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Montreys Gesicht hob sich langsam. „Felix, ich bin eh schon am Ueberschnapp'n. uftath mich net noch ganz verrückt. Is das jetzt Verstellung von dir — oder bin ich wirklich so ein Narr gewes'n, daß ich g'meint hab--"
„Was hast du denn gemeint?" Er vermochte sich kaum mehr zu beherrschen. „Sag, Dick, nxis du gemeint hast!" flüsterte er kaum hörbar.
„Daß--du der Täter bift!"
„Dick!"
„3a!" nickte dieser völlig niedergeschmettert von dem Entsetzen, das ihm aus Grudes Augen entgegenschrie. „Und deshalb — weil Ich des Glaubens war, du hast es getan--*
„Hast du die Schuld auf dich genommen — — hast gesagt, du wärest es gewesen", stöhnte Grude auf. — — „Dick! — Dick! — Nie könnte ich das gutmachen, was ich an dir verbrochen habe. Denn was ich von dir glaubte, das ist noch viel, viel schlechter--*
:,Was denn noch?" Ls wurde Montrey immer ängstlicher zumute. Er kannte sich nimmer aus. Es war dumm gewesen, daß er sich überhaupt auf eine Erklärung eingelassen hatte.
„Die Madlen hat mir vor ihrem Sterben von einem gesprochen, mit dem sie mich hintergangen hat."
„Der bin ich net g'wes'n!" sagte Montrey und lachelle müde. „Du weißt ja eh, daß s' mich nie leid'n hat mög'n. Gar nicht aussteh'n hat's mich können. 3d) bin ihr zu ehrlich g'wes'n und zu grob. Da hältst dir doch wirklich keine schwere Stund mach'n brauch'n deshalb."
Grude hatte beide Hönde vor das Gesicht gedrückt, ließ sie fallen und legte den Koof gegen Montreys Schultern. Schüchtern fuhren dessen Finger über die zuckenden Achseln des Freundes hin.
„Nur eins noch. Dick: Was ist es dann mit den Handschuhen, die du doch als die deinen bezeichnet hast?"
„3a", meinte dieser mit einem ratlosen Kopf- schütteln, „herüber mußt mir schon du eine Aus- Körung geben, Felix! Wie du damals nachts heim- kommen bist, hab ich sie auf der Gangtoilette a'fund'n. So mit die Blutspritzer, wie sie waren. Ich hab mir gleich gedacht, daß da etwas Entsetzliches passiert sein muß, und hab's zu mir g'nom- men, daß keiner einen Beweis gegen dich hat. Des- weg'n hab ich ja auch deine Kleider, die Schuh und den Mantel aus dem Schlafzimmer g'holl. Ader gar nix mehr fjat einen Blutfleck'n dran fl’habf. Bloß die Handschuh, die hab'n so übel aus- ü'schaut. — 3ch bitt dich, Felix, was hött ich mir sonst denken soll'n, als daß du mit ihr in Streit kommen bist und sie niederg'schlag'n hast, ober sonst was." j
.Und bann hast du alles ganz einfach auf dich genommen?* ,
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ju einem kurzen Besuch in her Mariahilferstraße eintraf, sah bei seinem Eintreten, daß Montreys Hand in der von Lena ruhte.
»Hast du schon gewußt", sagte Dick, „daß die Thnsta in Kalkutta ist?"
„Das schon", lächelte Wellenberg. — „Aber das andere noch nicht.--Daß du so ein Duckmäuser
bist und dem Felix die Lena wegkaperst, wo er sie doch so notwendig braucht."
Lena wollte die Tür gewinnen. Ader es glückte •i)r nicht, denn Montrey hatte rasch den Arm um fie gelegt und hielt sie fest. „Schau, Kinderl, das is net rechL Gestern nacht bist mir um den Hals gc- fall n, und heute tätft dich schämen mit mir."
„Das ist ja nicht wahr! — —* n.‘^m id? s dolt zurück", sagte er zer- ii?^hrUn<Kt U&ter l?r r°y? bie Tränen weg, die h?« bS ffia-0e n^cn- -6s 'S halt ein Kreuz mit den Mannern.
Uu>, wenn du heiratest?" fragte Wellenberg lächelnd.
„Ich beiß halt wieder in den feuren Äpfel und Sl in 6n«lan6 «n. °d -
Beschäftigung für mich hob'n."
n/hm»n bu ^?i)l krinen »uftrag über-
nehmen. Dick? sondierte Grude
„Das denn für einen?"
