Nr. 9 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger fürOberheffen)
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Wechsel im sranziMchen Oberbefehl.
Veränderungen in den höheren Kommandostellen der französischen Armee können uns an sich schon nicht gleichgültig sein. Noch weniger aber können sie es sein, wenn es sich dabei um die Neubesetzung einer so wichtigen Stelle handelt, wie es die des Generalinspekteurs und Vizepräsidenten des obersten Kriegsrates ist, da mit dieser Stellung zugleich auch die Stellung des Oberbefehlshabers des französischen Heeres im Fall eines Krieges verbunden ist. Diese Stellung hat zur Zeit der bekannte General Weygand inne. Der General steht im 69. Lebensjahr. Er vollendet es am 21. Januar und hat damit die für feine Dienststellung gesetzlich vorgeschriebene Altersgrenze bereits um ein Jahr überschritten. Er soll, nachdem diese im vergangenen Jahre durch ein besonderes Gesetz für ihn persönlich um ein Jahr heraufgesetzt worden ist, gebeten haben, von einer weiteren Heraufsetzung Abstand zu nehmen und am 1. Januar zurücktreten und aus dem aktiven Dienst scheiden zu dürfen.
General Weygand ist im Jahre 1888 aus der Mi- litärschule Saint-Cyr in die Armee eingetreten. Er ist Kavallerist und war, nachdem er vor dem Kriege Lehrer an der französischen Kavallerieschule und Lehrgangleiter an der französischen Kriegsakademie dem „Centre des Hautes Etudes“ sowie zuletzt als Oberstleutnant Kommandeur des 5. Husaren-Retzi- ments in Nancy gewesen war, während des Krieges vom 21. September 1914 an zunächst als Oberstleutnant, dann als Oberst und zuletzt als General bis zum Ende des Krieges General st abschef d e s M a r s ch a l l Foch, seines kommandierenden Generals im Frieden in Nancy. Als solcher war er dessen rechte Hand als Führer der 9. französischen Armee in der Marneschlacht, als Führer der französischen Heeresgruppe „Nord" in der Werschlacht im Herbst und Winter 1914, als Chef des Generalstabes der französischen Armee in den Jahren 1916 17, als Generalissimus sämtlicher Entente- Armeen im Jahre 1918 und schließlich auch bei den Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen 1918 bis 1919. f
Nach dem Kriege hat er bis zum Jahre 1920 als Mitarbeiter des Marschalls Foch zunächst dem Interalliierten Kriegskomitee in Versailles angehört, um die Durchführung der militärischen Bestimmungen des Versailler Vertrages zu überwachen, deren geistiger Schöpfer er nicht zum wenigsten mit war. Im Jahre 1920 wurde er dann von Foch nach Polen entsandt, um als Nachfolger des Generals Henry die Organisation des polnischen Heeres zu übernehmen und dem Vordringen der Bolsche- mistenheere auf Warschau an der Weichsel Halt zu gebieten. Mit welchem Geschick, welcher Energie und welchem Erfolge er sich dieser Aufgabe entledigt hat, ist bekannt. Die Bolschewistenheere wurden nicht zum wenigsten dank seinem persönlichen Eingreifen von der 'polnischen Armee unter Führung des Marschalls Pilsudski in der bekannten'Schlacht an der Weichsel vor Warschau vernichtend geschlagen und die polnische Armee und der polnische Staat so in letzter Stunde noch vor dem schon sicheren Untergange gerettet. Im Jahre 1923 wurde General Weygand dann O b e r k o m - missar in Syrien und als solcher zugleich auch Oberkommandierender, der französischen Levante-Armee In dieser Stellung blieb er jedoch nicht lange. Bereits im Jahre 1924 wurde er in ihr mit dem Sturz des Kabinetts Poincare und dessen Ersatz durch das links gerichtete erste Kabinett Herriot durch den diesem politisch näherstehenden General S a r r a i l erseht und zum Direktor der französischen Kriegsakademie ernannt. Im Januar 1930 wurde er dann als Nachfolger des Generals Debeney Chef des französischen Generalstabes und ein Jabr später schlieklich als Nachfolger des Marschalls Beta in Generalinspekteur der französisch en Armee. ____________
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nicht einwandfrei fest. Genannt wird an erster
Während des Krieges hat er längere Zeit als Major dem engeren Stabe des Marschalls I o f f r e angehört, als dessen persönlicher Adjutant er vor allem auch in der Marneschlacht eine bedeutsame Nolle gespielt hat. Am Ende des Krieges war er als Brigadegeneral Kommandeur einer Division, nach dem Kriege zunächst sechs Jahre lang Chef einer französischen Militärmission in Brasilien und im Anschluß daran von 1925 an Führer der französischen Levante-Armee, in welcher Stellung er die militärischen Operationen gegen die aufständischen Drusen in der Gegend von Damaskus und im Hauran leitete. Vier Jahre später wurde er Kowmandierender General des 20. Armeekorps in Nancy und im Januar 1930 schließlich mit General Weygand zusammen als dessen erster Gehilfe in den Genera Ist ab berufen, dessen Chef er seit der Ernennung des Generals Weygand zum Generalinspekteur der französischen Armee im Frühjahr 1931 ist. Auch er gilt als einer der fähigsten französischen Generale.
