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Nr.lst Erster Blatt

185. Jahrgang

Dienstag, tf. Mai

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Gietzener Anzeiger

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Der große Marschall.

Als im November 1918 kurz nach der Errichtung des neuen polnischen Staates eine Abordnung der polnischen Sozialdemokraten Pilsudski alsGe­nossen" ansprach, da wehrte er kalt lächelnd ab: Meine Herren, ich bin nicht mehr ihr Genosse. Wir verfolgten ursprünglich die gleiche Richtung und fuhren in derselben rot angestrichenen Tram­bahn. Ich verließ sie bei der Station Unabhängig­keit. Sie setzten die Fahrt bis zum Haltepunkt So­zialismus fort. Meine besten Wünsche begleiten Sie, aber... nennen Sie mich Herr!" Wie jeder wahrhaft große Revolutionär, so hat auch der Schöpfer des neuen Mythos des polnischen Volkes den Weg vom Parteimann zum Staatsmann in dem gleichen Augenblick vollendet, in dem er die Macht übernahm. Nun ruht der Mann, der mit seinem eckigen Schädel, dem widerspenstig überhängenden Schnauzbart und den buschigen Brauen eigenartig an Nietzsche erinnerte. Im Schlosse Belvedere am Ende der großen Aleja Ujazdowska in Warschau, wo er in den letzten Jahren wie ein Einsiedler lebte, ohne nach außen hin, auch dem polnischen Volke gegenüber, noch irgendwie hervorzutreten, aber ohne doch gleichzeitig die Staatsführung an den entsprechenden Punkten aus der Hand zu lassen. Eine feste und entscheidende Größe ist aus dem Spiel der europäischen Mächte ausgeschieden, und die Frage, die sich A für Polen und für die Welt an der Bahre in Belvedere erhebt, ist, ob er sein Werk so vollenden konnte, daß der Weg des von ihm neugeschaffenen Staates nach innen und nach außen als so festliegend angesehen werden kann, daß wesentliche Erschütterungen auf ihm nicht zu befürchten sind.

Der Marschall, der sein Leben jetzt vollendet hat, hat einmal von dem Begriff der polnischen Frei­heit sarkastisch gesagt, daß siein den Köpfen von 28 Millionen Polen in 28 Millionen von einander abweichenden Fassungen vorhanden ist". Pilsudski hat sich in einem harten und zähen Kampf gegen diejenigen seiner Landsleute durchsetzen müssen, die als bewußte Slawen und als Todfeinde des Deutschtums einen polnischen Staat unter Einschluß der deutsch-polnischen Gebiete im Rahmen des russischen Reiches anstrebten und die gleich­zeitig in Paris das Mekka der europäischen Zivilisation erblickten. Pilsudski hat im Gegensatz zu vielen seiner revolutionären Landsleute niemals die Atmosphäre der westlichen Boulevards gesucht. Er blieb im Grunde immer bäuerlich ver­wurzelt in dem Teil des Raumes zwischen den Karpathen und dem Baltischen Meer, aus dem auch der Nationalheld Kosciuszko hervorge­gangen ist. Den wurzellosen Revolutionären, die in dem nationaldemokratischen Führer D m o w s k i ihren stärksten Vertreter und damit den ewigen Gegenspieler Pilsudskis hatten, stellte sein erdhastes Wesen immer eine tiefe Verachtung des spieleri­schen Intellekts und eine unbedingte Vertretung der soldatischen und völkischen Machtidee gegenüber.

Als er darum im Jahre 1926 sich zum zweitenmal anschickte, Polen aus der drohenden Zersetzungs­gefahr im parlamentarischen Korruptionskampf zu erneuern, da wurde für ihn an Stelle des zaristi­schen Rußland der l i b e r a l i st i s ch e Parteien- st a a t der Gegner. Bezeichnend für sein Wesen ist es, daß er als der frühere Führer der polnischen Sozialdemokraten stolz darauf war, daß er das marxistische Evangelium, dasKapital" von Karl Marx niemals auch nur mit den Händen berührt habe. Das, was seine früheren Parteigenossen in Rußland auf dem Wege zur Verwirklichung dieses Evangeliums getan haben, mußte ihm immer in tiefster Seele em Greuel bleiben. Darum konnte es ihm nicht schwer fallen, in seiner antirussischen Ein­stellung in gleicher Weise wie dem Zarismus so auch dem Bolschewismus gegenüber zu verharren, von der ausgehend ihm immer die Schöpfung eines gegen Rußland gerichteten völlig freien und unabhängigen Polen vom Baltischen Meer bis zum Dnjepr vorgeschwebt hat.

