Nr. 186 Zweiter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)Montag, 12. August 1955
„Tannenberg",größtesOsiseeschiff,dorderWerkprvbeschit
3n den Stettiner Oderwerken steht das neue Schiff „Tannenberg* des „Seedienstes Ostpreußen*' vor der Vollendung. Die erste Werkprobefahrt fmdet in den nächsten Tagen statt, und am 6. September foll die „Tannenbera" zu Ihrer ersten Fahrt auslausen. Das Schiff ist der größte Ostseedampfer und mit den modernsten Anlagen und Bequemlichkeiten für die Passagiere ausgestattet. — (Bertheyde-M.)
Das Geheimnis des Heimkehrers.
sie ihren Liebhaber heiraten könne — und drohte, als Pedro sich weigerte: „Dann ist mir alles gleichgültig — dann werde ich die beiden Morde und alles andere verraten!" — eine Drohung, die der Aufsichtsbeamte hörte, weil sie in der Erregung zu laut herausgestoßen wurde. Nun verhaftete man sofort auch die Frau und unterwarf sie durch Tage und Nächte den schärfsten Verhören — bis sie, nach wildem Leng- nen, endlich wenigstens einen Teil des Dramas emgestand, das der Heimkehr des „Petro Campo- niero" vorhergegangen. Den Rest erfuhr man durch bu Behörden von Maracaibo in Venezuela...
Zunächst wußte die Polizei von Maracaibo nur zu berichten, daß im März 1933 laut Registereintragungen sich zwei Brüder Camponiero, seit einigen Jahren Staatsbürger Venezuelas, gleichzeitig mit einem gewissen Ma- nielo Duca und seiner Gattin abgemeldet, um sich nach Portugal einzuschiffen. Hier hakte man ein: wenn der Häftling angeblich Pedro Camponiero war, dann mußte seine angebliche Frau vermutlich die Gattin des Manielo Duca sein..., was aber aus dem jüngeren Camponiero und dem Duca selbst geworden?! Stein auf Stein trug man in monatelanger Untersuchung zusammen, fügte hinzu die Teilgeständnisse der Frau — und endlich enthüllte sich das furchtbare Geheimnis des Heimkehrers:
Der Heimkehrer war nicht der Pedro Camponiero, sondern der Manielo Duca. Das Ehepaar lebte einige Jahre drüben in Maracaibo in enger Nachbarschaft und Freundschaft mit den beiden Brüdern Camponiero... bis die ersten Gerüchte von einer Erbschaft im fernen Portugal durchsickerten. Da reifte in dem Duca der grau
sige Plan, für den er auch seine Frau gewann: Eines Abends weilten die beiden Camponieros bei dem Ducaschen Ehepaar; und hier wurden sie von der Frau vergiftet und noch in gleicher Nacht von dem Mann in aller Heimlichkeit verscharrt — man hat jetzt ihre Leichen gefunden... Noch am nächsten Morgen meldete Duca, der sofort d i e Papiere der Ermordeten an sich genommen, die Brüder, seine Frau und sich selbst bei den Behörden Maracaibos nach Portugal ab, und hier tauchte er als Pedro Camponiero auf, der vor zwanzig Jahren die Heimat verließ und an dessen Aeußeres sich niemand mehr erinnerte. Er legte seine Papiere vor, übernahm die reiche Erbschaft und wäre wohl bis an das Ende dieser Tage unangefochten geblieben, wenn nicht durch das heiße Blut seiner jungen Frau und Komplizen endlich das furchtbare Geheimnis ans Licht gekommen wäre.
Dieses in seiner Kraßheit einmalige Kriminaldrama hat in ganz Portugal eine wahre Sensation entfesselt; leidenschaftlich hat man Anteil genommen an den einzelnen Phasen und Stadien der Untersuchung. Heber zwei Monate hat es dann noch gedauert, bis man sich darüber einig wurde, was mit dem verbrecherischen Ehepaar zu geschehen habe. Jetzt endlich hat man dem Auslieferungsbegehren Venezuelas stattgegeben -- denn die Morde geschahen drüben, und sowohl die beiden Brüder Camponiero waren venezuelanische Staatsangehörige geworden, wie auch Manielo Duca und seine Frau Bürger der südamerikanischen Republik sind. Nun sind sie soeben der Gerichtsbarkeit von Caracas übergeben worden — der Strang wird diesem sensationellen Erbschleicherdrama vermutlich bald ein Ende setzen. o. c.