Ä.Qlr“tta sohrst und Christa bei- bL 34 bi0re,te 1°' dah Christa nicht von Ham- aber fo efi, Sieier. d°s l.nnnod, monate aHg bauen«. Benn sie sich nun Iüg un7 S ,fUr,'^VP,C1 “lrt r" Sdjluff, lelbft nod) tränt. Ich Mochte Ihr gern jemanti >ur ffnt- tajtung schicken. Da habe ich denn an dich «dacht Tnd. und an — Sie, Lena. — Wirst du nach Kol-' kulla fahren?"
-.Noch Sibirien, wenn du's haben willst!"
„Und Sie kommen mit, Lena, und helfen Ham- stead pflegen?"
„Gern", sagte diese und streckte ihm die Hand ent- gegen.
„Danke!" Er ging rasch aus dem Zimmer.
Lena packte die Koffer für die Reife nach Kalkutta. Im Sprechzimmer saß Grude in sich zusam- mengesunken in seinem großen Schreibtischstuhl und horchte auf das, was ihm Dick noch zu sogen hatte, ^jch reife nur unter der einen Bedingung — — Grude fuhr auf, als er jetzt herausfließ ..Ich w^ß. was du verlangst. Aber ich kann nicht!--Ich
rann nicht, sag ich dir!" schrie er.
„Du mußt!--"
„Nein! Cs hält mich sonst nichts, als dos! Ober glaubst du, daß ein Mensch erträgt, was ich ertragen habe, wenn ich auch dieses eine nicht mehr haben darf?"
„Du gehst zugrunde dabei!" sagte Montrey voll Erbitterung.
„Äch weiß es! Ja! Aber was liegt daran?"
„Schäm dich!" rief Montrey, von feinem Stuhle aufspringend. „Wie kannst du so etwas überhaupt denken, geschweige denn, daß du's laut werden läßt. Es liegt nichts daran, sagst du. Du hast ein Kind!" „3d!"
„Und in Kalkutta sitzt das Mädchen, das--*
.Kein Wort mehr, Dick!" (Fortsetzung folgt.)
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grauen manchmal versieben, nicht wahr?" Diewald zog an feiner ausgegangenen Zigarre und bekam von Montrey ein neues Zündholz gereicht. „Wenigstens kommt jetzt Ordnung in die Sache", fuhr er erleichtert weiter. „Es ist nicht immer am Platz, Vorsehung spielen zu wollen, Herr Hauptmann. Wenn Sie die Handschuhe nicht an sich genommen hätten, würde der Herr Doktor ohne weiteres angegeben haben, ^vielo' und ,wes- halb* sie mit Blut besudelt sind. Nun hat es eben einen so großen Umweg gebraucht.
„Dieser Umweg aber hat mir gezeigt, was Freundschaft ist", warf Grude ein und wurde rasch von Montrey unterbrochen.
.Letzt bist mir aber still, Felix! Ich hab ja bloß ein bisserl wettmachen woll'n, von meine Schuld'», die ich bei dir hab. Aber ich bin hall ein Pech- oogl. Alles geht mir baneb’n."
Grude begleitete den Anwall noch bis zur Türe. Lena kam zu Montrey hereingeschlüpft und sagte: „Das hat die Post soeben gebracht. Es ist von Christa."
Dick hiell chre Hand fest und legte feine Wange gegen die ihre, während er zugleich die Hand nach dem Expreßbrief ausstreckte. „Sie wird ihm kondolieren, sonst nichts!"
„Glaubst du, daß es sehr häßlich ist, wenn wir den Brief zuerst aufmachen?"
,La, aber Schatz!, warum denn?" fragte er erstaunt.
„Ick habe solche Angst", gestand sie, nahm ihm das Kuvert aus der Hand und versteckte es in [einer Tasche, denn Grudes Schritt kam eben wieder den Gang zurück.
Montrey begriff Lenas Angst nicht. Er machte aber ferne unschuldigste Miene, als der Doktor ein- trat und fragte: „Daß die Christa nix hören laßt? Weißt keine Adresse von ihr, Felix?"
„Doch!" war Grudes Erwiderung. „Sie ist zur Zeit mit Hamstead in Kalkutta."
„Dann is begreiflich", meinte Dick. „Da braucht ein Brief schon eine schöne Weil, bis er herkommt." Und als Grude ans Telephon gerufen wurde, zog er das Kuvert aus seiner Tasche und lachelle „Schau, Kinderl, bas is jetzt wieder eine Angst um nix g'wes'n. Er weiß ja, wo sie ist. Wir leg'n ihm halt den Brief auf den Kaffeetisch am Nach- mittag. Die paar Stund'n muß er sich halt jetzt noch geduld'n."
