Nr. 132 Sechstes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag/Sonntag, 8./Y. Zum 1935
Oie Kanalisierung der Lahn.
Don Or. H. Danner, Gießen.
Oberheffen
Das Cahngebiet ist reich ausgestattet mit Bodenschätzen und Rohstoffen aller Art, wie Eisenerz, Phosphorit, Dachschiefer, Marmor, Basalt, Kalk, Ton, Braunkohle und Holz. Nach dem Verlust der lothringischen Minettelager ist neben dem Siegerlande Has Lahn-Dillgebiet das wichtig st e Eisenerzgebiet Deutschlands. Auf Grund einer staatlichen Maßnahme werden von den geförderten Eisenerzen jährlich 250000 Tonnen an die rheinisch-westfälische Industrie versandt, der Rest der Produktion (1934 — 350 000 Tonnen) wird in den eigenen Hochöfen des Lahn-Dillgebietes verarbeitet. Im Lahn-Dillgebiet befinden sich 34 Gießereien und fünf Hochöfen mit einer Gesamtbelegschaft von ca. 17 000 Hütten- und Gießereiarbeitern.
Neben dem Rheinland, Thüringen und Westfalen gehört das Lahn-Dillgebiet zu den Hauptproduktionszentren für D a ch s ch i e f e r. Dieser findet Verwendung hauptsächlich in der Bauindustrie. Hauptabsatzgebiete sind Bayern, Rheinland, Brandenburg und Berlin. Das Hauptoorkommen an Phosphorit liegt im Limburger Gebiet. Dieser wird heute in der Hauptsache als Zuschlag im Hochofen verwendet. Der im Lahngebiet ebenfalls vorkommende Schwerspat dient zur Herstellung luftbeständiger weißer Farbe und wird besonders auch in der chemischen Industrie gebraucht. Neben Sachsen, Bayern und der Pfalz liegt im Lahngebiet das bedeutendste Vorkommen an Ton. Dieser wird verarbeitet zu Baumaterial (Tonröhren, Ziegel, Wandplatten, Isolatoren, feuer- und säurefeste Erzeugnisse) und Geschirr (Hartsteingut, chemische Gefäße, Hart- und Weichporzellan). Nur ein kleiner Teil wird an Ort und Stelle verarbeitet, der größere Teil wird nach dem In- und Auslande versandt, zu den Fabriken der feuer- und säurefesten Erzeugnisse im Rheinland, Ruhrgebiet, Frankreich, Belgien, Holland, und zwar wegen seiner Hochwertigkeit, mit welcher er in diesen Ländern nicht vorkommt. Im Lahngebiet lagert einer der hochwertigsten K a l k st e i n e und Dolomite Deutschlands. Kalkstein ist wichtiger Grundoff für die Bau- Hütten- und chemische Industrie und wird besonders auch verwendet in Gerbereien, Seifensiedereien, Soda-, Glas-, Tapeten- und Papierfabriken. Die rheinisch-westfälische Industrie hat einen jährlichen Bedarf von 2,8 Millionen Tonnen. Der größere Teil des gewonnenen Kalksteins wird an Ort und Stelle gebrannt und als S t ü ck k a l k versandt. W e i ß k a l k wird abgesetzt an die chemischen Fabriken im Maintal und am Oberrhein, Süddeutschland, die Eisen- und Stahlindustrie des Ruhrgebiets. An Marmor finden sich im Lahngebiet die far-
frachten unter diesen Ausnahmetarifen und den verbilligten weiten Entfernungen des Staffeltarifs stehen. Dies gilt nun zunächst für Verkehrsbeziehungen von Wasserplatz zu Wasserplatz. Ein Teil der auf der Wasserstraße beförderten Güter kommt allerdings nicht unmittelbar von dem Ort, an dem er der Wasserstraße übergeben wird, und bleibt oft nicht an dem Platz, an dem er die Wasserstraße verläßt, sondern benützt den gebrochenen Verkehr, den kombinierten Eisenbahn- und Wasserweg. Hier liegen nun die Frachtverhältnisse für manche Der- kehrsbeziehungen etwas ungünstiger, und zwar gerade wegen der auf Grund des Staffeltarifs viel zu hohen Nahfrachten und hohen Abfertigungsgebühren der Eisenbahn, die den Zu- und Abgang der Güter von und zu dem Wasserweg im Verhältnis zur Gesamtfracht unverhältnismäßig stark belasten.
