Mittwoch, 15. Marz IW
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Nr. 61 vierter Blatt
Vom Motorboot bis zum Spirituskocher!
schrei und weckt. Es ist Spätnachmittag, die Hühner sammeln sich, sie sind satt und müde. Es ist die beste Zeit zum Schuß, wenn man nicht etwa die Mondnacht abwarten will, um das gesprenkelte Federvolk bequem und höchst unweidmännisch vom Baum zu schießen.
Landsam, behutsam ist der Farmer dem rhythmisch zitternden Locken der Perlhühner auf der Spur. Die Flinte anschlagbereit. Wald, Heimat und Sehnsucht sind vergessen. — Es ist, als ob der erste Mensch dahinschritte in seiner Leidenschaft für die Jagd und dem Wunsch, Nahrung zu erwerben. Die Dornen halten den Arm bisweilen ein wenig auf. Die Hitze des gelben, sonnendurchglühten Sandes kriecht vom Fuß aufwärts bis unter den breitrandigen Hut. Spannung hundertfach erlebt .. Es ist das einzige im Gleichlauf der Jahre, was neben der Arbeit, der Sehnsucht und Hoffnung aufrecht erhält.
Aber Perlhühner sind einfacher und naturnäher in ihren Trieben — sie haben einen Wachtposten aufgestellt: einen alten, lederhäutigen Hahn, der mit seinem tremolierenden Warnungsschrei alle Berechnungen des Jägers über den Haufen wirft. Antwort ringsum aus empört angstvollen Kehlen des Hühnervolks Sturz und Strom eilender Hühnerkrallen. Flucht, Rettung.
Ein kurzer Fluch der Enttäuschung, dann hängt das Gewehr wieder am Riemen. Es zittert ein wenig über der Schulter des Farmers, der seiner Frau ein frisches Nachtmahl versprach. Doch was nicht sein soll, vermag man nicht zu erzwingen. Der Farmer wendet sich heimwärts, er beschleunigt seinen Schritt, denn bald wird die schnelle afrikanische Dämmerung das Land — Busch, Boden und Him-
worden. Wird sich diesmal in in der Mandschurei, die noch Platz für 45 Millionen Einwohner hat, und die nur aus China kommen können, der gleich« Prozeß wiederholen? Die Chinesen sagen mit abgeklärter, selbstsicherer Ruhe: „Ja!", sie rechnen sogar diesmal mit einem „viel kürzeren Zeitraum", nämlich mit „nur" 150 bis 200 Jahren. Der schnelllebige Europäer wird über diese Fristsetzung heut« vielleicht lächeln, er darf aber nicht vergessen, daß die Japaner über kurz oder lang als militärische Schrittmacher des bäuerlich-kaufmännischen Chine- sentums auch die Mongolei ihrem Aktionsradius einzubeziehen versuchen werden und daß damit dem Vordringen des Chinesentums an die sibirische Grenze Tür und Tor geöffnet wird. Sieht man die Dinge in der Mandschurei von diesem Gesichtspunkt aus an, dann wird man die eigentliche Bedeutung der Stadt Charbin erkennen: dereinst ein Vorposten Europas im Fernen Osten, ist sie heute zu einer vorn „Gelben Meer" umbrandeten Nachhut st ellung geworden, die aber trotzdem ihre überragende Bedeutung bei allen kommenden kriegerischen Auseinandersetzungen behalten wird, auch wenn die Würfel über ihr Schicksal heute bereits gefallen sind ...
Erbschleicher« oder Liebe?