Die Frage, wie weit er sein Werk vollendet hat, wie weit er in der schöpferischen inneren Neu­gestaltung Polens und in der dauernden europä­ischen Zielsetzung gekommen ist, ist eine Schicksals­frage von europäischer Bedeutung. Allerdings ist es ihm noch kurz vor seinem Tode gelungen, die letzten Widerstände zu überwinden, die der verfassungs­mäßigen Verankerung des neuen autoritären Staates und der Befreiung von parlamentarischen Parteien entgegenstanden. Aber eines hat er doch nicht zuwege gebracht, was Adolf Hitler und Musso­lini vermochten. Er hat den neuen polnischen Staat nicht auf die Grundlage einer machtvollen Volks­bewegung und damit nicht auf die begeisterte Zustimmung der Massen stellen können. Im Sinne des italienischen und des deutschen Vorbildes hat er nie um die Seele seines Volkes gerungen. Dazu fehlte ihm schließlich, als er nach zu langen Jahren des Berufsrevolutionärs zum Staatsmann wurde, die jugendliche Spannkraft. Er war sein Leben lang mit den Sozialisten gegangen und vermochte, als er mit ihnen brechen wollte, nicht noch einmal in kühnem Anlauf die Schöpfung einer von einer Idee erfüllten und begeisterten Volksbewegung ins Auge zu fassen. Er gründete seine Macht auf seine L e g i o n e n , auf die Armee und auf seine treu ergebenen Paladine, den K re i s derO b e r st e n", dem sowohl der polnische Staatspräsident wie auch .der Außenminister Beck und Pilsudskis Nachfolger auf dem Posten des Kriegsministers, General Kasprzycki, entstammen. Die Frage erhebt sich, ob dieseObersten" so stark und so vollkommen in dem Wesen und in den Zielen des verstorbenen Marschalls verwurzelt sind, um den Weg gradlinig fortführen zu können zu einem Staatswesen auf

Lavals Besuch in Moskau.

Moskauer Trinksprüche.

DasFriedenswerk" als Aushängeschild.

Moskau, 14. Mai. (DNB. Funkspruch.) Außenminister Litwinow gab Montagabend zu Ehren des französischen Außenministers Laval ein Essen, an dem fast alle Volkskommissare teil- nahmen. Litwinow begrüßte Laval im Namen der Sowjetregierung und erklärte u. a., der Besuch gewinne eine besondere Bedeutung dadurch, daß er unmittelbar dem Abschluß des zwischen­staatlichen Paktes folge und seine feierliche Bekräftigung darstelle. Wir können, fuhr Litwinow fort, mit aller Entschiedenheit erklären, daß der von uns abgeschlossene Pakt ein Friedenswerk darstellt. Sein Kennzeichen ist es, daß seine Ver­fasser von dem heiße st en Wunsche be­seelt sind, es möge sich nie die Notwendig­keit zu seiner Anwendung ergeben. Die­ses Ziel kann dadurch erreicht werden, daß der Pakt als Beweis des festen Willens zweier mäch­tiger Staaten Europas angesehen wird, aktiv und gewaltsam den Frieden zu schützen. Die zweite Pakteigenschaft ist die, daß er nicht nur gegen niemand gerichtet ist, sondern keinen einzigen Staat vom Bei­tritt a u s s ch l i e ß t, der an der Verwirklichung dieser Ziele interessiert ist. Als Werkzeug des Friedens bekräftigt und verschärft der Pakt zu gleicher Zeit ein anderes Friedenswerk, die Völ­kerbundssatzung, deren notwendige Ergän­zung er bildet. Ich gestatte mir, die Hoffnung aus­zusprechen, daß der Pakt nicht das Ende, sondern der Anfang der Zusammenarbeit der Sowjetunion und der französischen R e p ub l i k darstelle, und zwar einer noch engeren und wohltuenderen Zusammenarbeit, damit allen Völkern die stetige und ruhige Entwicklung im Rahmen eines unverletzlichen Friedens gewährlei­stet wird.