Für die innere Organisation der französischen Armee bedeutet der Personenwechsel zunächst eine Entscheidung einer politisch-parlamentarischen Frage in dem Sinne, daß für absehbare Zeit a u f die Verlängerung der Dienstzeit verzich- t e t wird, die unter der Regierung Doumergue noch ein lebhafter Streitgegenstand der Parteien gewesen ist., Der neue Generalissimus gilt im Gegensatz zu seinem Vorgänger Weygand, der eine Verlängerung der Dienstzeit zum mindesten während der nächsten Rekruten-Ausfalljahre zur Verteidigung des Landes für unbedingt notwendig gehalten hatte, als ein ausgesprochener Vertreter der sog. „technischen Richtung". Diese legt den Hauptwert weniger auf hohe Mannschaftsbestände, als auf das Material und die Höch st e technische Ausbildung und Ausrüstung. Man darf also annehmen, daß besonders die Motorisierung der Armee unter ihm sehr rasch gefördert wer
ft ändi gen. Dieses Urteil, das nicht nur das eines Soldaten Über einen Soldaten ist, das auch von der Geschichte bestätigt wird, wird wohl auch auf General Gamelin zutreffen. Selten sind in der Geschichte die Kriege in erster Linie oder ausschließlich von den Militärs gemacht und entfesselt worden: fast immer waren die reibenden Faktoren politische oder wirtschaftliche Kräfte, denen sich die Rüstung des Landes natürlich im gegebenen Augenblick, manchmal vielleicht auch mit einer gewissen beruflichen Freude zur Verfügung stellt. In den Fragen, die mit größter Wahrscheinlichkeit im neuen Jahre bei dem Versuch zu behandeln sind, das deutsch-französische Verhältnis auf eine neue freundschaftlichere Grundlage zu stellen, wird es von besonderer Bedeutung sein, daß die französische Politik, von dem nüchternen und sachverständigen Urteil eines Soldaten überdas wirklich e'V e r h ä l t n i s der deutschen und der französischen Rüstungen, der deutschen und der französischen Sicherheit unterrichtet wird. Durch dis französische Frontkämpferbewegung geht zur Zeit, von den deutschen Friedenskundgebungen angeregt, eine Welle der Versöhnung und der Verständigung. Daß sie sich in politische Taten umseßen kann, wird sehr stark davon abhängen, daß auch der französische General st ab und sein neuer Führer diesen neuen Geist bejahen, der mit patriotischen und soldatischen Pflichten nicht im Widerspruch steht.
gen. Man darf sich auch hier des Interviews mit dem General von Blomberg erinnern, der offenbar derselben modernen „technischen" Richtung angehört wie sein französischer Kamerad. Herr von Blomberg hat sich zwar als Anhänger der allgemeinen Wehrpflicht bekannt, aber nicht aus militärischen, sondern aus volkserzieherischen Gründen. Militärisch hält auch er nach den Erfahrungen des großen Krieges und nach den seither gemachten technischen Fortschritten den Kstmpfwert einer langgedienten und aus technischen Spezialisten gebildeten Truppe für höher als den einer zwar größeren, aber nur rasch und oberflächlich ausgebildeten Armee.
Ob der Wechsel in der obersten französischen Ar- meeführung eine politische Vorbedeutung hat oder eine Bedeutung in der Zukunft gewinnen wird, ist schwer zu sagen. General Gamelin gehört zu einer verhältnismäßig, das heißt in Anbetracht seiner hohen Stellung jüngeren Kriegrgeneration. Er hat im Krieg als Bataillonskommandeur angefangen und wurde dann der nächste Mitarbeiter des Marschalls I o f f r e. Der preußische Ministerpräsident General Göring hat neulich sein Zusammentreffen mit dem französischen Marschall P e - t a i n in Belgrad anläßlich der Beisetzung für König Alexander erwähnt und dabei geäußert, mit solchen Männern, das heißt mit ehrlichen Soldaten, könne man sich immer ver-
Verurteilung wegen falscher Angaben über parteizugehörigfeit.
