Ur. 265 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Dienstag, 12. November 1955
„Selbstverständlich", nickt Firstimkopf.
„Auch zur Jagd abgerichtet?"
„Direkt dafür geboren!"
Plötzlich springt ein Krummer vorüber.
Firstimkopf schießt und trifft. Der Hase über- schläat sich.
„Apport!", ruft der Förster.
Die vornehmen Hunde schauen hoheitsvoll.
Der Förster feuert sie an:
„Los! Holt den Hasen!"
Da aber schaut Firstimkopf verwundert:
„Erlauben Sie mal! Meine Hunde sind doch keine Dienstboten!"
*
Der Förster Konrad war arg stolz auf seinen Hühnerhund.
„Hühnern steht er stundenlang vor und rührt sich nicht vom Fleck", erzählt er dem Freund.
„Das ist auch nicht das Richtige."
„Wieso nicht?"
„Zur gegebenen Zeit muß ein Hund einspringen." „Niemals!"
„Doch", nickte der Freunds „ich ging vor Jahren einmal mit meinem Hund auf die Hühnersuche und plötzlich war der Hund verschwunden. Ich pfeife und rufe. Nichts rührt sich. Nach Stunden gehe ich ärgerlich heim und warte auf den Hund. Es mar vergeblich. Der Hund kam nie zurück. Im nächsten Winter fand ich ihn. Tot. Als Skelett noch stand er vor den Hühnern, die ebenfalls längst tot und nur noch Skelett waren. Keiner hatte sich zu rühren getraut. Sehen Sie also, daß auch ein Hühnerhund nicht zu lange vorstehen darf?"
♦
Geisenschreck geht auf die Virsch.
Mit seinem neuen Jagdhund.
Rechts läuft ein Hase, links läuft ein Hase.
Geisenschreck schient rechts und links. Die Hasen laufen weiter.
Rechts fliegt ein Fasan auf, links fliegt ein Fasan auf.
Der Jäger schießt rechts und links. Die Fasanen fliegen weiter.
So geht das viele Stunden.
Verwundert schaut der Hund dem Treiben zu. Endlich wird es ihm zu dumm. Und als wieder ein Hase auftauchte, springt er auf ihn zu, beutelt ihn ab und wirft ihn Geisenschreck vor die Füße.
Der kühne Jäger ist hocherfreut.
„Schön, mein Hündchen! Brav, mein Hündchen!"
Das aber ist dem weidgerechten Hund nun doch zu viel!
„Wenn du das noch brav nennst, habe ich hier nichts mehr zu suchen!", schimpfte der Hund, verschwand im Gebüsch und ward nicht mehr gesehen.
O doch, es gibt noch verrückte Hunde auf der Welt!
Zeitschriften.
— „D e r Naturforscher", vereint mit „Natur und Technik". Preis vierteljährlich 2,50 Mark, Einzelheft 1 Mark. Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde N. Das Novemberheft dieser hervorragenden deutschen Zeitschrift für Naturkunde fällt wiederum durch die reiche Mannigfaltigkeit der Abhandlungen und ihre ausgezeichnete Bebilderung auf. Es ist ein Genuß, die schönen und seltenen Natururkunden auf sich wirken zu lassen, und es bringt wissenschaftlichen Gewinn, sich in den Inhalt der bei aller wissenschaftlichen Gründlichkeit allgemein verständlich gehaltenen Aufsätze zu vertiefen. Der Geologe Dr. Hans Bode hat zu vorzüglichen Naturaufnahmen einen Aufsatz über „Felsen und Klippen" geschrieben. Dr. K. Kuhn berichtet über „Physiologie der menschlichen Eierstöcke". Auf dem Titelbild und in weiteren bemerkenswerten Aufnahmen stellt sich ein seltener Vogel, der einzige in Gefangenschaft gehaltene Abu 'Markub oder „Schuhschnabel" aus dem Berliner Zoo vor, über dessen Lebensgewohnheiten