Generalappell vonioAllionenSchwarzhemden
scheinlich, daß Laval in geeigneter Form geantwortet und die Forderung Englands, Afrika bei der Anwendung der Völkerbundssatzungen den Vorrang zu geben, mit dem Hinweis beantwortet habe: Zuerst Europa. Dank der unerschütterlichen Haltung Mussolinis und seiner Verachtung jeder Diplomatie werde die Stunde bald schlagen, wo sich die französische Regierung entscheiden müsse.
Kräfte, auf die Italien bei dem kommenden Generalappell zählen kann, auch die Frauen-Or- g a n i s a t i o n e n mit aufgeführt werden, für die die Zahl von über 400 000 angegeben wird.
Die „Tribuna" schreibt: Die Einberufung aller Kräfte des faschistischen Regiments erfülle eine doppelte Aufgabe: Sie gebe der italienischen Nation eine Ordnung, die sie von anderen ungeordneten Staaten unterscheide, und mache aus ihr ein Instrument der Kraft und der wahren internationalen Gerechtigkeit. Während die Dominien des englischenWeltreiches, wie Australien und Kanada, die Zentralmacht in London für unfähig erklärten, während man bereits im Lager der L a - bour r Partei Sühnemaßnahmen ankündige, während sich das Einverständnis zwischen Labour- Partei und französischer Linken mit ihrer Förderung des Freimaurertums offen mit dem Kommunismus und der Dritten Internationalen verbände, während die Konzessionen des Negus die letzte Verworfenheit eines geschäftstüchtigen Schachertums zeigten, während der Völkerbund hinter Kommif- sions- und Sachverständigenprozeduren die eigene Unfähigkeit, große politische Probleme zu verstehen und zu regeln, verberge, tue der faschistische Generalappell kund, daß in Italien eine Einigkeit des Geistes und der Macht bestehe, die sich in Ostafrika erprobe und damit gleichzeitig den erneuernden und bestreitbaren Wert der faschistischen Revolution bestätige.
Rom, 10. Sept. (DRV.) Mussolini hat angeorsi- net, daß dieser Tage in ganz Italien sowie in den Kolonien ein Generalappell sämtlicher Gliederungen der Faschistischen Partei stattfindet. An dem festgesetzten Tag werden überall die Kirchenglocken oder Sirenensignale das Zeichen zum Aufmarsch geben. Sämtliche Parteimitglieder versammeln sich darauf im Schwarzhemd vor dem Gebäude der örtlichen Parteileitung. Die Miliz tritt in den Kasernen zusammen. Italiener, die sich ständig oder vorübergehend im Ausland aufhalten, haben die Pflicht, sich beim Parteisekretär telegraphisch zu melden. Die Parteiformationen werden bis Mitternacht versammelt bleiben, mit Ausnahme der Jugendorganisation, die um 9 Uhr entlassen wird.
„Popolo di Roma" bringt eine Aufftellung wie sich die zehn Millionen, die von dem geplanten Generalappell erfaßt werden sollen, auf die einzelnen faschistischen Organisationen verteilen. Das größte Kontingent stellen die vier Millionen dar, die eine vormilitärische Ausbildung genossen haben; ihnen folgen 2 108 000 Mitglieder der Arbeit so rganisation und 1851 777 eingeschriebene Mitglieder der f a s ch i st i s ch e n Partei, 657 000 Jungfaschisten, 66 000 faschistische Universitätsjugend; 230 000 sind in den faschistischen Verbänden öffentlicher Angestellten zusammengefaßt. Zahlreiche Einzelorganisationen gliedern die übrigen ein. Interessant ist ferner daß in dieser Aufftellung über die
französisch-englische Fühlungnahme in Genf.
Hat Gir Samuel Hoare von Laval eine klare Entscheidung Frankreichs gefordert?
„Echo de Paris" äußert die Ansicht, daß der eng- lische Außenminister die Einstellung Englands sehr deutlich dargelegt und den französischen Ministerpräsidenten aufgefordert habe, sich nach der einen oder anderen Seite hin zu entscheiden. Die Versicherungen, die man französischerseits in allgemeinen Phrasen über die Treue zum Dölkerbundspakt abgäbe, genügten England heute nicht mehr. Es sei aber wahr-
Die Arbeit des Ziinfer-Ausschuffes auf dem toten Punkt
Oie kleineren Mächte fordern strikte Durchsetzung der Äölkerbundssatzunq-'n.
zukommen, habe sich der Ausschuß auf Donnerstag vertagt. Die Aussichten seien jedoch wenig ermutigend, und man müsse sich fragen, ob der Völkerbund schließlich nicht doch den Mißerfolg der Versöhnungsbestrebungen feststellen müsse.