Schon als die siebenundsiebzigjährige Amerikane- rin Baele Le Roy mit dem erst zweiundzwanzigjährigen Tänzer Louis Saneza de la Cuadra in Cannes auftauchte, raunte man, daß die Verwandten der Frau ihr spätes Liebesabenteuer mit höchstem Mißfallen betrachteten und ihren Begleiter als Erbschleicher verdächtigten. Als die alte Frau im Oktober 1932 starb, enthielt ihr Testament denn auch im wesentlichen die Bestimmung, daß der Tänzer ihr Universalerbe sein solle. Dies Testament wurde von ihren Angehörigen angefochten: es wurde nicht nur behauptet, daß die Frau zweifellos nicht mehr im vollen Besitz ihrer Geisteskräfte gewesen sei, als sie es abfaßte, sondern man erbot sich auch den Beweis zu erbringen, daß sie damals hilflos im Krankenhaus gelegen habe und? nur durch eingeschmuggelten Sekt in eine solche freigebige Stimmung versetzt worden sei. Zum allgemeinen Erstaunen aber hat nunmehr der zuständige Gerichtshof in Monte Carlo festgestellt, daß das Testament in jeder Beziehung korrekt verfaßt ist und daß ihm stattgegeben werden muß. Unlautere Beweggründe sind nach den Ermittlungen des Gerichtshofes dem Tänzer nicht nachzuweisen, und so wird er in den Besitz eines Vermögens von mehr als drei Millionen Mark gelangen. Besonders eigenartig ist, daß auch Frau Baele Le Roy auf ungewöhnliche Weise Besitzerin ihres Vermögens wurde. Sie war mit Rutgers Le Roy verlobt gewesen, und ihr Bräutigam starb zwei Stunden vor der' Hochzeit. In seinem Testament aber hatte er bereits rechtsgültig seine Braut zur Universalerbin seines riesenhaften Vermögens gemacht.
panern einfach durch das Gewicht seiner Masse erdrücken wird. Kommen doch schon heute über 28 Millionen Chinesen auf einige Hunderttausend Japaner in der Mandschurei — dabei reißt der Strom der chinesischen Einwanderung überhaupt nicht ab! Denn der Chinese ist nun einmal in erster Linie Bauer und Kaufmann — beides in der Vollendung! — während der Japaner in erster Linie Soldat ist. Die Waffen im Kampf um die Mandschurei sind also sehr ungleich, zwei Welten ringen unsichtbar miteinander: auf der einen das zahlenmäßig schwache soldatische Japan, das alle seine Kräfte auf die militärische und verwaltungstechnische Sicherung bzw. Organisation des politisch Erreichten konzentrieren muß, auf der anderen das numerisch überlegene, bäuerlich - bürgerliche China, dessen Menschenmassen die Mandschurei langsam, aber unaufhaltsam zu überfluten beginnen, die als Bauern das Land besiedeln und kolonisieren, und die als Kaufleute eine Stadt nach der anderen erobern.
Und das Endergebnis? Genau nach dem Muster der Japaner haben ein st die Mandschus das große China erobert und sind von den Chinesen im Laufe einiger Jahrhunderte restlos aufgesogen
dere geführt haben", während jie selbst sich — । zwar nicht auf das Heiraten allein, sondern auf ] den Handel mit diesen Kriegen beschränkt hat. Diese Stadt hat nämlich immer das merkwür- , dige „Glück" gehabt, „E t a p p e n - H a u p t o r t" in irgendeinem großen Feldzug gewesen zu sein, und da „Etappe" und „rollender Rubel" von jeher ein und der gleiche Begriff gewesen ist, liegen die Ursachen des Werdens und Wachsens dieser „ewigen Etappen-Stadt" klar vor Augen.
Das Fundament ihrer Größe wurde im chinesisch-japanischen Kriege gelegt. Im russisch-japanischen Kriege von 1904/05 war Charbin das Zentrum der russischen Heeres-Jnten- dantur und des gesamten Nachschubs; über das gleiche Charbin liefen im Weltkriege die in Dairen und Wladiwostok gelandeten amerikanischjapanischen Kriegsmaterialien, die für die deutschrussische Front bestimmt waren. Später, im „Kampf zwischen Weiß und Ro t", wurde diese Stadt die Etappe Koltschaks, nach dessen Zusammenbruch sich Charbin des besonderen Interesses des Hauses Morgan erfreute. Amerika — sprich „Morgan" — hatte in und um Charbin noch Weltkriegsmaterial im Werte von Hunderten von Millionen Goldrubeln lagern, das vom kaiserlichen Rußland im großen Kriege bestellt, infolge der Revolution nicht mehr abgenommen und bezahlt, und von dem geschlagenen Admiral Koltschak nicht mehr geschützt und bewacht werden konnte. Um diese Schätze vor den „Roten" zu retten, wurden seinerzeit — Upton Sinclair hat das in ein?m seiner Bücher sehr anschaulich geschildert — amerikanische Freiwilligen-Bataillone nach der Mandschurei überführt — angeblich, um gegen die „Rote Weltgefahr" zu kämpfen, in Wirklichkeit nur, um die Schätze des Hauses Morgan zu retten und in Sicherheit zu bringen ...
