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Hr.(52 Zweiter Blaff

GietzenerRnzelger(General-AnzeigerfürOberhessen) 5amrtag/5onntag,8./9.Juni (935

pfingstm, das liebliche Fest...

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chemischen Fabrik, ein Paddelboot hat er aber,

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bunten Wimpel und Platz für zwei ein Name fehlt ihm noch. In den |

Aufnahme: E. Hase, Frankfurt a. M.

ich ja heute

Roman zu

oho, mit einem Personen. Bloß

Karte vom aber wenn ungestopfter liegt... seit

nächsten Tagen wird einer draufgepinselt mit wei­ßer Oelfarbe Wenn Sie jetzt' nur über ein bißchen Phantasie verfügen, dann wissen Sie schon, was das für ein Name sein wird. Mit einem großen M fängt er an, und im Juli, wenn die Urlaubs­zeit ist, wird er sich in den Wellen der Mosel spiegeln ...

weißen Flügel spreitete, dann sollten sie es in Got­tes Namen glauben, niemandem geschah Unrecht oder Abbruch, nicht dem Himmel, nicht der Erde, und Wunder geschehen eher für den, der an Wun­der glaubt, als für den Zweifler.

Wo aber war die Taube, die der Mesner im richtigen Augenblick durch das Loch drücken sollte, daß es den Anschein hatte, sie käme aus der golde­nen Sonne geflogen. Der Berg war keine Gegend, wo Tauben ihren Wohnsitz hatten, sie lieben die Nähe von Milch und Honig, nicht ober von Wind und Schnee. So begab sich der Pfarrer selbst auf den Weg und tauschte tiefer unten im Tale für Pfeifentabak eine schöne, weiße Taube ein.

Am Pfingstsonntag dann, erregt von der pfingst­lichen Botschaft, die er weisen Sinnes und frohen Herzens verbreitet hatte, stand er im Chorrock auf der Kanzel, und er selbst fieberte der Stelle in seiner Predigt zu, da er den Heiligen Geist anrufen wollte. Seine blassen Wangen waren rot von einem geheimnisvollen pfingstlichen Feuer, und in seinen Augen war ein Geleucht, das nur aus Kindern und Greifen strahlt.

Endlich erhob sich seine Stimme, und er hob auch sein Gesicht empor, dahin, wo ein mattgoldener Schein von einer blechernen Sonne ausging, und er rief zu ihr hinauf, während alle Augen der An­dächtigen den seinen folgten, er rief also die Sehn­sucht der pslingstlich Versammelten zu dem Gestirne hin:

Ach, er heißt ja auch gar nicht Willy, sondern Günther. Sieh mal einer an. Marie Luise weiß es selber erst seit Himmelfahrt, und er ist groß, schlank und braungebrannt, übrigens vom Jahr­gang 1910, also schon beinah ein reifer Mann, ob­wohl er so lustige Augen hat und eine helle Stimme und eine Menge verwegener Geschichten und phan­tastischer Einfälle zu erzählen weiß. Gleich wird er auftauchen am Waldrand, gleich wird er winken und vielleicht sogar einen Jodler ausstoßen, gleich wird er da sein und sie anlachen mit seinen blanken, gesunden Zähnen, ihren Arm wird er nehmen und sich einhängen, schon gehen sie zusammen durch die blühende, duftende Wiese, den flimmernden Himmel über sich, ganz allein, und den großen, herrlichen Sommer noch vor sich, zu zweien .

Und wenn er auch keinen Mercedes hat, keine Rede, woher denn, als blutjunger Assistent in der

Bergbauern, Holzfäller, Köhler, und sie dauern ihn, sie haben keine Feste außer jenen, die ihnen andere berei­ten, zu schwer ist ihr Blut.

Da hat er ihnen denn zu Weih­nacht in der Mette einen Tannen» bäum mit ein paar Kerzen vor den Altar auf den holprigen Steinboden hingestellt, zu Ostern kam er mit einem schneeweißen Lamm auf die Kanzel und predigte über die weiche Silberwolle des unschuldigen Tieres hin, und anders klang es, als er zu den Leuten sprach:

Sehet das Lamm Gottes, das hin­wegnimmt die Sünden der Welt!"

