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Dienstag, Juni 1935

185. Jahrgang

Nr. 133 Erstes Blatt

Gietzener Anzeiger

rung i m

England und der Völkerbund.

Baldwin über die Ooppelbesetzung des Auswärtigen Amtes.

Rom, 8. Juni. (DNB.) Bei der Besichtigung der dritten mobilisierten DivisionSabaudia" in C a - g l a r i (Sardinien), die dort zur Ausfahrt bereit liegt, hielt Mussolini folgende Ansprache:

Schwarzhemden! Ihr habt einer stolzen Kund­gebung beigewohnt und gezeigt, daß Ihr stark und diszipliniert' seid, würdig der heroischen und kriege­rischen sardinischen Rasse. Die Truppen vonSa­baudia" tragen in ihrem Namen das beste Losungs­wort. Wir haben alte und neue Fragen zu regeln und werden sie regeln. Möge man jen­seits der Grenzen sagen was man wolle. Nur wir können unsere Richter sein und die

Paris beordert worden sein. Laval werde vor allem zu verhindern suchen, daß die Angelegenheit vor den Völkerbund kommt.Oeuvre" läßt durchblicken, daß Frankreich in Abessinien v o r st e l l i g werde, um es zu einer Uebereinkunft mit Italien zu bewegen, der in gebietsmäßigen und anderen Zugeständnissen an Italien bestehen könnte. Elle scheine umsomehr geboten, als die Hoff­nungen auf eine Entspannung zwischen Italien und den Balkanstaaten sich nicht zu verwirk-

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Gustav Ruhland.

Zum 75. Geburtstag des Vorkämpfers für Bauerntum und Sozialismus.

Von Or. Hermann Reischie, Stabsamtsführer des Reichsnährstandes.

Duce entschlossen sei, militärisch vorzugehen, sei es, um die Sicherheit der Kolonien Erythräa und Somaliland zu gewährleisten, sei es, um seinem Volke die einzige ihm verbleibende koloniale Ent­spannungsmöglichkeit zu verschaffen. Die Front von S t r e s a drohe, so erklärte das Blatt weiter unter Hinweis auf die englisch-italienische Verstim­mung, in die Brüche zu gehen, wenn Eng­land und Frankreich Italien bei seinen abessinischen Plänen keine Genugtuung zu geben versuchten. In Rom glaube man, daß beide Mächte sich zur Re­vision des »Vertrages von 1906 zu Gun st en Italiens bereit finden könnten. Nach dieser Richtung werde Italien zweifellos in den kommenden Monaten diplomatisch vorgehen und gleichzeitig militärische Operationen in die Wege

Paris, 10.Juni (DNB.) Nach Mussolinis An­sprache auf Sardinien ist man in Paris überzeugt, daß Italien seine wiederholten Ankündigungen wahr­machen werde. Man befürchtet vor allem, daß der abessinische Streit, falls der Völkerbund sich semer noch bemächtigen sollte, zum Austritt Ita­liens aus der Genfer Organisation führen konnte. Deshalb wird Laval nach Pfingsten versuchen, einen Ausweg zu finden. Der französische -öot= schaster in Rom soll zur Aussprache mit Laval nach

unterzeichnen, sondern um als Gleichberech­tigte bei der Abfassung einer neuen Charta europäischer Freiheit, Gleichheit und Sicherheit und bei der Schaffung eines Völkerbundes der Gleichheit und des Friedens mitzu­wirken. Der Prüfstein für die Ehrlichkeit und für den guten Willen wird die Entschlossenheit fern, das Regiment des Rechts aufzurichten".

Weiter empfiehlt Lord Davies die Schaffung einer internationalen Streitmacht: Alle Versuche, einen Krieg durch regionale Pakte, Bündnisse oder Entente zu mildern oder zu lokali­sieren, werden scheitern, genau so wie sie 1914 ge­scheitert sind. Nur ein sicher begründetes Regiment des Rechts wird genügen, um die Gefahr eines Krieges aus Europa zu verbannen." Der Verfasser führt die Worte des Führers an, daß nicht der Niedergang des Abendlandes, sondern seine A u f- erstehung in unserer Zeit erfüllt werden muffe und daß Deutschland einen unvergänglichen Bei­trag zu diesem Werk liefern wolle. Lord Davies sagt:

Wenn alle Führer der europäischen Staaten bereit sind, dem Problem i n d i e s e m G e i st e gegenüber zu treten, wenn sie gewillt sind,unvergängliche Beiträge" zu liefern, dann können wir der Zukunft mit Gleichmut und mit der Versicherung entgegen­sehen, daß Europa endlich den Weg der Wieder­erholung, der Sicherheit und des Friedens beschrit­ten hat.

