Nr. 28b Zünsler Blatt
GiehenerAnzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) 8amrtag. r. Dezember (935
Lugend und Hochschule.
Lehrer und Schüler.
Don Studienreferendar H. Hübner, Friedberg
Dieser Aufsatz will nur die ersten Sichtungsergebnisse des' mir vorliegenden umfangreichen Materials bringen. Ich legte Schülern der verschiedensten Altersklassen acht bzw. neun Fragen zur schriftlichen Beantwortung vor, alle innerhalb des Rahmens „Wie wünsche ich mir meine Lehrer?" Ich legte ferner Lehrern der verschiedensten Schularten in jedem Alter aus Hessen, Bayern, Württemberg und Baden ähnliche Fragen vor, etwa in dem Rahmen „Wie wünsche ich mir meine Schüler?" Die Ergebnisse sind zum Teil die erwarteten, zum Teil überraschend.
Die Schüler wünschten sich Lehrer im Alter von 25 bis 60 Jahren. Den Vorzug hatten etwa die Junglehrer um 30 bis 35 Jahre. Und zwar, was das vielleicht Ueberraschende dabei ist, sowohl in den Antworten der Zwölf- wie der Achtzehnjährigen. Ein Beweis, daß auch die Jugend in älteren Erziehern durchaus die geistige Jugend und Frische anerkennt. Jugend wehrt sich lediglich gegen „Kalkhaufen", mögen diese nun 60 oder 20 Jahre alt sein. Eine weitere Frage, ob der Lehrer der Partei oder Gliederungen derselben angehören müsse und weshalb, wude sehr verschieden beantwortet. Darüber, daß es wünschenswert wäre, daß der Lehrer der Partei angehört, herrschte Einigkeit. Als Gründe wurden angegeben: „Bessere Kameradschaft", „Er versteht uns besser", „Damit er uns in unserer Weltanschauung gleich ist". Verschiedene wünschen sich den Lehrer in der SA., auf keinen Fall in der HI.: „Wenn wir ihn in der Schule haben, brauchen wir ihn nickt in der HI." Andere wieder wollen ihn gerade in der HI. haben: „Damit er sich uns besser anpassen kann", „Mit diesem Lehrer kann man besser über alles reden: er ist kein politischer Feind". (Gemeint ist damit wohl, wie auch aus andern Antworten hervorgeht: ein Feind der HI). Im Unterricht wünscht man sich den Lehrer „gerecht", „er soll keinen vorziehen", „nicht zu streng, nicht langweilig", „kein Pauker", „gerecht, nicht launisch", „als Kamerad", „der Unterricht muß spannend sein, und man muß dabei etwas lernen". Die Stellung zu den Roten ist durchaus bejahend: „Roten sind not- w e n d i g". Allerdings werden hier verschiedene Wünsche laut: „Es dürfte nur genügend oder nicht genügend geben", „Roten sind notwendig, aber sie müssen gerecht sein". Durchweg in allen Klassen werden Roten von 1 bis 5 denen von 1 bis 4 vorgezogen. Die Stellung der Schüler zu den Klassenarbeiten ist geteilt. Die einen lehnen die Klassenarbeiten ab: „Klassenarbeiten sind unnötig", „Klassenarbeiten sind von vielen Zufälligkeiten abhängig", „Klassenarbeiten vermitteln nie das richtige Bild der Leistungen". Die andern bejahen die Klassenarbeiten, machen aber dazu gewisse Einschränkungen: „Klassenarbeiten sollen vorbereitet werden", „sie sollen nicht ausgesucht schwer sein", „sie sollen nicht überraschend geschrieben, sondern vorher angesagt werden", „sie sollen Wiederholungsarbeiten sein zur Feststellung des Fleißes".