Zum Ausgleich dieser durch den Staffeltarif viel zu hohen Nahfrachten kämpfte in den letzten Jahren die gesamte deutsche Binnenschifffahrt um die Gewährung besonderer Wasser- u m s ch l a g s t a r i f e, d. h. eine Ermäßigung der ersten hundert Kilometer von und zu dem Wasserweg mit dem Tonnenkilometereinheitssatz der 900 Kilometer-Staffeltarifzone. Während dieses Kampfes der Binnenschiffahrt gegen die Eisenbahn erstand der Eisenbahn ein weiterer Wettbewerber im L a st- kraftwagenverkehr. Durch diesen wurde
mit Basaltsplitt und Kaltasphalt behandelt. Das dazu notwendige Material ist soweit an Ort und Stelle angefahren.
Kreis Alsfeld.
} Alsfeld, 7.Juni. Die Feldjagd in der Gemarkung Alsfeld wurde in zwei Abteilungen, seither drei Abteilungen, öffentlich verpachtet. Steigerer des Jagdbezirks I waren Obertelegraphenbauführer Emmerich und Bäckermeister Carl Klingelhöffer in Alsfeld zu ihrem Gebot von 300 Mark. Steigerer des Jagdbezirks II waren Kaufmann Fritz und Karl Kalkbrenner zu Alsfeld zum Gebot von 200 Mark. Die Verpachtung erfolgte auf 9 Jahre. Die Pachtzeit für die Jagd im städtischen Wald Homberg läuft noch bis zum Jahre 1938. Die Verpachtung fand die Genehmigung des Kreisjägermeisters. — Zufolge einer Vereinbarung zwischen der Kurverwaltung Bad Salzschlirf und dem hiesigen Verkehrs- und Verschönerungsverein werden während der Badesaison Bad Salzschlirfer Kurgä st e in monatlichen Zwischenräumen regelmäßig die Stadt Alsfeld mittels bequemer Reiseomnibusse besuchen. Der erste Besuch traf dieser Tage ein. Die Gäste besichtigten unter sachkundiger Führung die Sehenswürdigkeiten der Stadt und waren sehr befriedigt von den hier erhaltenen Eindrücken. Die Gruppenkapelle des Arbeitsdienstes unterhielt die Gäste mit einem Konzert auf dem Marktplatz.
+ Alsfeld, 7. Juni. Die hiesige Oberreal- schule wurde zu Beginn des neuen Schuljahres von 221 Schülern und Shülerinnen besucht. Hiervon sind 155 Knaben (70,2 v. H.) und 66 Mädchen (29,8 v. H.). Die Zahl der einheimischen Schüler beträgt 139. Die Schülerzahl hat sich in erfreulicher Weise fast auf der gleichen Höhe wie im Vorjahr gehalten. Die Gesamtschülerzahl im vergangenen Schuljahr betrug 227. Es wäre erwünscht, daß die Zugverbindung nach Schluß der Schule in der Richtung nach Gießen besser gestaltet würde, da die Schüler erst um 15.34 Uhr nach Hause fahren können. Bedauerlicherweise hat sich aber bis jetzt die Reichsbahnverwaltung zu den hierauf bezüglichen Anträgen der Stadtverwaltung, der Direktion der Oberrealschule und des hiesigen Verkehrsvereins ablehnend verhalten. — Die st ä d t i - schen Anlagen haben in diesem Jahre durch die Förderung des Stadtbauamtes eine wesentliche Verschönerung erfahren, indem der Hof des Hospitals. des ehemaligen Augustinerklosters neben der altehrwürdigen Dreifaltigkeitskirche, zu einer sehr schmucken Anlage umqestaltet und die Anlage am Ludwigsplatz vollständig neu hergerichtet wurden.
Preußen.
Tragischer tlnalücksfall beim Teekochen.
Bei lebendigem Leibe verbrannt.
