OerReichswettkamps -erGA. in Gießen.
Sturmbann 11/116.
Unter Leitung des Führers des Sturmbann 11/116, Obersturmführer Bender, Gießen, werden folgende Wettkämpfe durchgeführt:
Leibesübungen (100 »Meter * Lauf, Weltsprung, Kugelstoßen, Keulenweitwurf und 3000- Meter-Lauf): am 14. Juli, Sturm 5/116, 7 Uhr, Mtv.-Sportplatz, Gießen; Sturm 45/116, 10 Uhr, Mtv.-Sportplatz, Gießen.
Kleinkaliberschießen: am 14. Juli, San.- Sturm der Brigade 147, 7 Uhr, Schützenhaus (Gie- ßen); Sturm 8/116, 8 Uhr, Schützenhaus (Gießen).
Querfeldeinlauf: am 16. Juli, 20.30 Uhr, Sturm 5/116, im „Nizza" (Gießen); am 17. Juli, 20.30 Uhr, Sturm 45/116, im „Nizza" (Gießen); am 18. Juli, 20.30 Uhr, San.-Sturm der Brigade 147, im „Nizza"; am 19. Juli, 20.30 Uhr, Sturm 8/116, im „Nizza" (Gießen).
10 - Kilometer - Marsch: am 20. Juli, 20.15 Uhr, Richtung Gießen—Hausen.
Sturmbann III/116.
Unter Leitung des Führers des Sturmbann III/116, Obersturmbannführer Bender, Hungen:
Leibesübungen: am 14. Juli, 5 Uhr, Sturm
9/116, in Grohen-Buseck, Sportplatz; 5 Uhr, Sturm 10/116, in Steinbach, Sportplatz Garbenteich; 5 Uhr, Sturm 11/116, in Hungen, Sportplatz Galgenberg;
5 Uhr, Sturm 12/116, in Lich, Sportplatz Turnhalle Lich.
Es wird noch einmal ganz besonders darauf hin- gewiefen, daß die Oeffentlichkeit diesem Kampfe vollständig kostenlos beiwohnen kann. Da es sich bei dem Reichswettkampf nur um Mannschaftskämpfe handelt, und jede am Kampfe teilnehmende Einheit über sportlich gut ausgebildete Männer verfügt, so kann man heute schon voraussagen, daß den Zuschauern ein schöner und hochwertiger sportlicher Kampf gezeigt wird.
Kein Volksgenosse sollte es sich nehmen lassen, diesem großen Wettkampf unserer SA. beizuwohnen, auch wenn die Stunde des Beginns des Kampfes (5 Uhr morgens) etwas früh erscheint.
Ein späterer Kampfbeainn würde die Leistungen infolge der zu erwartenoen großen Hitze sehr beeinträchtigen.
Deutsche Volksgenossen! Bestätigt durch reckt zahlreichen Besuch des Reichswettkampfes der SA. eure Anteilnahme an ihrer Aufbauarbeit!
Abfahrtzeiten sind: Mit der Dahn ab Gießen 8.15 Uhr, Dutenhofen 8.21, Wetzlar 8.35, an Niederlahnstein 10.17 Uhr. Mit dem Schiff ab Niederlahnstein 10.30, an Bingen 14 Uhr. Rückfahrt: ab Bingen 15.15 Uhr, an Nieder-Lahn- stein 18.15, ab Nieder-Lahnstein 18.43, an Wetzlar 20.20, an Dutenhofen 20.32, an Gießen 20.41 Uhr. Die Teilnehmer aus dem Kreis Gießen erhalten auf Grund ihrer Fahrkarte für die An- und Abfahrt nach Gießen 75 Prozent Ermäßigung.
Der Deutsche ©fcnografentag 1935.
Der Führer stiftet einen Ehrenpreis.
Für das große kurzschristliche Leistungsschreiben, das anläßlich des Deutschen Stenograsentages in Frankfurt a. M. abgehalten wird und an dem sich schätzungsweise fünftausend Stenografen beteiligen werden, sfehen hundert Schreibmaschinen zur Verfügung. Der Führer und Reichskanzler hat sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift als Ehrenpreis für die beste Arbeit gestiftet.