Sie sahen in seinen Armen das weiße, junge Schaf, und das lebende Sinnbild verwunderte und rührte sie. Ein anderer redet mit feurigem Munde, und wieder ein anderer schließt die Türen des Himmels auf und öffnet die Pforten der Hölle, er aber nimmt aus der Welt des lieben Herrgotts die leiblichen Dinge herein, und ihre Stummheit, so glaubt er, sei redseliger als ein eifriger Mund.

Ja, selig ist jeder in seinem Glau­ben.

Welches Zeichen sollst du nun für Pfingsten erwählen? Heißt es nicht in der Schrift, es schwebten feurige Zungen über den versammelten Jün­gern und der Heilige Geist kam darin über sie? Ein Baum, ein Lamm, sie sind leicht beschafft, wie aber soll man eine feurige Zunge gewinnen? Der alte Herr hat seine liebe Not mit sich und seinen seltsamen Wünschen. Ach, es schassen sich die Menschen auf merkwürdige Art ihre Sorgen, wenn sie auch in stillem, einfältigem Frie­den leben könnten. Doch Gott hilft dem, der stark ist tm Glauben, und er hilft gern jungen und alten Kin­dern. Es fällt, mitten in der argen Herzensnot, das Auge des Pfarrers auf das einzige Bild an der kalk­weißen Wand, es zeigt Gottvater und Gottsohn, zu ihren Füßen schwebt die Weltkugel in Wolken, zu ihren Häup- ten aber schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer weißen Taube.

Aller Zweifel erlöste sich in einem glücklichen Ausruf: Eine Taube! Eine Taube!

Lief nicht das gotische Kirchenge- wölke in einem stumpfen Winkel zu­sammen, und dort verdeckte eine gol­dene Sonne ein kleines, kreisrundes Loch, zwischen den Strahlen aber konnte der Mesner die Taube durch­zwängen, und spürte sie nur erst ihre freien Flügel, dann würde sie über den Köpfen der Leute fliegen, eine weiße Taube am Pfingstsonntag, eben in dem Augenblick, in dem er* auf der Kanzel den Pfingstgruß fleht: Heiliger Geist, komm auf uns herab! Die Bauern, die Holzknechte, die Köhlersleute würden die leib­haftige Taube ja wohl erkennen, sie war von Fleisch und Blut wie das Osterlamm, zu dem Pfingstfest ge­hörig wie ein paar neue Wachskerzen am Altar, die ein Bauer auf eine fromme Meinung hin gestiftet hat, wie die jungen Birken links und rechts am Kirchentor, und wenn ein paar Himmelsüchtige glauben sollten, es wäre wahrhaftig der Heilige Geist, der da oben im Gewölbe feine schnee-

Pfingsten

Nun schwillt das Laub der Apfelbäume um jedes Dorf, um jeden Hang.

Des Himmels endlos blaue Räume erfüllt die Lerche mit Gesang.

Die Wiese flammt, die Saaten steigen, der Bach spült gleißend durch den Grund. Der tiefe Wald, er will nicht schweigen vom Frührot bis zur Abendstund'

In wildem Drang hebt sich das Leben, was alles schlief in Saft und Blut.

In einem Glück die Gräser beben, die Rosen in der zarten Glut.

Die hohe Zeit, die jetzt erschienen, soll uns nicht finden tot und klein. Laßt jauchzend uns dem Dasein dienen Und stark im Geist und Herzen fein!

Karl Burkert.

Der Heilige Geist.

23on Joses Friedrich perkonig.

Jetzt kommt Pfingsten, denkt sich der Bergpfarrer, und man muß den Kirchleuten etwas von den jen- fcitigefl Dingen in irdischer Gestalt zeigen, so daß es die Einfältigen begreifen und auch die Aermsten im Geiste verstehen. Er denkt es nicht etwa in aus­erwählten Worten, er fühlt es vielmehr nur in feinem frommen (Bemüte, fein gutes Herz möchte der Gemeinde etwas schenken auf feine Weise. Nun hat er aber kaum Brot für sich, die Ziege gibt ihm wenig Milch, und die paar Hennen legen nur wenige Eier, es hängt ihm kein Fleisch in der Rauchküche, und es lagert kein Mostfaß im Keller, daß er die Oberen der Bergweiler als feine Gäste bewirten könnte, er wird sie entlassen müssen nur mit seinem Segen, und sie werden an Pfingsten mitnehmen aus der Kirche nur, was er ihnen als ! ihr Pfarrherr zu bieten weiß. Es sind arme Leute,

Hfingstmorgen mitMarieLmse

Bon Hans Thyriot.

