Ur. 288 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Dienstag, l0. Dezember (935
Oer Blindenhund in der Lehre
Seine Ausbildung mit Hilfe des »künstlichen Menschen".
Dann erst kann er entscheiden, wann er seinen „künstlichen Menschen" sicher von Kante zu Kante führen kann.
Hat der Hund diese Ausbildung erfahren, dann tritt an die Stelle eines „künstlichen Menschen" e i n
um die technische Ueberlegenheit der Gäste nicht überhandnehmen zu lassen. Zum andern hatte Hochelheim noch Ersatz in seinen Reihen, so datz also gar keine Hoffnung bestand, einigermaßen gut abzuschneiden. Mit diesem erneuten Spielverlust
Mit höchster Verwunderung verfolgen wir auf der Straße die zielsichere Arbeit der Blinden- Hunde, die ihre Herren sicher durch alle Gefahren des Verkehrs leiten. Dank ihrer zuverlässigen Hilfe kann der Blinde auf jede andere Begleitung verzichten, und er gewinnt ein Gefühl der Unabhängigkeit und Selbstsicher- h e i t, das ihm sein Los nicht unwesentlich erleichtert.
Es ist selbstverständlich, daß die Führhunde für diese überaus schwierige Tätigkeit, bei der sie niemals fehlen dürfen, eine sorgfältige Ausbildung erlangen müssen; denn man verlangt ja schließlich eine ganz ungewöhnliche Leistung von ihnen, an die sie keineswegs von Natur aus gewohnt sind. „Immer wieder muß man sich vergegenwärtigen, daß diese Aufgabe von dem Tier verlangt, daß es „Menschendinge" berücksichtigt, daß es wie ein Mensch auf Dinge reagiert, die doch in seiner „Hundeumwelt" nicht von Bedeutung und somit als solche nicht vorhanden sind." An diese Feststellung knüpft Dr. E. G. Sarris in der im Hugo Bermühler Verlag erscheinenden Zeitschrift „Der Naturforscher" die Forderung, daß bei der Auswahl der Hunde mit großer Sorgfalt vorgegangen wird. Eine zwei- oder dreitägige Beobachtung des von den Züchtern gelieferten Tieres reicht nicht aus, über seine Fähigkeiten zu entscheiden. Dazu ist eine mindestens zwei- bis dreimonatige Beobachtung notwendig, an die sich eine Eignungsprüfung nach streng wissenschaftlichem Verfahren anschließen muß, in der besonders Schund Gehörschärfe, Erregbarkeit, Gedächtnis, Orientierungsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Intelligenz verlangt werden.
Dann beginnt, nachdem der Hund zunächst lernte auf Kommandos zu hören und zu apportieren, die Ausbildung mit Hilfe eines „künstlichen Men- s ch e n". Damit der Hund sich daran gewöhnt, auf „Menschenhindernisse" zu achten, die nur für den Menschen, nicht aber für den Hund Hindernisse sind, wird ihm ein leichter zweirädriger Wagen angehängt, durch den er zunächst die Bodenhindernisse für den Menschen kennenlernt. Dies „Gespann" verhilft dem Hund zu der Erfahrung, daß er die sich ihm in den Weg stellenden Hindernisse nicht ohne weiteres so nehmen kann, wie dies seinen Anlagen entspricht. Da gibt es einen Graben, in dem der Wagen stecken bleibt, Schienen, über die er nicht hinwegkommt, und Treppen, über die er sich nicht einfach hinab- und Heraufziehen läßt. Zunächst wird das Tier einen Umweg suchen, dann aber bleibt es in der Mitte der Straße, weil es hier weniger Hindernisse als an der Häuserseite trifft.