Der Redner des linken Flügels der Partei Zy- romski beantrage, der Parteitag möge eine Zu­sammenarbeit mit den bürgerlichen Parteien ableh­nen und beanstandete, daß die sozialistische Kam­merfraktion die Kredite für die passive Verteidigung bewilligt habe, Leon Blum stellte richtig, daß die sozialistische Fraktion sich der Stimme ent­halten habe. Wenn die Regierung erklärt hatte, daß die Kredite dazu dienen sollen, an die Bevölkerung Gasmasken und Schutzvorrichtungen kostenlos zu verteilen, dann hätte er den Antrag gestellt, tue Fraktion möge für d i es e Kr ed i t e für die pas­sive Verteidigung stimmen. Blum bezog sich aus die Aeußerung Stalins gelegentlich des Mos­kauer Besuches Lavals, wonach Stalin die Landes­verteidigungsmaßnahmen Frankreichs ausdrück­lich anerkenne und billige. Im Falle eines Einfalles Deutschlands in Frankreich mürben- sich alle Proletarier Frankreichs gegen den Feind erheben. Jetzt seien die Kommunisten und die So­zialisten nicht mehr durch die Frage der Landesver­teidigung getrennt. Jetzt liege eine gemeinsame For­mel im Bereich der Möglichkeit.

werden auf der Fortsetzung unserer ^er ucye ve- stehen, den Frieden zu fördern und die Abrüstung herbeizuführen, und ich glaube, daß wir schließlich erfolgreich sein werden. Ich habe beschlossen, Schritte zu tun, die dazu bestimmt sind, uns bei dieser Aus­gabe zu helfen. Kein Ministerium hat heute eine größere Verantwortung als das Foreign Office. Ich habe daher höchst sorgfältig Überlegungen über die Verstärkung der Vertretung des Foreign Office im Kabinett angestellt. Das ist mein Grund, warum wir zwei M i n i st e r im Kabnett haben, die sich beide mit auswärtigen Angelegen­heiten befassen, den Außenminister und einen Minister, dessen besonderes Interesse dem Völkerbund gewidmet sein wird. Ich habe dieses neue Verfahren gewählt, um die Bedeutung zu unterstreichen, die die britische Regierung der Mitgliedschaft Englands in Genf oel- mißt. Unsere Außenpolitik gründet sich auf unsere Mitgliedschaft in Genf, und es ist vorteilhaft, daß diese Tatsache klar hervorgehoben wird. Die Außen­politik ist natürlich unteilbar., und in ihrer Führung muß Einigkeit herrschen. Es gibt mehr als genügend Arbeit für zwei Kabinettsminifter, und ohne dadurch in irgendeiner Weife die notwendige Einheitlichkeit in der Politik zp untergraben wird das Kabinett gewinnen, wenn es einen Minister m seinen Reihen hat, der in möglichst enger FühlungmitdemVolkerbunde steht. Ich glaube, daß das Ergebnis dieses wichtigen neuen Arrangements die Regierung bei der Behandlung internationaler Fragen stärken und dadurch zur Auf­rechterhaltung des Weltfriedens beitragen wird die nach wie vor das wichtigste Bemühen der britischen Außenpolitik ist."

Die marxistische Einheitsfront in Frankreich.

Paraguay meldet Sieg von der Chaco-Front.

B u e n o s A i r e s , 10. Juni. (DNB.) Der para­guayanische General Estigarribia meldet, daß es den Truppen Paraguays gelungen sei, die 6. boli­vianische Division nach elftägiger Schlacht bei Jngavi vernichtend zu schlagen. Der Kommandeur und sein Stab seien gefan­gengenommen worden. Der Sieg gebe Para­guay ein neues Uebergewicht an der Chaco- Front und könne den Verlauf der Vermittlungs­aktion zur Einstellung der Feindseligkeiten beein­flussen. Der Gesandte Paraguays in Buenos Aires erklärte, daß der bisherige Standpunkt seines Lan­des bei den Waffenstillstandsverhandlungen unge­achtet des großen Sieges sich nicht ändern werde. Am Schluß der Verhandlungen der Der- mittlerkonferenz teilte der argentinische Außen­minister Dr. Saavedra Lamas mit, daß die Er­zielung eines Abkommens jetzt Tatsache sei und das Ende des Chaco-Krieges bevorstehe.