Da drüben unter dem wunderbar großen, alten Baum steht das Fräulein Marie Luise und schaut über die blühende Landschaft in den Pfingstsonntag- morgen hinein. Sie ist ein bezauberndes kleines Fräulein. Wie sie mit Vornamen heißt, weiß ich allein, aber Sie dürfen es mir ruhig glauben; es ist so. Und Sie brauchen gar nicht an den Kaiser Napoleon zu denken und auch nicht an Paula Wes­sely und Willy ForstSo endete eine Liebe". Denn erstens hat diese Marie Luise, die hier unterm Baum steht, weder mit dem Film noch mit dem Hause Habsburg und dem Thron von Frankreich das Mindeste zu tun, und zweitens ist die Liebe, um die es sich hier handelt, keineswegs zu Ende; im Gegenteil, die ist noch ganz jung, Himmelfahrt hat es erst angefangen, und es war ein herrlicher Tag, ganz blau und warm und erfüllt vom Duft des weißen Flieders, des dunklen Goldlacks und der rosigen Apfelblüte.

*

Daß das kleine Fräulein ein zartes j Frühlingskleidchen mit luftigen zitro­nengelben Tupfen anhat, kann man leider von hier aus nicht erkennen; aber es ist so, ich weiß Bescheid, und daß der geschwungene Hut, den sie auf hat, ein' kleines pastellenes Pfingst- gedicht ist, das werden Sie der jun­gen Dame hoffentlich von weitem zu­trauen: fünf Mark fünfundachtzig hat ! er gekostet, bitte sehr, und der äußere ! Rand ist durchbrochen und durchsich­tig, und wenn Sie ganz nah heran- > kämen (aber natürlich dürfen S i e auf keinen Fall so nah herankom- men) dann würden Sie einen herr­lich lavendelfarbenen Pfingstsonntag- morgenhimmel wie durch einen duf­tigen, weißen Schleier erblicken...

Auch können Sie freilich nicht wis­sen, daß Marie Luise dunkelblond ist, mit einem tiefen Knoten im Nacken, und daß sie große blaue Augen hat. Natürlich hätten Sie gern gewußt, wo diese Augen Hinschauen, wen oder was sie suchen, aber das wäre ja ein bißchen sehr indiskret gefragt, und vielleicht können wir später noch ein Wort darüber verlieren. Daß es mit dem Film und dem Hause Habsburg leider nichts ist, wäre Ihnen selber klar, wenn Sie Marie Luises Zu­namen wüßten aber der tut nichts zur Sache und gehört durchaus nicht hierher. Vielleicht dürfen wir jedoch hinzufügen, daß das Mädchen auf der Pfingstwiese zum gut geratenen Jahrgang 1915 gehört. Denken Sie mal an, damals, als Sie in Flandern oder in den Karpathen umherzogen, und die Vöglein im Walde, die san- gen=fangcn=fangen so wunder-wunder­schön, damals hat irgendwo daheim, weit hinten in Deutschland, ein win­ziges Menschenkindchen seinen ersten Schrei getan, seinen ersten Blick in eine vom Feuerschein des großen Krieges überflackerte Welt. Sechs Monate später erhielt das kleine Wesen den hübschen Namen Marie Luise.

So lange ist das schon her. Und heute ist sie ein liebliches junges Fräulein, das am ersten Feiertag mitten auf einer blühenden Wiese steht. Das kommt ziemlich selten vor, und deshalb ist es so schön und etwas so Besonderes. Aus ihrer Armband­uhr ist es jetzt genau 10.15 Uhr. Und sonst um diese' Zeit sitzt das kleine Fräulein, ganz ohne Hut und in einem sehr viel weniger festlichen Kleidchen in einem äußerst sachlich eingerichteten Büro hinter derSchreib- maschine und bekommt Briefe diktiert, die weder nach Flieder noch nach Goldlack riechen, sondern an irgend-

feurigen Zungen auf Marie Luise herabredet, so hebt sich doch drüben über den Feldern wie von ungefähr mit blitzendem Flügelschlag ein Vogel­schwarm in die sonnenflimmernde Luft, und das Mädchen muß auf einmal, sie weiß nicht wie, an eine weiße Taube denken, an den Heiligen Geist und das Wunder der Pfingsten... Dies alles ist schön und feierlich, und dabei fo still ringsum, daß sie nun, wo die Glockenmusik von den Türmen der fernen Stadt eingeschlafen ist, beinahe ihr Herz schlagen hört. Schweig stille, mein Herze..

