Nr. 2§I Zweites Blaff
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Dienstag, 15. Oktober 1935
Jac.
des Alltags gaukelt: Konversation!
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Baden und ausgetragen.
Das Staatstheater hatte in der vergangenen Spielzeit einen Riesenerfolg mit Scribes „Glas Wasser", der fich auf geschliffenste Spiel- und Sprechtechnik eines vollendeten Ensembles gründete. Unbeschadet der inhaltlichen Belanglosigkeit des alten Reißers war jede Vorstellung ausverkauft.
günstige Gelegenheit nicht zu nutzen. Baden war glücklicher. Kurz vor Spielschluß arbeitete sich Größte gut vor, und Siffling wertete das Zuspiel des Neckarauers zum dritten und entscheidenden Treffer für Baden a-us.
Hannover einen Handball - Freundschaftskampf mit dem Gau Niedersachsen aus, zu dem folgende nordhessische Mannschaft aufgeboten wurde:
Bockel (Kasseler Turngemeinde); Kleinwegen (Kurhessen Kassel), Diez (Kasseler Turngemeinde); Deist (86/09 Kassel), Stockhorst (Kurhessen Marburg), Püngel (Kasseler Turngemeinde); Schmidt (Kirchbauna), Wilhelm (Kasseler Turngemeinde), Pilgermann (Kurhessen Kassel), Dittmar ^Bettenhausen), Krüger (Gießen 1900). Ersatz: Ritter (Kurhessen Kassel), Buse, Dorgerloh (beide Kasseler Turngemeinde).
Ergebnisse der Klubmeisterschasten der Spiekvereinigung 1900.
Aktive. 100 Meter, Klasse I: 1. Felsing 11,6 Sek.; 2. Kilo 11,7 Sek.; 3. Herrmann 12,6 Sek. 100 Meter, Klasse II: 1. G. Koch 12,9 Sek.; 2, Linsemann 12,9 Sek.; 3. Mootz 13,7 Sek. 800 Meter: 1. Bepperling 2:06,6 Min.; 2. Peters 2:07,8 Mim; 3. G. Koch 2:12,3 Min. (30 Meter Vorgabe). 3000 Meter: 1. Richter 9:56,2 Min.; 2. G. Koch 9:57,8 Min.; 3. Bäcker 9:58 Min. Weitsprung, Klasse I: 1. Felsing 6,17 Meter; 2. Kilo 5,62 Meter; 3. Utoff. Krüger (1. Komp. JR. Gießen) 5,60 Meter. Weitsprung, Klasse II: 1. Herrmann 5,45 Meter; 2. Linsemann 4,88 Meter; 3. G. Koch 4,53 Meter. Kugelstoßen, Klasse I: 1. Feldw. Gugel (1. Komp. JR. Gießen) 13,52 Meter; 2. Kilo 12,86 Meter; 3. Felsing 11,29 Meter. Kugelstoßen, Klasse II: 1. Utoff. Krüger 11,57 Meter; 2. Herrmann 11,33 Meter; 3. G. Koch
wesentliche Ereignisse. Auf der badischen Seite überragte die Läuferreihe, die Nordhessen hatten dafür in 'Sonnrein - Eufinger - L i p p e r t eine überaus sichere und schlagkräftige Verteidigung. An ihr zerschellten alle Angriffe der technisch klar besseren Badenstürmer. Der fünfte Eckball für Baden brachte aber doch den ersten Treffer. Der gut hereingegebene Ball landete im Strafraum Nordhessens. Ein Verteidiger wehrte mit der Hand, und Schneider nutzte den Elfmeter prompt zum 1:0 für Baden aus. Fünf Minuten später stand Damminger bei einem harten Flachschuß Sifflings günstig genug, um dem Ball den entscheidenden Dreh ins Nordhessentor geben zu können. Eine Viertelstunde vor der Pause war allerdings der Sturmführer Nordhessens, Main^, verletzt ausgeschieden, so daß während dieser enr- scheidenden Spielphase die Gäste nur zehn Mann im Felde hatten.
