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Nr.M Zweites Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Samstag, 12. Oktober (935

Inseln des Deutschtums

erste

Gärunl hinter

Der heilige Wein.

Von Jose? Friedrich perkonig

alte Mond über den reifen Gärten voll Winzer­gesängen und Gebeten für den jungen Wein ist noch immer die magische Silberscheibe, deren Licht auf dem germanischen Urwald lag. Und der Mensch nimmt die Frucht oder das, was von ihr stammt, zu sich, wie seit je, in die hohen Jahrhunderte her­auf wohl immer gedankenloser und undankbarer, in einzelnen, mit der Gabe der Besinnlichkeit Be­dachten aber erhöht sich dann der Genuß um so mehr zu einer heiligen Zeremonie. Und damit sühnt der eine den raschlebigen Unverstand von Tausen­den, die nicht mehr wissen, wie man ein Geschenk empfängt, in dem sich Erde und Himmel vermah­len. Und darum darf man nicht auf den schnellen, weltlichen Rheinschiffen die richtigen Weintnnker suchen, nicht in den Schenken am Strom und trügen sie noch so berühmte Namen. Zu dem heili­gen Wein gehört die heilige Einsamkeit, wie sie nur noch einige unbekannte Gasthäuser am Rheine haben. Und mögen die geselligen Kumpane noch so lärmend behaupten, daß man über den Rand des Weinglases in ein Paar befreundeter oder ge­liebter Augen blicken müsse, es bleibt darum doch wahr: den wirklich heiligen Wein verträgt nur heiliges Leid oder heilige Freude, und die können nicht anders sein als einsam.

oder kleinen Staat befindet.

Durch das Büro gelangen wir zum Arbeitszimmer des Gesandten und bevollmächtigten Ministers des Deutschen Reiches für Estland, Otto R e i n e b e ck. Der Gesandte streckt uns zum Gruß die linke Hand entgegen, die rechte ist infolge einer schweren Kriegs­verletzung durch eine russische Granate gebrauchs­unfähig. Trotz dieser schweren Verletzung verblieb der damalige Leutnant Reinebeck bei der aktiven Truppe und hat dem Vaterlande besonders'während des Feldzuges in Rumänien auch als Schwerkriegs­verletzter die wertvollsten Dienste geleistet. Auch seine Linke barg genügend Kräfte, das zeigte er sehr hand­greiflich in den trüben Tagen des Novembers 1918, als die Armee Mackensen von der Heimat abgeschnit­ten war. Der Geist der Zersetzung war bereits bis in diese ruhmreiche Truppe gelangt. Als in einer siebenbürgischen Stadt ein pflichtvergessener Soldat frech, die Hände in den Hosentaschen, an dem greisen Feldmarschall Mackensen vorüberlümmelte, verstand es Reinebeck, mit seiner Linken sehr schnell dem marxistisch infizierten Mann den Begriff der Gruß­pflicht des Soldaten wieder beizubringen.

Gesandter Reinebeck unterhält neben seinem um­fangreichen Verkehr mit estnischen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auch mit weiten Kreisen des baltischen Deutschtums, dessen Lebensinter­essen ihm als ehemaligen Referenten für Minder­heitenfragen im Auswärtigen Amt besonders am Herzen lag, auch regste ^Beziehungen zur reichsdeut­schen Kolonie Estlands. Die Tür zu seinem Arbeits­zimmer steht allen Volksgenossen, die ein Anliegen an ihn haben, offen, ganz gleich, ob der Vorstand des Verbandes der Reichsdeutschen um Unterstützung zur Errichtung eines Heims der Reichsdeutschen in

Professor Dr. sc. pol. Rudolf Stucken, Ordi­narius für Wirtschafts- und Sozialwisfenschaften an der Universität Jena, ist in gleicher Eigenschaft als Nachfolger des nach München berufenen Pro­fessors Terhalle zum 1. November d. I an die

betrieb sowie für eine Bücherei zum Handgebrauch, ist gesorgt. Der Unterricht für die jungen Offiziere dauert täglich von 8 bis 14 Uhr. Die Offiziere haben außerdem Gelegenheit, unter Assistenz eines Sportlehrers in einer Sporthalle sich zu betätigen, weiter stehen ihnen Reitpferde zur Verfügung, da­mit sie auch eine körperliche Ergänzung zum gei­stigen Studium haben.

