Allgemeine Körperschule auf dem Universitätssport- platz am Kugelberg: 20 bis 21 Uhr für jüngere und 21 bis 22 Uhr für ältere Frauen fröhliche Gymnastik und Spiele in der Schillerschule. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „In goldenen Ketten." — Turnverein 1846 (Altersriege): 20 Uhr Turngang: Treffpunkt Ecke Wiesecker Weg.
Sippenforschung und Ariergutachten.
In der Öffentlichkeit sind Zweifel darüber entstanden, wie weit sich die Volksgenossen hinsichtlich der Festellung ihrer Ariereigenschaft der Hilfe der Reichsstelle für Sippenforschung in Berlin NW 7, Schiffbauerdamm 26, bedienen können. Dazu hört das Ndz., daß die Reichsstelle unter bestimmten Voraussetzungen jedem Volksgenossen zur Verfügung steht. Gegen eine Gebühr von 5 Mark für das Gutachten und 1 Mark für jede weitere Ausfertigung gewährt die Reichsstelle auf Wunsch Ariergutachten in allen Fällen, in denen die beteiligten Volksgenossen die erforderlichen Urkunden beibringen. Dabei werden entweder sogenannte „Beamtengutachten" ober „Parteigutachten" ausgestellt. Im ersteren Falle muß der Interessent entsprechend den Vorschriften des Berufsbeamtengesetzes usw. sein Ariertum durch die Vorlage von Urkunden bis zu den Großeltern einschl. dartun. Im letzteren Falle müssen, entsprechend den Arierbedingungen der NSDAP., die Urkunden zurückgehen bis einschl. der am 1. Januar 1800 lebenden Ahnenreihe. Auch Nichtparteigenossen können sich eines dieser beiden Gutachten durch Vorlage der Urkunden beschaffen. Im übrigen stellt die Reichsstelle für Sippenforschung fest, daß sie selbst keinerlei körperliche Untersuchungen anstellt und daß sie höchstens anthropologische Untersuchungen vermittelt, die aber nur in ganz seltenen Fällen in Betracht kämen, so z. B. wenn bei Findlingen Eltern nicht feststehen, oder in den wenigen Fällen, in denen die Urkunden aus dem Auslande beschafft werden müßten und in denen dies aus bestimmten Gründen nicht möglich ist, wie z. B. gegenüber in der heutigen Sowjetunion geborenen Deutschen.
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W ' n.5.=Gcrricinf(haft Saft durch freubc"
Die Wirte der Stadt Gießen, die Interesse für einen Ausschank bei dem diesjährigen Winzerfest am 31. August und 1. September in der Gießener Volkshalle haben, können die näheren Bedingungen auf unserer Geschäftsstelle, Schanzenstrabe 18, Zimmer 7, bis Samstag, 10. d. M., einsehen.
Betriebswanderwarte!
Am Sonntag, 11. August, findet in Kloster Arnsburg ein großes Sommerfest statt. Wanderungen an diesem Tage sind nach Kloster Arnsburg zu verlegen und so einzurichten, daß die Gruppen in den frühen Nachmittagsstunden eintreffen.
Omnibusfahrten.
Für den Monat Auaust find folgende Omnibusfahrten vorgesehen:
Am 18. A u g u st: Fahrt nach Königftein im Taunus, Fahrpreis mit Mittagessen 4 RM. — Fahrt in den Vogelsberg, Fahrpreis 3,50 RM. — Fahrt ins Lahntal, Fahrpreis 4,50 RM. — Anmeldeschluß 14. August.
Am 2 5. August: Burgenrundfahrt, Fahrpreis mit Mittagessen 2,50 RM. — Fahrt an den Edersee- Waldeck, Fahrpreis 4,60 RM.
- Am 24. August: Großer Willy-Reichert- Abend in der Volkshalle, Eintrittspreise 40 Pf. bis 1 RM.
Am 2 5. August findet, wie im Mai, nochmals eine Heidelberg-Fahrt statt. Fahrpreis mit Mittagessen 5 RM. Anmeldeschluß 17. August.
Am 31. 21 u g u ft und 1. September: Großes Winzersest in der Volkshalle Gießen. Näheres wird noch bekanntgegeben.