Als Gründgens noch mitVollbartspielie..
Ernstes und Heiteres aus einer beispiellosen Karriere.
Der falsche Erbe.-Mord in Uebersee.-!
Manielo Duca und seine Frau sind nach langen Verhandlungen an den südamerikanischen Staat Venezuela ausgeliefert worden. Sie wurden bereits in Caracas von den Polizeiorganen Venezuelas übernommen Ein doppeltes Todesurteil dürfte nach kurzem Prozeß unzweifelhaft zu erwarten fein." Das ist der Epi'og, den die Blätter Portugals einem sensationellen Kriminaldrama widmen — seine einzelnen Phasen haben hier mehrere Monate lang die Gemüter in Atem gehalten, begreislicherweise, denn wieder einmal hat sich das Leben als ein phantasiebegabterer Autor bewiesen denn der einfallsreichste Kriminalschriftsteller.
Vor zweieinhalb Jahren starb tn der Nähe von Ankra-do-Heroismo der alte Don Camponiero. Er bewohnte ein schönes Landhaus, zu dem viel Ländereien gehörten, war auch sonst mit irdischen Gütern gesegnet, dabei aber ein weit durch die Provinz verschriener Sonderling und Geizhals, bei dem es kein Mensch aushielt; selbst seine beiden Söhne hat er derart malträtiert, daß sie vor manchen Jahren schon das väterliche Haus verließen und in die Ferne wanderten. Ganz einsam ist der Greis dann verstorben.
Vier Monate laa er schon unter der Erde — da kam der ältere dieser beiden Söhne, Pedro Camponiero, endlich in die Heimat zurück und trat sein Erbe an. Er brachte eine junge Frau mit und konnte von wechselvollen Schicksalen erzählen, die ihn endlich nach Maracaibo in Venezuela ?geführt hatten, wo er durch emsige Arbeit zu Wohl- tand gekommen war Er hatte dort unten mit seinem jüngeren Bruder in enger Gemeinschaft gelebt — aber dieser Bruder hatte nichts mehr von der Heimat wissen wollen und war in Südamerika geblieben. Pedro Camponiero erwies sich als das ganze Gegenteil seines Vaters, als ein freundlicher und umgänglicher Nachbar, als ein emsiger Schaf- fer, der alsbald mit seiner Frau das verlotterte
das verräterische Gespräch in der Zelle. Besitztum wieder tn Ordnung brachte. Schnell wurde das Ehepaar allenthalben beliebt.
Pedro, der Heimkehrer, zählte immerhin schon fünfundvierzia Jahre, während seine Frau zwanzig Jahre jünger war. Und dieser Frau rollte heißes Blut in den Adern — eines Tages verliebte sie sich glühend in einen jungen Bauernburschen aus der Nachbarschaft, und damit war es mit dem Frieden auf dem Besitztum Camponieros vorbei. Es kam zu wilden Eifersuchts- szenen, denn Pedro gedachte nimmer, sich gutwillig Hörner aufsetzen zu lassen. Eines Abends, als er beobachtete, daß sein Nebenbuhler im Begriff war, zu einem Schäferstündchen in das Gemach der Frau einzusteigen, gab er kurz entschlossen ein paar Schüsse auf Den waghalsigen Burschen ab. Sie trafen nicht — aber die Sache kam immerhin den Behörden ^u Ohren; und als Pedro am nächsten Tag auch seine Frau mit dem Tode bedrohte, verhaftete man ihn.
Kaum saß Pedro hinter den schwedischen Gardinen, als der Bauernbursche, den er um ein Haar erschossen, als Märchenerzähler durch die Gegend wanderte und mit rachsüchtigem Augenzwinkern dunkle Dinge verlauten ließ. „Pedro Camponiero? —: ist gar nicht Pedro Camponiero? Sondern ein Schwindler, etn Verbrecher — durch Mord hat er sich in den Besitz des Erbes der Camponieros gesetzt! Ich weiß es genau — feine Frau hat es mir mal ins Ohr getuschelt, sie will auch weg von dem blutigen Mörder!" Dies wilde Gerücht wuchs wie eine Lawine, gelangte zur Kenntnis der Behörden, und diese beschäftigten sich nun eingehender mit dem Häftling, konnten aber nichts in Erfahrung bringen, zumal alle Papiere des Pedro Camponiero in Ordnung waren. — Bis endlich ein Gespräch in der Zelle da- furchtbare Schauerstück restlos erhellte.. .