Madariaga, so schreibt „Echo de Paris", habe durchblicken lassen, daß die Anwesenheit eines englischen Mitgliedes in diesem Ausschuß die italienische Abordnung nur noch unnachgiebiger mache. Laval werde noch vor Donnerstag Baron Aloisi einen letzten Vorschlag zur friedlichen Beilegung unterbreiten, der hinsichtlich der militärischen Besetzung Abessiniens Zugeständnisse enthalte. „Oeuvre" fügt aber gleichzeitig hinzu, daß sich der französische Ministerpräsident selbst keine großen Hoffnungen mache. Man müsse fest- stellen, daß die Lage langsam aber sicher zur Eröffnung des bewaffneten Konfliktes a b g l e i t e, und zu einem ernsten Widerstand des Völkerbundes gegen eine solche Verletzung der Satzungen führt. Aloisi habe dem Vorsitzenden des Fünfer-Ausschusses klipp und klar erklärt, daß der Duce ohne eine vollständige militärische Besetzung Abessiniens keine Lösung der Angelegenheit sehe.
Durch die Hintertür.
Litwinow nachträglich zur Teilnahme amBölkerburrdsPräsidium eingeladen.
G e n f, 10. Sept. (DNB.) Das P r ä s i d i u m der Dölkerbundsoersammlung beschloß, den Vertreter der Sowjetunion nachträglich zur Teilnahme an den Arbeiten des Präsidiums ein- z u l a d e n. Litwinow hatte bei der Wahl der Vizepräsidenten, wie wir schon meldeten, nur 29 Stimmen erhalten, so daß außer den drei europäischen Großmächten noch Belgien und Mexiko, nicht aber die Sowjetunion in das Präsidium gewählt wurden. Hierüber war bei der russischen Abordnung eine sehr starke Verstimmung entstanden, die sich in einer Beschwerde beim Präsidenten der Versammlung äußerte. Benesch hat nun das Präsidium davon zu überzeugen verstanden, daß es angebracht sei, eine Großmacht wie Sowjetruh- land zur Beteiligung aufzufordern. Der den Völkerbund beherrschende demokratische Grundsatz der freien und geheimen Wahl für die beschließenden Organe ist somit aus Gründen der politischen Zweckmäßigkeit, die allerdings in diesem Falle dem tschechoslowakischen Außenminister besonders nahelag, durch- b r o ch e n worden.
P a r t e i, die im Bürgerkrieg 1861 gegen den Norden und Westen focht, weil diese, die Republikaner, die Sklaverei abschaffen und eine straffe Nationalregierung einführen wollten. Sie unterlagen, und Lincoln schaffte die Sklaverei ab, erlitt dafür allerdings den Märtyrer-Tod.
Die Sklaverei der Neger wurde formell abge- schafst und die Gleichberechtigung der Schwarzen 1 mit den Weißen feierlich in der Verfassung „ver- 1 ankert". Tatsächlich ist lediglich die Leib- ! e i g e n s ch a f t abgeschafft worden; Neger gelten I in Amerika auch heute noch als durchaus minder- ' wertige Raffe, mit der man keinen gesellschaftlichen Verkehr pflegt. Außerdem sind sie in ihrem Wahlrecht, dem wichtigsten Vorrecht eines amerikanischen Bürgers in vielen Staaten stark beschränkt. Die ■ Bundesverfassung hat es den Einzel st aaten überlassen, festzusetzen, in welcher Weise und unter welchen Bedingungen das Wahlrecht ausgeübt werden kann. Und die Südstaaten, unverändert in ihrer Abneigung gegen Lincolns Gleichmacherei, haben raffinierte Wahloorfchriften ausgearbeitet, die vom Wähler teils eine Steuer, teils eine Bildungs-Prüfung verlangen; und in beiden Fällen scheiden, wie erwartet, dadurch die meisten Neger aus.