Der Deutsch-Amerikaner H o ß f i e l d , der Inhaber des Weltrekords im Maschinenschreiben, der ebenfalls nach Frankfurt kommt, wird sich nicht an dem Wettbewerb um die Deutsche Meisterschaft im Maschinenschreiben beteiligen, sondern außer Konkurrenz seine Fertigkeit in aller Oeffentlichkeit zeigen. Die Teilnahme an dem Kamps um die Meisterschaft im Maschinenschreiben ist nur für deutsche Maschinenschreiber offen, da es sich um einen nationalen Wettbewerb handelt.
25 Jahre bei der provinzialdirektion Oberhessen.
Provinzialamtmann S ch ü l l e r m a n n bei der Provinzial-Direktion Oberhessen konnte am vergangenen Donnerstag auf eine 25jähriae Dienstzeit bei dieser Behörde in Gießen zurückblicken. Provinzialamtmann Schüllermann wurde in Erbach i.O. geboren, besuchte in Michelstadt die Realschule und trat dann beim Kreisamt in Erbach in den Dienst der staatlichen Behörde. Am 11. Juli 1910 wurde er zur Verwendung bei der Provinzialdirektion Oberhessen nach Gießen versetzt. Provinzialamtmann Schüllermann, ein stets pflichttreuer und gewissenhafter Beamter, genießt allgemein große Wertschätzung.
Erfrischungsgetränke und Sa'ate aus deutschen Erzeugnissen.
Der Reichskommissar für Preisüberwachung hat soeben mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen, daß Zitronen durchaus nicht als unentbehrliche Einfuhrware zu betrachten sind. Für die praktische Nutzbarmachung dieser Erkenntnis liegt heute ein recht dringender Anlaß vor. Abgesehen davon, daß es an sich wirklich nicht erforderlich ist, unsere kostbaren Devisen bzw. die anderen Zaylungsmöglich- keiten im Außenhandel für Waren in Anspruch zu nehmen, die in mindestens gleicher Qualität und Verwendungsmöglichkeit aus der eigenen Erzeugung bereitstehen, wird der Verbraucher jetzt durch eine in Aussicht stehende erhebliche Preis st ei- gerung für Zitronen auf den Gebrauch deutscher Erzeugnisse hingewiesen. Es braucht uns wirklich nicht zu beunruhigen, daß die Einfuhrpreise für italienische Zitronen von Ende Mai bis Anfang Juli von 42 auf 95 Lire je Kiste gestiegen sind. Wir sind weder für die Herstellung erfrischender Sommergetränke noch für die Zubereitung von Salaten auf die Zitronen angewiesen. Gemüsesalate, Fleischsalate, Mayonnaisen schmecken mit deutschem Weinessig oder gar feinem Kräuteressig zubereitet, mindestens ebenso gut, vielleicht sogar noch herzhafter, als wenn man Zitronen dazu verwendet.
Der deutsche Weinessig ist ein ebenso natürliches Erzeugnis wie ä. B. die Zitrone. Es ist eine Feststellung angesehenster Ernährungssachoerständiger, daß der deutsche Weinessig dem Zitronensaft in bezug auf Bekömmlichkeit und gesundheitssördernde Wirkung in nichts nachsteht.
Bei den Limonaden ist es nicht einzusehen, wes
halb wir für eine „Zitrone naturell" den drei- ober aar vierfachen Preis einer doch gleichermaßen erfrischenden, bekömmlichen und aromatisch noch köstlicheren Limonade aus Himbeer-, Kirsch-, Johannis- beer- oder anderen deutschen Fruchtsäften bezahlen müsjBN. Unsere Mütter und Großmütter ha- den stets ihren Stolz darein gesetzt, den Obstsegen der Sommermonate zu Marmeladen, Gelees, ganz besonders aber auch zu Fruchtsäften zu verwenden. Gar so groß ist die damit verbundene Mühe nicht. Die Hausfrau wird sich schnell durch einen Blick in die Hausfrauen-Zeitschriften, die gerade in diesen Wochen und Monaten mit mancherlei Rezepten für die Fruchtsaftbereitung aufwarten, davon überzeugen können, mit wie wenig Mühe und doch so großem Gewinn die Speisekammer aus Erzeugnissen deutscher Obstgärten gefüllt werden kann. Dann brauchen wir weder Zitronen, noch Apfelsinen und haben jederzeit ganz unabhängig von dem, was außerhalb unserer Grenzen geschieht, Brotaufstrich für den Frühstückstisch und bas Vesperbrot und Erfrischungen, die die ganze Sonne und die Köstlich, testen des Sommersegens, Farben, Duft und Vitamine, festhalten, im Vorrat.