Kaum elf Jahre nach Friedensschluß annektierten und besetzten die Japaner die ganze Mandschurei und schoben ihre Vorposten bis an den Amur im Norden, bis an die Grenze Sibiriens im Westen und bis tief in die Mongolei vor ... damit ist das zentral hinter den drei Fronten gelegene Charbin wiederum Etappen-Hauptort geworden — sollten einmal die Büchsen zwischen Rußland und Japan losgehen, dann wird das heute im Halbschlaf dahindämmernde Charbin seine traditionelle Rolle von neuem übernehmen und aus diesem Kriege die gleichen Vorteile, wie aus allen bisherigen zu ziehen verstehen, lieber diesen, dann um das wichtigste Zentrum der Mandschurei entbrennenden Kampf — den Pessimisten in drei, „Optimisten" in spätestens fünf Jahren erwarten — schon heute Betrachtungen anzustellen, ist ein müßiges Unterfangen — hier soll von einem nicht minder erbitterten Kampf gesprochen werden, der heute mit unblutigen Mitteln in aller Stille von Japanern, Chinesen und Russen um den wirtschaftlichen Besitz dieser Stadt geführt wird.
Charbin hat über 500 000 Einwohner, lieber 400 000 davon sind Chinesen, 75 000 Russen, der Rest Japaner und Fremde, die zahlenmäßig eine verschwindende Minderheit bilden. Trotzdem greift Japan unaufhörlich auf der ganzen Linie an, und sein „Hauptangriff" richtet sich zunächst ausschließ-
Sind aber Russen und „Europäer" erst einmal aus dem wirtschaftlichen „Kampf um Charbin" ausgeschaltet, dann ist die Bahn für das Ringen um die Stadt zwischen Japan und China frei.
Den Erwerb der Mandschurei begründete Japan in erster Linie mit seinem Rohstoffmangel und der Notwendigkeit, Raum für seinen B e- völkerunasüderschuß zu gewinnen. Das erstere ist richtig, der zweite Punkt sehr umstritten. Denn trotz großzügiger japanischer Propaganda und aller staatlichen Unterstützungen ist die bäuerliche japanische Einwanderung so gering, daß sie im Vergleich zur chinesischen Völkerwanderung, die in den letzten Jahren aus Nord-China eingesetzt hat, überhaupt nicht in Erscheinung tritt. Die Gründe sind sehr einfach: Einmal kann der an die milde Seeluft gewohnte Japaner das rauhe mandschurische Klima nicht vertragen. Zum andern kann er mit dem viel billiger arbeitenden chinesischen Bauer nicht konkurrieren und zum dritten hält ihn die Angst vor dem Banditenunwesen und die Furcht vor chinesischen Racheakten davon ab, sein Glück als Kolonist in Mandschukuo zu versuchen. Infolgedessen beschränkt sich die japanische Einwanderung fast ausschließlich auf Kaufleute, Beamte und „Militärpersonen", denen wie überall in der Welt — vergleiche den Kampf des Rumänentums um die fie- benbürgisch-deutfchen Städte — die Hauptlast des Ringens zufällt.
Am leichtesten hat es natürlich derjapanifche Beamte und das Militär: sie brauchen „par oidre du mufti" nur „eingesetzt" zu werden: Infolgedessen steht in der Theorie heute Charbin — wie alle anderen Städte auch — zwar unter der Verwaltung chinesischer, zu „Mandschuren" gestempelter Beamter, in der Praxis ist Charbin aber bereits von den japanischen Beamten und Militärs erobert worden, die in Form von geschäftsführenden „Beratern" den Chinesen zur Seite gestellt sind.
Die Industrie tut das ihre, um durch die Herstellung leistungsfähigen Sportgeräts den Wassersport nach Kräften zu fördern. Sie erkannte, daß nur haltbare und zugleich billige Wasserfahrzeuge und Ausrüftungsgegenstände zur Volkstümlichkeit und Ausbreitung des Wassersports beitragen kann.