Weiter im Norden, der republikanisch ist, hat man sich zu so krasser Verletzung des Geistes der Verfassung nicht entschließen können. Beispielsweise im Staate Pennsylvania, der wie die meisten Nordstaaten das Neger-Problem erst kennenlernte, als die Wahlvorschriften längst in Kraft getreten waren; hier wie in den übrigen Industriestaaten des Nordostens sind die Neger erst in größeren Scharen aufgetaucht, als Amerika sich am Kriege der Alliierten gegen uns bereichern wollte und Munitionsfabriken wie Pilze aus dem Boden schossen, wobei die Nachfrage nach Arbeitern ungeheuer war. Die Neger dort wählen natürlich republikanisch, da sie in den Demokraten die Schicht der Unterdrücker der schwarzen Rasse sehen. Da kamen nun die Depression und das Fiasko „Hoover", die Zeit der republikanischen gefüllten Kochtöpfe war vorbei. Da sagten sich im Jahre 1932, als die Wahlschlacht Hoover- Roosevelt begann, einige kluge demokratische Politiker, daß man vielleicht mit Hilfe der Neger die Hochburg der Republikaner, den Staat Pennsylvania, erobern könnte. Gesagt, getan. Man fragte die Neger, was sie denn je für Vorteile von den Republikanern erhalten hatten. Die Antwort war: Keine. Und so wurden diese Neger für die Demokratische Partei, in ihrer neuen^ Gestalt als Engel des „vergessenen kleinen Mannes", geworben; mit Erfolg, denn 1934 fiel der Staat den Demokraten in die Hände, ein Ereignis, das selbst die ältesten Republikaner nie für möglich gehalten hätten.
Aber natürlich werden in Amerika Stimmen nickt umsonst abgegeben! Man erwartet und verlangt Belohnung für die WahMfe 170000 Neger in Pennsylvania hatten es durchgesetzt, daß der demokratische frühere Gesandte in Wien, Carle, Gouverneur des Staates wurde. Und nun beantragten die Neger ein Gesetz, das ihnen Gleichberechtigung in Geschäften, Restaurants, Hotels verbürgen sollte. Bislang durften sie diese Stätten der Weißen nicht betreten. Carle zeichnete das Gesetz, unter dem Druck seiner schwarzen Nothelfer. Und nun begann am 1. September der Kummer. Negerfrauen gehen in Verschönerungssalons, und die weißen Frauen fliehen voller Empörung. Man versucht sie fernzuhalten, man erklärt, alle verfügbaren Behandlungszeiten seien besetzt; aber auf die Dauer kann man das natürlich nicht durchführen. In Tanzdielen verlassen die weißen Paare das Lokal, sobald Schwarze hereinkommen. Und so befindet sich der Staat Pennsylvania in einem tragikomischen Kampf, der gerechten Strafe für Verwischung der Grenzen zwischen Weiß und Schwarz.
Das interessanteste Erlebnis aber ereignete sich am 10. August 1935 (siehe Philadelphia Jngutrer vom 11. August): In einem eleganten Schwimmbassin bei Philadelphia wurde ein Wettbewerb ab- Sehalten. Veranstalterin war die Amateur Athletic nion, die Organisation, die die Olympia-Kämpfer stellt. Es sollte getaucht und gesprungen werden. Da erschienen zwei Neger, die sich ordnungsgemäß angemeldet hatten. Sie hatten in anderen Städten an Ausscheidungskämpfen teilgenommen. Große Entrüstung unter den Weißen; man forderte die Neger auf, sich zu entfernen. Die lehnten das ab. Daraufhin wurde der ganze Wettbewerb auf unbestimmte Zeit vertagt! Ein Beffpiel, wie der „Olympia-Geist" in dem selbstgerechten Amerika herrscht. *
Ein Deutscher hat einmal gesagt, man müsse die Tugend der Amerikaner mehr fürchten als ihre Laster Nun gibt es sehr viel Laster in den Vereinigten Staaten; man könnte ein Buch mit nega- tiven Schilderungen füllen, aber es ist durchaus richtig, daß die Selbstgefälligkeit der Amerikaner oft viel abstoßender ist als die Summe ihrer schwachen Seiten. Besonders im Nordosten, in Neu-England, hat sich die frömmelnde, intransigente Art der P u - xitaner erhalten. Diese Puritaner sind wegen
Probleme in LtGA.
