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Nr. 292 Zweiter Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, U. Dezember 1935

Kaiserstr.19

was er gar nicht zu haben wünschte.

Nun gehört die Kunst,. Freude glaubhaft zu heucheln/ ja auch mit zu den Gaben, wofür der gute Hausvater an Weihnachten reichlich Verwen­dung hat. Aber schenken, in Hoffnung darauf, daß der andere gutmütig oder vorsichtig genug ist, sich über alles und jedes zu freuen, ist keine Kunst. Die wahre Kunst des Schenkens besteht darin, die Seele des anderen zu belauschen: ob sie vielleicht einen Wunsch verrate, ohne sich dessen bewußt zu ein! Tunlichst einen recht unvernünftigen Wunsch, womit die Gedanken gelegentlich spielen, wie ein Kind mit bunten Steinchen spielt. Wird solch ein Wunsch dann überraschend erfüllt, nachdem er viel­leicht schon wieder vergessen worden war, so er­reicht das Geschenk seinen eigentlichen Zweck: in erster Linie dem anderen eine Freude zu machen. Und wenn diese Freude auf den Geber zurückstrahlt, darf er sich für alle Mühe, die ihm das Suchen nach einem Geschenk gemacht hat, reich­lich belohnt fühlen.

Wir vergessen nur allzu leicht: auf den Markt­wert des Geschenkes kommt es nicht an, wenn wir nur verstehen, ihm einen seelischen Wert zu geben. Wenn wir verstehen, dem Geschenk Sprache zu verleiben, daß es dem Empfänger deut­lich sagt: ich soll dir eine Freude machen! Die stellt sich dann sicher ein. Die Freude, Die nicht daran denkt zu fragen: was hat es gekostet? Son­dern die den guten Willen des Gebers höher einschätzt als Gold und Edelstein. Es könnte doch nichts schaden, wenn wir unsere Weihnachtstische, auch da, wo die Mittel nicht beschränkt sind, etwas mehr nach diesem Grundsatz aufbauten, als nach dem der Menge. Der Glaube, man müsse nur recht viel schenken, dann komme die Freude schon, ist trügerisch.

Am schwierigsten wird die Kunst des Schenkens da, wo der soziale Unterschied groß ist. Es ist ein kümmerlicher Glaube, man könne denen, die selbst nichts haben, dadurch Freude machen, daß man sie an der Freude Reichbeschenkter teilnehmen läßt. Es gibt nur eine Art, dem, der selbst nicht schenken kann, die Annahme von Geschenken zur Weih­nachtszeit leicht zu machen. Das geschieht, indem sie ihm im Namen der Volksgemein­schaft geboten werden! So versteht die Win­terhilfe die Kunst des Schenkens. Sie teilt nicht Almosen aus, wobei die Wohltat des Spenders vielleicht eine größere Rolle spielt, als die Bedürf­nisse des Empfängers; sie wirkt ausgleichend im Namen der Majestät des Volkes, von dem wir alle ein Teil sind. Indem sie von denen fordert, die geben können, und denen spendet, die entbehren müssen, erkennt sie auch diesen ein Recht auf Freude zu. Und daß ihnen dieses Recht, im Namen der Volksgemeinschaft, durch die Tat ausdrücklich zuge­billigt wird, das ist vielleicht das wertvollste Ge­schenk, das auf ihren Weihnachtstisch gelegt werden kann.

folgreich.

Im Frühjahr 1919 sah es sogar aus, als ob feiste Kräfte zu einer Vereinigung mit denen von General Denikin (dem Führer der antibolsche­wistischen Truppen in Südrußland) kommen könn­ten. Sasonow (der ehemalige zaristische Außen­minister) war damals bei mir in London, und es war möglich, durch ihr Erklärungen von

Das vierte Siegel."

