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Ur. 210 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Montag, 9. September 1935

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Nürnberg rüstet zum Parteitag der Freiheit.

Parteitag der Zreiheit.

Von Johannes Jacobi

Wieder rollen die Züge aus Nord und Süd, Ost und West nach der alten Reichsstadt Nürnberg. Hunderte von Sonderzügen führen Hunderttausende deutscher Männer und Jünglinge in das fränkische Kleinod deutscher Städtebaukunst. Wieder leuch­tet in den schattigen Gassen das flammende Rot, die Banner der neuen Zeit wehen vor den grauen Fassaden jener Straßenzeilen, die wie eine Ver­steinerung deutschen Gemeinschaftslebens noch das zuckende, pulsierende Leben einer vergangenen Epoche erahnen lassen. Rote Teppiche hängen aus den Fenstern der Häuser, wie einst, wenn ein deutscher Kaiser in feierlichem Krönungszuge durch die Straßen schritt; wo damals die Sinnbilder deut­scher Reichsgewalt von den Teppichen und Bannern grüßten, leuchten heute die goldenen und silbernen Hoheitszeichen des wiedererstandenen und wieder­erstarkten Deutschen Reichs. St. Lorenz und die spitzen Fialen des schönen Brunnens, die gotischen Giebel des ehrwürdigen Rathauses und die Zinnen der Kaiserburg sehen wieder auf den Marschtritt wehrhafter Männer herab, die Stunde um Stunde in endlosem Zuge an ihrem Führer grüßend vor- überziehen.

Parteitag! Das ist keine Sitzung von Fraktionen, Abgeordneten und Vorständen mehr. Hier braucht keinParteivorsitzender" mehr seine Taktik im Par­lament und Regierung vor den Ausschüssen und Wählern zu verteidigen, in aufreibenden Rede­kämpfen mit den eigenen Gesinnungsgenossen um Billigung zu betteln oder sich von einerMehrheit" nichtverantwortlicher Funktionäre Vorschriften und Richtlinien geben zu lassen. Hier sind keine Men­schen, die mit Anklagen kommen und kleinliche Rechenschaft über Schritt und Tritt ihrer Führer in einem abgelaufenen Jahre verlangen. Diese Parteitage der deutschen Erneuerungsbewegung haben damit nichts zu tun. Trifft dieses WortPar­tei" noch den Inhalt, den es heute umschließt? Partei und Staat sind eins gewordenAlle Deut­schen Nationalsozialisten, die besten National­sozialisten Parteigenossen", so sprach der Führer in der großen Schlußrede auf dem vorjährigen Parteikongreß.Nicht der Staat befiehlt uns, wir befehlen dem Staat." Gesetze haben die Partei un­verrückbar in das Gefüge des Staatslebens einge­baut. Darf dann noch von Partei und Parteitagen gesprochen werden?

Ja! Die Partei ist unentbehrlich, ihre Aufgabe ist übergroß. Sie ist und bleibt die auserlesene, tn Kämpfen erprobte Minderheit, die als Quell politischer Willensbildung über die Reinheit der Idee wacht und das staatliche Leben, die gesamte Volksgemeinschaft immer von neuem mit den Kräf­ten ihrer Weltanschauung, ihres Kampfesmutes und dem unerbittlichen Willen zum Siege durchstromt. Die Partei war das Instrument, um das geistige Gesamtbild von den Zukunftsaufgaben unseres Vol­kes gegen die herrschenden Gewalten durchzusetzen. Damals war sie Partei im alten Sinne des Wor­tes. Das war notwendig, war Taktik und organi­satorisches Kampfmittel. Heute ist die Opposition verschwunden, ist sie unter die Erde getrieben. Die Bewegung wurde Partei in einem verwandelten Sinne. Als Ein-Partei ist sie heute der magnetische Pol im Kraftfeld einer von weiten und weiteren Ringen umlagerten Volksgemeinschaft. Sie wurde ein Orden, eine Führerschule, die das frische Blut, das ihr von unten immer wieder zuströmt, durch ge­steigerte Ansprüche, durch harte Exerzitien bildet, um' es an das eine Ganze abzugeben, dem allein sie dient, dessen besten Kern sie darsteM.

