Nr. 87 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen-
Hreitag, [2. April 1955
Der denkwürdige Ausstieg des Fesselballons „Barbara".
Der älteste deutsche Militärlustschiffer erzählt...
Vor einigen Tagen starb im Alter von 95 Jahren Oberstleutnant a. D. Buch- Holtz. Als Pionier des deutschen Militärflugwesens leitete er vor genau 50 Jahren den Aufstieg des ersten Militärfesselballons „Barbara". Unser H.-Mitarbeiter hatte Gelegenheit, sich mit Oberstleutnant Buchholtz kurz vor seinem Tode über das seinerzeit Aufsehen erregende Ereignis zu unterhalten.
Er war ganz erstaunt, der alte weißhaarige Herr, als ich ihn in seiner im Westen der Reichshauptstadt gelegenen Wohnung besuchte. Ich dachte, man hätte mich schon ganz vergessen . . "
Dann legte Oberstleutnant Buchholtz einen Augenblick sein Buch aus der Hand, nahm seine lange altmodische Tabakspfeife zwischen die Lippen und plauderte ein wenig aus seinem Leben, dessen einziges Ziel ihm' die Vervollkommnung der deutschen Kriegsluftschiffahrt bedeutete. Seine Augen hatten den Glanz strahlender Jugend, und man konnte kaum annehmen, daß er sie bald für immer schließen müßte.
Wohl kaum hätte es sich ein Minister Friedrichs des Großen jemals träumen lassen, daß ein Nachkomme von ihm 100 Jahre später „in die Lust fliegen wollte", und doch ist sein Urenkel der unvergeßliche Pionier unserer heutigen Luftschiffahrt geworden. Sein Lebenslauf' sei hier kurz berichtet.
Erste Versuche.
1840 wurde er in Neuenhagen geboren; es war selbstverständlich, daß Buchholtz als Mitglied einer alten Soldatenfamilie später in ein Kadettenkorps eintrat. Das 28. Infanterieregiment nahm ihn dann in seine strenge Zucht. Dort kamen ihm die ersten Ideen zu seinen späteren Taten, und als er zu den Eisenbahnern kam, fielen seinen damaligen Vorgesetzten die eigenartigen Pläne des jungen Soldaten auf.
„Als der ruhmreiche Krieg 1870/71 vorüber war, glaubte wohl kein Mensch'daran, daß jemals in einem Kriege ein Ballon als Waffe verwendet werden könne", berichtet Oberstleutnant Buchholtz.
Dieses seltsame Ziel, das der damalige 31jäh. rige seinem Vorgesetzten gegenüber anstrebte, wurde mit dem größten Mißtrauen ausgenommen. Erst zehn Jahre später, 1881, wurde unter seinem Vorsitz der „Verein zur Förderung der L u s t s ch i f f a h r t" gegründet. Aber wer waren die Mitglieder? Kleine Handwerker und Kaufleute, ungefähr 35 Mann, die erst einmal Schliff und Ahnung von der ihnen neuen Materie bekommen mußten. Ein einziger unter all diesen Stellmachern, Schneidern und Ladenbesitzern war darunter, der gelernter „Sonntagsballonaufsteiger" war, und dem man deshalb so viel Vertrauen schenkte, weil er noch niemals mit seinem Ballon verunglückt war. Mit ihm allein konnte Buchholtz sich wenigstens über die rein technischen Fragen unterhalten. Doch bald hatte das Projekt einiges Aufsehen erregt, und Berlin interessierte sich für die Pläne von Buchholtz. Die kleine Schar der Luftschiffer nahm sich die Bahnhofshalle des „Schlesischen Bahnhofs", die allerdings nicht mehr dem Verkehr zugänglich war, und hier arbeiteten die technischen Helfer unermüdlich
„Armer Phantast..."
„Der damals an allem Neuen interessierte Kaiser Wilhelm I. kam", so erzählte mir stolz der Ve- teran, „höchstpersönlich, um sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Höchstselbst ist er einmal
in den damals als Geschäftsraum eingerichteten früheren Wartesaal gekommen. Und ihm hatten wir es auch zu verdanken, daß wir die größeren Versuche bald auf dem Tempelhofeer Feld ausfüb- ren durften."
