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Nr 208 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhesien)

grcitag, 6. September 1935

Großer Ziegenmarkt in Gießen.

195 Tiere aufgetrieben. Versteigerung und Prämiierung.

Am vergangenen Mittwoch hielt der Kreisziegen- guchtverein Gießen in unserer Stadt seinen Ziegen- markt auf den Biehmarktanlagen ab, mit dem auch in diesem Jahre wieder eine Prämiierung und eine Versteigerung von Böcken verbunden war Das Material, das zum Markt aufgetrieben wurde, war, was die Böcke anbstrifft, gut, die weiblichen Tiere waren zum großen Teil mit sehr gut zu be­werten. Insgesamt waren 195 Tiere einschließlich 38 Böcken aufgetrieben. Neben den Ziegenhaltern und -Züchtern aus zahlreichen Orten des Kreises Gießen waren auch Ziegenbesitzer aus den Kreisen Friedberg und Alsfeld erschienen. Welche Bedeu­tung dem Gießener Ziegenmarkt in Fachkreisen bei­gemessen wird und welcher Beliebtheit er sich er­freut, geht schon daraus hervor, daß in diesem Jahre nicht nur Interessenten aus der näheren und weiteren Umgebung, sondern auch Käufer aus dem Saargebiet, aus Saarlouis und aus Meiningen (Thüringen) anwesend waren und einige sehr gute Tiere erstanden. Das höchste Gebot, das bei der Versteigerung für einen Bock abgegeben wurde, be­trug 200 Mark. Viele Tiere wechselten den Be­sitzer, es verblieb geringer Ueberstand.

Oie Grgebniffe her Prämiierung:

Klasse I (ältere Böcke): 1. Preise Gemein­den Watzenborn-Steinberg und Holzheim. 2. Preise erhielten Großen-Buseck und Wieseck.

Klasse II (einjährige Böcke): 2. Preis Gemeinde Watzenborn-Steinoerg.

Klasse III (ältere Ziegen): Ehrenpreise erhielten: Heinrich Münch und Christoph S ch e l d, Großen-Buseck; Heinrich Münster, Hattenrod; Heinrich Vogel, Gießen; Johann Cyriax, Gro- ßen-Linden. Mit 1. Preisen wurden bedacht: Karl Wilhelm Wagner, Großen-Buseck; W. Wag­ner IX., Großen-Buseck; Heinrich Scheid VII., Großen-Buseck; Ludwig Weigand und Philipp Zimmermann, Großen-Linden; Karl Weiß, Steinberg.

Klasse IV (zweijährige Ziegen): Ehren­preise: Heinrich Hofmann, Wieseck; August

Sieg, Hattenrod. 1. Preise: Heinrich M ü n st e r, Hattenrod; Ludwig Scheid V., Großen-Buseck; Adam Zinn, Gießen.

Klasse V (einjährige Ziegen): Ehren­preise: Karl Philipp IV., Steinberg; Karl Herz­berger, Großen-Buseck. 1. Preise: Heinrich I o st, Großen-Buseck; Ludwig Mehl und Ludwig Mag­nus, Großen-Linden; Karl Klee, Holzheim; Otto Jäger, Launsbach.

Lämmer: 1 Preise: Karl Philipp, Steinberg; Katherine Schneider Wwe., Großen-Bufeck; Ludwig Magnus, Großen-Linden; H. Jeschke, Gießen; Karl Stark, Wieseck.

Fleisch aus dem Meere - Heringe.

Immer neue gewaltige Heringsmassen bringen die Dampfer und Logger in die Seefischereihäfen, denn große Heringsschwärme haben sich aus den Fisch­gründen der Nordsee eingefunden. Etwa 500 Fahr­zeuge waren in den letzten Tagen ausqefahren, um ihre Schleppnetz- und Treibnetzheringsfischerei aus­zuüben. Ihrer Arbeit war reicher Erfolg beschieden. In der Fischindustrie der Hafenstädte herrscht Groß­betrieb. Viele Tausende schaffende Menschen sind in dem Großhandel und der verarbeitenden Industrie tätig, um den Hering frisch oder auch verarbeitet dem Verbraucher bis in den letzten Winkel des Binnen­landes zuzuführen.

Wie ein Strom rollt nun der Reichtum der See durch das ganze Vaterland und versorgt die Volks­genossen mit gesunder, schmackhafter und billiger heimischer Nahrung. Frische Heringe oder die daraus hergestellten goldgelben, fetten Bückinge, wie auch Salzheringe erfreuen sich in den Frühherbsttagen großer Beliebtheit.

