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Nr.I3§ Erstes Blatt

185. Zahrgang

Mittwoch, I2.Zuni 1935

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Verlorene Schlachten.

Ein Wort

zu Frankreichs Bevölkerungspolitik.

Der Führer hat in seiner letzten großen Rede sich mit sehr einleuchtenden Gründen für den Frie­den eingesetzt. Dabei sagte er u. a.:Da es in Europa einen leeren Raum nicht mehr gibt, wird jeder Sieg ohne an der grundsätzlichen europä­ischen Not etwas zu ändern- höchstens eine ziffernmäßige Vermehrung der Ein­wohner eines Staates mit sich bringen können. Wenn aber den Völkern daran so viel liegt, dann können sie dies, statt mit Tränen, auf eine ein­fachere und vor allem natürlichere Weise erreichen."

Nun, es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Worte auf Frankreich gemünzt waren. In der Tat ist die französische Angstpsychose zutiefst begrün­det in dem Verfall der Lebenskraft des Volkes. Die europäische Machtstellung Frankreichs ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ständig im Sinken, wenn sie gemessen wird am Verhältnis der Bevölkerungszahlen der Großstaaten. Man muß sich klar machen, was es heißt, daß Deutschland seine Volkszahl gerade in den Jahrzehnten der Ent­faltung des Hochkapitalismus, also etwa von 1875 bis zum Ausbruch des Krieges, u m über d i e Hälfte vermehrt hat und einen durchschnitt­lichen Geburtenüberschuß von 13,6 v. H. aufwies, während Frankreichs Bevölkerung nur um 8 v. H. anstieg und einen Geburtenüber­schuß über die Sterbefälle von nur 1,8 v. H. ver­zeichnen konnte. Weiter muß daran erinnert werden, daß die unmittelbaren und mittelbaren Verluste Frankreichs durch den Krieg rund zwei Millionen Menschen betrugen und daß durch das Achtstundentaggesetz von 1919 dem Arbeitsmarkt die Leistung von einer weiteren Million Menschen ent­zogen wurde.

Diese Ausfälle wiegen um so schwerer, als bis auf den heutigen Tag nichts zu merken ist von einer Abkehr von den Einstellungen und Gewohn­heiten, die in der Hauptsache verantwortlich sind für den Rückgang der Volksvitalität. Lieber hilft man sich durch die Einfuhr fremder Ar­beitskräfte aus aller Herren Länder, als daß man sich aufrafft zu einem völkischen zukunftsichern­den Selbsterhaltunqswillen. Hier liegt, wie man zu sagen pflegt, der Knüppel beim Hunde. Das fran­zösische Grundübel ist die Beschränkung der Geburtenzahl.

Mannigfache Gründe werden dafür geltend ge­macht. Der weitaus wichtigste ist sittlicher Natur. Den Ueberspannungen des revolutionären Libera­lismus und seiner Erziehungsgrundsätze und dem den einzelnen zur Ausnützung jener Chance trei­benden Demokratismus wird zugeschrieben, daß unter der Herrschaft gar des industriellen Wirt- schaftsdenkens die Einzelpersönlichkeit verbildet wor­den sei zu einem eigensüchtigen, rechnerischen und nur äußere Vorteile haschenden Wesen. Unbestreit­bar enthalten diese Beweisgründe manches Rich­tige. Auch die deutsche Bevölkerungsbewegung hat infolge dieser Entwicklungen Anlaß zu großer Sorge gegeben. Aber und das ist der entschei­dende Unterschied zu Frankreichunsere Zustande waren nicht nur zu keinem Zeitpunkt so trostlos wie die französischen, wir haben auch Kraft und Mut gefunden zur Umkehr auf dem falschen Weg. Gerade der Nationalsozialismus hat durch eindringliche Belehrungen und gesetzgeberische Taten die völkische Verantwortlichkeit wieder zu steigern

vermocht.

