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Nr. 133 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Dienstag, N.Zuni 1935

Ein deutsches Delphi.

Ein Bericht aus dem Trierer Tempelbezirk.

Von Dr. MI Göbbel.

von Merkur (Wotan), Mars (Ziu) und Herkules (Donar), die im Tempelbezirk bei Trier gefunden wurden, deuten die Versinnbildlichung an, die man den nordischen Gottheiten unter An­lehnung an die römischen Vorstellungen zuteil wer­den ließ. Daneben tauchen germanisch-keltische Muttergottheiten, Wald- und Pferdegöttinnen auf, die hier ebenso Verehrung genossen wie die von

Die älteste Stadt auf deutschem Boden, Trier an der Mosel, bietet unter ihren oielzähligen Bau­denkmälern und Ruinen aus der Zeit der Römer­herrschaft im Rheinland eine Besonderheit, die das stärkste Interesse erheischt, den Tempelbezirk der Treuerer im Altbachtal, der vor nunmehr zehn Jahren entdeckt und seither zu einem großen Teil ausgegraben wurde. Im Jahre 1924 kam Professor Dr. Siegfried L o e s ch k e, Abteilungsdirektor am Landesmuseum zu Trier, bei der Bearbeitung von Fundstücken aus der Stadt Trier, die vor Jahrzehn­ten ausgegraben worden waren, auf den Gedanken, daß in der Nähe des Fundortes dieser Statuenreste usw. einheiliger Bezirk" vermutet werden müsse, von dem man eine Ecke beim Bahnbau TrierSaarbrücken am Ende des vergangenen Jahrhunderts angeschnitten hatte. Kaum hatte der Forscher den Spaten angesetzt, da bot sich ihm eine derartige Fülle von Mauerresten, Fund- stücken, Münzen und Keramik, daß man sich entschloß, das Grabungsfeld zu einem weiten Bereich archäologischer Forschung auszudehnen.

Die Trier-Kommission.

DerKommission zur Erforschung der spätrömi­schen Kaiserresidenz und frühchristlichen Bischofs­stadt Trier", kurz Trier-Kommission genannt, wurde die Erforschung der großräumigen Kultstätte als eine solche erroies sie sich bei den ersten Gra­bungen bereits übertragen. In den Jahren 1924 bis 1930 wurde der Tempelbezirk im Alt­bachtal bei Trier teilweise freigelegt. Der gewal­tige Kostenaufwand wurde durch die Ergebnisse der Spatenforschung reich belohnt. Ein weiter Bereich archäologischer Schau in die vorgeschichtliche, römi­sche und frübdeutsche Zeit des Landes im rheinischen Westen tat sich auf. Aus dem Boden der ältesten Stadt Deutschlands erstanden im Altbach-Tempel­bezirk die Formen der Götterverehrung des Volkes, auf das die Römer bei ihrem Eindringen in das linksrheinische Germanien stießen. Sie besetzten die­ses Gebiet militärisch und dehnten ihre Verwal­tungsmacht bis über die Rheingrenze aus, machten sich die Kräfte des einheimischen, bodenständigen Volkes dienstbar und herrschten ein halbes Jahr­tausend in den Landen des von unseren germani­schen Vorfahren besiedelten Westens. Nicht aber ge­lang es den machthungrigen Eroberern aus dem Süden, die Grundlagen des völkischen Seins dieser eingesessenen Bevölkerung, die sich als Treverer rühmten, germanischer Abstammung zu sein, völlig zu vernichten oder gänzlich anzugleichen. Der rö­mische Firnis überdeckte manche volkliche Eigenart; immer wieder aber drang das Bodenständige, das aus dem blutsmäßigen Erbe Gewachsene durch. Den Beweis für diese Selbstbehauptung, vor allem in kultischen Dingen, geben die Ergebnisse der Aus­grabungen im Tempelbezirk der Treverer.