Paris, 10.Juni. (DNB.) lieber die Pfingft- feiertage fand in Mühlhausen der 32. Partei­tag der französischen Marxisten statt, der sich mit der Frage befaßte, ob und wie das Zusammengehen mit der Kommuni­stischen Partei enger gestaltet werden könne. Generalsekretär Paul Faure erklärte, wenn sich in Paris wieder etwa Aehnliches ereigne wie am 6 Februar 1934 bei den Straßenunruhen, wenn Generäle ihren Eid auf die Verfassung vergessen und wenn sie für die faschistische Erhebung Partei ergreifen würden, so würden sie damit die fran­zösischen Soldaten von ihrer Diszi- plinverpflichtung entbinden. Dann würden wohl schon die proletarischen Kräfte von Paris und Umgebung genügen, um den faschisti­schen Vorstoß zu brechen. Im Falle der faschistischen Erhebung würden sich alle Elemente, die die Demo­kratie und die Republik retten wollten,^ den sozia­listischen Losungsworten anschließen. Und eines der ersten dieser Losungsworte würde lauten: Die Ver- pslegungszüge nach Paris aufhalten und so die gegnerischen Kräfte zum Kapitulieren zu zwingen.

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Der Kampf wird weiiergesühri werden."

Mussolini an die für Ostafrika bestimmte sardinische Division.

Ein neuer Anfang.

Lord Davies begrüßt die Friedenserklärung des Führers.

London, 11. Juni. (DNB.-Funkspruchst In einer Zuschrift an dieTimes" kommt Lord Davies auf die Reichstagsrede des Führers zurück und erklärt:Wir begrüßen Hitlers Rede, weil sie die Möglichkeit gibt, von neuern anzu- fangen. Hitler lehnt den Krieg als Instrument der Politik ab. Er verlangt ein friedliches Verfahren für die Revision der Verträge, und er ist bereit, sich an der Schaffung eines Systems der kollektiven Zm sammenarbeit zu beteiligen. Jetzt tft es nod) nicht zu spät, den Irrtum wieder gut zu machen, der im Jahre 1919 begangen worden ist als die Alliierten Deutschland aus dem Völker­bund ausschlossen. Eine neue Konferenz muß einberufen werden, an der Deutschlands'vertret teilnehmen, nicht, um einen festgelegten Frieden zu

besten Garanten unserer Zukunft, nur aus-' schließlich wir und nicht die anderen! Wir folgen in unseren Handlungen nur d e n j e n i - i qen, b'ie uns heute belehren wollen. Als sie ihr Reich aufbauten und es verteidigten, zeigten sie, daß sie auf die öffentliche Weltmeinung keine Rücksicht nahmen. Wenn die Regierung jetzt an die Schwarzhemden appelliert und das junge Ita­lien zu den Waffen ruft, so fühlt das ita­lienische Volk, daß es seine Pflicht tut und einer Höch st en Notwendigkeit folgt. Das ganze italienische Volk steht wie ein Mann da wenn es gilt, die Macht und den Ruhm des Vater­landes zu verteidigen."

In Sassari hielt Mussolini ebenfalls eine An­sprache, in der er der Bevölkerung und den Trup­pen für den Mut und die Stärke dankte, die sie in dieser Stunde zeigten. Aehnlich wie in seiner Rede vor der DivisionSabaudia" sprach Mussolini dann über die öffentliche Meinung außerhalb der Grenzen, die nur einlächerliches G e s pe n st" sei und von der Glut der Schwarz- Hemden verbrannt werde. Mussolini schloßD e r Kampf wird w e i t e r g e f ü h r t werden zum Fortschritt der Nation, zum Gedeihen des Volkes und für die Ehre unserer Fahnen."

*

Die Rede Mussolinis wird von der gesamten ita­lienischen Presse stark beachtet. DieTribuna" be­zeichnet sie als die A n t w o r t a u f b i e Debatte im englischen Unterhaus und im besonde­ren auf die Erklärungen EdeNs. In ganzseitigen Ueberschristen werden die Worte über die Rege­lung alter und neuer Posten unter buch­stäblicher Nachahmung jener, die Italien heute eine Lehre erteilen wollen, besonders stark hervorgeho- ben. Gleichzeitig gibt die Presse ihrem Mißvergnü­gen über die Ünterhausdedatte Ausdruck. In dem Kommentar des halbamtlichenGiornale d,Italia wird betont, daß die Worte Mussolinis wie immer von ber italienischen Volksseele g e ° tragen seien. Gegen bie Kräfte, bie heute gegen Italien und morgen gegen jebes anbere Volk gerich­tet sein könnten, habe Mussolini seine Stimme er­hoben. Diese Kräfte mürben aber ben Gang ber Ereignisse nicht aufhalten können, bie sich in der gleichen Weise und auf dem gleichen Weg abspielen werden, mit denen andere große Welt­reiche entstanden seien.