So sieht man in dem weiten Raum der Ausstellungshalle vom Motorboot bis zum Spirituskocher alles, was den Wassersportler angeht. Stand reiht sich an Stand: Faltboote,
lich und allein gegen die Russen. Diese Russen bilden die letzte, geschlossene „Nachhut", die Europa auf dem fern-östlichen Wirtschafts-Schlachtfeld der Mandschurei noch zur Verfügung stehen. Das „Gros" wurde genau vor 30 Jahren bei Mukden vernichtend geschlagen und das, was sich heute beim „Kampf um Charbin" abfpielt, ist nichts anderes als der Versuch Japans, den militärisch unvollständigen Sieg von 1905 auf legalem, unblutigen Wege zu einem „restlosen" zu machen, das heißt ohne eigenes Risiko die letzten Russen aus der Mandschurei' hinauszumanöverieren. „Nordmandschurische Bahn" — die ihren Sitz in Charbin hat — und „Russen" sind ein und der gleiche Begriff: wird diese Bahn verkauft, dann haben die ausschließlich von und mit der Bahn lebenden Russen in Charbin jede Existenzberechtigung verloren, sie müssen das Land verlassen, und Japan hat damit eine weitere Schlacht gegen Europa gewonnen.
Einsamkeit des in ter Dämmerung geisterhaft sich wandelnden Dornbusches, die untilgbare Abwehr des afrikanischen Urbodens gegen die Gewalten der Fremde sind stärker als das Hirn des Farmers und die europäische Vernunft. Er sieht den vermeintlichen Vogel auf der Verandamauer, er weiß, daß dieser Vogel im Grunde ihm Nutzen bringt, er weiß, daß man niemals gegen ein Haus schießen darf, er weiß ... doch irgend etwas in ihm ist stärker, hebt magnetisch fein Gewehr ... ein glücklicher Augenblick des Zögerns hält den Finger am Abzug für Sekunden auf.
Auf der Veranda fällt eine Nadel zu Boden, der Kopf der sich niederbeugenden Frau verschwindet hinter der schützenden Mauer. Ein Schuß zerreißt die große Stille der herabsinkenden Nacht Schrot fällt taub von der Wand ... Der Farmherr, der große Omuhona, wurde von Gottes gütigem Flügel bewahrt ...
Wassersport ist Volkssport!
Was es auf der Großen Berliner Wassersport-Ausstellung 1935 zu sehen gibt.
Von unserem berliner $. K.-Berichierstatier.
OerKampf um Charbin
Von unserem £. T.-Berichierstatier.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Mandschukuo, Februar 1935.
„Bella gerant alii, tu fei ix Austria nudel" — dieser alte Spruch, der die Heiratspolitik der Habsburger glossierte, die statt „Kriege zu führen" sich ein Weltreich „er-heirateten", könnte — — allerdings mit einer kleinen Variation — auch das Wappen der Stadt Charbin schmücken, die in knapp einem Menschenalter vom Barackenlager zur Halbmillionen st adt, und damit zum volkreichsten Gemeinwesen der Mandschurei aufgestiegen ist.
Diesen märchenhaften Aufschwung verdankt diese merkwürdige Stadt ausschließlich „Kriegen, die an»
Eine originelle Erfindung: ein zusammenlegbaresHolzboot. Auf der Wasser- sport-Ausstellung am Kaiserdamm sieht man unter anderen interessanten Neuigkeiten dieses eigenartige Boot, das aus vier einzelnen Teilen beftcht. Zusammengelegt bildet das Boot einen verschließbaren Kasten, der auf zwei Rädern leicht transportiert werden kann. Die vier Teile werden durch zehn Flugei- schrauben miteinander verbunden, so daß in kurzer Zeit ein wassertuchtiges Boot entsteht.
Wie kaum ein zweiter Sport hat sich der Wassersport die breiten Volksmassen erobert. Er bringt den Menschen in unmittelbare Berührung mit Der Natur, er schließt ihm die Schönheiten der deutschen Lande auf und schenkt ihm Erholung und Gesundheit. Kraftstählend sind die sportlichen Veranstaltungen zu Wasser, in denen sich die s» _ J. , Or,. aamX fC 1 a w» HMlrtrvwtrfl
„Symphonie der Liebe."