Von unserem K.G.S.-Äerichterstaiter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Washington, September 1935.
Die ursprüngliche amerikanische Einwanderung besteht aus zwei ganz getrennten Klassen. Die einen waren die „Pioniere", die teils aus Mangel an Erwerbsmöglichkeiten in der Heimat, teils wegen religiöser Verfolgungen nach Amerika auswanderten und sich an der Nordostküste, Neu-England genannt, ansiedelten. Von diesen Kolonien (Massachusetts, Connecticut usw.) breiteten sie sich allmählich nach Westen aus: Pennsylvania, Neuyork usw. waren die Haupfftaaten der Kolonisierung, die immer weiter nach Westen drang, bis sie um die Mitte des 19. Jahrhunderts den Stillen Ozean erreichten. Kalifornien z. B. wurde erst 1850 als Staat in die Union ausgenommen, der Mormonenstaat Utah erst 1896, und zuletzt, im Jahre 1910: Neu-Mexiko und Arizona.
Hiervon völlig getrennt war die Besiedlung der Süd st aaten: Maryland, Virginia, Karolina usw., wo sich die Söhne reicher englischer Eltern ansässig machten, große Plantagen (meistens Baumwolle, Mais, Tabak) errichteten und die Schicht der „Southern Gentlemen" bildeten. Sie waren weder Pioniere, noch hielten sie es für standesgemäß zu arbeiten; sie importierten Sklaven aus Afrika über Westindien und regierten als große Herren. Sie waren natürlich für weitgehende Selbständigkeit, gegen Zentralisierung, gegen soziale Maßnahmen. Sie lehnten auch die Schutzzölle ab, weil sie die benötigten Industrie- Produkte möglichst billig kaufen wollten und weil sie, auf Ausfuhr ihrer Agrarprodukte angewiesen, in anderen Ländern keine Repressalien gegen amerikanische Schutzzölle ergriffen sehen mochten. Aus dieser Schicht entstand die Demokratische
Huey Long f.
Der Diktator von Louisiana seinen Verletzungen erlegen.
Neuyork, 10. Sept. (DNB.) Senator Long ist Dienstag früh um 6.10 Uhr im Krankenhaus in Baton Rouge g e st o r b e n. Der schwerverwundete Senator hatte in den Morgenstunden noch eine vierte Bluttransfusion erhalten. Die in Aussicht genommene fünfte Transfusion wurde nicht mehr durchgeführt, da der Senator bereits im Sterben lag.
Der Tod des Senators Huey Long in Baton Rouge wird von der gesamten Presse der Vereinigten Staaten in sensationeller Aufmachung gemeldet. Nach den letzten Mitteilungen verschied Long in einem Sauerstoffzelt nach vergeblichen Bluttransfusionen und Adrenalineinspritzungen. Am Sterbelager weilten außer Aerzten, Krankenschwestern und einem Geistlichen auch seine Frau, drei erwachsene Kinder und seine ihm seit Jahren entfremdeten Brüder, sowie Staatsgouverneur Allen und mehrere Lokalvolitiker. Longs letzte Worts galten den ihm besonoers nahestehenden Studenten der Uni«
religiöser Verfolgungen aus England im 17. Jahr-1 hundert ausgewandert, sie bilden sich ein, daß alle Ausländer Schurken sind, besonders aber diejenigen, die der Kirche Vorschriften machen. Hier hat stets die Trennung zwischen Kirche und Staat bestanden, und man will es daher nicht fassen, daß in Deutschland gegen Auswüchse in den Kirchen eingeschritten wird. Daß es sich lediglich um Beseitigung politischer Umtriebe handelt, will man nicht verstehen. Und deswegen erlaubte sich das Abgeordnetenhaus in Massachusetts, der Hochburg des amerikanischen Katholizismus, die Dreistigkeit, eine Entschließung gegen die Reichsregierung anzunehmen.