Die jungen Offiziere haben zusammen mit dem Lehrkörper auch ihrerseits die Pflicht, die alte Tra­dition durchzufetzen. Alle großen Führer seit 125 Jahren sind irgendwie mit der Kriegsakademie in Berührung gekommen: Scharnhorst, Clausewitz, Moltke und Roon, um nur die Großen des vorigen Jahrhunderts zu nennen. Ebenso sind auch die füh­renden Generäle im deutsch-französischen Kriege 1870/71: Manteuffel, Werder und Blumenthal, Schüler der Kriegsakademie gewesen. Das gleiche gilt für unsere großen Heerführer des Weltkrieges, für Hindenburg, Ludendorff und Seeckt und es gilt auch für die Offiziere der jüngsten Zeit, der Zeit des Wiederaufbaus der deutschen Armee: General­oberst von Blomberg, General der Artillerie von Fritsch und der Chef des Genei^alstabes General der Artillerie Beck haben die alte Kriegsakademie be­sucht und werden auch dem Aufbau der neuen Kriegsakademie ihr volles Interesse ungeteilt zu­wenden.

letzten Blutstropfen verteidigen soll." Wie sollten die jungen Offiziere dem flammenden Wort dieses herrlichen Mannes widerstehen, wenn er ihnen zu­rief:Die Nachwelt wird richten und von dem Ver­dammungsurteil ausnehmen, welche dem Strom der Verderbtheit mutig entgegengerungen und das Gefühl der Pflicht treu wie einen Gott im Busen bewahrt haben." Es war der Geist dieser Män­ner, der die jungen Offiziere dann beseelte, für die Freiheit des Vaterlandes zu kämpfen und zu ster­ben. Am 18. Januar 1813 wurde die Kriegsschule aufgelöst und viele der jungen Offiziere, die diese Schule besucht hatten, besiegelten ihre beschworene Treue mit dem Tode. Mit ihnen aber starb auch der Mann, der mit der Geschichte der Hochschule der preußischen Offiziere unlöslich verbunden ist. S ch a r n h o r st, der das Schwert für Preußens Freiheit geschmiedet hatte. Sein Werk aber wirkte fort durch das Jahrhundert.

Am 125. Gründungstage der Kriegsakademie wird die neue Kriegsakademie, die der Wiederaufrichtung der Wehrfreiheit durch den Füh­rer ihr Entstehen verdankt und die soeben im Nor­den Berlins, in der umgeb-auten Kaserne des frü­heren Garde-Feldartillerie-Regiments in der Krupp­straße die ersten Lehrgänge begonnen hat, einen

Für die neue Kriegsakademie hat man sich an die bewährten Methoden der alten Kriegsakademie halten können. Diese Kriegsakademie ist ein In­stitut, um die Offiziere mit den Methoden und Aufgaben der höheren Kriegsführung, wie es in der ursprünglichen königlichen Verfügung hieß, ver­traut zu machen. Aus diesem Grunde sind auch die Methoden anders, als der akademische Lehrbetrieb auf der Universität. Hier wird das angewandte Lehroerfahren durchgeführt, das die regste Mitar­beit der Schüler fordert. In Zukunft werden in den dreizehn Hörsälen gleichzeitig drei dreijährige Lehr­gänge durchgeführt. Im Gegensatz zur Vorkriegs­zeit ist die Teilnahme am Besuch der Kriegsakade­mie nicht mehr freiwillig, sondern alle Offi­ziere find verpflichtet, innerhalb der Zeit vom dritten bis zum sechsten Dienstjahr eine Auf­nahmeprüfung für die Kriegsakade­mie zu machen und je nach dem Ausfall dieser Aufnahmeprüfung wird eine Auslese der besten Offiziere vorgenommen. Für die Ma­rine und für die Luftwaffe werden besondere Bil­dungsstätten eröffnet. Für die Lehrtätigkeit find einstweilen dreißig Offiziere der verschiedensten Waffengattungen an die Kriegsakademie versetzt worden. Kri^ZSgeschichtliche Vorlesungen werden zum Teil von früheren hohen Offizieren gehalten werden. Für die technischen Hilfsmittel, z. B. für die Anfertigung von Zeichnungen für den Lehr-

