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ser Sanktionsstaaten noch weiter auseinander zu reißen, das kann allerdings erst die Zukunft lehren.

Mussolini läßt das scharfe Schwert der Gegen­sanktionen in seiner Faust blitzen, aber in der anderen Hand hält er noch einmal seinen Gegnern den Palmwedel des Friedens entgegen. Die italienische Note weist darauf hin, daß Italien ein Gründermitglied des Völkerbundes war, daß es im Kriege geblutet hat, um diesen Genfer Bund schaffen zu können, und daß es auch jetzt eine weitere Komplikation des Konfliktes zu vermeiden wünsche. 06 dies versteckte Friedensan­gebot bei den englischen und französischen Adressaten Gehör findet, wird sich vor den britischen Unter­hauswahlen sicher nicht entscheiden. Es muß aber zweifelhaft fein, ob die britische Regierung das Risiko einer endgültigen Entfremdung mit Italien auf sich nehmen wird. Die französische Regierung wird ein übriges tun, um eine Entspannung zwi­schen den befreundeten Großmächten herbeizufüh­ren und sie wird dabei nicht versäumen, die Ge­dankengänge der italienischen Note als dankens­werte Verhandlungsstütze gegenüber London zu ge­brauchen. Es ist bezeichnend, daß es ein nationa­listische- französisches Blatt ist, dem der italienische Unteii'taarssekretär S u v i ch das folgenschwere Ver­sprechen gegeben hat, Italien werde nach S t r e s a zurückgehen und in den Kreis der konservativen Mächte Frankreich und England zurückkehren, wenn man es nur sechs Monate ungestört in Abessinien handeln lasse.

Ist es nicht eine Ironie der Geschichte, daß gerade die Staaten, die einst unter der scheinheiligen Pa­roleVerteidigt die Demokratie!" den Weltkrieg entfesselten, die Versailler Zwangsordnung begrün­deten und sie mit der Genfer Institution verklei­deten, heute von einem der Ihren auf den Weg der Revision des bestehenden Zustandes gezwun­gen werden? Es scheint eine ausgleichende Ge­rechtigkeit zu geben, die dafür sorgt, daß kein Miß­brauch getrieben wird mit den höchsten Idealen der Menschheit. Es ging den Weltkrieg-Alliierten nicht um Demokratie und Frieden, sondern ganz einfach um die Vergrößerung ihres materiellen Besitzstandes. Es ging auch den Dölkerbundsmächten nicht um Recht und Gesetz, sondern um die Siche­rung der Kriegsbeute. Es geht auch heute um nichts anderes. Der gegenwärtige Konflikt ist nur deshalb so bedeutungsvoll, weil sich an ihm zeigt, wie schnell jede menschliche Ordnung vergehen muß, die nicht den natürlichen Entwicklungsgesetzen der Völ­ker entspricht. Dieser Erkenntnis werden sich auch England und Frankreich beugen müssen. Das Schick­sal ihres einstigen Waffengefährten zwingt sie dazu.

Der Eindruck in London.

London, 13. Nov. (DNB. Funkspruch.) Die ita­lienische Protestnote an die Sanktionsstaaten wird, soweit ihre Argumente in Betracht kommen, in der Londoner Presse nicht ernst genommen. Die Times" erklärt, die italienischen Ansprüche könnten keinen Einfluß auf Beschlüsse haben, die nach langer und sorgfältiger Prüfung gefaßt worden seien. Die Behauptung, daß Italien seine Völkerbundsverpflich­tungen nicht verletzt habe, brauche nicht ausführlich beantwortet zu werden, denn die Völkerbundssatzung sei allzu klar. Ebenso sei die Kritik bedeutungslos, daß der Völkerbundsausschuß keine Zuständigkeit habe. 52 Negierungen hätten einstimmige Entschei­dungen getroffen und die moralische Wirkung die­ser Einstimmigkeit werde durch die geringe Zahl besonderer Vorbehalte kaum geschwächt. Solange Italien nicht dazu gebracht werden könne, dem Streit ein Ende zu machen, müßten die anderen Mächte auf der Durchführung ihrer Auf­gaben, die ihr von Italien aufgenötigt worden seien, beharren.