Fünfzehn Fundschichien übereinander

Als unwiderlegbare Tatsache ergibt sich aus der wissenschaftlichen Wertung des Grabungsbefunds, daß das Altbachtal bei feinem Auftritt ins Moleltal bei Trier uralter Siedlungsboden ist und von der Vorzeit bis ins frühe Mittelalter im­mer besiedelt war. FünszehnFundschichten übereinander wurden an einzelnen Stellen durchforscht. Es fanden sich, übereinander und ne­beneinander gelagert, Reste von Bauten religiöser Art, Tempel, Kapellen, Priesterwohnungen, Tem­peltheater für kultische Weihespiele, Siedlungsbau­ten aus vorrömischer, Wohnhäuser aus spätrömi­scher' und fränkischer Zeit. Tempelaltäre, Götter­bilder und Weihegaben, Münzen und Keramikreste in fast unübersehbarer Menge. Der Treverer Tem­pelbezirk bei Trier wurde im Verlauf der Ausgra­bungen zu einer Fundstätte wie etwa Delphi im alten Griechenland, nur mit dem Unterschied daß

dieser Tempelplatz auf deutschem Boden mit seiner bisher bekannten Fläche zwei- bis dreimal so groß war wie der weltberühmte Delphi-Bezirk und etwa doppelt so groß wie das Kultplateau der Akropolis. Bis zu Anfang des vierten Jahrhun­derts, ehe K o n ft a n t i n der Gro ße im Jahre 337 n. Ehr. die christliche Religion im Römerreich zur Staatsreligion machte, verehrte man im Alt­bachbezirk heimische, teilweise dem nordisch-ger­manischen Kultkreis angehörende Gottheiten, denen man nach römischer Sitte Steinbilder setzte, deren Tempel aus Stein aber auf bodenständige Formen ganz unmittelbar zurückgehen und, wie L o e s ch k e jagt, nur eine Versteinerung alteinheimischer, in Holz errichteter Kultbauten darstellen. Unter den Mauerresten der Tempel aus der Zeit der Römer­herrschaft finden sich latenezeitliche Pfostenlöcher, und diejer oder jene Tempel zeigt deutlich dieselbe Form, wie sie im Grundriß der früheren Holz­bauten gegeben war.

Nie heidnische Tempe stadt.

So erstand auf den Spuren vorgeschichtlicher Vergangenheit, die sich zurückverfolgen läßt bis in die jüngere Steinzeit (etwa 2500 Jahre v. Ehr.), in der Römerzeit jene bedeutende Tempelstadt bei Trier. Nicht allein uralter Siedlungsboden lud hier ein, sondern heiliger Boden barg an dieser Stelle schon Kultstätten, ehe die Römer ins Land einfielen und die Augusta Treverorum, das heutige Trier gründeten. Damit ift auch die Auf­fassung von der augusteischen Gründung Triers auf jungfräulichem Boden widerlegt. Im Moseltal bei Trier saßen die Treverer, jenes Reitervolk, das die Römer zum Hilfstruppendienst zwangen. Ihren heiligen Bezirk" am Altbach, wo vorher vielleicht die hohen Bäume eines Hains über hölzernen Götterhäusern rauschten, behielten sie bei und hier verehrten sie ihre Gottheiten. Bärtige Statuetten

den Römern und Treverern aufgezwungenen ca- pitolinischen Gottheiten. Die große Ausdehnung desheiligen Bezirks", die Vielfalt der Götter und die Vielzahl der Tempel, auch in einer Zeitepoche, lassen der Vermutung nachgehen, daß an dieser Stelle im Moseltal ein Wallfahrtsbezirk der Tre­verer lag, die sich durch keine Zerstörung von diesem Götterbezirk abdrängen ließen.

Wissenschaft und Altertum.