SPD. Frankfurt a. M., 7. Juni. In der Weserstraße ereignete sich am Donnerstagmittag ein folgenschwerer Unglücksfall, dem ein junges Menschenleben zum Opfer fiel. Die bei einer dortigen Firma tätige 23jährige Emmi Hermes wollte sich um die Mittagszeit eine Tasse Tee kochen. Unglücklicherweise kam sie dabei anscheinend der Gasflamme zu nahe, denn die Kleider fingen Feuer, so daß das Mädchen in wenigen Augen-
benprächtigsten und schönsten Sorten, die es überhaupt gibt, und die in der ganzen Welt Verwendung sanden. Das Hauptvorkommen an Basalt liegt im Ober- und Unterwesterwald und in den Kreisen Limburg, Dillenburg und Oberlahn. Seine Hauptverwendung liegt im Straßen- und Wasserbau; er findet Absatz in Württemberg, Bayern, Rheinprovinz, Ruhrgebiet, Mittel- und Norddeutschland, Holland und Belgien. Neben der bayerischen Rheinpfalz und Baden gehört das Lahngebiet zu den waldreichsten Gebieten Deutschlands. Das Holz wird in der Hauptsache verwendet als Grubenholz und in der Papierindustrie.
Die neue Staatspolitik Deutschlands legt größten Wert darauf, das eigene Land bis in die äußersten Ecken wirtschaftlich zu erobern, die in jedem einzelnen Wirtschaftsgebiet vorhandenen wirtschaftlichen Kräfte und Bodenschätze auf das äußerste auszunutzen. Wo es sich um die Erschließung eines Wirtschaftsgebietes, insbesondere die Mobilisierung vorhandener Bodenschätze handelt, wird der Ausbau einer Wasserstraße mit Rücksicht auf die billigste Verfrachtungsmöglichkeit eine wichtige, ja entscheidende Grundlage sein.
Für die Erschließung solcher Bodenschätze sind entscheidend die Frachtkosten. Gerade bei diesen Massengütern spielen die Frachtkosten im Vergleich zu ihren Produktionskosten und zu ihrem Tauschwert die ausschlaggebende Rolle. Je größer der Tauschwert eines Gutes ist, eine desto größere Fracht kann es ertragen und umgekehrt.
Die Erschließung der Bodenschätze ist also in erster Linie eine Frage der Verkehrsregelung. Nur durch die beste Gestaltung der Verkehrswege laßt es sich ermöglichen, die dauernde Voraussetzung für die Erschließung der Bodenschätze, für geordnete Absatzverhältnisse und damit auch für geordnete Produktion zu schaffen.
Eine W a s s e r st r a ß e ist das b i l l iq st e V e r- kehrsmittel, gerade für diese Massengüter, denn unter allen Verkehrsmitteln hat die Wasserstraße die niedrigsten Selbstkosten. Nach amtlichen Feststellungen des Reichsverkehrsministeriums betragen die Selbstkosten der Eisenbahn 4 Pf. pro 1km. die der Binnenschiffahrt nur 1 Pf. Unter Berücksichtigung der speziell für Die Lahn- schisfahrt in Betracht kommenden Selbstkosten wurden für folgende wichtige Verkehrsbeziehunqen des Lahnqebiets einer Eisenbahnfracht für je 10 tkm eine Wafferfracht auf der kanalisierten Lahn gegemiber- stehen: Basalt, Limbura—Köln, per Eisenbahn 29 Mark, Wasserweg 13 Mk.; Ton, Limburg-Duis- burq 62 Mk. gegen 16 Mk.; Steine, Wetz ar-Neu- wied. 54 Mk. gegen 15 Mk.; Sand, Wetzlar-Neuwied. 43 Mk. gegen 15 Mk.; ^lz. Gießen—Köln, 58 Mk. gegen 22 Mk.; Zement, Wetzlar—Rotterdam. 159 Mk. gegen 39 Mk.; Mineralwasser Stockhausen—Duisburg, 171 Mk. gegen 25 Mark.
Dabei ist hinsichtlich der E i s e n b a h n s r a ch - len zu bemerken, daß es sich bei diesen um Ausnahmetarife handelt. Nach dem aus Griino der Selbstkosten der Eisenbahn errechneten Normaltarif wären nämlich diese Massengüter überhaupt nicht transportabel, und so hak pie Ciien= bahn schon lange vor dem Kriege für diese Massengüter Ausnahmetarife und 1920 als Zufammen- fasienden allgemeinen Ausnahmetarif den Staffeltarif eingeführt, nahe Entfernungen weit über dem Normaltarif tarifiert.