Als Agent des britischen Geheimdienstes im zaristischen Rußland während des Weltkrieges. - Aus den Erinnerungen des Außenministers Sir Samuel Hoare.

gekommen, so wollen sie nicht nur empfangen, son­dern auch schenken. Mütter und Väter, Groß­mütter und Großväter, Onkel und Tanten werden überrascht mit dem, was fleißige Kinder und En­kel und Neffen und Nichten ihnen in tiefster Heim­lichkeit als Ueberraschung zugedacht haben. Fritz Reuter, der große niederdeutsche Dichter, dessen 125. Geburtstag wir kürzlich gefeiert haben, war kein Freund davon. Siehe seine überwältigend komische GeschichteWat bi ne Aewerraschung rute kamen kann". Sie handelt davon, wie der Rats­herr Zarnekow für einen gestohlenen Kutschbock vier Stück zu Weihnachten bekam, und wie Reuters Mutter beinahe drei Brillen auf einmal geschenkt bekommen hätte. Aber wer das mit so herzhaftem Lachen erzählen kann, dem glaubt man den Zorn auf das Ueberraschtwerden nicht recht. Was bliebe denn auch von der Weihnachtfreuoe, wenn die Heimlichkeit nicht dabei wäre? Daß es da auch Du­bletten geben kann, nimmt ein guter Vater oder Onkel mit Humor in Kauf.

Schlimmer als das ist jedenfalls der Nützlich- keits-Fanatismus. Wohlgemerkt, wenn kein Zwang dazu besteht. Aber wir sind da vielleicht nur auf einen falschen Weg geraten. Uns ist die Menge des Geschenkten wichtiger geworden als die Art des Gegebenen! Und weil doch die Menge tun­lichst auch da Eindruck machen soll, wo die Mittel nicht gerade verschwenderisch vorhanden sind, so werden die nützlichen Dinge, die ohnedies gerade fällig wären, mit auf den Weihnachtstisch gepackt. Aber Kinder haben ein feines Gefühl für den from­men Betrug, der darin liegt, und schreibenbas Nützliche" von dem, was sie bekommen haben, stillschweigend ab. Und nicht nurdas Nützliche", sondern erst rechtdas Vernünftige". Wer kennt sie nicht, die gestrengen Väter, die es nicht vertragen können, wenn ihre Kinder zu Weihnach­tenunvernünftige" Wünsche äußern! Sie versuchen sie ihnen auszureden, sie lehnen sie mehr oder min­der entschieden ab, und sie werden böse, wenn das Kind sich für dasvernünftige" Geschenk, das es an Stelle des heiß ersehnten bekam, nicht dankbar er­weist.

Das Kind lebt in einer anderen Welt als die Erwachsenen. Was die vernünftig nennen, findet das Kind oft recht unvernünftig. Und was der Erwach' ne als unvernünftg verwirft, dafür hat das Kind von seinem Standpunkt aus oft gute Gründe, wenn es sie auch nicht aussprechen kann. Wer wirklich Freude machen will, wird das berücksichtigen. Und wenn er einen ganz heißen Weihnachtswunsch heraus gebracht hat, so wird er nicht in erster Linie fragen: ist er vernünftig oder unvernünftig? Sondern er wird fragen: geht es oder geht es nicht? Das strahlende Gesicht, womit ein Kind die Erfüllung eines Wunsches quittiert, worauf es zu hoffen kaum gewagt hatte, ist unend­lich vielmehr wert, als das stolze Bewußtsein, als Vater wieder einmal rechtvernünftig" gehandelt zu haben.

Und wir Erwachsenen wenn wir in stillen Stun­den ehrlich gegen uns selbst sind ertappen wir uns nicht auch dabei, daß es gerade die gewisser­maßen u n vernünftigen Wünsche sind, wo-

Koltschak über seine Absicht, eine Konstituierende Versammlung einzuberufen, wenn er siegreich durch­dringen werde, zu erlangen, die die Alliierten voll befriedigen.

Aber noch einmal im Verlauf seiner Karriere sollte in dem Augenblick, in dem der Erfola in Reichweite schien, Verrat und Korruption seine Pläne zerstörten. Ganz abgesehen von den Schwie­rigkeiten seiner Lage, diente ihm seine Um­gebung sehr schlecht. In einem Bürgerkrieg von der Art, wie er im Gange war, gab es wenig zu­verlässige Freunde und überall sehr viele Feinde. Im Oktober 1919 zerbröckelte die Front, die ein paar Wochen vorher so fest geschienen hatte. Eine der Armeen war auf die Seite der Bolsche­wisten übergetreten, während die tschechische Legion so durchsetzt war vön extremistischer Propaganda, daß sowohl Offiziere wie Mannschaften erklärten, sie wollten nicht mehr kämpfen und hätten nur noch ein Interesse daran, über Wladiwostok in ihr soeben befreites Vaterland zurückzukehren.

