Mittwoch, u. Dezember 1955
Nr. 289 vierte; Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Das
In diesem Aufbruch aus dem rauschenden Barock ins leichte Musentum des Rokoko ist Schlüter unterlegen. Die Tragödie, die ihn künstlerisch und menschlich überfiel, ist nicht allein persönlich; sie ist zeitgeschichtlich ein Ereignis, das bis in unsere Tage wirkt, weil damals die Epoche von Preußens Führung im deutschen Raum begann.
Rur ein paar Zeilen hat das Lexikon für Schlüter übrig. Man muß Berlin durchstreifen, um seine Wesenszüge aus den Monumenten, die er gestaltete, herauszuholen. Dann steht allmählich eine überragende Gestalt vor unseren Augen, die es verdient, aus ihrem Zwielicht der Geschichte herausgeführt zu werden.
erklettert der Muezzin die Minaretts und beobachtet den Untergang der Sonne. Dieser Augenblick ist sehr wichtig und muß ganz genau beobachtet werden. Richt früher und nicht später muß er „Allaha Akbar" rufen; das ist das Signal zum Fast e n b r e ch e n. Es ist auch in Berlin nicht möglich, den Sonnenuntergang von Muezzin beobachten zu lassen, weil die Berliner Moschee am Fehrbelliner Platz die Minaretts nur als Atrappen dargestellt hat. Deswegen ist ja eben der Kalender von der islamischen Gemeinde Berlin verteilt.
Man soll nicht denken, daß, wenn man den Tag über gefastet hat, nun den religiösen Vorschriften ®enüge getan ist, sondern die religiöse Tätigkeit setzt sich weiter fort. In der Nacht soll in der Moschee der Koran rezitiert werden. Dieser Augenblick des Gebetes ist von organisatorischen
der Meisterschaft und der Jugend des Dereinspokals zuviel verlangt, ganz abgesehen von seiner Anders» artigkeit — so war doch der erste Vereinspokalwett- bewerb ein neuer Erfolg des Fußballs in Deutschland, der alle billigerweise zu hegenden Erwartungen durchaus erfüllte. Der Verlauf hat so manche interessante neue Einblicke in die Spielstärkeverhältnisse ermittelt. Er wies eine erfreuliche Zahl sportlich bedeutsamer Begegnungen auf, gab einzelnen Vereinen die Gelegenheit, sich mehr als bisher hervorzutun, hat neue Spielgelegenheiten eröffnet und bedeutet alles in allem eine Erweiterung und Belebung des Spielprogramms, die wir nicht wieder missen möchten. Eine gute Zukunft dürfte ihm gewiß sein.
lieferten sich am Sonntag auf dem Platz von Launsbach im fälligen Verbandsspiel einen an«
Luft wächst immer neue Kraft uns zu. Endlich erster Gletscherboden, eisiger Wind kühlt den Schweiß.
Wir erreichen die kleine Nojacherhütte am Rande des mächtigen „Sonnblickgletschers". Hier ist Windstille. Wir machen kurze Rast und halten Umschau. Welch schöner Tag in seliger Klarheit? Das seidenzarte Blau des Himmels, leuchtende Sonne in milder Wärme, — herrlicher Rundblick auf „Schäret" und „Wilden Kaiser" bis weit hinein ins Steierische! Atemloses Schweigen der Alpenwelt, die gleichsam tiefauftönende Einsamkeit der Berge!
Weiter geht's, Stunde um Stunde, der schwere Rucksack drückt. Es ist hoher Mittag. Da macht der Gletscher eine weichgefügte, groß ausklingende Wende an der „Gold'bergspitze", — und nun grüßt schon über uns der „Sonnblickgipfel" mit dem Zi- telhaus.
Spätnachmittag. Wir find am Ziel! Herrlichste Rundschau vom Gipfel über weite, tiefverschneite Alpenketten. Schier greifbar nah das wuchtige Massiv des „Großglockners" mit seiner scharfen Pyramidenspitze, um ihn geschart die Helden in Panzer und Eis. Das bayrische Hochland, — Tirol, Karawanken und Dolomiten — ein unendliches Gefüge von Spitzen und Zacken — um uns dicht die gewaltigen Massive der „Hohen Tauern". Die Sonne sinkt und alle Gletscher leuchten auf. Nacht ist es längst in den Tiefen und Tälern, hier oben aber jauchzen noch alle Höhen in Glanz und
Handball der Studenten.