Die angeführten Beispiele zeigen, daß o t e Wasserfrachten unter diesen Ausnahmetarifen und den verbilligten weiten Entfernungen des Staffeltarifs stehen. Dies gilt nun ZU- fjaupt nicht transportabel, und so hat die Eisenbahn schon lange vor dem Kriege für diese Massengüter Ausnahmetarife und 1920 als zusammenfassenden allgemeinen Ausnahmetarif den Staffeltarif einqeführt. Bei letzterem sind weite Entfer- nunqen weit unter dem Normaltarif, nahe Entfernungen weit über dem Normaltarif tarifiert. Die angeführten Beispiele zeigen daß die Wasser-
gerade der Nahverkehr mehr und mehr übernommen. Dieser Kraftverkehr wird naturgemäß auch das Einzugsgebiet der Wasserstraße in großem Maße stärken. Den Streit zwischen Eisenbahn und Binnenschiffahrt und den für die Eisenbahn immer bedrohlicher gewordenen Wettbewerb zwischen Eisenbahn und Kraftwagen hat der Führer und Reichskanzler persönlich dahin entschieden, daß Eisenbahn und Binnenschiffahrt, Eisenbahn und Kraftwagen die Losung sein müsse. Die Lösung aller auftauchenden Fragen müsse in einer nicht mehr rein eisenbahn-fiskalisch, sondern g e - meinwirtschaftlich orientierten Tarifpolitik für Eisenbahn, Wasserstraße und Kraftwagen gefunden werden. So werden auch für die spätere Lahnschiffahrt etwaige Schwierigkeiten bei den Verkehrsbeziehungen im gebrochenen Verkehr zu überwinden sein. Dieser Massengüterverkehr gehört, wo immer die Möglichkeit hierfür besteht, unbedingt auf die Wasserstraße, die auf Grund ihrer niedrigen Selbstkosten unter all^n Verkehrsmitteln das naturgemäß billigste und wirtschaftlichste Verkehrsmittel gerade für den Massengüterverkehr ist. Nach der neuorientierten Verkehrspolitik soll ja jedes der verschiedenartigen Verkehrsmittel je nach der geographischen Lage, der Eigenart der Betriebe und der jeweiligen Transportaufgabe so eingesetzt werden, daß die billigste und wirtschaftlichste Derkehrsbedinaung erzielt wird.
Mit der Vollendung der Cahnkanalisie- rung wäre die Lahn und das ganze Cahn-
Oe Musterung derIahrgänge1914/1S im Kreise Gießen.
Das Kreisamt Gießen veröffentlicht in unserem heutigen Anzeigenteil eine Bekanntmachung über die Musterung d e r Jahrgänge 1914 und 1915 im Kreise Gießen. Die Wehrdienstpflichtigen dieser Jahrgänge seien auf diese Bekanntmachung besonders hingewiesen.
Landkreis Gießen.
ch Cid), 7. Juni. Die Stadtverwaltung hat angeordnet, daß sämtliche bepflanzten Grund- ft ü (f e, offene und eingefriedigte, in der Zeit vom 1. Juni bis 1. November nicht betreten werden dürfen, auch nicht vom Eigentümer. Ausgenommen find die Flächen, die als Hausgärten dienen. Die Sperrzeit ist für die Monate Juni, Juli und August auf die Zeit von 21 Uhr bis 5 Uhr und die Monate September und Oktober auf die Zeit von 20 Uhr bis 6 Uhr festgesetzt.
= Cid), 7. Juni. Am Mittwochabend fand unter dem Vorsitz des Ortsmännervereins eine Sitzung der hiesigen Rote-Kreuz-Organi- fationen (Männerverein, Sanitätskolonne, Alice- frauenverein, Samariterinnen) statt, die sich mit der Vorbereitung des am 22. und 23. Juni durchzuführenden diesjährigen Rote-Kreuz - Ta - g e s befaßten. Dem Roten Kreuz in Cid) wurden vom Kreisverband Gießen die Gemeinden Cid), Birklar, Mufchenheim, Eberstadt, Nieder-Bessingen, Oder-Bessingen, Cangsdors, Bettenhausen und Arnsburg zur Durchführung der Sammlung zugewiesen. Es wurde beschlossen, die Haussammlung in allen Gemeinden durch die Mitglieder des Sanitätszuges Cid), dagegen die Straßensammlung m Cid) bzw. den Verkauf der Abzeichen durch die Samariterinnen durchzuführen. Das Rote Kreuz befindet sich hier in allen seinen Organisationen m erfreulicher Aufwärtsentwicklung.