In einer Meldung des römischen Berichterstatters desDaily Telegraph" heißt es, in amtlichen Krei­sen sei erklärt worden, der Schlüssel zu Italiens Protestnote sei an der Stelle zu finden, wo ver­langt werde, daß jeder Sanktionsstaat di? eigene Verantwortlichkeit für die be­schlossenen Sühnemaßnahmen übernehmen solle. In­dem Mussolini die kollektive Verantwortlichkeit des Völkerbundes leugne, entziehe er sich der folgerich­tigen Handlung eines völligen Bruches mit Genf. Das italienische Außenministerium sei sich durchaus darüber klar, daß die einzig mögliche Regelung des abessinischen Streites durch Genf erfolgen müsse. Aus wirtschaftlichen Gründen werde ein schneller Frieden dringend gewünscht, nachdem jetzt die mili­tärische Ehre Italiens befriedigt, und gewisse Streckengebiete erobert worden seien. Eine Schlie­ßung der Genfer Tür würde Verhandlungen ver­zögern. Man glaubt, in der italienischen Note noch den in letzter Minute unternommenen Versuch wahrzunehmen, die Sanktionsfront zu durchbrechen. Indern der Duce ihnen sagt, sie könnten sich nicht hinter der kollektiven Verantwort­lichkeit des Völkerbundes verstecken, hofft er, einige kleinere Staaten so weit einzu- schüchtern, daß sie die geplanten Sühnemaßnahmen a u f s ch i e b e n oder ganz aufgeben.

polen gegen die Politik hinter den Kulissen".

Warschau, 13. Nov. (DNB. Funkspr.) In den letzten Tagen haben bereits mehrere polnische Blätter eine lebhafte Beunruhigung über die Mög­lichkeit gezeigt, daß sich aus der französisch-englisch­italienischen Fühlungnahme das Entstehen eines neuenKonzertes der Groß­macht e" andeute, oder vielleicht gar ein W i e d e r- aufleben des Vierer-Paktes. Unter der ÜberschriftHinter den Kulissen" weist das Mi­litärblattP o l s k a Z b r o j n a" auf die Tatsache hin, daß dauernd Verhandlungen zwischen London, Paris und Rom und insbesondere zwischen Rom und London stattfänden, während doch die kriegführenden Seiten Rom und Addis Abeba und die offiziell interessierten Seiten der Völker­bund, Italien und Abessinien wären. Die Verhandlungen, die die Großmächte außer­halb des Völkerbundes führten, feien ein Ausdruck der Sonderinteressen der Großmächte. Man müsse daran erinnern, daß solche Verhandlun­genhinter den Kulissen" Polen seinerzeit veran­laßt hätten, sich von allen Unternehmungen fern­zuhalten, die darauf ausgingen, die europäischen Probleme durch eine Gruppe von Staaten regeln zu lassen, während sie ausschließlich zur Zu­ständigkeit der internationalen Einrich­tungen gehörten.

Italien lehnt Büchereinfuhr aus Frankreich ab.

Rom, 11. Nov. (DNB.) Der faschistische Buch­händlerverband hat den auf einen französischen Antrag zurückgehenden Beschluß des Genfer Sank­tionskomitees, wonach Bücher, Zeitschriften, Zeitungen u. a. von dem gegen italienische War^n erlassenen Einfuhroerbt ausgelassen

Litauen greift zu neuen Willkürmaßnahmen.

Neuer Bruch des Memelstatuts.Direktorium gegen die Landtagsmehrheit.Was gedenken Gignatarmächte und Völkerbund zu tun?

Es hat sich allmählich in der Welt herumgespro­chen, daß das litauische Gefasel über das Memel­land nichts anderes war, als ein plumper Versuch, allen denen Sand in die Augen zu streuen, die wohl über die Memelfrage debattierten, ohne aber mit den Segnungen positiven Wissens um die be­stehenden Verhältnisse ausgestattet zu sein. Leider muß festgestellt werden, daß selbst in der Presse der Signatarmächte des Memel­statutes eine geradezu erschreckende Unkennt- n i s über staatspolitische, geographische, wirtschaft­liche und rassische Zustände in dem umstrittenen Ge­biet zu verzeichnen war bzw. ist, so daß mit irgend­welchen objektiven Vorkenntnissen nicht gerechnet werden darf.