Eine andere Frage erkundigte sich nach der gewünschten täglichen Arbeitszeit zu Hause. Die Antworten auf diese Frage waren verblüffend. So wünschten sich Klassen mit Schülern im Alter von durchschnittlich 14 Jahren täglich zweieinhalb bis drei Stunden häusliche Arbeitszeit. Damit ist die oft gehörte Behauptung, die heutige Jugend wolle in der Schule mehr leisten, einwandfrei widerlegt. Der Junge sitzt allerdings zwischen zwei Stühlen: Schule ist für ihn Dienst, Jungvolk und HI. sind ebenso Dienst für ihn, besonders wenn er vielleicht noch Führer ist. Daher die letzte Frage: „Das gewünschte Verhältnis von Schule und H i t l e r j u g e n d." Die Antworten hierauf sind sehr aufschlußreich: „Schule und Hitlerjugend müssen Zusammenarbeiten", „Es darf keine Lehrer geben, die Feinde der HI. sind", „Schule und HI. müssen ein gemeinsames Ziel haben, zwischen beiden muß Einigkeit herrschen". Ein Schüler antwortete: „H I. - A r b e i t in d er Schule". Allerdings ist
nicht recht verständlich, wie er sich dies nun praktisch oorstellt. Tatsache ist jedenfalls, daß der Wille zur gemeinsamen Arbeit vorhanden ist. Anderseits wird auch gerade in Antworten von Erziehern beiderlei Geschlechts betont: „Die Schule sollte eine stärkere Bindung zur HI. haben", „Der Lehrer muß die Schüler auch von einer anderen Seite als der, die sie ihm in der Schule zeigen, kennen lernen."
Im übrigen habe ich aus den Antworten das Bild gewonnen, als sei diese Zusammenarbeit gar nicht so schwer, wie es zunächst noch den Anschein haben mag. Es kommt eben darauf an, daß die HI. die Arbeit der Schule anerkennt und berücksichtigt, dies auch den Jungen gegenüber dauernd betont, es muß auf der anderen Seite die Schule ebenso rücksichtslos und offen die Arbeit der HI. anerkennen. Es wäre überhaupt wünschenswert, wenn gerade bei der C h a r a k t e r b e u r t e i l u n g des Jungen der Lehrer sich mit dem betreffenden HJ.-Führer bespräche. Auch der HJ.-Führer hat sein Urteil über den Jungen. Beide Urteile können sich so ergänzen. Eine solche rückhaltlose Aussprache wäre um so wünschenswerter und notwendiger, als ja nicht diese Charakterbeurteilung den Stab zu brechen hat über einen Jungen, sondern seine schwachen Seiten und Fehler offenbaren soll, ebenso wie seine Stärken natürlich. An diesen schwachen Stellen
Das wichtigste Ergebnis der neuen Jugend- künde ist die Einsicht in die besondere Natur der menschlichen Entwicklungsphasen. Das Kind und der jugendliche Mensch ist nicht nur ein Erwachsener m verkleinertem Maßstab; es sind sogar manche Fähigkeiten und Anlagen beim Jugendlichen stark ausgeprägt, die beim Durchschnittserwachsenen eine gewisse Verkümmerung zeigen. Die Jugend birgt also besondere Werte in sich, die der Welt der Erwachsenen, und damit der Kultur, im allgemeinen verlorengegangen sind.
Diese Werte aus ihrer Verschütteung zu befreien und wiederherzustellen, ist eine Hauptaufgabe der Kultur des Lebendigen. Da der Nationalsozialismus diesem Ziel zustrebt, da er die von den natürlichen Gesetzen des Lebens abgewichene Kultur wieder auf diese Gesetze zurückführen will, so hat er von vornherein der Jugend seine besondere Aufmerksamkeit zugewandt, die Jugendorganisationen und die jugendliche Führung geschaffen.
Der Eigenart der Jugend Rechrmng tragen, das bedeutet nicht etwa, den jungen Menschen auf der Stufe des Jugendalters festhalten wollen oder gar eine „Jugendkultur" aufbauen, in der das reife Menschentum ausgeschaltet ist. Das sind Hirngespinste, mit denen sich die Jugendbewegung in ihrem wilden Teil befassen mochte, die aber aus unserem, auf straffe Führung gestellten Staat, gottlob, für immer ausgeschaltet sind. Wir brauchen Männer, aber keine ewigen Puderten.
