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Generalappell vonioAllionenSchwarzhemden

scheinlich, daß Laval in geeigneter Form geantwor­tet und die Forderung Englands, Afrika bei der An­wendung der Völkerbundssatzungen den Vorrang zu geben, mit dem Hinweis beantwortet habe: Zu­erst Europa. Dank der unerschütterlichen Hal­tung Mussolinis und seiner Verachtung jeder Diplo­matie werde die Stunde bald schlagen, wo sich die französische Regierung entscheiden müsse.

Kräfte, auf die Italien bei dem kommenden Gene­ralappell zählen kann, auch die Frauen-Or- g a n i s a t i o n e n mit aufgeführt werden, für die die Zahl von über 400 000 angegeben wird.

DieTribuna" schreibt: Die Einberufung aller Kräfte des faschistischen Regiments erfülle eine dop­pelte Aufgabe: Sie gebe der italienischen Nation eine Ordnung, die sie von anderen ungeordneten Staaten unterscheide, und mache aus ihr ein In­strument der Kraft und der wahren internationalen Gerechtigkeit. Während die Dominien des englischenWeltreiches, wie Australien und Kanada, die Zentralmacht in London für unfähig erklärten, während man bereits im Lager der L a - bour r Partei Sühnemaßnahmen ankündige, während sich das Einverständnis zwischen Labour- Partei und französischer Linken mit ihrer Förde­rung des Freimaurertums offen mit dem Kommu­nismus und der Dritten Internationalen verbände, während die Konzessionen des Negus die letzte Ver­worfenheit eines geschäftstüchtigen Schachertums zeigten, während der Völkerbund hinter Kommif- sions- und Sachverständigenprozeduren die eigene Unfähigkeit, große politische Probleme zu verstehen und zu regeln, verberge, tue der faschistische Gene­ralappell kund, daß in Italien eine Einigkeit des Geistes und der Macht bestehe, die sich in Ostafrika erprobe und damit gleichzeitig den erneuernden und bestreitbaren Wert der faschi­stischen Revolution bestätige.

Rom, 10. Sept. (DRV.) Mussolini hat angeorsi- net, daß dieser Tage in ganz Italien sowie in den Kolonien ein Generalappell sämtlicher Gliederungen der Faschi­stischen Partei stattfindet. An dem festgesetzten Tag werden überall die Kirchenglocken oder Sire­nensignale das Zeichen zum Aufmarsch geben. Sämt­liche Parteimitglieder versammeln sich darauf im Schwarzhemd vor dem Gebäude der örtlichen Par­teileitung. Die Miliz tritt in den Kasernen zusam­men. Italiener, die sich ständig oder vorübergehend im Ausland aufhalten, haben die Pflicht, sich beim Parteisekretär telegraphisch zu melden. Die Parteiformationen werden bis Mit­ternacht versammelt bleiben, mit Ausnahme der Jugendorganisation, die um 9 Uhr entlassen wird.

Popolo di Roma" bringt eine Aufftellung wie sich die zehn Millionen, die von dem geplanten Generalappell erfaßt werden sollen, auf die einzel­nen faschistischen Organisationen verteilen. Das größte Kontingent stellen die vier Millionen dar, die eine vormilitärische Ausbildung ge­nossen haben; ihnen folgen 2 108 000 Mitglieder der Arbeit so rganisation und 1851 777 eingeschriebene Mitglieder der f a s ch i st i s ch e n Partei, 657 000 Jungfaschisten, 66 000 fa­schistische Universitätsjugend; 230 000 sind in den faschistischen Verbänden öffentlicher Angestellten zusammengefaßt. Zahlreiche Ein­zelorganisationen gliedern die übrigen ein. Interes­sant ist ferner daß in dieser Aufftellung über die

französisch-englische Fühlungnahme in Genf.

Hat Gir Samuel Hoare von Laval eine klare Entscheidung Frankreichs gefordert?

