Pflege- und Hilfsdienste im Falle eines Krieges. Unterstützt wird diese Organisation von der großen schwedischen Mission. Diese Gründungen beruhen auf dem Appell, den Kaiser Haile Sellassie I. in seiner Parlamentsrede auch an die Frauen des Landes richtete.
Der Kaiser von Abessinien betreibt aber auch mit allen Mitteln eine Organisation zum Schutze der Fremden in Abessinien. Und wie es den Eindruck macht, haben die Ausländer es absolut nicht notwendig, das Land im Kriegsfälle zu verlassen, ausgenommen natürlich die Italiener. Trotz der Kriegsstimmung merkt man nicht, daß Abessinien sich zu einem Kampf gegen einen euro- päischen Staat rüstet. Die Fremden, von denen schon so oft behauptet wurde, sie seien fluchtartig abgereist, sind immer noch in recht großer Zahl vorhanden und werden in keiner Weise angefeindet. Im Gegenteil: man brachte den englischen und amerikanischen Gesandten Ovationen, weil ihre Regierungen, wenn auch nur mit Worten, den abessi
nischen Standpunkt unterstützten. Die Italiener jedoch liquidieren langsam ihre Geschäfte und Häuser, da es ihnen momentan auch unmöglich ist zu arbeiten, denn die Abessinier meiden sichtlich die wenigen noch vorhandenen italienischen Geschäfte.
Dem Kaiser von Abessinien ist es schwer mög- lich, seinen Willen und feine Gedanken der Welt kundzutun. Ihm mangelt es an allen Propaganda- Mitteln wie Presse, Radio und sonstigen Publizitäts- Organen, derer man sich in der übrigen Welt meisterhaft zu bedienen weiß. Sein Sprachrohr ist heute die ausländische Presse. Der Kaiser ist em kultivierter Mensch, ein kluger Diplomat, der m wenigen Jahren. — aus dem Willen heraus, die Unabhängigkeit seines Reiches $u wahren —. viel für die Zivilisation und Modermsierung seines Landes getan hat. Langjährige Kenner Abessiniens bringen immer wieder zum Ausdruck, daß Abessinien unter fremder Herrschaft wohl eher einen Rückschritt, als einen Fortschritt verzeichnen würde.
im Spiel Bauern, Soldaten und Arbeiter darstellen, einmal selbst zur Schaugemeinde gehören und dann jene Grenze sprengen werden, die uns jetzt noch, wie die Rampe im Theater, allzuleicht von dem Gefühl der Zusammengehörigkeit mit den Spielenden trennt. So kann in der Stadt der Romantik, der echten und fast ebenso sehr der verkitschten, auf der Thingstätte von Heidelberg eine gänzlich unromantische Kunstform erwachsen, die in höchstem Maße Ausdruck der Volksgemeinschaft und ihrer bewegenden und gestaltenden Kräfte ist, ohne daß damit der künstlerische Wert jener echten Romantik geringer wird, deren Stätte das Heidelberger Schloß ist.
700-Zahr-Jeier
der St. Elisabethkirche in Marburg.
LPD. Marburg, 15. August. Anläßlich der Grundsteinlegung der St. Elisabeth- k i r ch e , die sich am Mittwoch zum 7 0 0. Male jährte, fand morgens eine feierliche Frühandacht in der Kirche statt, die trotz heftigen Regens einen starken Besuch aufwies. Kreispfarrer Schmidt- mann gab in feiner Predigt einen Ueberblirf über
Heidelberger Festwochen.
Von unserem W.B.-Sonderberichierstatier.
Zwei Bauten sind Sinnbild und Merkmal dieser Hewelberger Festwochen: Schloß und Thiny- st ä t t e. Sie sind — räumlich und geistig — b i e P o l e, zwischen denen das gesteigerte Leben der Stadt pulsiert, und bezeichnend für ihre eigenartige und hier fast symbolisch bedeutungsvolle Lage: wo das Bett des Neckars zum Tal wird, wo die Berge eine Abzweigung der Rheinebene aufnehmen, um sich dann plötzlich zu verengen — da liegt Heidelberg, weich umfaßt von den waldbeftandenen Hängen. Auf der Höhe des Heiligenberges am rechnen Flußufer liegt die Thingstätte mit dem Blick in den bewohnten Odenwald und der weiten Sicht über die Unendlichkeit der Ebene, nahe der Stadt und in das dunkle Grün der Wälder eingebettet der rote Sandsteinbau des Schlosses.