Schließlich war Koltschak mitten in Feindesland bei einer kleinen Station, 250 Werst von Irkutsk, mit 15 000 Mann und einem Schatz von 400 Mil­lionen Rubel gestrandet. Seine Lage war sehr kri­tisch und wurde durch die Schwäche oder den Irr­sinn anderer verzweifelt. Was dann folgte, unter­sucht man lieber nicht allzu genau, denn ein alli­ierter, wenn auch nicht ein britischer Offizier, über­gab ihn und feinen Schatz den Tschechen, und die Tschechen lieferten ihn den Bolschewisten aus. Das Ende war daraufhin unvermeidlich.

Die Schlußtragödie spielte sich i n I r k u t s k ab, wo die Bolschewisten einen Scheinprozeß inszenier­ten. Ich gebe einen Bericht darüber mit den Wor­ten von Zeugen, deren Aussagen niedergelegt sind.

Wie war seine Haltung bei der Untersuchung?" wurde der Richter später gefragt.

Seine Haltung war die eines Kriegsgefangenen, des Befehlshabers einer Armee, der die Schlacht verloren hat, und so gesehen, wahrte er eine voll­endete Würde. Er wollte auf keinen Fall seine Freunde kompromittieren."

Als sein Todesurteil ausgesprochen wurde, stellte er die Frage an den Gerichtshof:Ist das ein richterlicher Spruch oder ein militärischer Akt?"

Als das Schützenkommando ankam, schrieb er mit dem FußLebt wohl" in den Schnee, steckte sich eine Zigarette an und bereitete sich vor zum Tode.

In allem war er ein Held", gab der Richter zu. Sogar für feinen Henker?"

Aber sicher!"

Im Laufe der Zeit sickerte die Nachricht von sei­nem Tode auch nach Moskau durch, und ein Mann beschimpfte ihn auf der Straße.

Du sollst nichts gegen Koltschak sagen", schrie ein anderer;er hat gegen uns gekämpft und darum mußte er vernichtet werden, aber er war ein feiner Ker l."

Als einmal grundlose Anklagen wegen Grausam­keiten, die im Bürgerkrieg begangen worden waren, gegen ihn erhoben wurden, fegte Lenin sie mit der Antwort beisse:Es ist dumm, Koltschak ver­antwortlich zu machen. Das ist die gewöhnliche de- > mokratische Ausrede. Koltschak hat mit den Mit- ' teln gearbeitet, die er vorfand."

! Diesen Zeugnissen füge ich nichts weiter bei. Wie es der Moskauer Arbeiter sagt:Er war ein feiner Kerl", und wie fein sibirischer Henker erklärt:Er ; wahrte eine vollendete Würd e". Nach ' Lenins eigenem Zugeständnis war er dazu geboren, . Menschen zu führen, und scheiterte nur, weil das Instrument, das ihm zur Verfügung gestellt wurde, ; so brüchig war.

Kottschaks Ende.

Aus Sir Samuel Hoares Erinnerungen an die Zeit feiner Tätigkeit als Leiter des englischen Geheimdienstes in Rußland wäh­rend des Weltkrieges, die in deutscher Aus­gabe unter dem Titel:Das vierte Siegel", imNibelungen-Verlag GmbH., Berlin, erschei­nen, bringen wir nachstehend seine Schilde­rung des tragischen Endes, das Admiral Koltschak, der Führer der Weißen Armee in Sibirien, in seinem Kampf gegen die Bol­schewisten gefunden hat.