6od>fdiuinad)richfen

An der Universität Berlin wurden wegen Er- reichung der Altersgrenze von den amtlichen Ver­pflichtungen entbunden die ordentlichen Professoren Geh. Justizrat Dr. Heinrich T r i e p e l (öffentliches Recht) und Dr. A. V i e r k a n d t (Soziologie)

General der Infanterie Liebmann, der Kommandeur der wiedererrichteten Kriegsakademie, die am 15. Oktober ihr 125jähriges Bestehen feiern kann. (Scherl-Bilderdienft-M.)

Zeitschriften

Im frühen Kindesalter, namentlich im Säug­lingsalter, find Erkrankungen der Haut häufiger als später, und darum ist auch in diesem Alter der Pflege der Haut besondere Aufmerksamkeit zu schenken, lieber die verschiedenen Arten der Haut- krankheiten im Kindesalter und deren Behandlung finden junge Mütter wichtige Erläuterungen im Oktoberheft des Elternfachblattes "Mutter und Kind". (Verlag E. Staude, Berlin W 30.) Auch in seinem übrigen Inhalt bringt dieses Heft viel Wissenswertes und zahlreiche Anregungen für die Mutter und Hausfrau.

X. I

Die Gesandtschaft in Estland. -

Von unserem Or. <5 G. St -Berichterstatter. :

(Nachdruck, Ruch mit Quellenangabe, verboten!) Reval, Oktober 1935.

Unter den europäischen Hauptstädten ist Reval, der Sitz der estländischen Regierung, mit seinen 130 000 Einwohnern eine der kleinsten, aber mit seinen mittelalterlichen Mauern und Türmen^vohl auch eine der malerischsten. Was- diese Stadt Mson- ders anziehend macht, sind seine großen und ver­träumten Gärten. Inmitten eines solchen Gartens und umgeben von Grün anderer Gärten liegt d a s Gebäude der deutschen Gesandtschaft in Reval. Unweit von dort erhebt sich der Dom­berg, dessen hochaufragender WachturmDer lange Hermann" Zeugnis davon ablegt, welchen Anteil die Deutschen in der Geschichte Estlands ge­habt haben. Der Domberg, wo einst die Statthalter der dänischen Könige, die deutschen Ordensritter, die schwedischen und russischen Gouverneure regierten, ist heute der Mittelpunkt der estnischen Regie­rung des Landes.

Das Gebäude, das heute den Zwecken der deut­schen Gesandtschaft dient, wurde um die Jahr­hundertwende von einem russischen General deutsch - baltischer Abstammung erbaut. Nach dem Zusammenbruch des raristischen Rußland ver­lor die Familie des Generals ihre großen Be­sitzungen in der Nähe von St. Petersburg und ver­ließ Estland. Das weitläufige Gebäude wurde zuerst vom Reich für die Zwecke feiner Vertretung gemietet, später von den Erben des Generals käuflich er­worben. Da das Gebäude als Prioathaus nicht allen Anforderungen genügte, die an eine amtliche Ver­tretung des Deutschen Reiches gestellt werden, war ein größerer Umbau notwendig, der im Jahre 1929

deutsche Ärmere d i e Höch st e militärische Bildungsanstalt geblieben, aus der der größte Teil der Offiziere hervorgegangen ist, die an verantwortlichen Stellen im Heere gestanden haben und deren Namen mit den Ruhmes- und Sieges- tagen des Heeres für alle Zeiten verbunden find. Ihr Zweck war in erster Linie, die Erhaltung und Förderung der militärischen Berufsbildung, von der allerdings eine gewisse allgemeine Bildung unzer-