= Cid), 7. Juni. Am dritten Pfingsttag (11. Juni) kann unser Ortsbürger Friedrich Sann das 80 Cebensjahr vollenden. Er war über 40 Jahre bei der hiesigen Fürstlichen Gutsoerwaltung als Schweinemeister tätig und hat sich stets durch seine treue und gewissenhafte Pflichterfüllung bewährt. Am 21. März vorigen Jahres feierten Die Eheleute Friedrich Sann ihre Goldene Hochzeit. Ceider ist der Gesundheitszustand des Jubilars m letzter Zeit nicht mehr so gut, wie früher
)( Kloster Arnsburg, 7. Ium. Am 3. Pfingsttag, 11. Juni, feiert das evangelische Erziehungsheim Arnsburg sein Jah- resfest. Als Festredner wurden Pfarrer Gäbe l s - Frankfurt a. M. und Pfarrer Kohler- Darmstadt gewonnen.
Kreis Schotten.
# Ulrichstein, 7. Juni. Auf der Ohm - st raße in ihrer Gesamtlänge von hier bis Ruppertenrod herrscht gegenwärtig Hochbetrieb. Drei Baufirmen sind mit einer größeren Anzahl Arbeiter dabei, die zahlreichen Kurven zu erweitern und auszubauen. Der Abschnitt Ruppertenrod —Ober-Ohmen ist bis auf die Beschotterung der Ausstückung fertiggestellt. Die fertigen Kurven wer- den später gewalzt und mit Teersplitt überzogen. Die übrige Fahrbahn wird, soweit es sich um Schlaglöcher und andere Schadensstellen handelt,
gebiet verbunden mit der Hauptverkehrsader Deutschlands, dem Rhein, damit auch verbunden mit Main, Neckar, Mosel und Saar. Die Fundstätten der im Cahngebiet so reich vorhandenen Bodenschätze wären verbunden mit ihren Absatzgebieten am Ober-, Mittel- und Niederrhein, dem Ruhrgebiet, der rheinisch - westfälischen Industrie, Holland und Belgien, und zwar bei billigster Verfrachtungsmöglichkeit.
Durch eine solche Verbilligung der Frachtkosten, wie sie durch die Cahnkanaliserung gegeben wäre, dehnt sich der Markt für bisher schon transportfähige Güter aus nach dem Gesetz: „Der Markt wächst unter sonst gleichen Umständen im Quadrat der Transporterleichterung". An Kohle, Koks und Briketts werden insbesondere für den Bedarf der Industrie jährlich etwa eine Million Tonnen votn Ruhrgebiet per Eisenbahn eingeführt Die Eisenbahnfracht z. B. Duisburg — Gießen beträgt für 10 tkm 74 Mark, während auf der kanalisierten Cahn die Wasserfracht nur 27 Mark betragen würde. Ein Vergleich der Eisenbahn- und Wasserfrachten, wie hier bei der Kohle so bei allen anderen Massengütern, ergibt, daß jährlich Millionen Mark erspart werden könnten, die allein schon zur Ausdehnung der Industrie-Betriebe wesentlich beitragen würden. Mit Rücksicht auf diese billigste Verfrachtungsmöglichkeiten werden, wie dies überall an Wasserstraßen festzustellen ist, immer neue Industrien angezogen. Immer neue Bodenschätze werden mobilisiert, immer neue Verarbeitungsstätten und neue Verkehrsbeziehungen entstehen, und damit nicht zuletzt immer neue Arbeitsmöglichkeiten.