In den Straßen herrscht das erregende Durch- einander eiliger und geruhsamer Menschen, werden die Sprachen fast aller europäischen Länder gesprochen. Zu den Ferienkursen der Universität, die in diesem Jahre stärker politisch ausgerichtet worden sind und mit ihrer Teilnehmerzahl zum ersten Male London überflügelt haben, und zu den R e i ch s f e st s p i e l e n kommen vor allem Engländer und Amerikaner, Hollander, Schweden und Franzosen. Aber auch die meisten übrigen Staaten sind vertreten, lieber den Straßen hängen dicht an dicht die Reichsflaggen, die Straßenbahnen sind mit Wimpeln geschmückt, die Pfeller der Neckarbrücken haben neben der Hakenkreuzflagge das heimische Schwarz-Gelb angelegt und an Der kurvenreichen Auffahrt zum Schloß stehen in geringen Abständen Masten mit der Flagge des Dritten Reiches.
In die Dämmerung rufen lange vor Beginn der Aufführung die Fanfaren aus dem Schloßhof und künden die Vorstellung an. Der Raum wird in seiner größten Ausdehnung benutzt, so daß er durch Auszüge mit Volksmengen, Szenen zu Pferde und vorbeisprengende Reiter mit Farbe und Bewegung gefüllt werden kann. Der stärkste Mitspieler aber ist der Hintergrund, die echte „Kulisse" des Schlosses, die ohne weiteres die Stimmung für das Spiel schafft. Solche Bilder wie der Brand einer Burg — im „Götz von Berlichingen" und im „Käthchen von Heilbronn" — und die Holunderbusch- szene, werden hier zu Höhepunkten der Aufführung. Was dort gemacht wird, ist Theater in einem Raum, der uns zeitlich entrückt, in einer Landschaft, die uns weich umfängt und jede Härte mildert, mit bekannten Schauspielern und mancher technischen Bemühung.
Anders in jeder Hinsicht ist Absicht und Form der T h i n g st ä 11 e. Dort gibt es keine numerierten Plätze, keine verschiedenen Preise, keine unterschiedlichen Sitzgelegenheiten; die Spielfläche hat strenge Formen und keinen Hintergrund, der zu romanti- schen Träumen anregt, die Landschaft ist nicht nah und schützend, sondern weit und fordernd. Schon am Nachmittag, Stunden vor dem Beginn, kommen die ersten auf dem langen Anmarschweg zur Höhe des Berges. Je näher der Sonnenuntergang rückt, um fo stärker wird der Strom: Bauern von der Bergstraße und aus den Tälern des Odenwaldes,
Hitlerjungen und -mädels, Kraft-durch-Freude-Fah- rer, auch Einheimische, Ausländer, oft in Gruppen von Hochschulen und Organisationen. Dazwischen überholen auf dem Fahrweg, kreuzen bei den Fußwegen Automobile und Autobusse dieses lebende Band. Zehn Minuten vor Anfang sperren die Ordner nachdem sein Ende im großen Rundbau verschwunden ist, hinter ihm den Eingang ab.