Diesen Leuten haben die jüngsten Wah­len die Augen geöffnet. Außerdem waren zahl­reiche ausländische Berichterstatter Augenzeugen des friedlichen Kampfes mit dem Stimmzettel, der zu einem so überwältigenden Bekenntnis zum Deutsch­tum geführt hat. So konnte es kommen, daß auch professionell deutschfeindliche Blätter in Westeuropa der Hoffnung Ausdruck gegeben haben, nunmehr werde wohl die Memelfrage bald und endgültig bereinigt werden können.

Litauens Position ist dadurch nicht rosiger gewor­den. Nachdem wenigstens offiziell und zu einem Teil die Konsequenzen aus dem bisherigen Verhalten, aus den Terrorakten und den Vergewaltigungsmaß- nahmen gezogen werden mußten, ist aber alles unterblieben, was auch nur entfernt nach einer versöhnlichen Geste hätte aussehen können. Einige Reden allerdings find seither gehalten wor­den, aber dabei ist es geblieben. Vielleicht war es auch nur der große Schreck über die derbe Quit­tung des 29. September, der die verantwortlichen Manager in Kowno dazu veranlaßt hat, einige Zeit lang die Luft anzuhalten.

Wenn nicht alle Anzeichen trügen, scheint man sich jetzt, gestützt auf den sowjetrussischenVerbündeten" und auf die Ermutigung, die immer wieder aus dem Westen hinübergeblasen wird, zu neuen ruhmvollen Taten aufgerafft und den letztenDreh" gefunden zu haben. Als erstes Anzeichen vermerkten wir den Plan zur Schaffung einer Staats­polizei aus Großlitauen, der dem Ar­tikel I des Anhangs zur Memelkonvention strikt zu­widerläuft. Denn hier wird bestimmt, daß die Landes- und Ortspolize i v e r w altung der autonomen Verwaltung des Memelgebiets ob­liegt, also Litauen nichts hineinzureden oder gar an­zuordnen hat. Hier liegt also ein neuer eklatanter Rechtsbruch der litauischen Machthaber vor.

Ein zweiter noch schlimmerer Rechtsbruch wäre die Verwirklichung der Absicht, die Verhandlungen um die Regierungsbildung abzubrechen und ein Direktorium aufzurichten, an dessen Spitze ein Abgeordneter der litauischen Minderheit Endrius Borchertas stehen soll; ein Mann also, der von vornherein des Mißtrauens der überwältigen­den Mehrheit des Landtages sicher sein kann. Es

mag schon jetzt darauf hingewiesen werden, daß eine solche Brüskierung des memelländischen Volks- willens nicht ohne werteres hingenommen werden darf. Wenn das Memelstatut entgegen dem völlig eindeutigen Ergebnis der Landtagswahl noch einmal zum Spielball litauischer Willkür gemacht werden wird, wenn die Machthaber in Kowno entgegen den feierlich ab­gegebenen Versicherungen erneut eine Dik­tatur brutal st er Gewalt aüfrichten sollten, dann werden die Memelsignatare endlich ein Macht­wort zu sprechen haben, das den ganzen Spuk auffliegen lassen wird.

Bereits vor Wochen wurde davon gesprochep, daß nur ein vorübergehendes Völkerbunds - regime wie das im'Saargebiet und eine darauf folgende unparteiisch geleitete Volksabstim­mung als befriedigender Ausweg aus der Misere

bezeichnet werden darf. Zn der Tat scheint die lln» fähigkeit und Instinktlosigkeit des litauischen Zwerg­staates sich erst in ihrer ganzen Größe darbieten zu sollen, bis entscheidende Schritte getan werden. .Deutschland erhebt", so sagte der Führer in Nürnberg,keinerlei unbillige Forderung, wenn es verlangt, daß Litauen zur Einhaltung der unter­zeichneten Verträge mit tauglichen Mitt ein angehalten wird. Am Ende aber hat eine 65- Millionen-Nation das Recht zu verlangen, daß Jte wenigstens nicht minder respektiert wird als die Willkür eines Zwei-Millionen-Volkes. Es wäre eine lobenswerte Aufgabe des Völkerbundes, fein Interesse der Respektierung der Autonomie des Memelgebietes zuzuwenden und es praktisch wirksam werden zu lassen, ehe auch hier die Ereignisse Formen annehmen, die eines Tages^nur von allen Seiten bedauert werden könnten..