Mainz, 10. Jan. (LPD.) Der Provinzialausschuß hat in seiner gestrigen Sitzung, dem Antrag der Stadt Mainz entsprechend, gegen den 38jährigen ehemaligen Betriebsassistenten Gg. Helmstädter aus Mainz-Weisenau, der im September 1933 auf Grund des § 4 des Gesetzes vom 7. April 1933 zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus den städtischen Diensten entlassen worden war, auf Verlust der Amtsbezeichnung, des Ruhegehalts und der Hinterbliebenenversorgung erkaynt, weil er schuld- baft feine Amtspflichten verletzte. Dagegen wurden ihm auf die Dauer von fünf Jahren ab Rechtskraft des Urteils 75 v. H. des Ruhgehalts zugesprochen. Helmstädter hat zur Zeit der nationalen Erhebung in zwei Fragebogen und bei mehreren mündlichen Verhandlungen wahrheitswidrige Angaben gemacht, indem er behauptete, nur bis zum J"*"-e 1923 Mitglied der SPD. gewesen zu sein, maTjrenb die Ermittlunaen ergaben, daß er ihr bis zum Jahre 1930 angehört hatte.
Links: Das Stadthaus in B l i e s k a st e l. — Rechts: Die Chorruine der Ludwinus-Kapelle in Mettlach, das ätteste Bauwerk des Saarlandes.
Mit General W e y g a n d würde also eine der bedeutendsten Führerpersönlichkeiten der französischen Armee aus dem aktiven Dienst scheiden, ein General, dessen außerordentliche militärische Fähigkeiten vielleicht nirgendwo rückhaltloser anerkannt werden als gerade in Deutschland,' der anderseits aber infolge seines engen Verhältnisses zu Marschall Foch und seines jahrelangen engen Zusammenarbeitens mit diesem bis ins letzte in dessen Ideen und Gedankengängen lebt, sich als T e st a - mentsvollstrecker seines verstorbe- nen früheren Chefs fühlt und nur das eine Ziel kennt, Deutschland für immer in den Fesseln von Versailles zu halten. Was ihn veranlaßt, gerade jetzt seinen Posten zu verlassen und von sich aus auf eine weitere Heraufsetzung seiner Altersgrenze zu verzichten, ist nicht bekannt geworden. Möglich, daß es gesundheitliche Gründe sind — der General ist erst im Sommer ernstlich erkrankt gewesen — wahrscheinlicher jedoch, daß es die Widerstände gegen d ie Einführung der zweijährigen Dien st zeit sind, für die er sich seit langem bereits stark einsetzt, nicht minder möglich, daß es schließlich auch Unzufriedenheit mit der derzeitigen Rußlandpolitik Frankreichs ist. Der General hat niemals ein Hehl daraus gemadjt, daß er ein Gegner dieser Politik, ein Gegner eines politischen Zusammengehens Frankreichs mit den Sowjets ist. Für ihn besteht heute- die für Frankreich einzig mögliche Politik allein in einer engen Verbindung mit England, mit dessen militärischen Führern er in engsten Beziehungen steht, wie dies im vergangenen Sommer noch sein angeblich privater Besuch beim Chef des britischen Reichsgeneralstabes bewiesen hat.