Die Bundesregierung rauft sich die wenigen verbliebenen Haare und ist entsetzt über die Einmischung in außenpolitische Angelegenheiten. Aber sie ist machtlos. Wir haben das im Fall der NRA.-Entscheidung des Obersten Gerichtshofes ausführlich dargelegt. Damals handelte es sich darum, daß Roosevelt sich weder um soziale Wohlfahrt, noch um die Landwirtschaft in den Einzelstaaten kümmern darf, wenn auch dadurch für bas ganze Land schadhafte Streiks entstehen oder Ueberproduktion der Bauern das ganze Wirtschafts-System zum Wanken bringt. Hier, in den Fällen Laguardia („Bremen"- Flaggenfall), Entschließung der unteren Kammer im Staat Massachusetts, Verunglimpfung des japanischen Kaisers in Zeitungen, Beschimpfung des Führers durch den Juden Dickstein im Abgeordnetenhaus des Bundeskongresses, geigte es sich wieder einmal klar, daß der Präsident der Vereinigten Staaten das Land nicht regiert, sondern nur ein Der- waltungsbeamter mit geringen, genau umgrenzten Funktionen ist. Ja, daß er nicht einmal die Beziehungen zum Ausland ungestört durch Anwürfe seiner Mitbürger in normalen Bahnen halten kann. Das alles erscheint im neuen Deutschland unverständlich ; aber man muß sich diese Sachlage klarmachen, um zu begreifen, daß die Bundesregierung wirklich nichts zu lachen hat, und daß sie Protesten gegenüber stets verlegen oder irritiert ist, weil sie ja tatsächlich keine Autorität im eigenen Lande hat.
Diskutiert man diesen grotesken Zustand mit Amerikanern, so wird einem stets entgegnet: erstens sind wir ein Volk, das aus Flüchtlingen vor Reli- aionsknebelung und Diktatur entstanden ist; zweitens nehmen wir manche Nachteile, wie schlappe Regierung und Verschwendung von öffentlichen Geldern usw gern in Kauf, wenn wir dafür unsere Mei- nungs-, Religions- und Pressefreiheit behalten; brütens tun wir, was wir gegen Neger und Juden unternehmen, rein privat, während Ihr offiziell gegen andere Rassen vorgeht. Daß inzwischen Amerika immer mehr in ganz ungesunde Zustande gerät, will man nicht sehen. Solange man kritisieren kann, sei es bas Weiße Haus, sei es das Ausland, solange ist man glücklich und stolz auf sein Bürgertum. Argumentieren läßt sich bei dieser Einstellung nicht viel.
Paris, 11. Sept. (DNB. Funkspr.) Der französische Ministerpräsident Laval und der britische Außenminister Sir Samuel Hoare hatten am Dienstag in Genf zwei sehr ausgedehnte Unterredungen über den Abessinienkonflikt. Die Fühlungnahme wird von der Pariser Presse mit Genugtuung begrüßt. Ueber den Verlauf dieser Unterredungen gehen die Ansichten zwar etwas auseinander. Während die einen behaupten, der englische Außenminister habe Laval vor die Alternative gestellt, zwischen der römischen
Amerika wählt mit wilder Begeisterung einen Präsidenten, und zwei Monate später fällt man über ihn her und läßt kein gutes Haar an ihm. Es gehört >
London, 11. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Nachrichten der Morgenpresse aus Genf lauten sehr pessimistisch. Die Blätter glauben, daß die Arbeit des Fünfer-Ausschusses infolge der Haltung Italiens auf dem toten Punkt angelangt fei. Angeblich wünsche die französische Regierung, daß der Fünfer-Ausschuß die Abfassung seines Berichtes a u f f ch i e b e, um noch eine letzte Bemühung um eine friedliche Lösung zu ermöglichen. Anscheinend wolle Laval die Pariser Vorschläge an Italien noch etwas erweitern.
Ferner berichten die Blätter, daß der gestrige Meinungsaustausch zwischen Sir Samuel Hoare und Laval sich auf die Frage etwaiger S ü h n e m a ß- n ah men bezogen habe. Hoare habe eine sehr entschlossene Haltung eingenommen und Laval dringend aufgefordert, das gleiche zu tun. Vor der heutigen Rede Hoares in der Dölkerbunds- versammlung wird erwartet, daß sie versöhnlich im Ton, aber sehr entschlossen im Inhalt sein werde. Wahrscheinlich werde auch Laval das Wort ergreifen. In der Londoner Presse wird nicht bezweifelt, daß England und Frankreich grundsätzlich einer Meinung seien.