Das Scho in London.

London, 10. Juni. (DNB.) Ministerpräsident Baldwin kam in seiner Rundfunkansprache auf bte Gründe zu sprechen, die zu der personellen Aende- rung i m F o r e i a n O f s i c e geführt habenWir werden auf der Fortsetzung unserer Versuche be-

Heute erscheint es uns fast unglaublich, daß es die deutsche Wissenschaft fertiggebracht hat, das Schaffen eines Mannes wie Gustav Ruhland, den die deutsche Nationalökonomie um die Jahrhundert­wende als Außenseiter ablehnte, totzuschweigen, daß es weiter möglich war, baß sein Hauptwerk von einer beutschen Großbank aufgekauft würbe, um es aus bem Buchhandel verschwinden zu lassen. Obwohl der Streit um Ruhland erst um das Jahr 1910 seinen Höhepunkt erreicht hatte, ging der Haß der nationalökonomischen Wissenschaftler gegen diesen Mann aus bäuerlichem Blut, der kompromißlos wie kaum ein anderer gegen den Kapitalismus, der die Materie vergottet und den Menschen tötet, kämpfte, so weit, daß wir seinen Namen in den meisten der heute noch gebräuchlichen nationalökonomischen Nach­schlagewerke und Lehrbücher in keiner Weise er­wähnt finden. Die wenigen Ausnahmen, wie etwa Skaiweits Agrarpolitik, können auch nicht als einigermaßen ausreichende Würdigung der Bedeutung dieses Vorkämpfers für wahrhaften So­zialismus und eine schollengebundene Bauernpolitik angesehen werden. ,

Dem Reichsbauernführer R. Walther Darre ist es zu danken, daß Ruhlands Werke wieder ans Licht der Oeffentlichkeit gebracht wurden. Durch sein Eingreifen ist es nicht nur möglich gewesen, das

Sy st em der politischen Oekononiie in einem wohlfeilen Neudruck neu herauszubringen, er hat Ruhlandsche Gedanken auch in bte Tat um­gesetzt. Wir finben heute bie Grunbgebanken Gustav Ruhlanbs in ber nationalsozialistischen Marktord­nung verwirklicht. Damit ist dem Schaffen und Wirken dieses wahrhaft deutschen Mannes nicht nur ein nachträgliches Denkmal gesetzt, Ruhlands Geist wird für immer in der nationalsozialistischen Bauernpolitik praktisch fortwirken.

Am 11. Juni wäre Gustav Ruhland 75 Jahre alt geworden. Als kaum 54jähriger ucrftarb er, burch bie jahrelangen Anfeindungen und aufretben- ben Kämpfe, in betten er allein stand, an feiner Lebenskraft gebrochen, am 4.--Januar 1914. Er stammte von einem Bauernhof in H es s ent Hai im bayerischen Spessart und genoß seine Ausbil­dung auf der Realschule in Mainz und dem Technikum Langensalza. Später war er auf verschiedenen größeren Gütern Norddeutschlands als Verwalter tätig und kehrte kaum 20jährig, m die Heimat zurück, um nach dem frühen Tode des Vaters die Bewirtschaftung des Hofes zu übernehmen. Hier lernte er den schwierigen Lebenskampf des mitteldeutschen Kleinbauern« tums in ganzer Härte kennen. Er beschäftigte sich neben seiner schweren Arbeit auf dem Hof mit wirt- chaftlichen Fragen und kam sebr bald zu der Er­kenntnis, daß die Grundsätze der kapitalisti- schen G e l d w i r tst ch a f t auf die Dauer den Tod des Bauerntums zur Folge haben müßten. Seine ersten Veröfientlichunghn in den Jahren 1882 bis 1885 beschäftigten sich mit Kredit- fraqen und Agrargeschichte. 1885 begann er mit dem Studium in München, das er dann in Tübingen fortsetzte und mit der Doktorpromo- tion beendete. In den Jahren 1887 bis 1890 unter­nahm er im Auftrage Bismarcks eine W e 1t ft u b i e n r e i \ e zur Erforschung ber bedeu« tenbften Agrarlänber. Die dabei gesammelten wert­vollen Erkenntnisse konnten nicht in der beabsichtig­ten Weise verwertet werden, da Bismarck inzwischen durch Caprivi ersetzt worden war und der neue Kurs" den Forderungen eines wahrhaften Bauernsozialismus verständnislos gegenüberstand.

