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memfamen Verwaltung bestehen im Hinblick auf die drei unter englischer Oberhoheit stehenden o st = afrikanischen Gebiete, zu denen das Tanganjika-Gebiet, das frühere D e utf ch o st a f ri k a, gehört. Diese Frage stand schon vor sechs Jahren einmal zur Erörterung im Dölkerbundsrat. Damals hat sich der deutsche Vertreter Dr. Stresemann auf den Standpunkt gestellt, daß es die Grund l a g e des ganzen Mandatssystems sei, daß die Mandatssitze selbständige, internationale Einheiten blieben. Es dürfe, wenn auch eine verwaltungstechnische Zusammenfassung möglich sei, „doch keine Verschmelzung in der Art statt- finden, daß das Weiterbestehen des Mandatsgebietes als selbständige politische Ein- heit und damit die ständige Ueberwachung der Ausführung des Mandats durch den Völkerbund in Frage gestellt werde". Das scheint auch heute noch die Auffassung des Mandatsausschusses zu sein, wenn er von England eine ausführliche Dar- stellung derZuständigkeiten der gemeinsamen Vollversammlung für die drei ostafrikanischen Gebiete erbittet und es weiterhin in Fraae stellt, ob die Ausgabe einer gemeinsamen Briefmarke mit den finanziellen Interessen des Mandatsgebietes und mit den Mandatsbestimmungen überhaupt vereinbar sei.
Wenn es überhaupt noch zu einer friedlichen Lösung im Abessinienkonflikt kommt, so wird sich der Mandatsausschuß mit ihrer Durchführung irgendwie befassen müssen. Die Vermutung liegt nahe, daß die jetzt ausgeteilten Rügen das Vertrauen des Negus stärken sollen, daß der Völkerbund immer gewillt ist, einem allzu selbständigen Vorgehen einer einzelnen Macht, auch wenn sie mit dem Mandat betraut ist, einen Riegel vorzuschieben. Vielleicht hofft man gerade durch eine solche Demonstration eine friedliche Lösung erleichtern zu können.
Oer „Eiserne Wolf" fletscht die Zähne.
In Litauen gibt es eine übernationalistische Vereinigung, die sich in Anlehnung an die bilderreiche indianische Sprache den Namen „Eiserner Wolf" gegeben hat. Da Wölfe im allgemeinen nicht mutig sind und sich auch nur in Rudeln zum Angriff vorwagen, kann es nicht überraschen, daß sich auch die litauischen Wölfe erst in das M e - m e l g e b i e t hineinwagten, als sie von der franzö- ffischen Besatzung nicht nur Waffen, sondern auch die Zusicherung erhalten hatten, daß man ihnen nicht entgegentreten werde. So schlichen sich bei Nacht und Nebel diese „Wölfe" über die Grenze, aim den Platz der französischen Besatzungstruppe einzunehmen.
Es ist um diese Organisation dann lange sehr still gewesen. So still, daß wohl die Litauer schon angenommen haben dürften, der „Eiserne Wolf" sei in irgendeinem Winkel elend verreckt. Daß dem nicht |o ist, wurde jetzt an der polnisch-litauischen Grenze, die in Wirklichkeit keine Grenze, fonbern nur eine Demarkationslinie ist, unter Beweis gestellt. Der „Eiserne Wolf" hat rund 500 Demonstranten zusammengerafft, ist mit ihnen dorthin gezogen, wo polnische Grenzwachen standen, hat stürmisch Wilna verlangt und dann — man höre und staune! — den Marsch über die Grenze angetreten. Woraufhin die Polen natürlich ein paar Schüsse abgaben. Aber keineswegs scharfe Schüsse. Denn sie kannten den „Eisernen Wolf" bereits, der lediglich die Zähne fletschte und beim Knall von einigen Platzpatronen schleunigst das Weite suchte. Es ist doch etwas anderes, aus eigener Kraft auf Wilna zu marschieren, als unter dem Schutze französischer Maschinengewehre eine wehrlose Bevölkerung zu überfallen.