Schwieriger ist es, ihn auf hochliegende Hindernisse aufmerksam zu machen, an die er selber nicht anstößt. „Zu diesem Zweck wird ein Gestell in die Höhe und Breite eines Menschen an den Wagen angebracht. Mit Hilfe dieses „künstlichen Menschen" lernt das Tier, Briefkästen, offenstehende Fenster usw. umgehen. Dabei besteht für den Hund die größte Schwierigkeit darin, die Höhe in der sich ein Hindernis befindet, abzuschätzen. An einem Gestell, dessen verstellbare Querstange ein Hindernis in beliebiger Höhe darstellen kann, läßt man den Hund mit seinem „künstlichen Menschen" sein Augenmaß üben".
In der Tat erreicht man auch, daß der Hund, nachdem er immer wieder an die Querstange gestoßen ist, davor stehen bleibt. Aber daraus darf noch nicht der Schluß gezogen werden, daß der Hund jetzt seine Aufgabe sinngemäß erfaßt hat; denn er bleibt von nun an auch stehen, wenn die Querstange auf den Boden gelegt wird, und selbst die zwei senk
rechten Pfähle allein veranlassen ihn schon, ein Hindernis zu erwarten. Es ist also das Gestell als Ganzes, was ihm als Hindernis erscheint und nicht nur die Querstange in einer bestimmten Höhe. Erst nach vielen Versuchen kann er die situationsgemäße Bedeutung erfassen und Höhe und Breite abschätzen.
Am schwersten ist für den Hund jedoch die Abschätzung der Entfernung eines sich bewegenden oder stillstehenden Gefährts. Er orientiert sich hauptsächlich auf akustischem und nicht auf optischem Wege, und so muß er erst lernen, seine akustischen Erfahrungen mit der Geschwindigkeit eines herannahenden Fahrzeuges zu verbinden.
Mensch, der sich blind stellt. Und zwar muß die betreffende Person die Augen schließen und sich wirklich der Führung durch den Hund überlassen, um sich nicht anders zu verhalten, wie es der Blinde selbst tun wird. Schließlich tritt an die Stelle der sich blind stellenenden Versuchsperson ein Blinder selbst, an den sich der Hund indes erst gewöhnen muß, ehe er seine Aufgabe zur Zufriedenheit erfüllen kann. „Durch dieses neue Verfahren, Führ- hunde für Blinde auszubilden, wird der Hund nicht nur Verständnis für seine Aufgabe und somit die Fähigkeit, dem Blinden ein wirklich zuverlässiger Führer zu sein, gewinnen-, sondern — was von großer Bedeutung ist — er wird seiner Selbständigkeit nicht beraubt."
3m Zeichen der fünf Ringe.
Starke polnische Beteiligung.
Das polnische Olympia-Komitee hat unter dem Vorsitz seines Präsidenten Oberst Glabisz die Frage der polnischen Beteiligung an den einzelnen Kämpfen der 4. Olympischen Winterspiele endgültig entschieden. Polnische Mannschaften werden am Eisschnelllauf, Eiskockey, Ski-Abfahrtslauf, Ski-Langlauf, Ski-Kombinationslauf, Ski-Springen und am Militär-Patrouillenlauf teilnehmen. Von Mitte Dezember ab werden Polens Olympia-Skiläufer einem Spezialtraining unterworfen, das von dem norwegischen Trainer Sandvyk geleitet wird.
kommt kusoczinski nicht?
Polens bekannter Langstreckenläufer Kusoczinski, Olympia-Sieger von Los Angeles über 10 000 Meter, ist infolge einer Verletzung feines Knies immer noch nicht in der Lage, das Training wieder aufzunehmen. Kusoczinski will auf die Teilnahme an den 11. Olympischen Spielen in Berlin verzichten, wenn er bis zum Januar nicht soweit hergestellt ist, daß er mit dem Training beginnen kann.
Estland schickt 50 Mann.
Aus Reval wird gemeldet, daß Estlands Olympia- Expedition 40 bis 50 Mann stark sein wird. Die estländischen Sportler wollen sich an folgenden olympischen Wettbewerben beteiligen: Ringen, Boxen, Gewichtheben, Leichtathletik, Schwimmen, Rudern, Korbball, Pistolenschießen, Jollensegeln und in Garmisch am Eisschnellauf, Eiskunstlauf und
Skilauf. Für die Vorarbeiten sollen 7500 estnische Kronen aufgewandt werden. Für die Expedition nach Garmisch und Berlin stehen insgesamt 20 000 Kronen zur Verfügung.
