Ur. 291 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Zreitag, 15. Dezember 1935
Militärische Kraftlinien im Mittelmeer.
Der Motor hat aus dem Mittelländischen Meer einen Binnensee gemacht. In wenigen Stunden vermag ein Schnelldampfer das Meer von der französischen bis zur nordafrikanischen Küste zu durcheilen, nur Tage braucht man für Reisen vom Eingang des Meeres bei Gibraltar bis zum Durchgang nach dem Indischen Ozean. In noch viel kürzeren Zeitspannen kann das Flugzeug alle Entfernungen im Mittelmeer überbrücken. Das Heranrücken des afrikanischen an den europäischen Kontinent hat die Derteidigungsmaßnahmen der Anliegerstaaten des Mittelmeeres sowie der an diesem Raum interessierten Mächte auf das Nachhaltigste beeinflußt. Denn wo vordem die Entfernungen zwischen den verschiedensten Plätzen bereits in militärischem Sinn einen gewissen Schutz boten, da bildet heute die Geschwindigkeit der schwimmenden und fliegenden Streitkräfte das ausschlaggebende Moment in allen Sicherheits- und Schutzplänen. Diese Verschiebung hat nun dazu geführt, daß vorhandene militärische Stützpunkte an den Rändern des Meeres verstärkt und ausgebaut wurden, daß aber gleichzeitig neue Verteidigungsanlagen überall errichtet worden sind, so daß sich heute um das Mittelländische Meer ein Kranz von Flotten- und Flugzeug st ationen hinzieht, während । die verschiedensten Inseln auch noch Festungen bilden und als Zwischenstücke zwischen nördlichen und südlichen oder östlichen und westlichen militärischen Anlagen anzusprechen sind.
Zielstrebig haben die Engländer Stützpunkte im Westen und Osten errichtet, die sich wie eine Linie durch das Mittelmeer hinziehen, aber doch so gelagert sind, daß jederzeit Streitkräfte in alle Winkel des Meeres vorstoßen können. Nur hat die neuere Zeit die Kette der englischen Festungen reichlich entwertet, weil schnellaufende Kriegsschiffe mit weittragenden Geschützen ebenso wie unzählige Bomber mit Leichtigkeit die Engländer in ihren Stützpunkten aufsuchen können. Aber auch die eigentlichen Anlieger st aaten haben sich gegenseitig die Lage nicht erleichtert. Frankreich kann von seinen südlichen Häfen und Fliegerhorsten aus Oberitalien beunruhigen, es kann unter Benutzung seiner militärischen Anlagen von Korsika aus Mittel- italien durch Bombenflieger bestreichen und die mittelitalienischen Häfen durch seine Kriegsfahrzeuge bombardieren und blockieren lassen. Umgekehrt richten sich die italienischen Stacheln gegen Südfrankreich und gegen das auf der anderen Seite der Adria liegende Jugoslawien, während von Süditalien aus das britische Malta angegriffen werden kann. Der Dodekanes darf als Ausfallstor gegen die britischen Anlagen auf C y p e r n und in Aegypten nicht vergessen werden. Von Tripolis aus können italienische Einheiten des Meeres und der Luft ebenfalls dem benachbarten Aegypten schädlich werden, während die Inseln des Dodekanes auch noch Ausgangsstellungen gegen die Dardanellen, gegen die Türkei, Palästina und Griechenland sind. Im Westen ist Gibraltar die beherrschende Stellung der Engländer; von hier auf dem Wege nach Südfrankreich legen sich die Balearen quer vor das spanische Mutterland. Sie sind stark befestigt und bilden eine noch ziemlich unbekannte Größe des politisch-militärischen Schachspiels im Mittelmeer.
