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Wandem und weisen ♦ Bäder und Sommerfrischen.
Die Sonne scheint breit und warm in die dem Rhein zugewendeten Täler des Schwarzwaldes, auf die Gärten von Baden-Baden, auf die Hellen Landhäuser, die Freiburg in breitem Saum umgeben, auf die lustige Badenweiler Höhe. Die Freiburger Ebene aber ist wie eine Bucht. Sie hat auf der Klimakarte einen breiten, gelben Tupfen, der an den Leuchturm auf der Seekarte erinnert. Das Gelb bedeutet, daß hier die mittlere tägliche Sonnenscheindauer im Winterhalbjahr mehr als drei Stunden beträgt. Man muß Mittel- und Norddeutschland damit vergleichen, um zu wissen, was das an Wärme und Frohsinn der Menschen bedeutet. Hier sind die Oasen eines Klimas, das einmal den ganzen Erdteil wärmte. Daher die feurigen Weine am Kaiserstuhl, die vielen Orchideenarten in den Falten dieses kleinen vulkanischen Gebirges. Doch Merkwürdigeres bewahrt der Dem Schwarzwald weit vorgelagerte Kalkfels von Jstein. Ihn berührte einst der Strom mit den gefährlichsten Strudeln. Jetzt führt die Landstraße an ihm vorbei; den Strom zähmen die Schleusen des Kembser Kanals. Noch sind in Haushöhe über der ausgewaschenen weißen Felswand die fromm geschmückten Grotten und Galerien sichtbar. Hinter dem Jsteiner Klotz dehnt sich die von Altwassern durchsetzte Heide. Hier schimmert der Fels von dem silberglänzenden Pfriemgras, dessen Federbüsche sonst nur auf der Pußta siedeln. In den Sümpfen steigen die Störche umher, die auf den Dächern der nahen Dörfer nisten. Schon im Februar pflegen sie vom Nil zurückzukehren; der Kuckuck kommt Anfang März, bald auch die Nachtigall. Auch der Gast lebt
Wanderfahrten.
Nieder-walgern — Frauenberg — Ebsdorfer Grund — Allendorf.
Von unserem Ausgangspunkt Nieder-Walgern wandern wir blauen Dreiecken nach durch Wenkbach hinüber zur Lahn, die wir auf der Nehbrücke überschreiten. Wir gehen jetzt dem Lahnufer aufwärts durch die Nehmühle bis Ronhausen, von wo uns blaue Kreuze, zumeist durch Wald, hinauf zum Frauenberg (381 Meter) leiten. Von der Burgruine genießen wir eine prächtige Rundschau, während zwei gute Gasthäuser für Erquickung sorgen. Zu unserem Weitermarsch benutzen wir nunmehr blaue Striche, die uns durch schönen Mischwald, den sog. Balterscheid führen, an dessen Ausgang man eine überraschend slyöne Aussicht in den Ebsdorfer Grund hat. Wir kommen durch die Orte Ebsdorf und Leidenhofen, überschreiten den bewaldeten Lei- denhofener Kopf und erreichen nach einiger Zeit das malerisch gelegene, von einer Burg gekrönte Nordeck. Die blauen Striche geleiten uns von hier die Straße abwärts durch das schöne Lumdatal, wo
Zwischen Bingerbrück und Bacharach.
Wenig bekannte schöne Wanderstraßen am Mein.
Don 3- Gilling-Wiesner.
behaglich in den alten Dorfwirtshäusern hier am deutschen Oberrhein. Wer durch die noch frostigen Rebberge wandert, wird Wintersterne finden, Pflänzchen mit dunklen, geschlitzten Blättern und goldenen Blüten, die sonst nur da drüben bei Belfort an der burgundischen Pforte und in den Gärten von Basel zuhause sind, fremde Jahreszeitgenossen unserer Schneeglöckchen.