Frau Camponiero besuchte nämlich ihren Mann im Gefängnis, beschwor ihn, sie freizugeben, damit
Gustaf Gründgens, der Intendant des staatlichen Schauspielhauses Berlin, glänzender Darsteller zahlloser Film- und Bühnenrollen, Tänzer, Opernregisseur, Filmregisseur, kurz einer der vielseitigsten und fähigsten deutschen Film- und Theaterleute, erzählt von seinem Werdegang.
Gustaf Gründgens, der Intendant des Berliner staatlichen Schauspielhauses, ist ein vielbeschäftigter Mann. Nach vielen vergeblichen Versuchen gelingt es mir endlich, ihn zu erreichen. Wahrhaftig, die Zeit, die durch den Umbau des Schauspielhauses freigeworden ist, geht nicht ungenutzt vorbei. Und dann werde ich eines Tages im Jntendanzbüro in der Oberwallstraße empfangen. Man wird an Böttichers Stück „Der König" erinnert, wenn man diesen Raum betritt. Eine spielerisch leichte Rokoko-Einrichtung, die Farben harmonisch aufeinander abgestimmt, von einer unbeschreiblichen Eleganz, man hat wirklich das Gefühl, dieser Raum ist eben aus Sanssouci geholt worden. Und das Merkwürdigste, Gustaf Gründgens wirkt trotz seines hellen Sommeranzuges zu diesem Raum gehörig, die spielerischen und doch selbstverständlichen Gesten lassen auch im Menschen das Rokoko wiederauferstehen. Man fühlt sich in der Zeit Lessing und Voltaire versetzt, die in solchen Zimmern mit spielerischer Eleganz -scharfe geistige Kämpfe austrugen.
Gustaf Gründgens erzählt von seinem ersten schauspielerischen Versuchen am Fronttheater. Wie viele feiner Kollegen hätte er nach der Revolution gleich zur Bühne gehen können. Es gab damals immer noch Menschen, die glaubten, daß zum Schauspieler keine Ausbildung gehöre. Aber dieser Mann, von ernstem künstlerischem Wollen beseelt, wußte um die handwerklichen Grundlagen jeder Kunst. Trotz aller Erfolge am Fronttheater ging er nach Düsseldorf auf d i e — Schauspiel- schule. Mit den jungen Leuten, die noch keinen Schritt auf der Bühne getan hatten, saß er zusammen und arbeitete. Von Luise Dumont, der Frau, die einer ganzen Generation von Schauspie-
lern ihr geistiges Gepräge gab, die eine der stärksten Persönlichkeit des deutschen Theaters der letzten Jahrzehnte war, empfing der junge Gründgens außerordentlich starke Eindrücke, die heute noch das Wesen seiner Kunst zum großen Teil bestimmen.
Mit wenigen Worten formuliert er fein künstleri- sches Glaubensbekenntnis: „Der Erfolg des Theaters kann nur ein Erfolg des gefunden Menschenverstandes sein. Ich finde, daß in der Kunst genau wie im Leben 2 mal 2 = 4 ist. Wir müssen uns an die Realitäten halten; sie auszuschöpfen ist oberste Pflicht! Was dazu kommt, was uns über uns selbst hinausführt zum wahren Künstlertum, das ist unwägbar, nicht zu erlernen, das ist Gnade!"