Drei Jahre später — 1884 — erhielt dank der Einsicht und Förderung Wilhelms I. die jetzt schon unter dem Namen „Ballon-Detachements" stehende Truppe vom Reichstag die Summe von 50 000 Mark. Das hörte sich zwar sehr groß an, reichte aber in Wirklichkeit kaum für das Nötigste, denn man wollte doch endlich einen Militär- b a l l o n bauen, um den Versuch eines Aufstieges durchzuführen. Weitere Geldsummen waren keinesfalls zu erlangen. Graf Helmuth von M o l t k e, Bevollmächtigter im Kriegsministerium, war nicht für solchen „Größenwahn" zu haben. Militärfliegerei war in seinen Augen eine der verrücktesten Neuerungen, für die man kein Geld ausgeben durfte, und sein Nachfolger Graf Waldersee brummte sogar beim Anblick von Buchholtz in seinen Bart: „Armer Phantast"
Das Seil war zu kurz...
Trotzdem ging im Jahre 1885 — vor genau 50 Jahren — das damals ganz Berlin verblüffende Ereignis vonftatten. Der „Schwarze Adler", ein in jener Zeit sehr beliebtes Ausflugslokal, faßte die Menge nicht, die dabei fein wollte, um den ungefähr 1000 Kubikmeter großen Militärfesselballon aus der Nähe mit eigenen Augen zu bestaunen.
„Sie glauben gar nickt", erzählte der alte Herr, „wie meine ,Barbara* bewundert wurde, und wie begeistert die Menge aufschrie, als der Ballon sich endlich vom Erdboden erhob und fast 200 M e -
ter hoch stieg. Teile des Publikums hatten uns zuerst aar nicht ernst genommen. Sie glaubten wohl eine Art Volksbelustigung wie auf einem Jahrmarkt zu sehen zu bekommen, weil früher mein einziger technisch geschulter Arbeiter an Sonn- und Festtagen zum Vergnügen des Publikums Ballonaufstiege vorgeführt hatte.
Wie beschränkt wir in unseren Mitteln waren, sehen Sie schon aus folgender Tatsache: Der Ballon wäre sicherlich höher als 200 Meter gekommen, aber unser Seil konnten wir infolge Geldmangels nicht länger anfertigen."
Freundschast mitBöcklin und Zeppelin.
„Ein treuer Freund", so erzählte Oberstleutnant Buchholtz weiter, „ist mir der große Maler Arnold B ö ck l i n gewesen. Oft besuchte er mich in meiner Werkstatt, und es war wohl bet uns Beiden die gleiche Freude an den Problemen des Fliegens, die uns zueinander brachte. Ein zweiter guter Kamerad war mir der 1886 nach Berlin gekommene Graf Zeppelin. Genau wie ich, wollte er vom Reichstag Geld für seine Versuche erhalten, aber die Herrschaften hatten von einem „Größenwahnsinnigen" wie mir gerade genug. Heute kann man es kaum glauben, was einer der Professoren an der Technischen Hochschule zu Zeppelin sagte: „Sie werden niemals Erfolg haben mit ihren wenigen Kenntnissen über Luftfahrt/
Ganz gebrochen kam der Graf zu mir. Woher sollte er Geld nehmen? Die letzte Rettung blieben die Industriellen, an die ich mich dann auch wandte. Gott sei Dank mit Erfolg! Zeppelin bekam Mittel von ihnen, um seine Pläne auszuführen; trotzdem hat erst das zwanzigste Jahrhundert den Erfindergeist Zeppelins richtig verstanden und die Würdigung für seine Leistungen gefunden."
*
Als 1914 der Weltkrieg ausbrach, waren aus der kleinen Luftschiffertruppe von 36 Mann vier große Abteilungen geworden, denen 18 Kriegsluftschi f f h ä f e n zur Verfügung standen.
Den Vorkämpfer dieser epochemachenden Neueinrichtung, dem es vergönnt war, im hohen Alter
Der Mm auf der Hochzeit des Ministerpräsidenten Göring
Nach der Trauung fand im Hotel „Kaiserhof" ein Hochzeitsmahl statt. — Unsere Aufnahme zeigt das Hochzeitspaar mit dem Führer an der Tafel.