Der Jugend Rechnung tragen, bedeutet: das Kind kindlich, den jungen Menschen jugendlich aufwachsen lassen. Es bedeutet: darauf halten, daß er als Knabe wirklich Jüngling und ganz Jüngling fein soll. Er soll in diesen Lebensstufen für die Zeit, in der er sich darin befindet, wirklich heimisch werden, sich mit ihren eigentümlichen Werten erfüllen und sie dann in das Leben des Erwachsenen mit hinübernehmen. So und nur so erwächst ein ganzer Mann.
Es muß endlich gebrochen werden mit der Auffassung, daß die Knaben- und Jünglingszeit — und entsprechend natürlich beim Mädchen — nur ein notwendiges liebel, vielleicht gar ein Versehen der Natur sei, nur dazu bestimmt, so tasch als möglich durchschritten, ja tunlichst übergangen zu werden, damit so schnell wie möglich das Ziel erreicht werde, „Erwachsener" zu fein. W i r wollen Jungen und Jungenhaftigkeit; das ist aber das gerade Ge-
i ii» hi ■um
nun hat die Erziehung, möglichst in Zusammenarbeit mit dem Elternhaus, einzusetzen. Schon aus diesem Grunde der Erziehung des einzelnen Jungen und Mädels ergibt sich nicht nur die Notwendigkeit, sondern geradezu die Verpflichtung der Zusammenarbeit von Schule, HI. und Elternhaus. Ein Lehrer, der seine Erziehungsarbeit in diesem Sinne anfaßt, wird ohne weiteres ein kameradschaftliches Verhältnis zu feinen Schülern finden, das natürlich in feiner Art und feinen Ausmaßen immer von der Persönlichkeit des Einzelnen abhängig bleiben wird.
Ich bin bei der Beantwortung meiner Fragen so vorgegangen, daß ich diese Fragen auf Zettel schreiben ließ, für jede Frage im Durchschnitt eine Minute Zeit gab und auch nicht den Namen des Jungen verlangte. Lediglich die A l t e r s st u s e war von Interesse. Deshalb ließ ich auch nur Tag, Monat und Jahr der Geburt auf diesem Zettel vermerken. Der Junge mußte unbedingt das Gefühl haben, vollkommen frei und ohne persönlichen Nachteil seine Meinung sagen zu dürfen. Es wäre sehr interessant und wünschenswert, wenn dieser Gedanke aufgegriffen würde und ein Austausch der gemachten Beobachtungen und Erfahrungen uns auf dem schwierigen Gebiete der Erziehung ein Stück weiter brächte.
genteil von der Art des „jungen Herrn", der von früh an den Erwachsenen nachahmt. Was wir wollen, entspricht dem natürlichen Gesetz des Lebens.
Dieses Gesetz ist das des organischen Aufbaues. Jede Entwicklungsstufe fetzt, um sich fdbft entfalten zu können, die Ausbildung der vorangegangenen voraus. Die Baumkrone kann nur entstehen aus Wurzel und Stamm. Der Mann, der nie Jüngling gewesen ist — oder „großer Junge", wie wir statt des verkitschten Wortes lieber sagen —. ist kein richtiger Mann, sondern ein PHili st e r. Der Jüngling, der kein rechter Knabe gewesen ist, ist kein Jüngling, sondern ist ein „junger Her r". Der Mensch muß sich also erfüllen mit den Werten der Knaben- und Jünglingszeit, um dann im Leben seinen Mann stehen zu können. Diese verschütteten Jugendwerte wieder aufzudecken und von neuem zu beleben, ist eine Forderung der Gesamtkultur, die in den letzten Jahrhunderten zunehmend eine Alterskultur geworden ist, in der alles, was jugendliche Art zum Gesamtleben beizusteuern hat, verkümmert war. Es ist namentlich eine Forderung der völkischen Kultur, die gerade auf Werten ruht, die von der Jugend am stärksten erlebt werden, und es ist im allerhöchsten Maße das Gebot einer Kultur des deutschen G e i st e s , den man mit vollem Recht immer durch Jugendgestalten symbolisiert hat.
