Ausgabe 
10.10.1935
 
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nt.257 Zweite; Blatt

Siebener Anzeiger «Seneral-Anzeiger (flt Bderhesien»vsnnerrtag, 10 Sstodek (955

Großkundgebung der RGOAP in Gießen.

Prinz August Wilhelm lyncht in der Volkshalle vor rund 6000 Menschen.

Die Volkshalle zu Gießen war am gestrigen Mittwochabend wieder einmal die Stätte einer ein­drucksvollen und denkwürdigen Kundgebung der NSDAP. Im Zeichen der HI.-Werbung hatte die Partei zu einer Großkundgebung auf­gerufen, und diesem Rufe waren schätzungsweise rund 6000 Männer und Frauen gefolgt, so daß die Volkshalle bis zum letzten Plätzchen besetzt war. Reicher Flaggenschmuck gab der Halle ein festliches Bild. Bis zum Beginn der Kundgebung unterhielt der Musikzug der SA.-Standarte 116 unter Leitung des Musikzugführers 'Herrmann die Riesenoer­sammlung mit schneidigen Märschen.

Nach dem feierlichen Einbringen der Fahnen der Ortsgruppen und der Betriebszellen mit gleichzei­tigem Einmarsch der-Politischen Leiter folgte der Einzug der HI. und des Jungvolks mit ihren Fahnen, sodann marschierten die Ehrenstürme der SA. ein, an ihrer Spitze SA. - Gruppenführer Prinz August Wilhelm von Preußen mit Standartenführer Lutter, gefolgt von dem Feldzeichen der Standarte und den Fahnen der Gießener SA Die Versammlung grüßte die Fah­nen und die einmarschierenden Formationen in der üblichen Weise.

Kreispwpagandaletter Schmelz

licher Hinsicht, daß sie nicht, wie einst, unter Politik die Jagd nach Ministersesseln und hohen Gehältern verstehe, sondern nur eine saubere Führung des Volkes. Für einen jungen Menschen sei es bestimt nicht schlecht, wenn er sich schon in ju- gendlichen Jahren um die Führung seine Volkes be­kümmere. Sich darum bekümmern sei nicht nur das Rech t, sondern auch die Pflicht dieser deut­schen Jugend.

Diese Jugend wolle nur Pflichten auf sich nehmen, denn dafür fei sie da.

Sodann wies der Redner in großen Zügen auf die Kampfiahre der Bewegung hin. Mit scharfen Worten geißelte er dabei die damalige Verdorben­heit in weiten Kreisen der jungen Menschen, die in jenen Jahren keine stolze deutsche Iuaend darstellten, sondern als Produkt der Erziehung durch das über­wundene System nur einlächerlicher Haufen von Ilmmybuben, Iazzlümmeln und Gehirnakrobaten war, die von einer Tanzdiele zur anderen zogen, nur verrückte Tänze tanzten und verrückte Lieder sangen." In jene Zeit des Verfalls habe der Führer seine Iungmannschaft hineingestellt, und für die HI. habe die Losung gegolten:

Am Anfang war die Tat! Am Anfang war der Wille zur Leistung, zur Arbeit und zum Kampf!

migkeit und gegen die Lügen und Verleumdungen, die von dieser Seite her immer wieder gegen die Hitler-Jugend gerichtet würden. Jenen Gegnern gab er zu bedenken, was wohl aus den Kirchen und der Religion in Deutschland geworden wäre, wenn, der Bolschewismus gesiegt hätte und Adolf Hitler nicht an die Macht gekommen wäre. Ob dann nicht aus den Kirchen Tanzsäle gemacht worden wären, oder ob man die Kirchen überhaupt noch hätte stehen lassen?

Gegen Lügen und Verleumdungen, wie auch gegen Terror* gegen die 5)3. müsse der Kampf weitergeführt werden

Die HI. fürchte diesen Kampf nicht, denn sie sei die Jugend, sie habe die Einsatzbereitschaft, die Treue, die Ehrlichkeit und die große Gemeinschaft, die alle zusammengeschmiedet habe in der national­sozialistischen Bewegung.Wir sind alle Kamera­den, wir sehen vor uns die Fahne leuchten und sehen nur ein Ziel: Deutschland! Dafür wol­len wir kämpfen.

Deshalb rufen wir die Jugend in unsere Bewe­gung hinein und bitten die Eltern, ihre Kinder miterleben zu lassen die große Idee des Ratio- nalsozialismus. Deshalb marschieren wir für

HZ. an die Front!

