Ausgabe 
6.9.1935
 
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Nr. 208 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderheffen)Zreitag.b. September 1035

Oie vier Murillos.

Von Peter Purzelbaum

Während des Einfalls der Franzosen im Jahre 1810 wurden in einem spanischen Trappistenkloster vier Soldaten, die der Division des Generals Tour- got angehörten, von Mönchen erschlagen. Darauf ließ der General das Kloster besetzen, sämtliche In­sassen gefangen nehmen und sich den Prior vor- führen.

Ihr habt vier meiner Grenadiere getötet!", brüllte er ihn an.Dafür sollt Ihr und alle Eure Konfratres erschossen werden!"

Der Prior bat um Gnade. Die Tat der Mönche, die von den Soldaten in schlimmster Weise behan­delt worden seien, wäre ein Akt der Verzweiflung gewesen. Man wolle Entschädigung leisten.

General ToUrgot hatte in Erfahrung gebracht, daß sich in jenem Kloster vier Meisterwerke des be­rühmten Malers Murillo befanden. Da er ein leiden­schaftlicher Sammler war, sagte er:

Sie sind mir vier Grenadiere schuldig, fierr Prior geben Sie mir die gleiche Anzahl Mu­rillos dafür, und wir sind quitt."

Da dem Prior keine andere Wahl olieb, wander­ten die vier Bilder in die Plivatgalerie des Gene­rals nach Paris.

Nach Beendigung des spanischen Feldzuges winkte eines Tages Napoleon bei der Parade Tourgot zu sich heran:

Mein General! Wie ich erfahre, besitzen Sie vier wundervolle Murillos. Wollen Sie mir diese nicht abtreten? Ihr Schaden soll es nicht sein."

Wohl oder übel erklärte sich Tourgot hierzu bereit, und bereits am Tage darauf hingen die vier Ge­mälde im Louvre.

Wochenlang wartete er auf die versprochene Ent­schädigung. Endlich redete ihn der Kaiser eines Tages wieder an:

Ich habe Ihre Murillos gesehen, General, es sind herrliche Kunstwerke, und Sie sollen nun auch den Gegenwert erhalten."

Tourgot verbeugte sich tief, denn schon sah er sich im Geiste als Vizeköniq eines eroberten Staates, mindestens aber als Feldmarschall.

Berthier!" rief Napoleon.Such mal gleich vier stattliche Grenadiere aus meiner Garde aus und laß sie in die Division des Generals Tourgot ein­treten."

Dann wandte sich der Korse mit boshaftem Lächeln an den aus allen Himmeln Gestürzten:

Sie sehen, General, ich erstatte Ihnen den vollen Kaufpreis zurück."

OieIagd im September

der

die

keck, in* Rieche

wohl?" dennoch

alles!"

Maxe roch daran, Fritz roch daran, auch Laufbursche Karlchen roch daran.

Donnerwetter!" meinten sie einstimmig.

Kulicke steckte die Zigarre ein und rollte auf

Toreinfahrt zu. Stand Pietje, der Pförtner, vor der Toreinfahrt und schmauchte sein Pfeifchen.

der drei Elefanten trägt das übliche Arbeitsge­schirr mit einem langen, aus Ledersträhnen ge­fertigten, armdicken Tau versehen. Er bleibt ein wenig zurück, während die beiden anderen sich in die Herde hineinschieben. Zwischen ihnen schleicht ein Singhalese, das zu einer Schlinge geformte Ende des Taus in der Hand.

Die wilden Elefanten drängten sich weiter zu­sammen. Kaum hat das ausgewählte Tier einen Schritt gemacht, so sitzt ihm unfehlbar beim Auf­heben des Fußes die Schlinge um das eine Hinter­bein.

In demselben Augenblick zieht der Arbeitselefant an, die beiden anderen Elefanten nehmen den Häftling in die Mitte und versuchen ihn umzu­drehen, so daß er mit dem Kopf nach vorn den Kral verläßt. Wo dieses Manöver mißlingt, wird der Widerspenstige am Bein hinausgezogen, wie man bei uns ein Schwein zu greifen pflegt.