Die Abwraftprämie für Kraftdroschken kommi!
Maßnahmen zur Bekämpfung der Notlage des Krastdroschkengewerbes.
Der Reichsverkehrsminister hat zusammen mit dem Reichsfinanzminister eine „Verordnung zur Bekämpfung der Notlage des Kraftdroschkengewerbes" erlassen, die in den nächsten Tagen im „Reichsgesetzblatt" verkündet wird.
Die Verordnung ist nach eingehenden Beratungen mit allen beteiligten Stellen zustandegekommen. Die von einem Sachoerständigenausschuß des Treuhänders der Arbeit ausgearbeiteten Vorschläge sind dabei weitgehend berücksichtigt worden. Die Verordnung besagt folgendes:
Kraftdroschkenunternehmen, die zürn 1. Oktober dieses Jahres aus dem Gewerbe ausscheiden, kann eine einmalige Entschädigung aus Reichsmitteln gewährt werden. Voraussetzung ist, daß der Kraftdroschkenunternehmer das Gewerbe seit dem 1. Januar 1934 betreibt. Die Höhe der Entschädigung richtet sich danach, ob der Droschkenunternehmer freiwillig fein Gewerbe ausübt, oder ob ihm die Konzession für die weitere Ausübung des Gewerbes durch Beschluß der zuständigen Behörde versagt wird. Bei freiwilligem Ausscheiden erhält der Droschkenbesitzer in den Orten der Sonderklasse (besonders teuren Orten) 3000 Mark für die erste Kraftdroschke, für die zweite und jede weitere erhält er außerdem je 500 Mark. In Orten der Ortsklasse A gibt es 2500 (400) Mark, in allen übrigen Orten 2000 (350) Mark. Wer freiwillig ausscheiden und eine Entschädigung erhalten will, muß sich spätestens bis zum 31. August 1935 bei
der für den Droschkenverkehr zuständigen Polizeibehörde melden und einen entsprechenden Antrag stellen. Die ärllichen Organisationen des Reichsverbandes des Kraftfahrgewerbes werden den Drosch- kenbefitzern über die näheren Einzelheiten alle erforderlichen Auskünfte erteilen. In Orten unter 50 000 Einwohnern wird eine Entschädigung für freiwillig Ausscheidende nicht gewährt.
Will ein Droschkenbesitzer, dem die weitere Ausübung des Gewerbes versagt wird, eine Entschädigung erhalten, so muß er innerhalb eines Monats, von dem Tage an gerechnet, an dem ihm die endgültige Versagung mitgeteilt worden ist, einen Antrag bei der Polizeibehörde stellen. Eine Entschädigung wird nicht gewährt,, wenn die Genehmigung wegen mangelnder Zuverlässigkeit oder ungenügender Sicherheit und Leistungsfähigkeit des Betriebs versagt worden ist. Die Höhe der Entschädigung beträgt die Hälfte der Sätze, die bet freiwilligem Ausscheiden gewährt werden.
Mit der Neukonzessionierung des gesamten Krastdroschkengewerbes werden die Voraussetzungen Wegfällen, unter den seinerzeit den Kraftdroschkenbesitzern eine laufende Beihilfe aus Reichsmitteln bewilligt worden ist. Die Beihilfe wird daher mit dem 1. Oktober d. I. aufhören. Das Kraftdroschkengewerbe wird so in Zukunft auf eigenen Füßen stehen können und nicht mehr von laufenden Unterstützungen aus öffentlichen Mitteln abhängig fein.
Sportturse „Kraft durch $reui>e*.
Betrifft geschlossene Kurse.
Wir müssen darauf Hinweisen, daß die geschlossenen Kurse, besonders Reiten und Tennis, eine regelmäßige Teilnahme erfordern. Teilnehmer, die ohne zwingenden Grund die angesetzten Uebungs- siunden versäumen, haben keinen Anspruch auf Ersatz, und die Sportmarken verfallen. Diese Maßnahme muß ergriffen werden, um einen geregelten Kursusbetrieb zu gewährleisten.