Dies ist die sonderbare Geschichte um den einen c winzigen Rebenberg: jeder der tausend Weingärten c hat seine eigene Geschichte, und es mühte schon ein i gottverlassener Erdenfleck fein, an den sich nicht ( irgend ein Märchen, eine Mythe heftete. Man fühlt i es dann im Weine, wieviel an Wunderbarem über < seine Heimat in Umrede ist: die Legende gehört in . die Traube wie der Zucker. Götter ruhen auf ihrer ; Wanderschaft zwischen den Rebstöcken, Heilige treten aus Kirchen und Kapellen und wandeln auf um- : laubten Wegen, und es kann sich das holde Wunder i begeben, daß in irgendeinem Berichte von den i Weinhügeln behauptet wird, wie die Liebe Frau selber auf diese oder jene Höhe niederstieg, Helden­tum und Christentum reichen sich über den Wein­bergen brüderlich die Hände: hier bezeugen sie, daß sie aus denselben tiefsten Gründen emporgestiegen, aus der ewigen Sehnsucht, eine große irdische Freude, einen im Letzten unergründlichen irdischen Segen in Heiligkeit hinein zu erhöhen. Immer muß der Mensch schwärmen und anbeten können. Weil er das Wunder des Weines liebt, hat jedes Zeit­alter es mit dem Mythenkranz seiner Religion um­flochten. Gar nicht zu reden davon daß der Wein das Sinnbild des heiligen Blutes ist, daß ihm da­mit eine Weihe verliehen wird, die über die Kon­fession hinausreicht, weil mir mit einer gewissen Ehrfurcht auch in Wasser und Feuer Stoffe achten, die den sogenannten Heiden aus dieser bunten Erde eine unmittelbare Verbindung zur Gottheit schaffen.

Weinkarte und Heiligenkalender find nahe Ver­wandte. Neben dem italienischen Lacrimae Christi stebt die deutsche Liebfrauenmilch, und hinter ihr dann die zahllosen Rheinweine, überhaupt die Weim des deutschen Westens; Apostel, Junger und Kirchenheilige haben sie zu ihren Namenspatronen, und auch die strengsten Asketen und Siegelbewahrer haben niemals darüber geeifert. Es ist, als sonstige der Wein zur Duldung, wie er wiederum ein sehr diesseitiges Gut, zuzeiten trotzdem die irdische Bin­dung lockert. Denn sonst wäre der Taumel in seinem gefährlichen Dunst nicht möglich, und es wäre undenkbar, daß er sogar die Gewalt einer deutschen Gemeinde vorübergehend aufhebt Im Badifchen nämlich ruft ein Bürgermeister wahrend der Wochen, in denen der Ausschank desNeuen wichtiger ist als die ganze zeitgenössische Weltge­schichte, seine Räte zu keiner Sitzung zusammen : Und wahrscheinlich ist er rheinauf, rhemab nicht der einzige einsichtsvolle Mann.

- Heber cken Hügeln des Weines steht zeitlose Ewig- I feit Homer sah' die Weinstöcke ihre Fruhlingsliebe ; verstäuben, auch nicht um einen Grad anders, als es der rheinische Schifferknecht heute sieht. Der ur-