Denke jeder daran, daß jeder für Hering und seine geräucherte Form (Bücking) ausgegebene Pfennig ausschließlich der deutschen Volkswirtschaft und somit den deutschen Arbeitskameraden zugute kommt. Der Hering ist durch all seine Eigenschaften das gegebene Volksnahrungsmittel.

Diese fünf jungen Böcke und ein Lamm wurden vom Kreisverband Saarlouis erworben.

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Die Ziegen werden zur Prämiierung im Ring vorgeführt. (Aufnahmen [2]: Photo-Pfaff.)

Aus der Provinzialhauptstadt.

IBenn ich ein Vöglein wär..."

Ueber Felder und Weiden ziehen in diesen Tagen die Vogelscharen dahin, die sich zum Aufbruch sam­meln und ihre Uebungsflüge durchführen. Der Wandertrieb hat sie wieder gepackt. Auf und ab steigt die Vogelschar, wendet sich, von einem Willen geleitet, nach rechts und nach links, überfliegt den Wald und den Fluß, zerstreut sich, um sich dann auf einem Stoppelfeld niederzulassen.

Obwohl die Wissenschaft vom Vogelzug schon lange an der Enträtselung dieser Erscheinungen ar­beitet, ist das alljährliche Schauspiel des Vogelzuges immer noch in Geheimnisse gehüllt. Man nimmt an, daß der Zugtrieb des Vogels in eine vergangene Erdepoche zurückreicht, in den Beginn der Eiszeit, als sich für Mittel- und Nordeuropa erst der ein­schneidende Wechsel der Jahreszeit bildete. Woher der Vogel aber den richtigen Zeitpunkt der Abreise weiß und wie er seinen Weg findet, das müssen wir vorläufig ohne nähere Erklärung seinen In­stinkten Zuschreiben. Es ist ja Tatsache, daß der Mauersegler, der erste Vogel, der uns verläßt, schon mitten im Sommer, zu Anfang August, fortfliegt, zu einer Zeit also, da ihn noch keine Naturerschei­nung an den nahenden Herbst und Klimaänderung erinnern kann. Ebenso wahr ist es, daß bei be­stimmten Vogelarten die Jungvögel dieses Sommers vorausziehen, ihren Weg allein finden, den sie doch vorher noch nie geflogen sind. Dann gibt es wieder andere Arten, bei denen nur das Weibchen den Winter im Süden verbringt, während das Männ­chen in Schnee und Eis aushält.

Es gibt also viele Merkwürdigkeiten beim Vogel­zug zu beobachten. Vorerst haben die Ornithologen sich die Aufgabe gestellt, die Route zu erkunden, die die einzelnen Vogelarten auf dem Weg nach dem Süden und zurück nehmen. Die Vogelwarten Helgo­land und Rossitten verzeichnen viele Vögel mit Fußringen, auf denen der Absender und das Wört­chenretour" eingeprägt sind. Aus der Reihe von Gegenden, in denen Zugvögel gefangen oder ver­letzt oder tot aufgefunden werden, läßt sich dann

der Weg nach Süden zusammenstellen Man hat schon festgestellt, daß die Alpen gar nicht oder nur ganz selten überflogen werden und daß der Zug der einzelnen Vogelarten' über ganz bestimmte Landstriche geht. Die deutschen Störche, die östlich der Weser seßhaft sind, ziehen in südlicher Richtung über den Balkan nach Afrika, während die westlich der Weser brütenden über Südfrankreich und Spa­nien zum gleichen Ziele gelangen. Es wird wohl noch lange dauern, bis man genaue Auskunft über Ursache und Wesen des Vogelzuges findet, und sicher wird diese Erscheinung auch dann noch wun­derbar genug für uns fein.

OieneueBergnügunassteuerinGiehen.

Die Bürgermeisterei Gießen veröffentlicht in unserem heutigen Blatte eine neue Steuerordnung über die Erhebung einer Vergnügungssteuer in der Stadt Gießen. Die wichtige Bekanntmachung sei allen Vereinen und sonstigen Veranstaltern zur be­sonderen Beachtung dringend empfohlen.

Ladenschluh auf dem Lande vorverlegt.