*
Das Sportamt Gießen hat bisher folgende Kurse eingerichtet, an denen alle Volksgenossen, ob jung oder alt, teilnehmen können:
Fröhliche Gymnastik und Spiele.
Nur für Frauen.
Dienstags von 20.30 bis 21.30 Uhr: Lollar, „Zur Linde"; Donnerstags von 20 bis 21 und 21 bis 22 Uhr: Schillerschule,' Schillerstraße.
Schwimmen.
Für Frauen und Männer gemeinsam.
Montags von 18 bis 19.15 Uhr: Badeanstalt des Männerbadevereins; Dienstags von 19.30 bis 20.45 und 21 bis 22 Uhr: Wetzlar, Hallenbad: Mittwochs von 20 bis 21 und 21 bis 22 Uhr: Gießen, Volksbad; Samstags von 16 bis 17.15: Lollar, Lahnbad.
Achtung! Verlegen von Sportkurfen.
Während der Schulferien werden folgende Kurse in die Turnhalle der S ch i l l e r s ch u l e, Schiller- ftraße, verlegt:
Donnerstags von 20 bis 21 und 21 bis 22 Uhr: Fröhliche Gymnastik und Spiele nur für Frauen; Freitags von 20 bis 21 Uhr: Allgemeine Körperschule für Frauen und Männer.
Allgemeine Körperschule.
Für Frauen und Männer gemeinsam.
Dienstags von 19 bis 21 Uhr: Unioersitätssport- platz am Kugelberg; Donnerstags von 16 bis 18 Uhr: Unioersitätssportplatz am Kugelberg; Freitags von 20 bis 21 Uhr: Schillerschule, Schiller- strahe.
Reichssportabzeichen.
Für Frauen und Männer gemeinsam.
Donnerstags von 18.30 bis 20.30 Uhr: Univerfi- tätssportplatz am Kugelberg.
Tennis.
Für Frauen und Männer gemeinsam.
Montags von 18 bis 19 Uhr und 19 bis 20 Uhr: Städtische Plätze am Schützenhaus; Dienstags von 6.15 bis 7.15 Uhr: Städtische Plätze am Schützenhaus; Sonntags von 8 bis 10 Uhr: Städtische Plätze am Schützenhaus.
Achtung! Reue Tennisstunden!
Ab Sonntag, 11. August, ist für Anfänger und Fortgeschrittene von 8 bis 10 Uhr Uebungsmöglich- keit gegeben. Anmeldungen vormittags auf dem Sportamt, Schanzenstraße 18, Zimmer 7, Tel. 2919. Für Anfängerkurse werden Bälle und Schläger vom Sportamt gestellt.
Reiten.
Für Frauen und Männet gemeinsam.
Montags von 21 bis 22 Uhr: Reitschule Schömbs, Brandplatz; Dienstags von 21 bis 22 Uhr: Reitschule Schömbs, Brandplatz: Mittwochs von 20 bis 21 Uhr: Reitschule Schömbs, Brandplatz: Freitags von 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr: Reitschule Schömbs, Brandplatz. Für den Mittwochkursus sind noch einige Plätze frei. Interessenten wollen sich umgehend an das Sportamt, Schanzenstraße 18, Sprechstunden von 8 bis 13 Uhr, oder Telephon 2919, wenden.
Zagdkreis Gießen.
Ausbildung der Jungjäger.