Mit Sonnenuntergang beginnt das Spiel. An drei Stellen der Fläche marschieren Fanfarenbläser auf, aber der erste Ruf ertönt hinter der Schaugemeinde, von einem der beiden Türme auf der Höhe des Baues, die Bläser auf dem zweiten nehmen ihn auf und danach erklingt er von der Spielfläche. So rufen sie nach allen Richtungen das Volk zum Thing, und gleichzeitig werden wir, die Schaugemeinde, ihm zugehörig. Und ebenso werden wir einbezogen, wenn aus unserer Mitte ein Spieler auftritt und in die Handlung eingreift. Ungleich stärker wird das einst der Fall sein, wenn jene Arbeitsmänner und Menschen aus den Betrieben, die
Die Gründung der Berliner Universität ist die Tat eines Volkes, das in seiner nationalen Existenz auf das gefährlichste bedroht, in dem nicht zu erschütternden Glauben lebt, nur der Geist, der in ihm wirke, könne ihm Rettung bringen. In den Tagen, als Preußen-Deutschland von Napoleon niedergeworfen war, als es in feinem staatlichen Sein unmittelbar vor der Vernichtung stand, rechtfertigte der königliche Stifter der neuen Hochschule ihre Gründung mit dem berühmt gewordenen Ausspruch, daß der Staat die verlorenen physischen Kräfte durch geistige zu ersetzen habe. Diese enge Beziehung zwischen Hochschule und Nation, die die Gründung Der Berliner Universität zu einem politischen A k t macht, ist das wesentlichste Motiv, das zur Gründung der Universität führte. Entscheidend war nicht die Frage, wie die Belange der Wissenschaft zu fordern wären, wie, in weiterem Sinne, die geistige Kultur des Volkes zu entwickeln fei, sondern vor allem, wie durch die. Stärkung der geistigen Kultur der Nation ihr nationales Sein gerettet würde.
Die ältesten Universitäten waren, außerhalb jeder Verbindung mit Volk und Staat, als gelehrte Korporationen entstanden. Im Zeitalter der Reformation, des Barock und der Aufklärung stellten sich dann die Universitäten als landesherrliche Anstalten dar, denen die Ausbildung der Geistlichen und Beamten zur Aufgabe gesetzt war. In einem viel tieferen Sinne als diese durch bloße Zweckdienlichkeit bestimmte Auffassung der Universität verstand die Berliner Hochschule ihr Wesen: ihr war die geistige Bildung, der sie in aller Freiheit diente, eine sittliche Aufgabe im Dienste der Nation.
die Geschickte des Kirchenbaues, der, wie er ausführte, fünfzig Jahre erforderte. Der Grundplan der Kirche, nächst der Liebfrauenkirche in Trier das älteste Meisterwerk frühgotischer Baukunst, ist ein Kreuz, dessen Chor und Kreuzarme im Zehneck abgeschlossen sind. Treffendere Worte, als die Schilderung Villmars in seiner Literaturgeschichte lassen sich wohl über die Elisabethkirche nicht finden: „Auf dem Grabe der hl. Elisabeth hat sich ein Lied aus Stein erhoben, ein zum großartigsten Bauwerk verkörpertes Triumphlied der Gottesminne, welches uns besser, als meine schwache Zunge vermag, in feiner Majestät und Lieblichkeit von den Wundern jener wunderreichen Zeit erzählt und aus der kunstreichen Harmonie seiner Säulen und Bogen die süßen Harmonien der Lieder vernehmen läßt, die damals sind gesungen worden in irdischer Freude, wie in irdischer Sehnsucht, wie in der Freude an Gott und in Sehnsucht nach dem Himmel."
Im Anschluß an die Feier, die umrahmt war durch Chorvorträge, fand eine Besichtigung des Kir- chenmnern unter sachkundiger Führung von Museumsleiter Dr. Kippenberger statt.
Schon die Wahl der Landeshaupt st adt als Ort der Universität war bezeichnend für diese Gesinnung. Die Hochschulen, die im 18. Jahr- hundert entstanden, waren in stille Landstädte gelegt worben, um die akademische Jugend vor Ablenkung von ihren Studien zu bewahren. Der neue Typus der Universität, den die Berliner Hochschule verwirklichen sollte, mußte, wenn sie Einfluß auf das Leben des Staates gewinnen sollte, im Sammelpunkt des staatlichen Lebens, in der Landeshauptstadt, sich befinden.