Vorbereitungen der Schweizer Hockeyspieler.
In Zürich tagte der Vorstand des schweizerischen Hockey-Verbandes. Er beschäftigte sich besonders mit den Vorbereitungen für das Olympische Hockey- Turnier 1936 in Berlin und beschloß, am 18. und 19. April in Luzern ein nationales Turnier unter der Teilnahme der besten schweizerischen Mannschaften zu veranstalten. Dieses Turnier dient der Zusammenstellung zweier Auswahlmannschaften, die einem Spezialtraining unterzogen werden sollen. Uebungsspiele sind für den 17. und 24. Mai anberaumt. Am 31. Mai folgt dann der Länderkampf gegen Holland. Im Laufe der Monate Juni und Juli finden weitere Dorbereitungsspiele gegen die schon in Europa weilenden Olympia-Mannschaften von Japan und Afghanistan statt.
10 Nationen beim Segel-Olympia.
Für die olympischen Segel-Wettbewerbe auf der Kieler Förde, die vom 4. bis 14. August durchgeführt werden, liegen bereits jetzt die festen Meldungen von 10 Nationen vor. Es sind dies: Norwegen, Schweden, Großbritannien, Holland, Italien, Estland, USA., Schweiz, Ungarn und Japan. Gesegelt wird um die Gold-Medaillen in vier Klassen und zwar der 6-Meter- und 8-Meter-!?-Iachten, der Star-Klasse und der Olympia-Jolle.
Handball im kreis VIII (Lahn-Dill).
Es macht sich bereits eine kleine Müdigkeit bei einzelnen Vereinen bemerkbar. Denn sonst könnte es nicht vorkommen, daß verschiedentlich Punkte kampflos verschenkt wurden. Es ist das ein Zeichen, das man immer dnd immer wieder feststellen kann, und das nicht allein für Handball in Frage kommt. Schlechtes Wetter, Abwanderung von Spielern, Aussichtslosigkeit usw. sind hier die Hauptgründe. Trotz alledem ist es eigentlich nicht recht zu verstehen, warum man dann zu derartigen, keinesfalls sportlichen Maßnahmen schreiten muß. Es ist immer noch schöner, in Ehren zu verlieren, als in Unehre, d. h. schon vorzeitig die Waffen zu strecken. Hoffentlich hört das in Zukunft auf, zumal für die Vereine doch nur Unannehmlichkeiten daraus erwachsen.
Vezirksklasie.
Tv. Lützellinden — Tv. Heuchelheim 13:4 (9:1). Lützellinden hat dieses Spiel auch in dieser Höhe vollkommen zu Recht gewonnen. Seine Mannschaft war dem Gegner um eine Klaffe überlegen. Was Lützellinden an Schnelligkeit, Stellungs- fpiel jedes einzelnen Mannschaftsteiles zeigte, war erstklassig und so durchdacht, daß Heuchelheim nicht dagegen angehen konnte. Nach der Pause änderte sich das Bild allerdings etwas. Heuchelheim kam auf, konnte aber trotzoem eine Verbesserung des Ergebnisses, weil die Einheimischen auf der Scheibe waren, nicht mehr erreichen.
Tv. Hochelheim — Tv. Wetzlar 2:11 (1:6). Der Eifer der Einheimischen reichte nicht aus.
hat Hochelheim den Anschluß an die Spitzengruppe verloren.
1. kreisklafse.
Tv. Groß-Rechtenbach — Tv. Atzbach 8:3 (3:1): Wenn wir schon im Vorbericht die Möglichkeit eines Sieges der Einheimischen offen ließen, dann mit Recht. Rechtenbach ist in der Zwischenzeit so gut geworden, daß man mit einem Aufschießen in die Spitzengruppe rechnen kann. Denn in dieser Form wird sich noch manche Mannschaft beugen müssen.