Autzenminister Laval.

antwortete: Wir haben ein Werkzeug des Friedens geschaffen. Zwei große Staaten haben freiwillig ihre Anstrengungen vereinigt, nicht nur, um ihre eigene Sicherheit zu schützen, sondern auch, um der Sache des allgemeinen Friedens zu dienen. Die Ideale unserer Länder sind nicht die gleichen. Aber sie sind geeint burd) hie ftarfen Bande der Friedensliebe. Aus dem Fuße der Gleichberechtigung sind die Ver­handlungen geführt, ist der Pakt abgeschlossen und sind die gegenseitigen Verpflichtungen übernommen worden. Wir würden es gern sehen, wenn a n - dere Länder an dem friedlichen Aufbauwerk t e i l n e h m e n würden, das so notwendig ist. Jedes Land hat eigene Bestrebungen und gleich­zeitig sorgt jedes Land für den Schutz seiner Ehre und seiner Würde. Aber jedes Land hat die Pflicht, seinen Beitrag zur internationalen Sache der Soli­darität zu liefern. Eben deshalb, weil der Friede unteilbar ist, müssen und werden wir unseren Appell an alle Länder und alle Regierungen rich­ten so lange, bis dieser Appell gehört werden wird.

Die Wirklichkeit.

Militärische Absprachen werden folgen. Der Unsicherheitsfaktor Polen.

Paris, 14. Mai. (DNB.-Funkspruch.) Der Außenpolitiker desEcho de Paris", der die Reise Lavals nach Moskau mitmacht, erklärt, der Abschluß des französisch-sowjetrussischen Paktes sei erst d i e negative Seite eines Werkes, aus dem man im Lause der Zeit auch positive Ergebnisse zu ge­winnen hoffe. Der Vertrag fei geschaffen, da die deutsche Gefahr" den Zusammenschluß aller Volker notwendig mache, die die Verträge verteidi­gen wollten. Ein solcher Zusammenschluß bleibe aber unwirksam ohne Moskau. Das sei allen vor Augen zu führen, die von Zweifeln befal­len seien oder Kritik übten. Man habe sich mit dem Vertrag gegen das etwaige Wiederauf­leben der d e u t s ch - r u s f i f ch e n Rapal­lo-Politik gesichert undder Reichs­wehr für den Kriegsfall d i e ungeheuren Hilfsquellen S o w j e t r u ß l a n d s entzo- g e n". Nach dem Urteil von ausgezeichneten Sach­kennern genüge dieses Ergebnis sowie die Notwen­digkeit, der Kleinen Entente eine Stütze im Osten zu geben, vollauf zur Rechtfertigung dessen, was geschehen sei. Dies ist die negative Seite.

Ueber die positive Seite würden die kommen­den Monate oder Jahre entscheiden. Sie sei äußerst

heikel und verwickelt. Die früher ober später ein- setzenben Generalstabsbesprechungen würben nur bann erfolgreich sein, wenn vorher viele an- b e r e Fragen geklärt seien. Hierzu gehöre b e r Faktor Polen. Durch ben Tob Pilsubskis sei eine neue Lage geschaffen. Lavals Ver- hanblungen in Warschau seien ziemlich unfruchtbar gewesen. Beck habe sich nicht bas geringste Versprechen ablocken lassen. Der wahre Lenker ber polnischen Außenpolitik sei nun von ber Bühne abgetreten. Da bürfe man mit Recht fragen, ob bie ziemlich paraboxe Diplomatie Warschaus bie bisherige Richtung beibehalten werbe. Mit Pil- subski verschwinbe ber Traum eines ukrainischen Reiches, ber Traum von Kiew, ber Warschau in bie Arme Berlins getrieben habe. AuchOeuvre" be­tont, baß bas Ableben Pilsubskis für bie französisch- sowjetrussischen Beziehungen von ausschlaggebenber Bebeutung werben könnte. Mit bem Marschall ver­schwinbe für Polen ber Traum einer Eroberung russischen Gebietes.

Rußlands Vorknegsschulden.