Der Plan einer Universitätsgründung in Berlin war seit langem erwogen worden. Berlin besaß die Akademie der Wissenschaften, die von Leibnitz um 1700 gegründet, durch Friedrich den Großen in der Mitte des 18. Jahrhunderts im Geiste des Wissen- schaftsbegriffes der Aufklärung erneuert wurde. Berlin befaß auch die Charit^, die den medizinischen Ansprüchen des Heeres diente. Daneben waren noch andere wissenschaftlich arbeitende Institute und Gesellschaften vorhanden. Es lag nahe, alle diese Einrichtungen zusammenzufassen. Aber der Staat zögerte. Die Universitäten drohten in einem AÜnftlerifcfjen Wissenschaftsbetrieb zu erstarren, abseits von dem geistigen Leben der Nation, das in den letzten Jahrzehnten eine rasche Entwicklung genommen hatte. Da zeigte die Schlacht bei Jena, wie lebensschwach der bestorganisierte Staat ist, der nicht in den Kräften des Volkes wurzelt.
Im kritischen Stadium des Staates, als nicht einmal mehr die Mittel zur Aufbringung der Kriegsentschädigung vorhanden waren, erhielt W i l- Helm von Humboldt im Sommer 1809 vom König die endgültige Zustimmung zur Gründung der Berliner Universität. Schon im Winter 1809/10
3m Dienst der nationalen Erweckung.
Oie Gründung der Berliner llniversität vor 128 Jahren am 16. August 1810.
Von Professor Dr. Erich Ionisch.
3n Addis Abeba.
Don unserem Z.A.tSch.Berichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Addis Abeba, Ende Juli 1935.
Seit dem 18. Juli ist ein merklicher Umschwung in der Stimmung Abessiniens einaetreten. Bis zu diesem Zeitpunkt hegte man die Hoffnung, daß eine friedliche Regelung des Streitfalles zwischen Abessinien und Italien möglich sei. Große Enttäuschung rief daher das Scheitern der Verhandlungen in Scheveningen hervor. Die Stimmung gegen Italien steigt von Tag zu Tag, und findet auch zuweilen ihren Ausdruck in kleinen aber ganz unwesentlichen Zwischenfällen, die man in weniger kritischen Momenten überhaupt nicht beachten würde, die aber von der italienischen Propaganda in jeder Form ausgenützt werden, um in Italien für den Krieg gegen Abessinien Stimmung zu machen. Auch werden innerpolitische Maß- nahmen des Kaisers als Anlaß genommen, um in irgendeiner Form zu protestieren. Selbst wenn es sich um Gebiete handelt, die seit Jahrhunderten unter der Souveränität der Herrscher Abessiniens stehen. Die täglichen Radiomeldungen aus Rom und die Ausfälle der italienischen Presse, die durch die hiesige Radiostation verbreitet werden, tragen nicht zur ^Beruhigung bei. Auch die Steuerungen leitender italienischer Politiker und Erklärungen der italienischen Presse, daß sie von Abessinien mehr wollen als nur Regelung der Grenzgebiete, haben die Abessinier aus ihrer stoischen Ruhe aufgescheucht und einen Widerstandswillen entfacht, der — wenn es wirklich zu einem Kriege kommen sollte. — den Italienern ungeheure Schwierigkeiten bereiten wird.
Daß Abessinien einen Krieg, den es gern vermieden hätte, annimmt, wenn man ihn ihm aufzwingt, kam besonders stark in der großen Rede Halle Sei- lassies' I. am 18. Juli zum Ausdruck. Wohl niemals ist der Kaiser so vom Volk umjubelt worden, wie am Tage seiner Willenskundgebung, daß er an der Spitze seines Volkes für die Unabhängigkeit Ethio- piens in vorderster Front kämpfen werde, um die Unabhängigkeit und Freiheit Ethio- piens zu verteidigen, und daß er lieber sterben wolle, als fein Land unter fremder Herrschaft zu wissen. Am gleichen Tage hielt der Kaiser eine große Parade ab, bei der über hundert Offiziere ernannt und vereidigt wurden. Danach ritte er an der Spitz? der kaiserlichen Garde durch die Stadt zum Parlament und wurde begeistert vom Volke gefeiert. Dieser Enthusiasmus steigerte sich noch, als der Kaiser im Parlament vor der Versammlung der Großen seines Volkes, vor ausländischen Journalisten und Militärs den ganzen Hergang der Streitfrage mit Italien barlegte, ohne so aggressive Worte zu gebrauchen, wie sie in der italienischen Presse in der letzten Zeit gegen Ethiopien gang und gäbe sind. Der Kaiser betonte unmißverständlich, daß Ethiopien sich angegriffen fühle und in der Verteidigung befinde, und daß es jetzt unbedingt etwas zu seinem Selbstschutz tun werde in Anbetracht der ständigen weiteren italienischen Truppenverschiffungen in beide italienische Grenz- folonien.