Änd-rs m Frankreich, wo von einer Besserung, von einer Einkehr der Menschen noch so gut wie nichts zu merken ist. Im Gegenteil - mer rou der Schreiber dieser Zeilen, in der jüngsten Zeit Beob­achtungen in Frankreich selbst anstellen konnte, der wird bestätigen, daß 'die Dinge noch schlimmer geworden find. Gewiß übertrifft der Geburten­überschuß der letzten zwei Jahrzehnte den der Vorkriegszeit, aber er hat nicht nur sin­kende Tendenz, sondern bezieht auch .bie Nachkom­menschaft der weit über drei Millionen betragenden Staatsfremden, der Einwanderer em. Don einer Zunahme der rein fr an zosischen Be­völkerung läßt sich somit nicht sprechen Das Volk verliert Jahr für Jahr stumme Schlachten weil es in seinen breiten Schichten mit eigenartiger Be­harrlichkeit festhält am Laster das die Bataillone der Kinder und der Arbeitskräfte am Entstehen hindert. Man hat für diese Krankheit das Schlag­wort von dersozialen Kapillarität er­funden. Das spukt in allen bevölkerungspolitischen Schriften und kommt fast in jeder Unterhaltung vor. Gemeint ist damit die Erscheinung des g e - ro o II t en Verzichts a u f größere F am i - lien zugunsten des leichteren Auf­stieges des einzelnen auf der sozialen Stu­fenleiter. Wie im Docht der Lampe das nunzige Teilchen Oel sich, befreit von jedem Schwergewicht, durch die haarfeinen Röhrchen hinaufsauge an die Oberfläche, so strebe die Einzelpersönlichkeit, mög­lichst unbeschwert von Lasten, zu bequemeren und besseren Daseinsverhältnissen. Für den Sohn und die Tochter ergäben sich so erleichterte Ausbildungs­und Aufstiegsmöglichkeiten und die Erbschaft brauche bei einer solchen Begrenzung der Kinder­zahl nicht zerschlagen zu werden. Das etwa ist der Gedankengang dieser Gesinnung.

Die Fojgen sind verheerend, da das Land sich immer mehr entvölkert zugunsten der Städte. Seit dem Kriege ist die angebaute Agrarfläche in Frankreich um zwei Millionen Hektar gesunken, das sind sechs v. H. der kulturfähigen Gesamtfläche. Mit allerlei innenkolonisatorischen Maßnahmen versucht man die Menschen auf dem Lande zu halten ober neu anzusiedeln. Der Erfolg

Das deutsche Volk und seine Flotte.

Oer Chef der Marinestation der Ostsee betont bei der Eröffnung der Marine-Volkswoche in Kiel die Einheitsfront von Volk und Wehrmacht unter

Kiel, 11. Juni. (DNB.) In Anwefenhett von rund 20 000 Volksgenossen fand am Dienstagabend in Kiel die feierliche Eröffnung der Marine- V o l k s w o ch e in der Nordostseehalle statt' Die Riesenhalle war festlich ausgestattet. An der Stirn­wand leuchtete weithin ein riesiges Hoheitszeichen. Das große Podium, vor dem das Rednerpult stand, war mit Lorbeerbäumen flankiert. Auf dem Podium selbst waren Bootskanonen, Gewehrpyramiden und Maschinengewehre aufgestellt.

In schneidigem Tritt marschierte die vom Unter­offizierslehrgang Friedrichsort gestellte Ehrenkom­panie mit geschultertem Gewehr in den Saal und nahm vor dem Podium Aufstellung. Während sich alles in der Halle erhob, betrat der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Admiral Dr. h. c. Raeder^ mit seiner Begleitung die Halle und begrüßte die Ehrengäste, unter ihnen Reichssportführer von Tschammer und O st e n , Generalleutnant Knochenhauer (Hamburg), Generalleutnant der Flieger Zander, Befehlshaber des Lustkreises 6, Oberpäsident Gau­leiter Lohse, den Regierenden Bürgermeister von Hamburg, Krogmann und den Kieler Ober­bürgermeister Behrens. Die gesamte Admiralität war anwesend, aber auch bekannte Namen der alten Marine waren vertreten, darunter Admiral von Trotha, der Führer des Reichsbundes deutscher Seegeltung. Ebenso waren polnische, schwedische, holländische und dänische Marineoffiziere, die zur Ersten Internationalen Marine - Pokal- Segelwett­fahrt nach Kiel gekommen sind, zu der eindrucks­vollen Feier erschienen.

Nach dem Einmarsch der Fahnen, unter denen sich auch die alten Fahnen der kurbrandenburgischen und preußischen Flotte, getragen von Fahnenträ­gern in den Uniformen der damaligen Zeit, befan­den, verdunkelte sich die große Halle. Eine erleuch­tete Riesenkarte an der Wand rief in eindringlicher Form den Teilnehmern der Kundgebung ins Ge­dächtnis, wo in aller Welt unsere Marine im Kriege kämpfte und blutete. Mafchinenmaat Münchhal- fen von der Marineschule Kiel-Wik gab mit knap­pen Worten einen erschütternden aber auch zugleich erhebenden Ueberblick über die Kämpfe und Helden­taten während des Großen Krieges, Coronel. Ska­gerrak und viele andere Namen mehr erklingen, Steine der Geschichte der deutschen Marine. Leise ertönte das Lied vom guten Kameraden. Die Fah­nen senkten sich, 20 000 deutsche Männer und Frauen hoben stumm den Arm empor.