Einem Rücktritt des Generals Weygand würde also nicht nur militärische, sondern auch erhebliche politische Bedeutung zukommen Wer in diesem Falle an seine Stelle treten würde, steht noch
Stelle der derzeitige Chef des Generalstabes, Gene- den wird, die die Führung in die Möglichkeit verrat Gamelin. General Gamelin steht im 63. Le- setzt, eine technisch vollkommen ausgerüstete Truppe bensjahre. Er ist Infanterist und feit 1891 Offizier. I in größter Schnelligkeit zur Verwendung zu brin-
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ist, mag man daran ermessen, daß der dem jungen Lord Maris zugedachte Schwiegervater das Vorrecht genießt, in Gegenwart Seiner Majestät des Königs den Hut auf dem Kopfe zu behalten, was allerdings, wie er zu feiner Empörung etwas später erfahren muß, eine wahre Wohltat ist — bei der Glatze, über die er verfügt.) So geschieht es also auf eine nicht einmal unnatürliche Weise, daß der jungverheiratete Lord wenige Tage später verlobt ist, ehe er sichs recht versieht. Aber das Lustspiel, das Spiel mit grotesken Situationen, beginnt erst recht, als die junge Frau in Deutschland ungeduldig wird, kurz entschlossen in ihrem Sportwagen nach England fährt und, wie man sich vorstellen kann, gerade im richtigen Augenblick im väterlichen Schloß ihres Gatten auftaucht. Daß sie sehr bald wieder abreist, wird man verstehen können: schwieriger war es dagegen, sie wieder ins Schloß zurückzubringen, und daß es ausgerechnet die Großmutter persönlich ist, die sie (unbekannterweise selbstredend) bei sich zum Tee bittet, dafür sorgt jener freundliche Zufall, der schon in vielen Filmen und so vielen Lustspielen hilfreich fein Wesen getrieben hat. Und daß das Ganze, übrigens nach einem Roman von Ludwig von Wohl, seinen Namen trotz allem, was bisher erzählt wurde, nicht zu Unrecht trägt, kann unter solchen Umständen auch der vermuten, der nicht einmal ahnt, wie das Spiel im Schloß sich noch weiter kompliziert ... so sehr, daß nur noch der berühmtgewordene Schwertstreich Alexanders des Großen den Knoten durchhauen kann. Das tut, auf eine ebenso manierliche wie moderne Weise, ganz ohne scharfe Waffen, Adolf W o h l b r ü cf; wir kennen ihn rühmlich aus der „Maskerade": er spielt sehr korrekt, sauber, überlegen und halblaut, und die paar Szenen mit Renate Müller, der vorschnell vermählten Ehefrau, gehören darstellerisch zu den erfreulichsten Eindrücken dieses heiteren und unterhaltsamen Stückes. Renate Müller, die krankheitshalber längere Zeit nicht filmen konnte, paßt ausgezeichnet für eine Rolle wie diese; sie kann so wundervoll empört und innerlich aufgebracht werden — ohne ein lautes Wort; doch zerschmeißt sie auch mit angemessenem Temperament eine Vase, und die gefühlvolleren und leiseren Töne gelingen ihr ebenfalls sehr überzeugend. Die Großmutter ist natürlich Adele S a n d r o ck, wer denn sonst, und es ist eine Freude, daß sie nicht ausschließlich ein gräßlich tyrannisches Hausgespenst zu spielen braucht, sondern auch eine sehr nette und scharmante alte Dame sein darf, die bei einer merkwürdig ungeeigneten Gelegenheit ihr Herz entdeckt. Georg Alexander: der junge Lord; er macht es reizend, leider fällt die Rolle gegen Ende immer mehr ab. IHilde Hildebrand singt den Schlager dieses
„Die enallsche Heirat."
Lichtspielhan
Der junge Lord Maris hat sich auf einer Reise durch Deutschland in eine hübsche Autofahrlehrerin verliebt und sich sogar mit ihr trauen lassen — etwas voreilig, wie sich herausstellt, da er von feiner Großmutter, Lady Maris, welche die ganze Fa-
Renate Müller als Fahrlehrerin Gerte Winter, milie nach patriarchalischen und sehr englischen Grundsätzen regiert, finanziell völlig abhängig t|t. So kommt es, daß er vom Standesamt weg zum 75. Geburtstag der alten Dame nach England reisen muß, ohne seine junge Frau mitnehmen zu können ... ja, sogar ohne daß er daheim von ferner Hochzeit etwas zu sagen wagt, weil ein solches Geständnis eine Palastrevolution gleichkommen wurde, und weil die energische Großmama sich ihrerseits eine ganz andere und sehr aparte Geburtstagsfreude ausgedacht hat: die Verlobung ihres Enkels nämlich mit einem jungen Mädchen aus einer der ersten Familien des Landes. (Was das für eine Familie
Lustspiels und liefert eine verblüffende Kopie der Marlene Dietrich. O d e m a r hat so gut wie nichts zu spielen; schade. Sehr lustig ist aber der aus vielen Filmen bekannte Berliner Lausejunge Hans Richter, diesmal im Eton-Jäckchen, aber sonst wie immer. — Reinhold Schänzel hat den Film (Produktion der Europa) mit Geschmack und Humor inszeniert.
Im Beiprogramm: ein Marionettenscherz; ein Bildbericht von den steinernen Wundern Indiens; dazu ein Vorspann zu dem großen Expeditionsfilm „Nagana". —r—
Vom Vogel Greif.
Von Werner Lenz.