Dieser Appell an das Volk kommt einer M o - bilifation gleich, die es gesetzlich in unserem Sinne in Abessinien nicht gibt. Und das Volk hat verstanden. Schon am Nachmittag des Tages der Parlamentsrede strömten Taufende von Freiwilligen zu den Militärstellen, um sich anwerben zu lassen. Blitzschnell gründete sich eine „Vereinigung der Patrioten Abessinien s". Innerhalb 3 Tagen hatte sie 14 000 Mitglieder, heute schon fast 40 000, und wieviel es sein werden, wenn dieser Artikel erscheint, ist kaum abzusehen. Jeder Abessinier, jung ober alt, übt in den Straßen, auf ben Plätzen, Höfen und sonstigen Orten Gleichschritt. Man sieht sie in Gruppen, Zügen unb geschlossenen Kompanien exerzieren. Das Kommanbo hat ein Unteroffizier ober sonst ein gebienter Solbat. Hauptgewicht wirb auf Bewegung gelegt. Schießunterricht haben bie Abessinier nicht nötig: ein Gewehr zu hanbhaben, braucht man bem Abessinier nicht erst beizubringen. Er wirb mit bem Gewehr bereits groß unb weiß bamit umzugehen. Die Organisation ist heute im vollsten Gange. Unlängst ist Abessinien ja auch ber Genfer Konvention des Roten Kreuzes beigetreten. Allenthalben bilden sich Vereinigungen von Frauen und jungen
Lebenslauf einer Buche.
Von Paul Eipper.
Große, hohe Buche, Mutter des Waldes, Himmel- an wölbst du die Kuppel deines Blätterdaches, brei- test übereinandergestaffelt deine segnenden Schirm- Hände weit nach allen Seiten und gewährst unzähligen Tieren, den Singvögeln, Käfern, Dienen, den Mückchen und Spinnen, eine gastliche Wohnung in deinem (Belaub. Die Rehmutter stellt sich unter deinen Schutz, der Hase und das Hirschkalb; die Waldtaube baut sich hoch oben in deiner Krone ihr Nest, unb auch bem Marber wehrst bu nicht seinen Unterschlupf. Allen bist bu gut; alle wiegst du mit deinem melodischen Blätterrauschen in den Schlaf; Schatten spendest du ihnen, Nahrung und Ruhe vor Regen und Sturm.
Alle sechs bis zehn Jahre bist du die Fruchtbar- feit selbst; zu Tausenden offnen sich bann im Herbst deine holzigen Becher, lassen die dreieckigen, glanzend braunen Samen 3U Boden fallen.
Bis in den April ruhen sie im Humusgrund des vermodernden Laubs; mit der Frühlingswärme keimen sie, und bei Sommerbeginn ist plötzlich der Boden rings um den mütterlichen Buchenstamm dicht besteckt mit winzigen Pflänzchen, mit dunkelgrün glänzenden, fleischig dicken Blattpaaren auf zierlichstem Stiel.
Würde auch nur der achtzigste Teil dieser Keimlinge Wurzel fassen und gedeihen, es entstünde aus wenigen Mutterbuchen ein Urwald, der sich selbst erstickte. Verschwendung und Vernichtung halten sich das Gleichgewicht in der Natur; nur das Stärkste, Tüchtigste kommt zur Entwicklung, bringt durch den Teppich des welken Laubs in die Erde und kann den weiteren Aufbau betreiben, fetzt über den fleischigen Lappenblättern einen neuen Trieb an, das zweite Stockwerk, aus dem nun die eigentlichen Buchenblätter sprießen, ganz klein noch, aber schon zierlich gezähnt.