An die junge Garde Adolf Hitlers!

Wenn Ihr in diesen Tagen marschiert wie wir, trommelt wie wir, werbt wie wir, dann sollt Ihr wissen, daß die Alte Garde voll und ganz hinter Euch steht. Rur zu genau wissen wir, daß wir noch weit von dem gesteckten Ziel sind. Wir fehen aber auch Euer ehrliches Streben zu diesem Ziel! Und fo wollen wir immer Kameradschaft halten und die im Kampfe erworbene eherne Grundfahtreue der Alten Garde mit der vorwärts ft ürmenden Kraft der Jugend vereinigen. In alle Zukunft sollen neben­einander marschieren: die Alte und die junge Garde Adolf Hitlers für das nativ- nalfozialiftifche Deutschland!

heil Hiller!

Adalbert Gimbel, 217.b.R. Referent der Alten Garde.

eine Fahne, einen Führer, ein Reich und einen Herrgott?"

(Langanhaltender, stürmischer Beifall!) Anschließend sangen 250 Hitler-Jungen und etwa 150 Mädels vom BDM. begeisternd' für die Riesenversammlung das aufrüttelnde Lied der JugendVorwärts, vor- wärts!".

gegen spröde Haut

ÄffÄJS-

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nun, viel Kunst ist nicht dabei. Man läßt sie Gras fressen wenn's nicht anders ist, bis Weihnachten. Danach aber das ist Beruf, das will gelernt sem! Denn was in vier Wochen nicht geschafft ist, fünfzig Pfund Hafer soll die Gans in dieser Zeit fressen das bleibt unrentabler Kram. Die Großhändler drücken den Preis, und Krankheiten gibt es, Dlph- theritis. Wenn die Gans so macht hier kickst der Sprecher, halsruckend, peinvoll dann hat sie was weg. Warmes Wasser, andere Medizin gibt es nichts Na, und dann das Wetter da soll man auch Glück haben: je kälter, desto besser. Erstens frißt dann die Gans gut; zweitens bleibt sie den ganzen Tag sitzen, weil sie sonst so kalte Beine kriegt. Sitzen schlägt nun mal überall besser an, ist's nicht so. ...

Meine Teilnahme steigert den Erzähler. Plötzlich

bloß aus den Federn ...

Die Federn bringen den Mann ganz wieder ms Gleichgewicht. Sie fallen ihm sozusagen vom Him­mel, da er alle Unkosten auf den Braten abschiebt ... Dhab aber Arbeit gibt's ich soll nicht glauben, daß er so, wie er da sitzt, alles alleine schafft. Die ganze Familie muß helfen, besonders beim Rupfen. Der Mann weist seinen breiten Schusterdaumen vor. Maschinen, die für alles da sind: für den Ganse­rupfer hat noch keiner eine erfunden! Hier schwelg der Mann, fühlt sich eine Sekunde benachteiligt, kickst wie eine Diphteritisgans, lächelt zufrieden die Ware, die er heute abnimmt, ist unter Garantie

im Bilde bleibend, getrost, wie die Gans beschaffen ist, die man selber auf mehr oder weniger gediege­ner Hafermast hat ...? , .

Die Bremsen ziehen an: kleine Haltestelle der Wilstermarsch, nasser Bahnplatz, zerfahrene Kohl­köpfe, rote Bauernhöfe, um deren Giebel und grü­nes Strohdach Astwerk kahler Bäume strahlt. Hinter den Gittern eines Pferches kreischt es, flattert es

SA-Gruppenführer Prinz Aimii Wilhelm von Preußen

auch in den höheren Dienststellen der Bewegung, immer wieder hinausschicke in das Land, damit sit

im Volke wirken und arbeiten können zum Segen von Volk und Vaterland.