Dr. H. Steinmetz sehr anschaulich erzählt. Wie man jetzt nach einem neuen Verfahren Blindehunde abrichtet, das führt Dr. Sarris, Hamburg, vor Augen. Prof. Eddelbüttel erinnert daran, daß wir in vielen schönen und eigenartigen Zimmerpflanzen kostbares altes Kulturgut besitzen. Wie bei manchen Fischarten die Neigung zu Erbänderungen von der Züchtung erfolgreich ausgenutzt wird, um einen Formenreichtum von Spielarten heranzuzüchten, zeigt Dr. Schmidt. Der Astronom Prof. Dr. Plaßmann berichtet über die neuesten Untersuchungen an Nebelflecken. Einige Aufnahmen aus der Mappe des verstorbenen Schriftleiters Dr. Prochnow zeigen, wie schöne Muster von Flächenkunst in der Natur durch Erstarrungen und Quellungen entstehen. Sie werden manchen Liebhaber der Lichtbildkunst zu Versuchen anregen. Eine für Deutschland sehr einschneidende Frage berührte der Geologe R. Hundt in seinem Bericht über die erdölhöffigen Gebiete Deutschlands. Kleine Beiträge und Forschungsergebnisse aus allen Gebieten, eine Bücherschau und die immer gern gesehene Preisaufgabe schließen neben den Anregungen zur Naturbeobachtung das vielseitige und anregende Heft.
— Mit dem Oktober-Novemberheft eröffnet die „Deutsche Zeitschrift" (Callwey, München) ihren 49. Jahrgang. Vielseitigkeit verbindet sich mit Gründlichkeit, Zeitlebendigkeit mit besinnungsvoller, neue Kräfte weckender rückschauender Betrachtung, universale Weite mit selbstverständlicher deutschbewußter Haltung. Das vorliegende Doppelheft beginnt ein Aufsatz „Volkswissen" von Wilhelm Flit- ner, der klar die Aufgabe sieht: daß es vor allem
gilt, das Volk wissend zu machen, indem alle, die es angeht, dafür sorgen, daß die Urquellen des Lebens- und Volkswissens strömen und zugänglich bleiben. Ein erkenntnistiefes „Gespräch in Peking" von Carl I. Mrckhardt gibt einen Begriff von dem ungeheuren, niemals zu überbrückenden Unterschied zwischen chinesischer und europäischer Vorstellungs- welt. Michael Freund steuert einen Aufsatz über Thomas Morus und seine „Utopia" bei. Ganz köst- lich und beachtlich vor allem in seinem volkspsychologischen Ergebnis ist Wilhelm Pinders Beitrag „Topographie des Humors". Eine gründliche kri- tische Untersuchung über „Die Gestalt Stefan Georges in unserer Zeit", die Georges Leistung und Grenzen klar aufzeigt, nimmt Eugen Gottlob Wink- ler vor. Vom verstorbenen Josef Hofmiller wurden ein Märchen nach dem Dänischen „Der verlorene Schatten" und geistvolle Aphorismen über dichterisches Schaffen ausgenommen. Hans Böhm berichtet über „Neue Lyrik", Erich Weniger über „Wehrwissenschast und Heereserziehung", Petzet über Abschluß und Neubeginn im Film". Verschie- dene Bilder nach Hans Burgkmair und Werken deutscher Barockplastik, die Ulrich Christoffel und der Herausgeber interpretieren, schmücken das abwechslungsreiche und gewichtige Heft.
Hochschulnachn'chien.
Professor Dr. Ernst Theodor Nauck, Ordinarius für Anatomie an der Universität Marburg, wurde in gleicher Eigenschaft an die Universität Freiburg berufen.
Professor Dr. Friedrich Metz, Ordinarius für Erdkunde an der Universität Erlangen, wurde in gleicher Eigenschaft an die Universität Frei«! bürg berufen.