Dieses kulturhistorisch für die ganze deutsche West­markt bedeutungsvolle Grabungsfeld soll nunmehr als eine Sehenswürdigkeit er ft en Ran­ges für Trier in dievia archaeologica treviren- sis", den Schauzug der geschichtlichen Baudenk­mäler dieser alten Stadt an der Mosel eingeglie­dert werden. Geplant ist die r e st l o s e Frei­legung und spätere gartenbauliche A u s- g e st a l t u n g des großen Ausgrabungsgeländes. Die sofortige Inangriffnahme dieses Planes ver­bietet sich, weil der Tempelbezirk zu Nachgrabun­gen für die im Gang befindliche wissenschaftliche Publikation der bisherigen archäologischen Ergeb­nisse noch etwa vier Jahre unberührt liegenblei­ben muß. Nach Abschluß der Publikation im Jahre 1938 soll der Tempelbezirk restlos freigelegt und nach der wissenschaftlichen Ausbeute der neuerlichen Grabungen für Besichtigungszwecke freigegeben werden. Um den Besuchern dieses deutschen Delphi" dann einen möglichst imposanten Eindruck zu vermitteln, werden die Grundrisse der wichtigsten Kultbauten in Grünflächen feftge- halten unb" eine Reihe der für die einheimisch- bodenständige Bauweise typischen Tempel wird in natürlicher Größe rekonstruiert werden. Auf diese Weise wird von dem Beschauer, der dievia archaeologica trevirensis" durchwandert hat und nun vor dem Treverer-Tempelbezirk steht, ein Vergleich der einheimischen Bauweise mit den Staatsbanken der Römerzeit gefordert.

Mttelrbein - Nordhessen 2:2 (1:0).

Nur 3000 Zuschauer waren bei drückender Son­nenhitze am Pfingstsonntag ins Kölner Stadion gekommen, die ein richtigesSommerspiel" erlebten. Das Treffen endete 2:2 (1:0), doch hätten die Mit- telrheiner einen knappen Sieg verdient gehabt. Aber ihr schwacher Tormann Bertram ließ zwei an sich haltbare Treffer durch. Ihre tech­nische Ueberlegenheit konnten die Einheimischen nicht auswerten, zumal noch ihr ohne Euler spielender Jnnensturm alle noch so guten Tor­chancen vergab. Die besten Leute bei den Gästen waren Tormann S o n n r e i n und der Gießener Verteidiger Lippert.

In der 20/ Minute erzielte der Mittelrhein-Halb­linke Schlawitzki den ersten Treffer für feine Elf, der auch bis zum Seitenwechsel der einzige blieb. Gute Chancen wurden von beiden Mann­schaften kläglich ausgelassen. Nach der Pause schoß K l e i m für die Nordhessen den Ausgleich, aber schon 10 Minuten später konnte Franz Elb er n die 2-1-Führung für Mittelrhein erreichen. Der Trierer Verteidiger Pütz wurde bei einem Zusam­menprall mit dem Gegner verletzt; für ihn trat Nebinger ein. Der Ausgleich für Nordhessen fiel kurz vor Schluß durch Kammer!, der einen unhaltbaren Schuß von 20 Meter anbringen konnte.

Nordhessen in Kreuznach besiegt.

Mttelrhein siegt 2:1 (2:0).

Nach dem unentschiedenen Spiel in Köln standen sich die Mannschaften der Fußballgaue Mittelrhein und Nordhessen am Pfingstmontag in Bad Kreuz­nach gegenüber. Der Besuch war mit nur tausend Zuschauern recht schwach ausgefallen. Die Leistun­gen waren recht gut auf beiden Seiten. In der ersten Halbzeit waren die Nordhessen überlegen, zu­mal Mittelrhein mit nur drei Stürmern spielte und zwei Mann in die Deckung zurückzog. Auf diese Weise kamen aber auch die Mittelrheiner selbst ge­gen die starke Abwehr des Gegners zu keinem Er­folg. In der zweiten Halbzeit ging Mittelrhein zum Angriff über. Die Nordhessen wurden überrumpelt und in der 6. und 11. Minute sielen zwei Treffer der Gastgeber. Bühner (Eintracht, Kreuznach) schoß in der 6. Minute den ersten Treffer. Er um- jpielte geschickt den nordhessischen Verteidiger Lip­pert und schoß aus 30 Meter für Weyandt (Kassel) unhaltbar ein. In der 11. Minute lenkte Schlawitzki (Kölner CfR.) auf Zuspiel des Rechtsaußen E l b e r n den Ball aus 16 Meter Entfernung zum zweiten Male ins Netz. Das Spiel wurde dann wieder ausgeglichen, und eine Viertel­stunde vor Schluß kamen die Nordhessen durch den Halblinken Meise! (Fulda), der bei einem Eckball einen Kopfstoß anbrachte, zum Ehrentreffer. Schiedsrichter Bremser (Wiesbaden) leitete den Kampf einwandfrei.