Jeder Versuch des wilden Elefanten, nach den Führern zu langen, um sie zu zerstampfen, wird von dem zahmen Elefanten im Keim erstickt. Ge­schickt legt sich ihr schwerer Rüssel auf den des Wildlings, in ihrer Sprache:Sei brav, alter Freund!" Dann wird das Tier außerhalb des Krals an einen dicken Baum gefesselt, bis Hunger und Durst es an den Menschen gewöhnen.

Mit Vorliebe werden nun die jungen Tiere zu­rückbehalten, weil diese sich besser zähmen lassen. Die alten Elefanten erhalten die goldene Freiheit wieder wenn sie es nicht vorziehen, sich selbst zu befreien. Am fünften Tage war dies auch hier der Fall. Ein riesiger bösartiger Einzelgänger gab das Signal. Prasselnd stürzten die schweren Stäm­me zusammen, und hinweg über die schreienden Träger und Arbeiter stürmte der Rest der Herde in das Dunkel des Urwalds zurück.

Nicht immer geht übrigens dieser Elefantenfang so unblutig ab. Es kann Vorkommen und kommt sogar häufig vor, daß die zahmen Elefanten sich von der Wildheit ihrer Brüder anstecken lassen und nach ihren Führern greifen, von denen dann nichts weiter übrig bleibt als eine formlos blutige Masse.

Wer hat, hat", griente Kulicke im Weiterschieben. Dor der Treppe hielt er an. Folgte das Abladen der Ballen und das Hinaufrollen, eine halbe Treppe hoch. Er mußte stets mit beiden Schultern schieben. Noch rechtzeitig entsann er sich der Zigarre, holte sie aus der lockeren Rocktasche und legte sie behut­sam auf die untere Verzierung des Treppengelän­ders. Da konnte er von oben sehen, daß sie keiner fand", wie er sie gefunden. Und jetzt ran! Er spuckte in die Hände. Der runde Ballen rollte, von Kulicke getrieben, die Stufen hinauf. Auf der sieben­ten Stufe etwa geschah es, daß Kulicke ausglitt, zum ersten Mal ausglitt, während all der Jahre. Der Papierballen knallte gegen das Geländer und Ku­licke sauste auf seiner hinteren Plattform die sechs Stufen hinab. Der Ballen hinter ihm her. Unten angelangt, stemmte er sich mit dem Rücken gegen den Ballen und sing ihn auf. Gottseidank, dachte er, das ging gerade noch. Nicht weiter schlimm! Er stand auf. Als er aufstand, knisterte irgend etwas unter feinem Schuh. Er zog den Fuß weg. Ein goldenes Ding glänzte dort. Er hob es auf. O Gott! er schlug sich an die Stirn die Zigarre!

Zehn Minuten lang saß Kulicke reglos auf der unteren Treppenstufe. Kamen ein paar vorbei von den Arbeitern, riefen ihn an. Er antwortete nicht. In der hohlen Hand hielt er die zerquetschte Zigarre Er roch daran. Noch immer war es der Dust ferner Länder, der ihn anwehte. Dann holte er fein Pfeif­chen heraus und stopfte die halbe Zigarre hinein, fein zerkrümelt. Und jetzt begann er wieder zu lächeln.

Jetzt war alles wieder gut.

Oberhessisches Schwurgericht.

Der Peter Angermund aus Neuß (zuletzt in Büdesheim) wurde gestern wegen Verbrechens der schweren Körperverletzung mit Todesfolge und eines Vergehens der Körperverletzung zufechsIahren und zwei Monat e.n Zuchthaus und in die Kosten des Verfahrens verurteilt.

