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Jn Braunschweig hat sich der wegen Doppel- Mordes in Untersuchungshaft befindliche Ernst Feuerhahn aus Söllingen in Braunschweig im Kreisgefängnis an einem aus der Lichtleitung her­ausgerissenen Kabel erhängt. Feuerhahn sah seiner Verurteilung wegen einer Tat entgegen, die infolge der furchtbaren Roheit, mit der sie ausgeführt worden war, größtes Aufsehen und tiefste Empö­rung heroorgerufen hatte. Er hatte am 27. Februar d. I. in der Söllinger Feldflur zwei zehnjährige Mädchen nach eigenem Geständnis in den vorüber­fließenden Auebach gestoßen und dort ertränkt.

Grubenbrand fordert vier Todesopfer.

Dor den Pfingstfeiertagen war beim Brücken- Bergschacht I der GewerkschaftMorgenstern" in Zwickau in einem Flöz ein Brand entstanden,

Am 12. Juni 1815, wenige Tage vor der Schlacht bei Waterloo und der Erledigung Napoleons, wurde in Jena die Deutsche Burschenschaft ge­gründet, aber schon seit dem Niederbruch Preußens im Jahre 1906 war diese Gründung vorbereitet worden. Dem Hochgefühl, im Staate Friedrichs des Großen zu leben, war das Bewußtsein tiefster Schmach gefolgt. Während Scharnhorst die Waffen zum Befreiungskampf schmiedete, waren andere vaterländische Männer leidenschaftlich an der Arbeit, das Volk in seiner Stimmung wiederaukzu- richten, seine Sehnsucht nach Freiheit zu entfachen und in allen Deutschen die Erkenntnis ihrer Zusammengehörigkeit, ihres gemeinsamen Volkstums zu wecken. An manchen Orten war es schon in den Wochen tiefster Erniedrigung zu einem Zusammenschluß Gleichgesinnter gekommen, der unter dem NamenT u g e n d b u n d" bekannt wurde, und 1810 schuf der Turnvater Jahn seinen Deutschen Bund", was ihm eine Anklage wegen Hochverrats eintrug.

Jahn war es auch, der die ersten Satzun­gen der Deutschen Burschenschaft entwarf und sie dem Rektor der Universität Berlin, Fichte, zur Begutachtung einreichte. Beschränkte sich dieser Plan auch auf die Studenten, so wurde doch damit ge­rechnet, daß sich seine Wirkung in kürzester Zeit auf alle Kreise unseres Volkes ausdehnen müßte.

Hatten sich die vom Freiheitsgedanken erfaßten Jünglinge beim Ausbruch der Befreiungskriege be­sonders im Lützower Freikorps getroffen, so war es kein Wunder, daß gerade auch die Lützower bei ihrer Heimkehr tatkräftigen Anteil an dieser vaterländischen Bewegung nahmen, denn es han- delte sich, wie wir heute wissen, nicht so sehr um eine studentische Reformbewegung, als um eine nationalpolitische Bewegung, die sich die Erfassung und Erziehung unseres ganzen Volkes zum nationalen Gedanken, zur Pflege des deutschen Volkstums, zur Wahrung der Volksehre und zur Ausscheidung alles Fremden zum Ziele setzte.

Alles Geschichtliche muß aus seiner eignen Zeit heraus verstanden werden. Wie trte Nationalsoziali­stische Deutsche Arbeiterpartei war die Deutsche Bur­schenschaft ein Kind nationaler Not. Als Sieges­

Schädelbruch. Beide wurden ins Krankenhaus bracht.

Der irdischen Gerechtigkeit entzogen. Selbstmord eines Mäbchenmörders.

preis der Befreiungskriege hatten die Frontkämpfer jener Zeit die Wiederherstellung des deutschen Kai­serreiches, eines Großdeutschland ersehnt. Die Federfuchser", die Diplomaten in Wien aber hat­ten sie enttäuscht. Bewußt wurden unter der Füh­rung Metternichs und der ausländischen Diplo­maten alle kleinen Staaten in dem Wohnraum der deutschen Stämme selbständig erhalten, damit nur ja die Kraft, die einen Napoleon zu Boden ge­schmettert hatte, nicht noch gestärkt würde.