Maintz kam zwar nach dem Wechsel wieder, aber er war nur noch bedingt spielfähig. Die Badener setzten auch nach der Pause ihre Feldüberlegenheit fort. Aber zunächst schossen die Nordhessen die Tore, denn Badens Angriff fand sich nicht zu geschlossenen Leistungen zusammen. Aus der Verteidigung heraus trugen die Gäste gefährliche Flügelangriffe vor. Kleim schoß so Mitte der zweiten Spielhälfte den ersten Gegentreffer, und Kammer! vernichtete wenig später mit dem Augleichstor die badischen Hoffnungen auf einen hohen Sieg. Im Endkampf bot sich dann Maintz eine ganz klare Chance zum Siegtor, aber der verletzte Spieler vermochte diese
Nordhessens Handballelf gegen Niedersachsen.
Gau Nordhessen trägt am 20. Oktober
Eine Wiederholung solchen Theaters an sich verspricht die Komödie „Himmel auf Erd en" von Jochen Huth, die im Kleinen Haus erstaufgeführt wurde. Diese Flieger- und Ehekomödie im Stil des englischen Gesellschaftslustspiels ist zwar blaß in der Menschengestaltung, aber sie verrät die Bühnenerfahrung und den Rolleninstinkt des ehemaligen Schauspielers Huth. Bei unzureichender Besetzung würde sie sogar streckenweise langweilen. Im Staatstheater führte sie Gustaf Gründ- g e n s als Regisseur zu einem sensationellen Erfolg. Blitzende Wortgefechte, rasendes Tempo, Sprechtechnik in höchster Kultur und ein Spiel von schwebender Leichtigkeit ergaben eine Aufführung, deren lockernde Herterkeit darüber hinwegtäuschte, daß das Stück allenfalls Baiser mit Schlagsahne ist. Gründgens spielte selber den großen Journalisten, der sich in eine Ozeanfliegerin verliebt, aber die Ehe mit ihr zunächst nicht durchhält. Maria Bard, die Fliegerin, muß mit ihrem Flugkameraden Bill nach einjähriger Ehe erst mal nach Grönland fliegen, um sich von den seelischen Anstrengungen des ersten Jahres zu erholen. Das Zusammenspiel der Beiden ist theatralisch von letzter Vollendung. In das von Gründgens bestimmte Tempo fügt sich der prachtvolle Komiker Hans L e i b e l t als betriebsamer, romantischer Verleger ein, und Käthe Haack und Flockina von P l a t e n, beide dem Staatstheater neu verpflichtet, geben elegante scharf gezeichnete Figuren. Fest zupackend als Naturbursche Bill: Heinz Rippert. Das Ganze stellt sich dar als ein Tanz von Licht und Schatten um ein Etwas, das sich nie fassen läßt, das fließend und schaukelnd über den Zufälligkeiten
Mit dem Monatsbeginn fängt die Volksbühne an. Friedrich B e t h g e s „M a r s ch der Veteranen" entstand aus den bekannten Vorgängen in Amerika, die vom Autor umgestaltet und in das Rußland der napoleonischen Kriege verlegt werden. So ergeben sich als die dramatischen Partner: hier die notleidenden und vergessenen Invaliden, die nach der Hauptstadt marschieren und den Ehrenso/d des Vaterlandes verlangen, dort die höfische Gesellschaft, die auf die Soldaten des Kaisers als auf Aufrührer schießen lassen will. Zwischen beiden Parteien steht der Generalgouverneur, ein Preuße, der noch unter dem großen Friedrich gedient h-tt: in seiner Auffassung von Recht und Pflicht svieqelt sich das Ethos. des Schauspiels, eines schlagkräftigen, fesselnden Theaterstücks. Unter der Leitung des Intendanten Grafen Solms eins sehr gute Aufführung. Mathias Wiemann und Fritz G e n s ch o w als Veteranen, Warner Schott als geschmeidiger Minister, Ernst Sattler als Gouverneur tragen zu dem stürmischen Erfolge bei.