Oas Ausland lernt den deutschen Arbeitsdienst kennen
Berlin, 15. Aug. (DNB.) Die Einführung der allgemeinen Arbeitsbienstpfticht hat bas Interesse >es Auslandes verständlicherweise erneut stark auf >en Arbeitsdienst gerichtet. Das zeigt sich auch in »er Tatsache, daß in letzter Zeit mehrfach amt- iche Kommissionen fremder Staaten Gelegenheit genommen haben, den Arbeitsdienst ' ennenzulernen. Die Kommissionen, deren Führung >urch den Leiter des Aufklärungs- und Außen- imtes beim Reichsarbeitsführer erfolgte, waren wlgerrbe: Italienische Kommission, bestehend ius: Kapitän zur See Bertoldi, Adjutant des Königs von Italien, Major im 8. Alpini-Regiment, Ost. Britische Kommission für Sportausbildung »estehend aus: Major Campbell, Hauptman W i e I e r, Leutnant zur See E v e r a r d , deglei- :<t von Major Hay vom englischen Militärattache m Berlin. Amerikanische Kommission be- ttehend aus: Oberst Edmund Bullis, Hauptmann Koenig vom amerikanischen Militärattache m Berlin.
Zuchthausstrafen im Oevisenschiebungsprazeß gegen die »Barmherzigen Brüder".
Berlin, 15. Aug. (DNB.) In dem Devisen- Ichiebungsprozeß gegen drei Mitglieder der „K l ö - .erlichen Genossenschaft der Barmte r z i g e n Brüder" vor dem Berliner Sonder- c.ericht wurde der Hauptanaeklagte,' der General- dbere Ottmar Vey, wegen Verrates der deutschen Volkswirtschaft und wegen Devisenverbrechens in Wei Fällen zu insgesamt vier Jahren Zucht- i aus und drei Jahren Ehrverlust sowie zu 50000 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Generalökonom ssranz Josef Brümmer erhielt wegen Beihilfe (iiim Verrat der deutschen Volkswirtschaft und wegen Haevisenvergehens in zwei Fällen zwei Jahre Zuchthaus, drei Jahre Ehrverlust und 20 000 Mark Geldstrafe. Der holländische Staatsangehörige Generalassistent Stephan K o k wurde wegen De- liisenvergehens zu einem Jahr Gefängnis inb 3000 Mark Gelbstrafe verurteilt. Die Unter- sychungshaft wird angerechnet. Das Urteil wird ft fort rechtskräftig.
Der Vorsitzende betonte in der Begründung, 2 eutschland befinde sich in einem leidenschaftlichen Jampf einer Welt von feindseligen Kräften gegen» ifotr, die besonders versucht, auf wirtschaft- liichern Gebiet Deutschland Schaden zuzufügen uib es an der Durchführung feiner gewaltigen so- z.alen Aufgaben zu hindern. Nur wenn das ganze Rutsche Volk einmütig zusammen st eh t, linn diesen Bestrebungen erfolgreich entgegengebeten werden. Das aus diesem Abwehrkampf heraus geschaffene Volksverrats Gesetz sieht zwingend vor, daß gegen den, der sich vorsätzlich c»gen diese Bestrebungen vergeht, schwere Stra- f::n zu verhängen sind.
Oie Vorbesprechungen in Paris.
Nach den ersten Besprechungen am Quai d'Orsay geben Laval und Eden den Journalisten Auskunft. Im Hintergrund der britische Botschafter in Paris, Sir George Clerk. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
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Wie sieht es in der
irtschast aus?
Die deutsche Außenhandels st ati ft it weist für das erste Halbjahr 1935 noch einen Einfuhrüberschuß von fast 165 Millionen Mark aus. Aber bieses Passivsaloo stammt im wesentlichen aus den ersten Monaten des Jahres. Inzwischen ist es gelungen, Einfuhr und Ausfuhr nahezu ins Gleichgewicht zu bringen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Einfuhr nochmals um 7,5 o. H. eingeschränkt worden, und zwar hauptsächlich durch Verminderung der Einfuhr überseeischer Erzeugnisse um beinahe 24 v. H. Dagegen ist die deutsche Einfuhr aus europäischen Ländern etwas geftiegen. Das ist auf den durch die Produktionsbelebung gesteigerten Bedarf Deutschlands an Eisenerzen, Mineralölen, Bauholz, Flachs, Hanf ufw. zurückzuführen. Teilweise hat auch der Abschluß von Verrechnungsabkommen, insbesondere des englischen, zu einem Ansteigen der deutschen Warenimporte geführt. Dagegen hat allein bie Einfuhr aus ben Vereinigten Staaten um mehr als 135 Millionen Mark abgenommen.