LPD. Bekanntlich war in den Landgemeinden mit Rücksicht auf die Feldarbeiten in den Sommerzeiten die Verkaufszeit bis 21 Uhr erstreckt worden. Diese Ausdehnung ist abgelaufen, und mit Beginn des Monats ist der Ladenschluß wieder überall auf 19 Uhr festgesetzt. Das Offenhalten der Läden über die festgesetzte Zeit hinaus führt zur Bestrafung der Inhaber. Von der Käuferschaft wird erwartet, daß sie bis 19 Uhr ihre Einkäufe getätigt hat, denn auch der Kaufmann und seine Mitarbeiter und Angestellten benötigen ihren Feierabend.

Evangelisch-kirchliche O enstnachnchien

ELP Ernannt wurden: der Pfarrverwalter Hans H ö r e s zu Geinsheim, Dekanat Groß-Gerau, zum Pfarrverwalter der Pfarrei R o d h e i m a. d. Horloff, Dekanat Hungen, mit Wirkung vom 16. Juli 1935 ab; der Pfarrassistent Helmuth Helms zu Rhein-Dürkheim, Dekanat Worms, zum Pfarrverwalter der Pfarrei Knegsheim, Deka-

Zu jedem kommt einmal das Glück Vornan von Ellen Kulm

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 13 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Während sie noch die Bilder betrachtete, schob sich plötzlich ein Arm unter den ihren, und eine Helle Mädchenstimme sagte:Na, du Traumliese! Jetzt komm aber mal schnell, wir wollen doch noch proben."

Erstaunt musterte Monika die Sprecherin, die mit einem verlegenenEntschuldigen Sie!" ihren Arm aus dem ihren zog.

Es war em nettes, freundliches, schwarzhaariges Ding, mit übermütigen Augen, die sogleich auf­blitzten, als Monika freundlich nickte.

Sie war schon im Begriff, im Eingang zu ver­schwinden, als sie sich noch einmal umwandte:

Ach, es ist wirklich zu komisch. Ich habe Sie nämlich für eine Kollegin von mir gehalten, und dabei sind Sie doch blond und viel größer, aber doch sehen Sie ihr wieder fabelhaft ähnlich. Also nichts für ungut."

Sie schlüpfte jetzt wirklich in eine kleine Seiten- pforte, bevor noch Monika, die ganz verblüfft da- ftanb, eine Frage an sie richten konnte.

Monika stand einen Augenblick wie betäubt. Em Gedanke war in ihr aufgeblitzt, der sie reglos an den Platz bannte. Eine Ähnlichkeit mit ihr! Em Mädchen, das in einem Kabarett auftrat. Konnte das nicht jenes Mädchen fein, das Johnie Klinke geliebt hatte? , , ,

Und sie hatte deren Kollegin fortgehen lassen. Wie sollte sie nun erfahren, um wen es sich han­delte? Sie konnte doch nicht an den Portier her­antreten und ihn fragen, wer das Mädchen sei, das ihr ähnlich sehe. Vielleicht würde er sie für verrückt halten! Aber halt da hing ja auf der anderen Seite noch so ein Kasten mit Bildern.

Hastig ging Monika hinüber und studierte die Ankündigungen. Ein spanischer Sänger, ein Zau­berkünstler, eine Harfenistin, aber hier ein hübscher, feiner Mädchenkopf mit wunderschönen Augen sah die ihr nun ähnlich? Aber da stand ja der Name: Evi von Tanner so hatte sie geheißen! In Monikas Kopf begannen die Gedanken wie toll au wirbeln. Sollte sie zu Johnie gehen und ihm davon erzählen? , , . .. .

Nein, das würde sie niemals tun, und sie durste ja auch nicht verraten, daß sie sein Geheimnis kannte! Oder zu Frau Klinke? Wer die wurde von der ganzen Sache nichts wissen wollen. $tel- leicht sollte auch sie, Monika, tue Finger davon lassen. Doch sie fühlte, daß sie das nicht konnte.

Sie brannte in allen Fibern vor (Erregung, diese Evi von Tanner zu sehen. Sie mußte sie sehen koste es, was es wolle!

Sie trat an den Portier heran.

Bitte, wann tritt Fräulein von Tanner auf?" Ach, die Kleine, die die deutschen Lieder singt? Ganz am Anfang natürlich. Sie macht es ja ganz nett, hat aber kein Temperament. Die kommt im­mer dran, solange noch ganz wenige Gäste da sind um neun Uhr ungefähr"

Während Monika ins Hotel zurückkehrte, war ihr Entschluß schnell gefaßt. Sie wollte noch heute abend diese Evi von Tanner sehen! Und mehr als eine halbe Stunde brauchte sie sich ja gar nicht aus dem Hotel zu entfernen!