Professor Dr. Josef Hömel, Ordinarius für Haut- und Geschlechtskrankheiten an der Universität Greifswald, wurde in gleicher Eigenschaft an die Universität Jena berufen.
Professor Dr. Hans Uebersberger, Ordina- narius für osteuropäische Geschichte an der Universität Breslau, wurde in gleicher Eigenschaft an die Universität Berlin berufen.
Professor Dr. Cajus F a b r i c i u s , Ordinarius für Religions- und Kulturphilosophie, Konfessionskunde, Dogmatik und Ethik an der Universität Berlin, hat einen Ruf an die Evangelisch-theologische Fakultät der Universität Breslau erhalten.
Professor Dr. Ernst F r a e n k e l, Ordinarius für vergleichende Sprachwissenschaft an der Universität Kiel, ist im Hinblick auf die Durchführung Reichsbürgergesetzes beurlaubt worden.
Der Kerne Osten und Abessinien.
Don unserem H.T.-Äerichterstatter.
gessen, daß dieses Feuer auch jederzeit in unserem eigenen Hause ausbrechen kann. Ehe wir also Mitleid mit Abessinien haben, müssen wir uns endlich darüber klar werden, daß unsere jetzige politische Lage schlimmer und bedauernswerter als
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
H s i n k i n g , Mitte Oktober 1935.
Neulich traf ich einen klugen alten Chinefen-Typ des zeitlosen Gelehrten —, mit dem ich mich bei feiner Tasse herben grünen Blättertees über die weltpolitische Lage im allgemeinen und über das Problem Abessinien im Besonderen unterhielt. Der weise Chinese prägte bei dieser Gelegenheit den immerhin nachdenklich stimmenden Satz: Ein Krieg in Abessinien wäre vor 20 Jahren eine lokale Kolonialangelegenheit gewesen, — mittlerweile aber haben Technik, Verkehr und Wirtschaft die Menschen unseres Planeten zu einem einzigen „Körper" zusammengeschweißt. Schneidet man diesem Körper heute irgendwo einen Finger oder eine Zehe ab, dann spürt der ganze Organismus den Schmerz und reagiert in seiner Gesamtheit in irgendeiner Form auf diese Operation.
Daß dem tatsächlich so zu sein scheint, lehrt ein Blick in den Blätterwald des Fernen Ostens ... zieht man den Querschnitt durch die japanisch-chinesische Tagespresse, so läßt sich der ganze Abessinien- Komplex in den triumphierenden oder besorgten Rus: „Nostra res agiturl“ (Es handelt sich um unsere Angelegenheit!) zusammenfassen. Ganz erstaunlich, mit welchen Hoffnungen und mit welcher Sorge Japan und China die Weiterentwicklung der Dinge im Fernen Westen verfolgen! Dabei find beide Länder an dem abessinifch-italienifchen Konflikt direkt kaum oder überhaupt nicht interessiert, indirekt wird und muß aber der Krieg in Afrika auch auf die Weiterentwicklung der Dinge in Fern- Ost einen entscheidenden Einfluß ausüben, sofern es eben nicht gelingt, den afrikanischen Steppenbrand zu lokalisieren. Zur Zeit jedenfalls läßt sich die Einstellung der Länder Japan und China zu diesem Zeitproblem auf eine sehr einfache Formel bringen: „Japan erhofft im Stillen ein Weite r f r e s s e n des Präriebrandes und ein U e b ergreifen auf das europäische Festland; China hat hingegen das allergrößte Interesse daran, daß der Brand auf seinen Herd beschränkt bleibt und Europa-Amerika nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.