Nach diesem stillen Gedenken rissen die Klänge des LiedesO Deutschland hoch in Ehren" in die Gegenwart zurück. Fanfarenmärsche schmetterten durch die Halle.

Chef derRameWion derOsts ee, Vizeadmiral Albrecht,

richtete dann folgende Festansprache an die Fest­versammlung:

Seefahrt ist Not", das ist der Lebens­grundsatz aller Völker, die das Glück haben, am Meere zu wohnen.Seefahrt ist Not", so hat es auch in den deutschen Landen stets geheißen seit den Tagen der Hanse, die drei Jahrhunderte die nordischen Meere beherrschte und Städte schuf, deren Mauern und Bauten heute noch deutsche Kultur und den Ruhm deutscher Seefahrt künden. Die Hanse ging zugrunde durch innere deutsche Zerrissen­heit, sie mußte ihre Seegeltung verlieren, weil hinter ihr nicht der starke Wille eines einigen Volkes stand.

Seegeltung hat auf die Dauer nur ein Volk, das in stolzem Bewußtsein feiner Kraft und in klarer Erkenntnis vom Weltverkehr und Welt­handel bereit ist, für dieses Recht zu kämpfen bis zum letzten Blutstropfen. Unser Volk hat im letzten großen Kriege erfahren müssen, was es bedeutet, vom Weltmeer abgefchnitten zu fein.

Für Deutschlands Seegeltung und damit für die Brechung der Hungerblockade sind die tapferen See­leute und Soldaten des Großen Krieges gefallen. Im Donner der Schlachten von Coronel, Falkland und vor dem Skagerrak, durch die Taten der Be­

satzungen unserer Auslandskreuzer, U=23oote, Tor­pedoboote, Hilfskreuzer und Minensuchboote hat Deutschland seinen Anspruch auf See­geltung für alle Zukunft begründet.

Nur so ist verständlich, daß trotz des Verlustes unserer Kriegs- und Handelsflotte bei dem schmach­vollen Zusammenbruch des Novembers 1918 aus den tief im Herzen des deutschen Volkes liegenden starken Wurzeln des Seegedankens und der unserem Volke angeborenen Siebe zur Seefahrt nach der be­freienden Tat ehrbewußter deutscher Seeleute in Scapa Flow langsam aber stetig eine neue Kriegs- und Handelsmarine entstehen konnte.

Die Leistung jeder Flotte ist wesentlich abhängig von der Güte der Bauart der Schiffe und ihrer

London, 11.Juni. (FNB.) Reichsminister Dr. Goebbels gewährte dem diplomatischen Korre­spondenten desNew Chronicle", Vernon Bartlett, eine Unterredung, die das englische Blatt heute in folgendem Wortlaut veröffentlicht:

Dr. Goebbels empfing mich in einem großen und freundlichen Arbeitszimmer, von dem aus man den Wilhelmplatz überblickt. Er sah weniger ermü­det und sorgenvoll aus, als das letztemal, da ich ihn in Genf sprach, in jenen Tagen, als Deutschland noch aktives Mitglied des Völkerbundes war. Ein Lichtbild auf einem in der Nähe stehenden Tisch, das den Minister für Propaganda und Volksauf- flärung inmitten einer Gruppe lachender Kinder zeigte, machte es schwierig, ihn für einen der fana­tischsten Revolutionäre des Nationalsozialismus zu halten..

Die Umstände, und nicht die Nationalsozialisten, haben sich geändert, wie der Minister erklärte. Wäh­rend der ersten Nevolutionstage konnten UebergriHe und unbefugte Eingriffe von Einzelpersonen statt­finden. Das treffe heute nicht mehr zu. Zeitungen könnten nur auf Befehl des Propagandaministeri- ums verboten, Verhaftungen nur durch die dazu ordnungsmäßig bevollmächtigten Behörden vorge­nommen werden, und die Ueberwachung der Bühnen und des Films fei zentralisiert worden.