2. Kreisklafse.
Tv. Dutenhofen — To. Allendorf (Lahn) 8:1 (3:1): Dutenhofen hat sich für die in Allendorf erlittene Niederlage revanchiert und zwar zu Recht. Die Gäste konnten bei diesem Spiel nicht gefallen und waren weit von ihrer sonst gezeigten Form entfernt. Der eingestellte Ersatz und die dadurch hervorgerufene schlechte Verständigung der Mann- schaftsteile machte sich bemerkbar. Trotzdem mürbe das Spiel noch bis kurz vor Schluß offengehalten. Erft als man sah, daß alle Bemühungen umsonst waren, klappte die Mannschaft zusammen und mußte sich in wenigen Minuten fünf Tore gefallen lassen. Diese Niederlage mag für die Allendörfer ein Ansporn sein, wenn sie Wert darauf legen, die Spitze der Tabelle anzuführen.
To. N a u b o r n — To. Wetzlar II 15:6. Wetzlar trat nur mit sieben Mann an, so daß die Punkte kampflos an Nauborn fielen. Das ausgetragene Freundschaftsspiel endete mit einem hohen Sieg der zur Zeit in glänzender Form spielenden Einheimischen.
Tv. Katzenfurt — To. Mandeln 12:2(5:2). Jugendklasse.
Tv. Dutenhofen — To. Wetzlar 5:8 (3:4)
Tv. Niedergirmes — Spo. 05 Wetzlar 5:6 (3:3) Lang-Göns — Garbenteich 5:2 (3:1) Krofdorf — Londorf, kampflos für Krofdorf Wißmar — Ruttershausen, kampfl. f. Wißmar Hätte nicht Münchholzhausen bereits sicher die Führung, dann wäre es Wetzlar, das ihm diese streitig machen könnte. Denn die Jungens haben gestern wieder ein ausgezeichnetes Spiel gezeigt, gegen das auch die gute Mannschaft der Einheimischen machtlos war. — Auch die Mannschaft des Spv. Wetzlar wird von Spiel zll Spiel beffer. In Niedergirmes zu gewinnen, will schon etwas heißen. — Lang-Göns hat mit diesem Sieg die Staffelmeisterschaft sichergestellt. Es ist kaum anzunehmen, daß die Elf noch von einer Mannschaft geschlagen werden kann. Damit sind zwei Mannschaften des Tv. Lang-Göns an der Spitze und im Endkampf um die Kreisjungendmeifterschaft. — ©rüningen hat es nicht fertiggebracht, den „Lokalrivalen" auf eigenem Platz zu schlagen. Ein Zeichen dafür, daß Holzheim zur Zeit schön zusammenspielt.
Sportverein 1920 Lollar.
Infolge Erkrankung und beruflicher Unabkömmlichkeit einzelner Spieler konnte der SV 1920 Lollar leider am letzten Sonntag nur ein Spiel austragen, und zwar spielten:
Lollar I — Grünberg I 8:0.
Sofort nach dem Anpfiff fetzte sich Lollar in der Hälfte des Gegners fest und schnürte ihn vollkommen ein. Grünberg konnte sich bis zum Ende des Spieles nicht mehr aus der UmHammerung freimachen. Bereits bei Halbzeit stand das Spiel 3:0 für den Tabellenführer. Er war stets einseitig und Grünberg konnte nie gefährlich werden. Dadurch litt auch das Spiel des Siegers in beträchtlichem Maße, die Mannschaft spielte zum Schlüsse lustlos und ließ den nötigen Schneid vermissen. Aller- gings legten sich auch die Spieler in diesem leichten
„Oer grüne Domino."
Lichtspielhaus.