Hierauf setzte sich Prinz August Wilhelm mit seinen Kritikern auseinander von denen man­cher ihm zum Vorwurf machte, daß er die aristokra­tische Lebensform verlassen habe und sich in kame­radschaftlichster Weise im Volke bewege und be­tätige, ja sogar wie er unter lebhafter Heiterkeit der Versammlung in Einzelheiten erzählte schon auf Ochsenmärkten gesprochen hat. Jene Kritiker hätten im Hinblick darauf ihm gegenüber den Alten Fritz zitiert, er aber erklärte hierzu, sein Ahne werde sicherlich zu ihm gesagt haben:Mein Sohn, das hast du richtig gemacht!" Er habe sich also immer mit ganzer Tatbereitschaft für die Bewegung Adolf Hitlers eingesetzt, und er habe in der Kampfzeit immer gehofft, "daß sich schon damals mehr Volks­genossen aus den gebildeten Kreisen anschließen wür­den. Leider sei das aber nicht der Fall gewesen. In diesem Zusammenhang streifte der Redner auch kurz die jüngsten Vorgänge unter den Studenten, und er betonte dabei, daß er sich auch in diesen Kreisen soweit sie ihm nahestanden, lange Zeit bemüht habe,

das erforderliche Verständnis für die neue Zeit zu wecken.

von der Versammlung mit stürmischem Beifall be- arüßt, wies zunächst darauf hin, daß nach der Fanfare der Jugend nunmehr die Stimme des rei­feren Alters ertöne. An die älteren Zuhörer richtete er die Aufforderung, sich einmal selbst zu fragen ob sie in ihrem Leben in dem jungen Alter des Vorredners wohl auch in der Lage gewesen wären, über ihre Weltanschauung so zu sprechen, wie eben dieser junge Mensch zu dieser Versammlung gespro­chen habe. Wer ehrlich sei, müsse diese Frage nur mitNein" beantworten. Sodann legte er dar, daß der junge Vorredner, den er weder der Person, noch dem Herkommen nach kenne, und er als Ael- terer der nach seinem Herkommen und auch nach seiner Person bekannt sei, trotz der Verschiedenheit ihrer Lebensjahre und trotz der Verschiedenheit ihres Herkommens

einig unb geschloffen zusammenstehen in bem (Bebanten, unserem großen Führer unb feiner Bewegung zu bienen.

Wenn die Zuhörer allein schon diese Erkenntnis mit nach Hause nehmen würden, dann wüßten sie, was aus Deutschland geworden sei, seit die von Adolf Hitler geschaffene Volksgemeinschaft bei uns marschiere, und daß es keine Widerstände gebe, die von den Jungen und von den Aelteren nicht nieder- gebrochen würden. Gegenüber manchen Auffassun­gen, daß die Aelteren so etwas wieKalkhaufen" seien betonte der Redner, daß man auch unter grauen Haaren junge Herzen finde, und daß sich Menschen mit solchen jungen Herzen durch­aus für das Werk des Führers einsetzen. Er betonte weiterhin die Notwendigkeit, daß jeder immer weiter an sich arbeiten muß, um durch sein Leben den anderen als Beispiel voranzugehen, da der große Umbruch noch lange nicht alle Volks­genossen erfaßt habe, die aber durch das gute Beispiel zu gewinnen seien. Er erwähnte so­dann, daß der Führer seine alten Kampfgenossen,

eröffnete die Kundgebung mit einem besonderen . Grußwort an den Pg. Prinz August Wil­helm als den überzeugten Nationalsozialisten und ' treuen Kameraden aus der Kampfzeit. Er sagte dann u. a. weiter: Ich stelle fest, daß die heutige Kundgebung, ebenso wie die vorige Kundgebung mit dem (Bauleiter Sprenger als Redner, ein deut­licher Beweis dafür ist, daß

in der Stabt unb im kreise Gießen bk über­große Mehrheit ber deutschen Bevölkerung in unerschütterlicher Treue zur Bewegung unb zum Führer steht. (Stürmischer Beifall.)

Das zu bekunden, soll auch der Zweck dieser Kund­gebung sein. Deutschland ist national; sozialistisch und wird nativnalsvzia- listisch bleiben! (St'"'rmische ZultirnungJ Un­sere heutige Kundgebung steht im Zeichen der Wer­bung für unsere HI, der Garantin dieser national­sozialistischen Zukunft.

Zunavoll-GebielsMmWagmr, der Führer des Jungvolks für das Gebiet Hessen- Nassau, wies als nächster Redner einleitend auf den Dienst der HI. unb des Jungvolks in der gegenwärtigen Werbezeit unter der ParoleHI. an die Front!" hin. Er betonte dabei, daß die Jugend des Führers immer alle Kraft einsetzen werde bei der Erfüllung ihres Dienstes, daß sie so lange marschieren unb werben werbe, bis ber letzte beutsche Junge unb bas letzte beutsche

Möbel in ber 5)3. stehe.