Der Brief aber, den Grude neben seiner Tee- taffe fand, als er sich nachmittags eine kurze Pause gönnte, lautete:
Lieber Felix!
Madlens tragisches Ende hat mich aufs tiefste erschüttert. Meine Gedanken sind immer um dich. Mein Kommen ist jedoch unmöglich, denn Cecil Hamstead liegt schon feit Wochen am Fieber und bedarf dringend meiner Pflege. Ich kann und will ihn nicht im Stiche lassen. Er hat hier sonst niemand als mich. Und er hat so viel an mir getan.
Gott gebe dir nach all dem Leid, das du er- fahren mußtest, nun endlich das Glück, das du °"d>°nst. Thnsta.
_ schweigend reichte Grude den Brief Dick hin- über. Der las ihn und nickte. Wellenberg, der eben
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„Mein Gott, was is denn schon dabei? An mir siegt ja nix. Ich hab keine Frau, keine Kinder, gar niemand hab ich."
.Lieh dich an!“ rief Grude, sprang auf und drückte auf Die Klingel. „Mach weiter! befahl er, । „wir gehen jetzt!"
„Da wirds aber was hab'n, mit dem Fortgeh'n", i sagte Montrey.
I Grude stand bereits bei dem Aufseher und bat, ■ ihn dem Direktor zu melden. Er hätte Wichtiges i auszusagen, das die sofortige Haftenttassung des
Hauptmanns Montrey zur Folge haben werde.
Es Dauerte auch kaum eine Viertelstunde, als sich für Dick die Zellentüre öffnete und er an Grudes Seite die Stufen hinabschritt und mit ihm auf die Straße trat, die jetzt zu dieser nächtlichen Stunde still und verlassen lag.
Sie sprachen erst fein Wort. Nur Grude hiell den Arm fest in den Montreys gehakt, als fürchte er, ihn sonst im Dunkeln zu verlieren.
Lena stieß einen Schrei aus als die Flurtüre sich öffnete und Montrey von Grude über die Schwelle geschoben wurde. Sie tat, was in der nächsten Minute nicht mehr gutzumachen war, warf beide Arme um seinen Hals und brach in Schluchzen aus.
Dick hiell ganz still, streichelte nur über ihr Haar und sagte beschwichtigend: „Schau, Maderl, schau — jetzt hast mich ja wieder. Ich hab alleweil g’meint, es gibt niemand, dem ich abgeh'. Derweilen is gar net wahr. — Wein' dich nur aus, Kinderl, das muß auch sein."
Grude, der erst völlig sprachlos gestanden hatte, tat das Einzige, was in einer solchen Stunde zu tun war. Er trat in sein Sprechzimmer und klappte die Türe hinter sich zu.
Zwei Menschen, die sich umfangen hielten, brauch- ten keinen Dritten, der ihnen dabei zusah.
•
Rechtsanwalt Diewald kam am nächsten Morgen mit einer großen Neuigkeit. Er hatte den geheim- nisDoüen Drillen gefunden und alles zu Protokoll genommen, was dieser ausgesagt hatte. „Das ist ja ganz unmöglich!" rief Grude dazwischen. ,Zch habe chn ja selbst in der Garderobe meiner Frau verbunden und gesehen, wie er nach Hause fuhr."
„Ganz richtig!" Diewald machte sein pfiffigstes Gesicht. „Aber das haben Sie nicht gesehen, daß er von dort noch einmal zurückfuhr und den ver- hängmsvollen Schuß auf Ihre Frau abgab. Aus wahnwitziger Eifersucht, wie er mir gestand, daß fte Ihnen eine Unterredung im Teeraum gewährte. Es liegt alles ganz klar. Er hat nichts von der Verhaftung des Herrn Montrey gewußt, da sich Wundfieber bei ihm einftellte, das ihn ins Bett zwang. Er läßt Sie bitten, zu ihm zu kommen, wenn es Ihnen ein nicht zu großes Opfer ist, Herr Doktor."
„Hat er auch das andere eingestanden?"
,^ch weiß von keinem anderen", sagte Diewald. „Aber ich kann mir denken, was Sie meinen. Wenn er schon eifersüchtig war, wird ihm Frau Madlen sicher nicht gleichgültig sein.--Ich halte
chn überdies für schwindsüchtig."
.Hochgradig", stimmte Grude zu. „Es ist mir unbegreiflich--"
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