Eines Tages kam eine Schar Matrosen und ver­langte den Degen des Oberbefehlshabers. Koltschak lieh sie in Paradeaufstellung auf Deck antreten und hielt ihnen eine solche Rede, daß sie sogleich wünschten, sie wären nicht gekommen.Ihr besitzt die Frech­heit", schloß er,meinen Degen zu verlangen. Ich erhielt ihn in Port Arthur im Kampfe für mein Vaterland. Ihr werdet ihn niemals bekom­men." Und schloß, indem er feinen Degen mit den Bändern vom Heiligen Georg ins Meer warf. Die Matrosen schlichen davon und tauchten den gan­zen nächsten Vormittag danach. Sie waren ent­schlossen, ihn seinem Eigentümer wieder zuzustellen.

Trotz dieses persönliches Triumphes war es Kolt­schak ganz klar, daß die Lage hoffnungslos war. Außerdem verlangte die Provisorische Regie­rung, deren Mitglieder ihr Bestes getan hatten, um seine Autorität zu zerstören, seine Anwesenheit in St. Petersburg. Sein Kommando hatte aufgehört zu existieren, so verließ er Sebästopol, um zu sehen, was er in der Hauptstadt erreichen könnte. Auch dort taten Kerenskij und seine Kollegen alles, was in ihrer Macht stand, die Anstrengungen, die I er für die alliierten Interessen unternahm, zu hm-

ran unser Herz hängt? Sind wir dem Schicksal, dieser strengen Gouvernante, nicht viel dankbarer dafür, wenn es uns ausnahmsweise einmal einen unvernünftigen Wunsch erfüllt als wenn es uns mit noch so vielnützlichen" Gaben bedenkt? Das Schick- al nimmt sich eben nur zu selten die Mühe, sich beim Schenken auf unfern Standpunkt zu stellen. Aber dafür sind wir ja Menschen, daß wir, wenn wir einer des anderen Schicksal spielen, das tun können! Und machen doch so selten Gebrauch davon! Wie viele Geschenke verfehlen nicht ihren Zweck, dem Empfänger Freude zu machen, weil der Geber ich nicht die Mühe gegeben hat, sich in die Lage des anderen hineinzudenken! Wie viele Menschen bestehen nicht eigensinnig darauf, daß, was ihnen Freude machen würde, es dem andern auch machen müsse! Und schelten den anderen eine undankbare Seele, wenn er sich nicht über etwas freuen will,

dem. Sie fürchteten ihn so, daß sie ihn schließlich aufforderten, Rußland zu verlassen. Auf der Suche nach militärischen Dienstmöglkchkeiten ging er nach England, dann nach Amerika, bann nach Japan. Endlich, im Frühjahr 1918, wurde er von den Direktoren der chinesischen Osteisenbahn gebeten, die Organisation der Verteidigung der Linie zu übernehmen. Diese Aufforderung führte ihn nach Sibirien, und damit fing das letzte und tragische Kapitel seiner Karriere an.

Sibirien war damals in einem Zustand völligen Durcheinanders. Die Bolschewisten bedrohten die Eisenbahnlinien, Abenteurer, die sich untereinander bekämpften, plünderten das Land, und Regierun­gen, die nur auf dem Papier bestanden, intrigier­ten gegeneinander. Unter solchen Umständen wurde ein Mann wie Koltschak an einer wichtigeren Stelle gebraucht als die Fernöstliche Eisenbahn ihm bieten konnte. Es ist also gar nicht überraschend, daß er sehr bald und gegen feinen Willen überredet wurde, die Pflichten eines Verteidigungs­ministers in dem, was sich Sibirische Regierung nannte, zu übernehmen.

Im Verlaufe des Sommers 1918 erkannte Eu­ropa und Amerika in ihm zwangsläufig den Füh­rer der antibolschewistischen Bewe­gung an. Während der nächsten sechs Monate war er in den Anstrengungen, die er inmitten der so auseinanderweichenden Ansichten seiner Kollegen und in dem allgemeinen Chaos machte, sehr er-

Die Kunst des Schenkens.

Von £)r. Paul Harms.