Die Pressestelle des Kreisjägermeisters teilt uns mit:
Nach den Vorschriften des Reichsjagdgesetzes kann nur noch derjenige einen Jagdschein erhalten, der sich mit Erfolg einer Jägerprüfung unterzogen hat, wenn er nicht früher schon einen Jahresjagdschein besessen hat. Es hat sich nun überall, wo solche Prüfungen durchgeführt wurden, gezeigt, daß die Ausbildung der Jungjäger z. T. ganz außerordentlich zu wünschen übrig ließ und daß daher ein großer Teil die Prüfung nicht bestand, d. h. daß ihm der Jagdschein versagt wurde. Da aber die Prüfung nur
einmal wiederholt werden kann, liegt die Gefahr nahe, daß bei ähnlich mangelhafter Vorbereitung der junge Jäger sich selbst für immer von der Jagd ausschließt. Es muß anderseits anerkannt werden, daß die vielseitige praktische und theoretische Vorbereitung für manchen nicht leicht ist, wenn er nicht das Glück hat, einen tüchtigen Jäger als Lehrprinzen zu finden, der ihn so gut abführt, daß ihn die deutsche Jägerschaft gern als den Ihren in ihrs Reihen aufnehmen kann. Der Kreisjägermeister betrachtet es aber als feine Pflicht, an der Erziehung eines tüchtigen Jägernachwuchses mihuarbeiten und den Jungjägern zu Helsen. Er beabsichtigt daher, diesen im Laufe des Winters durch die Mitglieder des Prüfungsausschusses über die einzelnen Prüfungsgebiete Vorträge halten zu lassen und Hebungen zu veranstalten. Es kommt allerdings, ehe darüber weiteres gesagt werden kann, darauf an zu wissen, ob dafür genügendes Interesse vorhanden ist. Es werden daher alle etwa vorhandenen Interessenten aufgefordert, sich bis spätestens 1. September schriftlich zu melden bei dem Kreisjägermeister für den Kreis Gießen, Gießen, Stephanstraße 4.
„Zirkus der?OOO"«mfOswaldsgarten.
Für die kommenden Tage, zum Wochenende, wird wieder einmal ein Zirkus in unserer Stadt Einzug halten, und zwar ein neues deutsches Unternehmen, das zu 95 v. H. deutsche Artisten und Angestellte beschäftigt. Bei dem neuen Zirkus handelt es sich um einen großen Ein-Manegenzirkus, der von jedem, auch von dem billigsten Platze aus, alle Vorgänge genau verfolgen läßt. Namen wie Hagenbeck, Althoff, Mark usw., die auf beste circen- sische Tradition zurückblicken, sind mit dem neuen Zirkus verbunden, so daß man mit außerordentlichen Darbietungen rechnen kann. Das Programm, das drei Stunden in Anspruch nehmen wird, bringt eine Fülle der anregendsten Darbietungen. Die Eröffnungsvorstellung findet am Samstag um 20.15 Uhr statt. Auf die heutige Anzeige sei besonders hingewiesen.
Gießener Dochenmarktpreife.
* Gießen, 8. Aug. Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Land butter 1,40 bis 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 11, Wirsing (grün), das Pfund 12 bis 20, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 18 bis 20, Gelbe Rüben 10 bis 15, Rote Rüben 10 bis 15, Spinat 18 bis 20, Römischkohl 6 bis 10, Bohnen (grün) 25 bis 30, (gelb) 25 bis 35, Tomaten 30 bis 35, Zwiebeln 15 bis 18, Rhabarber 8 bis 10, Pilze 40, Kartoffeln (neue) 7 bis 8 Pf., der Zentner 5,50 bis 6 Mark, Frühäpfel, das Pfund 30 bis 45, Falläpfel 8 bis 10, Pfirsiche 45 bis 55, Himbeeren 60, Brombeeren 40 bis 50, Birnen 15 bis 50, Stachelbeeren 25 bis 35, Johannisbeeren 25, Pflaumen 28 bis 35, Zwetschen 35, Mirabellen 30 bis 45, Reineclauden 30 bis 35, junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 70 bis 80 Pf., Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 10 bis 80, Salat 5 bis 12, Salatgurken 10 bis 30, Einmachgurken IV2 bis 5, Endivien 5 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich 5 bis 20, Suppengrün 5 bis 8, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.
** Das Obst waschen! Ungewaschenes Obst weist, wenn es dem Staub oder dem Betasten mit den Händen der Verkäufer und Käufer ausgesetzt ist, Unmengen kleinster Lebewesen auf, die beim Verzehren dem Magen und dem Darm Gefahren bringen können. Manche dieser Bakterien sind frei-
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Wik sanden zueinander.
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22 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Auf der anderen Seite waren die Gemüsebeete. Die Bohnen standen sauber aufgebunden. Die Kohlköpfe drängten sich aneinander, der Salat stand fest und lichtgrün. Alles verschmolz in Farben und Duft.