In vielen deutschen Wappen kehrt das Bild des Greifen wieder, dieses „Zaubertieres aus dem Morgenlande". Pommern — als Land — und pommersche Städte in Fülle sowie pommerscher Adel führen das Greifenwappen. Dem „Vagel Grip" feiner Heimatstadt hat der Rostocker John Brinck - mann sein dichterisches Werk gewidmet. Städtenamen wie Greifswald, Greifenhagen, Greifenberg gibt es in Norddeutschland zahlreich. Aber auch im Westen und Süden unseres Vaterlandes ist der Greif nicht unbekannt. 3ft_er doch Schildhalter z. B. des badischen Wappens. Selbst in der Schweiz gibt es einen Greifensee. Bei Wetzlar gibt es eine Ruine Greifenstein, und das sächsische Erzgebirge besitzt die „Oreifenfteine", felsige Klippen ihres schönen Bergwaldes.
Eingeführt ist der Greif wohl sicher durch die Kreuzfahrer. Im Orient finden wir dieses Fabeltier schon vor Tausenden von Jahren in der babylonischen, dann in der mykenischen und überhaupt in der griechisch-archaischen Kunst. Auch die Etrusker kannten den Greifen schon. Syrien und Palästina vor allem vermittelten die Bekanntschaft des Greifenbildes den deutschen Kreuzrittern. Die Darstellung des Fabelwesens hat sich aber ein wenig gewandelt. Im Altertum steht er mit seinem Löwenleibe auf vier Pranken, hat am Löwenkopfe einen Adlerschnabel und sodann zwei Flügel. Manchmal hat er einen Adlerkopf. Diese Auffassung nähert sich schon der heraldischen Abbildung, zumal der pommerschen Greifen. Sie stehen auf zwei Hinterfüßen eines Löwen, erheben sich aber mit ihrem Raubvogelkopf und drohen mit Adlerkrallen! Nun erst also von einem „Vogel" Greif zu sprechen. Der Schweif ist — wie auch im Altertum — der eines Löwen, aber sonderbarerweise gilt im Märchen die „aus dem Greifenschwanz gerupften Feder" als zauberkräftig.
Nun, das Zauberische ist eigentlichstes Wesenselement des Greifen. Er symbolisiert in der alten Kunst das geheimnisvolle Wesen des Göttlichen schlechthin, zumal aber — und das hat besonders die Wappenkunst übernommen und fortentwickelt — auch den Mut, die Weisheit, die Macht, die Schnelligkeit und — den Reichtum. Wächter des Goldes ist er schon frühzeitg, und auch im ,Zyust", 2. Teil, kehrt er als solcher wieder. Auch Begleiter des Gottes Apollo ist der Greif. Selbst in der christlichen Kunst wurde das Tiersymbol der Greifen verwendet, obwohl er doch als „heidnisches Wesen" hätte anrüchig sein können, da er besonders im Sonnenkulte eine Rolle gespielt hat. Das Gelb der Sonne, des Löwenleibes und des Goldes steht offenbar in einem Zusammenhang, der noch dadurch unterstrichen wird, daß Gold, Sonne, Löwe die herrschende Macht des Lebens verkörpern.
Die Beflügelung und die Scharfäugigkeit des königlichen Vogels, des Adlers — manchmal deutet man auch den Habicht als Teil des Greifenwesens — tun das ihre zu dem eindrucksvollen Bilde weltlicher und göttlicher Macht, als das der Greif verehrt, aber auch gefürchtet wurde. Es ist also kein Wunder, daß man sehr begehrte, von einem ©reifen wirkungskräftige Teile zu besitzen. Außer der Schwanzfeder brachten fahrende Leute auch „Greifenklauen" und „Greifeneier" aus dem Morgenlande heim. Die Wissenschaft hat aber diese Wundergaben später entlarvt. Die Klauen waren Hornteile fossiler Rhinozerosse, die Greifeneier aber — Straußeneier!
Sochschulnachrichien.
Professor Dr. Heinz Marr an der Universität Frankfurt ist zum Direktor des Seminars für Soziologie ernannt worden.
Professor Dr. Karl M u h s , Ordinarius für wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Universität Greifswald, ist in gleicher Eigenschaft an die Universität Halle berufen worden.
Professor Dr. Wilhelm Hort, Extraordinarius für mechanische Schwingungslehre an der Technischen Hochschule Berlin, ist zum Ordinarius ernannt worden.
Professor Dr. Friedrich Schultze -Rhonhos, Extraordinarius für Geburtshilfe und Gynäkologie an der Universität Heidelberg, ist zum ordentlichen Professor an der Universität Breslau ernannt worden.
Professor Dr. Hermann Junker, der Leiter des Deutschen Instituts für ägyptische Altertumskunde in Kairo, ist. als Ordinarius für Aegyptologie an die Unitierfität Kairo berufen worden.