Gießener Studenten in Warburg.
Am heutigen Mittwoch spielt die Handballmann- chaft der Universität Gießen in Marburg gegen die dortige Universität. Ob es ihr gelingen wird, die Vorspiel-Niederlage auszugleichen, ist fraglich, da auch nun Schott nicht mehr mitwirken kann. Von der alten Mannschaft ist also niemand mehr beteiligt. Don der jetzigen Vertretung der Universität wird jedoch erwartet, daß sie ihre Pflicht tut.
Für den Freitag-Nachmittag ist ein interessantes Fußballspiel geplant: Universität Gießen — Ober- Realschule Gießen. Sicherlich haben die Ober-Real- chüler viel vor, sonst hätten sie nicht diesen Spielabschluß getätigt. Ob sie den Hochschülern spielerisch gewachsen oder überlegen sind, wird das Spiel ergeben.
Gerätewettkampf der Äereine Kinzenbach—Krofdorf — Rodheim. Am Samstag wird der Abschluß des Mannschaftskampfes der genannten drei Vereine in Rodheim zur Austragung kommen. Die Mannschaften setzen sich, wie auch bei den vorhergehenden Kämpfen, aus je zwei Jugendlichen, zwei Altersturnern und vier Aktiven zusammen. Geturnt wird an Pferd, Barren und Reck je eine Kürübung und von einem Turner jeder Mannschaft eine Kür-Freiübung. Bei den beiden vorigen Kämpfen konnte Krofdorf jedesmal den Sieg davontragen, obwohl ihm seine Gegner starke Konkurrenz machten und fast ebenbürtig waren.
Ergebnisse der Kreisklaffenspiele
1. Kreisklasse: Oberbiel — Leun 4:1; Spfr. Weßlar — Bissenberg II 1:1; Lollar — Grünberg 8:0; Heuchelheim — Großen - Buseck, B. nicht angetreten; Leihgestern — 1900 II 0:1; VfB.- Reichsbahn II — Rodheim 14:0; Wetzlar II — Werdorf 1:3; Aßlar — Ehringshausen 4:3; Nauborn — Holzhausen 3:0.
2. Kreisklasse : Tv. 1846 — Heuchelheim II 5:0; Treis — Daubringen 1:4; Staufenberg — Großen-Buseck II 11:0; Grünberg II — Geilshausen 1:3; Rüddingshausen — Londorf 1:3; 1900 III — Lich 1:0; Fellingshausen — Alten-Buseck 1:4; Launsbach — Krofdorf 6:1; Klein-Linden — Großen-Linden 5:1 (Gesellschaftsspiel).
Kußballabteilung des Tv. Kinzenbach.
Wißmar Jugend — Kinzenbach Jugend 4:0 (2:0).
Im ersten Verbandsspiel der Nachrunde mußte die einheimische Jugend wieder eine klare Niederlage durch die Gäste hinnehmen. Wenn man auch nicht mit einem Erfolg der Platzbesitzer gerechnet hatte, so überraschte doch die Höhe der erlittenen Niederlage. Die Mannschaft verstand sich sehr schlecht und zeigte ein sehr zerfahrenes Spiel, das den Gästen das Siegen leicht machte.
Kußball im Tv. Launsbach.
Launsbach I — Krofdorf I 6:1.