Aufstiegspiele im Gau Südwest.

FV. Saarbrücken wieder an der Spitze.

Im Gau Südwest kamen an den Pfingsttagen zwei Aufstiegspiele zum Austrag. Der F V. Saar­brücken siegte am Sonntag in D a r m st a d t mit 3:1 (0:1) und setzte sich wieder an die Spitze der Ta­belle. Wenn er auch noch nicht endgültig als neuer Gauligist feststeht, so ist doch nicht mehr daran zu zweifeln, daß sich die Conen-Mannschaft in ihren ausstehenden drei Spielen die beiden Punkte sichert, die ihr zum endgültigen Aufstieg noch fehlen. Germania Bieber hat ihre Aussichten wohl verspielt, denn die Germanen wurden am Montag in Ludwigshafen von 04 mit dem glatten Ergebnis von 4:0 (2:0) geschlagen.

Fast 1OOOO Vunkle

Großartige Ergebnisse beim Stuttgarter Klubkampf.

Der Leichtathletik-Klubkampf, den sich die Stutt­garter Kickers, der ASV. Köln und Mün­chen 18 6 0 am Pfingstsamstag und am ersten Feiertag in Stuttgart lieferten, zeitigte ein ebenso Überraschendes, wie erfreuliches Ergebnis. Alle drei Vereine konnten die bisherige diesjährige Best­leistung des Deutschen SC. Berlin von 9546 Punk­ten beträchtlich verbessern. Die Stuttgarter Kickers kamen sogar dicht an die erstrebten 10 000 Punkte heran, erreichten sie doch das fabelhafte Ergebnis von 9899,76 Punkten vor München 1860 mit 9762,13 und ASV. Köln mit 9628,27 Punkten.

Ergebnisse. 200 Meter: 1 Borchmeyer- Stuttgart 21,4 Sek.; 2. Vent-Köln 21,8. 8 0 0 M e - ter: 1. Dessecker-Stuttgart 1:54,8 Min.; 2. Fink- Stuttgart 1:54,9; 3. Paul-Stuttgart 1:55,2; 4. Dil- ger - Köln 1:56,2. Kugel st aßen: 1. Konrad- München 14,17 Meter. Weitsprung: 1. Wein- kötz-Köln 6,98 Meter. Hochsprung: 1. Wein- kötz-Köln 1,95 Meter. 110-Meter-Hürden: 1. Huber-Stuttgart 15 Sek. 1500 Meter: 1. Dompert - Stuttgart 3:57,8 Min.; 2. Dessecker- Stuttgart 3:58,2 Min.; 3. Fink-Stuttgart 3:58,4. 400 Meter: 1. Borchmeyer-Stuttgart 49,1 Sek.

Leichtathletik-Vierkampf in Kassel.

Beim Leichtathletik-Vierkampf in Kassel wurden am Sonntag die ersten Kämpfe abgewickelt. Nach den Wettbewerben des Sonntags führt in dem für die Deutsche Vereinsmeisterschaft zählenden Kampf VfL. Hejsen-Preußen Kassel mit 4614,22 Punkten vor Allianz Berlin, DSC. Düsseldorf und JGSV. Frankfurt. Beachtlich war die 200-m-Zeit des Berliners Hamann (22,1) sowie die 5000 m von Schinge (Kassel) mit 15:49 Minuten, lieber 800 m kam Helmle (Frankfurt) in 1:58,4 Minuten ein.

Deutscher Davis-pokal-Sieg gegen Italien.

Deutschlands Davis-Pokal-Mannschaft hat wäh­rend der Pfingsttage mit 4:1 Punkten über Italien triumphiert und trifft nun in dieser Woche von Frei­tag bis Sonntag wieder auf dem Platze des Rot- Weiß-Klubs in Berlin auf Australien, das in Paris Frankreich besiegte. Die beiden letzten Einzelspiele gegen Italien endeten am Pfingstmontag wie folgt: Henckel Mangold (Italien) 6:1, 6:8, 6:3; von Cramm de Stefani (Italien) 6:3, 6:4, 3:7, 6:1.

Steinkohl, Rüsselsheim, mittelrheinischer Schachmeister.