Das stärkste und räumlich auch am besten gelagerte System von Festungen und maritimen Stützpunkten am Rande des Mittelmeeres befindet sich in französischen Händen. Es ist im Norden durch das starke Toulon begrenzt, das noch von einigen Häfen für kleinere Kriegsschiffe, vor allem -aber durch nicht unbedeutende Flugplätze flankiert ist. Von hier kann die französische Kampf' kraft zu Wasser und in der Luft in den Mittelmeerraum hineinströmen, um sich mit der auf der anderen Seite des Meeres gespeicherten Kampfkraft
zu vereinigen, deren Stützpunkte sich von der Grenze des italienischen Tripolis bis zum spanischen Marokko hinziehen. So ist z. B. Bizerta nicht nur ein wichtiger Kriegshafen, sondern auch die Basis großer Bombengeschwader. Bizerta liegt aber in allernächster Nähe des italienischen Sizilien und Sardinien, es ist auch vom englischen Malta nicht weit entfernt. In das Mittelmeer hineinragend, ist dieser militärische Punkt für das französische System von unschätzbarem Wert. Praktisch befindet sich durch die geschickte Anlegung von Kriegshäfen und Flugplätzen zu beiden Seiten des Meeres der ge- amte Westen, teilweise auch das Herzstück des Mittelmeerraumes in französischem Besitz.
Aber die Franzosen sind noch keineswegs zufrieden. Sie gehen jetzt daran, den Hafenplatz M e r s el Kebir bei Oran in einen Flottenstützpunkt umzuwandeln. Damit erhalten ihre Miktelmeerge-
schwader ebenso wie die Luftwaffe einen neuen Ausgangs- und Versoraungspunkt. Sie rücken aber gleichzeitig ganz nahe an die Durchfahrt zum Atlantik yeran, können also sehr rasch das Kap Ceuta umrunden und vor ihren westafrikanischen Besitzungen wirken, die ebenfalls verschiedene rnili- tärische Anlagen erster Ordnung für die Hochseeflotte besitzen. Zunächst wird aber der neue Stützpunkt die Aufgabe haben, die Kette der französischen Burgen am Mittelmeer zu verstärsten. Welches neue Glied eines Tages eingefügt wird, läßt sich heute noch nicht voraussagen. Aber zwischen Oran und Marseille liegen die Balearen. Ein schwaches Spanien kann natürlich dazu verlocken, europäische Konflikte zu benutzen, um genau westlich des italienischen Sardinien einen neuen französischen Stützpunkt aufzumachen. Es ist schon in früheren Jahren von Paris aus versucht worden, Spanien militärisch an Frankreichs Seite zu bringen und spanische Anlagen französischen militärischen Interessen dienstbar zu machen.
terspieler des Deutschen Theaters, Theodor Loo», die Wirrnisse der Herzen mit der Güte und strengen Gerechtigkeit des überlegenen Charakters; er ist ein Shakespeare-Darsteller und -sprechet aus reicher Substanz und hoher Technik. Auf der anderen Seite erwies sich Otto Wernicke in der Rolle des durchtriebenen Lucio als prachtvoller Verwandlungskünstler, der die Schwere seines Wesens zu federnder Geschmeidigkeit lockerte.
Eine Veränderung, die noch vor Jahresfrist un- möglich erschien, hat sich am Kurfürstendamm vollzogen. Im Agnes-Straub-Theater spielt« die mutige Prinzipalin nach Grillparzer, C a l d e r o n und Ibsen jetzt Goethe an einem Ort, für den einst nur leichteste Unterhaltungskost geeignet erschien. Und nun gar die „Stella"! Agnes Straub wählte als Spielleiterin die Urfaf« jung, das Schauspiel für Liebende mit der Doppelehe als Lösung, nicht das Trauerspiel mit dec Resignation in Selbstmord. Dle Aufführung lebte von den Frauen: die Straub als eine Cäcilie von ergreifender Eindringlichkeit mit schwebender Melodie, Sabine Peters als eine Stella, die den gefühlsseligen Wortkaskaden jugendliche Gläubigkeit verleiht. Mit dem unmännlichen Mann Fernando weiß allerdings auch Otto Woegerec nichts anzufangen. Die Aufführung beglückte über alle Probleme der Dichtung hinweg ein Publikum, das der Straub Abend für Abend treue Gefolgschaft leistet.