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Theater-Studio bedeutet Wagnis und Versuch am Neuen, Jugendlichen, Ungeklärten, und in die
sem Sinne ist eine Dormittagsveranstaltung " des Deutschen Theaters in den Kammerspielen sehr berechtigt. Klaus Herrmann gibt in seinem „21 u g u ft u s Potter" die Gestalt eines „guten Menschen", eines reinen Toren, der von seinen falschen Freunden ausgenutzt und betrogen wird. Wie dieser Schwärmer nun durch eine Reihe von Enttäuschungen und Niederlagen geführt wird, um letzlich daran zu erstarken, ein Mensch für die Wirklichkeit zu werden, die Geliebte zu erringen und sein Glück zu machen, das geschieht teils mit einer entwaffnenden Naivität, teils mit großem Geschick, teils ausführlicher, teils in starker Verkürzung und komischer Zusammenraffung der Vorgänge: immer aber ist auf der Bühne Leben, Bewegung und dramatischer Antrieb. Ein neuer Regisseur, Werner Jacob, unterstützt eifrig das Tempo, neue Schauspieler — es seien nur Eugen Wallrath, Fritz N y g r i n, Herbert B r u n a r und Elsa M o l tz e r genannt — stellen sich vor. Das Publikum rief stürmisch nach dem jungen Autor.
G.B.
BundeSpokalkampf Nordhessen gegen Baden.
Am vergangenen Sonntag wurde, wie wir gestern bereits kxurz berichteten, in Mannheim der Kampf
Berlin, im Oktober.
Es war zu begrüßen, daß — nach dem Kleinen Haus des Staatstheaters — nun auch eine zweite Bühne des,Berliner Westens dem ernsthaften Theater gewonnen wurde, als die Schauspielerin Agnes Straub das frühere Kurfürstendammtheater als Agnes-Straub-Theater eröffnete. Da sie einen wechselnden Spielplan oorführen will (keine Serien), hatte sie zunächst ein Programm aufzubauen und brachte btei Einstudierungen in vier Tagen heraus, eine beachtenswerte Leistung. Aber am ersten Abend enttäuschte alles. Sie hatte Grillparzers „S a p p h o" gewählt, um selbst die Heldin spielen zu können: kein empfehlenswerter Beginn, wie sich zeigte. Die Aufführung unter Wolfgang Lieben e'iners Regie schwankte zwischen Konversationsstück und übersteigerter Leidenschaftlichkeit, Agnes Straub selbst fand keine einheitliche Linie und bewegte sich zwischen privatem Bekenntnis und idealistischer Pathetik; mögen Grillparzers Verse auch schwach sein, sie bleiben Verse und sollten als solche gesprochen werden. Ungeschicklichkeiten in der Anordnung des Bühnenbildes, in der Abtönung der Stimmen, in der Angleichung an die Akustik des neuen Hauses kamen störend hinzu.
Lag nach solchem Anfang die Frage, ob sich am Kurfürstendamm etwa ein Startheater auftun wolle, nicht gar so ferne, so wurde dieses Bedenken durch die nächsten Aufführungen zerstreut. In Ibsens „G e s p e n st e r n" — ausgezeichnet abgetönte Einstudierung von Friedrich Neubauer, den man leider jahrelang an keiner ernsten Bühne mehr gesehen hat — stand Agnes Straub als Frau Al- oing durchaus im Rahmen ihrer Truppe, sie holte ihre Wirkungen aus einer starken innerlichen Verhaltenheit und wuchs im letzten Akt zu einer bewegenden und erschütternden Größe: wir haben sie lange nicht so hingerissen und hinreißend erlebt. —
Zwischen diesen Abenden lag Calderon de la Barcas muntere „Dame Kobold" in der einfallsreichen, lustigen und wirbelnd dahinfegenden Aufführung des Spielleiters Veit Harlan, in deren Mitte der jugendliche Komiker Hugo Schrader die Sancho Pansa-Figur eines Dieners stellte, mit der er den Abend siegreich entschied. Auch die anderen führenden Kräfte der Straub-Truppe haben sich in diesen Einstudierungen vorgestellt, es seien einstweilen nur. Sabine Peters und Otto Woegerer genannt. Das neue Theater scheint schon in Berlin eine ansehnliche Gemeinde zu besitzen; durch solche Aufführungen kann sie gesammelt und vermehrt werden.