Echo de Paris" äußert die Ansicht, daß der eng- lische Außenminister die Einstellung Englands sehr deutlich dargelegt und den französischen Minister­präsidenten aufgefordert habe, sich nach der einen oder anderen Seite hin zu entschei­den. Die Versicherungen, die man französischerseits in allgemeinen Phrasen über die Treue zum Dölkerbundspakt abgäbe, genügten Eng­land heute nicht mehr. Es sei aber wahr-

Die Arbeit des Ziinfer-Ausschuffes auf dem toten Punkt

Oie kleineren Mächte fordern strikte Durchsetzung der Äölkerbundssatzunq-'n.

zukommen, habe sich der Ausschuß auf Don­nerstag vertagt. Die Aussichten seien jedoch wenig ermutigend, und man müsse sich fragen, ob der Völkerbund schließlich nicht doch den Mißerfolg der Versöhnungsbestrebungen feststellen müsse.

Madariaga, so schreibtEcho de Paris", habe durchblicken lassen, daß die Anwesenheit eines eng­lischen Mitgliedes in diesem Ausschuß die italienische Abordnung nur noch unnachgiebiger mache. Laval werde noch vor Donnerstag Baron Aloisi einen letzten Vorschlag zur fried­lichen Beilegung unterbreiten, der hinsichtlich der militärischen Besetzung Abessiniens Zugeständnisse enthalte.Oeuvre" fügt aber gleichzeitig hinzu, daß sich der französische Ministerpräsident selbst keine großen Hoffnungen mache. Man müsse fest- stellen, daß die Lage langsam aber sicher zur Er­öffnung des bewaffneten Konfliktes a b g l e i t e, und zu einem ernsten Widerstand des Völkerbundes gegen eine solche Verletzung der Sat­zungen führt. Aloisi habe dem Vorsitzenden des Fünfer-Ausschusses klipp und klar erklärt, daß der Duce ohne eine vollständige militä­rische Besetzung Abessiniens keine Lösung der Angelegenheit sehe.

Durch die Hintertür.

Litwinow nachträglich zur Teilnahme amBölkerburrdsPräsidium eingeladen.

G e n f, 10. Sept. (DNB.) Das P r ä s i d i u m der Dölkerbundsoersammlung beschloß, den Vertreter der Sowjetunion nachträglich zur Teilnahme an den Arbeiten des Präsidiums ein- z u l a d e n. Litwinow hatte bei der Wahl der Vize­präsidenten, wie wir schon meldeten, nur 29 Stimmen erhalten, so daß außer den drei europäischen Großmächten noch Belgien und Mexiko, nicht aber die Sowjetunion in das Prä­sidium gewählt wurden. Hierüber war bei der russi­schen Abordnung eine sehr starke Verstimmung entstanden, die sich in einer Beschwerde beim Präsi­denten der Versammlung äußerte. Benesch hat nun das Präsidium davon zu überzeugen verstanden, daß es angebracht sei, eine Großmacht wie Sowjetruh- land zur Beteiligung aufzufordern. Der den Völker­bund beherrschende demokratische Grundsatz der freien und geheimen Wahl für die beschließenden Organe ist somit aus Gründen der politischen Zweckmäßig­keit, die allerdings in diesem Falle dem tschechoslo­wakischen Außenminister besonders nahelag, durch- b r o ch e n worden.

P a r t e i, die im Bürgerkrieg 1861 gegen den Nor­den und Westen focht, weil diese, die Republi­kaner, die Sklaverei abschaffen und eine straffe Nationalregierung einführen wollten. Sie unterlagen, und Lincoln schaffte die Sklaverei ab, erlitt dafür allerdings den Märtyrer-Tod.

Die Sklaverei der Neger wurde formell abge- schafst und die Gleichberechtigung der Schwarzen 1 mit den Weißen feierlich in der Verfassungver- 1 ankert". Tatsächlich ist lediglich die Leib- ! e i g e n s ch a f t abgeschafft worden; Neger gelten I in Amerika auch heute noch als durchaus minder- ' wertige Raffe, mit der man keinen gesellschaftlichen Verkehr pflegt. Außerdem sind sie in ihrem Wahl­recht, dem wichtigsten Vorrecht eines amerikanischen Bürgers in vielen Staaten stark beschränkt. Die Bundesverfassung hat es den Einzel st aaten überlassen, festzusetzen, in welcher Weise und unter welchen Bedingungen das Wahlrecht ausgeübt wer­den kann. Und die Südstaaten, unverändert in ihrer Abneigung gegen Lincolns Gleichmacherei, haben raffinierte Wahloorfchriften ausgearbeitet, die vom Wähler teils eine Steuer, teils eine Bildungs-Prü­fung verlangen; und in beiden Fällen scheiden, wie erwartet, dadurch die meisten Neger aus.