Seltsame Entdeckungen bringt Ernst Legal, der ernste und suchende Leiter des Theaters in der Saarland st raße, heraus. Das Schau- spiel „Charlotte" von Felix Lützkendorf behandelt wieder einmal den „Fall Stieglitz", der sich in der Biedermeierzeit zu Berlin zutrug: Charlotte Stieglitz tötet sich, weil sie glaubt und hofft, ihr schriftstellernder Gatte werde durch den Schmerz um ihren Tod zu einem großen Werke gereift werden — ein Vorgang, der sich in einer gefühlsseligen Zeit ereignen konnte, der heute aber durchaus als pathologischer Sonderfall wirkt, obwohl der Autor beachtenswerte Gaben mitbringt: er kann Gespräche führen, Stimmungen gestalten, Atmosphäre verbreiten und er beherrscht auch das schriftstellerische Handwerkszeug, die Sprache, Vorzüge, die heute leider nicht so allgemein sind, wie sie es sein sollten. Es bleibt dennoch ein quälendes Stück, trotz der Bemühungen von Ebba Johannsen (Dresdener Staatstheater) und Werner Scharf.
G. B. — Jae.
Büchertisch.
— Hermann Claudius: W i e ich den lieben Gott suchte. Und andere Erzählungen von Armantje. (Die Kleine Bücherei Nr. 55.) Geb. 80 Pf. Alb. Langen/Ga. Müller, München 1935. — (443) — Der Lyriker Hermann Claudius, ein Nachfahre des großen Matthias Claudius, hat schon einmal aus der Beschaulichkeit seines reifen Alters heraus von seinen frühesten Kindheitserinnerungen erzählt. Was er damals in dem Büchlein „Armantje" über seine ersten Jugendjahre zu berichten wußte, erfährt nun eine glückliche Ergänzung in diesen neuen Geschichten. Vorüber sind die Träume der Kindheit und unversehens sieht sich der Knabe in einer neuen Welt, die für ihn nicht weniger reich ist an wunderlichen Erlebnissen. Da schließt der Enkel des Wandsbeker Boten fein Herz auf und spricht von der Treue der jugendlichen Gefährten, von dem unseligen Zauber der frühen Geliebten oder auch von der sorglichen Güte der Eltern und von Heimat und Ahnen, deren segnende Kraft in allem Geschehen lebendig und allgegenwärtig ist. Schlicht und bescheiden offenbaren diese Geschichten die Innigkeit seines Gemütes — ein schönes Bekenntnis zu Heimat und Jugend.
Modernes und klassisches Schauspiel in Berlin.
Theaterbrief aus der Reichshauptstadt.
Berlin, im Dezember 1935.
Das Staatstheater am Gendarmenmarkt muß wieder an der Spitze dieser Berichte stehen: Werner Krauß, der größte deutsche Darsteller, erscheint in neuer Rolle, als Kandaules in Hebbels „Gyges und sein Rin g". Intendant Gründgens erschafft dieser abstrakten und gleichnishaften Tragödie einen Schauplatz, auf dem die sagenhaften Vorgänge allein möglich werden können, den monumentalen Königspalast eines mythischen Orients, in dem braunhäutige Menschen von assyrischer Art leben, denen der blonde Grieche Gyges (Claus Clausen) als einziger Vertreter abendländischen Wesens gegenübersteht. In dieser Welt herrscht Krauß, zu seinen vielen unvergeßlichen Gestalten eine neue fügend: ein schwarzer orientalischer Despot, jähzornig und eigenwillig zuerst, später unsicherer und müder, als er die Gewalt des Schicksals über sich erkennen muß, zuletzt von -einer großartigen, todergebenen Ueberlegen- heit. Auch um diesen Kandaules schwingt wieder, was die Unerreichbarkeit der Kunst Werner Krauß' ausmacht: die magische Atmofphäre, die nicht durch Maske und Kostüm, nur durch die seelische Wandlungsfähigkeit einer großen Darstellerpersönlichkeit erzielt wird. *
Einen Abend später, und im kleinen Hause des Staatstheaters erleben wir das Gesellschaftsstück in höchster Vollendung, bei einer Aufführung von Wildes Idealem Gatten. Hier wird, nach der heroischen Tragödie Hebbels, eine andere Seite des Daseins im theatralischen Spiegel aufgefangen und in ihrer Fragwürdigkeit enthüllt; der Spielleiter Hans L e i b e l t- leitet eine gesellschaftliche Satire, die bisweilen an die Tragödie streift, er gibt ein Beispiel, wie das Konseroationsstück als Bühnenelement seine Lebensberechtigung haben kann, wenn es so sauber gepflegt, kultiviert und ohne jene Talmimanieren gespielt wird, die das Unterhaltungsstück so oft in Verruf brachten. Wieder bewahrt sich Viktor de Kow a, der sich lange genug auf dem gefährlichen Wege des Filmlieb- lings befand, als ernster, beherrschter Darsteller (Discount Goring), und neben ihm die anderen Mitglieder dieser trefflichen Spielschar: Maria Bard (Mrs. Cheveley), Otto Graf (Sir Chiltern), Annemarie Holtz, Marianne Hoppe, Elsa Wagner. Ein Abend höchster schauspielerischer Kultur.