zwischen den Gaumannschaften von Nordhessen in den Bundespokalspielen Nachstehend
der Kampfverlauf:
Die erste halbe Stunde des Spiels
Alte und neue Stücke in Berlin
Theaterbrief aus der Reichshauptstadt.
9,44 Meter. Diskuswerfen: 1. Kilo 39,58 Meters 2. Feldw. Gugel 36,19 Meter; 3. Utoff. Krüger 30,07 Meter. Speerwerfen: 1. Felsing 44,89 Meter. 2. Utoff. Krüger 39,03 Meter; 3. Kilo 35,62 Meter. Fünfkampf, Klasse I: 1. Kilo 3066,6 Punkte (50 Meter in 6,2 Sek., 100 Meter in 11,7 Sek., Weitsprung mit 5,62 Meter, Diskuswerfen mit 39,40 Meter, Speerwerfen mit 35,62 Meter); 2. Felsing 3042 Punkte; 3. Utoff Krüger 2439,7 Punkte. Dreikampf, Klasse II (100 Meter, Weitsprung, Kugelstoßen): 1. Herrmann 1508,2 Punkte; 2. G. Koch 1203,6 Punkte.
Jugend. Klasse A. 100 Meter: 1. Hungerland 12,2 Sek. (3 Meter Vorgabe); 2. Lehrmund 12,3 Sek. (vom Mal); 3. Volk 12,7 Sek. (vom Mal). 400 Meter: 1. Jmmel 62 Sek.; 2. Bonarius 62,6 Sek. Weitsprung: 1. Volk 5,40 Meter; 2. Lehrmund 5,05 Meter; 3. Jmmel 4,82 Meter. Diskuswerfen: 1. Lehrmund 29,92 Meter; 2. Volk 29,66 Meter; 3. Bonarius 26,32 Meter.
Klaffe ß. 100 Meter: 1. Goß 12,4 Sek.; 2. Weihrauch 12,7 Sek.; 3. Oehlmann 13,6 Sek. Weitsprung: 1. Goß 5,35 Meter; 2. Weihrauch 5,15 Meter; 3. Oehlmann 3,90 Meter. Kugelstoßen: 1. Goß 12,32 Meter; 2. Weihrauch 10,78 Meter; 3. Oehlmann 6,85 Meter.
Klasse C. 100 Meter: 1. W. Adolph 14,1 Sek.; 2. Korell 14,3 Sek.; 3. Haibach 14,6 Sek. Weitsprung: 1. Korell 4,40 Meter; 2. W. Adolph 4,25 Meter; 3. Haibach 4,20 Meter. Kugelstoßen: 1. Haibach 8,97 Meter; 2. Korell 8,57 Meter; 3. W. Adolph 6,33 Meter.
Klasse D. 50 Meter: 1. H. Schmück 7,7 Sek.; 2. H. Adolph 7,8 Sek.; 3. E. Schneucker 8,1 Sek. Dreisprung: 1. H. Schmück 8,10 Meter (!); 2. H. Adolph 7,90 Meter; 3. E. Schneucker 7,80 Meter. Ballweitwurf: E. Schneucker 58,60 Meter (!); 2. A. Dinges 51,40 Meter; 3. Kühn 48,90 Meter.