Für die Candwirtschaft kommt zunächst wasserwirtschaftlich in Frage, daß der Wasserstand und damit das Grundwasser reguliert wird, dem landwirtschaftlich genutzten Boden je nach Bedarf Wasser zugeführt oder entzogen werden kann, und vor allem der Hochwassernot, wie besonders im Gebiet von Wetzlar und Gießen, vorgebeugt werden kann. Durch die Neubelebung der Industrie und die weitere Industrialisierung erhält die im Cahngebiet meist kleinbäuerliche landwirtschaftliche Bevölkerung das längstverlorene Hausgewerbe und notwendige Nebenarbeit in der Industrie wieder. Sodann ist auch eine bessere Verwertung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse gewährleistet.
So ist im Cahn-Dillgebiet die Möglichkeit gegeben, mit dem Aufwand einer geringen Kapitalmenge von nur 15 Millionen Mark f ü r die Vollendung der Cahnkanalisierung ein von vornherein weder rein landwirtschaftliches, noch rein industrielles Gebiet zur Größe zu entwickeln, mit starkem Handwerk, gesundem Bauerntum, angesiedeltem Arbeitertum und im Raum verteilter blühender Industrie. Es ist dringendstes Gebot der Stunde, jetzt ohne weitere Verzögerung die Cahnkanalisierung durchzuführen, aus welchem Fonds auch immer die öffentlichen Mittel zur Finanzierung genommen werden.
blicken in hellen Flammen stand. Auf ihre furchtbaren Hilferufe eilte ein Angestellter herbei, der die Unglückliche zu Boden warf und die Flammen mit Kleidungsstücken und Tüchern erstickte. Die Brandwunden, die das Mädchen bereits erlitten hatte, waren jedoch so stark, daß es bald nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus verstarb.
Nutzviehversteigerung in Wetzlar.
0 Wetzlar, 7. Juni. Auf Veranlassung der Kreisbauernschaft Hessen-Nassau Nord-Ost und der Viehverwertungs-Genossenschaft für den Kreis Wetzlar fand hier eine Nutzviehversteige- rung statt, bei der die Nachfrage recht rege war. Einige Tiere geringerer Qualität konnten nicht abgesetzt werden. Es wurden für trächtige Rinder 345 bis 435 Mark, für Kühe 350 bis 490 Mark bezahlt. Kreisobmann Cangsdorf teilte mit, daß die Nutzviehversteigerungen eine dauernde Einrichtung in der Markthalle von Wetzlar werden sollen. Er forderte die Candwirte auf, sich dieser Neuerung zum Absatz ihrer Tiere rege zu bedienen.
Sie Reichslotterie für Arbeitsbeschaffung als Glücksbringer.
2 Millionen Volksgenossen sind es noch, die in einer neuen Arbeitsschlacht wieder in Arbeit und Brot gebracht werden sollen. Dabei steht in vorderster Reihe im Kampf für dieses Ziel: d i e Reichslotterie für Arbeitsbeschaffung.
Es geht jeden an, der in Arbeit ist, wenn die braunen Glücksmänner auf der Straße die Cos- briefe der Arbeitsbeschaffungslotterie anbieten. Jeder hilft durch Kauf von Arbeitsbeschaffungslosen mit, das große Ziel unseres Führers, die Arbeitslosigkeit restlos zu beseitigen.
Wer eine glückliche Hand hat, kann sich eines beachtlichen Gewinnes erfreuen. In jeder Cotterie ist an höheren Gewinnen ein Hauptgewinn zu 10 000 RM., 2 Gewinne zu 5000 RM., 40 Gewinne zu 500 RM. usw., zusammen 280 000 Gewinne zu 260 000 RM.
Ist bei sofortigem Gewinnentscheid kein Gewinn gezogen, so besteht die Möglichkeit, durch den Original-Prämienschein an der Ziehung am 31. August 1935 zu gewinnen.
S o bringt sie Allen Glück, die Reichslotterie für Arbeitsbeschaffung, den Gewinnern, die sich manchen ersehnten Wunsch erfüllen können, und den vielen Arbeitslosen, die in Arbeit und Brot gebracht, den Volksgenossen dankbar sind, die durch Teilnahme an der Cotterie ihre Volksverbundenheit bewiesen haben.
Rundfunkprogramm.
Sonntag, 9. 3uni.