Es geht auf Weihnachten und Weihnachten ist bas Fest des Schenkens. Es ist das Fest, wo auch der verhärtefte Junggeselle zur Einsicht kommt, daß der Mensch nicht um seiner selbst willen da ist, son­dern um der andern willen. Weihnachten ist niemand mehr zu bedauern, als wer keinen Menschen hat, dem er eine Freude machen kann. Denn wer das ganze Jahr gewöhnt war, nur sich selbst Freude zu machen, der fühlt am Heiligen Abend, wie leer sein Dasein geblieben ist.

Weihnachten ist das Fest der Kinder. Kin­der haben immer Wünsche, aber zu Weihnachten haben sie ein Gewohnheitsrecht, Erfüllung ihrer Wünsche, oder wenigstens einiger davon, zu fordern. Und Kinder sind kaum zum Bewußtsein ihrer selbst

Paket mit Liebe.

Von Felix Riemkasten.

Es ist einfach nicht wahr, daß es so ist; es ist aanz anders. Wer das nicht erlebt hat, wer das nicht empfinden kann, der ist zu bedauern, leid ttm kann einem so ein Mensch. Das sind dann die, die schon meinen, sie hätten einem etwas geschenkt, roenn sie einem etwas schenken. In Wirklichkeit ist es aber gar kein Geschenk gewesen, es war nur etwas eilig Hingeschmissenes em Gekauftes em Abqeliefertes. Ein richtiges Geschenk will ausdrücklich geschenkt sein. Und was ist das,schenken i

Bon den Muß-Geschenken wollen wir hier nicht reden, von jenen Geschenken also, die man machen muß, denn macht man sie nicht, so wirt) man halb sehen was man davon hat. Sierger unö Aufregung und eine lebenslängliche Nörgelei hat man davon Um das zu vermeiden, geht man hm, kauft etwas, packt es ein, schickt es ab ober tragt es selber hm - bio öauvttacke ist, baß es von dir abgeliefert wor­den ist Das sind die Muß-Geschenke. Es sind Tri­bute Zwangsabqaben, Pflichtlieferungen.

Wie' aber steht es mit jenen Gaben, die du tat- Älich hast geben wollen, gerne gegeben, mit ffin gegeben? Jene Sächelchen die dich vorher hnth FranE gemacht haben bei der Qual der Wahl? h°lb k _%ine^ nicht wahr, und wenn du dir vorstellst, daß Ernestine also so sitzt, so für sich hm, sie ahnt noch gar nichts, und du du reibst die schon die ^ände du hast eine verflixte und beinahe bis an Rührung grenzende Vorfreude bei dem bloßen Gedanken an Ernestine, und gut sein willst du ihr /vielleicht sogar allerlei wieder gutmachen, wie?) und da also,' aus dieser Stimmung einer Seele her­aus gebiert sich das wahre, echte, richtig schone Ge- schenk für Ernestine. Es soll ihr gegeben sein, 'Lude' soll es wecken, eine Hilfe soll es ihr geben, aut sein soll es, es soll zum mindesten em en Gruß bestellen von Seele zu Seele, von Mensch zu Mensch.

Oder die Heben Kinder wollen ihren lieben Eltern eine Freude machen. Sie ahnen diesmal wohl zum ersten Male, was das all' die Jahre hindurch aus sich gehabt hat an Uebermenschlichkeit: Eltern fern, Kinder haben, Kinder durchbringen! Und nun schämt man sich förmlich, erst heute zu solcher be­ginnenden Einsicht zu gelangen. Man steht ganz ärmlich da vor ihrem langen Leben und weiß nicht, wie man es anfangen soll, ihnen mit diesem Paket- chen hier sozusagen sagen zu wollen 3«^ hauchen, nicht wahr daß sie so gute Eltern ge

wesen sind. Und dies also nicht etwa als Dank, son­dern ... na, das wißt ihr, wie ...

Und eine alte, ergraute, einsame Mutter, die nichts hat als ihre übergroße Liebe, ihre weltweite Erinnerung an altvergangene Tage sie sagt sich: Und ein Paket schicke ich ihnen doch! Auch wenn sie es zehnmal verboten haben, ich soll das nicht!" Und nun ertütert und klamüsert sie sich irgend­einen winzigen Murks aus, den sie schenken wird. Das Porto ist bald mehr wert als der Inhalt, denn Arbeit rechnet eine Mutter nicht.