Die Mutter des jetzt 24jährigen Angeklagten starb bereits im Jahre 1915, und er fand in einem Waisen­haus Unterkunft. Nachdem der Vater zum zweiten­mal geheiratet hatte, gestaltete sich die Erziehung des Angeklagten durch seine Stiefmutter infolge seiner Verstocktheit außerordentlich schwierig. Bereits im Jahre 1921 kam er in Fürsorgeerziehung, in der er bis zu seiner Volljährigkeit verblieb. Nachdem er wiederholt als Arbeiter in der Landwirtschaft tätig gewesen war, kam er in die Erziehungsanstalt zurück. Vom 11. April 1933 bis 17. April 1934 war der Angeklagte im Freiwilligen Arbeitsdienst, wo seine Führung auch sehr zu wünschen übrig ließ. Danach kam er auf das Schloßgut in Büdesheim in Arbeit. Die Anstellung erfolgte durch den Adolf Rothen. Letzterer war feit etwa fünf Jahren bei dem Gutspächter tätig. Für feine Arbeit benötigte er laufend zwei Hilfsmänner, die er selbständig an­stellte und entlohnte; lediglich die Anmeldung zur Krankenkasse erfolgte durch den Gutspächter. Äußer Angermund war Rothen damals noch sein 17jähriger Sohn Hans als Hilfsmann unterstellt. Rothen wird allgemein als sehr fleißiger, zuver­lässiger und besonnener Mensch geschildert. Am Tage vor der Tat war Angermund über Rothen sehr ver­ärgert, weil er noch nicht zur Krankenkasse ange­meldet war. Diese Unterlassung war jedoch auf die Vergeßlichkeit der Tochter des Gutspächters zurück­zuführen, die diese Anmeldungen vornahm.

Am Morgen des 11. April 1935 waren der Sohn

Kulicke steckte die wertvolle Zigarre, behutsam mit spitzen Fingern, in die äußere Rocktasche, und zwar recht locker, damit sie nicht zerbrach: Im­mer Vorsicht, denn wußte man, wann man wieder mal zu so was kam? Als er um die Ecke bog, ta­rnen ein paar Arbeiter vorbei aus der Setzerei, die er gut kannte.

Hallo, Maxe" rief er,gucke mal, hier, sone Zigarre! Glück muß man haben, Mensch, das ist

Du mit deinem Misttobak!" rief Kulicke folge des soeben genossenen Triumphes mal!"

Nana" grunzte Pietje,dir haben sie

Aber seine Nasenflügel weiteten sich wohlgefällig, als er das Fundobjekt beroch.

Clefantenfang auf Ceylon.

Oie ganze Bevölkerung nimmt teil. Eine Jagd, die das Leben kosten kann.

Von Kurt Zreytag.

Septemberjagd Herbstjagd! Vom wolkenlosen, blauen Himmel sendet die Sonne ihre Strahlen hernieder, die weißen Fäden desÄltweibersom* mers" treiben im Herbstwind über die Stoppeln da­hin. Die rechte Zeit der Jagd auf das Rebhuhn ist da. Die Ketten sind schußreif, der Besatz scheint mindestens normal zu fein, nun noch ein guter Hund und eine saubere Flinte dazu, das ist ein Weidwerk, das manchem Jäger als das schönste gilt in des Jagdjahres Lauf. Bei keiner Jagdart ver­wachsen der Weidmann und sein vierläufiger Weid­geselle so miteinander wie bei der Hühnersuche. Ge­rade die Hochschätzung des Huhnes und seiner Jagd läßt es immer wieder merkwürdig erscheinen, wie wenig eifrige Hühnerjäger oft für die Hege dieses Wildes tun. Diese muß schon bei dem Beschuß be­ginnen. Grundfalsch ist es, einzelne Ketten ganz zu jchonen, etwa weil sie im Herzen der Jagd liegen, und andere, an den Grenzen, bis zum letzten Stück abzuschießen. Eine unbeschossene Kette neigt sehr stark zum Wandern und verschwindet oft ganz. Man beschießt jede Kette, und zwar etwa bis auf einen Rest von sechs Stück. Davon gerät noch ein Teil im Winter in Verlust, der Rest aber stellt den nächst* jährigen Besatz sicher.

Früher wurde mit dem Huhn vielfach die Wach­tel zusammen gejagt. Heute ist sie kein jagdbares Wild mehr, so sehr ist ihre Zahl zurückgegangen.

Der dritte Hühnervögel unserer Felder, der Fa- fan, hat noch bis Monatsende Schonzeit.

Auf den Dörfern lief oder läuft noch die Dresch­maschine. Wer es gut meint mit der Hege seiner Hühner und Fasanen, sichert sich die nötige Menge Kass, das meist doch verbrannt wird, und beschickt

Oie Zigarre.