ßänber, mit denen Deutschland auf Grund von Kompensationsverträgen einen g e ft e i » gerten Handelsverkehr pflegen konnte, find Brasilien, Argentinien, die Türkei und einige andere. Erfreulich ist, daß die planmäßige Umstellung der deutschen Einfuhr auf diejenigen Länder, bie zum Ausgleich entsprechend Mengen beut» scher Waren beziehen, bereits dazu geführt hat, baß der Rückgang ber beutschen Ausfuhr nahezu zum Stillstand gekommen ist. Jnsbeson- bere hat ber Export deutscher Waren nach überseeischen Ländern zugenommen. Das Bild der Entwicklung des deutschen Außenhandels würde noch günstiger aussehen, als es uns die Außen- handelsstatistik zeigt, wenn nicht ber deutsche Export nach Sowjetrußland allein einen Rückgang um mehr als bie Hälfte erfahren hätte. Hier wirb noch ein Ausgleich gefunden werben müssen, sei es burch Steigerung der russischen Bezüge deutscher Waren ober im Notfall durch Einschränkung ber deutschen Einfuhr aus Sowietruß- lanb. Denn der deutsch-russische Handelsverkehr war in der ersten Jahreshälfte 1935 mit mehr als 85 Millionen Mark zuungunsten Deutschlands passiv. Allein durch die Beseitigung dieses handels- polittschen Fehlbetrages könnte ber deutsche Einfuhrüberschuß um die Hälfte vermindert werden.
Mehr als 15 Milliarden Mark deutsches Volksoermögen werden von ben Sparkassen verwaltet. Die Spareinlagen bes beutschen Volkes finb heute nicht mehr erheblich niebriger als im letzten Dorkriegsjahr 1913. Im ersten Halbjahr 1935 betrug ber Überschuß ber Einzahlungen bei ben Sparkassen über bie Abhebungen 413 Millionen Mark. Das ist ein erfreuliches Zeichen fteigenber Sparkraft, aber auch steigenden Vertrauens zu ben Sparkassen als ben wichtigsten Trägern der Kapitalbildung der breiten Masse der Bevölkerung. Solange diese lebhafte Spartätigkeit andauert, braucht man sich weder um die Kreditversorgung der Wirtschaft noch um die Finanzierung der Arbeitsbeschaffung Sorge zu machen. Die Aufgabe der Sparkasse liegt ja nicht allein darin, das Geld des Sparers zu verwalten, sondern hat auch eine wirtschaftsbelebende und auch noch eine wirtschaftsankurbelnde Funktion. Das Geld bes Sparers geht als belebender Strom in die Adern ber Wirtschaft zurück. In einer Aera ber Arbeitsbeschaffung, sowohl von staatlicher wie auch von privater Seite, mußten bie Sparkassen also auch zum Mitträger bieser Arbeitsbeschaffung werben, was wieberum zur Folge hat, baß bie Abhebungen stärker sein müssen als in normalen Jahren. Das ist 1934 auch ber Fall gewesen unb bennoch haben bie Einlagen erheblich zunehmen können.
Das Bilb wirtschaftlichen Aufschwunges runbet sich ab burch bie Berichte der Industrie- unb Han- belskammer. Danach hat bezeichnenberweise bas Jnbustriekohlengeschäft gegenüber ber Vorjahreszeit eine Zunahme aufzuweisen, was auf bie stärkere inbuftrieUe Beschäftigung zurückzufüh- ren ist. Unb tatsächlich erwähnen bie Berichte aus fast allen Zweigen inbuftrieller Betätigung einen flotteren Geschäftsgang, eine Zunahme bes Umsatzes unb eine befriebigenbe Nachfrage. Wenn bas befonbers für bie Lanbmaschinen-Jnbu- ft r i e zutrifft, so ist bas, unter inbustriellem Blickwinkel gesehen, ein weiterer Beweis für bie zu- nehmenbe Kaufkraft in ber Lanbwirtschaft unb bie burchschlagenbe Wirkung nationalsozialistischer Agrarpolitik. *
Was Deutschlanb auf wirtschaftlichem Gebiet anstrebt, ist bie Schaffung einer echten M e n- genkonjunktur, nicht aber einer Preiskonjunktur. Aus biefem Grunde find bie staatlichen Stellen ernstlich baraum bemüht, Preissteigerungen nur so- weit zuzulassen, wie sie wirtschaftlich berechtigt finb. Jebe ungerechtfertigte Spekulation verringert die Kaufkraft unb gefährbet bas wirtschaftliche Wieder- aufbauwerk. Der kommissarische Wirtschaftsminister, Dr. Schacht, hat in dem Runderlaß an die Preis- Überwachungsstellen nochmals deutlich zu verstehen gegeben, daß es die Regierung mit der Art der Preisüberwachung sehr ernst meint, und daß sie keinesfalls Profitjägern jeglicher Art das Feld ein-
räumen will. Die Wirtschaftsbelebung ist zunächst in ihrem Anfangsstadium ein Werk des Staates gewesen, und so kann der Staat von jedem einzelnen verlangen, daß er sich als Mitträger dieser großen Aufgabe ansieht und daß niemand aus Eigennutz bie weitere Entwicklung stört.