Ein neuer Plan

zur Befriedigung französischer Gläubiger.

Paris, 13. Mai. (DNB.) Seit bem Abschluß bes französisch - sowjetrussischen Beistanbspaktes herrscht unter ben französischen Inhabern russischer Vorkriegsanleihen lebhafte Mißstimmung barüber,

baß ihre Forberungen unberücksich- trat geblieben finb. Die FinanzzeitungLe Capi­tal^ will jetzt erfahren haben, baß zuständige fran­zösische Stellen bereits mit der sowjetrussischen Regierung in einen Meinungsaustausch darüber eingetreten sind. Der Plan gehe dahin, Sowjetrußland einen Kredit von fünf Mil­liarden Goldfranken zu eröffnen, den die Sowjetunion für Auftragserteilungen an bie französische Inbustrie verwenben solle. Die Rückzahlung bieses Krebites solle in etwa 20 Jahren burd) erhöhte Jahres­raten erfolgen. Der Mehrbetrag mürbe bann jeweils ben französischen Besitzern rus­sischer Vorkriegsanleihe nzur Verfügung gestellt werben. Wie hoch ber jeweilige Ueberschuß sein soll«, stehe noch nicht fest.

Die Meerengenfrage.

Paris, 14. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der tür­kische Außenminister hatte in Bukarest mit bem bortigen sowjetrussischen Gesanbten eine Aussprache über bie türkisch-russischen Beziehungen. Hauptsäch- lich soll bie Meerengenfrage erörtert wor­ben sein, bie bereits auf ber Balkankonferenz an­geschnitten worben war. In gewissen biplomatischen Kreisen wirb versichert, baß bie Vertreter Rumä­niens, Griechenlanbs unb Sübslawiens beschlossen hätten, bie Türkei in ihren Forberungen z u u n t e r st ü tz e n.

An der Bahre pilsudskis

W a r s ch a u , 14. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die sterblichen Ueberrefte Pilsubskis werben am Donnerstagabenb vom Beloebere-Schloß zur Kathebrale übergeführt unb bort 36 Stunben öffentlich aufgebahrt. Damit wirb ber Bevölkerung ber Hauptstabt Gelegenheit gegeben, an ihrem toten Marschall vorbeizugehen. Das feierliche lotenamt wird der Kardinal- Erzbifchoi von Warschau abhalten. Die Zeit des Trauergottesdienstes ist von der Ueber- sührung nach Krakau abhängig, die erst am Donnerstagabend festgesetzt und bekanntgegeben wird.

General Wieniawa-Dlgoszewski hat sich im Flugzeug nach Krakau begeben, um dort die Vorbereitungen für die Beisetzung und für die Trauerfeier in der Kathedrale auf dem Wawel, einem Hügel, auf dem auch das Schloß steht, zu treffen. Voraussichtlich am Donnerstagabend wer­den die sterblichen Ueberrefte des Marschalls in dem mit einem Glasdeckel versehenen Sarg vom Schloß Belvedere in die St. - Johannis-Kathe­drale in Warschau übergeführt werden. Da­durch kann dann die Bevölkerung in ber Nacht zum Freitag unb am Freitag selbst unb in ber Nacht zum Samstag bis zum frühen Morgen von bem polnischen Nationalhelben Abschieb nehmen. In ber Kathebrale werben am Sarge Generäle unb Unteroffiziere ber Wehrmacht bie Ehrenwache

halten. Der T r a u e r g o 11 e s b i e n ft vor ber Ueberführung bes Sarges zum Bahnhof, bie wahr­scheinlich Samstag vormittag erfolgt, wirb von Karbinal K a k o w f k i gehalten werben. Vom Warschauer Hauptbahnhof soll ber Zug mit bem Sarge bann in langsamer Fahrt mit Aufenthalt auf allen Bahnhöfen nach Krakau geführt wer­ben. Das Belvebere-Schloß, bas von Pilsubski be­wohnt würbe, soll zu einem Pilsubski-Museum aus» gestaltet werben.

Deutschlands Teilnahme.

DerFührer drückt auch derWitwePilsudskis sein Beileid aus.