i Die Mannschaften von Krofdorf und Launsbach
pokals trotzdem noch zu wünschen übria. Nicht nur, daß es sich um eine Neuerung handelte, galt das Hauptinteresse natürlich den der Meisterschafts- Entscheidung zurückenden Punktespielen, während die Pokalkämpfe ja zunächst von der Kreis-, dann der Bezirksklasse bestritten wurden und die Gauliga erst später eingriff. Während eine Teilnahmeverpflichtung für Vereine der Gauliga und der Bezirksklasse bestand, war der Start der Kreisklasse freigestellt. Daß lange nicht alle Kreisligavereine die Gelegenheit ergriffen, war nicht zuletzt darin begründet, daß für sie die Ausgaben gegenüber den zu erwartenden Einnahmen von vornherein eine sehr erhebliche Höhe hatten, noch dazu, wenn die ausgelosten Paarungen zu längeren Reisen zwangen. Der Bundesführer hatte schon bei der Ausarbeitung der Austragungsbestimmungen auf diesen möglichen Nachteil hingewiesen, sich aber auf die Meinung fast aller Der- einsvertreter hin für die Auslosung entschieden, die im neuen Vereinspokal in Fortfall kommt. Der erfolgreiche Kampf gegen die Unkosten ist manchem „Meinen" Teilnehmer im Vereinspokal so schwer gefallen wie der um den Aufstieg in die nächste Runde.
Die nächste Austragung bringt auf der Grundlage der diesjährigen Erfahrungen 19 3 6 einige Neuerungen
Gerade die Mannschaften der unteren Klassen sollen sich möglichst zahlreich an dem Pokalweltbewerb schon um seines sportlichen Wertes willen beteiligen können,
und so finden mögliche finanzielle Verbesserungen für die Vereine in Form des Fortfalls der Meldegebühren, der Spielansetzung unter dem Gesichtspunkt geringster Fahrkosten und interessierender Begegnungen Berücksichtigung.
Ein erklärlicherweise erheblich anderes Gesicht als die erste hatte die zweite Hälfte des Vereinspokalwettbewerbs, als mit der neuen Spielzeit die Schlußrunden unter Beteiligung der Gaumeister einsetzten und die verbliebenen Teilnehmer von 63 auf 32, dann auf 16, 8, 4, endlich 2 zusammenschrumpften. Die Begegnungen wurden von Runde zu Runde bedeutsamer, die Zuschauerzahlen erhöhten sich demgemäß von Spiel zu Spiel erheblich; es trat eine ähnliche „Fußballstimmung" ein wie in den Wochen
SJixfport
Vereinspokal - ein neuer Wballersolg
Morgenfrühe! Man reckt die steifen Glieder in der eisigen Frische. In den Tälern wallt Nebel, aber hier oben atmet schon alles im rosigen Licht!
Pulverschnee, der geschwinde, führige Schnee. Nun die „Strammer" angezogen. Eine riesige Bahn, der sanft in die Tiefe sich neigende Gletscher lockt. Weißer, blendend reiner Schnee! Die Lunge saugt mit tiefem inbrünstigen Atmen noch einmal die herrlich-kalte, eiskalte Luft — dann los! hinein in die funkelnde, wonnige Pracht! Schneestaub fährt auf, dahin, dahin in sausendem Flug, kraftgespannt, stahlgeschnellt von unsichtbarer Macht! Luft pfeift vorbei — die Tiefe wächst — alles vergessende, rasende Fahrt — dahin, dahin in das ferne, unersehnte, doch kommende Ziel!
Nun ein steiles, verharschtes, klirrendes Stück... eine drohende, eisige Schneise, — langsamer, auskostender die Fahrt, — letztes Rennen, scharfer Bremsschwung, — am Ziel!
Licht...
Wir wenden uns zur Hütte, die sich an die Felsenwand klammert. Riesige, armsdicke Seile verankern sie. Wind stöhnt ums Haus fein tief- sonores Lied, Sturm reift an den Mauern. D— ist Musik, die Stimme der Berge, sie wiegt uns ein.
schüttelt, hat ein Kapitel preußischer Geschichte ausgeschrieben; er stand als Architekt und Städtebauer im Wendepunkt Berlins und damit Deutschlands.