Um nun ganz Knabe und ganz Jüngling zu sein, braucht der junge Mensch in diesen Lebensstufen zugkräftige Vorbilder gleichen Alters, d. h. er bedarf der jugendlichen Führung. Stehen ihm lediglich die Vorbilder von Erwachsenen vor Augen, so kann dies nur zu dem ungesunden Zustand führen, daß er notwendige Entwicklungsstufen überspringt und etwas vorweg zu nehmen sucht, wofür er noch nicht reif ist.
Das seelische Leben ist bei der Jugend enger als beim Erwachsenen mit dem Körper verknüpft, und zwar nicht nur mit Nerven und Gehirn, sondern mit dem ganzen Körper. Darum muß hier der Grund zu den seelischen Eigenschaften gelegt werden, die eng mit dem ganzen Leibe verbunden sind. Mut, Ausdauer, Kämpfergeist, Heroismus setzen auch als seelische Eigenschaften, einen starken, elastischen Körper voraus, der entweder in der Jugend aufgebaut wird — oder niemals. Auch Opferfreudigkeit und ritterliche Dienstbereitschaft sind großenteils an die gleichen Voraus
Lunge Führung — eine Notwendigkeit.
Kultur des Lebendigen. - Kameradschaft als Vorbild.
Von Or. Erich Laensch, o. ö. Professor der Philosophie und Pädagogik an der Universität Marburg.
innerungen großer Männer — Geschichte soll nicht als Tatsachenabfolge, sondern als Ergebnis des Wirkens bedeutender Männer aufgefaßt werden. Die genaue Kenntnis der politischen Geschichte, nicht nur Englands, sondern aller großen Nationen seit 1850, wird für einen englischen Politiker als selbstverständlich vorausgesetzt. Von der älteren Geschichte seiner eigenen Nation braucht er keine Ahnung zu haben. Was in Oxford gelehrt und gelernt wird, dient nur als Ausgangspunkt für eine Entwicklung der Charakterfubstanz.
Das Leben des Oxford-Studenten ist also ebenso gebunden, wie etwa auch das Leben eines deutschen Verbindungsstudenten. Aber diese Bindung hat der Oxforder genau so freiwillig auf sich genommen wie der deutsche Verbindungsstudent. Es steht völlig in seinem Ermessen, ob und welchem Sportklub er sich anschließen will. Für jede Art von Interesse, die er mitbringt, findet er Betätigungsmöglichkeit. Freilich einer oder mehreren Sportarten zu huldigen, in ihnen sich auszuzeichnen, versäumt wohl kaum ein Oxonian.
Die College - Gebäude enthalten außer einer architektonisch hochinteressanten Hauskapelle einen mächtigen Speisesaal, Klubräume, für Frühstück, Lektüre, kameradschaftliches Beisammensein in kleineren Zirkeln. Den Hauptbestandteil aber bilden die „Buden", die Unterkunftsräume für die „under- graduates“, also für die Studenten. Eine solche Wohnung besteht aus zwei geradezu fürstlichen Räumen mit sehr alter gediegener Einrichtung. Der Kamin frißt phantastische Kohlenmengen, aber warm wird es nur in seinem nächsten Umkreis. Ihn umspinnt jene träumende Behaglichkeit, die für den Engländer den Inbegriff häuslichen Glückes bedeutet — auch für den Studenten. Dort läßt's sichs wunderbar diskutieren über all die Probleme, welche die deutsche Entwicklung dieses ungeheuren Jahres über die deutsche Jugend nicht allein, nein über die aufstrebenden Kreise aller Nationen ausgeschüttet hat ...
Sie leben nicht schlecht, diese Söhne der ersten englischen Familien. Zu ihrer Bedienung stehen zu je sechsen ein älterer Portier und ein junger Bursch für die groben Arbeiten zur Verfügung.