So ist der Parteitag im Dritten Reich die Selbst­darstellung der geballten Willenskraft eines ganzen Volkes. Hier erteilt der Führer die Parole für das kommende Jahr, hier empfangen Amtswatter und Parteigenossen die Befehle für ihre Arbeit. Die Tagungen sämtlicher Parteigliederungen dienen der Vertiefung fachlicher Sonderausgaben. Die Trager des nationalsozialistischen Aufbaues bezeugen in Massenaufmärschen die gesammelte Kraft ihrer Or­ganisationen: SA. und SS., Arbeitsdienst und poli­tische Leiter, Hitlerjugend und Wehrmacht! Die deutschen Soldaten waren schon im vorigen Jahre vertreten. Ein Tag des Programms war ihren Leistungen gewidmet. Diesmal aber wird der ganze Parteitag sein Gepräge durch das Heer erhalten. Parteitag der Freiheit" eines der höch­sten Ziele der NSDAP, ist erreicht, die deutsche Wehrhoheit ist wiedergewonnen worden. Es ist eine Ehrenpflicht der Armee, an der größten Kundgebung jener politischen Organisation teilzunehmen, die ihr das Selbstbestimmungsrecht, die Gröhe und freie Entfaltung wiedereroberte. Die riesige Zahl der Männer im grauen Waffenrock und die hervor­ragende Rolle, die ihnen in diesem Jahr in Nürn­berg zugefallen ist, wirkt wie ein Sinnbild. Hier feiert nicht ein abgekapseltes Sonderwesen sein Fest, das ganze Volk, einig in feinen Stämmen und ge­schützt von der Waffe des Soldaten, ist auf dem Parteitag zugegen.

Und trotz allem bleibt er ein Wunder. Was treibt die Menschen immer von neuem nach Nürn­berg? Warum geben Volksgenossen mit geringem Lohne ihre Ersparnisse und Urlaubstage für eine Reise, die ihnen ja keine körper'iche Erholung, keine Ruhe bietet, sondern harte Anstrengungen, enges Lagerleben und stundenlange Märsche in glühender

Die Riesentribüne aut der Zeppelinwiese in Nürnberg. (Weltbild-M.)

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Sonne verlangt? SA.-Männer marschieren zu Fuß quer durch das Reich von Ostpreußen nach dem Frankenland, Hitlerjugend aus Berlin trägt ihre Fahnen über die Landstraßen bis vor den Führer ins Nürnberger Stadion. Und was tau­schen sie ein für wochenlange Mühsal? Einige Minuten werden sie den Führer sehen, wenn sie strammen Schritts an ihm vorbeimarschieren, eine halbe oder eine Stunde hören sie seine Stimme, während seine Gestalt für viele als winziger Strich in weiter Entfernung bleibt... Tausendmal haben sie doch feine Züge auf Bildern oder seine mitreißenden Bewegungen im Film gesehen. Dennoch marschieren sie, marschieren aus einem Geheimnis, das Menschen in Bewegung setzt. Nüchterner Fragestellung ist es unzugänglich, aber seine Wirkungen sind schöpferisch.

Vielleicht kommt das manchem ahnungsvoll zum Bewußtsein, wenn er als winziger Punkt unter den Tausenden steht, die zur Totenehrung im Luipold- hain angetreten sind Durch eine lange weiße Gasse, umstanden von lebendigen Mauern in Schwarz und Braun, schreitet der Führer mit zwei feiner Ge­treuen, dem Stabschef der SA. und dem Reichs­führer der SS., den Weg zum Ehrenmal der Ge­fallenen. Einer für alle! Zahllose Augen heften sich an seiner schreitenden Gestalt. Alle Herzen stehen still, wenn er den Arm zum stummen Gruß er­hebt vor einer Tafel, die nichts enthält als die schlichten Worte:Den Toten!" Opferpfannen sen­den schwelende Rauchschwaden gen Himmel. Dann steht unsichtbar über dem riesigen Feld das Heer der Gefallenen. In mystischer Vereinigung von er­fülltem Opfertod und sehnsüchtigem Tattrieb birgt solcher Augenblick Schmerz und Schwur. Für we­nige Minuten wird der Vorhang vor dem Geheim­nis des Parteitags zur Seite gerafft und der Sinn des Ganzen leuchtet hervor.