Ein Alchimist sei er, hat es geheißen, und die Umwelt, die ihn später stürzte, schob ihm das Gerücht unter, er habe Tiere in seine Plastiken hinein- gebacken, er halte einen Italiener als Kunst-Sklaven vor der Welt verborgen, der für ihn die eigentliche Arbeit mache. So groß und unglaubhaft war dieser Mann, war seine Kunst für eine kleinliche und eitle Hofgesellschaft, die sein Wirken nicht ermessen konnte. — f,
In allen Städten läßt sich die Geschichte aus ihren Baudenkmälern lesen, und schon em Stadtplan ist bisweilen ein Buch der Offenbarung. Der Fremde in Berlin, der von der Vielfalt feiner Oberfläche ausgeht, um das ewige Berlin zu suchen, wird unbedingt zu Schlüter kommen. Er wird Die Spuren seines Meißels und seine Bildnerhand in den ergreifenden Visionen der Kriegermasken im Zeughaus andachtsvoll erkennen; er wird im Landhaus Kamecke, das, zwischen neuen Häusern in der Dorotheenstraße eingequetscht, die fast antike Heiterkeit bewahrt hat, den Reichtum dieses Schöpfertums bestätigt finden. Von Vasen, die er schuf und von den überreich mit Ornamenten ausgeschmuckten Nischen blinder Fenster bis zu dem unvergleichlich eindrucksvollen Reiterstandbild des Großen Kurfürsten, bis zu dem Schloßbau, bis zum Zeughaus, ja, bis zu einem Stadtplan, der die Entwick- lung'der neu gewordenen Hauptstadt in fast seherischer Ueberschäu erkennen läßt, hat sich der weite Spannraum seines Künstlertums bekundet. Mag auch die Kunst Italiens und Frankreichs feine Kunst befruchtet haben — es hat in feiner Zeit tcvum eine andere Persönlichkeit von seiner Eigenwilligkeit und Prägung mehr gegeben, und vor allem nicht in Preußen. Nicht der mißglückte Munz- turm war es, der seinen Sturz ermöglichte als Schlüter auf der Höhe seines Schaffens stand; die Schleifung dieses Turms, der sich senkte und der einrnstürzen drohte, war nur em äußerer Anlaß, den seine^Feinde gern ergriffen. Die wahren Grunde sind in der Zeit zu suchen.
Danzig Königsberg, in Warschau und Stral- |un6 hat er Beweise seines Wirkens hmt°rlaff-n, Ni- Merlin fein Schicksal wurde, dem er die Reife ?eineT Schassens unauslilabar schenken konnte bis in die Zeiten seines Sturzes und ferner Flucht hm- M Der koniqliche Künstler, von dessen Leben nur : X menin wissen, ist als armer Teufe aus der Stadt verschwunden, berührt °°m Fruhlicht einer neuen Zei, die zwar Friedrich Wilhelm, dem Sol- : datenköniq, einen spartanisch strengen Hausherrn ' Machte und dennoch schon die Keime einer versp.el- , ten höfischen Kultur in sich verspürte.
Andreas Gchlüter, ein Meister des nordischen Barocks.
13on Otto Hombach
Vom Autor unseres Beitrages wurde kürz- 1 lich in Bad-Nauheim und im Deutschen Theater Berlin das Schlüter-Schauspiel „Em Mann an der Wende" mit Erfolg uraufgeführt.
Gute Freunde sagen, das Schauspiel um Slnöreas Schlüter hätte ich geschrieben, weil ich, als ich nach Berlin kam, in der Schlüterstraße wohnt^ In einer Pension war das, wo es zwei schone Katzen gab und eine Sumpfschildkröte, die Karlchen hieß und die ich einmal erben soll. . .
Gewiß, als Schwabe, dessen zweite Heimat Frankfurt wurde, und den ein Zufall nach Berlin verschlug, hat mir der Name dieses Mannes, m besten Straße ich mich niederließ, nicht viel gesagt B s icb den Schlüterhof entdeckte, nachts, mit Musik, bis mir am Zeughaus, vor dem Marftall und nicht zuletzt im Angesicht des Reiterdenkmals vom großen Kurfürsten der Name Schlüter Zur begrifflichen Er- scheinung wurde, der es nachzuspuren loh • mir Pläne und Berichte offenbaren, wie diese Mann in seiner Zeit stand und schick^ shaft um Dinge rang, die seine Zeit vereiteln mußte, wei gerade damals das kleine Brandenburg zum großen d Das ^Meteor Andreas Schlüter, Schloßbaudirek- tor und Bildhauer zur Zeit des Großen Kur ursten und des ersten Preußenkomgs, hat Berlin mit einer damals in Preußen nie geschauten Fülle feines Schöpfertums bereichert. Er, der m Hamburg oder Danzig auf die Welt kam, und in St. Petersburg als Namenloser unterging, schuf Monumente die wie Pfeiler einer mächtigen Entfaltung erfüllt von kühner Planung und überreich an Bildschmuck sind. Es war der erste, der als Architekt, Bildhauer und Städtebauer die Mission erkannte, die Preußen mit der Königswürde übertragen wurde, der aus der Kleinstadt mit ihrer rasch auf 60 000 Menschen an» gestiegenen Bevölkerung einen Mittelpunkt des deutschen Nordens machen wollte, wie Versailles und Wjen und Warschau Mittelpunkte waren.