Von Karl von Element.

Der Herr war groß und breit und schritt gewichsig den Bürgersteig entlang. Einmal senkte er seine Hand in die innere Rocktasche, zog ein schweins* ledernes Etui hervor und griff eine Zigarre daraus. Dabei entglitt eine zweite Zigarre der schmalen Lederöffnung und fiel zu Boden. Der Herr merkte nichts davon.

Kulicke kam vorbei mit feinem Karren. Er schob eine Ladung Papier, große runde Ballen, in die Druckerei. Kulicke stapfte schwitzend am Rand des Bürgersteiges entlang und warf den Kopf nach links, weil der Kragen ihn drückte. Da eben er­glänzte die goldene Bauchbinde der Zigarre im Sonnenlicht. Der Karren stand sttll, und Kulicke hob die Zigarre auf, noch ehe sie von unachtsamen Pas* santen zertteten werden konnte. Er roch daran. Hm, machte er denn ein Dust wie von fernen Ländern stieg ihm in die Nase. Das war ja dachte Kulicke eine Importe war das, oder sowas. Mensch dachte er was so'n Ding bloß Geld kostet! Ne Kostbarkeit ist das. Die rauch ich nach Feierabend.

Oas Brot der Heimat.

Von Willi Steinborn.

Ich bin der zweite Sohn eines Bauern, einer der überzähligen also, die Abschied nehmen mußten von den fruchtbaren Feldern des Lebens; mit vier­zehn Jahren bin ich aus der Heimat fortgegangen, in die Gefilde des Geistes 3".wandern und sie waren dürr, wüst und tot, wiemele Distrikte! selbst auch die leis grünenden waren ganz ohne. Drost, damals, während der ersten schlimmen Jahre doch seien sie vergessen, solange ich sie nicht segnen ^Unterroegs, immer bin ich seitdem unterwegs in fterne und Fremde, in fernere Ferne und fremdere Fremde, und die immer andere Welt, immer ver­änderte sie mich von mir fort und zu sich hm. Aus meiner einfachen Sprache ist seltsames Laut­gewirr geworden; in Bayern h^.mich s einen Ostpreußen und an der Nordsee fur einen Schlesier. Ueberall bin ich nur der Gast der Zu­gereiste, der bald wieder feine Koffer packen wird, morgen vielleicht ist er schon nicht mehr bei uns und so lebe er denn wohl; nirgends, oder ist irgend wo ein einziger, in dessen Herzen der Ruf wohnt, der mich anrufen will: Hier, bei uns bist du zu Hause? Meine Tracht ist auch die von memanö und allen: der städtische Anzug; es blieb mir teine andre Wahl übrig. Aber seht mich an: wir haben uns bis heute nicht aneinander gewohnt; seines­gleichen steht meiner Gestalt nicht an, und tüchtige Schneidermeister sind daran gescheitert, uns zu ver­söhnen. Die Städter sagen, wandle ich m ihren Straßen: Dort geht ein Bauer. Die Bauern weisen mit dem Finger nach mir, pilgre ich durch ihre Dörfer- Da ein Städter. Darüber bin ich an­fangs traurig gewesen, dann verzagt, dann hoch- mutig und zuletzt gleichgültig - doch ist auch das alles jetzt vorüber, vorbei und sei hmfort nicht mehr bedacht. , . , .. ...

Denn eftie Gewißheit ist mir geblieben, die ist sehr licht und mehr denn alle Finsternisse mitsam­men- ich bin kein staatenloser Landstreicher, dem der Paß abhanden gekommen ist, fein Welten­bummler der einen Hieb auf den Schädel gekriegt und seit dieser Stunde seinen Geburtsort vergessen hat fein Friedloser, der im Zorn von seiner Hei* mat geschieden ist und nie mehr ein Zeichen von ihr vernommen hat, nein, ich hm kein Unseliger in solcher Weise; ich bin, trotz allem sonst auch gluck* lich daran. Wo ich auch weile, etwa in jeder dritten Macke erreicht mich ein Gruß vonmeinem Hof, Ach wortereicher freilich, wie ihr vielleicht benfen mögt, vier oder acht Seiten Bericht, Besorgnis und Zuspruch, verliere den Mut nicht, Junge, sondern

erst ein schneereicher Winter den Schwarzkitteln wirklich Abbruch tifh.