Da Ruhland im Rahmen der Agrarpolitik kein Arbeitsgebiet fand, erweiterte er feine praktischen Erfahrungen bei der Organisation eines Großgrund­besitzers in Tirol. 1893 wurde er dann Privat- bozent an ber Universität Zürich, 1898 Professor an ber Universität Freiburg in der Schweiz. Im Reich fanden Ruhlands wirtschaftspolitische Ideen starken Rückhalt beim Bund ber Lanb - wirte, bei bem er mehrfach beratend tätig war. Allerdings beschränkte sich die Zusammenarbeit zwi­schen Gustav Ruhland und bem Bund ber Land­wirte überwiegend auf bie Ziele, währenb er sich mit seinen Gebauten über bie einzuschlagenden Wege gegenüber gegnerischen Strömungen nicht durchsetzen' konnte.

Im besonderen Maße beschäftigte sich Ruhland mit der G e t r e i d e p o l i t i k. Seiner Ansicht, daß nicht die Ueberproduktion in Getreide an sich, sondern die Gründertätigkeit der internationalen Großbanken im Verein mit der Spekulation den Rückgang der Getreidepreife im wesentlichen ver­schuldet habe, stimmte nicht nur die Getreidehan­delskommission des Bundes der Landwirte, sondern auch der Erste Internationale Agrarkongreß zu, der im September 1896 in Budapest stattfand. Im Herbst 1899 gründete dann Ruhland in Freiberg in der Schweiz. dieInternationale Ge- t r e i d e p r e i s w a r t e". Aus dieser gingen spä­ter dieInternationalen Mitteilungen zur Regulie- rung der Getreidepreise" hervor, die bald darauf, als'Ruhland nach Berlin übersiedelte, zur Wochen- schriftGetreide markt" umgewandelt mür­ben. Sie erschienen bann alsLanbwirtschaftliche Marktnachrichten" bis 1931 als Beilage berJllu- ftrierten Lanbwirtschaftlichen Zeitung Berlin".

Ruhlanbs HauptwerkSystem ber politischen Oekonomie" setzte an Stelle ber materialistischen Geschichtsauffassung bie logische Geschichtsauffassung. Hierauf hatte vor allem Fürst Bismarck mit ben Worten hingewiesen:Die logischen Revisionen der Geschichte sinb noch genauer, als bie unserer Oberrechnungskammer." Als Nationalökonom war

liehen scheinen.

Der römische Berichterstatter besMatiist zieht aus ben Ansprachen Mussolinis auf Sarbinien den Schluß, baß bie italienische Regierung sich durch keine Pressefehde und durch kein Dazwischentreten der Mächte bei ihren ostafrikanischen Plänen be- ~ hindern lassen werde. Die Reden zeigten, daß ber leiten.

London, 8. Juni. (DNB.) Die Rede Musso­linis vor den nach Ostafrika abgehenden Truppen­kontingenten erregt in London erhebliches Aufsehen. In Sperrdruck wird die Stelle hervorgehoben, in der es heißt, daß Italien bet der Schaffung eines großen Reiches diejenigen nachahmen werde, die heute glaubten, Italien schulmeistern zu können.Star" berichtet, in Rom herrsche ausge­sprochen englandfeindliche Stimmung, so daß die Polizeiposten vor der britischen Botschaft verdrei­facht werden mußten.Daily Telegraph schreibt, nachdem Italien einem schiedsrichterlichen Verfah­ren in der abessinisch-italienischen Streitfrage zuge­stimmt wäre es eine vernünftige Annahme gewe- en, daß der Wunsch nach Frieden die be­herrschende Rott irgend welcher öffentlichen Aeuße- rungen über diese Frage gewesen wäre. Italien könne feine Streitkräfte in Ostafrika weiter ver­stärken, aber die Kriegsreden müßten aufhoren. Die Behauptung, daß Italien allein das Recht habe, über feine Interessen,3" entscheiden, we?de von den Tatsachen nicht bestätigt. Eden habe bereits darauf hingewiesen, daß sich Eng­land, Italien und Frankreich durch den Vertrag von 1906 verpflichtet hatten, in allen Fragen, die sich auf Abessinien beziehen, mitetn = ander Rücksprache zu pflegen Mussolini, der durch seine Zustimmung zum Schiedsverfahren anerkannt habe, daß sein eigener Vertrag stn Abessinien gültig ist, könne den früheren Vertrag nicht mit der Behauptung abtun, daß das Stresa- Abkommen auch eine Einheitsfront zwischen Ita­lien, Frankreich und England außerhalb Europas umfassen solle. Italien würde einen außerordent­lichen Fehler begehen, wenn es sich embilde, datz es die von Mussolini ins Lächerliche gezogene öffentliche Meinung verhöhnen und die emgegang - nen Verpflichtungen mit Nichtachtung strafen murbe' Will Laval vermitteln?

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