Zum Kollegbefuch legen unsere Studiosen über ihren Tagesanzug, der aus grauer Hose, bunter Strickweste, grellem Wollschal und Sportjackett de-
nissen erlangt, die man sich griffbereit zugelegt hat. Diese Prüfungen sind aber nur fakultativ. Nach dem ersten und zweiten Studienjahr ein hochoffizielles Examen, das in den schools abgelegt wird, den Räumen für feierliche Prüfungen. Die Prüfung ist im Dreß, dem gown und cap, dazu dunkler Anzug und weiße Fliege.
Nach dem Triennium kommt dann das feierliche Schlußexamen. Es gibt vier Zensuren. Wer das Examen bestanden hat, wird zum B. A. (Bachelor of Arts) ernannt. Wer „auf Prädikat" geprüft werden soll, muß noch eine besondere Nachprüfung bestehen. Nach zwei Monaten erfolgt dann die feierliche Überreichung des degree, des Doktor- Diploms.
Die gilt aber nur als Brfcheinigung für Die Absolvierung des allgemeinen geistigen Schulungsgangs. Jetzt erst geht der junge Doktor „down“, b. h. er erwirbt sich in London oder an einer anderen Universität die nötigen Fachkenntnisse für einen praktischen Beruf, z. B. den juristischen. Das kostet nochmals zwei bis drei Jahre.
Wer Diplomat werden will, kann sich in diesem Studium ober auch vorher in Oxford um ein Reise- stipendium bewerben, das 250 Pfund beträgt. Solche Stipendien stehen in Oxford jährlich nur vier zur Verfügung.
Die weitere Berufsvorbereitung besteht in der Aneignung praktischer Kenntnisse und Erfahrungen — was schon während der zwei Stipendiumsjahre geschehen kann. Man geht m eine auswärtige Bank, Handels- oder Jndustrie- firma, um das Geschäftsleben fremder Lander genau zu studieren.
Nun trennen fick die Ausbildungsgange: der Diplomat muß sich für das Examen zur Aufnahme ins Foreign Office (Auswärtiges Amt) oorbereiten, bas schwerste in England.
Bei der Beurteilung der Frage, ob ein Bewerber für das Auswärtige Amt reif ist, spielen auch Be-
Eck ^weit7res Mittel, sich einen Start für große Karriere zu verschaffen, ist auch die Tätigkeit als Privatsekretär eines führenden Politikers.
Als besonders wertvolles Mittel zur Selbstschulung gilt das eifrige Lesen der Lebenser-
Sei den Oxforder Studenten.
Von Walter Bloern
Zn Wahrheit geht es aus diesen alten englischen Universitäten zwar etwas anders, aber genau so frei und mindestens ebenso „romantisch" zu wie bei uns.
Ein Universitätsgebäude gibt es nicht m Oxford, die Hochschule zerfällt in die Colleges. Jedes hat feinen eigenen Lehrkörper, der mit den Studenten bie Mahlzeiten, lunch unb dinner, teilt. Diese Lehrer lesen natürlich Kolleg, und das dürfen auch die Angehörigen anderer Colleges besuchen. Im ganzen aber spielt sich das Leben jedes Studenten innerhalb seines Colleges ab — und des Sportklubs, dem er sich anschließt.
Diese Nachrichten über das Oxforder Studentenleben wurden mir vermittelt durch den Leiter des German Club, der mich zur Vorlesung berufen hat. Wer ohne Stipendien die großen Vorrechte erwerben will, die der Oxonian durch feine Eigenschaft als Graduierter dieser vornehmsten Hochschule des Landes ins spätere Berufsleben mitnimmt, muß schon einer reichen Familie entstammen.