Sein erstes Engagement hatte Gründgens. Die Nachkriegsjahre hatten eine Umwertung aller Werte gebracht, aber die neue Form war noch nicht reif. Originalität, Anderssein um jeden Preis, so waren auch die Regisseure in Halberstadt. Gründgens mußte zuschauen. Zu jung, um als einzelner den Kampf $u wagen: noch zu unbedeutend, um dem Theater feinen Stempel aufzudrücken, blieb seine Begabung damals ungenutzt. Er spielte nicht sehr viel, und was er spielte, gehörte nicht in sein Fach. „Ich mußte immer d i e Väter derjenigen Rollen spielen, die mir zukamen. Keine Rolle ohne Vollbart und Wattebauch! Sogar eine Glatze mußte ich mir machen!" Jaja, die Welt ist paradox, und die Welt des Theaters besonders. „Heute", fährt Gründgens lachend fort, „habe ich nun die Glatze und muß mir Perrücken aufsetzen, weil ich endlich die Rollen spiele, die zu mir passen."
Man stelle sich den 20jährigen Gustaf Gründgens als Dankwart, Hagens älteren Bruder, vor ober gar als Pastor Manders, und man braucht sich nicht zu wundern, wenn die Presse schrieb: „Die Aufführung litt unter der verzeichneten Wiedergabe des Pastors Manders durch Herrn Gründgens". Aber daß man ihn im „Anatol" ausgerechnet vorwarf, daß er kein „Kavalier", fein „raffinierter Lebensgenießer", kein „Lebemann", nicht „elegant und fpötteliÄ-geistreich" sei, das muß uns nach
Dreie, die wohl ein jeder kennt.
Von Friedrich Irelsa
In den Ferien möchte jeder aus seiner eigenen Haut herausschlüpfen. Das erholt! Ein Dirndlkleid, ein grünes Hüterl — und ein Mädchen fühlt sich wie neugeboren. Die Krachlederne, das graue Jackett mit grünem Kragen und Hirfchhornknöpfen — und abgefallen sind alle Plagen der Stadt, die des Mannes Geist beschweren. Aber wir kennen sie alle, die die Selbstverzauberung meit^rtreiben, die die Sehnsucht haben, aus drei, vier Wochen eine andere Existenz vorzuspiegeln, ohne Absicht, ihre Mitmenschen zu schädigen. Nein, ihre einzige Absicht ist es, an ihr eigenes Wunschbild die andern glauben zu machen, sich von Glanz, Ehrfurcht und Hochachtung umwittern zu lassen. — — —
Der Erste.
Der Erste war ein braungebrannter, sehniger Mann, der im großen Hotel abstieg. Neben den sehr eleganten Koffern und der Reisetasche erregte Aufsehen sein gewaltiger Rucksack, über den ein Seil mit Steigeisen gebündelt war. Der Herr selbst erschien mit einem eleganten Eispickel in der Hand, den er auch auf der Kurpromenade als Spazierstock au benutzen pflegte. Er war beim Frühstück und Abendessen von jungen Damen umgeben, denen er höchst bildhaft Bergwanderungen beschrieb. Und auf die Frage, wann er ins Gletschergebiet aufbrechen würde, erklärte er, er warte nur auf seinen Freund, und nannte den Namen eines bekannten Berghelden, der auch durch Fahrten in die Kordilleren und im Himalaja rühmlichst bekannt geworden ist.
Zwei Wochen hielt der Herr das ganze Hotel in At?m, bis dann ein paar junge Leute sich an ihn heranmachten und ihn baten, doch mit ihnen einen kleinen Spaziergang zu machen auf eine Spitze der Umgegend, zu der man in wenigen Stunden mühelos hinaufgelangen könnte
Der erfahrene alte Bergfahrer sagte ja, und am nächsten Morgen fuhren sie mit dem Bähnchen ein Stück weiter in die Berge hinauf, und dann begannen sie den Aufstieg Verdrießlich war den jungen Leuten nur, daß ein langbärtiger Bergbewohner mit einer Rucksacktracht, em hochwertiger „Bieber", ihnen beständig folgte und, wenn sie sich um» schauten, beifällig nickte. Hernach kamen sie zur Almhütte, in die auch der „Bieber" eintrat und seinen Rucksack niederließ. Don hier aus sollte der Ausstieg beginnen Da erklärte der erfahrene Berg- fahrer: „Ich habe mir den Fuß vertreten. Es ist ein Unsinn, mit hinaufzugehen und ihnen zur Last
zu fallen. Den Abstieg von hier werde ich schon noch schaffen können.