Ein stolzes Leuchten kam in Marlens • Augen. Ihre Arbeit hier war gesegnet worden und wurde weiter Segen bringen, Segen und Trost. Diese Gärtnerei hier ringsum hatte sie gekauft. Hier arbeitete sie mit zwei Gehilfen zusammen von früh bis spät. Der eine Gehilfe, ein freundlich älterer, arbeitsloser Gärtner, verkaufte Blumen und Gemüse auf dem Markt in Berlin. Der Erlös reichte gerade aus, um den Lohn und die Kosten für Marlens bescheidenes Leben aufzubringen.
Niemand ahnte, daß die Pächterin dieses Landes hier nicht Marlen Korda, sondern in Wahrheit Gräfin Veltheim war. Nur der frühere Be- fitzer wußte es. Aber das war ein schweigsamer alter Mann, der zufrieden gewesen war, sein Land gut verpachtet zu haben, lleberbings war er sofort nach Abschluß des Vertrags zu seinen Kindern ins Rheinland gezogen. So durfte Marlen sicher fein, ihr Geheimnis yüten zu können.
Die Briefe von Karla ließ sie sich poftlagernb nach Berlin senden. Ebenso hatte sie Justizrat Niemann ihre Adresse „postlagernd Berlin" angegeben. Einmal wöchentlich fuhr sie herein, um diese Briefschaften in Empfang zu nehmen.
Georg sah sich mit frohen Augen um.
,4Tin kleines Paradies, das du dir hier geschaffen hast, Marlen. Aber sicher macht es viel Arbeit."
„Das schon, Georg. Aber Arbeit ist das einzige Mittel, um das Leben zu vergessen."
Georg sah Marlen erschrocken an. Was sagte sie da? Das klang ja, als ob sie im Grunde ihres Herzens nicht froh wäre. Aber als er sie fragte, schüttelte sie rasch den Kopf.
„Ach, Unsinn, Georg, bas war nur so eine Re- bensart. Weißt bu, meine alte schwebische Dame hat bas oft gesagt. Unb ich habe es so übernommen. Aber Arbeit ist wirklich bas Aller-, Allerschönste im Leben. Unb wenn man sieht, uue sie einem unter ben Händen gedeiht, dann ist man schon froh. Du weißt, ich bin mit Leib und Seele Landkind. Für mich gibt es nichts Herrlicheres, als den Boden zu bearbeiten, zu säen, zu pflanzen und zu beobachten, wie alles lebendig wird und sich entwickelt."
„Weißt du, Marlen", meinte Georg nachdenklich, als sie dann vor dem kleinen Blockhaus am Kaffee
tisch saßen, „du müßtest eigentlich einmal einen Landmann heiraten. Ja, ja, Marlen — weich' mir nicht wieder aus! Ich bleib' dabei! Ein Mädchen kann in seinem Beruf noch so glücklich sein: ihr Leben erfüllt sich doch erst dann wirklich, wenn sie Frau und Mutter wird. Und du, Marlen, du bist geschaffen, eine wirklich frauliche Lebensaufgabe zu haben. Weißt du, den Kerl, der dich mal mir entführt, den haß ich eigentlich schon im voraus. Aber wenn's mal sein muß, bann werbe ich mich fügen."
Marlen war blaß geworben.
„Ich hole nur noch einmal frische Milch, Georg. Und das mit Heiraten — bas schlag dir nur aus dem Kopf! Ick jedenfalls denk' nicht daran."
Georg sah Der schlanken, hellgekleideten Gestalt nachdenklich nach. Warum Marlen wohl immer so abweisend wurde, wenn er auf diese Frage zu sprechen kam? Hatte sie wirklich noch nie einen Mann gern gehabt? Oder war vielleicht irgendeine Enttäuschung in ihrem Leben, die sie selbst dem Bruder nicht anoertraute? Er mußte doch einmal mit ihr darüber sprechen.
Doch heute kam man nicht mehr dazu. Georg hatte Marlen noch sehr vieles von seiner Unterredung mit dem Deutschamerikaner, einem Mister Beyer, zu berichten. Er wollte sich auch heute abend wieder mit ihm treffen, um die näheren Bedingungen mit ihm zu verabreden. Das war Marlen sehr recht. Das war der Tag, an dem sie sich ihre Post abholen wollte.