Deutschlands ganzer Südwesten ist von einer Bergstraße umgeben. Sie folgt um Lörrach herum der jähen Biegung des Hochrheins. Sie begegnet dem Strome wieder, führt an alten Städten und an Kraftwerken, an jungen Siedlungen und alten Stromschnellen entlang. Rheinfelden und Laufenburg sind Städtchen mit Türmen und Toren, die der deutschen und der Schweizer Seite angehören, Säckingen eröffnet den Zugang zu dem urwüchsigen Hotzenwald. Die Bergstraße aber geht über Waldshut weiter auf Konstanz zu. Dort tritt aus dem Untersee der Rhein. Seegleich fließt er an einer sanften Küste vorüber. Das ist die Reichenau, die gute Insel. Eine schmale Pappelschnur verbindet sie mit der fernen Stadt. Wie ein Ländchen ganz für sich, wie ein großes Schiff, aber auch wie ein einziger Weinberg und ein Garten liegt die Insel im Glanz des Wassers voll Erinnerung an das alte Reich, wie fast alle Städte, die am Bodensee versammelt sind, Radolfzell und Ueberlingen, Meersburg und nach dem Luftschiffhafen der Zeppeline, das in den See gebaute, zu den Appenzeller Bergen hinüberschauende Lindau. Von der glücklichen Reichenau aber heißt es, daß auf ihr seit Urzeiten Schlangen, Eidechsen und Kröten nicht vorkommen.
sich unterwegs herrliche Blicke bieten, nach unserem Endziel Allendorf. Wanderzeit gut 4 Stunden.
Gießen — Stolzenmorgen — Alten-Vuseck — Hangelstein — Wleseck.
Wir wandern über das Flughafenaelände durch den Stolzenmorgen, der durch seine seltene Flora, namentlich zur Frühlingszeit, sehr geschätzt ist. Am Ausgang des Waldes wenden wir uns auf einem Feldweg links und bald darauf rechts, kommen durch Trohe nach dem anmutig gelegenen Alten- Bufeck, wo uns gute Gasthäuser zur Rast einladen. Nunmehr steigen wir hinauf zum Daubrin- ger Paß, um uns an der schönen Fernsicht nach der Rabenau und dem Busecker Tal zu erfreuen. Blauen Dreiecken, die wir oben treffen, folgen wir jetzt nach links und gelangen in den ausgedehnten Hangelstein. Das Zeichen führt uns an der Unionslinde, der Teufelskanzel, der Felsenkanzel und dem Steinbruch mit prächtigem Ausblick, später an der Ludwigsburg vorüber nach Wieseck, von wo wir mit der „Elektrischen" wieder nach Hause fahren. Wanderzeit etwa 4 Stunden.
Frühling an der großen Bergstraße.
Don Alfons paquet
An der Bergstraße, heißt es, kommt der Frühling in Deutschland zuerst. Das ist richtig, man muß nur nicht allein an den Abhang des Odenwaldes und feine schmale Rheinebene denken. Drüben setzt die Pfalz die Ebene fort bis zum Donnersberg und zur weinzeugenden Haardt. Die Landstraße, die über den Main herüberkommt und zwischen Wäldern, Gartenmauern und Weinbergen mit fröhlicher Bestimmtheit nach Süden weist, braucht noch manche Meile bis Freiburg, wo sie am Saum des Mark- aräflerlandes in das Baseler Sträßle übergeht. Aber das alles ist Bergstraße. Diese große Bergstraße führt den ganzen Schwarzwald entlang. Es soll ihr einer den kühnen Schwung nachmachen, mit dem sie dann um das in Schluchten abgesetzte Ge- birg herumgeht und schließlich den Hegau mit seinen Basaltpyramiden erreicht. Man kann sie noch am Ufer des weitglänzenden.schwäbischen Meeres verfolgen, das an hellen Tagen die Alpen spiegelt und an Regentagen so schön nach Fischen riecht. Sie ist der schmale, äußerste Südwesten des Reiches. Sie macht es möglich, unsere südlichsten Inseln zu besuchen, die rebengeschmückte Reichenau und die runoe, kleine Insel Mainau, die ein einziger, schon ganz südlicher Park ist. Zwischen diesen von Schilf umsäumten Inseln ragen die Türme von Konstanz.
Aber die Ebene um den Kaiserstuhl herum, jener von Pappeln besäumte Landstrich, den man von der sanften Höhe der Ruine Spooneck überblickt, wo die roten Dächer wie in Zypressenhainen liegen, ist doch von den deutschen Frühlingslandschaften die früheste. Selbst die niederrheinische Ebene, deren Dome ein einziger Lobgesang auf das Licht sind, empfängt eine solche Fülle des Lichtes erst im Sommer. Der Winter hat den Schwarzwald weißgeschneit. Auf einmal zieht ein Föhn die Schneekapuze von den Bergen und kleidet alles in das schwarzdunkle Blau. Noch schmelzen die Alpengletscher nicht, aber Wasser schäumt in tausend Bächen zu Tal. Aus nassen Wiesenmulden kommt ein frischer Duft; der Bauer fängt an, das Holz zu schneiden, das im Schlitten zu den Bahnstationen kam. Rhein und Neckar gehen mit hohem Wasser, selbst Murg und Kinzig sprudeln und funkeln, als ob sie Schiffe tragen wollten; diese Schwarzwaldflüßchen eilen frühlingstrunken an den schweren, schindelgedeckten Schwarzwaldhäusern vorbei.