Und das kommt nun an.

Es wird euch aufs Herz schlagen wie mit Ham­mergewalt.

Für alle diese Geschenke denn dies allem sind die wahren Geschenke kommt nun das Wesent­lichste hinzu, das Eigentliche, das ganz Große, das simpel und selbstverständlich offen ist für alle guten Herzen und ewig unzugänglich für alle, die so guten Herzens leider nicht sind Die Art, wie ... Der Bogen dabei. Feine Leute sagendie edle Geste". Populär gesprochen: Schon allein die Art, wie es angepackt ist. Mit Papier. Mit Sinn. Mit Tannengrün. Mit Liebe. Mit Verständnis, mit Zartsinn, mit einem Geschmack, der aus dem Ge­fühl kommt, beileibe nicht aus dem bloßen Geschick.

Zwei Paar grobe Strümpfchen für das Kleine hat Großmutter gestrickt. Mit ihren zitterigen, trä- nigen alten Augen, mit ihren knotigen, harten Fingern, und ob man die Strümpfe tragen kann, bas weiß Goft, denn in der Mode sind solche Strümpfe nicht. Aber Großmutter hat nichts an­deres machen können. Und solche sind die Strümpfe, es wäre überhaupt manches besser in der Welt, wenn man solche Strümpfe aus dicker Wolle un­geniert zu tragen wagte. Aber nicht darum geht es uns. Nein, das Unvergeßliche an dieser Gabe liegt in der Verpackung. Hier sieht man, welche Summe von Liebe in dem alten Herzen lebendig ist. Wer kann das je vergelten, ja, wer konnte das nur einmal ermessen? Und wir sind Schweinehunde, nichts als Schweinehunde sind wir, so kalt und spöttisch wie wir sind, so mißtrauisch und so welt­klug Hat die alte Frau da also den Pappkarton innen ganz weich ausgelegt mit einem Seiden­papier, das mit Wolle gefüttert ist. Dann hat sie kleine goldene Sternchen hingeftreut, dann ein paar grüne Zweiglein und vier kleine Pfefferkuchem Da­nach kommt eine Lage Seidenpapier hübsch be­streut mit Mustern weihnachtlicher Art. Noch ein­mal P efferkuchen, fünf Stück, und endlich dann die Strümpfe. Zugebunden mit einem Goldband, oben darauf ein Herz. (Ach, als ob nicht ohnehin schon allesHerz" wäre, nichts als. Herz, und da

hilft gar nichts, gar nichts weiter. Schweinehunde find wir!) Und oben drauf der Brief, den sie an uns gekrakelt hat.

Meine lieben Kinder!"

Seht ihr, sie könnte dieses Paket nie anders als zu Weihnachten geschickt haben. Es ist kein Paket. Es ist etwas ganz anderes.

Wir können es nicht alle, und nicht immer so schön machen, wie Großmutter es gemacht hat. Wir können nicht jeden, den wir beschenken wollen, in solchem Unmaße lieben und lieben, wie Großmut­ter, die sich mit ihrem ganzen Leben an uns klam­mert, aber einen Teil davon ...

Ein hübsches Päckchen könnten und sollten wir allemal noch zustandebringen. Es muß von selber sprechen können, das Päckchen. Es muß sagen kön­nen:Das hier sollst du haben. Es ist nicht nur so herausgekauft aus dem Laden, wir haben auch erst einmal selber unsere Freude daran gehabt, haben es bann eingepackt, und das Einpacken war uns keine lästige Arbeit, sondern ein kleines Fest, ein kleines diebisches Vergnügen. So, wie wir es hineinpraktiziert haben. Blatt für Blatt, mit Zweig­lein und Papier geziert, bestreut mit hübschen, He­ben Zutätlein, so wirst du es nun auspacken, im­mer langsam, immer achtsam, und vielleicht wirst du dabei vor dich hinmurmeln:Gott, nein, aber wie das hübsch ist, so nett, so Heb!" Und wenn du dabei sachte ahnen kannst, wie sehr es uns ge» freut hat, bann ... ja, bann hat es uns gefreut, unb bann war bas Geschenk Gott sei Dank auch wirklich ein Geschenk, auch für b i cf)!