Klasse E. 50 Meter: Wehrum 8,7 Sek.; 2. Krüger 9,2 Sek.; 3. W. Schmück 9,8 Sek. Weitsprung aus dem Stand: 1. Krüger 1,63 Meter; 2. Wehrum 1,60 Meter; 3. W. Schmück 1,50 Meter. Ballweitwurf: 1. Wehrum 36 Meter; 2. Krüger 35,30 Meter; 3. W. Schmück 33,40 Meter.
Frauen. 100 Meter: 1. Frau Bepperling 14,1 Sek. (3 Meter Vorgabe); 2. L. Diehl (vom Mal) 14,2 Sek.; 3. G. Guth 14,7 Sek. (3 Meter Vor- gäbe). Hochsprung: 1. L. Diehl 1,24 Meter; 2. Frau Bepperling 1,20 Meter; 3. G. Ockel 1,10 Meter. Kugelstoßen: 1. L. Diehl 9,10 Meter; 2. Frau Bepperling 7,34 Meter; 3. M. Ockel 6,73 Meter. Diskuswerfen: 1. Frau Bepperling 23,73 Meter; 2. G. Ockel 19,24 Meter; 3. M. Ockel 19,50 Meter.
Die Ergebnisse der Dereins- Meisterschasten des Vf8./Reichsbahn.
Aktive. Kugelstoßen: 1. E. Jakob 16,76 Meter. Weltsprung: 1. Jakob 5,34 Meter. 100 Meter: 1. R. Fischer 12 Sek. Speerwerfen: 1. Jakob 50,50 Meter.
Frauen. 100 Meter: 1. Schmidt 14,2 Sek.; 2. Fischer 14,7 Sek.; 3. Weber 14,9 Sek. Weitsprung: 1. Fischer 4,05 Meter; 2. Weber 3,95 Meter; 3. Hilde Scholl 3,94 Meter. Kugelstoßen: 1. Schmidt 7,83 Meter; 2. Fischer 7,40 Meter; 3. Weber 6,56 Meter. Hochsprung: 1. Fischer 1,28 Meter; 2. Dapper 1,28 Meter; 3. Schmidt 1,15 Meter. Diskuswerfen: 1. Fischer 22,61 Meter; 2. Dapper 21,39 Meter; 3. Schmidt 20,18 Meter.
Jugend-Klasse A. 100 Meter: 1. Huppert 12,2 Sek.; 2. Kröck 13,4 Sek.; 3. Wagner 13,4 Sek. Kugelstoßen: 1. Nies 11,46 Meter; 2. Huppert 8,75 Meter. 800 Meter: 1. Stürmer 2:23,3 Min. Weitsprung: 1. Huppert 5,22 Meter; 2. Nies 4,98 Meter; 3. Krpck 4,30 Meter. Di'skuswerfen: 1. Nies 31,67 Meter; 2. Huppert 25,78 Meter; 3. Krämer 23,80 Meter. Speerwerfen: 1. Nies 36,87 Meter; 2. Huppert 32,70 Meter; 3. Krämer 28,54 Meter. 1500 Meter: 1. Stürmer 5,07 Min. Hochsprung: 1. Nies 1,47 Meter; 2. Huppert 1,47 Meter; 3. Krämer 1,40 Meter. Hammerwerfen: 1. Nies 18 Meter; 2. Huppert 13,20 Meter; 3. Krämer 12,65 Meter.
Jugend-Klasse B. 100 Meter: 1. Kley 11,9
Die Kirche Notre-Dame.
Zu ihrem 700jährigen Bestehen.