Die Brunst des Rehwildes ging zu Ende. Der Bock hält wieder seinen Wechsel und erleichtert dadurch seinen Abschluß, wenn dieser noch nicht er­füllt sein sollte. Neu ist, daß am 15. September be­reits der Abschuß weiblichen Rehwildes beginnt. Dieses hat somit eine Schuhzeit von 3^2 Monaten, d. h. eine Zeit, die so lang ist, daß auch größere Abschüsse mit der verlangten Ueberlegung und rich­tigen Äuswahl durchgeführt werden können. Es dürfte klar fein, daß man fo früh im Jahre noch keine führende Ricke abfchießen soll oder keine Kitze, die ja noch keinen wirtschaftlichen Wert haben. Aber um so besser lassen sich gerade jetzt Schmalrehe und nicht führende Ricken erkennen und zur Strecke bringen. Beim Rickenabschuß ist aber auch noch weiter zu bedenken, daß wir unser Wild aufarten wollen. Es hat dann keinen Sinn, die stärksten Stücke und besten Mütter auf die Decke zu legen. Führt dagegen eine Ricke ein nur geringes Kitz und ist selbst gering, dann sollen beide, auch wenn es ein Bockkitz ist, so rasch wie möglich abgeschossen werden. Hat in einem Revierteil ein braver Bock gebrunftet, einer von denen, wie wir sie alle in den nächsten Jahren schießen wollen und sollen, dann lasse man dort den Finger auf Ricken gerade. Denn sie tragen doch das hochwertige Erbgut in sich in ihren Kitzen. Umgekehrt ist verschärfter Ab­schuß dort angebracht, wo ein auffallend schlechter Bestand an Böcken vorhanden war. Revierkennt­nis ist die erste Voraussetzung richtiaen Abschusses.

Hingewiesen sei schließlich noch auf den Dachs. Wollen wir unsere Niederjagd heben, müssen wir uns mehr um den Meister Grimbart kümmern, als es feither geschah. Zunächst ist jetzt noch die Mög­lichkeit des Abschusses am Bau gegeben.

Im September setzt der Raubvogelzug ein. Gar mancher stolze Räuber der Lüfte kommt dann zur Beobachtung. Außer Habicht und Sperber sind sie alle geschützt, gegen diese aber könnte in den Revie­ren mehr geschehen. Die vielen Ruplungen, die man draußen trifft, reden eine deutliche Sprache.

Hubertus.

zubrechen. Die Treiber stehen jetzt schon ganz dicht und machen einen Höllenradau. Gespenstig kreisen die Feuerbrände in ihren Händen.

Gott sei Dank weichen die Elefanten immer wie­der vor diesem Teufelsspuk zurück. Wehe, wenn auch nur einer von ihnen sich auf die Treiber stürzte, die ganze Herde, wäre im Handumdrehen hinter dem Leittier verschwunden.

So drängen sie immer weiter in den sich ver­engenden Trichter. Aengstlich zusammenhaltend, betritt einer nach dem anderen den Kral. Noch einer und noch einer. Der Letzte. Eiligst werden schwere Pfähle eingerammt, die Herde ist ge­fangen.

Todmüde werfen sich die Treiber rund um den Kral nieder. Aber ihre Aufgabe ich noch immer nicht beendet. Mit blinden Schüssen und Lärm­instrumenten müssen sie verhüten, daß die Elefan­ten sich der Umzäumung nähern. Denn der Wucht eines gemeinsamen Ängriffs wütender Ele­fanten hält selbst diese starke Umzäunung nicht stand. Die ganze Nacht war erfüllt von dem Knallen der Schüsse und Lärm und Geschrei.

Der Tag brachte ein nicht minder aufregendes Schauspiel, als es der letzte Abend geboten hatte. Das Herausholen der Tiere.