Weiter im Norden, der republikanisch ist, hat man sich zu so krasser Verletzung des Geistes der Verfassung nicht entschließen können. Beispielsweise im Staate Pennsylvania, der wie die meisten Nord­staaten das Neger-Problem erst kennenlernte, als die Wahlvorschriften längst in Kraft getreten waren; hier wie in den übrigen Industriestaaten des Nord­ostens sind die Neger erst in größeren Scharen auf­getaucht, als Amerika sich am Kriege der Alliierten gegen uns bereichern wollte und Munitionsfabriken wie Pilze aus dem Boden schossen, wobei die Nach­frage nach Arbeitern ungeheuer war. Die Neger dort wählen natürlich republikanisch, da sie in den Demokraten die Schicht der Unterdrücker der schwarzen Rasse sehen. Da kamen nun die Depression und das FiaskoHoover", die Zeit der republika­nischen gefüllten Kochtöpfe war vorbei. Da sagten sich im Jahre 1932, als die Wahlschlacht Hoover- Roosevelt begann, einige kluge demokratische Poli­tiker, daß man vielleicht mit Hilfe der Neger die Hochburg der Republikaner, den Staat Pennsylvania, erobern könnte. Gesagt, getan. Man fragte die Neger, was sie denn je für Vorteile von den Republikanern erhalten hatten. Die Antwort war: Keine. Und so wurden diese Neger für die Demokratische Partei, in ihrer neuen^ Gestalt als Engel desvergessenen kleinen Mannes", geworben; mit Erfolg, denn 1934 fiel der Staat den Demo­kraten in die Hände, ein Ereignis, das selbst die ältesten Republikaner nie für möglich gehalten hätten.

Aber natürlich werden in Amerika Stimmen nickt umsonst abgegeben! Man erwartet und verlangt Belohnung für die WahMfe 170000 Neger in Pennsylvania hatten es durchgesetzt, daß der demokratische frühere Gesandte in Wien, Carle, Gouverneur des Staates wurde. Und nun beantrag­ten die Neger ein Gesetz, das ihnen Gleichberechti­gung in Geschäften, Restaurants, Hotels verbürgen sollte. Bislang durften sie diese Stätten der Weißen nicht betreten. Carle zeichnete das Gesetz, unter dem Druck seiner schwarzen Nothelfer. Und nun begann am 1. September der Kummer. Negerfrauen gehen in Verschönerungssalons, und die weißen Frauen fliehen voller Empörung. Man versucht sie fernzu­halten, man erklärt, alle verfügbaren Behandlungs­zeiten seien besetzt; aber auf die Dauer kann man das natürlich nicht durchführen. In Tanzdielen ver­lassen die weißen Paare das Lokal, sobald Schwarze hereinkommen. Und so befindet sich der Staat Pennsylvania in einem tragikomischen Kampf, der gerechten Strafe für Verwischung der Grenzen zwi­schen Weiß und Schwarz.

Das interessanteste Erlebnis aber ereignete sich am 10. August 1935 (siehe Philadelphia Jngutrer vom 11. August): In einem eleganten Schwimm­bassin bei Philadelphia wurde ein Wettbewerb ab- Sehalten. Veranstalterin war die Amateur Athletic nion, die Organisation, die die Olympia-Kämpfer stellt. Es sollte getaucht und gesprungen werden. Da erschienen zwei Neger, die sich ordnungsgemäß angemeldet hatten. Sie hatten in anderen Städten an Ausscheidungskämpfen teilgenommen. Große Entrüstung unter den Weißen; man forderte die Neger auf, sich zu entfernen. Die lehnten das ab. Daraufhin wurde der ganze Wettbewerb auf un­bestimmte Zeit vertagt! Ein Beffpiel, wie der Olympia-Geist" in dem selbstgerechten Amerika herrscht. *

Ein Deutscher hat einmal gesagt, man müsse die Tugend der Amerikaner mehr fürchten als ihre Laster Nun gibt es sehr viel Laster in den Ver­einigten Staaten; man könnte ein Buch mit nega- tiven Schilderungen füllen, aber es ist durchaus richtig, daß die Selbstgefälligkeit der Amerikaner oft viel abstoßender ist als die Summe ihrer schwachen Seiten. Besonders im Nordosten, in Neu-England, hat sich die frömmelnde, intransigente Art der P u - xitaner erhalten. Diese Puritaner sind wegen

Probleme in LtGA.