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noch — er ist 95jährig in diesen Tagen gestorben — die Erfolge und Ausstrahlungen seines gewaltigen Werkes mit anzusehen, wird man niemals vergessen. Sein Name ist in die Geschichte der deutschen Kriegsluftschiffahrt eingegangen. Mit ihm verbindet sich das Lebensschicksal eines Mannes, der für die Zukunft seines Vaterlandes Bedeutendes geleistet hat. R. E. P.
Oie neue Führerstandarte des HeichsoberhaupteS.
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Am Tage der Hochzeit General Görings konnte man sowohl auf der Reichskanzlei als am Wagen des Führers die neue Standarte des Reichsoberhauptes sehen. Sie wurde von Professor Klein (München) geschaffen und zeigt in den Ecken die Hoheitszeichen des Staates und der Wehrmacht. In der Mitte befindet sich das von golddurch» wirktem Eichenlaubkranz umgebene goldgeränderts Hakenkreuz.
An die Einwohnerschaft von Gießen.
Am Ostersamstag, am Geburtstag des Führers, kommt der noch von Pfingsten 1934 uns in bester Erinnerung stehende „M ännergesangver- ein 186 7" Friedrichsthal (Saar) nach Gießen und gibt abends in der Volkshalle ein Konzert. Wir richten die Bitte an die Einwohnerschaft Gießens, diesen Kämpfern um deutsches Recht und Freiheit ihre Verbundenheit durch altgewohnte Gießener Gastfreundschaft zu beweisen und uns noch einige Freiquartiere für eins Nacht zur Verfügung zu stellen.
Wir bitten, Meldungen hierzu bis spätestens Montag, 15.d. M., an die NS.-Gemeinschaft ,Kraft durch Freude", Schanzenstraße 18, Telephon 2919, ober an Kreiswalter Koch, Ederstraße 23, oder Telephon 2912, zu richten.
Christ, Kreiswart ,Kraft durch Freude"
Koch,
Kreiswalter Sängerkreis Gießen.
Gießener Konzertverein.
Viertes Symphonie-Konzert
Im letzten der vier großen Symphoniekonzerte dieses Winters, die sämtlich einen Hochstand im Verlauf des Gießener Musiklebens bedeuten, stand berechtigterweise August Eichhorn vom Gewandhausorchester Leipzig mit der Durchführung von Anton Dvoräks Eellokonzert im Vordergrund des Interesses. Dieser verhältnismäßig noch junge Künstler brachte das eminent schwierige Werk zu einer Darstellung, der man größte Anerkennung zollen muß. Eichhorn hat einen schönen, warmen Ton, voll, modulationsfähig, weich und schmiegsam in der Kantilene. Einer gründlich durchgebildeten linken Hand steht eine gewandte Bogentechnik zur Seite. Sauber ist sein Doppelgriffspiel entwickelt, wohlstudierte Passagen zwingen hohe Achtung ab. Dem vereint sich ein gesundes musikalisches Empfinden, so daß für die gestellte Aufgabe alle Bedingungen erfüllt waren. Wenn manche Partien der Solostimme dennoch nicht immer so zur Geltung kommen konnten, wie es erwünscht gewesen wäre, so mochte das an der stellenweise nicht besonders günstig für den Solisten erscheinenden Instrumentalbegleitung liegen, die darum des öfteren viel mehr hätte gedämpft und angeglichen werden können; zum andern aber war der Wille des Solisten nicht immer stark genug, um sich souverän durchsetzen zu können und in dem Konzert der geistige, herrschende Führer zu sein. Doch diese Fähigkeit wird ihm seine weitere Entwicklung sicher geben, denn die zu großen Hoffnungen berechtigenden Anlagen dazu sind bei ihm vorhanden. Der verdiente Solist wurde freudig gefeiert und mußte sich vielmals dem begeisterten Hause zeigen.
Zu den Gaben des Orchesters möge von vornherein für künftige Fälle die Bitte gestattet fein, doch gerade auch den schwächeren dynamischen Werten, denen im Aufbau eines Werkes eine organische Bedeutung zukommt, besondere Sorgfalt zuzuwenden; um so schöner und wirkunqs- träftiger werden sich dann die großen Steigerungen entfalten können.