*
Der Studiengang wird beaufsichtigt durch einen Professor als sog. Tutor (Schützer). Dieser empfängt den Studenten allwöchentlich zu einer einstündigen Aussprache. Dort stellt er dem Schützling zwei Themen für die beiden allwöchentlich anzufertigenden schriftlichen Arbeiten. Er gibt ihm die dazu erforderliche Literatur, meist nicht mehr als zwei bis drei Bücher. Er läßt sich die in der Vorwoche angefertigten beiden Arbeiten vorlesen unb kritisiert sie. Das nimmt eine halbe Stunde in Anspruch. Etwa zwanzig Minuten lang wirb der Student vom Tutor über den Inhalt der durchgearbeiteten Bücher examiniert.
Ein sehr fleißiger Student hört kaum mehr als ein Dutzend Stunden in der Woche. Das Studium vollzieht sich im wesentlichen als Selbstunterricht durch Lektüre und schriftliche Bearbeitung gestellter Themen.
Die Examina sind über drei Jahre verteilt. Zunächst gibt es nach jedem Ferienabschnitt im College selbst eine „c o 11 e c 11 o n", eine Art Probeexamen für die große Prüfung, bei dem man eine sehr gute Uebersicht über das Maß von Kennt-
setzungen geknüpft. Es ist jedenfalls erwiesen, daß durch Sd)wächlichkeit und dauernde Kränklichkeit kleinliche Selbstsucht, Mißgunst, Unaufrichtigkeit, Verschlagenheit unb Heimtücke oft begünstigt werben, bagegen Offenheit, Geradlinigkeit, Ehrlichkeit, Ritterlichkeit durch einen gesunden und starken Leib.
Junge Menschen leben nicht nur aufs stärkste mit dem Körper, sondern auch mit b<w Sinnen. Darum kann ihnen ein zugkräftiges Vorbild für alles dies nur ein jugendlicher Führer fein, der ihnen sichtbar vor Augen steht.
Jugend erlebt stärker und zwingender als jede andere Lebensphafe den Kameradschaftsgeist. Von der Freundschaft, die der Kameradschaft aufs nächste verwandt ist, sagt schon Aristoteles, daß sie sich am ausgeprägtesten in der Jugend finde, während sich bei Weiteren oft geschäftliche Interessen in sie fälschend einmischen. Echte Kameradschaft schließt jede unehrenhafte Handlungsweise aus; ein jeder würde sich ihrer vor den Kameraden schämen. Ein Führer zu solcher Kameradschaft, und damit Bürgschaft für Ehrenhaftigkeit, muß er ft er Kamerad unter Kameraden fein, d. h. jugendlicher Führer.
Der Grund zu einem festen Glauben, der den Zweifeln des Lebens standhält, wird am besten in der Jugend gelegt. Der junge Führer sei seiner Gefolgschaft auch hierin ein Vorbild!
Alles dies kann nicht gelehrt werden, sondern nur durch eine Art von „Ansteckung" übertragen wer- den. Der zündende Funke muß von einem gleichgearteten Menschen, von einem jungen Führer, auf die anderen überspringen.
Ein junger Mensch sieht in den anderen am ehesten den ganzen Menschen, den ganzen Kerl, und beurteilt sie hiernach. Der Erwachsene mißt sie allzu leicht an beruflichen, fachlichen ober sonstigen Sondermaßstäben, die das Leben bei ihm selbst ausgeprägt hat. Auch der Sinn für die Verhaltungsweisen, die guter und schlechter Rasse eigentümlich sind, pflegt bei jungen Menschen besonders ausgebildet zu fein; vorausgesetzt, daß sie selbst die Norm rassischer M a ß st ä b e in sich tragen, was bei einem jungen Führer der Fall sein sollte.
AEG
lUektro- fl63oV Kühlschränke „Santo-Junior“ Bezug d.d.Fachhandel
Leber Stoff und Sprache des Jugendbuches.
Von Alfons v Czibulka.