Durch diesen Meister des nordischen Barocks den Leibniz als den deutschen Michelangelo bezeichnete, bat das Berlin der kleinen Bürger den Atem einer ^fihena erhalten, sind ihm Bauten, Denkgroßen Resid z okumente einer überguellenden
Gkifahrt in denHohenTauern.
Von Ferdinand Bruger.
Es gibt einen Rausch, der heißt Bergrausch! Das ist ein selig-jauchzendes Emporschwingen des Leibes und, hoch darüber hinaus, der weitgeöffneten Himmel der Seele. Es ist nicht nur das kraftvolle Ueberwinden der materiellen Höhe, der erdgebunde- nen Schwierigkeiten im Klettersport, — nein! Es ist der Rausch der Höhe selbst, jenes Gefühl: Tausende von Metern hoh über aller Menschlichkeit und Enge zu stehen, ganz eins mit der Natur zu sein in ihren unberührten Reichen. Es ist wie ein Gefühl des Triumpfes, das wohl Der junge Flieger haben mag, wenn er in unendlichen Höhen dahinsegelt in dem ungeheuren Ozean des Himmels. Und feine Seele braust mitten hinein in die Unendlichkeit des tiefsten Weltalls mit des Geistes Sternenfittich!
Wir hatten diesmal eine Fahrt ins Großglockner- Gebiet der „Hohen Tauern" geplant. Es galt eine Skifahrt. Und wenn wir vorher von der Herrlichkeit des Steigens gesprochen hatten, so kommt hier noch etwas von ganz besonderem Reiz hinzu: Das Ueberwinden eigener Schwere mit lebendiger Kraft in sausender Fahrt zur Tiefe!
In aller Frühe ging es mit den Schiern vom „Tauernhof" zum „Hohen Sonnblick". Ein Hochtalkessel, ringsum getürmte Wände, — Felsschros- fen... doch über allem herrlich weißer Schnee! Der Atem keuchte in kleinen Opfersäulen, — Schweiß strömt, doch wird die erste Stufe zu den Melcherböden rasch erreicht. Nun geht es über Felsterrassen steil empor, Spitzkehre um Spitzkehre wird überwunden. Hoch droben die Ruinen eines früheren Goldbergwerks. Mühselig schmale Austtiegrin- nen führen dort hinaus. Die Lungen keuchen, schwer belastete Maschinen — und dennoch, aus der Schöne rings, aus dieser klaren, seltsam reinen
Ramadanfest in Berlin
Von Habibnr Hahman, Berlin.
und militärischen Gesichtspunkten sehr wichtig. Es gibt ja Millionen Menschen unter den Muslimen, die das Heilige Buch, den Koran auswendig kennen. Derjenige, welcher den Koran auswendig kennt, erhält den Titel „Hafiz". In Arabien, in Indien, Afghanistan ist in der Nacht während des Fastenmonats in Der Moschee Hochbetrieb. In manchen Moscheen stehen 20 bis 30 Hafiz mit ihrer Gefolgschaft unD rezitieren Den Koran. In Der Berliner Mosche ist Das nicht möglich aus Den einfachen GrünDen, weil die Moschee Privateigentum einer einzelnen Person ist. Die Islamische Gemeinde hat einmal versucht, den Ritus in Berlin beizubehalten, aber es scheiterte aus verschiedenen Gründen. Ende dieses Monats, ungefähr am 26. oder 27. Dezember d. I., wenn Der RamaDan zu EnDe geht, wirD Die Islamische Welt Das Fest Des Fastenbrechens (JD-ul-Fitr) feiern. Man nennt es in Indien auch Makkarnifest, weil man dort an diesem Tag nur Makkaroni ißt. Das sind keine Weihnachten der Muslime, sondern der Zufall will es, daß Das Fest in Die Zeit Der christlichen Weihnachten fällt.