Die „Tragische" von Brahms wuchs unter der Leitung von Herrn Obermusikmeister Ernst K r a u ß e mit wuchtigen Akzenten, bis ans Dämonische grenzend, vackend heraus. Geschickt herausgearbeitet war die Ueberleitungsgruppe zum Seiten- tbema; an anderen Stellen wieder hätte ein vielleicht noch intensiveres Nachgeben einen nach mehr in die Tiefe führenden Ausdruck verliehen.
In großem Zuge gewann Tschaikowskys Fünfte Gestalt; hier, wo die Realisierung des Klanges an sich entscheidet, da wurde ein ausladender musikalischer Strom wach. Monumental, fast ins Gigantische erhoben sich die Entwicklungen mit elementarer Wucht bei größter Klangintensität. Dann wieder die mit Empfinden durchpulsten Stellen im Andante, wo Streicher und Bläser, zumal Horn und Oboe, ihr Bestes gaben; nur der Walzer hätte sich noch um einiges graziöser, beschwingter, artikulierter geben können. Machtvoll in höchster Klangpracht erstand das Finale. Die überaus spontan ausbrechende Zustimmung der Hörer gab dem Dirigenten wie dem in allen seinen Teilen sich mit Schlagfertigkeit und Hingabe bewährenden Orchester wohlverdienten Dank. Dr. H
Das Meeresleuchten
Reiseskizze aus Atläniida in Uruguai.
Non Isolde Hrey, Äuenos Aires.
An einem schwülen Abend waren wir, mit den Badeanzügen in der Hand, in großer Spannung zum Strand hinuntergegangen. Bekannte hatten uns erzählt, daß sie nachts gebadet hätten und im Meeresleuchten geschwommen seien. Das Meeresleuchten in heißen Nächten im Kielwasser des Dampfers kannten wir, aber von diesem Leuchten konnten wir uns keine Vorstellung machen.
Tiefschwarz waren Meer und Himmel, kein Stern noch der Mond zu sehen. Schnell zogen wir uns um und wateten in das Wasser. — Da! — wir schrien auf vor Entzücken. Wo die Hände durch das Wasser streiften, wirbelten sie Milliarden von leuchtenden Pünktchen auf, die gleich goldenen Geschmeiden durch die Finger zu rieseln schienen und, daran hängen bleibend, nachgezogen wurden. Und nun sahen wir auch wie die Wogen sich milchig silberweiß brachen und wir beim Anschlägen des Wassers mit den schimmernden „Quecksilberperlen" ganz und gar bedeckt wurden. Da hielt ich mein Röckchen vom Badeanzug gegen die Strömung und hatte es im Nu voller „Sterntaler". Aber schon hörte ich Frau S. erregt rufen: „Schwimmen Sie, schwimmen Sie!" Und nun kam der Höhepunkt: da wo der schwimmende Körper das Wasser aufrührte, kamen so viele Tierchen zum Leuchten, daß rund um jeden von uns ein weißes Licht war, wie von innen heraus strahlend, in dem man wie ein dunkler Schattenkörper schwebte. Feen im Strahlenkleid oder wunderbar schimmernden Schmetterlingen glichen mir, denn die Bewegung der Hände, die am stärksten zu sehen
war, malte leuchtende Flügel ins Wasser. Unter Zurufen wirbelten wir in immer neuen stärkeren Bewegungen das Wasser auf, um noch immer stärker dieses sekundenlange Märchenlicht zu erzeugen. Ich geriet in einen Fischschwarm und wie kleine Blitze schossen die Fische von mir weg in dem verräterischen Wasser. Wir waren so aufgeregt, daß wir fast $u weit hinaus geschwommen wären. Mich packte eine große Lust, meine Haare einzu- tauchen und die Leuchtperlen dann herauszuschüt- teln wie eine Nixe. Aber die Vernunft siegte, denn zu lange darf man nicht im Meereswasser baden, zumal wenn die Sonne fehlt.
Am Ufer entlang gehend, schüttelten wir immer wieder die feuchten Anzüge, aus denen bann lebende Funken sprühten. Als ick einen Stein aufhob, um zu sehen, ob er beim Ausfallen auf das Wasser auch Leuchten erregte, funkelte unter meiner Hand der feuchte Sand Da kam wieder die Tollheit über uns, und wir zogen mit den Füßen leuchtende Spuren in den feuchten Sand, oder sprangen in die Höhe, daß beim Aufkommen Funken aus unseren Sohlen spritzten, oder schleuderten den Sand in die Luft, daß er funkelte. Und immer schneller schlurften wir, Funkenbänder und Goldgeschmeide in Ornamenten nach uns ziehend.