Lichtspielhaus.
Dieser Film, der in einer internationalen Konkurrenz in Venedig preisgekrönt worden ist und auch sonst von sich reden gemacht hat, erscheint hier als die deutsche Fassung einer ausländischen Produktion (Slavia) und gibt dem Besucher die immerhin nicht häufige Gelegenheit, fremde Leistungen auf dem Gebiete des Films mit unseren einheimischen zu vergleichen. Was uns in erster Linie interessiert, ist die Regie, die bewußt neue und eigene Wege geht: sie beschränkt den Dialog, das gesprochene Wort überhaupt, so sehr auf das äußerste Mindestmaß, daß man sich stellenweise m die Zeiten des stummen Films zurückversetzt glaubt. Alles was an Ausdruck und Wirkung auf den Zuschauer übertragen wird, geht vom Bild aus, vom optischen Eindruck, und vom Zusammenklang von Bild und Ton, also hier einer Musik die mehr fein will als gefällige und zufällige Begleitung. Sie stammt von Dr. Gmseppe Be cce, des en Name uns aus zahlreichen Alpenfilmen geläufig ist: auch in dieser Partitur wiederholen sich die stürmischen Klangoerbindungen, die für Becces Film-Musik typisch sind, aber er hat sich ohne Zweifel bemüht auf den besonderen Stil des Werkes e nauaeben und hat auch ur eine ganze Reihe »on “Ä SieW«? Sefurt«. deren die Handlung bedarf. Die Handlung ist s einfach wie möglich: Eine junge F^u ftteht aus der Ehe mit einem viel alteren, ungeliebten Mann der sie nicht versteht und nicht glücklich machen kann, und findet die Erfüllung ihres Lebens an der Seite eines anderen, der in allen Stucken der Gegenpol jenes ersten ist. Das ist em an sich Dürftiger Tatbestand, aber es ist erstaunlich, was höchst kultivierte, feinnermge und empfindliche Regieführung des Spielleiters Gustav M a ch a t y (unterstützt von einer ausgezeichneten Pdowgraphie) daraus gemacht hat: em Kammerspiel, fast ftunun, sehr lebendig aber durch die Gestaltung von Ges und Umwelt, szenischem Gesamtbild und Detail. Hier ist jede Bewegung wichtig, jeder Gegenstan mitspielend, nichts zufällig, sondern Zugehörig und einbezogen, eine Stimmung, em Symbol oder sogar so etwas wie ein optisches Leitmotiv enthaltend. &nb »1= ein Raum ober ein lebloser Gegenstanb Im Bilbablaus zum Bestandteil der Handlung w^d, Io ist auch di- belebte Natur, em Tier, eine Blume, line Wolke, ein Regenfall einbezogen m das br°. »atische Gesamtbild. Was die Reg.e Zu leisten vermag, kann verfolgt werden etwa an der Schil. derung einer Autofahrt, zweier 'Bferbe, tue ein-
mel verwandeln. .
Doch hinter der unverbrauchten Patrone im Flin- tenlauf sitzt unüberwindlich der unerfüllte Wunsch — der Wunsch zu schießen, zu tötet, zu gewinnen.
Bold taucht der freie Platz um das Wohnhaus auf. Die weißen Mauern schimmern durch das soeben einsetzende, ungewisse Dämmerlicht. —
Am Tisch hinter der Derandabrüstung sitzt die Frau des Farmers, die Farmherrin. Sie hält den Kopf ein wenig niedergebeugt, sie näht. Der Haarkranz mit der kleinen Sonnenhaube, wie sie die Frauen hierzulande gern zum Schutz gegen die Tagesglut tragen, steht, vom Busch aus gesehen, über der Derandaabrüstung wie ein leise atmender Vogel- 'Xiu —" denkt der Farmer, „das ist doch eine der großen Eulen, die zur Nacht, zu jeder Nacht uns den Schlaf rauben mit ihrem gespenstischen Ruf und dem polternden Klauenschlag auf das Well- blechdach."
Tior gespannte, unerlöste Flintenlaut, die große
Afrikanische Verzauberung.