Gerade auch die Empörung über diesen Ausgang führte in der Folge der deutschen Burschenschaft be­geisterte Anhänger zu.Vaterland! Volks- tum! Volksehre! Freiheit!" waren die Losungen und um alle schlug die heiße Flamme der Sehnsucht, alle deutschen Brüder und Stämme zu einem großen Reiche zusammengeschlossen zu sehen. Heute wissen wir, daß unser in Stämme und Klein- stackten zerrissenes Volk und vor allem die Fürsten und Regierenden damals und noch viele Jahrzehnte lang für diese Gedanken nicht reif waren, auch nicht, als neue Kriege die äußere Einheit des Rei­ches hergestellt haben.

Ernst Moritz Arndt war einer der geistigen Führer der nationalpolitischen Bewegung jener Zeit, wies in Liedern und Reden auf das gemein­same Volkstum aller deutschen Stämme hin (Was ist des Deutschen Vaterland... das ganze Deutsch­land soll es sein!), aber bald kam die Zeit, in der alle, die diese Lieder fangen und über die Notwen­digkeit der Bildung einer großen deutschen Volks­und Schicksalsgemeinschaft auch nur in kleinem Kreise sprachen, als Demagogen verfolgt, verhaftet und verurteilt wurden und in Festungen darüber nachdenken konnten, wie gefähr­lich es doch war, sein Vaterland zu lieben und über seine Nöte und Hoffnungen zu sprechen. Zu diesen gehörte auch Fritz Reuter, der leine Erlebnisse in11t miene Festungstied" sehr anschaulich und von Humor verklärt geschildert hat. Auch Jahn wurde wiederholt verfolgt und heimatlos und auch Ernst Moritz Arndt durfte zwanzig Jahre hin­durch sein Hochfchullehreramt in Bonn nicht aus- üben. Die Führer der Nation zu Einheit und Volks­tum und Macht waren für die damaligen Regieren­den gefährliche Menscyen!

Volkstum und Vaterland!

Hundertzwanzig Jahre deutsche Burschenschaft.

Von Rudolf Friedemann.

Aufenthaltsrecht tn Leningrad entzogen und sie m Städte verbannt, die mindestens 1500 Kilo­meter von Moskau und Leningrad entfernt liegen. Den Verbannten wurden nur 48 Stunden gelassen, um chre privaten Angelegenheiten zu ordnen. Un­ter den Verbannten befinden sich viele ehemalige Kaufleute und Offiziere, darunter zahlreiche deutsch­stämmige Russen.

Immer noch Erdstöße in der Gegend von Quella.

Die Gegend von Quetta in Britisch-Belutschistan wird täglich noch drei- bis viermal von leichten Erdstößen erschüttert. Sachverständige sind der Ansicht, daß dieGegend der schlafenden Vulkane", selbst wenn Lavaausbrüche ausbleiben, unbewohnbar bleiben wird, da die Unsicherheit zu groß ist. 20 000 Flüchtlinge wurden bisher von der Bahn nach Indien befördert. Angeblich soll die Regierung den Bau eines neuen Stadtviertels, acht Kilometer süd­westlich von Quetta, planen.

Hagelstürme über einer japanischen Provinz.

Ein schwerer Hagel st urm wütete stundenlang über der Provinz Gumma, nördlich von Tokio, und richtete an der Reis-, Getreide- und Maulbeeren­ernte außerordentlichen Schaden an, der auf zehn Millionen Pen beziffert wird.

weiteres Lösegeld

im Enlführungsfall weyershäufer gefunden.

Das Justizamt in Washington gab bekannt, daß im Falle der Entführung des kleinen Weyershäuser der Mitbeteiligte Hermann Waley ein Geständnis abgelegt hat, so daß etwa 90 000 Dollars von dem Entführungsgeld fünf Meilen von Salt Lake City aufgefunden wurden. Das Geld war vergraben.

Händel-Feiern der Stadt halle.

Im Rahmen derDeutschen Bach-Händel-Schütz- Feier 1935" finden in Halle vom 13. bis 15. Juni volkstümliche Händel-Beiern statt. Die Fest- lichkeiten werden eingeleitet mit dem Oratorium Herakles". Ferner sind vorgesehen eine Händel- Gedenkstunde, bei der einige Händel-Plaketten zur Derteilung gelangen, sowie ein Orchesterkonzert mit Werken Händels und seiner deutschen Zeitgenossen. Den Höhepunkt des Festes bildet das Wasserfest auf der Saale, bei dem zwei aus der Lebens­geschichte des Meisters besonders bekannt gewordene Werke, dieWassermusik" und dieFeuerwerks­musik", erklingen werden.