Nur aus der Nähe ist solches geringe Leuchten zu sehen, aus der Ferne wirkt es wie milchiger Glanz, wenn die Gewalt einer großen Welle es in starkem Maße erzeugt. Und während es bei der Bewegung einer Hand wie Milliarden von Perlen wirkt, ist es tiefer im Wasser bei starker Bewegung wie ein weißer Glanz zu sehen. Stehst du ruhig, ist alles dunkel um dich, bis eine Welle dich wieder mit den „Sterntalern" beschüttet.
Es war ein wunderbares Spiel da draußen im Wasser und am nächtlichen Strand, in der Einsamkeit der Natur. Auf dem Nachhausewege fielen mir die Worte aus der schöne Jödeschen Liedersammlung mit ihrer einfachen innigen Melodie ein:
Schöne heilige Natur,
Lass' mich geh'n auf deiner Spur, Leite mich an deiner Hand, Wie ein Kind am Gängelband" ...
lleberfall durch eine Köniasschlanae.
Auf dem Jahrmarkt von Maubeuge in Nordfrankreich ereignete sich kürzlich ein schwerer Ueber- fall, wie er in der Geschichte der Stadt sicher bisher noch nicht verzeichnet worden war Unter den Schmbudenbesitzern befand sich auch der Schlangen- bänöiger Lambert, der eine mehr als vier Meter!
lange Boa constrictor, eine Königsschlange, die auch Abaottischlange genannt wird, mit sich führte. Als er den Käfig reinigte, griff ihn die braungefleckte Schlange, deren Heimat Südamerika ist, ganz unvermittelt an und ringelte sich um ihn, so wie sie! in der Freiheit ihre Beute erwürgt. Mit allen Kräften wehrte sich Lambert gegen die gefährliche Umschlingung und rief aus Leibeskräften um Hilfe. Inzwischen aber fügte ihm die wütende Schlange durch heftige Bisse ins Gesicht schwere Verwundungen zu, und erst im letzten Augenblick gelang es seinen Angehörigen, ihn von dem rasenden Tier zn befreien. Das war besonders schwierig, weil man fürchtete, mit den Schlägen, die dem Tier aalten, auch den Menschen zu treffen. In schwerverletztem Zustand wurde der Schlangenbändiger ins Krankenhaus geschafft, wo ihm die Ueberreste der Zähne der Boa constrictor operativ aus den Wangen entfernt wurden. So zeigte sich wieder einmal, daß die Königsschlange, die keine Giftzähne hat, auch in der Gefangenschaft noch ein sehr gefährlicher Gegner ist, der den ihm bekannten Pfleger heimtückisch überfällt. Es ist begreiflich, daß der Vorfall auf dem Jahrmarkt größtes Aufsehen erregte. Doch gelang es, eine Panik zu verhindern. Lambert aber wird noch geraume Zeit in ärztlicher Behandlung bleiben müssen, um so mehr als der fürchterliche Schreck bei dem Ueberfall der Schlange zu einer schweren Nervenerschütterung geführt hat.
Öochschulnachnchten
Der Direktor der Göttinger Universitätsbibliothek Professor Dr. phil. Joseph Becker wurde mit Wirkung vom 1. April d. I. zum ersten Direktor der Preußischen Staatsbiliothek in Berlin ernannt. Professor Becker widmete sich neben seiner Berufsarbeit, die vornehmlich dem Gebiete der Geschichte und dem Grenz- und Auslandsdeutschtum gilt, der Arbeit für die deutschen Brüder jenseits der Reichsgrenzen. Er war Leiter der Göttinger Ortsgruppe des VDA. Die von ihm veranstalteten großen Sonderausstellungen der Göttinger Universitätsbibliothek zeigten die Verbundenheit des Schrifttums mit der niedersächsischen Landschaft und ihrem Volkstum und fanden weithin Beachtung. Seine Berufung bedeutet die Anerkennung seines hervorragenden wissenschaftlichen und organisatorischen Wirkens.
Professor Dr. Othenio Abel von der Universität Wien hat einen Rus auf den paläontologischen Lehrstuhl an der Universität Göttingen an* genommen. !