Der Zufall kam ihr zu Hilfe.

Frau Klinke hatte ihre Korrespondenz nicht be­enden können und entschloß sich nach dem Abend­essen, ihr Zimmer aufzusuchen, um weiterzu­arbeiten.

Monika begleitete sie und erklärte, auch noch ihrer Freundin schreiben zu müssen.

Dann ging sie eilig auf ihr Zimmer, warf den Mantel über und huschte die Treppen hinunter. Atemlos stand sie nach wenigen Minuten vor dem Eingang des Kabaretts.

Sie zögerte einen Augenblick. Sie war es nicht gewöhnt, allein irgendwohin zu gehen. Und nun gar in ein Kabarett.

Aber es mußte fein. Ein Blick auf ihre Uhr zeigte ihr, daß Evi von Tanner gewiß schon auftreten würde, und sie wollte sie unbedingt nicht nur sehen, sondern auch ihren Vortrag hören.

So ging sie denn hastig an dem Portier vorbei und schlüpfte auch an der Garderobe vorüber, ohne abzulegen. Im Gegenteil, sie schlug ihren Man­telkragen hoch hinaus, als wollte sie sich dahinter verstecken.

Sie betrat einen kleinen, nur schwach beleuchteten Saal, an dessen Ende ein kleines Podium stand. Darunter war ein Klavier, vor dem ein Klavier­spieler saß, der hin und wieder ein paar Töne an­schlug.

Es war fast noch leer. Nur einige Besucher saßen verstreut umher; die meisten hatten, wie Monika mit Erleichterung konstatierte, eine Tasse Kaffee vor sich stehen. Auch Monika bestellte Kaffee und setzte sich dann an einen Tisch fast ganz vorn, aber an der Seite, so daß sie selbst im Schat­ten saß. Von hier aus konnte sie das Podium gut beobachten

1 Kurz nach ihrem Kommen erschienen noch em paar andere Besucher, und der Klavierspieler griff mit einem energischen Ruck in die Tasten und spielte einen Schlager. Gleich nachdem er aufgehört hatte, teilte sich ein Vorhang hinter dem Podium, und ein Mädchen trat heraus. Sie hatte em sehr ein« faches schwarzes Kleid an, und die kurzgeschnitte­nen braunen Haare waren nicht in Wellen gelegt, sondern hingen schlicht über die Ohren.

Monika fühlte eine seltsame Erregung^ Das Mädchen gefiel ihr sehr gut. Sie sah so gut er­zogen, so bürgerlich aus, trotzdem sie sehr schön war. So schön bin ich doch gar nicht!, dachte Mo­nika fast betroffen.

Unterdessen begann Evi von Tanner zu fingen. Und jetzt erlebte Monika wirklich eine lieber» raschung. Monika war sehr musikalisch und hatte ein feines Ohr. Und sie fang auch selbst, trotzdem sie niemals fingen gelernt hatte; und nun erinnerte sie die Stimme des Mädchens da oben an ihre eigene.

Sie merkte sofort, daß diese kleine, zarte Stimme wohl auch niemals geschult worden war. Genau so wie sie selbst sang Evi von Tanner nach dem Ge­hör, und genau so wie sie selbst lebte sie in den ein­fachen Melodien, die sie zu ihrem Vortrag wählte.

Sie sangFeldemsamkeit" von Brahms ein Lied, das Monika über alles liebte, und das ihr auch jetzt sofort die sonnenstille Mittagsglut auf dem Lande in die Erinnerung zurückrief. Wie oft hatte sie dieses Lied gesungen, und ganz genau fo empfand Evi von Tanner wie sie. Nicht einen Ton hätte Monika anders gewollt. Aber der Bei­fall war nur schwach, die Besucher hatten kaum hingehört.

Evi von Tanner verbeugte sich mechanisch, dann fang sie ein einfaches, sentimentales Volkslied.

Ach, was ist das für ein Limonadenmädchen!" hörte Monika an einem Tisch in ihrer Nähe eine blonde Frau zu ihrem Begleiter sagen.Das ist ja zum Sterben langweilig."