Die Pläne Japans in Fernost sind bekannt: eben ist es der außerordentlich geschickt operierenden japanischen Diplomatie gelungen, Nord-China in aller Stille aus dem „Befehlsbereich" Nankings — chinesische Zentralregierung — herauszulösen uni) es der Mandschurei gleichzuschalten. Um seine neue „Interessensphäre" in aller Ruhe ausbauen zu können, kann Japan keine Zuschauer und vor allen Dingen keine „Polizisten" in Gestalt der europäischen Mächte gebrauchen, die in ruhigen Zeiten sicherlich ihr Veto in irgendeiner Form eingelegt haben würden. Nimmt der italie- nisch-abessinische Konflikt größere Ausmaße an und wird Europa in irgendeiner Form in den Konflikt mit hineingerisfen, dann hat Japan in jeder Hinsicht d i e Hände frei und kann in aller Ruhe die bereits gepflückten nordchinesischen Aepfel verspeisen, um sich auf eine unvermeidlich erscheinende Auseinandersetzung mit Rußland wei- ter vorzubereiten.
Dabei nährt man in Tokio die Hoffnung, daß der abessinische Krieg zunächst im Donau-Raum die Spannungen verschärfen werde und daß bei einem Uebergreifen auf das Festland die R u s - s e n „ihre Stunde" erkennen und gen W e st e n marschieren würden. Das wäre dann der von Japan erhoffte Zeitpunkt, in Fernost mit Rußland „abzurechnen", — eine Absicht, die um so leichter durchzuführen wäre, als sich Japan in Nordchina bereits Rückenfreiheit auf unblutigem Wege geschaffen hat und Rußland gleichzeitig dann gegen zwei Fronten zu operieren hätte.
Daß es sich hier nicht etwa um „phantastische Gedankengänge", sondern um sehr nüchterne japa
nische Ueberlegungen handelt, kann nicht oft genug betont werden. Ebenso nachdrücklich muß aber immer wieder darauf verwiesen werden, daß man an einer Schwächung Rußlands in Fernost aller weltanschaulichen Abneigung zum Trotz kein Interesse haben kann. Denn: wie nach der Niederlage im russisch-japanischen Kriege Rußland sein aggressives Gesicht nach dem Westen wandte, um dort einen „Ersatz" für das im Osten Verlorene zu finden, genau so würde eine neue russische Niederlage im Osten den Druck nach Westen verstär- ken, ohne daß Europa von einem japanischen Siege überhaupt irgendwelche Vorteile zu erwarten hätten.
Die gleichen Gedankengänge findet man bei der Beurteilung des Abessinienkonfliktes übrigens auch in der gesamten chinesischen Presse. Dort kann man Sätze wie die folgenden lesen: „... England und Frankreich mögen ihr Bestes tun, den Krieg in Afrika einzugrenzen, dauert dieser Krieg aber erst einmal länger als sechs Monate, bann werden sich auch diese beiden Staaten nicht aus ihm heraushalten können, und der Schwerpunkt der Ereignisse ist dann plötzlich von Afrika nach Europa verlegt, wo ein Funken genügt, um das europäische Pulverfaß in Brand zu fetzen. Ist aber erst einmal die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf Europa gerichtet, dann haben unsere „lieben Nachbarn" — sprich I a - P an — freie Hand, in China zu tun und zu lassen, was ihnen beliebt. Denken wir daran" — so fährt dieses als eins von vielen anderen Blättern fort — „daß Japan feine berüchtigten 21 Forderungen an China im Weltkriege gestellt hat. Wer kann fatzen, ob die Japaner nicht die erste beste Gelegenheit benutzen, um China wiederum ein Ultima t u m in Form dieser 21 Forderungen zu stellen? Wenn wir also heute geruhsam dem Feuer jenseits des Flusses zuschauen würden, dürfen wir nicht ver-
die Abessiniens ist ..."