Von Ernst von Niebelschüh
In diesem Jahre kann Frankreich das Jubiläum einer Ruhmestat begehen, die es in einem edleren Sinne unsterblich gemacht hat als manches kriegerische Ereignis, das heute mit pomphaften Worten und drohenden Ansprüchen über Gebühr verherrlicht zu werden pflegt. Diese Tat war ein Friedens- und Liebeswerk: die Vollendung der Pariser Kathedrale Notre-Dame. Zwar hat das folgende, das 14. Jahrhundert weiter an dem Bau gearbeitet, vor allem die Fenster erweitert und der Kirche in ihrer ganzen Ausdehnung durch Einziehung der Strebepfeiler den zusammenhängendell Kranz von Kapellen hinzugefügt, auch den' herrlichen Querhausfassaden ihre jetzige Gestalt gegeben; im ganzen aber war doch 1235 mit der Fertigstellung der Westfront und dem Verzicht auf Turmhelme der Bau so weitgediehen, daß der 1163 in Angriff genommene Grundplan als verwirklicht angesehen werden konnte.
Rodin hat einmal in einer poetischen Huldigung an den Genius der mittelalterlichen Baukunst die gotischen Kachedralen Frankreichs „die Mütter des Landes" genannt. Es gibt in der Isle-de-France. dem Kron- und Herzlande Frankreichs, größere und vielleicht auch noch schönere Dome als gerade Notre-Dame in Paris, aber es gibt keinen, der den Ehrennamen der Mutter mit größerem Recht führen könnte als sie. Wer das Wort „Mutter" ausspricht, hat das Gefühl der Verbundenheit mit den Ursprüngen des Lebens. Man weiß sich in den dunklen Falten eines solchen Wortes geborgen wie der gläubige Mensch des 13. Jahrhunderts unter dem Schutzmantel der Muttergottes oder den Kreuzgewölben der Kathedrale, dieses steinernen Symbols mütterlicher Liebeskraft. Fast alle großen frühgotischen Dome Nordfrankreichs sind in der Blütezeit der mittelalterlichen Marienverehrung errichtet, es find Notre-Dame-Kirchen, aber die Pariser ist es in einem so ausschließenden Sinne, daß es undenkbar wäre, in ihr etwas anderes als eine Offenbarung des Weiblichen, des Ewig-Weiblichen zu sehen.
Auf ihrer Insel, auf der sie mit der Kraft ihrer steinernen Strebebögen dahinzurudern scheint wie ein reich befrachtetes Schiff, ist sie das Lebens- zentrum, der geheimnisvolle Keim der Riesenstadt, die in immer weiter gezogenen Ringen, Eitelkeiten auf Eitelkeiten häufend, um sie gewachsen ist, aber in all ihrem Weltsinn doch nie vergessen hat, von wo die Kraft ausstrahlt, die ihrem Dasein Adel und Sinn verleiht. Wer Paris kennt, macht stets die gleiche Erfahrung Man eilt durch die Boulevards und Vergnügungsviertel, man bewundert die
Paläste und Parkanlagen, die Theater und Triumphbögen, man steht ergriffen vor dem Grabe des Kaisers und den Gemälden des Louvre, wie es einem aufmerksamen Reisenden ziemt, und findet doch immer wieder den Weg zurück zu dieser einzigartigen Kathedrale, an der sich die fieberhafte Unrast der Weltstadt wie unter einer heilenden Hand besänftigt. Man muß einmal im Dämmerlicht der buntverglasten Hallen das ruhige Atmen der Jahrhunderte erlebt oder von den hohen Turmstümp- fen in das Gewirr der Straßen und Dächer geblickt haben, um zu fühlen, wie eng das alles zusam- mengehört, wie die Mutter noch heute im Reigen ihrer Kinder steht, ihre Nachkommenschaft segnet und sich an ihrem Wachstum freut.