Der Litauer Borchertas mit der Bildung des neuen Direktoriums beauftragt.

Memel, 12.Nov. (DNB.) Der Gouverneur des Memelgebietes hat einen der fünf litauischen Abgeordneten des Memelländischen Land­tages, den früheren hafendirektor Borchertas, mit der Bildung des Direktoriums be­auftragt. lieber den Auftrag veröffentlicht die Litauische Telegraphenagentur folgende Meldung: Schon bei der Vorstellung des Präsidiums beim Gouverneur wurde die Frage der Bildung des Direktoriums berührt. Darauf hat der Gouverneur das Mitglied des Landtages Borchertas beauftragt, mit den Fraktionen wegen der Bil­dung eines Direktoriums Verhand­lungen aufzunehmen. Borchertas hat feine Fühlungnahme bereits ausgenommen.

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Maßgebend für die Ernennung des Präsidenten des Direktoriums ist nach dem Statut nichts ande­res als das Wahlergebnis. Die fünf litaui­schen Abgeordneten, also auch der litauische Abge­ordnete Borchertas, sind nur auf den Krücken der aus Großlitauen zum größten Teil widerrecht­lich eingebürgerten Elemente in den Landtag hineingekommen. Ihnen gegenüber steht die geschlossene Einheitsliste mit 24 Abgeordneten. Es ist sonderbar, daß der litauische Gouverneur in dieser unvergleichlich grö­ßeren Anzahl keinen Präsidenten finden will. Die Beauftragung eines Vertreters der kleinen litaui­schen Minderheit ist wiederum eine Herausfor­derung der gesamten Bevölkerung des Memelgebietes und steht im krasse­sten Gegensatz zu den Bestimmungen des Statuts, zum Haager Urteil vom 11. Au­

gust 1932 und vor allem den in jüngster Zeit wie­derholt abgegebenen feierlichen Verspre­chungen der litauischen Regierung gegenüber den Signatarmächten und sogar vor dem Völkerbund. Ebensogut wie Borchertas hätte man auch den zurückgetretenen Bruwelaitis wieder beauftragen können. Man hat den Signatarmächten der Memel- konvention selbst schriftlich versprochen, ein Direk­torium nach öen Bestimmungen des S t a- tuts zu bilden, d. h. also ein solches Direktorium, das d a sV e rt rauen des Landtages erhält.

Borchertas, der früher Borchert hieß, gehört feit jeher z u den extremsten und fanatisch­sten Vertretern der litauischen Parteien im Memelgebiet und hat stets in einem unüber­brückbaren Gegensatz zu der autono­mietreuen großen Mehrheit der memel- ländischen Bevölkerung gestanden. Er war bereits Mitglied des ersten litauischen Direktoriums G a i- l i u s, das nach dem litauischen Einfall ins Me­melgebiet gebildet wurde. Später wurde er Präsi­dent des Direktoriums und erhielt am 23. Novem­ber 1925 vom ersten memelländischen Landtag das Mißtrauensvotum. Ende 1926 wurde er je­doch wieder Mitglied des litauischen Direkto­riums Falk, das ebenfalls das Miß­trauen des Landtages erhielt. Borchertas gehörte auch dem darauffolgenden litauischen Direktorium S ch w e l l n u s an, das im Januar 1927 den Land­tag ftatutmiörig auflöfte und ihn neun Monate ausschaltete, um schon damals nach dem Willen der kleinen litauischen Minderheit gegen die große Mehrheit der Bevölkerung regieren zu kön­nen. Borchertas gehörte ferner den meisten Land­tagen des Memelgebietes als Führer des li­tauischen Blocks an.

werden sollen, ignoriert und beläßt es seinerseits bei seiner grundsätzlichen Ablehnung aller Druckereierzeugnisse aus den Sank- tionsstaaten. Der Wunsch Frankreichs, das jährlich für sechs Millionen Franken Bücher, Zei­tungen usw. in Italien absetzte, fei zwar begreiflich, ganz besonders, wenn an die damit verbundene Kultur- und politische Propaganda

Frankreichs gedacht werde. Wer aber glaube, Italien lasse in Zeiten des Sanktionskrieges U n - terscheid ungen zwischen Erzeugnis und Er­zeugnis zu, täusche sich. Wer Italien das Eisen für seine Geschütze und für seine landwirtschaftlichen Ma­schinen verweigere, könne nicht gleichzeitig Riesen­beträge für Urheberrechte, Bücher, Zeitungen usw. aus Italien herausholen.