Infolge der straffen Organisation konnten die Ausscheidungskämpfe des Mittelrheinischen Schach­bundes in Wiesbaden trotz der großen Teilnehmer­zahl bis Montagabend durchgeführt werden. Gro­ßes Interesse sanden die Spiele der Meisterklasse. In der 6. Runde sicherte sich Walter mit einem Sieg über Schilfgen die Spitze gleichzeitig mit Steinkohl, der endlich Dr. Thomas über­winden konnte. L e u b e siegte durch eine kombina­tionsreiche Partie gegen Stein, doch in der 7. Runde brachte Steinkohl seinen Rivalen Walter zur Strecke. Durch einen Sieg Dr. Thomaes über ßeube wurde Steinkohl schon früh als

Wir haben diesen amerikanischen Film der Para­mount vor einiger Zeit bereits in einer Nachtvor­stellung zu sehen Gelegenheit gehabt; mittlerweile ist er in ganz Deutschland und unseres Wissens mit großem Erfolge gelaufen. Das Drehbuch wurde geschrieben nach einem Roman von Francis Deats-Brown; ohne diesen Vermerk im Pro­grammheft könnte man auf den Gedanken kommen, es handele sich um eine Vorlage von Rudyard Kip­ling. Der Film spielt in Indien, und man erlebt Indien hier auf eine ganz andere Art als es ge­legentlich in der Wochenschau oder in einem Kul­turfilm geschieht: es ist hier alles von der englischen Seite aus und mit englischen Augen gesehen, und es ist auch für uns in Deutschland lehrreich, einmal diesen ziemlich unromantischen Blickpunkt einzunehmen, weil es manches erklärt, weil es Verständnis weckt für die Größe des britischen Weltreichs wie für die Gefahren, die ihm aus seinem riesigen Kolonialbesitz erwachsen können, in Indien zumal, an der gefähr­lichen Nordwestecke, wo die englische Herrschaft dauernd gegen die Aufstandsgelüste kriegerischer Bergstämme verteidigt werden muß. Der Krieg, der da an der Grenze geführt wird, ist em typischer Kolonialkrieg sowohl in bezug auf die beiderseitigen Stärkeverhättnisse als auch auf die Taktik und die Methoden des Kampfes. In Deutschland weiß und erfährt man nicht viel davon, nur selten einmal lieft man eine kurze MeldungAus aller Welt , ohne sich eine rechte Vorstellung davon zu machen. Der FilmBengali" führt nun mitten hinein in das brodelnde, gefährliche und geheimnisvolle Land und in das Leben, das etwa die Offiziere eines englischen Reiterregimentes auf diesem vorgeschobe­nen Posten zu fuhren haben. Das geschieht im

flirten, find dennoch immer im Dienst, immer in Alarmbereitschaft; der Gegner ist nicht zu unter­schätzen, er kämpft mit allen Mitteln gegen die weiße Herrschaft, und am Ende ist offener Krieg zwischen beiden Lagern. Ein junger englischer Osfi-

Douglas Dum drille (Mohammed Khan) und, als einzige Frau unter lauter Männern, unter lauter Soldaten, Kathleen Burke, die der ihr zugeteilten