Die Bahn fährt in kurzen Stunden die ganze Bergstraße entlang. Wenn erst hinter Heidelberg die Odenwaldhügel ihr sanftes Katzbuckeln aufgeben, fängt bald ein ernsteres Gebirge an. Auf den Vorhöhen liegen Burgen, mit schmalen Türmen gegen den silbernen Himmel abgehoben. Steinbrüche sind wie mit der Axt aus dem Berg herausgeschlagen, der graugrün überzogen ist wie mit Jägertuch. Dor gelben Wänden liegen die Dörfer, hoch schwebt die Doppellinie der Bergkämme und der Gipfel, wie ein Spiel von Melodien, die höheren noch zart umnebelt, die tieferen mit scharfem Einschnitt. Davor aber liegt die Ebene offen, ohne Geheimnis. Sie ist die ungeheuere lichtempfindliche Platte, in der zuerst das zarte Farbenbild des Jahres sich entwickelt. Veilchen blühen im grauen Gras vom vorigen Jahr, — Veilchen blühen im Schwetzinger Park, im Park von Bruchsal und im Karlsruher Schloßpark. Und die Aecker hier und im Pfälzischen drüben sammeln Wärme für Wein und Tabak, für Mais, Pfirsich und Pfefferminz. Lang, ehe das weiße und rötliche Schäumen der Baumblüte beginnt, liegt schon das dünne Schattennetz der Zweige über den Wiesen, die sichtbar grüner werden. Die schnurgeraden Reihen der weißberingten Obstbäume blinken in der Sonne, das schwarze Völkchen der Hühner kratzt fleißig den Boden. Die Luft ist gesättigt vom Rauch eines Neisigfeuers, vom Dunst des Rheines. Im Ueberschwemmungsgelände glänzen die gelben, glatten Weidenruten; hier sonnen sich Lärchensporn und Anemonen. Auf dem Rhein entschwindet ein Schleppzug fern im Glanz des Wassers wie eine rauchende Insel.
Alljährlich, wenn die schönste Burgenstraße deutscher Erde zum zaubervollen Blütenpfad des Frühlings wird, verführt immer wieder die unendliche Vielfalt der Landschaft zu neuen, beglückenden Entdeckungsfahrten. Immer wieder überrascht abseitige Schönheit, die trotz der Nähe bekannter „Weltpromenaden" rechts und links vom Rhein nichts von ihrer Ursprünglichkeit verloren hat.
Solch ein köstlich grünes Wandergebiet, vielen Rheinreisenden fremd, findet man als Hinterland von Bingen und Bacharach, wo drei herrliche Waldreiche, der riesige S o o n w a l d , Binger Stadtbesitz, mit dem Heimbacher und Bacharacher Forst ein einziges rauschendes Blättermeer bilden. Aus Obstgärten und Rebhängen steigt es zu blumigen Gründen, wasserdurchschäumten Felsschluchten,
lichtfunkelnden Höhen, steht mit seinen waldigen Kuppen, Schlössern, Kapellen hoch und grün über den alten Weinstädten. Hier auf und ab zu streifen bringt ein unvergeßliches Erleben rheinischer Frühlingsherrlichkeit!
Vom morgenstillen Bingerbrück nehmen wir die erste Waldstraße zur leichten Höhe des Prinzenkopfes und des Forsthauses Heiligkreuz über der Kreuzbachklamm, von wo der Rheinhöhenweg um Damianskopf und Druidenberg zur unvergleichlichen Aussichtskanzel des Schweizerhauses läuft. Weit, weit öffnet sich hier der Blick in den blütenprangenden Rheingau, in Gärten im farbigen Schmuck blühender Obstbäume. Grünes Gefächer der Weinberge, Niederwald und Taunus mit goldschimmernden Buchenwäldern, unten am
Strom die blanken Häuserzeilen von Aßmanns- hausen und Rüdesheim — all das ins blendende Licht der Sonne getaucht, die diese reiche rhei» Nische Erde feinet. Ryeinab aber — effektvoller Kontrast — reiht sich am eingezwängten, dunkler flutenden Strom Berg an Berg, felsengrau ober grünumhüllt.