Berlin, 13. Mai. (DNB.) Der Führer unb Reichskanzler hat an bie Witwe bes ver- ewiaten Marschalls Pilsubski Frau Alexanbra Pilsubska bas nachstehende Beileibstelegramm gerichtet:

Die Trauernachricht vom Ableben Ihres Herrn Gemahls Sr. Exz. bes Marschalls Pilsubski hat mich aus bas Schmer glich st e berührt. Nehmen Sie, hochverehrte, gnäbige Frau, unb Ihre Familie ben Ausbruck meiner tiefemp- funbenen Anteilnahme entgegen. Dem Heimgegangenen werbe ich stets ein bankbares Gebenken bewahren. Abolf Hitler, Deut­scher Reichskanzler."

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Scherl-Bildmaterndienst

Ein historisches Bild, das Marschall Pilsubski (X) im Jahre 1914 inmitten polnischer Legionäre zeigt, an deren Spitze er gegen Rußland kämpfte.

dem Boden einer völkisch-revolutionären Idee und in einer dauerhaften autoritären Form.

Es ist bezeichnend, daß skeptische Stimmen gegen­über der ungestörten Fortführung der großen Staatsidee des Verstorbenen sich in einigen fran­zösischen Blättern angedeutet finden. Unseres Er- achtens ist jedoch jede Gewähr gegeben, daß kei­nerleiD i a d o ch e n k ä m p fe" um das Erbe des Marschalls entstehen werden. Die Fortführung der außenpolitischen Linie Polens ist durch die Per­son des Obersten Beck genau so gewährleistet wie durch die Person des Ministerpräsidenten S l a w e k, die beide dem Verstorbenen sehr nahe geftanben haben. Es ist auch bezeichnens wie weit ber Geist selbstänbigen Denkens unb Hanbelns aus ber Per­sönlichkeit bes Marschalls auf bie maßgeblichen Männer Polens übergegangen ist, bie noch in ber Nacht bes Hinfcheibens Pilsubskis bie von ihm inne» gehabten Aemter des Kriegsministers unb bes Ge­

neralinspekteurs ber Armee sofort mit erprobten Offizieren besetzten, bie bas besonbere Vertrauen bes großen Toten hatten.

Der Schmerz, ben Polen beim Ableben bes Mar­schalls empfinbet, wirb vor allem auch in Deutfch- l a n b geteilt. Denn bieser Schöpfer bes mober« nen polnischen Staates, ber Erfüller polnischer Groß- machtträume unb schlichte Mensch hat burd) seine Wenbe zum neuen Deutschlanb mit Hitler zusam­men einen Friebensblock geschaffen, ber von allen Mächten befehbet wirb, die in ber Zertei­lung, in ber Gewalt unb in ber Haßpolitik ber Pa­riser Diktat bas Heil sehen unb bas Unheil ver­ewigen wollen. Mit bem polnisch-deutschen Abkom­men wurde bas Kriegsbeil zwischen zwei Nationen begraben, die seit Jahrhunderten durch mißverstan­den unb mißgeleitete Interessen ihr wahres Heil ver­gaßen unb sich bekämpften. Josef Pilsubski hat burd) seine Tat, Polen nicht nur bie außenpolitische

Selbststänbigkeit gegeben, bie feitbem fern von Pariser Lenkungskünsten bie Großmacht Polen zu einem Aktioum europäischer Friebenspolitik machte, fonbern er hat burd) biefe kühne Wirklichkeitspolitik bewiesen, baß er mehr war als ein Militär, näm­lich ein Staatsmann größten Formates mit Jbeen, bie weltenfern liegen ber Kleinlichkeitswelt ber üb­lichen Diplomatie. Josef Pilsubski hat Polen ben Weg gezeigt, ber burd) eine für unbenfbar gehal­tene Verstänbigung mit Deutschlanb bem Lanbe bas Bewußtsein gibt, einen aktiven Kern alles euro­päischen Geschehens zu bilben. Er hat mit ber pol­nischen Gewohnheit gebrochen, Hilfe von auswärts zu erflehen, er war ber Mann ber Tat, unb so über­ragte sein Bilb alles polnische Geschehen ber Gegen­wart. Was er gewollt, wirb von seinen Mitkämp­fern fortgeführt werben, weil es ber politischen Ver­nunft unb ben wohlverstandenen Interessen Polens entspricht.