Jn einigen Kellern lagerte noch vor einigen ( Jahren ein Rheinwein, der seinesgleichen nicht ge­habt haben soll. Sein Name ist mir entfallen; nur . seine Geschichte, die es erklärlich macht, daß er so , kostbar war, ist mir gegenwärtig: Irgendwo am ( Rhein zog ein kleiner Bauer seine Reben auf einem ( schmalen Hügel. Der konnte aus keiner anderen Erde gehäuft sein als jener rötlich braunen, die , über alle Hänge hin zerbröselt ist, und die nämliche : Sonne, die freilich aus einem Landstrich em -Para­dies macht und aus einem anderen eine Oeoe, leuchtete auch über ihm. Und doch geschah es, Daß in einem Herbste auf jenem Hügel Trauben reiften, die vor allen anderen die Gnade des reichen Som­mers in sich bargen. War es dem Manne, der stets schwer um den Segen der Ernte rang, der sich m seinem Haus von einer Lese zur anderen Lese not- dürftig erhielt, in einem mythischen Traume ver­kündet worden, hatte er seine Armut mit einem fröhlichen Aberglauben zu umranken versucht ober kochte irgendeine Widerglut, gekühlt von nisvollen Winden, doch eine auserkorene Sufce in den Trauben gerade dieses Hügels, und sein Be­sitzer hatte solchen himmlischen Vorrang erahnt mit dem unheimlich wachen Spürsinn der Mensch erahnt, die von Wohllaune und Ungnade der Natur abhängig sind, ein Tag, eine Stunde genügte feben falls, ihn zu einem Besessenen zu machen. Er wollte einen heiligen Wein keltern, wie Lande noch niemals getrunken rnorben warunb er schickte sich mit seiner FSM^e an, a^ Hanb lungen auf dieses glorreiche Ende hm emZUNchtem Ein Kult um jede Beere begann. Es wurde eine Lese mit andächtigen Fingerspitzern Und B ere

s. m

mud)5. Doch au* ber ®la b ^geduld endlich di- warteten sie mit schmerzlich » «e weinend

wanderte. Es batte ucri 1 völlig verarmten süllung in Flaschen m dem »um °omg^ unter Hause nicht mehr er» enbi f Weines hat wohl Wn Beigeschmack auf

der Zunge gespürt?

sandten. Das Büro ist schlicht und sachlich eingerich­tet. Die ominöse Holzschranke, die den Besucher von den Beamten trennte, ist vor einigen Jahren dem Zug der neuen Zeit zum Opfer gefallen. Niemand trauert ihr nach. Entsprechend dieser Tatsache wer­den die Amtsgeschäfte hier mit freundlichem Ent­gegenkommen erledigt, mit einer immer gleichblei­benden Höflichkeit, deren Bedeutung wohl nur der richtig zu verstehen imstande ist, der einmal Einblick in die tausenderlei Wünsche und Anforderungen ge­nommen hat, die an eine Auslandsvertretung ge­stellt werden. Sachkenntnis auf den verschiedenartig­sten Gebieten und große Menschenkenntnis müssen unsere Auslandsbeamten besitzen, um all diesen An­forderungen gerecht zu werden, und hierbei spielt es keine Rolle, ob sich die Vertretung in einem großen

und am, 15. Oktober wurde der erste Jahr- g a ng von Fähnrichen und Offizieren zurAll­gemeinen Kriegsschule" einberufen.

Der neue Geist, der in Preußen wach wurde, hatte zur Folge, daß sich eine große Zahl von An­wärtern zum Besuch der Allgemeinen Kriegsschule meldeten. Da viele Regimenter Mangel an Offi­zieren hatten, so ergaben sich hieraus Schwierig­keiten, wie ein Schreiben Porcks aufweist, der eine Beschränkung der Einberufenen wünschte. Den gleichen Wunsch hatte übrigens auch Blücher, der da schrieb:Ich habe bereits dem Monarchen gebethen, daß nicht sämtlige Officir der hiesigen Regimenter geschickt werden, denn ohne Officir kann ich nicht fertig werden."

Diese Allgemeine Kriegsschule war unerläßlich für die Befreiung Preußens von der Fremdherr­schaft. Hier kam es nicht nur darauf an, Wissen in sich aufzunehmen, sondern hier wurde auch der G e i ft gelehrt, der erst den Freiheitskampf er­möglicht. Hier trat Clausewitz vor seine Zu­hörer und sagte:Ich sage mich los von der leicht­sinnigen Hoffnung einer Errettung durch die Hand des Zufalls, von der dumpfen Erwartung der Zu­kunft, die ein stumpfer Sinn nicht erkennen will, von der schamlosen Aufopferung aller Ehre des Staates und Volkes, aller persönlichen und Men­schenwürde. Ich glaube und bekenne, daß ein Volk nichts höher zu achten hat, als die Würde und Freiheit seines Daseins, das es mit dem