Der italienische Vormarsch an der Somalifront.

Der unverändert rasche Vormarsch der Italiener besonders an der Südfront hat auf dem abes­sinischen Kriegsschauplatz eine völlig neue Lage ge­schaffen. Obwohl das Gelände im Südosten Abessi­niens für geländegängige Motorfahrzeuge im all­gemeinen geeignet ist, hatten die Abessinier gleich­wohl große Hoffnungen darauf gesetzt, daß d i e Wasserarmut der dortigen ausgedehnten Wüstengebiete die Nachschubschwierigkeiten der Ita­liener aufs äußerste steigern würde. Diese Hoff­nungen haben sich ebensowenig erfüllt wie die­jenigen, die man auf den Kleinkrieg setzte, wobei man um jede Wasserstelle in der Wüste zu kärnp-

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fen und sie im äußersten Fall unbrauchbar zu machen gedachte. Die enorme Geschwindig­keit des Vormarsches der Italiener hat alle diese Spekulationen über den Haufen geworfen. Sie haben an der Südfront, wo sie noch vor acht Tagen auf der Linie BurdodiGerlobubiUal-Ual stan­den, in einer Woche weit über 300 Kilometer zu­rückgelegt, haben die Hälfte des Wages nach der angeblichen Hauptwiderftandslinie der Abessinier im Osten, HarrarDjidjiga bereits hinter sich und haben die besten Aussichten, infolge des dort ver­hältnismäßig günstigen Geländes ihre Tanks und Panzerwagenabteilungen schon in wenigen Tagen bis zu der genannten abessinischen Linie vorzu- treiben.

Daß der Gegner diese Stellung, die so gut wie gleichbedeutend mit dem Besitz der nördlich davon verlaufenden einzigen Bahn ist, mit allen Kräf­ten verteidigen will, ist feit dem 3. Oktober von abes-

sinischer Seite oft genug zu hören gewesen. Setzen die Abessinier hier an diesem entscheidenden Punkt der Ostfront den Italienern nicht mit allen verfüg­baren Mitteln äußersten Widerstand entgegen, so wird mit einem Fall der Linie HarrarDjidjiga die Abschnürung des ganzen östlichen Viertels von Abessinien Tatsache. Welchen Einfluß das u. a. auf die Existenz und den Betrieb der Eisenbahn haben wird, die in französischem Besitz ist, wurde bisher weder von italienischer noch von französischer Seite geklärt. Man darf wohl annehmen, daß die Italie­ner dann in jedem Fall in westlicher Richtung nach Innerabessinien vorstoßen, die Hauptstadt Addis Abeba nehmen und dann die Verbindung mit der südwärts dringenden Nordarmtze suchen werden falls nicht unerwartete Ereignisse dazwischen­treten.

Der Aufmarsch der abessinischen Truppen.

Addis Abeba, 13. Nov. (DNB. Funkspruch.) Die Bestrebungen der Italiener, die Bahn Addis Abeba Dschibuti zu erreichen, wer­den immer mehr erkennbar. Die Abessinier treffen ihre Gegenvorkehrungen. Etwa 40 000 Mann haben nördlich der Bahn Stellung bezogen, während eine andere Gruppe in Stärke von 35 000 Mann, unter Deöjasmatfd) Abeba Datowz, die südlich der Bahn liegenden Höhenzüge besetzt hält.