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Besonbere Aufmerksamkeit wenbet bas Reichswirtschaftsministerium zur Zeit ben Preisbindungen im Großhandel mit elektrischen Apparaten und Gebrauchsgegenständen zu. Die Richtpreislinien, die in verschiedenen Gegenden des Reiches festgesetzt worden waren, sind aufgehoben worden. Man hofft, daß hierdurch eine Senkung der Goßhandelspreise durchgesetzt werden kann, die dann auch ben Kleinhünblern eine billigere Belieferung ihrer Kunben gestatten wird. Es ist aber natürlich nicht geplant, etwa einen wilden Preiskampf zu entfesseln. Unterbietungen sind ebenso unerwünscht wie Preisbindungen. Zweck der getroffenen Maßnahmen ist lediglich eine Verbilligung zugunsten ber Gesamtheit ber Verbraucher. Welche Möglichkeiten bei einer entsprechenben Preispolitik für bie Ausbehnung bes Verbrauchs elektrischen Stromes noch vorhanben fmb, zeigen bie Erfolge, bie bie Elektroerzeug e r im rhein-mainifchen Wirtschaftsgebiet in letzter Zeit erzielt haben. Hier ist nach ben oorliegenben Berichten ber Stromverbrauch um runb 10 Prozent gegenüber bem Vorjahr gestiegen. Die Ansatzsteigerung erstreckt sich sowohl auf ben inbustri- eilen Verbrauch, ber burch stark ermäßigte Spezialtarife geforbert würbe, als auch auf ben Verbrauch ber Haushaltungen. Gut bewährt hat sich bie Werbung für bie Verwendung elektrischer Haushaltgeräte. Durch deren größere Verbreitung wirb ber Stromabsatz erhöht, so baß also bie Witschaft in zweifacher Weise gefördert wird. Auch unter diesem Gesichtspunkt haben also die Bemühungen um eine Verbilligung der Elektrogeräte allgemein-wirtschaftliche Bedeutung.
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Dierhein-mainischeWirtschaft entfaltet auch auf anderen Gebieten eine erfreuliche Aktivität. In der Zeit vom 24. August bis zum 8. September wird auf dem großen Festhallengelänbe in Frankfurt a. M. eine Schau beutscher Wertarbeit veranstaltet werben. Sie soll bem Jnlanb, aber auch bem Auslanb ein einbrucksvolles Bilb ber Wirtschaft Sübwestbeutschlanbs zeigen, bie bekanntlich in hohem Maße exportorientiert ist. Zahlreiche chemische Fabriken, bie großen Automobilwerke in Rüsselsheim unb Frankfurt, eine hochentwickelte Fabrikation elektrischer Apparate unb Maschinen, ferner Spezizalinbustrien, wie bie von Leberwaren in Offenbach, von Schmuckwaren in Hanau, von optischen Artikeln in Wetzlar, haben nicht wenigen Erzeugnissen ber Jnbustrie des Rhein- Main - Gebiets Weltgeltung verschafft. Obwohl aber selbstverstänblich jebe Gelegenheit benutzt werben muß, um für deutsche Qualitätsleistungen zu werben, soll bie Frankfurter Schau nicht ben Charakter einer Messe erhalten. Sie soll also nicht etwa mit ber Leipziger Herbstmesse in Wettbewerb treten, bie in biefem Jahre in ber Zeit vom 25. bis 29. August abgehalten werben wirb. Die Leipziger Messe bleibt bas zentrale Schaufenster ber beutschen Exportinbustrien. 6000 Aussteller aller Branchen werben biesmal in Leipzig ihre Waren zeigen. Es ist sicher, baß bie beutsche Wirtschaft auch in biefem Jahr von ber Messe wertvolle Anregungen unb nachhaltige Förberung erhalten wirb.
Kunst und Wissenschaft.
Erfolgreiches Gastspiel deutscher Schauspieler in Brasilien.