Es wird die Hau frau übrigens sehr interessieren, daß der Reichsnährstand durch die Hauptvereinigung der Deutschen Gartenbauwirtschaft G ü t e b e st immun g e n sowohl für Essig als auch für Frucht- säfte vorgeschrieben hat, deren dauernde lieber» wachung dem Verbraucher den Bezug wirklich preiswerter und erstklassiger Obstsäfte sichert. Wem sollte eine duftreiche und schmackhafte Limonade aus einem solchermaßen in seiner Hochwertigkeit geschützten und übermalten deutschen Kirschsaft nicht besser munden als z. B. der bittersaure Saft einer halbreifen Zitrone für vielleicht 10 ober 15 Pfennig bas Stück?
Sportkurse „Kross durch Freude".
Reiten.
Für Frauen unb Männer gemeinsam. DAF.-Ge- bühr 8 Sportmarten ä 1 Mk. = 8 Mk., Normal- Gebühr 8 Sportmarken ä 1,50 Mk. = 12 Mk. Mon- tag von 21 bis 22, Dienstag von 21 bis 22, Mittwoch von 20 bis 21, Freitag von 20 bis 21 unb 21 bis 22 Uhr jeweils Reitschule Schömbs, Brandplatz. Für die Kurse Montags und Mittwochs werden noch schriftliche Anmeldungen entgegengenommen.
Leichtathletik.
Für Frauen und Männer gemeinsam. DAF.-Ge- bühr 30 Pf., Normal-Gebühr 50 Pf. Samstag von 17 bis 19 Uhr, Universitätssportplatz am Kugelberg.
Reichssportabzeichen.
Für Frauen und Männer gemeinsam. DAF.- Gebühr 8 Sportmarken je 30 Pf. = 2,40 Mark^ Normal-Gebühr 8 Sportmarken je 50 Pf., - 4 Mk. Donnerstag von 18.30 bis 20.30 Uhr, Universitätssportplatz am Kugelberg.'
Schwimmen.
Für Frauen und Männer gemeinsam. DAF.- Gebühr 6 Sportmarken je 30 Pf. = 1,80 Mk.; Normal-Gebühr 6 Sportmarken je 50 Pf. -- 3 Mark. Montag, 18 bis 19.15 Uhr, Badeanstalt des Männerbadevereins; Mittwoch, 20 bis 21 Uhr, Volksbad; Mittwoch, 21 bis 22 Uhr, Volksbad; Samstag, 16 bis 17.30 Uhr, Lollar, Lahnbad.
Tennis.
Für Frauen unb Männer gemeinsam. DAF.- Gebühr 6 Sportmarken je 50 Pf. - 3 Mk.; Normal- Gebühr 6 Sportmarken je 1 Mk. = 6 Mark. Montag, 18 bis 19 Uhr; Montag, 19 bis 20 Uhr; Dienstag, 6.15 bis 7.15 Uhr, jeweils Stäbt. Tennisplätze am Schützenhaus.
Allgemeine Körperschule.
Für Frauen unb Männer gemeinsam. Dienstag, 19 bis 21 Uhr, Universitätssportplatz am Kugelberg; Donnerstag, 16 bis 18 Uhr, Universitätssportvlatz am Kugelberg; Freitag, 20 bis 21.15 Uhr, btefer Kursus wirb während ber Schulferien verlegt, unb zwar in bie Schillerschule.
Fröhliche Gymnastik und Spiele.
Nur für Frauen. Donnerstag, 20 bis 21 Uhr; Donnerstag, 21 bis 22 Uhr, währenb ber Schulferien in ber Schillerfchule, Schillerstraße; Freitag, 20.30 bis 21.30 Uhr, Lollar, Gasthaus „Zur Linbe", ab 16. Juli Dienstags, „Zum Schwanen".
Gießener Wochenmarktpreije.