Alle große Kunst ist religiös, insofern sie nie etwas anderes fein wird als Heiligung des Lebens, der Natur. Allein die Gotik von Notre-Dame ift gleichsam eine Darstellung der christlichen Religion selbst. Sie erzählt von einem Frankreich, das im frühen Mittelalter das Quellgebiet jeder geistlichen Reformbewegung im Abendlande war, das die erregten Gemüter zum Kreuzzug aufrief und dann, als die Zeit erfüllet war, in dem gläsernen Gerüstbau der Kathedrale das kostbare Gefäß schuf, das den ganzen nachantiken Glaubensinhalt so restlos in sich zu fassen vermochte wie ehedem der griechische Tempel den vorchristlichen. Es ist zwecklos, darüber nachzudenken, ob die französische Gotik im Zettlalter Philipp Augusts und des heiligen Ludwig mehr ein Ergebnis des rechnenden Kopfes oder des inbrünstigen Gefühls gewesen ist. Nur so viel wird man sagen können: ohne die eminente Begabung der Franzosen für die begriffliche Aufhellung eines Problems wäre das Wunder der Kathedrale nicht zustande gekommen. Nur ist damit nicht alles gesagt, denn das eigentliche Mysterium beginnt erst da, wo sich dem konstruktiven Verstand eine Kraft hinzugesellt, die höher ist als alle Vernunft, die Mechanik in sich selber wieder aufzuheben scheint und dem starren Stoff eine Bewegung andichtet, deren Sinn das Verlangen der Seele nach ihrem Ursprung ist.
Dennoch: wie ausgerichtet, wie temperiert ist die Fassade von Notre-Dame! Mit einem Worte: wie klassisch! Steigende und lagernde Kräfte durchdringen sich wie Zettel und Einschlag in einem Gewebe, und die große Fensterrose über dem breiten Bande der Königsgalerie hat hier wirklich die Aufgabe, der ganzen'Schausette den geometrischen Mittelpunkt zu geben. Nun weiß man auch, warum — wie so oft an französischen Domen — die Türme nach Vollendung des ersten Geschosses plötzlich abbrechen, also der'krönenden Helme ermangeln. Der französische Sinn für das Maß hat sie unterdrückt, sie hätten das Gleichgewicht gestört. Ist das nicht jenes verborgene Hellas, das in der französischen Kunst im
mer wieder durchbricht, das Extravagante nicht duldet und im Zeichen der Waage das Heil sucht? Auch im Inneren sind die horizontalen Gliederungen stark betont, die Gewölbehöhen maßvoll zur Breite abgestimmt und die Pfeiler und Säulen von einer gewissen fleischigen Fülle, die an organische Körper denken läßt. Das alles ist so ungotisch (im strengen Sinne) wie es dem lateinischen Geiste Frankreichs angemessen erscheint. Und 'weil es so ist, weil das Klassische, die Regel überall den Ton bestimmt, verringern sich in Paris die Stilgegensätze wie nirgends sonst. Wer auf das Wesentliche sieht, kann in Perraults Lauorekolonnade, diesem Musterbeispiel eines klassizistischen Barocks, Züge entdecken, die sie als einen legitimen Abkömmling von Notre- Dame ausweisen. Die „mesure“ knüpft alles zusammen.
Die glorreiche Heiligenversammlung der drei Westportale, in der Maria, ihre Mutter Anna und der richtende Christus den Vorrang einnehmen, hat durch die Verständnislosigkeit des 18. Jahrunderts und den Religionshaß der Revolution schwere Einbußen erlitten. Man hat die Lücken durch Restaurierungen zu schließen versucht, die viel Wissen, aber wenig Gewissen verraten. Was gerettet ist, entspricht der Würde dieses christlichen Parthenons. Der Preis gebührt aber doch wohl jenen Reliefs an den Türpfosten des Marienportals mit den Monatsbildern, in denen des Menschen Tun im Jahreslauf, seine Arbeit und seine unschuldigen Freunden unter den Schutz der Himmelskönigin gestellt sind. Jeder Mo- natsbeschästtgung entspricht ein Tierkreiszeichen des Firmaments; der Mensch sät und die Sonne segnet; so war es, so ist es, so wird es immer fein nach dem Willen einer aöttlichen Weisheit, die der christliche Mensch des Mittelalters nicht schöner verehren und darstellen konnte als in der Gestalt der Mutter und „Lieben Frau", der er seine Kirchen weihte.