Dieser Film der Ufa geht auf ein Schauspiel „Der Fall Claasen" von Erich Eb ermay er zurück; wir kennen dieses Stück nicht und vermögen daher das Verhältnis von Drehbuch (Harald Bratt und Emil Burri) und literarischer Vorlage zueinander nicht zu beurteilen. Aber mir erinnern uns noch sehr deutlich des Films „Maskerade" und feines außergewöhnlichen Erfolges, und es ist interessant zu beobachten, wie jene Fabel von 1905 und die Inszenierung von Forst nachgewirkt und Einfluß ausgeübt haben. Schon „Episode" versuchte den großen Erfolg von „Maskerade" mit ähnlichen Mitteln zu wiederholen; auch hier finden wir eine Reche von Motiven, die Erinnerungen daran wecken. Es ist nicht nur das Kostümfest im Mittelpunkt der Handlung, sondern überhaupt das Spiel mit dem schon sehr historisch wirkenden Kostüm (diesmal von 1914), dazu die verschlungene und etwas verwirrende Führung der Fabel, die irgendwie an „Maskerade" erinnert. Allerdings ist das Kostüm hier nicht als historisch reizvolle, auf den heutigen Beschauer anziehend wirkende, willkürliche Einkleidung des Stoffes gewählt, sondern im Stoff selbst begründet: wir haben hier eine analytische Fabel, welche gleich zu Anfang aus der Gegenwart in die Vergangenheit springt und den um zwanzig Jahre zurückliegenden „Fall" Stück für Stück und Szene um Szene aufrollt, um erst ganz zuletzt mit der Lösung wieder zum zeitlichen Ausgangspunkt zu führen. Was nun diesen „Fall" angeht, um den es sich handelt, so ist er viel zu kompliziert, um ausführlich nacherzählt zu werden: es ist die Geschichte einer unglücklichen Ehe, einer großen Liebe und eine aus beiden sich ergebende Kriminalgeschichte, alles zusammengenommen wirkend wie der Rohstoff zu einem figuren- und handlungsreichen Roman, interessant, wenn auch nicht durchaus erfreulich, aber sehr spannend und auch sehr filmgerecht. Das Spiel mit Maske und Verkleidung (daher der Titel!) ist ja im Film wie auf dem Theater feit undenklichen Zeiten anziehend und reizvoll, und der Regisseur Herbert Selpin hat auch ein feines Gefühl bewiesen für die Möglichkeiten der Verfilmung zweier zeitlich auf verschiedenen Ebenen ablaufenden Handlungsreihen, die innerlich und schwerwiegend miteinander verbunden sind. Allerdings ist cs ihm nicht überall aelungen die Vorgänge so bis ins Letzte mit der Kamera zu erfassen und ins Bild aufzulösen, daß der Beschauer am Ende ohne eine ungelöste Frage im Herzen sich erhöbe: vermutlich wird ihm verschiedenes erst nach einem Blick ins Programmheft (hinterher) klar werden, was er eigentlich auch
ohnedies wissen mühte. Der starke Spannungsreiz des Films wird freilich dadurch eher erhöht als beeinträchtigt. — Gut ist in fast allen Teilen die Besetzung. Besonders erfreulich die Wiederbegegnung mit Brigitte Horney, die wir zuletzt in dem' Film „Ein Mann will nach Deutschland" sahen: auch hier besticht wieder die Sammlung, die verhaltene Leidenschaft, die mit sparsamsten Mitteln wirkende Gabe dieser Schauspielerin, ein großes und starkes Gefühl spürbar werden und mitempfinden zu lassen. Sehr überzeugend auch Alice Treff in der schillernden Rolle der oberflächlich-pikanten Gegenspielerin. Zwischen beiden Frauen Karl Ludwig Diehl, dessen zurückhaltende, gedämpfte, manchmal fast ein bißchen ungeschickt wirkende Art, sich zu geben, vorzüglich zu der Figur paßt, die er hier zu spielen hat. Sehr nobel und gediegen, wie immer, Theodor Loos; überraschend sicher auch Erika von Thellmann in einer kleinen Charaktercharge, die ihr niemand zugetraut hätte, der sie vor zehn Jahren munter und unbeschwert auf der Operettenbühne tanzen sah. Sonst sind mit tüchtigen Leistungen noch Hans L e i b e 11, Erwin Klietsch , Walter I u n g , Eduard Wesener, Waldemar L e i t g c b , Margarete Schön und Trude Hesterberg hervorzuheben.