Wie steht es um die Zukunft der internationalen Politik?", fragte ich. Hitlers Rede habe zweifellos den Weg zu (Erörterungen eines Luftabkommens für Westeuropa freigemacht; es gebe in Großbritannien aber viele Leute, und noch mehr in Frankreich, die fürchteten, daß die einzige Auswirkung eines Ab­kommens für den Westen fein würde, Deutschland darin zu bestärken und zu ermutigen, sich im Osten in Abenteuer zu stürzen. Dem widersprach, wie ich erwartet hatte, Dr. Goebbels entschieden.

Die Menschen solllen sich der Garantien entsinnen, die wir Rußland gaben, sagte er. Diese Garantien wurden auf Grund freier Entschließungen abgeschlossen, und wir werden sie deshalb achten, obgleich sie unter einem deutschen Regierungssystem zustandekamen, das wir inzwischen gestürzt haben. Gan; abgesehen davon, daß wir, da wir keine gemeinsame Grenze mit Rußland haben, es kaum angreifen konnten, selbst wenn wir das wünschen sollten, besteht noch ein wichtigerer Grund für uns, um es nicht anzugreifen. Dir haben nicht den Wunsch, uns in russische Angelegenheiten zu mischen, wir können aber nicht zugeben, daß der durch Rußland genährte Kommunismus in unserem eigenen Lande groß wird.

Es gibt noch einen weiteren Weg, fuhr der Minister fort.W i r glauben an Nicht­angriffspakte, mißtrauen aber den Pakten ;ur gegenseitigen Hilfeleistung. Wir wollen keinen Pakt, der französische und russische Soldaten, selbst

der Führung Adolf Hitlers.

Waffen. Unsichtbar stehem an Bord Seite an Seite in der Front der Kämpfer die deutschen Arbeiter der Stirn und der Faust, die unsere Schiffe erdachten und in treuer, gewissenhafter Arbeit schufen. Wir hoffen, daß das Zusam­mengehörigkeitsgefühl zwischen dem deutschen Arbeiter und dem deutschen Soldaten sich hier in Kiel weiter vertiefen wird. Die allgemeine Wehrpflicht wird in Zukunft aus beiden eine Einheit werden lassen, die in nationalsozialisti­scher Volksgemeinschaft niemals wieder eine Trennung der Welt- und Lebensauffassung möglich machen wird.

Der Soldat und Seemann kann nicht leben ohne Tradition. Die Ueberlieserung der Wehrmacht

nur unter dem Vorwand, uns gegen einen An­greifer helfen zu wollen, auf deutsches Gebiet bringen könnte. Die Geschichte beweist, daß die Anwesenheit solcher Truppen, selbst verbündeter Truppen, zu oft zum Elend führt. Wir glau­ben, daß jeder Streit, soweit das überhaupt möglich ist, lokalisiert werden sollte, er sollte nicht durch eine Gruppe verbündeter Nationen, sondern durch eine wirkliche Kollektivität der Nationen behandelt werden.

Das ThemaRußland" brachte Dr. Goebbels auf die bekannte These, wonach der Nationalsozia­lismus die Welt vor dem Bolschewismus bewahrt und sich damit die Dankbarkeit Großbritanniens und aller anderen Kulturnationen verdient habe. Die Briten und die Deutschen, so erklärte er, könnten zusammen den Weltfrieden auf­rechterhalten. Ich wandte ein, daß aber keine sehr erhebliche Besserung in den englisch-deutschen Beziehungen eintreten könne, solange keine Besse­rung in den Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich eingetreten sei. Die gefühlsmäßigen und geographischen Bindungen zwischen London und Paris seien sehr starke.

Ich war über des Ministers Zustimmung über­rascht. Hitler habe es sicherlich klargemacht, daß er ernstlich eine bessere französisch-deut­sche Verständigung wünsche.

Wir sind bereit, sagte Dr. Goebbels,aber das ist nunmehr eine Frage der französischen Innenpolitik geworden. Es sind starke Wanner erforderlich, um das jahrhundertalte Wih- trauen zu überwinden. Hitler war In der Lage, ein Abkommen mit Polen zu erreichen, weil er und Marschall Pilfudski einen bei­spiellosen Einfluß auf ihre Landsleute aus­übten. Ls sollte leicht sein, zu einer Verständi­gung mit Frankreich zu gelangen, es muß aber einen mutigen Franzosen geben, der die französische Oeffentlichkeit für diese Idee gewinnt und das französische Volk geschlossen hinter sich bringt.Unter solchen Umständen, sagte Dr. Goebbels,könnten wir ein Einver­ständnis mit Frankreich erzielen. 3e länger wir aber die Erörterungen hinausfchieben, um fo schwieriger ist es, sie zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Wieviel leichter würde es gewesen fein, eine Verständigung zu er­zielen, wenn vor einem Jahre ein aufrichtiger Wunsch bestanden hätte, mit Deutschland auf der Grundlage wahrer Gleichberechti­gung zu verhandeln! Wieviel wäre uns allen erspart geblieben!