„DaS leuchtende Ziel."
„One night of love" ist ein amerikanischer Film der Columbia Pictures Corporation, der unter dem Titel „Das leuchtende Ziel" in deutscher Sprache erscheint. Das leuchtende Ziel ist der Welterfolg auf der Bühne eines berühmten Opernhauses, — die letzte Station auf dem langen und dornenreichen Wege einer jungen und begabten Sängerin, die mittellos in einem italienischen Cafehaus ihre Laufbahn beginnt und das Glück hat, dort von einem sehr namhaften Gesangslehrer durch Zufall entdeckt zu werden. Das Glück erweist sich, aber vorderhand als eine zweifelhafte und mindestens nicht ungetrübte Gunst des Schicksals, denn die Ausbiloungs- methode des Maestro ist zwar gründlich, aber barbarisch, und das Mädchen ist nahe daran, das leuchtende Ziel für immer fahren zu lassen, zumal sie
Gelegenheit hätte, statt ihres tyrannischen und groben Lehrmeisters, der ein besserer Sklavenhalter mit künstlerischem Ehrgeiz ist, einen netten jungen Mann zu heiraten, der sie ehrlich liebt. Aber gerade die Liebe und die Kunst, das ist einer der ersten Lehrsätze, die der jungen Schülerin beigebracht werden, dürfen nichts miteinander zu tun haben, sonst ist es aus. Nun, es erweist sich im Verlaufe des Abends, daß es keineswegs aus ist, obwohl es mehrmals so weit zu sein scheint. Denn in der Tat erzwingt der Meister nicht nur den Welterfolg für seine Schülerin, sondern gesteht ihr sogar, was allerdings niemand ahnen konnte, kurz vor dem „leuchtenden Ziel" seine Liebe — auf den ersten Blick. — Trotz der Synchronisierung kann der Film in Tempo, Aufmachung und Spielstil (Regie: Viktor Schertzinger) seine Herkunft aus den Columbia- Ateliers nicht verleugnen. Es wird stellenweise so schnell und so laut gesprochen, daß die Verständlichkeit beeinträchtigt wird. Dagegen kommen die großen Gesangspartien gut und klar heraus (übrigens handelt es sich auch um sehr bekannte Opernszenen). Grace Moore hat Gelegenheit, ihre großen und geschulten Mittel, fließende Spielroutine und Bühnensicherheit als Carmen und Butterfly ausführlich wirkungsvoll zur Geltung zu bringen. Tullio Corrn i n a ti als der diktatorische Pädagoge. Mona Barrie, Lyle Tolbot und Jessie Ralph sind vom übrigen Ensemble zu nennen.
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Der Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus. Das Beiprogramm bringt einen Kulturfilm ,,Wo der rote Wein wächst", die Wochenschau und je einen Vorspann zu „Königswalzer" und „Vergiß mein nicht" (mit Gigli). —r—
Hocksckvlnacknchien.
Professor Dr. Hans Drexler, Extraordinarius für klassische Philologie an der Universität Br es» l a u, ist zum ordentlichen Professor in Breslau ernannt worden.
Professor Dr. Alois Meesmann, Exttaordina» rius für Augenheilkunde an der Universität Ber - l i n, ist zum ordentlichen Professor an der Universität Kiel ernannt worden.
Professor Dr. Paul W u st r o w, Ordinarius für Zahnheilkunde an der Universität Greifswald, wurde an die Universität Erlangen berufen.
Professor Dr. M. San Nicolo, Ordinarius für römisches und bürgerliches Recht an der Universität Prag, ift zum ordentlichen Professor an der Universität München ernannt worden.
Professor Dr. Johannes Schmidt-Japing, Extraordinarius für systematische Theologie an des Universität Bonn, ist zum ordentlichen Professor in der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Bonn ernannt worden.