Nur Mythos umgibt das gewaltige Geschehen. Wer nur nach greifbaren Zwecken und kalten Tat­sachen verlangt, wird feiner nie gewahr. Aber für die Verschworenen des Führers, in denen be­dingungslose Gefolgschaft die Kräfte echten Glau­bens entbanden, ist der jährliche Parteitag die Feier eines großen Kults, die festliche Offenbarung der Volksgemeinschaft. Männlich schlicht, soldatisch knapp sind die Formen aber groß ist der Sinn.

feierliche Einholung der Blutfahne in Nürnberg.

Nürnberg, 8. Sept. (DNB.) Die Blut- sahne, die sonst in München im Hause der Reichsführung der SS. aufbe­wahrt wird, ist am Sonntag nach Nürnberg gebracht worden. In Begleitung des Sturm­bannes i der Münchener SS.-Verfügungstruppe traf sie in einem Sonderzug auf dem Nürnberger Hauptbahnhof ein. Vor dem Gebäude hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden. Unter Dorantritt des Musikzuges, dessen Schellenbaum von dem größten SS. - Mann Deutsch­lands getragen wird, marschierte die SS. zum Marinetor-Schulhaus, wo die Feldzeichen der SS. Ausstellung genommen hatten. Die Blutfahne wurde vom Sturmführer Grimminger getra­gen. SS.-Standartenführer B r a ß n a ck machte dem Führer des Aufmarschstabes, SS.-Oberführer Mack. Meldung Sodann marschierte die Truvve

zum Schulhaus am Frauentorgraben, wo ein Ehrensturm der SS. die Blutfahne zu bewachen hat. Während der Musikzug den Präsentiermarsch spielte, wurde die Blutfahne in das Schulhaus ge­tragen. Der Marsch der SS. durch die Stadt hatte eine große Menschenmenge angelockt, die mit erhobener Rechten die Fahne und die Feldzeichen der SS. grüßten.

Ausländische Diplomaten beim Reichsparteitag.

Berlin, 7. Sept. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat auch in diesem Jahre die Chefs der ausländischen Missionen in Berlin als seine persönlichen Gäste zur Teilnahme am Reicksparteitag in Nürnberg eingeladen. Ihr Erscheinen haben zugesagt: der polnische Botschafter, der spanische Botschafter, der Kgl.

italienische Botschafter, ferner die Gesandten von Venezuela, Bolivien, Peru, Uruguay, China, Haiti, Bulgarien, Iran, Dominica, Guatemala, Pa­nama, der Kaiserlich japanische Geschäftsträger, die Geschäftsträger von Afghanistan, Nikaragua, Ecuador, Südafrika, Ungarn und Chile. Den Diplo­maten wird ein Schlafwaaen-Sonderzug zur Verfügung gestellt. In Nürnberg sind ver­schiedene Ausflüge vorgesehen, u. a. nach dem Boden­see mit Besichtigung der Zeppelinwerft. Auf der Reise werden die Diplomaten von dem stellvertreten­den Chef des Protokolls Gesandtschaftsrat von Le - o e tz o w und Legationsrat von Strempel sowie von einer aus sprachkundigen SS-Männern be­stehenden Mannschaft begleitet werden. Zum Kom­mandanten des Sonderzuges ist der SS.-Ober­führer General: mjor a. D. von Massow bestimmt worden, dem SA.-Sturmhauptführer von Ihne von der Kanzlei des Führers zugeteilt worden ist.

Deutscher Wald ist deutsches Volkstum.

Veichsforstmeister General Göring zur Tagung des Deutschen Foistvereins.