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Der Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus. Daneben sieht man im Beiprogramm einen interessanten Kulturfilm aus dem Leben der Ameisen, die neue Ufa-Tonwoche und einen Vorspann zur „Leichten Kavallerie". ~r
Blühender Schnee.
Don Ernst Bacmeister.
Klaus Bruhn hatte seinen Posten trotz der strengen Dezemberkälte nicht ungern bezogen. Gegen die Kälte schützte ihn der dicke Schafpelz. Die Sonne stieg ihren kurzen Bogen am klaren Himmel eines windstillen Tages hinan. Nach der düsteren Enge des verräucherten Unterstandes war man so dankbar, diese herbe Luft zu atmen und sich in die lichten Räume auszudehnen.
Wie schön war die reine Stille. Unberührter, m Unschuld schweigender Schnee, unabsehbar. Selbst der Drahtverhau vor dem Graben nur noch durch die Spitzen der Pfähle angedeutet. Jeder trug zierlich sein'weißes Käppchen. Der Feind? Man glaubte fast nicht mehr an ihn nach dieser wochenlangen Ruhe. Der Krieg war im russischen Winter einge^ schlafen, eingefroren, eingeschneit und schien sich selber vergessen zu haben. .
Klaus Bruhn kümmerte sich wenig um Die stählerne Deckung des Postenschildes und blickte sorglos in die eintönige Ebene hinaus, die erst in wei
ter Ferne durch dunklere Wälderstreifen begrenzt war. Seine Heimat in Deutschland war bergig. Dort tilgte der Winter die Formen der Landschaft nicht, sondern gewann eine eigene Gestalt an ihr. Hier war der Winter gestaltlos, dafür aber ewiger und erhaben-selbstgewifser. Er empfand ihn wie eine festliche Todesnähe. Immer entbundener feierte feine Seele das Fest der fernen Einsamkeiten mit.
Doch die unfreie Nähe sprach dazwischen. Zu bald für fein Herz würde er in die Maulwurfstiefe zurück müssen. Klaus Bruhn stieß an etwas Innerliches an. Dann lächelte er, doch nur wie ein Husch der Helle, die alsbald in Schatten versank. Wie hatten sie einst — auf der Universität — über die Willensfreiheit des Menschen gestritten! Dies zähe, bittere Problem. Darüber gestritten, bis sie kriegsfreiwillig im unausweichlichen Zwang der Geschehnisse von aller unfruchtbaren Dialektik genasen und klar und einfach an die Sache des Vaterlandes Hingaben.
Klaus Bruhn unterließ es zur Stunde, diese Bahn des Denkens weiterzudenken, und blickte in das schöne, stille Feindesland hinaus. Da geschah es, daß ein roter Blitz von seitwärts in sein Auge traf und ihn veranlaßte, Unwillkürlich nach dieser Stelle hinzublicken. Ein besonders großer Schneekristall, vom Sonnenstrahl günstig getroffen, warf ihm von dort das Licht, in glühendes Purpurrot gebrochen, gegen die Pupille. Kaum aber war fein Blick auf diesen farbigen Funken im weißen Einerlei der Umgebung hingelenkt worden, als auch schon nahe dabei ein blauer und dort ein anderer gar in fabelhaftem Violett. Bald war es im Spiel der prismatischen Berechnungen ein ganz reiches Farbsterngewimmel, das Klaus Bruhn immer bewußter entdeckte, und mit Entzücken vor sich ausbreitete, bis ihm der Schnee wie eine feelige Märchenwiese von diesen farbigen Funkenblumen blühte. Aber auch jede einzelne konnte er in der Farbe wechseln lassen, wenn er selber sich leise bewegte. Dann spielte sie für sich allein die ganze Herrlichkeit des Regenbogens durch. So erschuf sich Klaus Bruhn in seinem Schafpelz, der deutsche Soldat im russischen Winter, am hellen lichten Tage aus eigener Macht einen friedlichen Weihnachtshimmel voll kindlicher Beglückung.