Enttäuscht machten die jungen Leute den Aufstieg allein. Als sie zur Alm zurückkamen, waren sie recht hungrig und darum sehr erfreut, als die vierzigjährige Almerische ihnen außer Käse, Milch und Enzian noch ein paar Büchsen Sardinen, ein kräftiges Stück gekochten Schinken und eine Flasche Rotwein brachte. Als sie die outen Dinge bezahlen wollten, meinte das Mädchen schlicht, es wäre schon recht (sprich das ch im Rachen!), das wäre vom Frühstück des anderen Herrn übriggeblieben.
Da schauten die drei Bergkameraden einander an und nickten. „Derwischt!" — Und sie lachten über den alten, erfahrenen Bergsteiger, der schon im voraus wußte, er würde sich den Fuß vertreten, und sich darum vorsorglich den Rucksack mit dem reichen Frühstücksmahl hatte nachtragen lassen. An seinen Mahlzeitüberresten wurde er erkannt. Und als die jungen Leute abends im Hotel in der Halle die Geschichte zum besten gaben, da verschwand er, brach auf zu einem anderen Ort, zu neuen Worten, nicht zu neuen Taten!
Das war der Erste, und jeder Leser, der in den Bergen war, wird wohl einen ähnlichen kennen.
Der Zweite.
Die Tennisplätze des Ortes sind nicht fertig geworden. Das wird von vielen bedauert. Aber droben an der Berglehne gibt es einen Privatplatz, den die sehr liebenswürdige Frau Dr. I. auch den Fremden überläßt. Hier wird eifrig Sport getrieben. Die Spieler kennen einander, schauen einander zu. Da erschien eines Tages am Platz ein Herr mit dunklem Haar und großen, wasserblauen Augen. Er kritisierte laut und mit Behagen und stellte sich vor als Ewald Fischer aus Mentone. Sie erinnern sich, Ewald Fischer ist der berühmte Rivieraspieler! Und es verdachte dem Herrn keiner, daß er nicht auf dem Platz antrat. Warum sollte er mit kleinen Patzern seinen Turnierschlag verderben?
Acht Tage später kam Mister Hitshcvck an, ein Amerikaner, der sehr nett Deutsch sprach. Hitshcvck kam auf den Platz, sah Fischer, erfuhr, daß er seit acht Tagen da war, und ging aus ihn zu. Deutschamerikanisch setzte er ihm auseinander, wie erfreut er wäre, einen Spvrtskameraden zu treffen. „Mister Fischer", sagte er, „ich werde ja von Ihnen viel lernen können, aber immerhin, wir können trainieren! Ich bin der Siebente der amerikanischen Rangliste!"
Wir sahen es Fischer an, er war nicht sehr erfreut, und sanden Hitshcvck aufdringlich gegenüber
dem reservierten Manu. Aber Hitshcvck ließ sich nicht abbringen. „Wir machen keine Partien", sagte er, „wir schlagen nur Bälle, und ist freue mich, einmal gegen einen so berühmten Backhandspieler antreten zu können, wie Sie es sind!"
Fischer sagte auf zwei Trainingsstunden am nächsten Morgen um zehn zu. Wir kamen alle auf den Platz, um dies einzigartige Schauspiel zu genießen, wie zwei internationale Tennisgrößen sich miteinander maßen.
Aber Fischer kam nicht. Statt seiner brachte das Büblein des Hotelportiers einen Brief, in dem Fischer bedauerte, er wäre telegraphisch nach München abberufen worden zu einem Vierer, in dem er gegen Herrn von Gramm spielen müsse.
Hitshcock las uns diesen Brief vor und sagte lächelnd: „Ich hatte das erwartet! Fischer von Mentone kenne ich persönlich, und unser Fischer hier ist ebensowenig Riviera-Crack, wie ich der Siebente in der amerikanischen Rangliste bin! Ich heiße freilich Hitshcock, bin aber aus Cincinnati, und her <*rhh> Hitshcock ist aus Chikago!"
Der Dritte.