Scheinbar ergeben in ihr Schicksal steht die ganze, ungefähr siebzig bis achtzig Kopf starke Herde zu- sammengedrängt. Ein lebensgefährliches nerven- aufpeitschendes Unterfangen, aus dieser Masse er­regter Tiere ein einzelnes Stück herauszuholen. Eine Arena und ein Schauspiel würdig der Sen­sationsgier eines Nero.

Langsam schieben sich mehrere Gruppen von je drei gezähmten Elefanten, auf denen unbewegten Gesichts ihre Führer thronen, in den Kral. Einer

Der Elefant pflanzt sich bekanntlich in der Gefan­genschaft nur vereinzelt fort. Einige Fälle in den Zoologischen Gärten gehören zu den Ausnahmen.

Der Bedarf an Elefanten für Plantagen, Zoolo­gischen Gärten und Zirkusunternehmen muß des­halb durch den Fang von Elefanten sichergestellt werden. Vor Jahren, auf Ceylon, erlebte ich einen jener Elefantenfänge im großen Stil. Ich hatte Glück, denn diese Elefantenfänge, die auf Veran­lassung der Regierung veranstaltet werden, fanden damals wie heute nur alle paar Jahre statt.

Halb Ceylon war in Aufregung. Die Kunde von der Absicht der Regierung, Elefanten fangen zu lassen, breitete sich lawinenartig aus. Solch ein Elesantenfang ist auch keineswegs einfach. Und kostspielig und langwierig dazu.

Natürlich mußte ich dabei sein. Selbst der Gou­verneur lieh sich das Schauspiel nicht entgehen. Wenigstens den letzten Akt dieses aufregenden Unternehmens, das schon beinahe eine Art Volksfest ist, wollte ich genießen.

Denn die Vorbereitungen sind eigentlich unsicht­bar. Schon Wochen vor dem Fang pirschen Jä­ger in den fast undurchdringlichen Urwald, um aus» Zukundschaften, wo sich größere Eelefantenherden aufhalten und wo deren Standplätze sind. Danach richtet sich die Anlage des Krals, in den die Ele­fanten hineingetrieben werden. Wenn es glückt. Immer tut es das nicht. Oft bricht eine Herde, an­gestiftet durch einen wütenden Einzelgänger, durch den Ring der Treiber durch. Wochenlange Mühe ist damit umsonst vertan. Man muh dann eben von Neuem beginnen.

Die Anlage des Krals mitten im Urwald ist eben­falls keine einfache Arbeit. Voraussetzung ist eine Wasserstelle, damit die eingefangene Herde eine Tränke hat. Um diese Wasserstelle entsteht der Kral, aus dicken gegen die Auhenseite verstrebten Stämmen gebildet. In diesen 100 bis 150 Meter im Durchmesser großen Kral führt ein trichterför­miger Einlauf, aus geschickt mit Zweigen markier­ten Stämmen gebildet. Dort wo der Trichter in den Kral mündet, wird die Falle nach dem Eintrei­ben geschlossen. Als ich eintraf, waren diese Vor­bereitungen bereits abgeschlossen. Nur an einem Zugang zu einem nahen Urwaldpfad wurde noch gearbeitet.

Obwohl die gemeldeten Elefantenherden nur in ungefähr drei Kilometer Entfernung von dem Kral stehen sollten, dauerte das Treiben fast eine Woche lang. Das ist kein Wunder, wenn man den Urwald auf Ceylon kennt. Riesige Farnkräuter, Dornengestrüpp, umgestürzte riesige Stämme und das dichte Unterholz machen das Vordringen in auf­rechter Stellung fast unmöglich. Fast Schritt für Schritt muh erkämpft werden in einer Stickluft, die einem den Atem nimmt. So kann dieses Trei­ben naturgemäß nur langsam vor sich gehen.

Tausende von eingeborenen Treibern waren für das Unternehmen aufgeboten, um viele Kilometer Urwald einzukreifen. Sobald die Dunkelheit her­einbricht, bleiben die Treiber an Ort und Stelle stehen, zünden Feuer an und kochen sich ihre ein­fache Mahlzeit von den mitgenommenen Vorräten.

Die letzten Kilometer sind die aufregendsten. Das Tam-Tam, das die Treiber mit allen mög­lichen Instrumenten verursachen, wird immer gro­ßer. Vereinzelt bekommen sie jetzt schon die Her­den zu Gesicht, und damit wächst die Gefahr, daß die Tiere auszubrechen versuchen. .