Das reguläre deutsche Fußballjahr hat jetzt zwei Höhepunkte, von außergewöhnlichen Ereignissen wie den Länderspielen abgesehen. Früher gab es zwar neben den Meisterschaften auch noch hier und da örtlich, landschaftlich oder auf Landesverbandsaren- zen beschränkte Wettbewerbe, etwa die Pokalspiele in einigen Verbänden. Aber der zentrale Spielbetrieb richtete sich ausschließlich auf die Meisterschafts- kämpfe aus, und diese schritten erst im Frühjahr allmählich ihrem Höhepunkt, der Entscheidung der Deutschen Meisterschaft, zu. Der Herbst, Die erste Hälfte Der Spielzeit, war so eigentlich wenig interessant, wenn Damit auch nicht sportlich etwa unwichtig; Die Spannung pflegte sich jeDoch erst mit Dem Herannahen Der Entscheidungen einzustellen.
hierin hal nun in diesem jetzt zu Ende gehenden Kalenderjahr der erstmalig ausgeschriebene Wettbewerb um den einen Deutschen Fuhball- Vereinspokal, für den der Reichssportführer durch dreimaligen Sieg hintereinander oder viermaligen Sieg außer der Reihe endgültig zu gewinnenden Ehrenwanderpreis stiftete, eine Aenderung gebracht.
Der Pokalwettbewerb war 1935 und bleibt auch 1936 zeitlich anders gelagert als die Meisterschaft und hat mit Der PokalentscheiDung einen weiteren Höhepunkt Der Spielzeit geschaffen. Der Zweck Des neuen Wettbewerbs war ja auch. Den Spielbetrieb abwechslungsreicher unD Damit interessanter zu gestalten unD Den Vereinen neue reizvolle Spiel- gelegenheiten, bei Denen es „um was geh t , zu schäften, Denn Das macht Die Spannung aus, Die Den Spielen befonbere Aufmerksamkeit sichert. Der Pokalwettbewerb ermöglichte manche Begegnung, Die sich als FreunDschaftsspiel schon aus finanziellen GrünDen schwer verwirklichen ließ, erweiterte also schon Die Spielgelegenheiten unter Dem Gesichtspunkt Der Entfernungen. Er gab aber auch den Vereinen Der unteren Klaffen die Möglichkeit, mit Höherklassigen zusammenzutreffen, und damit den unbekannten Mannschaften die lieber« raschungs-Chance.
So sportlich wertvoll der Pokalkampf — gewissermaßen auch als eine Ergänzung der Meisterschaftsspiele — dadurch würde, so lag ihm weiterhin die Absicht zu Grunde, gleichzeitig Den Vereinen eine neue Einnahmequelle zu ihrer finanziellen Stützung zu eröffnen.
In seiner ersten Hälfte, also Den RunDen Der vorigen Spielzeit, ließ Der WiDerhall Des Vereins-
Die Muslime haben nur zwei große Feste: Eins . nennt man Das Fest Des Fastenbrechens i oDer wie Der arabische Name lautet: Id ul Fitr. Es 1 gibt noch ein 0 pferfest, das man in der Hei- i matsprache Id ul Adha nennt. Id ul Fitr ist das ' Endfest Des heiligen Monats RamaDan, Des Fastenmonats. Die islamische Kolonie in Berlin ist so groß, Daß sie dieses Ramadan in festlichem Rahmen- begehen kann. Während des Krieges wurde von Kaiser Wilhelm II. eine Holzmoschee in Wilnsdorf gebaut. Diese Moschee ist eine türkische Ein- Minarett-Moschee, und hier wurden immer die Festlichkeiten der Muslime veranstaltet.