(Beifall.) Daß sie immer noch weiter marschieren werde und trommeln, bis der letzte deutsche Volks­genosse den Nationalsozialismus in sich erlebt habe, und daß sie auch dann immer weiter marschieren werde, um der Welt zu zeigen, daß wir alle das neue Deutschland (eben und erleben. (Lebhafter Beifall!) Die HI. roetbe immer so blei­ben, wie der Führer es ihr gelehrt habe: niemals Menschen der Bequemlichkeit, sondern immer Kämpfer, Soldaten, Revolutionäre, die immer nur marschieren für das eine Ziel: für Deutschland! v p v.

Weiter betonte der Redner, daß die Jugend von heute in ihrer Beschäftigung mit politischen Dingen eine hohe Verpflichtung erblicke, auch in charakter-

niger tollkühn war ein Mann, der um viertausend Mark wettete, er werde einen Kraftwagen die steile teinerne Wendeltreppe herunterfahren, die den Pa­riser Nordbahnhof mit dem Ostbahnhof verbindet. Die Treppe hat dreihundert Stufen, und der Wagen sauste sie mit erstaunlicher Schnelligkeit herunter. Als er unten ankam, waren zwei Gummireifen ge- platzt, die Vorderräder waren an den Achsen ver­bogen und der Motor etwas beschädigt. Aber der waghalsige Wagenführer war nicht verletzt. Er er­hielt seine viertausend Mark, mußte aber einen be­trächtlichen Teil davon zur Bezahlung einer Geld­strafe erlegen, zu der ihn ein Pariser Gericht verurteilte. Diese Wette erinnert an eine tolle Fahrt, die vor einigen Jahren in Washington ausgetragen wurde; dort fuhr ein Mann namens William Shields auf einem Zweirad die Steintreppen von dem Capitol in Washington herunter. Die westliche Treppe besteht aus vierundsiebzig Stufen, die durch drei Absätze unterbrochen werden, von denen einer sieben Meter und die beiden anderen je drei Meter breit sind. Wenn Shields diesen Versuch bei Tage gemacht hätte, so würde ihn sicher die Polizei daran behindert haben. Er mußte also eine Zeit abwarten, wo nur wenige Personen an dieser belebten Stelle waren. So wählte er den frühen Morgen, sprang rasch auf sein Rad und sauste herunter; beim ersten Absatz verlor er die Pedale, aber nicht das Gleich­gewicht; die Griffe der Lenkstange umklammernd, jagte er weiter, die Augen fest auf die Stufen ge- heftet.Er kam herunter wie ein Wirbelwind", sagte einer der Photographen, die unten roarteten^unb es war nur ein Augenblick, den das Rad brauchte, um die letzten Stufen in einem Sprung herabzu- qleiten.Fahrer und Rad stürzten auf der Erde zusammen nieder, und alle Zuschauer glaubten, daß der Mann tot fei. Aber er hatte sich nicht einmal eine Beule geholt. Noch erstaunlicher war die Lei­stung" von Charles Kilpatrick, der bald darauf die noch steileren Stufen der Osttreppe vom Capitol her- unterfuhr; dabei hatte Kilpatrick nur ein Bein. Be­kannt sind die verschiedenen Versuche, auf einem Drahtseil den Niagarafall zu überqueren; aber noch irrsinniger war die Wette eines gewissen Williams, der den Fall überqueren wollte, mit seinen Zähnen an einem schlappen Seil hängend. Er kam nur bis zur Hälfte und mußte dann von einem Boot geret­tet werden, nachdem er mit den Zähnen eine halbe Stunde an dem Draht gehangen batte.

Hochschulnachrichten.

Professor D. Dr. Hans Emil Weber, Ordinarius für neutestamentliche und systematische Theologis an ber Universität Bonn, ist in gleicher Eigen» schäft in bie Evangelisch-theologische Fakultät bet Universität Münster versetzt worben.

Zeugen für diese hohe Einstellung der Gesinnung seien die 21 Gefallenen der HI. .Als Träger des Namens des Führers sehe sich bie Hitlerjugend in einer hohen Verpflichtung, bie sie stets rein erhalten müsse. Weiterhin betonte ber Rebner, baß bie Ju- genb in ber HI. in einem Geiste erzogen werbe, bei dem nicht nach bem Herkommen, ber Konfession, ober dem Stand usw. gefragt werde, sondern bei dem nur die Kameradschaft, das feste Zu- s a m m e n st e h e n, bie gleiche Verpflich­tung im Dienst unb bie v o l l e H i n g a b'e an bie Idee des Führers Geltung habe. Diesem Erziehungs- werk an ber Jugend gelte die Arbeit der Führung von früh bis spät.