Jahrelang das Wohlfahrtsamt betrogen.

Wegen Betrugs im Rückfall hatte sich der 65 Jahre alte Julius Tiegel aus Kassel vor dem Schöffengericht zu verantworten. Tiegel ist einer der übelsten Volksschädlinge. Seit mehr als zehn Jahren hat er es verstanden, jahrein, jahraus vom Wohlfahrtsamt Unterstützung zu beziehen, obwohl er in jeder Woche etwa zehn Mark verdiente, die er nie ausgab. Der Angeklagte bestritt zwar in der Verhandlung, daß er diesen Verdienst gehabt habe, aber er wurde überführt. Das Schöffen­gericht nahm einen besonders schweren Fall an und verurteilte Tiegel wegen Betrugs im Rückfall zu einem Jahr und sechs Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust.

Hinrichtung in Stuttgart.

In Stuttgart ist der vom Schwurgericht am 8. Dezember 1934 wegen Mordes an seiner Ehe­frau und seinen beiden Kindern dreimal zum Tode verurteilte Emil Weber hingerichtet worden. Der Führer und Reichskanzler hat von seinem Be­gnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht, da die mit viehischer Roheit durchgeführte Ermordung seiner ihn liebevoll umsorgenden Ehefrau und seiner beiden kleinen Söhne nur als Ausfluß seiner durch langjährige hemmungslose geschlechtliche Ausschwei­fungen gezeigten moralischen Minderwertigkeit an­zusehen ist.

Schweres Unwetter über der Insel Usedom.

Uber der Ostsee-Insel Usedom entlud sich ein un­gewöhnlich schweres Gewitter, das von wolken­bruchartigem Regen und schwerem Hagel sch lag begleitet war. Auf den Feldern wurden große Schä­den angerichtet. Stellenweise wurden die Roggen- und Haferfelder zerschlagen. Die Wiesen, die guten Graswuchs hatten, wurden vernichtet. Verschiedene Bauern haben ihre gesamte Ernte verloren. Die Hagelkörner waren so groß, daß Fensterscheiben und Dachziegel durchschlagen, Bäume völlig entlaubt und das Rohr am See gebrochen wurde.

Schweres Autounglück. Zwei Tote.

Ein mit vier Personen besetzter Kraftwagen aus Berlin raste hinter der Ortschaft Göldenitz (Meckl.) beim Ueberholen eines anderen Kraftwagens mit etwa 80 Kilometer Geschwindigkeit gegen einen Baum. Durch den furchtbaren Anprall wurde der Wagen vollständig zertrümmert. Die beiden vorn sitzenden Männer, Vater und Sohn S t e i n w ü ck, waren auf der Stelle t o t. Die hinten sitzende Frau und Tochter Steinwück erlitten Verletzungen. Die Frau doppelte Knochenbrüche am Ober- und Unter­schenkel, sowie am Arm, die Tochter einen schweren

der sofort bekämpft wurde. In einer der letzten Nächte gewann das Feuer plötzlich starke Ausdeh­nung und griff auf einen Blindschacht über, der anscheinend plötzlich zusammengebrochen war. Durch diesen Zusammenbruch trat ein Wetterrückschlag ein. An der Stelle, wo die Abdämmunsarbeiten betrieben wurden, zeigte sich starkes Brandwetter. Die dort tätigen Beamten und Arbeiter des Schachtes erlitten Gasvergiftungen. Ein Schachtmeister, em Reviersteiger und zwei Häuer kamen um5 Leben, mehrere Bergleute mußten ins Kranken­haus gebracht werden.

Schwere jüdisch-polnische Zusammenstöße.

' In Grodno kam es im Anschluß an die Beerbt- oung eines Polen, der einige Tage vorher von Juden bei einer Schlägerei tödlich verletzt worden war, zu schweren Zusammen st ößen. In vielen jüdischen Geschäften und Wohnungen wurden Scheiben eingeschlagen. Eine größere An­zahl von Personen, Juden wie Polen, wurden verletzt; einer der Verletzten ist inzwischen ge­storben. Ferner kam es bei einem Fußballwett­kampf zwischen einer jüdischen und einer polnischen Arbeitermannschaft in Tomaszow während des Spieles zu einer schweren Prügelei zwischen den Spielern. Im Verlauf der Schlägerei schoß einer der Beteiligten aus einem Revolver und ver­wundete zwei seiner Gegner, die ins Kranken­haus gebracht werden mußten.