Doch danach wandelte sich das Kind wieder zum Manne, der von reiferer Freude durchdrungen wieder zu sich selber sagte: Wie ist dies nun? Hier in meinen Augen, ist das nicht mein Blick und Wille, der sich diesen Zauber frei erschafft? Hier, in der Front meines Wesens, in der vordersten Spitze meines persönlichen Schicksals: wer greift mir da noch hinein? Ich tu es ober ich lasse es. Weißer Schnee ober bunte Funkenwiese: wie ich mag. Unendliche Landschaft oder ein Glimmerstern: wie ich mir's erwähle. Blau dieser Stern oder rot: wie mir's beliebt.
Das Glück ureigenen Erkennens brach in ihm auf und enthob ihn aus der bedingten Lage in den Aether des unbedingten Geistes. Die Gedanken schwangen immer größer, und siehe, in dieser Stunde wurde Klaus Bruhn aus vertiefter Eigenwahl noch einmal der Freiwillige des Krieges, der schon lange war.
Als die Ablösung kam, ein schlichter, selbstverständlicher Soldat, sagte Klaus Bruhn, indem er den Postenstand räumte: Ein blühender Tag!
Der Kamerad lachte, ohne zu wissen warum. Nur die Freude schwang in ihn über.
Zeitschriften
— Neben dem italienisch-abessinischen Konflikt sind es die Ereignisse im Fernen Osten, die unsere Aufmerksamkeit im besonderen Maße beanspruchen. Im neuen Heft der „I l l u st r i r t e n Zeitung" (I. I. Weber, Leipzig) schildert W. K. v. Nohara in einem reich illustrierten und spannenden Bericht die militärische Lage in China, die verzweifelten Anstrengungen der Zentralregierung um die Schaffung und Erhaltung einer Nationalarmee und den Kampf gegen die kommunistischen Heere im Innern. Wir erhalten einen guten Uenberblick über den Stand deschinesischen Wherwesens, der in dem Moment, da ein bewaffneter Konflikt zwischen Japan und China wieder bedrohlich in die Nähe gerückt ist, von großem Jnteressee ist. — Von den Bildberichten, des auch sonst sehr reichhaltigen Heftes, sind besonders hervorzuheben ein Bilderbogen mit sehr stimmungs- hervorzuheben ein Bilderbogen mit sehrniloOkbte vollen Ausnahmen aus dem Volksleben und der Landschaft des deutschen Schwarzwaldes, Bilder vom Leben des jungen Soldaten und vom neuen Deutschen Opernhaus in Berlin.
— Jede junge Mutter hat ihre Erfahrungen in der Ernährungsweise des Säuglings und Kleinkindes, und doch kommt einmal der Augenblick, wo sic einen guten Rat haben möchte. Es tauchen Fragen auf, die sie gern von berufener Seite beantwortet hätte: Wann erfolgt z. B. das erste Anlegen des Neugeborenen und in welchen Abständen, welche Trinkmengen sind als Durchschnittsmegen zu werten, wie ist es später mit der Beikost beim Brustkind und wie beim Flaschenkind usw. lieber alle derartigen Fragen kann sich jede junge Mutter gut unterrichten durch das Elternfachblatt „Mutter und Kind" (Verlag Staude, Berlin W 30). Das Dezemberheft bringt wieder einen solchen Artikel. Im übrigen steht der Inhalt unter dem Eindruck des nahenden Weihnachtsfestes: „Mütter fingen — Kinder fingen", „War das der Weihnachtsmann?", „Kleine Kinder und ihre großen Geschenke", „Selbstgemachte Kasperlepuppenköpfe" — das sind die Themen, die hier behandelt ' werden.