Im Hinblick auf diese hohen Ideale richtete der Redner den mahnenden Aufruf an die Eltern:

Schickt uns euere Jungens unb Mädels, damit wir sie in der 5)3. fo formen können, wie der Führer sie braucht. Eine neue Zeit ist ange­brochen und für diese neue Zeit müssen wir ganze Kerle formen und schmieden!

Sodann machte er darauf aufmerksam, daß die Pflege der Tradition in den Reihen der HI. immer eine gute Stätte habe, die HI. ganz bewußt nach Potsdam gezogen sei und dort ihre Fahne vor dem großen Preußenkönig neigte. Die HI. bekenne sich immer zur Tradition, wenn diese gut für unser Volk sei. Und sie sei stets be­reit, alles zu beseitigen, was unserem Volke Scha­den bringe. Höchstes Ziel ihres Strebens sei die Schaffung einer einzigen großen Gemein­schaft im (Seifte des Führers. Bewußt werde in der Hitler-Jugend die Erziehung darauf eingerichtet, daß schon der Pimpf sich stolz fühlen könne als kleiner politischer Soldat seines Führers, als ein ganzer Kerl. Daran müßten auch die Väter und Mütter ihre Freude haben.

Im weiteren Verlaufe feiner Rede wies ber Jungvolk-Gebietsführer mit Nachdruck alle Vor­würfe und Unterstellungen gegen die Hitler-Jugend : als angebliche Förderer von Gottlosigkeit ober Wo- tanskult als burchaus unbegrünbet zurück. In die- jem Zusammenhänge nahm er in scharfer Weise i Stellung gegen bie Devisenschiebereien unter Mih- i brauch des kirchlichen Gewanbes, ebenso wandte er , sich mit Nachbruck gegen Heuchelei unb falsche Fröm-

Das Gänsemannchen.

($in Erlebnis von Helene Voig<-Diederichs

Schatze in dieser Jahreszeit du wirst nicht viel von deiner Reise nach Norden haben!" grüßt eine sanfte Stimme am Hamburger Hauptbahnhof zu mir ins Abteil. ...

Hochziehen bes Fensters: schon rollt der Zug über die Lombardsbrücke. Kupfergrune Turme, perlmut­ternes Alsterbecken, flinke kleine Dampfer, dreieckiges Segelweiß Häuser schwimmen drumherum, blu- ^Mtt^gegenüber ist ein einziger Mitfahrer. Schnau­fend legt der Mann in der ländlichen Joppe den Hut weg, trocknet seine Stirn, blinzelt freundlich erschöpft. Offenbar treibt es ihn, etwas zu sagen, zugleich färbt sich sein Gesicht von der Anstrengung des Schweigens unversehens schwappt die Rede ^Reise" na^) Norden hat foeben bie T^me am Bahnsteig gemeint? Haha was das betrifft ... nun, man ist froh, baß man den Zug noch erwischt hat. War nämlich Nebel auf ber Elbe, da hat das Schiff von ber Harburger Seite .De^^patung ge­habt .. Der Sprecher unterbricht sich, sinnt, schüt­telt ben Kopf, wehrt mit beiben Hauben:Was glauben Sie wohl, wenn kein Auto dagewesen Sann hätten Sie den Zug nicht gekriegt?" sarsch-

Nach einer schmunzelnden Pause beginnt er seine Familie vorzustellen: die alte Mutter, ein erwachse- ner Bruder, eine verheiratete Schwester, ber Schwa­ger faßt auch mit zu. Fremde Leute wer will bas befahlen' Außerbem, wer nicht mit ber (Bans grofe geworden ist - mit dessen Hilse wird s nn Leben nichts. Seine eigene Frau, die .st waschecht - ha w fiaufe mit sieben Jahren schon dran gemußt. Ist all bie Jahre sein bester Kompagnan gewesen ...

fiier weist ber Rebselige auf eine blonbe Kette, hie fidi über sein Westenbäuchlein spannt: von ihren chaa -N - ie hat sie ihm ins Feld geschieh zum Küstenschutz aus Sylt ... Kein Bubikops, ehrlich aus- aekämmt - was meint die Dame wohl, wie lang­st- dasür gesammelt hat? Keine falsche Antwort vorausqemeßend, dreht er sein Kleinod und kickst dazwischen, froh, daß er sich s leisten kann, heute, da alle Vögel gesund sind ...