In drei Wochen 500 Menschen aus Leningrad verbannt.

In den letzten drei Wochen hat das Bundes­kommissariat des Innern (OGPU.) über 5 0 0 Per­sonen bürgerlicher Abstammung das

Und was waren in Wirklichkeit die ©runfigeban* ken ber deutschen Burschenschaft? Um nur die wich­tigsten zu nennen: Liebe zu Volk und Da- terlant) und zu volkstümlicher Sitte zu wecken und zu erhalten! Mitglieder einer Burschenschaft dürfen nur Deutsche sein, nur Deutsche, ehrenfest« Burschen und Christen! Juden durften nicht Mit- glieber werden! Deutsch war, ber zum deutschen Volke gehörte,ohne Rücksicht darauf, ob seinen Stamm das Unglück unter fremde Herrschaft ge­braut hat."

Zweck ber Burschenschaft ist: Aufrechterhaltung unb Stärkung vaterlänbischer Sitte unb Kraft, gei­stig unb leiblich, Aufrechterhaltung ber Gerechtig­keit, Schutz ber Ehre unb Gleichheit berEhren­rechte aller Burschen, solange ihnen Recht, Sittlich­keit, Daterlanb unb ihr Stanb heilig ist. So soll­ten bie Stubierenben bewußt für ben Dienst bes Daterlanbes vorbereitet werben. Dazu gehörte auch bas kamerabschaftliche Zusammen­leben, bie Einheit aller beutschen Burschen im Geiste wie im Leben, bamit sie später für alle Volks­genossen als Vorbilber leben könnten.

Diese Grunblagen find trotz wieberholter Auf­lösungen ber Burschenschaft im ganzen immer bie gleichen geblieben, freilich würbe ihnen jahr­zehntelang vor bem Kriege nicht immer nachgelebt. Erst bie Berufung zur Mitarbeit an ben Zielen bes Führers, soweit es sich um bie ftubierenbe Ju- genb handelt, stellt sie wieder in ihrer ganzen Wir­kung her.

Kunst und Wissenschaft.

Der Führer bei der Münchner Iubiläumsaufführung vonTristan und Isolde".

Die Jubiläumsaufführung von Richard Wag­ners JE r i ft a n und Isolde" zum Gedächtnis an die erste Auffürhung dieses Werkes vor 70 Jahren an derselben Stelle im Münchener Hof- und Residenztheater gestaltete sich am Pfingstmon- tagabenb unter Wilhelm Furtwängler zu einem bedeutsamen Ereignis. Als der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler in der Mittelloge unb nach ihm Furtwängler am Dirigentenpult er­schienen, erhob sich das bis auf ben letzten Platz gefüllte Haus. In Begleitung bes Führers sah man SS.-Gruppenführer Reichspressechef Dr. Dietrich und Brigadeführer Schaub. Auch ber bayerische Innenminister Gauleiter Wagner wohnte der Aufführung bei. Wilhelm Furtwängler dirigierte das Werk auswendig. Nach den Aktschlüssen und besonders am Ende der Aufführung wurden den Künstlern begeisterte Ovationen bargebracht.

Wetterbericht

des Reichswetterdiensies. Ausgabeort Frankfurt.

In breiter Front drangen am Dienstag vom Meer her kühlere Luftmassen unter heftigen Böen nach Deutschland ein. Sie brachten erheblichen Tempe­raturrückgang und von Westen nach Osten sich fort- pflanzenden ergiebigen Gewitterregen. Gleichzeitig erfolgte kräftiger Luftdruckanstieg, ber erneut zum Aufbau eines kontinentalen Hochdruckgebietes führte und Gewitterneigung unb neue Erwärmung vorfieht.

Aussichten für Donnerstag: Vielfach heiter unb trocken, neue Wärmezunahme, abflauende Luftbewegung.

Lufttemperaturen am 11. Juni: mittags 30,4 Grad Celsius, abends 14,6 Grad; am 12. Juni: morgens 13,6 Grad. Maximum 30,5 Grad, Minimum 11,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. Juni: abends 23,1 Grad; am 12. Juni: morgens 18,4 Grad. Sonnenscheindauer 13,2 Stunden. Niederschläge 8,1 mm.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellv. Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Ver­antwortlich für Politik: I. V.: Ernst Blumschein, für Feuilleton: Dr Hans Thyriot, für ben übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen.- Theodor Kümmel. DA. V. 35: 10151. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch^ and Steindruckerei

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