Deswegen ist sie auch 'die erste Nummer, da wollen sie doch immer was Seriöses", belehrte sie ihr Begleiter, der auf feine Weisheit sichtlich stolz war und zu Monika hinüberblinzelte, ob sie ihn auch gehört hatte.

Der Beifall war noch matter. Monika hätte gern der armen Kleinen oben applaudiert, aber sie war fo aufgeregt, daß sie sich nicht dazu ent­schließen konnte.

Nun schlug der Klavierspieler andere Töne an und begann einen Schlager zu spielen.

Monika sah, wie Evi ein paarmal schluckte, aber dann mutig und mit lauter Stimme loslegte. Es war ein sehr beliebter Schlager, der fast keine Me­lodie hatte, aber einen sehr schmissigen Rhythmus. Jetzt hörten die Besucher zu, einige summten den Refrain mit; beim zweiten Male war es mehr und beim dritten herrschte schon etwas Stimmung. Auch der Beifall setzte überraschend stark ein.

Ueber Evis schüchternes Gesicht glitt ein Lä­cheln, während sie sich dankbar verbeugte. Dann wollte sie abgehen, aber ein Herr rief:

Na, geben S' was zu, Fräulein, jetzt sind Sie ja endlich ein bißchen in Zug gekommen."

Evi von Tanner blieb verlegen stehen und blickte zu dem Klavierspieler hinüber.

Der lächelte ihr zu und zeigte ihr einen buntbe­druckten Schlagerumschlag. Evi nickte

Jetzt fang sie wirklich hübsch. Vorhin schien ihr die Angst die Kehle zugeschnürt zu haben, jetzt hatte sie schon etwas Mut.

Monika hörte ihr mit geschlossenen Augen zu.

Das kannte sie noch nicht, aber es gefiel chr.

. Zu jedem kommt einmal das Glück, Vielleicht kommt es heute zu dir...

Vielleicht geht es leise

Schon jetzt auf die Reise ..."

Ganz, ganz zart summte Monika die einschmei­chelnde Musik mit. Aber plötzlich fuhr sie in die Höhe. Sie besann sich wieder, weswegen sie gekom­men war.

Zu jedem kommt einmal das Glück...

Es war auch einmal zu dieser Evi von Tanner gekommen. Damals, als Johnie Klinke sie liebte. Aber Evi von Tanner hatte ihn ja nicht gewollt. Sie hatte nur einen reichen Mann gewollt, und sie hatte keine Ahnung gehabt, welches Vermögen Joh­nie Klinke besah. Aber sah denn dieses kleine, feine, bescheidene Mädchen fo aus, als wäre sie be­rechnend und geldgierig?

Die Schlußworte verklangen sehr zart und traurig:

... Denn zu jedem kommt nur einmal

Das Glück."

Ja, Evi von Tanner, zu dir war es gekommen! Und es kommt nur einmal. Und du hast es von dir gestoßen. Und jetzt wird Johnie am Ende diese Shirley Preston heiraten! Denn die wird ihn nicht zurückstoßen o nein! Die tat alles, um ihn zu bekommen, und sie war ganz die Frau, die das fertigbrachte, was sie sich oorgenommen hatte.

Monika hatte gar nicht gemerkt, daß Evi von Tanner das Podium verlassen hatte.

Jetzt stand bereits ein langer, blasser Jüngling mit einer Mandoline, in einem Pierrotkostüm, an ihrer Stelle und verbeugte sich geziert und erfolg- sicher nach allen Seiten.

Monika stand hastig auf. Sie winkte den Ober heran, bezahlte ihren Kaffee und ließ sich nichts herausgeben. Dafür fragte sie den sich höflich Ver­beugenden:

Wie komme ich zu den Garderoben der Künst­ler?"

Sie errötete unter dem frechen Lächeln des Kell­ners und sagte schnell:

Ich möchte die Sängerin, die jetzt gesungen hat, sprechen. Es ist eine Bekannte von mir, ich bin hier auf der Durchreise."

Ach, wohl gerade stellungslos, Fräulein? Aber Fräulein Evi kann nichts für Sie tun. Der ist selbst bange um den Posten da. Der Direktor sagt, mit solchen Sachen, wie sie singt, da kann man hier nichts aufstecken. Heute hat sie ja endlich einen Schlager gesungen. Vielleicht behält er sie doch sie ist ein sehr armer Teufel, das Fräulein Tanner."

(Fortsetzung folgt!)