Von £ v deppert
Das ist Südafrika — da liegt die Wüste, da liegt der Busch Beides ist traurig, aber beides ist auch schön, unermeßlich schön.. Der Farmer wandert durch den Dornbusch. Er trägt sein Jagdgewehr am Riemen über der Schulter, wie jeder guto Jager sein Gewehr trägt. Doch er denkt jetzt nicht an sein Gewehr und die Patrone im Lauf. Er denkt weit weit fort an den Wald der Heimat. Er fühlt die große Sehnsucht der Menschen, jene unerbittliche innere Bewegung in sich, die alle anderen Gedanken auslöscht. Es ist totenstill um ihn und selbst das Knirschen des eigenen Schrittes im Sande wird aufgelöst in ter glutvollen Einsamkeit der Wild- m®antern, wandern, stiller Schritt, Gedanken, Erinnerungen, Träume. *
Mer da kommt plötzlich das einfache Leben in seiner Selbstverständlichkeit mit einem Perlhuhn-
ander suchen, eines Bauplatzes, einer kleinen Tanzszene. (Ilm einiges herauszugreifen.) Mit solchen Mitteln, die man im Bericht nur unvollkommen andeuten kann, versucht die Regie hier wieder zu den ursprünglichen Gesetzen und Ausdrucksmitteln zurückzufinden, die heute vielfach von anderen Elementen verdrängt oder doch verdeckt werden. Aufgabe und Leistung der Darsteller sind bei solchem Spielstil unschwer abzuschätzen: sie müssen, freilich von ausgezeichneten Regiehilfen unterstützt, fast ohne Wort vermitteln, was hier zu sagen ist: und es ist viel zu sagen. Hedy Kießler als Eva trifft wohl ohne Einschränkung den weiblichen Typ, der hier gezeigt werden sollte: ein pikantes, sehr ausdruckvolles Gesicht; eine Schauspielerin, die mit sparsamem mimischem Aufwand eine ganze Skala von Empfindungen lebendig macht. Neben ihr, hüben und drüben, Zoonimir R o g o z und Aribert M o g, die ganz gegensätzlichen Naturen der beiden Männer: beide sehr überzeugend gegeben; Mog hat es, seinem Temperament und dem Charakter der Rolle entsprechend, ein wenig leichter. — Die deutsche Bearbeitung stammt von Dr Georg Wittuhn. Photographie: Stallich.
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Im Beiprogramm: ein Kulturfilm; die Wochenschau; ein Vorspann zu „Peer Gynt (Hans Albers spricht eine kurze Einführung). Sportfreunde werden sich für einen hübschen NSU.- Werbefilm besonders interessieren. r
Wesentlich schwieriger ist jedoch der Kampf des japanischen Kaufmanns, dem der chinesische Kaufmann in jeder Hinsicht — vor allem was Fixigkeit, Organisationsgabe, Entschlußkraft, Großzügigkeit und Genauigkeit anbetrifst — turmhoch überlegen ist. Auf einer ganzen Reihe von Gebieten ist dem japanischen Kaufmann zwar der „Einbruch" in die chinesische Wirtschaftsfront gelungen, aber um so stärker ist das zähe und unaufhaltsame Vordringen der Chinesen-Ka u f leute in der Stadt „an sich". Charbin bestand z. B. ursprünglich aus zwei scharf ooneinanter abgesetzten. Städten: der „Europäer- und der Chinesen-Stadt". Aber diese Chinesen-Stadt mit ihren 400 000 emsigen, von früh bis spät und ohne Ruhetage, jahrein, jahraus arbeitenden und schuftenden Kaufleuten und Handwerkern, umklammert immer stärker wie ein Polyp die Europäer-Stadt und durchsetzt und durchdringt sie. Der arme Kleinkrämer, der vor 20 Jahren in seinem Budchen in der Chinesen-Stadt anfing, ist dort heute Kaufherr und unterhält seine Filialen in der Europäer-Stadt, wo der Chinese dank seiner Liebenswürdigkeit, seiner Korrektheit und Großzügigkeit nicht nur den Russen eine Position nach der andern entrissen hat,—7"-' •" sondern wahrscheinlich auch in der Zukunft den Ja- deutsche Jugend das Element unterwirft.
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