zier wird mit List gefangen genommen, zwei feiner Kameraden, die ihn zu befreien versuchen, geraten selbst in Gefangenschaft, doch gelingt es ihnen zu­letzt, als die Schlacht um einen befestigten Stütz­punkt der Aufständischen und um den Besitz eines riesigen Munitionstransport auf dem Höhe­punkt angelangt ist und für die angreifenden eng­lischen Reiter keineswegs unbedenklich steht, sich zu befreien und den Kampf für die Ihren zu entschei­den. Dies wäre an sich nur eine fesselnde Schilde­rung aus dem englischen Kolonialkrieg; was den Filrn so interessant und sympathisch macht, ist der echte, ganz menschliche Konflikt, der die Handlung bewegt, und das Ethos der Vaterlandsliebe, des unerschütterlichen Pflichtbegriffes und der männ­lichen Kameradschaft, das in dem oft stürmischen Ablauf der Ereignisse immer wieder sehr eindring­lich und überzeugend spürbar wird. Es ist dem amerikanischen Regisseur Henry Hathaway hoch anzurechnen, daß er das klar und so unfentimental, wie es für amerikanische Begriffe nur möglich war, herausgebracht hat. Darüber hinaus bot der Stoff Schwierigkeiten in Fülle vor allem äußerer und technischer Art die mit einer anerkennenswerten Energie und Sicherheit bewältigt worden sind. Prachtvoll sind die Gestalten der drei jungen Offi­ziere herausgearbeitet, die im Mittelpunkt der Hand­lung stehen, und die bei aller individuellen Verschie­denheit etwas von dem Ton und der Haltung an sich haben, die wir vor längerer Zeit in dem eng­lischen KriegsstückDie andere Seite" kennen lernten. Ihre Darsteller heißen Gary Cooper, Franchot Tone, Richard Cromwell; die Namen werden dem deutschen Besucher kaum etwas bedeuten. Uns genügt es, daß hier drei Offiziere gezeigt werden, von denen man sich vorstellen kann, daß sie in Wirk­lichkeit nicht anders aussehen: mit trockenem Humor begabt, zäh, sportlich und im entscheidenden Augen­blick nur von dem einen Gedanken beherrscht: alles

Der $ilmBengali".

Lichtspielhaus

Rolle vollkommen entspricht.

Der Film sollte aud/" bei uns ein aufmerksames Publikum finden. Im Vorprogramm sieht man einen Bildbericht vom Bau der Reichsautobahnen, einen KulturfilmBuenos Aires", die neue Wo­chenschau und einen Vorspann zu dem Lustspiel Frischer Wind aus Kanada".r

nen Posten zu fuhren haben. Das geschieht im (gng[anb! Bon den übrigen: Sir Guy (Stan- Rahmen eines Spielfilmes, und er mußte nicht K . n &Q5a[te Rauhbein", der Fanatiker der fol- in Amerika gedreht fein, wenn nicht in der Tat, wie 2'gn Pflichterfüllung, C. A. S m i t h (Hamilton), es im Untertitel heißt, eineabenteuerliche Ge- - - - ' " ----<S,Lx

schichte" voller Tempo und Spannung daraus ge­worden wäre. Das geht gleich mit einem äußerst realistischen Gefecht in den Bergen los; später er­lebt man ein Fest am Hofe des Emirs von Gopal, und eine fremde Welt wie ausTaufend und einer Nacht" tut sich auf; aber die englischen Offiziere, die da eingeladen sind, Sport treiben, tanzen und

Das Haus in der Sonne.

Don Or. Kranz Mittler.

Die Sonnenseite war schon von jeher der Wunsch vieler, die Wohnung suchten oder die sich ein Haus bauten. Sie ist es vielleicht in noch höhe­rem Maße geworden, seit die neuzeitliche Gesund­heitslehre den Wert der Sonnen st rahlung auf unser Wohlbefinden und auf das Gedeihen der Heranwachsenden Jugend erkannt hat. Von den vier Seiten eines Hauses kann aber immer nur eine senkrecht zur Mittagslinie stehen und damit die längste Besonnungsdauer haben. Auch diese eine Seite aber ist nur dann zum Einfangen der Son­nenstrahlen ausnutzbar, wenn bei geschlossener Bauweise die Straße in ostwestlicher Richtung streicht. Je größer der Winkel wird, in dem die Straßenflucht von der Ostwestrichtung abweicht, desto geringer muß die Zeitdauer werden, während der man sich in der Wohnung des Sonnenscheins erfreuen kann.

Diese Umstände haben schon mehrfach den Ge­danken nach einem Haus auftauchen lassen, das dem Lauf der Sonne folgt, dessen eine Seite also stets voll beschienen ist. Es sind auch schon einige derartige Häuser entstanden, nur ganz wenige. Das eine oder das andere davon wurde auf Ausstel­lungen gezeigt. Bei allen diesen Häusern gibt es nur eine einzige Sonnenseite, ist nur eine Außen­wand von früh bis nacht der Sonne zugekehrt. Die Frage, wie man vier Seiten eines Hauses gleich­zeitig bescheinen lassen kann, erscheint auf den ersten Blick unlösbar. In Italien ist aber tatsächlich ein drehbares Haus gebaut worden, bei dem vier Seiten mit Recht alsSonnenseiten" bezeich­net werden können.