* Gießen, 13. Juli. Auf bem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, bas Pfunb 150 bis 155, Lanbbutter 140 bis 142, Matte 20 bis 25, Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inlänbische) 10, Wirsing (grün) 12 bis 20, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 25, Gelbe Rüben, bas Bünbel 8 bis 10, das Pfund 15, Rote Rüben 12 bis 15, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 30 bis 35, (gelb) 35 bis 40, Puffbohnen 15 bis 18, Erbsen 20 bis 25, Mischgemüse 8 bis 10, Tomaten 30 bis 50, Zwiebeln, das Bündel 7, das Pfund 15 bis 18, Rhabarber 8 bis 12, Pilze 30 bis 50, Kartoffeln (alte) 4% bis 5, der Zentner 3,50 bis 4,50 Mark, (neue) 9 bis 12, der Zentner 9 bis 12 Mark, Pfirsiche 45 bis 60, Himbeeren 40 bis 45, Kirschen 40 bis 50, Heidel
beeren 35 bis 40, Stachelbeeren 15 bis 35, Johannis« beeren 18 bis 25, Erdbeeren 50 bis 60, junge Hahnen 90 bis 100, Suppenhühner 70 bis 80, Enten 90 bis 100, Tauben 50 bis 60, Nüsse 45, Blumenkohl 10 bis 45, Salat 5 bis 12, Salatgurken 20 bis 60, Ein- machgurken 3 bis 6, Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich 5 bis 15, Suppengrün 5, Radieschen, das Bund 8 bis 10 Pf.
vornottzea.
— Tageskalender für Samstag: NSDAP. Kreisgeschäftsführung: 18 Uhr im Hotel Hopfeld eine wichtige Besprechung aller Kreisamtsleiter, Kreisabteilungsleiter, Ortsgruppen- und Stützpunktleiter. — NSG. „Kraft durch Freude": 17 bis 19 Uhr Leichtathletik auf dem Universitätssportplatz am Kugelberg. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Liebe dumme Mama". — Caf6 Leck: 20 Uhr Kameradschaftsabend für Reichsheer und Arbeitsdienst. — Deutsche Stenographenschaft, Orts» gruppe Gießen: 20.30 Uhr Strandabend auf der Pulvermühle. VHC. Ortsgruppe Gießen: Abendgang nach dem Forstaarten. — „Karlsruhe": 20.30 Uhr Sommernachtsfest, Austragung des Großen Jubiläumspreises im 2er-Radball. — Schiffenberg: Sommernachtsfeier.
— Tageskalender für Sonntag: Licht» fpielhaus, Bahnhofstraße: „Liebe dumme Mama". — Schwimmverein Gießen: 11 und 15 Uhr Schwimmmeisterschaft in der Müllerschen Bade» anftaU. — Waldpartie der „Fünfziger" mit Familien zum Ludwigsbrunnen. Abmarsch 14.30 Uhr vom Fuldaer Bahnübergang am Schiffenberger Weg. — Gießener Radfahrverein von 1885 e. 23.: 15,30 Uhr Bahn-Radrennen auf dem Sportplatz 1900. — Waldeslust am Flughafen: Konzert und Tanz. — Bergschenke: Künstlerkonzert. —
—S ommernachtsfest a u f dem Schis« f e n b e r g. Am heutigen Abend findet auf dem Schiffenberg auf dem Altan eine Sommernachtsfeier stall. Auf die heutige Anzeige sei an dieser Stelle aufmerksam gemacht.
** 2) ie Sommer spielzeit im Stadt« theater. Das Stadttheater Gießen setzt am Mittwoch, 17. Juli, die Reihe der sommerlichen Gastspiele mit eigenem Ensemble fort. Am Mittwoch kommt der unverwüstliche Schwank „Der Raub der Sabinerinnen" von Franz und Paul von Schönthan unter der Spielleitung von Karl V o l ck einmalig xur Aufführung. Die Theaterleitung kommt mit der Aufführung dieses Schwankes einem bereits öfters geäußerten Wunsche vieler Theatersteunde nach. Dieser Raub ist ein Sommerschwank mit einer sowohl amüsanten wie auch wieder beschaulichen Hauptfigur gemütvoller vergangener Tage. Jedenfalls ist es angenehmste Abwechslung, diesen soliden Schwank für heiße Tage als abendliche Theaterunterhaltung auf den Spielplan zu fetzen, dessen Parole „Lachen im Theater" lautet. Spieldauer von 20 bis gegen 22.30 Uhr.
** Ein Gießener im Rundfunksprecher-Wettbewerb. Wie uns mitgeteilt wird, konnte sich Peter Heß, ein gebürtiger Gießener, (der als Sohn des Tiefbau-Bauführers i. R. Heß, Frankfurter Straße 17), der gegenwärtig in Trier feinen Wohnsitz hat, ebenfalls im Rundfunksprecherwettbewerb in die zehn Besten einreihen. Auch er wird heute abend im Rahmen des Bunten Abends des Reichssenders Frankfurt in Bad Homburg zu hören sein.