Mitten in das pulsierende Leben der Zeit griff das Staatstheater mit der Erstaufführung von
Hanns I o h st s Schauspiel „Thomas Paine". Der leidenschaftliche Selbstbehauptungswille und die Volkwerdung einer Nation werden am Beispiel des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges als ein Fanal für unsere deutsche Gegenwart aufgerichtet. Das geschieht nicht mit den Mitteln der Konjunkturschreiberei, sondern mit der Sprachgewalt und der kühnen Jdeenschau geballter Dichtung. „Thomas Paine" ist weniger Drama als rhapsodische Ballade, greift es dem Zuschauer ans Herz. In freier Schaltung mit den historischen Gestalten und Ereignissen zeigt Johst am Kampf und Schicksal des amerikanischen Journalisten und Freiheitshelden Thomas Paine die gemeinschaftbildende Kraft der Idee, die ins Ueberpersönliche wächst und besteht, auch wenn ihr Kinder und Sänger in französischen Kerkern vergessen und bei der Rückkehr von seinen Landsleuten nicht mehr erkannt wird, lieber dem verloschenen Körper des Freiheitskämpfers steigt der Gesang seines Liedes auf, das zum Vermächtnis geworden ist: „Nichts wäre Amerika, wären wir Amerikaner nicht, wir Kameraden, wir!"
Die Aufführung des Staatstheaters hob das Werk in die Höhe reiffter Vollendung. Jürgen Fehling hatte mit der Fähigkeit des großen Regisseurs das Spiel ganz auf die geistige Bildkraft des Wortes gestellt und erreichte eine Konzentration, die keinen aus ihrem Bannkreis entweichen ließ, die Zuschauer nicht und nicht die Schauspieler. Lothar M ü t h e l, der Titelheld, erweiterte den Umkreis seiner Gestalten um eine seiner größten Leistungen. Eugen Klöpfer war selten so straff und genau, wie hier als Washington. Ein unvergleichliches Kabinettstück bot Gustaf Gründ gen s mit zwei kurzen Szenen und wenigen Sätzen. Dieser Ludwig XVI., dekadent, mit hängendem Bauch, aber als erstarrte Form ein faszinierender Abglanz einstiger Königsherrlichkeit, bot einen Anblick der erschütternd war und ebenso unvergeßlich ist, wie der Klang der von Mark Lothar vertonten Freiheitshymne.
Einen großen Abend hatte auch das Deutsche Theater, als es Shakespeares weise Komödie „Maß für Maß" herausbrachte. Die tiefe Lebenskenntnis und überlegene Menschenverachtung des Dichters brachte Erich Engel, nach vielen Filmerfolgen ans Deutsche Theater zurückgekehrt, mit dem derben Spaß der prallen Lebenslust zu schöner Ausgeglichenheit in einer Aufführung, die vom gedämpften Ton und der Durchsichtigkeit des Kammerspiels getragen wurde. Als menschenprü- fender Herzog schürzte und löste der große Eharak-
läßt und dann unter aufgeregtem Gequietsche her- m einer Mutterrolle, Hilde vonStolz, unterfährt. Das Wichtigste ist ja doch, den gan- Bio r nson Tibor v o n Halrnay, zen Tag in Hosen herumzurennen Aarl und H. von ^eyerink Dk
u Y , f # << 1 r • _ . r* fil L. StA (/-111 r*- (ölt Adttofn 1YYI (H I n r I O C ’ n n 11. 0
Der Film
zurka" mit Pola Negri.