Der Monat Romadan ist im Islam der heiligste Monat, in Dem Das Heilige Buch Der Muslime, „Der Kora n", offenbart worDen ist. Er steht in dieser Hinsicht an Der Spitze Der andern Monate, was dadurch ausgedrückt wird, daß man den ganzen Monat hindurch fasten soll. Zwischen Fasten und Fasten ist jedoch ein Unterschied. Der Muslim fastet von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. In dieser Zeit darf er nicht Das geringste an Nahrung zu sich nehmen. „Du sollst nicht essen, nicht trinken, nicht rauchen unD nicht riechen." So sind Die Gesetze, Die streng innegehalten werden müssen. Jeder erwachsene Mensch ist verpflichtet, diesen religiösen Vorschriften nachzukommen. Die genauen Zeiten wann der Gläubige mit Essen aufhören soll und wenn er mit Essen anfangen darf, sind in Berlin sehr schwer festzustellen. Dafür hat die Gemeinde der Muslime in Berlin einen Kalender in arabischer Sprache in Aegypten drucken und in Berlin sowie in Deutschland, überall, wo sich Muslime befinden, verteilt. Die Flugblätter sind sogar bis über die Grenzen des Deutschen Reiches, z. B. in Paris, verteilt worden, damit Die Gläubigen an Hand Dieses KalenDers ihren religiösen Pflichten nachkommen können.
Der Muslim rechnet nach Dem Mond; und es ist merkwürdig, daß der Fasten-Monat sowie die Festlichkeiten sehr b e w e g l i ch sind. Eine Zeitlang fällt der Ramadan in sehr heiße Tage; in Berlin ist Dann Das strenge Fasten ein großes Opfer. Man soll aber Dabei Doch nicht vergessen, Daß man in anderen Ländern — als Beispiel Diene JnDien, wo im Schotten 46 GroD Celsius herrschen — ebenfalls Den ganzen Tag fasten muß unD nicht einmal einen Tropfen Wasser zu sich nehmen Darf. Das erforDert eine erhebliche Disziplin unD ist wirklich em Opfer.
In Berlin ist es aus begreiflichen technischen GrünDen nicht möglich, Die Einrichtungen sowie Die Sitten unD Gebräuche Des Orientes einzufuhren und dauernd zu pflegen. Während des Fasten- monats soll der Muslim beispielsweise in der Nacht zwischen 3 und 4 Uhr aufstehen, um Nahrung zu sich zu nehmen. Dabei muß natürlich vermieden werden, daß scharfe Speisen genossen werden, damit nicht tagsuüer das Durstgefühl zu groß wird. Man wählt daher leicht verdauliche Nahrungsmittel; allgemein wird Reis mit Milch und Zucker gegessen, oder man weicht Keks oder Brötchen in Milch und läßt sie einige Stunden stehen. Später wird Zucker hinzugefügt unD Dann als beliebte Fastenspeise gegessen. Die genaue Zeit, wann Der Muslim aufstehen muß, roirD nicht Durch einen Wecker bekannt- gegeben. Vielmehr ist es Die Aufgabe eines Wachters, währenD Des Monats RamaDan um eine bestimmte Zeit in Der Nacht Durch Schläge an Die Haustür Die Bewohner zu wecken.
Um Mitternacht ist im Orient Das Leben wirklich herrlich. Wenn es Sommer ist unD man unter freiem Himmel schläft, unD wenn Die Wächter unD Fakire singenD Die Straßen Durchziehen Dann ist die Wirkung Dieser Gesänge in Der stillen Nacht ungeheuer groß. Der Berliner Muslim muß auf alles Das verzichten. Hier macht er von Der technischen Neuerung eines Weckers Gebrauch oDer laßt sich als moDerner Mensch Durchs Telephon wecken. Wenn Die Zeit sich Dem EnDe Des Fastens nahen,
Der MeisterschaftsentscheiDungen.
Auch wenn Damit noch nicht gesagt sein soll, daß Die PokalentscheiDungen bereits Die gleiche BeDeutung wie Die MeisterschaftsentscheiDungen erlangt haben — -------
Das wäre auch angesichts Der langjährigen TraDition' regenden Kampf. Launsbach war Dem Tabellen-