Es ist natürlich der reine Zufall, wenn Sie um die gleiche Zeit ebenfalls auf einem Psingstspazier- gang begriffen knapp vor der Brücke, die aus der Stadt ins Freie führt, von einem jungen Mann überholt werden, der es offenbar ziemlich eilig hat, viel eiliger als Sie selber, und der augenscheinlich ungeheuer vergnügt ist. Er trägt einen neuen, hellen Svnntagsmvrgenausgehanzug mit einem wunder­schönen frühlingsgrünen Schlips, der bestimmt nicht

unter zwei Mark fünfzig zu haben gewesen ist. Und wenn Sie fleißiger ins Kino gingen, dann wüßten Sie wahrscheinlich, daß der Text zu der Melodie, welche der fröhliche junge Mann im mun­teren Marschtempo immerzu vor sich hinflötet, also lautet: Schön ist jeder Tag, den du mir schenkst, Marie Luise... Und wenn Sie, anstatt vor sich hm- zudösen, Ihr Augenmerk daraus richten würden, daß der Junge gleich hinter der Brücke ins Feld abbiegt und stracks auf den großen Baum lossteuert, von dem hier schon zu Anfang die Rede war, dann würden Sie wissen, was die Glocke geschlagen hat...

Verschwunden der Vogelschwarm über den Fel­dern, aber Marie Luises Blick ruht noch immer auf derselben Stelle, da, wo vom Waldrand her die Straße abbiegt und auf den Fluß, die Brücke und die Stadt zuläuft. Da muß er Herkommen, gleich wird er auftauchen und winken ...

Wer denn? Ja, das möchten Sie vielleicht wissen. Daß es weder der pfingstliche Geist noch der Kaiser Napoleon noch der Herzog von Modena ist, soviel steht fest; und selbst der hvchberühmte Schauspieler Willy Forst hat heute, am ersten Feiertag, was anderes vor. (Außerdem ist er gar nicht in unserer Gegend, und wenn er käme, käme er bestimmt nicht zu Fuß, sondern in einem rassigen und funkel­neuen Mercedes, Stromlinienkabriolett mit Heck­motor, preisgekröntes Modell 1935.

acht Tagen, schlecht gerechnet... *

Jetzt werden Sie hoffentlich ungefähr eine Ahnung haben und einsehen, daß es etwas sehr Schones, Festliches und Außergewöhnliches für das junge Fräulein Marie Luise ist, so in dieser warmen, sonnigen Pfingstfrühe unter einem alten Baum auf der Wiese zu stehen, in einem Hellen Kleid unö mit ganz heilen Strümpfen und einem wahren Gedicht von Pfingsthütchen auf dem dunkelblonden Haar. Und kein Gedanke an sehr geehrte Herren und die nicht eingetroffene Sendung vom soundsovielten, kein Gedanke an den widerborstigen Buchstaben b und das durchlöcherte Farbband, nicht einmal an die gute, alte Tante Hildegard, die ihre Karte noch dazu um einen vollen Posttag zu spät gekriegt hat.

Nichts von alledem. Heute ist Pfingsten und erster Feiertag. Und wenn auch aus den mächtig aus­ladenden Zweigen des alten Baumes niemand mit

welche, höchst gleichgültige, aber an­geblich sehr geehrte Herren gerichtet sind und sich ausschließlich mit dem Verkauf von furchtbar langweiligen Futtermitteln befassen. Außerdem muß schon wieder ein neues Farbband ein- gezogen werden, und das große B schlägt nicht an, und ich hab mich schon zweimal vertippt, hoffentlich geht's mit dem Radiergummi, in elf Tagen ist der Erste, was für eine trostlos lange Zeit, eigentlich wollte , . ,

abend ins Kino gehen, aber ich muß mir so dringend, dringend, dringend die Absätze aerade- richten lassen, und außerdem hat Tante Hildegard Geburtstag, und eine Karte muß ich ihr doch wenig­stens schreiben, übrigens wollte ich ja auch endlich einmal in Ruhe diesen aufregenden ----

Ende lesen und mir hinterher die Moseltal ganz gründlich vornehmen, ich an einen entsetzlichen Haufen Strümpfe denke, der in meinem Korb

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