* M i t dem Schlageter-Schild aus» aezeichnet. Dem Postassistenten Pg. Fritz Anderer, Moltkestraße 16, wurde wegen seiner Beteiligung an den Kämpfen: Spartakus 1919 bis 1923, insbesondere bei der Niederwerfung des Max - Hölz - Aufstandes in Mitteldeutschland, der Schlageter-Schild verliehen.
** 25 Jahre Samenhandlung H. Hahn. Am 15. Juli begeht die hiesige Samenhandlung von Heinrich Hahn die Feier ihres 25jährigen Be- tehens. Als 1910 Herr Hahn fein Geschäft eröffnete, war das erste und einzige feiner Art hier. Der wachsende Wohlstand der Vorkriegszeit und das Aufblühen des Gartenbaues in unserer Stadt
M sanden zueinander.
Roman von Klothilde v. Siegmann
Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Derlag Halle (S.)
1 • Fortsetzung. Nachdruck verboten!
„Wenn ich Naturwissenschaft studiert habe", sagte er, „so habe ich es wirklich auch im Hinblick auf unsere Heimat getan. Man kann für die Intensivierung unserer Landwirtschaft noch eine ganze Menge tun. Ich weiß von meinem Studium her, daß zum Beispiel in Amerika viele Weizensorten und Obstsorten gezüchtet werden, die auch bei uns fortkommen könnten, sofern man die nötigen Erfahrungen besitzt. Man könnte dadurch die Qualität und den Preis für deutsche landwirtschaftliche Erzeugnisse bedeutend steigern."
„Unsinn!" sagte Tante Alberta wütend. „Eines schickt sich nicht für alle. Was auf amerikanischem Boden wächst, kann hier nicht gedeihen. Neumodische Versuche, die nichts bringen und bloß Geld kosten!"
Da hatte es den ersten scharfen Zusammenstoß zwischen Dietrich und Tante Alberta gegeben. Sie sollte ihn hier im Familienrat nicht wie einen grünen Jungen behandeln.
„Verzeih, Tante Alberta", hatte er sehr scharf gesagt. „Du redest hier von Dingen, die du nicht verstehst. Ein Beispiel: Die Winzer in der Südschweiz haben vor Jahren eine amerikanische Traube bei sich eingeführt. Diese Traube ist gegen Schädlinge unempfindlich und liefert den besten Wein, während die einheimischen Trauben von Meltau und anderen Krankheiten stark angegriffen werden. Seitdem nun die Schweizer die amerikanischen Weinstöcke haben, ist der Reinertrag für die Weinbauern über das doppelte gestiegen. Man kann überall in der Welt etwas lernen und das Beste für die Heimat herausholen. Vielleicht werde ich noch einmal auf deinem Gut, Tante Alberta, etwas Ordentliches schaffen können."
„Solange ich lebe, nicht!" hatte Tante Alberta wütend erklärt. „Du bist ein ganz unreifer Junge. Du willst weiter nichts, als für anderer Leute Geld in der Welt herumflitzen. Aber ich gebe dazu nicht einen Pfennig."
Da war es mit Dietrichs Ruhe vorbei. Er sah es noch vor sich, wie er feine Brieftasche herausgezogen und das Monatsgeld von Tante Alberta herausgerissen hatte. Zusammengeknüllt hatte er ihr den Hundertmarkschein auf den Tifch geworfen:
„Und ich verzichte auf deine Beihilfe, Tante Alberta!" hatte er, rasend vor Zorn, gesagt.
„Aber Junge, Junge!" Der alte General Heid- kemper war ganz erschrocken aufgesprungen und hatte versucht, den Neffen zu beruhigen. „Sei doch nicht immer so wild mit den Pferden!"
Dietrich halle sich losgemacht und war mit einem kurzen „Ihr entschuldigt mich wohl!" aus dem Zimmer gegangen. Mochten sie über ihn beschließen, was sie nun wollten. Mit Xante Alberta konnte er nicht mehr zusammen fein. Schlimm genug, daß er gezwungen gewesen war, bis jetzt von ihr etwas anzunehmen! Aber sich wie einen Bettler behandeln zu, lassen — nein! Lieber hungerte er sich durch, als von Tante Alberta noch einen Pfennig anzunehmen.