Zeitschriften.
Malerei,
Hedda Rudolf
n Tag in Hosen yerumzurennen.
" Skihaserl fdjnallt seine Ski ab und kehrt für Die Mittagszeit ins Privatleben zurück. Mit scheuem Blick streift es ein paar Geübte, die gewichtig durch den Speisesaal wandeln. Seine gespitzten Ohren erhaschen einen dramatischen Bericht: „... im letzten Moment einen Christiania gerissen, gestanden wie ein Grenadier, ein Millimeter vor dem Abgrund. Dem staunenden Zuhörer wirbelt der Kopf von Quersprüngen, Telemarks und Schwüngen. Der nächste Tag bringt einen großen Moment. Eine neue Gestalt taucht am Uebungshügel auf, startet im ungeeigneten Augenblick, kriegt feine Fußspitzen nicht auseinander und hat Angst. Skihaserl hilft, gibt Ratschläge und hebt die Hingefallene wohlwollend auf. Vierzehn Tage später sitzt es mit einigen Zünftigen zusammen und spricht nur noch von Stemmbögen und Geländesprüngen. Em neues Skihaserl sitzt ehrfurchtsvoll am Nebentisch und lauscht mit gespitzten Ohren...
läuft seit gestern im Gloria-Palast; das Beiprogramm bringt einen Kulturfilm, die Fox- Wochenschau und je einen Vorspann zur „Blonden Carmen" und zu dem neuen Forst-Film „Ma-
„Es flüstert die Liebel
Na was flüstert sie wohl? Die alte Geschichte natürlich, bitter und süß zugleich, und nicht einmal o leise, daß nicht die andern, die indiskreterweise zugucken, auch etwas davon hätten. (Sonst war s nämlich kein Tonfilm.) Und wo flüstert sie? In Venedig, am Lido, da geht es am besten, und zuletzt noch ein wenig in Ungarn, in der Pußta, der seit eh und je beliebten Landschaft des Films und der Operette. Die Handlung ist ein bißchen weitschweifig und kommt etwas umständlich m Gang, aber es geht alles in sehr großem Stil zu und auch alles aut aus, was beides immer gerne gesehen wird Geza von Bolvary führt Regle, auch in Mir großem Stil — die Aufzahlung der Mitglieder seines Stabes vom ersten Assistenten bis zum Requisiteur erfordert im Programmheft fast dop- velt so viel Raum wie das Personenoerzelchms —: er hat den richtigen Griff für eine Inszenierung 0[2>r Art, und das Hübschest- daran sind ahne öd die weiträumig und bildhaft geschnittenen Landchasien, die den Schauplatz abgeben Gustav Fröhlich hat in dieser Hauptrolle nicht beson- d-rs viel zu fpielen, es geht etwas amerikanisch zu mit viel Kostumwechsel, er darf sich zu Ps-rd-, im Frack im Motorboot, sogar im Badeanzug pho- toaravdieren lassen, was wir bis ,etzt noch nicht Nabt haben, aber er macht es sehr netb Sem- Partnerin heitzt Elma Bulla: wir haben den Namen noch nie gehört, das Gesicht noch me geloben man muß aber zugeben, daß st- sich mit dieser Rolle sympathisch, eingesuhrt hab Dom ubr>- gen Ensemble dis berühmte Hedwig Bleib treu
Skihaserl.
Don Felizitas v. Reznicet.