In den ersten fünf Jahren entwickelt sich das Wachstum eines solchen Buchenkindes außerordentlich langsam; vielerlei Gefahren bedrohen zudem sein Leben, Witterungsunbill, Wildverbiß, Nässe und Frost. Mit zehn Jahren ist der Busch knapp achtzig Zentimeter hoch; aber nun mag er aus dem Aergsten heraus sein; das Stämmchen steift sich,
setzt eine schone Krone an, schwankt anmutig und voll Trotz in Wind und Gewittersturm. Zwar bekommt der junge Baum wenig Sonnenlicht unter dem Baldachin der Mutter; doch von allen Laubbäumen verträgt die Buche am leichtesten starke Beschattung.
Die Jahreszeiten ziehen auf und vergehen, helfen mit ihrem Wechsel zu sommerlichem Sprießen und tillem Winterschlaf; alljährlich im Herbst färben ich die Blätter braun und rot; der junge Baum cheint zu brennen, glüht flammend im Sonnenlicht, raschelt gespenstig zur Nacht, bis das welke Laub in wehmütiger Schönheit zu Boden sinkt, mit Frostkristallen überpudert und schließlich vom Schnee zugebettet wird, Nährboden für kleine Pilze, Wühlgrund für Wurm und Käfer. Ganz zerfallen wird aus feinem Staub neue, fruchtbare Erde.
Die Buche weiß davon nichts; die gehorcht ihren eigenen Gesetzen. Anfang Mai zeigen sich an den Enden aller ihrer Aeste länglich weihgelbe Spindeln, die braun anschwellen. Ihre Spitzen spalten sich; schon kann man unter die Schutzhaut blicken; zierlich gefältet liegen dort die noch schlummernden, blaßgrünen Blättchen. Aber sie erwachen bald; die Sonne holt sie aus ihrem Winterbett, lieber Nacht sind dann die zarten Blättchen ausgeschlüpft, zahllose, kleine Fackeln, deren grüner Glanz wie Silber» staub schimmert. Ihr Gewicht ist klein, dennoch zu schwer für den jungen Stiel; am Morgen hängen sie kopfabwärts, nicht krank, nur ein wenig müde, anmutig dabei.
Wenn leichter Ostwind weht, wippen sie wie die Gazeröckchen kleiner Tänzerinnen. Aus Wurzel, Stamm, Zweig und Ast strömt ihnen Nahrung zu; die Gnade' der schönen Maientage hilft ihnen zu froher und endgültiger Entfaltung.
Immer stolzer reckt sich der junge Baum in Höhe und Weite; mit dreißig Jahren ist er sechs Meter hoch; wird nun zunächst jedes Jahr um einen halben Meter höher wachsen, bis er mit sechzig oder siebzig Jahren geschlechtsreif ist, das heißt, gleichzeitig mit den jungen Blättchen im Mai auch Blüten treibt. Daraus bilden sich allherbstlich die verholzenden Fruchtbecher, die ihrerseits nun Bu- cheln zur Keimung auf den Boden schütten: der Kreislauf der Entwicklung ist geschlossen, eine neue
Generation von Buchen kann entstehen. Ewig grünt so der stolze, hohe Waldesdom.
Aber die reif gewordene Buche denkt noch lange nicht ans Sterben; sie ist in ihren besten Jahren, etwa zwanzig Meter hoch, kann auf das Doppelte heranwachfen und wird unter günstigen ßebensbe- bingungen fast das dritte Jahrhundert erreichen.
Vorausgesetzt, daß der Mensch nicht eingreift und feine Ansprüche geltend macht!
Das rötlichweiße, besonders harte Buchenholz wird auf vielerlei Art gebraucht: zu Eisenbahn» schwellen, für Fässer und Räder, zum Hausbau und für den Möbeltischler. Schließlich ist es ein ausgezeichnetes Brennmaterial.