Das war damals der Anfang des Zerwürfnisses gewesen. Und geendet hatte es mit dem Bruch zwischen ihm und Jutta. Wie deutlich alles vor seinen Augen stand! Als wäre es gestern gewesen, und lag doch schon Monate zurück. Er hatte nicht geglaubt, jemals noch nach Schloß Veltheim zu kommen. Und nun war er doch hier. Und drüben im Wohnzimmer saß Jutta.
„Woran denken Sie denn, Herr Graf?" fragte Justizrat Niemann. Er hatte den stumm Hin, und Hergehenden eine ganze Weile beobachtet. Das Gesicht mit dem völlig abwesenden Ausdruck zeigte ihm — Veltheim war mit seinen Gedanken überhaupt nicht hier.
„Verzeihung, Herr Justizrat — sagten Sie etwas? Ach so, ja! Wo waren wir doch? Jetzt weiß ich. Bei diesem rätselhaften Besuch Juttas bei Tante Alberta. — Wenn ich nur einen Zusammenhang zwischen Ihren Erzählungen und diesem unglückseligen Testament fände!"
Justizrat Niemann lächelte fein.
„Sollte der so schwer zu ergründen sein, Herr Graf? Ich denke mir die Geschichte so: Fräulein von Bergfelde hat Ihrer Tante soviel Nettes von Ihnen erzählt, daß die ihre Ansicht über Sie gründlich revidiert hat. Der Erfolg dieser Revision ist eben bas Testament. Seien Sie doch nicht so töricht, Herr Graf. Erbe Frau Albertas zu werden und Herr auf Veltheim, das ist nicht zu verachten. Besonders, wenn man es fo schwer hat wie Sie. Verzeichen Sie, Herr Graf, daß ich daran rühre. Aber Sie wissen ja, wie ich es mit Ihnen meine!"
Dietrich Veltheim sah den alten Herrn freundlich an:
„Das weiß ich ganz genau, Herr Justizrat! Und raunte wich ja auch freuen, wenn nicht diese fnaufel wäre. Wie kann Tante Alberta die Erb- schäft davon abhängig machen, daß ich mich inner- halb eines Jahres verheirate?"
„Vermutlich, weil sie selbst wünschte, daß das Zerwürfnis zwischen Ihnen und Fräulein von Bergfelde beigelegt wird."
Veltheim wurde blaß:
„Ach so meinen Sie? Sagen Sie mal, Herr Justizrat: Hat meine Tante über diesen Punkt mit Ihnen gesprochen?"
Justizrat Niemann zögerte:
„Das hat sie allerdings! Ich weiß nur nicht, ob ich das nicht als .vertraulich' behandeln soll."
Veltheim war noch einen Schein blasser geworden. Er legte die Hände auf die Schultern des Justizrats. Ein Forschen und Bitten war in seinen Augen:
„Herr Justizrat, Sie wissen, ich hasse große Worte. Wenn ich Ihnen jetzt sage, von der Beantwortung meiner Frage hängt mein Leben ab, dann können Sie mir glauben, es ist so. Hat Tante Alberta mit Ihnen über Jutta und mich gesprochen? Ja oder nein?"
„Ja!"
„fiat sie Ihnen gesagt, wieso sie plötzlich ihren Sinn mir gegenüber geändert hat? Wer sie zu diesem Testament bestimmt hat?"
„Frau Alberta gestand mir, daß sie durch Fräulein von Bergfelde Sie nun in einem anderen Licht sähe. Daß sie keinen innigeren Wunsch hätte, als daß zwischen Ihnen und Fräulein von Bergfelde alles wieder wie früher würde. Daß Sie Herr auf Schloß Veltheim würden —."
„Und Jutta von Bergfelde Herrin auf Veltheim!" Dietrich sagte es schneidend. Es schwang eine solche Verachtung in diesen Worten, daß der alte Justizrat ganz erschrocken war.
„Allerdings, Herr Graf! Aber was befremdet Sie denn fo daran?" Dietrich von Veltheim lackte hart auf:
„Eigentlich sollte es mich nicht betreffen. Herrgott, was bin ich doch immer noch für ein Träumer! Für ein lächerlicher Tor! Ich kann und kann es mir nicht abgewöhnen, an den Anstand der Menschen zu glauben."
„Ich begreife nicht, Herr Graf?"
„Sie werden bald begreifen, Herr Justizrat, wenn ich Ihnen etwas sage, das auch ich als »absolut vertraulich' zu behandeln bitte: Wissen Sie, warum die Verlobung zwischen Jutta von Berg- felde und mir seinerzeit zurückging?"