Mehrere Blätter melden, daß eine Reihe von Staaten, wie Norwegen, Schweden, Dänemark und Holland erklärt hätten, sie würden aus dem Völkerbund austreten, wenn die Großmächte zeigten, daß sie nicht bereit seien, die Völkerbundssatzung zur Anwendung zu bringen. Auch mehrere südamerikanische Staaten hätten eine sehr energische Haltung eingenommen. Paris sieht nur noch wenig Möglichkeiten
Paris, 11. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Genfer Korrespondenten der Pariser Zeitungen berichten voller Pessimismus über die Lage in Genf. „Havas" wirst der italienischen Abordnung vor, es bisher an einem Geiste der Zusammenarbeit habe mangeln lassen. Man frage sich in Kreisen des Fünfer-Ausschusses bereits, ob es überhaupt noch Zweck habe, die Arbeiten fortzusetzen. Man behaupte sogar, daß der englische Vertreter dem Ausschuß vorgeschlagen habe, die Machtlosigkeit f e st z u st e l l e n, in der er sich befinde, um feiner Aufgabe gerecht zu werden. Der französische Außenminister habe jedoch auf die schwerwiegenden Folgen hingewiesen, die ein solcher Entschluß nach sich ziehen würde. Um dem Wunsche Lavals entgegen-
zur Zeit zum guten Ton, Roosevelt zu hassen. „Demagogie" ist noch das milbefte Wort, das man iym an den Kopf wirft. Ein weiterer Fall, der für Deutschland und andere Länder unverständlich ist: es gibt keine Zeitung, die nicht gegen i h n wäre! Roosevelt ist von der ganzen Presse nicht nur verlassen, sondern wird von ihr täglich in der schärfsten Weise angegriffen. Die Einheitsfront geht von den Reaktionären bis zu den Kommunisten. Eine teilweise, aber schlappe und zweideutige Verteidigung geben ihm die Gewerkschaften. Die Hearst-Blätter spritzen täglich Gift gegen ihn. Alle sind sie kapitalistisch und verargen ihm daher seine sozialen Maßnahmen, die anderseits den Gewerkschaften und den Kommunisten nicht weit genug gehen. Seine Steuerreformpläne, sein Vorgehen gegen die Trusts, seine Versuche, die Verwaltung des großen Landes zu zentralisieren, das sind alles „Todsünden" in den Augen der teils reaktionären, teils Provinz- lerisch engstirnigen Zeitungsmänner. Und niemand hat ein gutes Wort für ihn. Man kann jetzt im Gegensatz zu Goethe sagen: „Amerika, du hast es schlechter!".
Unser Bildtelegramm zeigt den jetzt ebenfalls in Genf eingetroffenen englischen Außenminister Sir Samuel Hoare im Gespräch mit dem italienischen Delegierten Baron Aloisi (links) und dem englischen Dölkerbundsminister E d e n (im Hintergrund) im Konferenzsaal des Völkerbundsgebäudes. — (Weltbild-M.)
Freundschaft und der ferneren Beteiligung Englands an der kollektiven S i - cheryeit in Europa zu wählen, wollen die anderen wissen, Sir Samuel Hoare habe sich darauf beschränkt, den italienisch-abessinischen Streitfall als den Prüfstein für den Völkerbund hinzustellen, um durchblicken zu lassen, daß die englische Regierung ihre zukünftige europäische Politik nach dem Ausgang der augenblicklichen Verhandlungen einstellen werde. „Oeuvre" glaubt zu wissen, daß der englische Außenminister sich bereit erklärt habe, im Falle eines günstigen Verlaufes dieser Verhandlungen die enge Zusammenarbeit Englands mit dem Völkerbund und die damit übernommenen Verpflichtungen öffentlich in Genf und vor dem britischen Parlament noch einmal zu bestätigen.
Zwischen der afrikanischen und der europäischen Sicherheit, so schreibt „Jour", mache man in England keinen Unterschied. Laval habe demgegenüber auf die Gefahren hingewiesen, die ein e z u genaue Anwendung der Grundsätze des Völkerbundspaktes in diesem besonderen Falle mit sich brächten. Er habe es auch erreicht, daß sein englischer Kollege den Wortlaut seiner heutigen Rede etwas mildern werde.
WM?