Im Schwimmbad trat er auf, nannte sich schlicht Sanders und ließ durchblicken, er wäre der bekannte Schwimmer und Springer. Er ließ sich bräunen, sprang auch wohl mit einem eleganten Hechtsprung ins Wasser, und im übrigen schwamm er mit dem Munde. Zumeist stand er droben auf dem Sechsmeterturm und betrachtete das ganze Strand- und Schwimmbad wie ein Admiral von der Kommandobrücke eines Schiffes. Er war kalt und anmaßend, dabei mischte er sich in jedes Gespräch. Er tat so, als ob er der kommandierende Oberbefehlshaber des Strandbades wäre, und spielte die Polizei. Lagen einmal junge Leute ober Buben auf den Sprungbrettern, die nicht benutzt wurden, so schritt er ein. „Herrschaften", sagte er, „die Sprungbretter sind für Sportspringer bestimmt, nicht für Sonnenhäschen!"
Die Jungen, diese übermütig tollende Bande, die er besonders plagte, umschlichen ihn verstohlen. Sie heckten einen teuflischen Plan gegen ihn aus. Als er wieder auf der Kommandobrücke stand und vom Turm herab alles beäugte, liefen zwei Lausbuben die Treppe hinauf, der eine jagte den andern, der vordere, ein blonder Bengel, schrie „Achtung? Platz!", sprang mit einem Kopfsprung an, traf den Admiral auf der umfangreichen Rückseite, beide stürzten ins Wasser.
Alle lachten über den Streich Der Bube tauchte auf wie ein Fischotter und kraulte, so schnell er konnte, davon, um dem Strafrichter zu entgehen.
Aber der dicke Admiral kam nicht so schnell herfür. Und als er schließlich das gerötete Haupt aus dem Wasser streckte, sah man es ihm an, er hatte geschluckt, und er kam nicht zu Schwimmbewegungen, er schlug um sich wie besessen, und dazu schrie er: „ßäben will ich! Läben will ich! Löben will ich!"
Alles schaute erstaunt auf. Dann begannen die jungen Mädchen, die er von den Brettern vertrieben hatte, zu lachen.
Der Bademeister allein begriff, daß Gefahr im Verzüge fei, sprang ins Wasser, landete den dicken Mann, legte ihn auf den Bauch und knetete ihm den Rücken. Unter Husten und Niesen kam das allzu reichlich verschlungene Wasier aus Magen und Lunge.
Am nächsten Tage aber stand kein Admiral mehr auf der Kommandobrücke des Turmes.
Zeitschriften.
— Hans Adolf Bühler, dessen romantisches Schaffen jenseits aller Moderichtungen steht, erfährt in Der Augustfolge von Westermanns Monatsheften eine Würdigung durch Hermann Eris Buffe. Acht farbige Wiedergaben nach Gemälden von Bühler zeigen die mythische Gestaltungskraft des Thoma-Schülers. Der Segelflug, das Feld opferwilliger, einsatzbereiter deutscher Jugend, macht, aus dem Nichts geworden, den „Menschenflug", das weitgesteckte Ziel, zur Wirklichkeit. Schöne photographische Aufnahmen sprechen von der Arbeit der deutschen Segelflieger. Hans Hagemeyer, der Leiter der Reichsstelle zur Förderung des Deutschen Schrifttums, wertet das Schrifttum als wichtiges Mittel zur Durchsetzung einer Weltanschauung in breitesten Volksschichten und das Buch als wesentlichen Träger des politischen und kulturellen Willens der Natton. lieber die Herkunft des „Deutschen Michels" herrscht großes Rätselraten. Der Aufsatz von Pros. Dr. E. Borkowsky deutet die geschichtliche Gestatt des kurfürstlich-pfälzischen Generals Johann Michael von Dbentraut als das historische Vorbild. Wesen, Künstlertum und Werk Siegfried Wagners beleuchtet Johannes Reichelt in feinen Erinnerungen als menschlich warme Würdigung des Hüters der Bayreuther Tradition zu feinem fünften Todestag. Das Gemeinfchaftserlebnis der Kraft-durch- Freude-Reifen, das die Schaffenden über gemeinsame Aufgaben hinaus auch in gemeinsamer Freude und Erholung einander näherbringt, schildert Marga Garnich. Da wir an guten humoristischen Romanen keinen Ueberfluß haben, sei an den Roman „Der verliebte Windmüller" von A. Artur Kuhnert erinnert.