Von ihrem Standpunkt aus hat die chinesische Presse sicher recht, und die chinesische Angst vor Japan ist begründet. Es hieße aber das Wesen der japanischen Politik — oder der „Politik an sich" — völlig verkennen, wollte man sich dem Glauben oder der Hoffnung hingeben. Japan würde aus irgendwelchen sentimentalen Erwägungen heraus die ungeheure Gunst der Stunde nicht nutzen. Denn es hat nun einmal „das Glück" — wie eine chinesische Zeitung kürzlich schrieb — „das riesige, aber schwache China zum Nachbarn zu haben"; und da heute „nur der Starke allein regiert", wird sich automatisch jede Verschärfung der 'Lage in Afrika ober Europa zugunsten Japans auswirken und dementsprechend seine Außenpolitik maßgebend beeinflussen.
Gewiß: Japan hat in Abessinien allerlei wirtschaftliche Pläne und Interessen, ober sie sind gewesten an den großen Problemen, die der Krieg in Afrika in Fern -Ost in den Vordergrund gerückt hat, nur von untergeordneter Bedeutung. Und wenn wir auch nicht so schwarz malen wollen, wie es die berufsmäßigen Pessimisten tun: eins darf man — von Fernost aus gesehen auf keinen Fall außer Acht lassen: „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte". Im Abessinienkonflikt gibt es nicht nur „einen", sondern mindestens zwei „D r i 11 e", die sich darob „freuen" und davon — jeder in feiner Art — zu profitieren gedenken. Der eine ist Rußland und der andere Japan, und mit der Möglichkeit, daß aus einem kleinen Kolonialfeldzug nicht ein Welt-, wohl aber ein Erdkrieg entsteht, muß man wohl immerhin rechnen. Denn der Planet ist kleiner geworden in den letzten 20 Jahren, so klein, daß man das Gewehrknatter in Abessinien ganz deutlich auch am Stillen Ozean hört, wo eine Atmosphäre geschaffen worden ist, die man vielleicht am treffendsten mit „stiller Alarmbereitschaft" bezeichnet.
Jeder nennt sie — keiner kennt sie.
Männer, denen die Sprache ein Denkmal setzte.
Im Bestreben, Fremdwörter durch sinnreiche deutsche Bezeichnungen zu setzen, stoßen wir zuweilen auf Ausdrücke, über deren Herkunft wir uns zunächst nicht im Klaren sind. Handelt es sich um Wörter, die aus einer fremden Sprache entlehnt und bei uns eingebürgert wurden, oder sind es überhaupt keine Fremdwörter, so seltsam sie auch klingen?
Woher hat zum Beispiel die Litfaßsäule ihren Namen? Wenn wir ein Nachschlagewerk zur Hand nehmen, so erfahren wir zu unserer Verwunderung, daß sie nach dem Berliner „Säulenheiligen", dem Buchdrucker Ernst Litfaß, benannt wurde, der sie „erfunden" hat. Er kam nämlich im April 1854 auf den Gedanken, die Anschläge und Bekanntmachungen, die bisher an Mauern und Zäunen ein oft nur geduldetes, zuweilen aber auch scharf bekämpftes Dafein führten, auf schönen runden Holzfäulen anzubringen. Zudem konnte man die Säulen dann ja aych als Brunnen verwenden! Der Gedanke war vortrefflich, und die Litfaßsäule hat sich schnell die ganze Welt erobert; aber die wenigsten, Die von ihr sprachen, wußten, woher ihr Name stammt.
Des öfteren spricht man auch von einer Sten- torftimme, ohne zu wissen, daß damit Stentor, der gewaltige Ruser im Streit gerühmt wird, der im fünften Buch der Ilias von Homer angeführt wird. Die Göttin Hera, so wird dort berichtet, habe eine so laute Stimme wie „der großherzige Stentor, der so laut schreien konnte wie fünfzig andere." Neben ihn läßt sich der Mentor stellen, der Begleiter und Berater des Telemach in der
Odyssee, nach dem man heute noch einen älteren Berater und Freund nennt, dem man sich zu Dank verpflichtet weiß.