6 Uhr: Von Hamburg Hafenkonzert. 8.05: Von Stuttgart Gymnastik. 8.25: Bauer, hör zu! 9: Von Stuttgart (aus der Nikolauskirche) Katholische Morgenfeier. 9.45: Von der Wasserkuppe (Rhön) Reichsmodellwettbewerb und Jungfliegertreffen 1935. 10: Vom Deutschlandsender Reichssendung Deutsche Feierstunde der Hitlerjugend. 10.30: Von Freiburg (aus Mahlberg in Baden) Morgenfeier anläßlich des 70. Geburtstages von Karl Kromer. 11.15: Von Stuttgart Kammermusik.. 12: Von Berlin Mittagskonzert I. Im Marsch und Walzertakt. 13: Von Stuttgart Kleines Kapitel der Zeit. 13.15: Von Berlin Mittagskonzert II. 14: Ringsendung Hammel-
Schühe die Heimat — rauche nicht im Walde! Hits Waldbrände verhüten!
reiten und Böllerschießen. Bäuerliche Pfingstbräuche aus allen Gauen. 15: Von Stuttgart „Hinaus in die Ferne..." 16: Von Freiburg Alemannisches Handharmonikafest. 17: Von München Nachmittagskonzert. 18: Von Stuttgart Heimattag in Schramberg. 18.30: Von Stuttgart Blasmusik. 19.45: Sportbericht. 20: Von Stuttgart Uraufführung „Sommerzeit und Amselschlag..." Funkoperette von Paul Schaaf. 21.30: Von Stuttgart „Heiterer Ausklang". 22.20: Von der Wasserkuppe (Rhön) Reichsmodellwettbewerb und Jungfliegertreffen 1935. 22.30: Sportschau des Sonntags. 22.45: Von München Tanzmusik. 24 bis 2: Von Stuttgart (aus Ulm) Streich und Blasmusik.
Blontag, 10. Juni.
6 Uhr: Hafenkonzert. 8.05: Gymnastik. 8.45: Choralblasen. 9: Evangelische Morgenfeier. Veranstaltet von dem Amt für Kirchenmusik, Frankfurt a. M. 9.45: Deutsches Schatzkästlein. „Cob der Rose". 10.15: Dichter im Dritten Reich: Georg Schmückte liest „Das Duell", eine Anekdote. 10.30: Chorgesang. 11.20: Jugendfunk. Natur und Geist! 12: Mittagskonzert am Pfingstmontag. 13: Aus dem Ceben des schaffenden Volkes. 13.15: Mittagskonzert. 14: Kinderfunk. 14.45: Don der Wafserkuppe/Rhön: Reichsmodellwettbewerb und Jungfliegertreffen 1935. 15: Stunde des Candes. 16: Nachmittagskonzert. 18: Aus der Orangerie in Sondershausen: Ausschnitt aus dem Festkonzert des Sondershäuser Verbandes deutscher Sängerverbindungen. 18.50: Mozart auf der Reise nach Prag. 19.45: Sportbericht. 20: Aus dem Schloßpark in Wiesbaden-Biebrich: Schloßkonzert. Richard Wagner. 22.20: Von der Wasserkuppe/Rhön: Reichsmodellwettbewerb und Jungfliegertreffen 1935. 22.45: Tanzmusik. 24 bis 2: Nachtkonzert.
Dienstag, 11. Juni.
6 Uhr: Gymnastik. 6.15: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Frühkonzert. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11: Werbekonzert. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskonzert I. 13.15: Mittagskonzert II (Fortsetzung). 14.15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Für die Frau. 16: Kleines Konzert. Cieder und Klaviermusik von Bodo Wolf. 16.30: Don der Rennbahn Niederrad: Um den Frankfurter Goldpokal. 16.45: Der Kilometerstein 0,0 und die Bedeutung Frankfurts in der Verkehrsgeschichte des Rhein-Main-Gebietes. Vortrag von Dr. K. Kühn (Frankfurt a. M.). 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Versteigerung des historischen Cambrechter Geisbock in Deidesheim. 18.45: Der Handwerker braucht Geld! 19: Und jetzt ist Feierabend. 19.50: Hitler erobert die Wirtschaft. Die neue Broschüre von Reichssendeleiter Hada- movsky. 20.15: Stunde der Nation: „Ariadne auf Naxos" von Richard Strauß. 21.45: Vom Frankfurter Wäldchestag. 22.20: Schloß Schönfeld und feine Gäste. 23: Nachtmusik. 24 bis 2: Nachtkonzert.


