Nr. 13 viertes Blatt'Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)Mittwoch,W.Zanuar 1955
Gauleiter Vünlel meldet den deuMen Sieg. präsidentZthodeverkündei das Ergebnis.
Der Saardevollmächtigte des Reichskanzlers, Gaulelter Joseph B ü r ck e l, vor dem Mikrophon bei seiner Meldung über das Abstimmungsergebnis, die er von Neustadt aus durch Rundfunk an den Führer und Reichskanzler richtete. (Telegraphiertes Bild.)
WWW'
L i
B ? VV'v/ VZA/ ' M ■
' ■■■
Der Präsident der Abstimmungskommission Rhode (Schweden) — am Präsidtumstisch stehend — beginnt mit der Verkündung des Abstimmungsergebnisses. — Am Tisch sitzend die übrigen Mitglieder der Abstimmungskommission.
VW
* V? ■
W'
t 1
• W
ELS
♦i
H MW
W *' 4
V 'yD- ■
LS /y
i L t *
H & <<
WA
Schon auf der Fahrt durch das Saargebiet, dessen schöne Landschaft das weiße winterliche Kleid angelegt hat empfinden wir aufs neue mit Freude, wie deutsch und treu unsre Brüder und Schwestern an der Saar zum Reich stehen. Ueberall recken sich v 5 die Arme zum H.tlergruß entgegen; aus jedem Haus und jeder Hütte grüßen die Bewohner deutsch und winken, gerade als ob sie mit ihrer Herzlichkeit uns einen Ersatz für das Flaggen bieten wollten, das die hohe Regierungskommission untersagt hat. Aber viele wissen sich zu helfen. Manche hängen mit Bändern geschmückte grüne Kränze an die Fahnenstangen, bei onöeren mußte ganz zufällm ,vann<>n= wasche veranstaltet werden, und die Fahnen des Reich- und der Bewegung hängen auf der Wäscheleine Auf dem Balkon einer unmittelbar an der Bahnstrecke liegenden Wohnung steht ein großes Bild des Führers. Fast jedes Haus prangt im Schmuck von Tannengrün und Girlanden.
^eim Verlassen des Saarbrücker Hauptbahnhofs haben wir das zweifelhafte Vergnügen, einige Vertreter des Status quo zu erblicken. Da stehen zur Linken Gestalten, wie man sie hierzulande nur vor 1933 zu sehen bekam, mit roter Armbinde, verkommene Typen, sozusagen die Verkörperung der uns aus der Presse bereits bekannten Lügen und Gemeinheiten dieses Auswurfs der Menschheit. Zur Rechten stehen stramme und frische Ordner aus der Deutschen Front, die überall schnell und freundlich I zur Hand sind, wo es zu helfen gilt. Der Verkehr ist
station Neunkirchen. Ich mußte mit mehreren meiner Landsleute noch weiter fahren, um zu meiner Heimat und zu meinem Abstimmungsbezirk zu gelangen. Mittlerweile war es Nacht geworden, und von weitem sahen wir schon die Kirchen von Mit- telbecksbach, deren riesige Kreuze im Lichterglanz erstrahlten.