Von unserem K.G.S.-Äerichterstaiter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Washington, September 1935.

Die ursprüngliche amerikanische Einwanderung besteht aus zwei ganz getrennten Klassen. Die einen waren diePioniere", die teils aus Mangel an Erwerbsmöglichkeiten in der Heimat, teils wegen religiöser Verfolgungen nach Amerika auswander­ten und sich an der Nordostküste, Neu-England ge­nannt, ansiedelten. Von diesen Kolonien (Massachu­setts, Connecticut usw.) breiteten sie sich allmählich nach Westen aus: Pennsylvania, Neuyork usw. waren die Haupfftaaten der Kolonisierung, die immer weiter nach Westen drang, bis sie um die Mitte des 19. Jahrhunderts den Stillen Ozean erreichten. Kalifornien z. B. wurde erst 1850 als Staat in die Union ausgenommen, der Mormonenstaat Utah erst 1896, und zuletzt, im Jahre 1910: Neu-Mexiko und Arizona.

Hiervon völlig getrennt war die Besiedlung der Süd st aaten: Maryland, Virginia, Karo­lina usw., wo sich die Söhne reicher englischer Eltern ansässig machten, große Plantagen (meistens Baumwolle, Mais, Tabak) errichteten und die Schicht derSouthern Gentlemen" bildeten. Sie waren weder Pioniere, noch hielten sie es für standesgemäß zu arbeiten; sie importierten Sklaven aus Afrika über Westindien und regier­ten als große Herren. Sie waren natürlich für weitgehende Selbständigkeit, gegen Zentralisierung, gegen soziale Maßnahmen. Sie lehnten auch die Schutzzölle ab, weil sie die benötigten Industrie- Produkte möglichst billig kaufen wollten und weil sie, auf Ausfuhr ihrer Agrarprodukte angewiesen, in anderen Ländern keine Repressalien gegen ame­rikanische Schutzzölle ergriffen sehen mochten. Aus dieser Schicht entstand die Demokratische

Huey Long f.

Der Diktator von Louisiana seinen Verletzungen erlegen.

Neuyork, 10. Sept. (DNB.) Senator Long ist Dienstag früh um 6.10 Uhr im Krankenhaus in Baton Rouge g e st o r b e n. Der schwerverwundete Senator hatte in den Morgenstunden noch eine vierte Bluttransfusion erhalten. Die in Aussicht genommene fünfte Transfusion wurde nicht mehr durchgeführt, da der Senator bereits im Sterben lag.

Der Tod des Senators Huey Long in Baton Rouge wird von der gesamten Presse der Vereinig­ten Staaten in sensationeller Aufmachung gemeldet. Nach den letzten Mitteilungen verschied Long in einem Sauerstoffzelt nach vergeblichen Bluttrans­fusionen und Adrenalineinspritzungen. Am Sterbe­lager weilten außer Aerzten, Krankenschwestern und einem Geistlichen auch seine Frau, drei erwachsene Kinder und seine ihm seit Jahren entfremdeten Brüder, sowie Staatsgouverneur Allen und mehrere Lokalvolitiker. Longs letzte Worts galten den ihm besonoers nahestehenden Studenten der Uni«

religiöser Verfolgungen aus England im 17. Jahr-1 hundert ausgewandert, sie bilden sich ein, daß alle Ausländer Schurken sind, besonders aber diejenigen, die der Kirche Vorschriften machen. Hier hat stets die Trennung zwischen Kirche und Staat bestanden, und man will es daher nicht fassen, daß in Deutsch­land gegen Auswüchse in den Kirchen eingeschritten wird. Daß es sich lediglich um Beseitigung politischer Umtriebe handelt, will man nicht verstehen. Und des­wegen erlaubte sich das Abgeordnetenhaus in Massa­chusetts, der Hochburg des amerikanischen Katholizis­mus, die Dreistigkeit, eine Entschließung gegen die Reichsregierung anzunehmen.