„Keine Ahnung, Herr Graf!"
„Weil Fräulein von Bergfelde erwartet hatte, ich würde der Erbe Tante Albertas werden unb ihr als meiner Frau einen glänzenden Platz in der Gesellschaft verschaffen. Als sie hörte, daß ich mich mit Tante Alberta überworfen hatte, da war es plötzlich mit der leidenschaftlichen Liebe meiner Halbkusine Jutta zu mir aus. Wir hatten noch eine Aussprache. Jutta verlangte von mir, ich sollte Tante Alberta um Entschuldigung bitten, meine Zukunftspläne aufstecken und mein Leben nach Tante Albertas Wünschen richten. Das mußte ich ablehnen. Da gab mir Jutta den Laufpaß. Einen armen Mann könnte sie nicht heiraten, erklärte sie mir. Sie wüßte selber zu genau, was Armut bedeutete. Sie wollte einmal sorglos leben — ihr Dasein genießen. Wenn ich so unvernünftig wäre, mich mit Tante Alberta zu Überwerfen, müßte ich eben die Folgen tragen."
Dietrich schwieg. Um seinen Mund war Qual der Erinnerung. Behutsam fragte der alle Justizrat r
„Sie haben an dieser Trennung von Fräulein von Bergfelde sehr gelitten, Herr Graf?"
Diellich nickte:
„Sprechen wir nicht davon, Herr Justizrat! Sie waren ja auch einmal jung und können sich viel» leicht vorstellen, was es heißt, wenn man zum ersten Male liebt und enttäuscht wird. Aber die Zeit hat mir geholfen. Sie wissen ja, ich ging dann mit der Expedition des Professors Williams, des deutsch-amerikanischen Austauschprofessors, auf Forschungsreisen. Die neuen Erlebnisse haben mir geholfen. Vor allen Dingen aber mein Wille, mich von dem Kummer nicht unterkriegen zu lassen."
„Und Sie haben in den zwei Jahren nichts mehr von Fräulein Bergfelde gehört?"
„Nichts, Herr Justizrat, bis zum gestrigen Tage, der mich hierher führte. Ich habe Jutta überhaupt noch nicht einmal gesehen. Aber jetzt ist mir ver» schiedenes klar geworden, und ich weiß das eine: diese Spekulation soll nicht gelingen! Einmal habe ich mich in Jutta getäuscht, jetzt soll sie sich in mir täuschen. Darf ich das Testament noch einmal sehen?"
Schweigend reichte Justizrat Niemann Veltheim das Dokument herüber:
„Mein Neffe Dietrich Bellheim wird mein Uni« versterbe, sofern er innerhalb eines Jahres sich verheiratet", las Dietrich von Veltheim halblaut. Eine scharfe Falte stand in seiner Stirn.
Justizrat Niemann beobachtete ihn schweigend.
Jetzt hob Veltheim mit einem Ruck den Kopf. Sein Gesicht schien noch härter und kantiger zu werden:
„Sie haben doch mit meiner Tante die Fassung des Testaments genau durchgesprochen, Herr Jull'z» rat! Warum hat sie denn nicht hineingeschrieben: Sofern mein Neffe innerhalb eines Jahres Jutta von Bergfelde heiratet?"
„Das hat sie lange überlegt, Herr Graf! Aber sie wollte es nicht. Es sollte nach außen hin nicht so aussehen, als ob diese Ehe unter dem Zwang Ihrer Tante entstanden wäre. Frau Alberta konnte ja auch auf keinen anderen Gedanken kommen, als daß nur Fräulein Jutta als Ihre Frau in Frage käme."
„Das verstehe ich nicht, Herr Justizrat! Tante Alberta wußte doch ganz genau, daß zwischen Jutta von Bergfelde und mir alles aus war. Wieso konnte sie erwarten, daß alles wieder gut werden würde?"
„Aber das ist doch ganz einfach", meinte Justiz» rat Niemann lebhaft. „Fräulein von Bergfelde hat doch Ihrer Tante ausdrücklich versichert, daß nur Ihre Armut, Herr Graf, der Grund für sie ge« wesen wäre, die Verlobung zu lösen. Sie hätten Fräulein Bergfelde nicht einer langen Brautschaft ohne Aussichten aussetzen wollen."
(Fortsetzung folgt!)