Gegen 18.15 Uhr hatte ich meinen Abstimmungs- bezirl Homburg erreicht. Bei einem Gang durch die Stadt sah ich Hornburg im Lichterglanz erstrahlen. Es gab kaum ein Haus, das nicht mit Lichtern geschmückt war. Auch hier waren die Kirchen mit großen Kreuzen versehen, die weithin ihr Licht in die dunkle Nacht erstrahlen ließen. Es war ein prächtiger Anblick. Eine große Spannung hatte sich der Bevölkerung bemächtigt; ab 21 Uhr läuteten sämtliche Glocken der beiden Kirchen. Am Wahltag, bereits um 8 Uhr, strömten schon die Wahlberechtigten zu ihren Wahllokalen, um ihre Stimme abzugeben. In den Straßen Homburgs herrschte reger Betrieb. Die Deutsche Front hatte bereits ihre' Kräfte eingesetzt, und Wagen um Wagen rollte nach den Abstimmungslokalen. Als ich meiner Abstim- mungspflicht genügen wollte, war der Andrang derart stark, daß ich 2V2 Stunden warten mußte. Aber überall wurde gut Disziplin gehalten. Ich selbst traf im Korridor des Abstimmungslokals einen Freund, den ich 15 Jahre nicht mehr gesehen hatte. Unwillkürlich grüßte ich mit erhobenem Arm — aber schon sah ich giftige Blicke auf mich gerichtet. Die Leute waren nicht damit einverstanden, daß die Disziplin, wenn auch unbewußt, gebrochen wurde. Zweimal sah ich im Laufe des Tages Panzerwagen durch die Stadt rollen, die Besatzung nahm für kurze Zeit an der Bürgermeisterei Aufstellung, um dann wieder zu ihrem Standort zurückzukehren. In den Wahllokalen und auch in näherem Umkreise außerhalb derselben herrschte größte Ruhe. Es wurde kaum gesprochen. Jeder war bemüht, sich seine Stimme gültig zu erhalten. Mit welcher Begeisterung die Frauen bei der Wahl waren, geht daraus hervor, daß in Homburg zwei Frauen wählten, die einen Tag zuvor ins Wochenbett kamen. In einem Sonderzug von Schaffhausen wurde von einer anderen Frau ein Kind geboren; der Fahrtleiter des Zuges und die Deutsche Front übernahmen die Patenschaft. Die in Homburg stationierten 100 Engländer bekam man fast gär nicht zu Gesicht, da sie in Alarmbereitschaft lagen und sich besondere Zwischenfalle nicht ereigneten. Der Außendienst wurde von der blauen Polizei und der Feuerwehr geregelt.
Ebenso hatte ich Gelegenheit, dem Urnentransport von Homburg nach Saarbrücken beizuwohnen. Auf zwei Lastwagen, die von je zwei kleineren Kraftwagen vorn und hinten, mit Mannschaften besetzt, begleitet waren, wurden die Urnen transportiert. Daß die Leute auf den Straßen stehenblieben, um sich dieses seltene Ereignis anzusehen, läßt sich denken. Als ein besonderes Ereignis darf wohl verzeichnet werden, daß in meinem Svnderzua sich die Pflegerin aus der Kinderklinik Gießen, Frl. Luise Schüler, befand, die gerade am Abstirnrnungs- tage ihr 20. Lebensjahr erreichte, und somit wohl eine der jüngsten Abstimmungsberechtigten war.
Als ich am anderen Tage in Neunkirchen meinen Sonderzug wieder übernahm, hatte sich beim
Saarbrückens großer Tag
Von Willi R Koch
heute, am Samstag schon so stark, daß die Fuß. gänger im Einbahnverkehr vom Hauptbahnhof zur Stadt abgeleitet werden. Die stattliche Reichsstraße ist lediglich dem Zugang zum Bahnhof vorbehalten. Es wimmelt von Menschen; vereinzelt sieht man Angehörige der Besatzungstruppen. In den Schaufenstern ist mit viel Ueberlegung und Geschick das Verbot der Reichsfarben umgangen; so sieht man rote Tücher, darüber ein rundes weißes Deckchen, auf dem an Stelle des Hakenkreuzes ein Lorbeer- ftrauß ruht.
Herzlich und gastlich wird jeder in dem ihm zugeteilten Privatquartier ausgenommen. Die Volksgenossen an der Saar wetteifern darin, es uns zugereisten Abstimmungsberechtigten schön und gemütlich zu machen, und schnell ist Freundschaft ge- schlossen. In ihren Erzählungen aus der langen Leidenszeit der Saar bricht immer wieder die Freude durch, ganz bald in das gemeinsame Vater- haus Deutschland zurückzukehren. Beispielhaft ist die Anhänglichkeit der Saardeutschen zum Führer und ihr Vertrauen auf ihn, zu dem auch sie mit 23er» ehrung aufschauen. Sie sprechen von ihm als dem Mann, der ihr Schicksal gewendet und die Voraussetzungen für die Erkenntnis der Welt geschaffen hat, daß das deutsche Land heute nicht mehr am grünen Tisch verschachert werden kann. Daß cs morgen gut ausgeht, weiß jedes Kind; das beweisen auch die in diesen Tagen verfrachteten Möbelwagen. Die Ratten verlassen das —nur für sie — sinkende
Aus der Fahrt und in Homburg.
Von polizeihaurüVnchtmeister Thum.
Leiter
der Ortsgruppe Gießen des Bundes der Saarvereine.