„Ich komme mit dir, Georg", sagte sie. „Ich habe einiges in Berlin zu tun?
„Fein, kleine Marlen. Ich habe nur ein paar Stunden mit Mister Beyer zu tun. Sag' mal, konntest du nicht heute abend in der Stadt bleiben? Ich fände es so wunderschön, wenn wir morgen gemütlich miteinander frühstücken und dann vielleicht einen schönen Ausflug machen könnten."
„Aber wo soll ich denn wohnen, Georg? Zu dumm, daß mein Häuschen so eine kleine Puppenwirtschaft ist, daß du nicht bei mir logieren kannst."
„Dann bleibst du eben bei mir im Hotel", schlug Georg vor, „und morgen machen wir uns einen schönen Tag. Wir fahren mit dem Auto irgendwohin, vielleicht nach Chorin, sehen uns die alte schöne Burgruine an und bleiben den ganzen Dag draußen im Grünen beisammen. Ich habe schon einen Vorschuß von fünfhundert Mark von Mister bekommen — ich lade dich feierlich ein."
"Nun, bann kann ich es dir wohl nicht abschlagen , lächelte Marlen. „Gedulde dich noch eine bolbe ©tunöe. Ich packe schnell mein Köfferchen unb bespreche bann mit meinen Gehilfen bas Notigste."
Sie nickte Georg zu unb verschwanb.
Georg blieb behaglich im Korbsessel sitzen unb fab über bas Lanb. Es lag in der scheidenden Abendsonne mild und friedlich da. Wie glücklich hatte sich fein und Marlens Leben doch gefügt! Er
würde bald sein Ziel erreicht haben, bann würbe er reich sein, unabhängig, und konnte Marlen all ihre Sorge unb Mühe vergelten. Ob sie bann wohl hier ihre Gärtnerei aufgeben würbe? Fast bezweifelte er es.
Er hörte ihre Helle Stimme herüberklingen. Sie gab dem Gehilfen Anweisung.
„Vergessen Sie mir nicht, ben Salat noch einmal zu gießen, Franz", sagte sie zu bem jungen Gehilfen. „Ich bin morgen nicht ba. Und passen Sie auch gut auf das Häuschen auf."
Nun kam sie zurück.
„Wir können gleich fahren, Georg. Ich will mich nur noch ein bißchen auf Stadt zurechtmachen."
Lächelnd zeigte sie auf ihr blauweißgestreiftes Arbeitskleid mit der großen Arbeitsschürze davor.
Als sie nach kurzer Zeit aus dem Hause trat, staunte Georg wieder einmal über die Verwandlung, die mit seiner kleinen Schwester Marlen vorgegangen war. Sie sah jetzt aus wie eine ganz große Dame in ihrem weißen plissierten Seiden- rock und der rotweißgestreiften Hemdbluse, über die sie eine Smokingjacke aus roter Bastseide gezogen hatte. Ein kleiner Strohhut aus weichem, weißem Stroh mit einer flotten rotweißen Schleife, eine rote Handtasche, weihe Schuhe und Strümpfe paßten sich geschmackvoll dem Anzug an.
„Hergott, was hab' ich für eine schöne Schwester!" sagte Georg aus vollem Herzen.
Marlen gab ihm einen kleinen zärtlichen Klaps.
„Unb was hab' ich für einen verliebten Bruber! Aber von bir will ich mir bas Kompliment schon gefallen lassen."
Sie verschloß sorglich bas kleine Häuschen und gab ben Schlüssel bem alten Gehilfen.
„Auf Wiedersehen, Kinber. Macht euch morgen einen ruhigen Sonntag. Eine Kiste Zigarren unb eine Flasche Wein habe ich euch hinten in bic Gärtnerwohnung gestellt."
Sie gab ben Angestellten freundlich die Hand. Auch Georg verabschiedete sich herzlich.
„Es ist mir immer eine Beruhigung, Marlen, daß du so gute und zuverlässige Menschen hier hast. Du wohnst dock wirklich sehr abseits hier."