Mit Beginn des Weihnachtsurlaubs kommt der Skihase auf die Welt. Seine Geburt ist denkbar einfach. Einer hat ein Brettl geschenkt, jemand anderes einen Funkelnagelneuen Norwegeranzug, und unter Zuhilfenahme einer feschen Baskenmütze erwacht Skihaserl zu einem neuen Leben. Sehr sicher fühlt es sich zunächst noch nicht Bereits im ersten Augenblick verliert es seinen rechten Ski, noch ehe es einen Schritt getan l)at. Es kostet einige Mühe, den Ausreißer wieder einzufangen, und bann beginnen schüchterne Gehversuche, Die sich — wie bei allen Sabies — in der Richtung nach einwärts abspielen und eine wilde Verwirrung der Skispitzen zur Folge haben. Weich barauf vollzieht sich die Taufe mit frisch gewaschenem Schnee Nachdem diese Vorbedingungen erfüllt sind, wird Skihaserl in die Gilde der Skibeflissenen aufgenommen. Die erste Stunde dient der Erlernung der arundleaenden Regeln des Brettlsports. Die neueste Forschung ergründete, daß die linke Skispitze Verner männlich, die rechte weiblich ist. Daraus ergtebt fid) ein rastloser Trieb beider Spitzen, Einander zu gelegen. Viel Geduld, Geschicklichkeit und nötigenfalls rohe Gewalt unterdrücken tm Lauf der Zeit diesen Naturtrieb.
Als nächstes erkundet Skihaserl einen zweiten Charakterfehler seiner Brettln. Obwohl dl e eigentlich Diener ihres Herrn sein sollten, haben sie einen verwerflichen Hang zur Selbständigkeit Mögen Fortgeschrittene unter dem Pappschnee leiden, Weltmeister vergeblich zu starten versuchen Ski- hajerl darf sich nur unter starken Sicherungsrnaß- nahmen am Feld beroegen. Sofortige unfreiwillige Abfahrt wäre die Folge, Als weitere Wiffenschaft beschäftigt sich Skihaserl mit der Baumkunde L-tz^ Weisheit dieses Studiums ist, daß der Schuler sich dasllr entschließt, dem einzigen Baum aus der Uebungswiese nicht mehr auszuweichen So kann er nach erfolgtem Zusammenstoß wenigstens Mit Recht behaupten, daß es mit seinem Willen ge- Än sei, Skihaserl hat sich, nach hausigen Berührung n mit dem Schnee und Herstellung zahl- reicker- Badewannen" die Grundregeln e.ngepragt Der Skianzuq sieht nicht mehr ganz neu aus, und Sk H°I- " l°usi m kühner Schußfahrt zu,Tal, D°r Berzw i lungsschrei „Achtung, Anfänger " verschosst ibm ?reie Bahn denn aus Meilen ,m Umkreis er-
■u »rL hit Flucht Mit elegantem Schwung P'jt, a^Ll oor b7r Schneegans die entsetzt den
— „Die Kun st", Monatshefte für Plastik und Wohnkultur. 37. Jahrgang Heft 3, Der- lag Bruckrnann, München. Der Leitaufsatz „Franz von Defregger" von Dr. Hubert Wilm zur 100. Wiederkehr seines Geburtsjahres ist eine (Ehrenrettung des oft ungerecht beurteilten Meisters volksnaher Kunst. Reiches Bildmaterial zeigt eine Reihe feiner weniger bekannten Werke. Der Bildhauer Josef Thorak entwickelt in seinen kraftvollen Pla- stiken eine seltene Ausdrucksfähigkeit und bildnerische Formgebung. Unsere Aufmerksamkeit fesseln ferner „Bildnisse von Frauen mit Schmuck", aus dem Wettbewerb der Deutschen Gesellschaft für Gold- schmiedekunst von Fritz Hellwag und eine Anzahl schöner graphischer Arbeiten des Offenbacher Schriftkünstlers Otto Reichert. Befähigtes Künstler- tum offenbart sich in den Plastiken der Bildhauerin Jngeborg von Rath, von denen besonders die holzgeschnitzten lebenerfüllten Figuren der Weihnachtskrippe starken Eindruck Hervorrufen. Im zweiten Teil finden wir unter anderem „Ein altes Häuschen — heute" von Adolf Haag, „Kleiner Umbau" von Arch. Alfred Kicherer. „Neue Tafelgedecke mit Handbemalung", Goldschmiedearbeiten von Johann Michael Wilm, und „Der neue Königsplatz in München" von Dr. Wilhelm Rüdiger.