Das Gastspiel ber beutschen Schauspieltruppe hat nach glänzenbern Verlauf in R i o be Janeiro auch in Sao Paulo einen gewaltigen Erfolg erzielt. Die Presse würbigt einmütig bie Größe ber beutschen Theaterkunst. Die Anteilnahme bes Deutschtums an bem Gastspiel kam im Abschluß zahlreicher Freunbschaften mit Künstlern zum Aus- oruck. Da bas Gastspiel auch in Sao Paulo vor ausverkauften Häusern stattfanb, war ber Aufenthalt in Brasilien ber größte Erfolg ber ganzen Sübamerika-Reise. In Sao Paulo ermöglichten zwei Aufführungen im Rahmen von „Kraft burch Freude" auch den ärmsten Volksgenossen den Besuch. Die Schauspieler, die vielen Tausenden deutscher Volksgenossen und Brasilianern den Eindruck ernster deutscher Kunst vermittelten, kehren mit dem Dampfer „Cap Norte", mit Ausnahme von Werner Krauß und Maria Bard, die den Zeppelin benützen, in die Heimat zurück.
Jubiläum der Heidelberger Universität.
Die Ruperta Carola feiert im Jahre 1936 ihr 550jähriges Bestehen. Aus diesem Anlaß wird in Heidelberg eine Internationale Hochschullehrer-Konferenz stattfinden, außerdem wird eine große Ausstellung „550 Jahre Heidelberg im deutschen Geistesleben" veranstaltet.
Das Heer von morgen".
Von Oberstleutnant Behring, Inspektion der Krastsahrtruppen, Äerlin.
Motto: „Die Waffen, die uns den Sieg geschenkt haben, werden täglich vervollkommnet. Kampfwagen unb Flieger machen täglich Fortschritte."
Französischer General Debeney, 1934.
Der Grabmesser bes Wertes ber Völker aller Zeiten war. ist unb bleibt ber Zustanb ihres Heeres. Je höher ber Stanb ber Wehrbereit- fchaft eines Volkes ist, befto mehr ist seine Sicherheit unb bamit bie Erhaltung bes Friebens gewährleistet. An bieser Tatsache kann keiner vorbeigehen. Das ganze Volk ist daran interessiert. Sie geht den Soldaten an und damit seit dem 16. März jeden deutschen Staatsbürger, dem durch den bewundernswerten Entschluß des Führers die Wehrfreiheit geschenkt worden ist: sie geht b i e Juge nb an, bie bie Zukunft ber Nation verkörpert. Sie berührt den Wirtschaftler, der die Bindungen zwischen Wehrmacht und Wirtschaft kennt; sie regt den Techniker an, über die Probleme seines Sondergebietes nachzudenken; sie zwingt den Bauern nachzuprüfen, ob die Ernährung von Kampffront und Heimat durch ihn sichergestellt und damit überhaupt erst die Möglichkeit gegeben ist, das „Deutschland der Einheit, der Stärke und der Ehre, das Deutschland des Friedens" zu sichern und zu verteidigen.
Es ist nicht leicht, sich ein zutreffendes Bild vom Kriege der Zukunft, vom Charakter der Heere von morgen zu machen. Studieren wir die Geschichte des Weltkrieges und betrachten wir bie Entwicklung in ben Armeen ber bisher allein hochgerüsteten großen Militärmächte, so werben sich baraus Fingerzeige ergeben, wohin bie künftige Entwicklung steuert. Unb ba müssen wir feststellen, baß ber Motor in jeglicher Gestalt die Stunde regiert.
1918 brachte der Motor im Kampfwagen die Entscheidung gegenüber unseren zermürbten Kämpfern, die keine Kampfwagen besaßen unb bem „panischen Tankschrecken" preisgegeben waren. 1935 finb alle Heere in ber Umbilbung begriffen, bie sich auf ber Benutzung uno Einglieberung bes Motors in Waffe unb Truppe aufbaut! Nur kühne unb ganze Entschlüsse führen bazu, ein Heer neuzeitlich zu gestalten unb es zu bem Instrument auszubauen, das die Staatsführung braucht.