Der italienischen Vormarschbewegung in der D a n a k i l - W ü st e hat die abessinische Heereslei­tung Sultan Mohammed Jajou mit etwa 30 000 Mann entgegengestellt. Diese Truppen wer­den gemeinsam mit den Truppen des Ras K a - bade, der über 40 000 Mann verfügt, und mit Unterstützung der 50 000 Mann umfassenden A r - mee des Kronprinzen die endgültige Bar­riere für den italienischen Vormarsch bilden. Dem ersten Angriff dürfte Sultan JajouinderPro- o i n z A u s s a ausgesetzt sein, die die italienischen Truppen noch nicht betreten haben sollen.

Internationale polizei-Znnktagnng in Berlin.

Am Dienstag trat in Berlin der Funk-Fachaus­schuß derI n t e r n a t i o n a I e n kriminalpo­le i z e i l i ch e n Kommission zu einer Arbeits­tagung zusammen, zu der Frankreich, Litauen, Po­len, Ungarn, Tschechoslowakei, Holland, Rumänien, Oesterreich, Spanien und die Schweiz Polizei-Funk- fachmänner abgeordnet haben.

Nach einer Begrüßungsansprache des Generalse­kretärs der Kommission, Hofrat Dr. Dreszler,

Wien, eröffnete der Befehlshaber der deutschen Po­lizei, Generalleutnant D a I u e g e die Tagung. Von Deutschland ging die Anregung zstr Schaffung des Internationalen Polizeifunknetzes aus. Als es geschaffen wurde, übernahm die Polizei-Hauptfunk- stelle des Deutschen Reiches in Berlin die Aufga­ben derInternationalen Polizeifunkstelle", die sie nunmehr seit sechs Jahren inne hat. Ein großer Teil der europäischen Staaten sei heute bereits an dieses internationale Polizeifunknetz angeschlossen. Viele ständen jedoch noch abseits und andere sind nur als Empfänger ange^chlossen. Ein Gesetz, das noch offene Maschen ausweise, könne jedoch seinen Zweck nicht voll erfüllen. General Daluege gab da­her der Hoffnung Ausdruck, daß auch die übrigen Länder für den Anschluß an das internationale Polizeifunknetz gewonnen würden. Die Arbeits­tagung hatte bereits den Erfolg, daß zwei Staaten, Spanien und die Schweiz, die bisher dem internationalen Funknetz nicht angefchlosfen waren, sich bereit erklärt haben, an der internationalen Zu­sammenarbeit teilzunehmen.

Erhöhter Flottenhaushalt in Frankreich.

Der Finanzausschuß wird Mittwoch den Flot­tenhaushalt für 1936 prüfen. Man ist von der früheren Einteilung der Ausgaben für laufende Kosten und der Ausgaben für Neubauten abgekom­men. Im Flottenhaushalt 1936 werden nur noch d i e Ausgaben für laufende Kosten auf« geführt werden. Die Ausgaben für die anderen Rüstungs-, Ausrüstung- und Bauarbeiten werden auf einer besonderen Seite geführt wer­den. Um Bauoerzögerungen und ungenügende Rü­stungen aufzuholen, wird der Flottenhaushalt 1936 höher sein, als der von 1935. Die Gesamtaus­gaben liegen mit 3429 Millionen Franks rechnerisch 526 Millionen höher als im Vorjahr. Allerdings soll die tatsächliche Erhöhung sich auf 115 Millionen beschränken.

Die Erhöhung des Marinemann- schaftsbestandes beläuft sich auf 4650 Mann, mit deren Einstellung bereits begonnen ist. Die Ausgaben für den Unterhalt des Personals sind von 1228 Millionen auf 1144 Millionen Franks 1936 gesunken, die Ausgaben für Material und laufende Kosten von 347,5 Millionen auf 373 Mil­lionen h e«r a u f g e s e tz t worden. Für die An­legung von Brennstoffoorratslagern, Hafenwerk- ftätten, Küstenobwehr, das Aufstapeln von Vor­räten an Lebensrnitteln, Bekleidungsstücken und Arzneimitteln find 332 Millionen Franks vorge­sehen (vorher 509 Millionen). Die Ausgaben für Flottenneubauten stiegen von 1233 auf 1547 Millionen Franks für das schwimmende Ma­terial, die für Marineluft st reitkräste von 287 auf 307 Millionen Franks. Man erklärt, daß die Krediterhöhungen die unmittelbare Folge der Entwicklung der internationalen Lage der letzten zehn Monate seien.

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