Burgen ragen auf. Uns zu Füßen ein Märchen- schloß, Rheinstein auf hohem Felskegel, eins der schönsten am Rhein. Das alte Raubnest des 13. Jahrhunderts wurde erst vor etwa hundert Jahren vom Prinzen Friedrich von Preußen wiederhergestellt und blieb Besitz der Krone, bis die neue Zeit eine Wohnburg aus ihm machte, in der kostbare Altertumsschätze erhalten blieben. Sagenfäden spinnen sich vom Rheinstein zur nahen Clemens-
Die Gesundheit und Leistungskraft der Jugend bestimmen das Schicksal der Nation. Schickt eure Jungen in die Zeltlager der Hitlerjugend!
k a p e l l e, einst Sühnekirchlein für die sündigen Seelen der zahlreichen, hier gerichteten Raubritter, damals, als Rudolf von Habsburgs Eisenfaust mit dem „Schrecken der Landstraße" aufräumte. Heute rauschen friedlich die hohen Pappeln dieses traulich stillen Winkels am alten Rhein, der das Geschehen von Jahrtausenden an sich vorüberrollen sah ...
Wir sind in der rechten Stimmung, um die Romantik des M o r g e n b a d) t a I e s auf uns wirken zu lassen, das sich hier vom Rhein bergwärts erstreckt. Es ist „das deutsche Volkslied" unter den rheinischen Nebentälern, lieblich, versonnen und geheimnisvoll. Eine stolze Ritterburg aus dem 13. Jahrhundert bewacht den Eingang: Die Burg R e i ch e n st e i n, oft Falkenburg genannt, weil auch Kurfürst Kuno von Falkenburg (welch ein prachtvoller Rittername aus dem Märchenbuch!) in diesen Waldtälern gehaust haben soll.
Dann aber tauchen wir ins Tal der rauschenden, strudelnden Kaskaden, in tiefen Waldesschatten, wo sich jetzt noch uralte Mühlenräder drehen, in eine Klamm, deren Felsen als „Binger Schweiz" zu Kletterübungen werdender Alpinisten der Umgegend viel besucht werden. Herrlich liegt in der Waldeinsamkeit des oberen Tales das Jägerhaus, Stützpunkt für mannigfache Wanderungen nach allen Himmelsrichtungen. Nach Bingen über aussichtsreiche Höhen, ins mittelalterliche Städtchen Stromberg im felsigen Guldenbachtal, durchs Heimbachtal zum Rhein führen wechseloolle Wege.
Wir schlagen uns mitten durch die sonneflimmernden Hallen des Soonwaldes zum hohen Salz- berg (628 Meter), der als Aussichtsberg die Wälder seiner Umgebung, Hunsrück und Nahetal beherrscht. Forsthaus Lauschhütte ist hier willkommener Rastplatz vor langem Talmarsch, der den Heimbacher Forst quert und von einem reizenden altersgrauen Weinnestchen zum andern führt: Oberheimbach, Manubach, Wirpbach, zuletzt das weinberühmte Steeg im schönen Blüchertal: hier zog einst „Marschall Vorwärts" mit seinem Heer Den „Kanonenweg" nach Westen, lieber Steeg graues Ruinengemäuer der Burg Stahlberg. Weit herrlicher über Bacharach Ruine Stahleck, eine der schönsten Jugendherbergen. Im Abendlicht genießen wir hier den letzten wundervollen Ausblick auf das uralte, malerische Städtchen mit seinen Mauern und Türmen, auf das jenseitige Rheinufer mit Lorch und Burg Nollich bis zu den Höhen des Kammerforstes.
Bacharach ist ein echtes Rheinstädtchen von vielseitiger Schönheit. Der Altertumsfreund findet neben zwei ehrwürdigen Kirchen die kostbaren gotischen Ruinen der W e r n e r k a p e l l e, malerisch buntes Fachwerk zwischen turmbewehrten Ringmauern und verträumte Winkelgassen. Dem Naturfreund steht rings eine Welt voll Schönheit offen. Und der trinkfrohe Weinfreund kommt überhaupt nicht mehr los von den vielen, vielen weinseligen Schenken, den reblaubumgrünten Terrassen, dem Duft der Rebenblüte und dem Singen und Lachen der Mädchen — zu Bacharach am Rheine. —
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