Sie verstehen die Sprache des Weinlaubes und die Lust der Weinbergheimchen, sie hören eine Musik des Windes, die zu Strom und Straße nicht mehr hinabreicht. Sie wissen den Ton des gärenden Weines, der einen Uneingeweihten wohl zu er­schrecken vermag (denn es klingt wie das übermäßig laute Schlucken eines Menschen), zu deuten. Man wird neben ihnen in den kühlen feuchten Domen der Keller, wo sie nur dem Gotte des Weines zele­brieren, wissend und andächtig zugleich. Auch was der gärende Wein redet, wenn er sich gegen das Altern aufbäumt, ist eine der Milliarden Mund­arten dieser Welt.

Sage noch einer in lustiger Verächtlichkeit des Genusses: Wein ist Wein! Wenn er dieses hört, was wenige wissen: Alljährlich, sobald die Rebe blüht, beginnt der Wein, der von ihr stammt, und mag er dann lagern wo immer auf der Erde, sich zu regen; in Heimweh erinnert er sich der heimat­lichen Hügel, von denen er kam. Diese seltsame Frühlingsgärung klingt Jahr um Jahr immer mehr ab, als vergäße er in dem Keller langsam seines Schmerzes. Gibt es Lebendigeres als diese wirklich nicht etwa erdichtete Erinnerung? Wein ist nicht Wein. Wein ist ein Geheimnis.

erfolgte.

Wenn wir uns durch die wenig belebte Königs- thalerftraße dem Gefandtfchaftsgebäude nähern, sehen wir hinter einem Rasenrondell ein schlichtes weißes Gebäude. Eine Freitreppe führt zum Ein­gang, durch den wir ins Vestibül gelangen, das als einzigen Bilderfchmuck eine lebensgroße, überaus ansprechende Lichtbildaufnahme des Führers zeigt. Schön geschnitzte Eichensessel aus dem 17. Jahrhun­dert geben dem Raum ein würdiges Gepräge. Von diesem Dorraum führt eine Tür zu den Büro­räumen, eine andere in die Privatwohnung des Ge-

Festakt begehen, dem der 'Reichskriegsminister Ge­neraloberst von Blomberg, der Oberbefehls­haber des Heeres, General der Artillerie Frei­herr von Fritsch und der Chef des General­stabs des Heeres General der Artillerie Beck bei­wohnen werden. Der jetzige Kommandeur der Kriegsakademie, General der Infanterie Lieb­mann, betont mit Stolz hie Anknüpfung an d i e einstige stolze Tradition der Kriegsakademie. Die Arbeit in den neuen Räumen wird im Geiste der Männer geschehen, die einst in der alten Kriegsakademie als Schüler gelernt oder als Lehrer gelehrt haben. So wurde vor dem gro­ßen Hörsaal die Statue des Generalfeldmarschalls d. Moltke aufgestellt und im großen Festsaal be­findet sich das Bild des Gründers der Kriegsaka­demie vor 125 Jahren, des Generals v. Scharn­horst. während sich rechte und links von diesem Bilde Bilder von Moltke und Schli essen be­finden. Rechts vom Podium hat ein Bild des Ge­neralfeldmarschalls v. Hindenburg Platz ge­funden, der einst auch Schüler der Akademie war, während links vom Podium das Bild des Führers hängen wird, als des Mannes, der dem Reiche die Wehrfreiheit roiebergab und her es durch diese Tat ermöglichte hast die neue 'Krieas- akademie ihre wertvolle Bildungsarbeit für die Offi­ziere des deutschen Heeres wieder aufnehmen