Sehr vielen Menschen ist immer noch das Jugend buch gleichbedeutend mit der Jndianergeschichte, mit Wildwestabenteuer, mit Flibustier- und Korsarenromantik und natürlich vor allem mit dem Karl- May-Buch. Jndianerkämpfe, Trapper- und Farmerschicksale, das Rauschen der See, das Pfeifen des Sturmes in Tauwerk und Wanten, der Ruch von Meer und Pulverdampf, die Totenkopfflagge über den Toppen, das sind Dinge, die deutsche Jungen immer begeistern werden. Und das ist auch gut so. Ader ich meine doch, daß diese unsterblichen Jugendbücher, vom Robinson Crusoe bis zum Winnetou, für unsere heutige Jugend zu wenig und in ihrer Plattform zu schmal sind.
Das ist nun nicht so gedacht, daß man der Jugend die Freude an diesen bewährten Unterhaltern der Bubenzeit nehmen soll. Aber man soll ihren Sinn beizeiten doch noch auf etwas anderes lenken, ihr Bücher geben anderer Art. Ich meine hier nicht das Buch aus der Welt der HI. und des Jungvolks, nicht die Bücher über Technik und Naturwissenschaften, über moderne Forschungsreisen und Fliegerabenteuer: daß solche Bücher dem Jungen heute längst unentbehrlich sind und ihn begeistern, ist selbstverständlich und nötig. Ich denke an etwas anderes.
Ich glaube, daß es bei der natürlichen Begeisterungsfähigkeit der Buben zwischen 12 Jahren und dem Jünglingsalter, bei ihrer Aufgeschlossenheit für
steht, den gown an, ein schwarzes Mäntelchen, ähnlich unseren Anwaltsroben, das aber nur bis zum Knie reicht, manchmal recht verknittert und verschlissen ist. Zu dem dress gehört eigentlich noch die cap, eine schwarze Tuchmütze in Form einer Ulanen-Tschapka. Die wird aber nur von den Studentinnen und den Professoren wirklich getragen, die männlichen Studenten tragen nur im eisigsten Winter eine Kopfbedeckung.
Wir fitzen im Kolleg. Der Professor im gleichen, nur etwas längeren Ornate tritt ein, von keiner Kundgebung begrüßt, noch jemals durch Zeichen des Beifalls oder Unbehagens unterbrochen.
Später zeigt man mir den großen Speifesaal, die Hall, ein Wunderwerk der Raumkunst von 1529. Abends nehmen wir in diesem Saal das dinner zusammen mit allen 180 Insassen des College und der Dozentenschaft, die auf einer Estrade speist. Keine Beleuchtung, nur auf allen Tischen unzählige Kerzen, freilich mit spitzen elektrischen Mattbirnen statt der Flammen.
Die drei deutschen Studenten: natürlich ist ihr brennendster Ehrgeiz, es in Haltung, und vor allem in sportlicher Leistung den englischen Kommilitonen gleichzutun. Einer von ihnen ist der Vorsitzende des German Club, der aber nur wenige deutsche Reichsangehörige als Mitglieder zählt, lieber 90 v. H. der Mitglieder sind Engländer, welche deutsche Sprache, Literatur und Kultur studieren und die Dorträge deutscher Schriftsteller und Politiker als Studienmaterial in sich aufnehmen. Der Schatzmeister ist ein Engländer. Das Verhältnis zwischen den Einheimischen und den Deutschen ist ausgezeichnet. Sie sind als Kameraden aufgenommen — die Deutschen.
Ich werde von einigen englischen Studenten zum Tee geladen. Hier werden mir sehr eingehende Fragen über die deutschen Geschehnisse gestellt. Ich kann manches groteske Mißverständnis terftreuen. Politisch ist die Studentenschaft nationalistisch eingestellt, aber zugleich durchaus „pazifistisch" in einem spezifisch englischen Sinne.
Verstandesmäßig, will mir scheinen, stehen die Engländer und wir uns recht nahe. Das Lebensgrundgefühl beider Nationen ist durch tiefe Klüfte getrennt. Nur die Erkenntnis des Aufeinander- Angewiefenfeins in der großen Leb-mskrife der weißen Völker kann und wird die Abgründe überbrücken.