Als ich auf den Wilhelmsplatz in den Sonnen­schein hinaustrat, flog ein neues großes Flugzeug über mir in der Luft. Wieviel konnte uns erspart geblieben sein!

Reichsminister Dr. Goebbels an die Engländer.

Unterredung mit einem engüschen Journalisten.

Anteile der Arbeiterschaft und bilden einen Gegen­stand erklecklicher politischer und sozialpolitischer Bedenklichkeiten.

Unnötig zu betonen, daß infolge der Abneigung des Franzosen gegen schmutzende und anstrengende Arbeit die Fremden in allen möglichen anderen Berufen im Vormarsch begriffen sind. Wir brauchen da nur zu denken an das Baugewerbe, an Erd- und Straßenarbeiten, an Steinbrechereien, Gas- unb Elektrizitätswerke, an die Docks der Hafen­städte usw. usw. Als besonders kennzeichnendes Beispiel dieser Verdrängung der Franzosen aus der Handarbeit fei erwähnt, daß nach einem Ausweis von 1929 in den Bauxitgruben von Brignoles in der Provence, die den Rohstoff zur Aluminium­gewinnung liefern, von 320 Arbeitern 227 Italie­ner, je 13 Polen und Portugiesen, 9 Tschechoslo­waken, 7 Russen, 2 Spanier, 2 Griechen usw. und nur 42 Franzosen,in der Mehrzahl Algerier".", waren. Wahrlich: Frankreich hat, will es als volk- lich einigermaßen geschlossene Nation sich erhalten, allen Anlaß, die Mahnung zu beherzigen, daß Menschen wichtiger sind als Kriegsmaschinen.

wird dieser Fremdenanteil an der französischen Ur­produktion nicht mehr unbeträchtlich sein.

Was die Industrie angeht, so hat sie vor allem den Massenzustrom Eingewanderter nach dem Kriege ausgenommen. Slawische, levantinische und exotische Elemente spielen hier eine große zahlen­mäßige Rolle neben den romanischen Südländern. Es ist schwer für den, der diese Dinge nicht ae- sehen hat, sich ein Bild von der Bedeutung dieser Einwanderung zu machen. Immerhin sei erwähnt, daß da ganze geschlossene Kolonien ent­standen sind, die je nach dem Grade ihrer natio­nalen Geschlossenheit und Betreuung durch die Ur­sprungsländer ein mehr oder weniger betontes nationales Eigenleben führen. Es gibt von der Industrie erstellte Siedlungen, die bis zu 60 000 Menschen fassen. Bis in die Hochtäler der savoyischen Alpen sind die Einwanderer verfrachtet worden, um dort in Wasserkraftwerken und elektro­metallurgischen Werken zu arbeiten. Wo die Frem­den mehr in Zerstreuung leben und diese Zer­streuung über das Land betreibt die Regierung planmäßig, um Gefahren an den Grenzen zu ver­meiden, auch da stellen sie höchst bettächtliche

ist lediglich in kleinen Teilen des Südwestens be­achtlich. Sonst dauert die Landflucht und dauert die Verödung des Landes an. I n Südostfrank- reich ist das besonders deutlich zu spüren. Viele Dutzende von Farmen sind einfach verlassen und, da sich trotz des unerhört entwerteten Grund und' Bodens das Kapital in nur sehr geringfügigem Maße für solche Güter interessiert, verfallen die Gebäude und werden Felder zu Brache und Weide. Nicht mit Unrecht wurde einmal in der Pariser Kammer gesagt, das Land lebe nur noch von den Alten. r

Kein Wunder, daß bei dieser Menschenarmut Frankreich die Einwander u n g von Frem­den braucht und amtlich organisiert hat. Auf rund zwei Millionen werden die Zuwanderungen seit dem Kriege geschätzt. Zwei Drittel der Staats­fremden sind in der Industrie und em Drittel ist in der Landwirtschaft beschäftigt. In der Land­wirtschaft sind es in erster Lime Italiener und Spanier, die sich zum Teil festsetzen und dank ihres Fleißes und ihrer Sparsamkeit da und dort dazukommen, Pächter und Besitzer zu werden. Wenn noch einige Jahrzehnte vorüber sein werden.