Wenn mit der Pferdedroschke auch das heute seltener verwendete Wort Fiaker verschwindet, dann wird sich kaum jemand mehr des heiligen Fiacre erinnern, dessen Bild das Wahrzeichen jenes Hauses in Varis bildete, in dem zuerst Wagen vermietet wurden. So verknüpfte sich der Name des Heiligen mit den Wagen, und sie trugen ihn noch, als das Haus längst abgeriffen worden war. Auch der Kremser führt feinen Namen nicht etwa auf ein aus einer anderen Sprache eingebürgertes Wort zurück, sondern ist nach seinem Erfinder benannt. Der preußische Kriegskommissar Kremser war es nämlich, der im Jahre 1825 die Genehmigung einholte, vom Brandenburger Tor in Berlin nach Char- lottenburg Wagen fahren zu lassen, die mit Federung versehen und auch sonst behaglicher ausge» stattet waren als die bis dahin für solche „lieber» landreisen" verwendeten Leiterwagen.
Hier handelte es sich um eine wirkliche Verbesserung des Verkehrswesens und nicht um ein „Verschlimmbessern" ober „Verballhornen", wie man für eine Verschlechterung burch vermeintliche Verbesserung zu sagen pflegte. Damit finb wir wie- berum an ein Wort geraten, bas eines Mannes gedenkt, ohne daß man allzu viel von ihm wüßte. Es handelt sich um den um das Jahr 1531 in Lübeck tätigen Buchdrucker Johann Ballhorn, von dem zuerst Balthasar Schupp (geb. 1610 in Gießen, 1635 Professor der Geschichte und Beredsamkeit
in Marburg) berichtet, er habe „das ABC vermehrt und verbessert". Ballhorn soll nämlich — so wird, zu Recht ober Unrecht, von ihm erzählt — bem Hahn in ber Fibel ein paar Eier untergelegt haben. Wie bem auch sei, Ballhorn wird für alle berarti- gen „Verschlimmbesserungen" mit seinem Namen haftbar gemacht.
Von den Erfindern seien auch die Gobelins genannt. Sie gehörten zu einer französischen Fa« chilie von Färbern, die im 16. Jahrhundert zuerst die nach ihnen genannten Wandbekleidungen herstellten. In dem Wort Talmi, das heute eine so allgemeine Bedeutung angenommen hat, lebt bet Dtame des Pariser Fabrikanten Tallois fort, bet zuerst ein mit Gold überzogenes Messing zu Schmucksachen verarbeitete und mit diesem „Talmigold" glänzende Geschäfte machte. Das heute aus ber Mode gekommene Vertikow verdankt feinen Namen dem Berliner Tischler Vertikow, der zuerst diese zierlichen Stücke verfertigte.
Die Schrapnells heißen nach dem englischen Obersten Shrapnel, der 1803 diese Geschosse erfand. Dagegen hat man, wie neuerdings feftgeftettt wurde, Öen französischen Arzt Guillotin zu Unrecht als den Erfinder der Guillotine benannt Die Taten des französischen Finanzministers Etienne des Silhouette sind in Vergessenheit geraten, aber die nach ihm benannten Schattenrisse, die der sparsame Finanzmann anstelle der teuren Gemälde und Miniaturen einführte, heißen noch heute Silhouetten.
Ebenso heißen noch heute manche Reitunterrichts- ftätten Tattersall, aber niemand denkt mehr' an den englischen Trainer Tattersall, der 1777 das erste derartige Unternehmen ins Leben rief. Mit dem Wort Boykott ist die Sprache durch einen irischen Gutsbesitzer namens James Bovkott beschenkt worden, über den die irische Lanoliga 1880 den Bann verhängte. Schließlich sei noch des Engländers John Montague, des vierten Earls von Sandwich gedacht. Zwar weiß man kaum mehr etwas von seinen geistvollen Reden und seinen Reisewerken, aber daß er einmal auf den Gedanken kam, ein Stück kaltes Fleisch zwischen zwei Brotschnitten zu legen und so zu verzehren, hat ihn zum Vater des „Sandwiches" gemacht. Aber „belegte Brote", wie wir im Deutschen sagen, hat es sicher auch schon vor jener Zeit gegeben!