Die Bundesregierung rauft sich die weni­gen verbliebenen Haare und ist entsetzt über die Ein­mischung in außenpolitische Angelegenheiten. Aber sie ist machtlos. Wir haben das im Fall der NRA.-Entscheidung des Obersten Gerichtshofes aus­führlich dargelegt. Damals handelte es sich darum, daß Roosevelt sich weder um soziale Wohlfahrt, noch um die Landwirtschaft in den Einzelstaaten kümmern darf, wenn auch dadurch für bas ganze Land schad­hafte Streiks entstehen oder Ueberproduktion der Bauern das ganze Wirtschafts-System zum Wanken bringt. Hier, in den Fällen Laguardia (Bremen"- Flaggenfall), Entschließung der unteren Kammer im Staat Massachusetts, Verunglimpfung des japa­nischen Kaisers in Zeitungen, Beschimpfung des Führers durch den Juden Dickstein im Abgeordneten­haus des Bundeskongresses, geigte es sich wieder ein­mal klar, daß der Präsident der Vereinigten Staaten das Land nicht regiert, sondern nur ein Der- waltungsbeamter mit geringen, genau um­grenzten Funktionen ist. Ja, daß er nicht einmal die Beziehungen zum Ausland ungestört durch Anwürfe seiner Mitbürger in normalen Bahnen halten kann. Das alles erscheint im neuen Deutschland unver­ständlich ; aber man muß sich diese Sachlage klar­machen, um zu begreifen, daß die Bundesregierung wirklich nichts zu lachen hat, und daß sie Protesten gegenüber stets verlegen oder irritiert ist, weil sie ja tatsächlich keine Autorität im eigenen Lande hat.

Diskutiert man diesen grotesken Zustand mit Amerikanern, so wird einem stets entgegnet: erstens sind wir ein Volk, das aus Flüchtlingen vor Reli- aionsknebelung und Diktatur entstanden ist; zweitens nehmen wir manche Nachteile, wie schlappe Regie­rung und Verschwendung von öffentlichen Geldern usw gern in Kauf, wenn wir dafür unsere Mei- nungs-, Religions- und Pressefreiheit behalten; brü­tens tun wir, was wir gegen Neger und Juden unternehmen, rein privat, während Ihr offiziell gegen andere Rassen vorgeht. Daß inzwischen Ame­rika immer mehr in ganz ungesunde Zustande gerät, will man nicht sehen. Solange man kritisieren kann, sei es bas Weiße Haus, sei es das Ausland, solange ist man glücklich und stolz auf sein Bürgertum. Argu­mentieren läßt sich bei dieser Einstellung nicht viel.

Paris, 11. Sept. (DNB. Funkspr.) Der fran­zösische Ministerpräsident Laval und der britische Außenminister Sir Samuel Hoare hatten am Dienstag in Genf zwei sehr ausgedehnte Unterre­dungen über den Abessinienkonflikt. Die Fühlung­nahme wird von der Pariser Presse mit Genug­tuung begrüßt. Ueber den Verlauf dieser Unter­redungen gehen die Ansichten zwar etwas ausein­ander. Während die einen behaupten, der eng­lische Außenminister habe Laval vor die Alter­native gestellt, zwischen der römischen

Amerika wählt mit wilder Begeisterung einen Präsidenten, und zwei Monate später fällt man über ihn her und läßt kein gutes Haar an ihm. Es gehört >

London, 11. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Nachrichten der Morgenpresse aus Genf lauten sehr pessimistisch. Die Blätter glauben, daß die Arbeit des Fünfer-Ausschusses infolge der Haltung Italiens auf dem toten Punkt angelangt fei. Angeb­lich wünsche die französische Regierung, daß der Fünfer-Ausschuß die Abfassung seines Berichtes a u f f ch i e b e, um noch eine letzte Bemü­hung um eine friedliche Lösung zu ermöglichen. Anscheinend wolle Laval die Pariser Vorschläge an Italien noch etwas erweitern.

Ferner berichten die Blätter, daß der gestrige Meinungsaustausch zwischen Sir Samuel Hoare und Laval sich auf die Frage etwaiger S ü h n e m a ß- n ah men bezogen habe. Hoare habe eine sehr entschlossene Haltung eingenommen und Laval dringend aufgefordert, das gleiche zu tun. Vor der heutigen Rede Hoares in der Dölkerbunds- versammlung wird erwartet, daß sie versöhn­lich im Ton, aber sehr entschlossen im Inhalt sein werde. Wahrscheinlich werde auch Laval das Wort ergreifen. In der Londoner Presse wird nicht bezweifelt, daß England und Frankreich grundsätzlich einer Meinung seien.