Die Zeit im Zuge ist ihm gut vergangen lobt er Schade gleich muß er aussteigen ... Wahrend er' die I°PP- zuknöpft, entschließt er sich zur wich- iaen Frage. ,,Sie fahren noch weiter? So Uber den Kanal? Nach Meldorf Verwandte besuchen?

'^Man^hätte sich glatt aushängen können -! Strickartig reißt der Mann mit dem Handstock an seiner Kchle entlang:Prost Gänsebraten für diesmal hat es also noch geklappt . .

Er läßt den Deckel seiner Taschenuhr siochsprmgen. Da bockt er, ein untersetzter Fünfziger, bäuerlich ge­kleidet, mit gut genährtem Gesicht; die chen sind ein wenig angeblaut. Seine Hande sind breit unb weich, griffgewohnt, boch ^ui bertes Werkzeug geht zwischen ihnen aus und ein. Vor allem sinb seine Augen da, rund, ein wenig vor- tretend pflegsam unb händlerisch zugleich, geübt tn der P licht ständiger Nachsicht - ganz ohne N p gung ich in bie diesige Himmelstiefe der Elbrnarsch zu heben, die draußen vorbeistreicht.

Was, meinen J5ie, hätten die Gänse ohne mich aU^bneeneineIe2lntmort zu beanspruchen legt der m>nnnß(ns Die Gänse sie warten doch auj ihn, Mann los Die i diesmal! Der Güter-

em Schub von funsyu übep unb neben,

Snnnber bafi bie Ware sich nicht gegenkitig tot- E. Große Verlust- «anns geben - a^r au« hon Tieren will man das nicht antun ... 3ebes Haus hier in der Marsch zieht seme Ganse hoch -

von hunbertflüqeligem Weiß.

Das Gänsemännchen beutet Hinaus, verabschiebet sich; ohne eine letzte (Bube seinerseits geht es nicht ab:Da kann nun einer sagen, was er will, Keulen sinb besser als Brust!" So spricht er, ganz Berufsmann, der meiner sichtlichen Unterlegenheit mitmenschlich auf bie Beine zu helfen trachtet

Er stapft bavon; jenseits ber Schienen entschwin­det sein breiter Rücken. Ich stehe am Fenster, unb blicke ihm nach, bankbar, winke nachdenklich, wah­rend der Zug zu rollen anfängt.

Verrückte Wetten.

Wetten daß ..." Mit dieser Redewendung wird von manchen Menschen jeder Zweifel an ihren Aussagen zurückgewiesen. Was dabei durch Abschluß einer Wette unter Beweis gestellt werden soll das läßt sich gar nicht alles aufzählen. Zuweilen lohnt es sich im Scherz daraus einzugehen wenn es sich nur um eine Gedächtnisprüfung handelt. Aber wer sich durch Wetten zu waghalsigen Unternehmungen anspornen lassen will, der muß schon einenSp een haben wie der Engländer sagt. Oft setzen Wettende dabei leichtsinnig ihr Leben aufs Spiel. So vermaß fick ein englischer Akrobat namens Rogar, daß er von einem fahrenden Zug in die Seme herab pnn- gen würde, unb er gewann ferne Wette. Nicht we>

Das nicht gerabe ..." Diese meine Antwort wirb begreiflicherweise nicht für voll genommen. Wenn man nicht schon selber Gänse mästet unb will auch keine Verwandten besuchen nun, was ist denn sonst mit einem los? ' Der Mann sagt es nicht, aber er denkt es und ich sitze ganz benaut und grübele: wie dumm man läßt sich doch nicht beschenken mit rundem Le­bensinhalt zwei Stunden lang, ohne einen Pfiffer­ling zurückzugeben? Aber wie kann ich dem hand­festen Frager' damit kommen, daß ich lesen werde vorlesen vor fremden Leuten, die dasitzen ohne Zi­garre und Bier!? , , .. . .,

Angesichts solch unstofflichen Vorhabens wurde ich nachträglich sein ganzes Zutrauen verlieren vom verpaßten Schiff bis zur Haarkette der Eheliebsten.