So wird eines Tages der Förster ein Zeichen auf die glatte Rinde schreiben; Holzfäller kommen, greifen mit Axt, Säge und Stemmfeilen den Stamm dicht über den Wurzeln an. Breite Wunden klaffen im lebendigen Holzfleisch; der Wipfel erzittert; Aechzen schüttelt den Stamm, der sich plötzlich neigt und zu Boden sinkt, Diener des Menschengeschlechts.
„Knock mit!"
Lichtspielhaus Bahnhofstraße.
Der Film mit Max Schmeling und Anny Ondra! Im Untertitel lieft man: „Ein luftiges Spiel von Siebe und Sport". Also leichte Kost! Wer nicht mehr erwartet, wird gut unterhalten. Der Film bringt eine Fülle der humorvollsten Szenen, so daß man etliche Male herzlich lachen kann. Durch den Hauptdarsteller Max Schmeling gewinnt der Film der „Bavaria" natürlich erhöhtes Interesse.
Die Kinobesucher erleben vor diesem amüsanten Bildstreifen zunächst einmal das für den Film immer so dankbare Theatermilieu, hier sogar das der Revue, in die durch einen Irrtum die kleine Marianne Plümke hineinschneit, dabei einmal über die Bühne geht, ihre Sache gut macht und engagiert wird. Nachher gibt es dann dicke Kameradschaft mit dem Oberbeleuchter, der wegen Marianne mit einem für bie Revue verpflichteten Boxer in Streit gerät und dabei von einem Fachmann für den Boxsport „entdeckt" wird. So wechselt denn das Milieu rasch hinüber in das Trainingskamps. Hier ist der Hauptdarsteller in seinem Element. Hochdramatisch wird die Handlung allerdings erst zum Schluß, da der neue
Stern am Boxerhimmel, veranlaßt durch die Konkurrenz seines Managers, zu einem Kampf gegen einen routinierten Meister startet und — dank Mariannens moralischer Unterstützung — einen großen Sieg erringt. Das Ende ist also in zweierlei Hinsicht happy.
Max Schmeling, der Oberbeleuchter und nachmalige Borer, fand sich als Filmschauspieler glänzend zurecht und überzeugte nicht nur nach der sportlichen Seite. Anny Ondra als Revuegirl war in ihrem ureigensten Fahrwasser und stellte dem Boxer die quieklebendige Partnerin. Ferner begegnete man in diesem Bildstreifen noch Paul Samson-Körner und Hans Schönrath als Kampfpartner für Schmeling. Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe interessanter Figuren, so u. a. den frech-witzigen Hilfsbeleuchter Josef (Hans R i ch- ter), den nervösen Theaterdirektor (Fritz Odern a r), den Manager Schmidtchen (Otto Wernicke) und eine fidele Hamburger Sängerin (Isa Vermehren). Die Regie arbeitete mit allen verfügbaren Mitteln und Effekten. Bild unb Ton sind gleichermaßen gut. — Im Beiprogramm hinterläßt eine Auswahl Lortzingscher Melodien, szenisch und klanglich sehr gut wiedergegeben, starken Eindruck.
n.
Hochschulnachrichten.
Der Ordinarius für Römisches Recht an der deutschen Universität in Prag, Professor San Nicolo, wurde in gleicher Eigenschaft an die Universität München berufen. San Nicolo hat in Graz, München, Leipzig und in England studiert, sich 1913 in Graz habilitiert und wurde 1917 außerordentlicher Professor für Römisches Recht an der deutschen Universität in Prag. 1931 war er Rektor. Während des Jnsignienftreites hat er als Prorektor mit großer Energie bie beutsche Sache vertreten. — Der Drbi- narius für Geobäsie unb Geophysik an ber Universität Berlin, Dr. Ernst K o h l s ch ü 11 e r, ist infolge Erreichung ber Altersgrenze von ben amtlichen Verpflichtungen entbunben worben. — Der Extraorbinarius für Mineralogie unb Petrographie an ber Universität Berlin, Professor Dr. M. Belo w s k y , würbe 70 Jahre alt. — Der Professor an ber Tierärztlichen Hochschule Hannover, Professor Dr. Hermann Ube, wurde 75 Jahre alt