MrdigeFeiemzums.Aovember
In allen Städten und Dörfern unserer engeren Heimat wurden, wie überall im Vaterlande, Feiern abgehalten, die dem Andenken der Gefallenen des Dritten Reiches am 9. November 1923 gewidmet waren. Viele Berichte über diese Feiern liegen uns vor. Bei der Gleichartigkeit aller dieser Feiern und auch aus räumlichen Gründen ist es nicht möglich, die Berichte im einzelnen zu veröffentlichen.
Zum Teil fanden die Feiern im Freien statt, meist an den Ehrenmalen der Gefallenen des Weltkrieges, derer auch herzlich gedacht wurde. Die Säle der Städte und Orte, in denen die Feiern abgehalten wurden, waren dem Charakter der Feierstunde entsprechend würdig ausgeschmückt. Verschiedentlich schuf man Ehrenmale, an denen Angehörige ber Gliederungen der Partei, meist die SÄ., Wache hielten.
Die Beteiligung an den Feiern war überall sehr rege. Sämtliche Gliederungen ber Partei nahmen teil, die Ortsvereine beteiligten sich in geschlossenen Gruppen, und die Einwohnerschaft der Städte und Dörfer gab ihrer Verbundenheit mit den Gefallenen ber Bewegung burch starken Besuch Ausdruck. Neben Gedichtvorträgen gaben Sprechchöre der HI., des BDM., Lieder aus der Kampfzeit, musikalische Darbietungen und gemeinsam gesungene Lieder den
Vleue. Iwtuhciit
Körting-Kadi ö
Huude-Latein.
Von So Hanns Msler.
Häberle kaust sich einen Hund.
Häberle geht zum Hundehändler.
Der Hundehändler zeigt ihm, was er hat.
„Was kostet die Dogge?"
„Zwanzig Mark."
„Viel zu teuer! Drei Mark gebe ich!"
Man einigte sich auf sechs Mark.
„Noch eine Frage zuvor — ist ber Hunb auch treu?"
„Wie Golb."
„Unb zimmerrein?"
„Bestimmt."
„Unb wachsam?"
„Selbstverstänblich."
„Unb lammfromm?"
„Gewiß."
„Unb gefunb? Urtb kinderlieb? Und folgsam?" Da aber riß dem Hundehändler die Geduld.
„Ja", schrie er, „und Französisch sprechen kann er aud) für fefne sechs Mark!"
♦
Korn und Kimme sitzen auf einer Bank.
Vor der Bank sitzt der Hund von Kimme.
„Was ist denn das für eine Rasse?", fragt Korn.
Kimme tut, als hort er nicht.
„Was ist denn das für eine Raffe?"
„Wie geht es daheim?", antwortete Kimme.
„Gut. Aber ich frage nach dem Hund."
„Und deiner Frau?"
„Ausgezeichnet. Aber —"
„Und deinen Kindern?"
„Auch gut! Aber ich will jetzt endlich wissen, was dein Hund da für eine Rasse ist!"
„Das freut mich, daß es deinen Leuten gut geht", redet Kimme schnell und laut weiter, „und wie geht es deiner Großmutter?"
Korn springt böse auf.
„Willst du mich veralbern? Ich will wissen, was dein dreckiger Köter für eine wüste Promenadenmischung ist!"
In diesem Augenblick beginnt der Hund laut zu heulen.
„Siehste, da hastesl", meint Kimme ganz betrübt, „jetzt hast du ihn gekränkt. Ich habe schon deine Fragen gehört. Ich konnte dir nur nicht antworten, solange der Hund zuhörte. Er glaubt nämlich, er sei ein rasseechter Bernhardiner."
*
Firstimkopf hat sich zwei Hunde gekauft.
Zwei hochvornehme Hunde. Wie Firstimkopf selber.
„Dressiert?" " '