Runbfrage an alle, mit einem zwinkernben Auge: Begriffen?"

Hilfsbereitschaft.

Sie tarnen zu zweit an den D-Zug, das alte Mutter! und die junge, lebfrische Tochter. Die Alte half dem hübschen Ding voll mütterlichen Stolzes noch beim Einsteigen.Gelt, mach's gut, Mädel! und __halt dich brav!" Sie konnte gar fein Ende finden.

Mit einmal merkt sie, daß ja die Hauptsache ver­gessen wurde.Ha, dein Koffer! hab i ja no da!" er chrickt die Alte.Wart no, i bring birs rein!"

Und das graule stieg die steilen Stufen zum Wagen empor und brachte das kleine Gepäckstück herein.Jessas, Mädel" meinte sie dabei daß du fort willscht, das geht garnet in mein alten Kopf!" Eifrig verstaute sie den Koffer, be­merkte aber gar nicht, daß sich der Zug langsam in Bewegung setzte.Ja, i muaß aussteige! Schaffner!"

Es war nichts mehr zu machen. Der Bahnhof glitt vorüber die Landschaft. Schneller, immer

schneller! Der Schaffner kommt,Fahrkarten, bitte!"3 ha kein Geld bei mir!" stammelte die Aermste.Ha no," zuckt der Schaffner die Ach­seln,gezahlt muß werden!"

Ganz verzweifelt stand die alte Frau im Gang des Zuges. Um keinen Preis wallte sie ins Abteil kommen. Ob sie nun dachte, daßstehend" die Fahrt billiger komme, ober ob sie ohne Fahrkarte sich für unberechtigt hielt, Platz zu nehmen?

Eine temperamentvolle Dame (Künstlerin?) hatte all ben unbehilflichen Jammer mit angesehen. Trö­stend ging sie zu dem schluchzenden alten Mütter­chen auf den Gang hinaus und sagte herzlich:Ich Helf Ihnen schon. Passen Sie nur mal auf!"

So," sagte sie ins Abteil zurückgekehrt zu ihrem Reisegenossen,der Frau muß geholfen werben! Das wäre ja noch schöner!" Sie lieh sich von dem nächsten Herrn dessen Hut und sagte lachend:Zur Belohnung kommen Sie auch zuerst dran!" und hielt ihm den Hut hin.Vertrauen ehrt," meinte der und, legte zwei Mark hinein.Und Sie, gnä« digste Frau," wandte sie sich an die nächste Dame, werden doch sicher die brave Frau auch nicht im Stich lassen!" Wieder 2 Mark.

Als die kleine Sammlung beendet war, sogar der gutmütige Schaffner hatte fein Scherflein gegeben, hatte die arme Frau so viel Geld, daß sie nicht nur nach Hause fahren, sondern sogar noch in Stuttgart übernachten konnte!

So geschehen auf der Strecke BruchsalStuttgart 1935! F. Br.

Hochschulnachrichten.

Der nichtbeamtete außerordentliche Professor Dr. AdolfDabelow an der Universität Marburg ist beauftragt worden, in der Medizinischen Fakultät der Universität München vom Wintersemester 1935/36 ab die Vertretung der durch das Ausschei­den von Professor Wassermann freigeworde­nen Professur für Anatomie zu übernehmen.

Der Reichs- und Preußische Minister für Wis­senschaft, Erziehung unb Volksbildung hat ben Do­zenten Dr. Hans Georg Gabamar an ber Marbur­ger Universität mit ber Vertretung bes beurlaub­ten vrbentlichen Professors Dr. Erich Frank (Philosophie) für das Wintersemester 1935/36 be­auftragt.

Ferner wurde der Dozent und Studienrat Dr. phil. habil. Ludwig Zimmermann in Mar­burg beauftragt, ab sofort die in der Philosophi­schen Fakultät der Universität Erlangen durch das Ableben des Professors Brandt freigewor­dene Professur für neuere unb neueste Geschichte, einstweilen vertretungsweise zu übernehmen.