„Bei den beioen aber sicher, wie in Abrahams Schoß, Georg!"
Leichtfüßig ging Marlen neben Georg her. Ihr schönes, klares Gesicht trug jetzt den Ausdruck einer stillen Zufriedenheit.
„Ich bin ja so glücklich, Georg, daß wir uns jetzt so oft sehen können. Ich bin doch oft sehr einsam."
Georg schwieg. Wenn Marlen einmal ihre törichte Abneigung gegen eine Heirat aufgeben und einen lieben Menschen finden würde, der zu ihr paßte, dann würde sie nicht mehr einsam sein.
In schneller Fahrt glitt der Wagen die Chaussee über Potsdam nach Berlin entlang.
Georg fragte, wo er Marlen absetzen sollte.
„Ich habe beim Postamt am Potsdamer Platz einen Augenblick zu tun, Georg."
„Schön", entschied Georg, „dann warte ich und bring’ dich dann am besten gleich ins Hotel, um ein Zimmer für dich zu bestellen."
Bald umfing sie der brandende Lärm der großen Stadt. Autokolonnen reihten sich an Autokolonnen. Elektrische klingelten. Die Autobusse tuteten, die Radfahrer flitzten eilig hindurch. Geschickt wand Georg den Wagen durch das Gewimmel.
Vor dem Postamt hielt er an. Marlen ging hinein. Ein lebhaftes Treiben war hier in diesem Postamt im Zentrum des Großstadtverkehrs. Boten lieferten ganze Stapel von Briefen ab. Telegramme wurden aufgegeben. Fremde holten sich Auskunft. Die Sprachen aller Welt schwirrten durcheinander.
An einem Schalter mit der Aufschrift: Briefe — Einschreibsendungen — Telegramme — postlagernd« Sendungen — stand eine junge Dame in elegantem sandfarbenen Schneiderkostüm. Sie war gerade abgefertigt und frankierte ein paar Briefe.
Jetzt kam Marlen an die Reihe.
„Bitte, postlagernde Briefe für Gräfin Veltheim?" fragte sie.
„Jawohl, Frau Gräfin" — der Beamte schien Marlen zu kennen —, „einen Augenblick."
Er sah im Fach nach und schob Marlen drei Briefe hin.
„Danke vielmals!" sagte Marlen freundlich.
Die junge Dame in dem sandfarbenen Schneiderkostüm hatte bitzschnell aufgesehen. Ein scharfer, forschender Blick aus blauen Augen traf Marlen. Als Marlen jetzt das Postamt verließ, folgte ihr die junge Dame unauffällig.
Vor dem Postamt ging Georg auf und ab.
„Na, das ging ja schnell, mein Liebes", sagte er zärtlich und half Marlen in den Wagen. ,Nun komm, jetzt fahren wir zum Hotel. Ich habe in- Zwischen telephoniert — unsere Zimmer sind frei."
Er stieg ein. Die junge Dame winkte hastig ein Auto herbei.
„Fahren Sie dem kleinen grauen Wagen nach!" befahl sie.
„Jemacht", sagte der Chauffeur des Mietautos und folgte dem kleinen Wagen. Der fuhr über Öen Potsdamer Platz dem Tiergarten zu und hielt bald vor einem großen, eleganten Hotel.
Die junge Dame sah gespannt zu, wie Marlen mit ihrem Begleiter in das Hotel hineinging. Ein böses Lächeln lag um ihren schönen Mund.
„Das ist ja eine merkwürdige Entdeckung", sagte sie halb für sich. „Das wird meinen teuren Vetter Dietrich ja sehr interessieren. Also, so liegen die Dinge! Deswegen sind die beiden nicht zusammen! Aber ob er wirklich weiß, daß die Frau, die feinen Namen trägt, ganz öffentlich mit einem andern Mann Beziehungen unterhält? Ich bin neugierig, was er dazu sagen wird."
Sehr befriedigt kehrte Jutta von Bergfelde von ihrem Besorgungsweg in das Haus einer Schulfreundin zurück, bei der sie feit einiger Zeit zu Gaste war. (Fortsetzung folgt!)