Berlin, 8. Sept. (DNB.) In einem Nachwort zur Tagung des Deutschen For st Vereins in Würzburg schreibt der Reicksforstmeister Her­mann Göring über die deutsche Forstwirtschaft in Vergangenheit und Zukunft u. a.:

Die deutsche Forstwirtschaft und Forstwissenschaft hat das muß in gerechter Würdigung ihrer Lei­stungen anerkannt werden eine große Ver­gangenheit, aber sie soll das ist mein Wille wie der wohl aller deutschen Forstleute eine größere Zukunft haben. In Deutschland hat die Wiege wissenschaftlicher Waldbewirtschaftung gestanden. Deutsche Forstwirtschaft und Forstwissen­schaft hat der Welt drei Ideen von weittragender Wirkung geschenkt, deren furlturelle und wirtschaft­liche Bedeutung nicht hock genug eingeschätzt wer­den kann: die Idee der Verbundenheit von Wald und Volksgemeinschaft, den Ge­danken der Nachhaltigkeit und die organi­sche Auffassung des Waldwesens.

Die Idee der Verbundenheit des Waldes mit der Volksgemeinschaft ist im deutschen Volke von alters« her tief verwurzelt. Aus der Gemeinschaftsidee des Waldes war inzwischen schon frühzeitig der zweite große Gedanke, der Grundsatz der Nachhaltigkeit der Forstwirtschaft, entsprungen. In Deutschland entwickelte sich aus jenem Gedanken an Stelle der rüheren Abbauwirtschaft eine Anbauwirt- chaft, eine systematische forstliche Nackhaltewirt- chaft. Freilich ging auch hier die Entwicklung nickt ohne Irrwege vor sich. Aus der Erkenntnis der Feh­ler entsprang der dritte Gedanke; der Dauer­waldgedanke entstand.

Alle diese großen Gedanken der deutschen Forst­wirtschaft und Forstwissenschaft tragen, wenn sie auch von vergangener Zeit stammen, viel von dem Geist des Nationalsozialismus in sich. Die Gemein­schaftsidee erstrahlt wieder in voller Reinheit. Sie wächst zu dem Gedanken: Deutscher Wald ist deutsches Volkstum. Vertiefung der Erkenntnis vom Leben des Waldes läßt aus der Idee her Nachhaltigkeit und aus her nrnanifdi 'n

Auffassung des Waldwesens den Gedankeck vom ewigen Walde entstehen. Ewiger Wald und ewiges Volk gehören zusammen.

Der Nationalsozialismus hat die Ideen der deut­schen Waldwirtschaft nicht nur vertieft und erwei­tert, er hat auch ihre Durchführung geför­dert und in tieferem Sinne auch erst ermöglicht. In den größeren Ländern wurden selbständige For st Verwaltungen gebildet, im Reich als oberste forstliche Behörde das R e i ch s f o r st a m t errichtet. Die Bereiche, die in engster Beziehung zum Walde und zur Forstwirtschaft stehen, wur­den zusammengeschlossen Hierzu gehört der Natur­schutz. Vor allem galt es, die Holzwirtschaft in engste Beziehung mit der Forstwirtschaft zu bringen. Die organische Auffassung vom Walde hat auf dem Gebiete der Waldwirtschaft zu neuen We­gen geführt. Die Holznutzung ist von der Fläche zum Einzelstamm gewandert. Damit die Erfüllung aller Aufgaben auf dem Gebiete der Forstwirtschaft vorangebracht werde, scheint es mir notwendig, daß die Tätigkeit der Forstoerwaltungs» behörden mit dem Reichsforstamt an her Spitze eine berstende Unterstützung aus den führenden Kreisen der For st wirt­schaft erfährt Ich beabsichtige daher in Kürze einen besonderen Beirat einzuberufen, den ick aus den besten Sachkennern der Forstwissen- scyaft und -Praxis und aus Angehörigen aller Be­sitzformen zusammensetzen werde

Auch der Deutsche F o r st v e r e l n hat an seinem Teil bei der Erfüllung jener Aufgaben mit­zuwirken. Dabei scheint mir die glückliche Zusam­mensetzung der Mitgliedschaft des Deutschen Forst­oereins eine besonders geeignete Grundlage zur Erreichung der gesteckten Ziele zu fein Ich bin überzeugt, daß der Deutsche Forstverein es als seine hervorragendste Aufgabe betrachten wird, an der Aufbauarbeit des Führers und damit an der Festigung unseres nationalsozialistischen Staates rückhaltlos und mit dem Einsatz aller Kräfte mit- »umir*'n "