Daß ein vierseitig beschienenes Haus auf den prften Blick für unmöglich gehalten wird, kommt daher, daß bei der Stellung dieser Frage jeder un­willkürlich an ein Gebäude mit rechteckigem Grund­riß denkt, wie er für unsere gewöhnlichen Häuser meist üblich ist. Durch Veränderungen dieses Grund­risses lassen jich aber tatsächlich vier Seiten gegen die Sonne stellen Bei der Anlage des italienischen Sonnenhauses haben die Sternwarten als Vorbild gedient. Bei ihnen dreht sich die auf einen Unter­bau gesetzte Kuppel so, daß sie dem Lauf eines Gestirns folgt, auf das eines der großen Fernrohre gerichtet ist. Das Gestirn bleibt immer, und zwar an der gleichen Stelle im Gesichtsfeld.

Auch bei dem in Frage stehenden Gebäude fin­den wir einen großen Unterbau der sich auf kreisförmiger Grundfläche erhebt. Er

stellt feiner Größe nach schon an und für sich ein Haus dar, das in drei Stockwerken eine ganze Reihe von Räumen enthält. Das Dach dieses großen Rundbaues ist flach und ist als Drehscheibe aus­gebildet. Auf dieser Scheibe erhebt sich dann das zweistöckige Sonnenhaus samt einem Turm. Es ist das ein richtiges großes Haus, allerdings von eigen­artigem Grundriß. Es besteht aus zwei Flügeln, die unter einem rechten Winkel zujammenstoßen. Die Sonne scheint hun in die Deffnung dieses Win­kels hinein. Die Drehscheibe wird mit dem Haus derart gedreht, daß sich die Sonne stets in der Hal­bierungsebene des Winkels befindet. Sie bestrahlt die beiden Schenkel des Winkels, also die beiden Hauswände, durch die er gebildet wird. Ihre Strah­len fallen aber auch noch auf die beiden nach vorn zu stehenden, sich anschließenden Seitenwände, wenn diese auch nicht mehr derart voll getroffen werden wie die beiden im Scheitel zusammenstoßenden Wände. Das Haus hat also sechs Seiten, von denen vier zwar mehr ober minder voll, aber doch stän­dig beschienen werden, während die beiden rückwär­tigen Wände überhaupt nie Sonne bekommen.

Das Haus hat oben noch eine Plattform. Im Scheitelpunkt des Winkels erhebt sich der Turm. Er ist reichlich mit Balkonen und sonstigen Gelegenhei­ten. sich 3U sonnen, ausgestattet. Die Plattform läßt jo sich leicht bewegen, daß zum Drehen des großen und fdimeren Gebäudes ein Elektromotor von nur drei Pferdestärken ausreicht.

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Ein Schachspiel, das fünfIabre dauert.

Aus Amerika kommt die Nachricht, daß eine Schachpartie begonnen hat zwischen dem bekannten amerikanischen Schachspieler Don Fitch in Blue Earth (Minnesota) und dem Prädenten des Johan­nesburger Schachclubs, John Brooks in Johannes­burg (Transvaal). Die Gegner sitzen sich nicht vor einem Schachbrett gegenüber, sondern spielen ihre Partie brieflich. Hat ein Don Fitsch einen Zug getan, so schreibt er ihn seinem Gegner. Und so ein Brief reift 30 Tage bis er in Transvaal anlangt, wo sich dann hinwiederum John Brooks feinen Zug über­legt und ihn durch einen Brief mitteilt. Nun hat man sich darüber den Kopf zerbrochen, wie lange diese merkwürdige Partie dauern würde und bat er­rechnet, daß sie die stattliche Zeit von fünf Jollen in Anspruch nehmen wird. Don Fitsch findet diese Schachpartie furchtbar aufregend, nächtelang sitzt er da und überlegt sich, wie er seinen Gegner, der recht gefährlich ift, reinlegen kann. Don Fitsch ist der festen Hojfnung, daß John Brooks vor 1940 nicht dazu kommen wird, ihn zu einem Schachmatt zu zwingen.