Die großen französischen Herbstmanö- d e r mehrerer völlig motorisierter Divisionen um Mailly-Chalons haben bie Augen ber ganzen Welt auf sich gelenkt. Nie geschaute Massen an motorisierten Kämpfern unb Fahrzeugen waren bazu auf engem Raum versammelt, um neue PrcHleme einer neuzeitlichen Kriegsführung unb neuer Waffen stu- bieren unb überprüfen zu können. Frankreich, bas noch vor wenigen Jahren in ber Motorisierungsfrage beiseite stanb, hat sich ben Forberungen eines neuen Zeitabschnittes nicht länger verschlossen. Logisch unb zielbewußt verfolgt es ben neuen, unter General Weyganb eingeschlagenen Weg ber Motorisierung seines gewaltigen Heeres, weil es glaubt, baburch feine politische unb militärische Vormachtstellung in Europa unb bamit in ber Welt zu festigen unb auszubauen. Kronzeuge bafür sei eine unvorsichtige Aeußerung ber „France milttaire" vom 18. September 1933, wonach „ber Kampfwagen die Waffe desjenigen ist, ber überfallen will." „Das bereitliegenbe Material erlaubt, ben Krieg zu eröffnen; bie inbuftrieUe Mobilmachung erlaubt, ihn weiterzuführen. Beide zusammen ergeben die materielle Kraft einer Armee. Dabei ist der Angreiefer im Vorteil." Hält man sich dieses Geständnis aus französischem Munde vor Augen, so werden auch Laien begreifen, welchen Zwecken der Bestand von über 4000 (viertausend) Kampfwagen, von 500 Straßenpanzerwagen, von vier motorisierten Kavalleriedivisionen und von mehreren vollmotorisierten Infanteriedivisionen dienen soll, um den Krieg sofort mit vollständig motorisierten Divisionen und starken Kampfwagenverbänden in Feindesland zu tragen unb im übrigen ber eigenen Rüstungsinbustrie Zeit und Sicherheit zum Anlaufen zu geben.
Die englischen Jbeen gipfeln etwa in demselben Endziel, was den Wert und die Notwendigkeit der Motorisierung des Heeres anbelangt. Aber in wehrpolitisch glücklicher erdräumlicher Lage, nur aus der Luft unmittelbar angreifbar, glaubt es, sich im Frieden zunächst mit verhältnismäßig geringen Beständen an Kraftfahr-Kampfgerät begnügen zu dürfen. Seinen Schwerpunkt legt England daher auf die Entwicklung von Technik unb Taktik ber motorisierten Verbände unb hier vorzugsweise ber Kampfwagentruppe. Stark beeinflußt burch ben geistreichen General Fuller unb ben begeisterten Vorkämpfer neuzeitlicher Oebanfengänge, ßibbel Hart, hat man aus mehreren Kampfwagenbataillonen, auß Straßenpanzerwagen, gepanzerter Artillerie auf Raupenfahrgestellen unb weiteren Hilfswaffen bie erfte „P a n z e r d rkg a b e" ber Welt geschaffen, bie mit ihrer zusammengefaßten hohen Kampfkraft, ihrer Gelänbegängigkeit unb Beweglichkeit ben Feind umfassen, überrennen und vernichten soll, ehe der Krieg eigentlich begonnen hat. Für 1935 hat man den Ausbau dieser Brigade zur Panzerdivision durch Koppelung mit einer motorisierten Schützenbrigade vorgesehen.
Wieder ein anderes Bild bietet sich bei einem Ueberblick über den Stand der Heeresmotorisierung in Rußland. Die Motorisierungsziele seiner Heeresleitung erstrecken sich neben der Beförderung großen Truppeneinheiten auf Kraftwagen vorzugsweise auf die Bildung von handlichen „motormechanisierten" Brigaden, die etwa der englischen Panzerbrigade entsprechen, aber dauernd durch Infanterie verstärkt finb. Ihre Verwenbung bewegt sich in ber Richtung ber englischen Auffassung, also in der Verwendung als selbständige operative Einheit. In der Beschaffung bes Kraftfahrgeräts ist sehr deutlich das Bestreben festzustellen, sich vom Auslände unabhängig zu machen. Rußland ist im Begriff, seine materielle Rüstung auch in dieser Beziehung zu vervollständigen unb seine taktischen unb operativen Gebauten ber neuzeitlichen Entwicklung westeuropäischer Taktik unb Technik anzupassen. Sein Oberbefehlshaber W o r o s ch i l o s ist ein fanatischer Anhänger bes Motorisierungsgebankens, ben er in Wort und Schrift unb Tat vertritt.
Im Vergleich damit fällt Polen ab; aber man muß anerkennen, daß seine Heeresmotorisierung im Verhältnis zur Motorisierung der Wirtschaft weit vorwärts getrieben ist. Mit vier Panzern
* Dieser Aufsatz ist der vom Reichskriegsrniniste- rium empfohlenen Zeitschrift „Kraftsayrt der Wehrmacht", (Wehrmacht-Sport-Derlag Stutt- gart-R, Mittnachtbau) entnommen.