125 Zahre Kriegsakademie.

Ein stolzer Erinnerungstag für die deutsche Wehrmacht ist dieser 15. Oktober 1935, denn er ist der Tag, an dem vor 125 Jahren d i e Kriegsakademie in ihren ersten Anfängen gegründet wurde. Es ist gerade jetzt von historischem und politischem Wert, dieser Gründung zu geden­ken, da sie bemerkenswerte Parallelen mit der Gegenwart aufweist. Auch damals ging der Kampf um Preußens Wehrfreiheit. In schwe­rer Zeit, als das Vaterland politisch geschwächt darniederlag und die zertrümmerte Armee von Grund aus neuorganisiert werden mußte, wurde dieAllgemeine Kriegsschule" gegründet als eine Pflanzstätte, in der die Offiziere den.For­derungen der Neuzeit entsprechend, für ihren krie­gerischen Beruf sowohl als in allgemein wissen­schaftlicher Hinsicht fortgebildet werden sollten. Die Kriegsakademie ist für die preußische und dann die

treiinlich ist.

An diesem Erinnerungstag muß aber vor allem des Mannes gedacht werden, dessen ureigentlicher Gedanke» und Werk die Gründung dieser Hochschule für preußische Offiziere war: Scharnhorst. König Friedrich Wilhelm III. hatte sich seiner Dienste versichert und so gründete Scharnhorst im Jahre 1804 in Berlin die Akademie für junge Offiziere. Scharnhorst war ja selbst als Lehrer tätig und seine kühnen Gedanken sowie der Adel seiner Gesinnung waren es, die seine Zuhörer, zu ^henen Clausewitz, Doyen und V a l e n t i n i gehörten, in seinen Bann zwangen. Scharnhorst könnte aber damals nicht mehr retten, was nicht zu reffen war Dieses erste Bildungswerk ging in Trümmer. Nach dem Tilsiter Frieden konnten die 170 000 Taler nicht mehr aufgebracht werden, die die Akademie benötigte. Bald aber sah man auch in Preußen ein, daß ohne ein neues und starkes Heer an Frieden, Freiheit und Aufbau nicht ge­dacht werden konnte. Der König fetzte Ende Juli 1807 eine Armee-Reorganisationskommission em Unö stellte an ihre Spitze den Generalmajor von Scharnhorst. Auf dessen Vorschlag wurde auch bas gesamte Militärbilbungswesen völlig neugeorbnet Scharnhorst unterbreitete bem König im Jahre 1808 einen Plan, her im Jahre 1810 genehmigt würbe, konnte.

Zeitlich über Weinberg, Kelter und Keller steht die Wissenschaft, die Klugheit des erfahrenen Men­schen. Dreitausend Jahre Weinbau haben natürlich ihre Gesetze geschaffen, bis in die raffinierte Chemie hinein. Don der frühesten Traubenpresse zur Ma­schine, die hundert Hände ersetzt, von dem ersten Maischbottich zum heutigen Gärkeller, vom antiken Weinkauf zur wohlgeordneten Weinprobe auf einer her staatlichen Domänen dehnt sich ein unendlich weiter Weg, aber an seinem Anfang und an seinem Ende steht die gleich sorgsame Verantwortung vor dem köstlichen Traubensaft, steht das unbekannte oder doch unbewußt wirkende Kultgefuhl, das sich ein würdiger Gegenstand noch immer geschaffen hat.

Die Weinbauer, von denen uns die Bibel er­zählt, wären unter ihresgleichen daheim, wenn sie aus der anderen Welt auf die rheinischen Reben­höhen entsendet würden. Es ist biblischer Schweiß, der auch hier in die herbe Erde tropft, die sich nur d-m immerzu und unbedingt Getreuen ergibt Es sind dieselben bronzenen Gesichter die sich in flehen­der Stummheit gegen die drohende Wolke wenden es sind dieselben verkrusteten Hande, für die feder einzelne Weinstock ein Wesen eigenen Leibes, eige- ^^Do^"solchen Schweigern, die aus der Mühe eines hürftinon Gebens allmählich in fröhliche Stummyeil*-.>- * *>/ ---------- -

Süden, muB man lernen, was die Dinge reden, i Universität Hamburg berufen worden.