Don der Geschäftsstelle des Bundes der Saar- öereine, Berlin, wurde ich mit der Führung des Sonderzuges 15 beauftragt. Mit den Vorarbeiten hierzu, die ziemlich umfangreich waren hatte ich ungefähr drei Wochen zu tun. Insgesamt wurden von mir 850 Fahrscheine ausgegeben. Der Bezirk erstreckte sich auf die Orte ^rantenberg, Bad Wil- bungen, Treysa, Marburg, Gießen, Wetzlar, Biedenkopf, Siegen, Siegerland, Herborn, Dillenburg, Braunfels, Weilburg, Limburg, Montaubaur und Niederlahnstein Als' Begleitmannschaft wurden von der Gießener Sanitätskolonne vier Sanitäter, zwei Helterinnen und drei Aerzte gestellt, die alle während der Fahrt vollauf zu tun hatten, da durch die Aufregung über die kommenden Ereignisse sich viele kleinere ÜntäHe eraab^n
Die Stimmung der Fahrgäste war ausgezeichnet. Auf allen Bahnhöfen wurden die Volksgenossen mit Musik und Ansprachen empfangen, und die Begeisterung wuchs von Stunde zu Stunde. Als man jedoch der Grenze näher kam, herrschte eine etwas unge w sie Stimmung da ja von der Abst'mmungskom- mission Empfänge im Saargebiet untersagt waren. In Mettlach erlebten wir jedoch eine angenehme Enttäuschung: Die Beamten und eine große Anzahl der Zivilbevölkerung hatten an der Sperre und auf der Straße Aufstellung genommen, um den Zug zu erwarten und beim Vorbeifahren mit Begeisterung den deutschen Gruß auszubringen. Die Häuser waren mit Fichtengrün geschmückt, die Fahnenstangen ebenfalls mit Grün geziert; anft " der verbotenen Fahne war sehr oft an den Fah 'nstangen ein F'ch.tenkranz befestigt. So ging es immer tiefer ins Saarland hinein. Die Spannung war gewichen, und überall sah man freudige und erwartungsfrohe Gesichter. Aus vielen Fenstern konnte man die Hakenkreuzfahne und die schwarzweißrote Flagge sehen, mit denen die .Saarländer uns zuwinkten. Ueberall standen die Menschen in großen Mengen an der Sperre, da sie sich laut Verbot nicht auf den Bahnsteig begeben durften. In Saarbrücken hatte die Begeisterung ihren Höhepunkt erreicht. Ein großer Teil der Fahrgäste verließ in Völklingen, Saarbrücken und Neunkirchen den Sonderzug, um bie verschiedenen Abstimmungsbezirke zu erreichen. Gegen 17 Uhr erreichte der Sonderzug die End
Abschied eine zahlreiche Menge am Bahnhof eingefunden. Auf allen Gesichtern stand helle Freude, und man hatte die Ueberzeugung, daß wohl jeder seine Pflicht erfüllt hatte. In meinem Zuge herrschte eine vorzügliche Stimmung. Auf den einzelnen Bahnhöfen sanden sich immer wieder neue Volksgenossen ein, die Begeisterung wollte kaum ein Ende nehmen. In Trier, Cochem, Niederlahnstein und vielen anderen Orten bildeten SA.- und SS.-Männer Spalier, Musikkapellen erfreuten uns durch vorzügliche Darbietungen und manche Ansprache wurde gehalten. Ueberall war es ein wah^c« Bild echter Volksgemeinschaft und Kameradschaft.
Auch in Gießen wurde uns ein überraschend freudiger Empfang zuteil. Ich fühle mich verpflichtet, von dieser Stelle aus der Kreisleitung und der Bevölkerung von Gießen für den würdigen Empfang im Namen aller Saardeutschen nochmals herzlichst- zu danken.
So wurde meine Fahrt ins Heimatland der Saar ein Erlebnis von großartiger Bedeutung, die unter dem Zeichen stand: „Alles für Deutschland !"
Gießener Gaarlandfahrer berichten
Eine Umfrage des Gießener Anzeigers.
Scharfe Kontrolle beim Meten Der,Wartburg'
».«*.»«n. « »■ä'Ä.S’ “ “““““ *“*w
Das Zä'htgeschä'st in der
aribmg".
Die Zählung der Stimmen, die im Festsaal des Hauses „Wartburg" in Saarbrücken an einzelnen Tischer; porgenommen würde.
‘ «ä