— „Der Naturforscher", vereint mit „Natur und Technik". Preis vierteljährlich 2,50 Mark, Einzelheft 1— Mark. Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde. — Das Dezember-Heft enthalt wieder eine stattliche Reihe von Aufsätzen aus den verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebieten. Erste Fachleute berichten anschaulich und allgemeinverständlich über ihre Sondergebiete. Dr. med. A. Stimpfl zeigt an Hand von ausgezeichneten Beispielen in Wort und Bild die Bedeutung der Röntgenstrahlen auf. Der Tierseelenforscher Dr. Werner Fische! schildert seine Unterfuchungsverfahren über die Frage „Vergangenheit und Zukunft im Leben höherer Tiere". Der Vogelkenner und Vogelphotograph K. Gerhard bringt Beobachtungen und ganz hervorragende Aufnahmen von der Wasseramsel. Dr. Hugo Weigold erzählt unter Beifügung eindrucksvoller Aufnahmen über feine Erfahrungen auf mehreren Forschungsreisen: „Wie reist man heute in Südosttibet?" — Einen Ausflug „Mit der
Kamera ins Reich der Samen" unternehmen Studienrat M. Deckart und Dr. Kurt Meyer. Prof. Dr. Walther Schoenichen erläutert die „Verordnung zur Durchführung des Reichsnaturschutzgesetzes". — „Vom Heimstoff Aluminium" und feiner Bedeutung für unsere Wirtschaft macht Dipl.-Ing. F. Pachtner sachverständige und allgemein bemerkenswerte Ausführungen. Wieder reihen sich zahlreiche kleine Beiträge und Forschungsergebnisse aus allen Gebieten an; ferner Die Bücherschau, die Neuerscheinungen und die beliebte Preisfrage. Unter den Anregungen zur Naturbeobachtung ist als sehr zeitgemäß die Anleitung von Dozent Heinz Scheibenpflug zu begrüßen, die er in Wort und Bild gibt, um „Spuren im Schnee" richtig anzusprechen. Alles in allem: ein ausgezeichnetes Heft dieser reichbebilderten führenden Zeitschrift für Naturkunde.
Hochschrilnacknchien.
Don den amtlichen Verpflichtungen wurden entbunden auf eigenen Antrag: Professor Dr. Ernst Bruck, Ordinarius für Dersicherungsrecht an der Universität Hamburg; Professor Dr. Ernst Hoffmann, Ordinarius für Philosophie an der Universität Heidelberg; Professor Dr. Ernst P e r e l s , Ordinarius für Geschichte und geschichtliche Hilfswissenschaften an der Universität B e r • lin; Professor Dr. Hans Rosenberg, Ordinarius für Astronomie an der Universität Kiel; Professor Dr. Otto Strauß, Ordinarius für Indische Philologie an der Universität Breslau.
Von den amtlichen Verpflichtungen wurden ferner auf Grund der einschlägigen Gesetze entbunden: Pro« fessor Dr. Hermann Diesselhorst, Ordinarius für Physik an der Technischen Hochschule Braunschweig; Geh. Regierungsrat Professor Dr. Wilh. Volz, Ordinarius für Geographie an der Universität Leipzig.
Im März 1935 wurde zu Ehren des berühmten Physikers Geh. Rat Professor Dr. Philipp Lenard dem Physikalisch-Radiologischen Institut der Universität Heidelberg die Bezeichnung „Philipp-Le- nard-Jnstitut" verliehen. Die feierliche Einweihung des Instituts unter dem neuen Namen findet dieser Tage unter Teilnahme von Reichsstatthalter Robert Wagner und der badischen Regierung statt. In einer Vortragsreihe über „Deutsche Naturwissenschaft" sprechen eine Reihe von Heidelbergern und auswärtigen nationalsozialisttschen Wissen- schaftsvertretern. .
Der Dozent für Betriebswirtschaftslehre Dr. Fritz Fleege-Althoff ist mit Erlaß des Herrn Reichs- und preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung zum außerordent- lichen Professor an der Universität Heidelberg ernannt worden.