Den letzten Abend verbringen wir bei den Trei­bern Die Elefanten stehen bereits vor dem Ein­lauf Stutzen, halten, wenden sich aufgeregt hm und ber. 'Immer mehr dieser riesigen Leisetreter schieben sich heran. Damit wachst die Gefahr. Tat- ächlich versuchen die Elefanten immer wieder durch-

ein stummer, nicht ein Zettelchen lieat dabei, wo­zu?: ich weiß ja alles so, was es besagt, das gol­dene «Zehn-Pfund-Brot, das mir der Postbote ins Haus bringt, grüß Gott und guten Appetit. Und von diesem Brot knuspere ich drei Wochen, bis das nächste da ist. Ich habe mancher Menschen Brot gekostet, aber das aus der Heimat, ach, liebe Leute, kein Lob, nein, das schönste Lob würde sich wie eine Schmähung ausnehmen, wenn man es im An­gesichte dieses Brotes ausspräche.

Zuerst hat es meine Mutter gebacken, hernach die Frau meines Bruders, aber ich habe keinen Unterschied gespürt. Die Eltern sind gegangen, aber die Felder sind geblieben, der Hof steht, wo er stand, und der Trog wird noch hundert Jahre das Mehl fassen, und der Ofen wird in zweihundert Jahren nicht ausgebrannt fein.

Wenn mir so die trostvolle Beständigkeit dieser Dinge in den Sinn kommt, ist mir auf einmal um mein kurzes Leben nicht mehr bange. Ist kein Fleck neuer Erbe für mich bestimmt, so mache ich mich, wenn ich müde werde, die Not ober eine große Sehnsucht mich anfällt, borthin auf, woher ich ge­kommen bin. Ich brauche bann nicht mehr schriftlich anzufragen: Was macht bennunser" Garten, wie gedeihtunser" Vieh, wie stehtunsre" Ernte; sie brauchen dann nicht mehr auf die Post zu laufen, Pakete, länglich-runde, genau zehn Pfund schwer, aufzugeben ich löse einfach eine Fahrkarte und sage eines Tages: Da bin ich also wieder zu Hause.

schon bald seine Fütterungen damit. In vielen Re­vieren war das seither schon eine Selbstverständlich­keit, in allen ist es heute Pflicht. Die Hegepflicht steht nicht nur auf dem Papier. Es wird jeher Re­vierinhaber in den nächsten Monaten Gelegenheit haben, seine Fütterungsanlagen dem Kreisjäger­meister oder feinen Beauftragten draußen im Re­vier vorzuführen. Wer der Jägerschaft angehören will, wird zu dieser selbstverständlichen Pflicht er­zogen werden, wenn er sie noch nicht kennen sollte.

Von sonstigem Federwild locken die Enten auf Bächen, Flüssen und Teichen, die Ringeltauben auf dem Stoppelfeld oder an der Tränke, indes auch die PZaldschnepfe auf dem Durchzug wieder eintrifft.

Neu zum Abschuß freigegeben wurden durch den Reichsjägermeister vom 1. September bis letzten No­vember die Drosseln, da diese eine untragbare Schädigung des Garten- und Weinbaues verursacht haben. Ihr Fang dagegen, der früher so weit ver­breitet war (Dohnenstieg), ist weiterhin verboten.

Im Hochwildrevier steht die hohe Zeit, des edlen Hirsches bevor. An Äegide (1. September) tritt der Hirsch in die Brunft, lautet eine alte Jäger­regel. Das soll nun noch nicht heißen, daß der Hirsch schon melde. Aber der Feisthirsch tritt zum Rudel, und dieses wechselt den altgewohnten Brunftplätzen zu, wo dann gegen Monatsende erst die eigentliche Brunst einsetzt.

Der Damschaufler steht noch in der Feiste, seine Jagd verlangt einen ganzen Jäger.

Schwarzwild tritt nachts vor allem auf die Kartoffeln aus und geht zu Schaden. Mag auch manches Stück der Kugel verfallen, so kann doch