Mehrere Blätter melden, daß eine Reihe von Staaten, wie Norwegen, Schweden, Däne­mark und Holland erklärt hätten, sie würden aus dem Völkerbund austreten, wenn die Großmächte zeigten, daß sie nicht bereit seien, die Völkerbundssatzung zur Anwendung zu bringen. Auch mehrere südamerikanische Staaten hätten eine sehr energische Haltung eingenommen. Paris sieht nur noch wenig Mög­lichkeiten

Paris, 11. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Genfer Korrespondenten der Pariser Zeitungen be­richten voller Pessimismus über die Lage in Genf. Havas" wirst der italienischen Abordnung vor, es bisher an einem Geiste der Zusammenarbeit habe mangeln lassen. Man frage sich in Kreisen des Fünfer-Ausschusses bereits, ob es überhaupt noch Zweck habe, die Arbeiten fortzusetzen. Man be­haupte sogar, daß der englische Vertreter dem Aus­schuß vorgeschlagen habe, die Machtlosigkeit f e st z u st e l l e n, in der er sich befinde, um feiner Aufgabe gerecht zu werden. Der französische Außen­minister habe jedoch auf die schwerwiegenden Fol­gen hingewiesen, die ein solcher Entschluß nach sich ziehen würde. Um dem Wunsche Lavals entgegen-

zur Zeit zum guten Ton, Roosevelt zu hassen. Demagogie" ist noch das milbefte Wort, das man iym an den Kopf wirft. Ein weiterer Fall, der für Deutschland und andere Länder unverständlich ist: es gibt keine Zeitung, die nicht gegen i h n wäre! Roosevelt ist von der ganzen Presse nicht nur ver­lassen, sondern wird von ihr täglich in der schärfsten Weise angegriffen. Die Einheitsfront geht von den Reaktionären bis zu den Kommunisten. Eine teil­weise, aber schlappe und zweideutige Verteidigung geben ihm die Gewerkschaften. Die Hearst-Blätter spritzen täglich Gift gegen ihn. Alle sind sie kapi­talistisch und verargen ihm daher seine sozialen Maßnahmen, die anderseits den Gewerkschaften und den Kommunisten nicht weit genug gehen. Seine Steuerreformpläne, sein Vorgehen gegen die Trusts, seine Versuche, die Verwaltung des großen Landes zu zentralisieren, das sind allesTodsünden" in den Augen der teils reaktionären, teils Provinz- lerisch engstirnigen Zeitungsmänner. Und niemand hat ein gutes Wort für ihn. Man kann jetzt im Gegensatz zu Goethe sagen:Amerika, du hast es schlechter!".

Unser Bildtelegramm zeigt den jetzt ebenfalls in Genf eingetroffenen englischen Außenminister Sir Samuel Hoare im Gespräch mit dem italienischen Delegierten Baron Aloisi (links) und dem eng­lischen Dölkerbundsminister E d e n (im Hintergrund) im Konferenzsaal des Völkerbundsgebäudes. (Weltbild-M.)

Freundschaft und der ferneren Beteili­gung Englands an der kollektiven S i - cheryeit in Europa zu wählen, wollen die anderen wissen, Sir Samuel Hoare habe sich darauf beschränkt, den italienisch-abessinischen Streitfall als den Prüfstein für den Völkerbund hin­zustellen, um durchblicken zu lassen, daß die eng­lische Regierung ihre zukünftige europäische Politik nach dem Ausgang der augenblicklichen Verhand­lungen einstellen werde.Oeuvre" glaubt zu wissen, daß der englische Außenminister sich bereit erklärt habe, im Falle eines günstigen Verlaufes dieser Verhandlungen die enge Zusammenarbeit Englands mit dem Völkerbund und die damit über­nommenen Verpflichtungen öffentlich in Genf und vor dem britischen Parlament noch einmal zu be­stätigen.

Zwischen der afrikanischen und der europäischen Sicherheit, so schreibtJour", mache man in Eng­land keinen Unterschied. Laval habe demgegenüber auf die Gefahren hingewiesen, die ein e z u genaue Anwendung der Grundsätze des Völkerbundspaktes in diesem beson­deren Falle mit sich brächten. Er habe es auch er­reicht, daß sein englischer Kollege den Wortlaut sei­ner heutigen Rede etwas mildern werde.

WM?