Ausgabe 
30.9.1933 Erstes Blatt
 
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Die Braune Messe in Gießen.

Qualitätsware, angemessene Preise und sorgfältige Bedienung der Kundschaft sind wichtige Voraus­setzungen für den wirtschaftlichen Aufstieg eines Ge­schäftsmannes oder eines Handwerksmeisters. Ge­rade in einer Zeit wie heute, in der die meisten Volksgenossen nur mit eng begrenzten Geldmitteln für die Lebenshaltung rechnen müssen und einen schweren, aufreibenden Daseinskampf zu füh­ren haben, sind die eben erwähnten drei Grund- bedingunaen für das Dorwärtskommen des selbstän­digen Geschäftsinhabers und für sein Verhältnis zur Kundschaft von besonderer Bedeutung. Die Neigung des Publikums zu Einkäufen in Warenhäusern und Massenartikelgeschäften ist bei dem wieder erwachten Sinn für die Anschaffung von Qualitätswaren zu annehmbaren Preisen durch den selbständigen Einzel­handel geschwunden. Der Käuferzug zum Geschäft des Mittelstandskaufmanns ist dafür im gleichen Verhältnis gewachsen.

Ebenso wichtig wie das Angebot bester Waren- qualitäten zu zeitgemäßen Preisen ist für den Ge­schäftsmann auch das Erfordernis, die Bevölkerung mit dem Vorrat seines Lagers bekanntzumachen. Diese Erkenntnis muß den Geschäftsmann dazu führen, die Werbung für fein Geschäft ebenfalls als eine besonders vordringliche Aufgabe zu betrachten. Er darf dabei nicht in den Fehler verfallen, seinen Werbefeldzug nur aus zwei oder drei gelegentlichen Empfehlungen im Verlaufe eines Jahres bestehen zu lassen und dabei zu -glauben, nun habe er in seiner Propaganda genügend getan. Wenn der selbständige Geschäftsmann des Mittel­standes in richtiger Weife für fein Unternehmen werben will, dann muß er sich die Reklamearbeit der bei ihm und auch bei vielen andren Volksgenossen sonst nicht beliebten großen Kaufhäuser zum Vor­bild nehmen, d. h. er muß fick einer systemati­sch e n , planvoll durcygeführten und ständigen Kundenwerbung befleißigen.

Als erfolgreichstes Werbemittel wird er immer in erster Linie die Zeitungsanzeige in Betracht ziehen müssen, denn auf dem Wege über die Hei­matpresse kommt er in aussichtsreichster Weise an die breitesten Bevölkerungskreise in Stadt und Land heran. Die Zeitung als stummer und doch so be­redter Werber, der als Vertreter des Geschäfts­mannes kein Auto und keine Bahn, keine Reisespesen und keine Provisionen beansprucht, ist der sicherste Helfer seines Auftraggebers bei dem Streben nach Absatzsteigerung, Verbreiterung der Geschäftsbasis und verbesserten Existenzmöglichkeiten. Dieser Weg der Werbung ist auch der b i l l i g st e, weil die Un­kosten im Verhältnis zu den Erfulgsmöglichkeiten immer nur als gering zu bezeichnen sind. Eine der­artige Werbetätigkeit hat aber noch den Vorteil, daß sie stets den Erfordernissen der jeweiligen Lage angepaßt, also individuell gestaltet werden kann und dadurch nicht untergeht in der Flut von Wer­bungen der verschiedensten Art, die heutzutage das kaufende Publikum überschwemmt.

Im Einklang mit einer solchen individuellen Wer­bung auf der Grundlage der breitesten Publikation muß für den werbepsychologisch richtig handelnden Geschäftsmann die Ausgestaltung feiner Schaufensterauslagen und seiner Geschäftsräume stehen. Wie das Publikum heute zu der Berichterstattung der Zeitungen über die Ereignisse des Tages die Darstellung im Bild als unentbehrliche Ergänzung fordert, so muß sich auch der Geschäftsmann vor Augen halten, daß die Käufer seine Angebotswerbung durch wirkungsvolle Darstel- lung für das Auge veranschaulicht sehen wollen. Je gefälliger und je vielseitiger die Schaufenster und die Verkaufsräume hergerichtet sind, desto stärker wird die Wirkung der Waren als Blickfänger auf das kaufende Publikum fein. Auch hierbei kann nur die beste Qualität der Waren bei vorteilhaftestem Preisangebot von vornherein der aufmerksamen Be­achtung und der größten Aussicht auf Erfolg sicher sein. Unbedingte Solidität alles geschäftlichen Han- delns, strengstes Vermeiden eines üblen Aveißer- tums und die Wahrung der beruflichen Standesehre find dabei ebenfalls unerläßliche Bedingungen, die gerade in der Zeit des deutschen Wiederaufbaues im Geiste des hohen Gedankengutes beS'neuen Reiches besonders streng beachtet werden müssen. Die W a h - runa der guten Sitten auch im g e - sch östlichen Wettbewerb muß in Zukunft wieder mehr zum Gesetz der allgemeinen Moral werden. Wer sich gegen dieses ungeschriebene Ge­setz vergeht, muß damit rechnen, daß er nicht nur bei feinen Berufskollegen, sondern auch in der öffent­lichen Meinung keine gute Position haben wird. Hin­zu kommt, daß der Geschäftsmann sich allezeit als guter deutscher Volksgenosse, als ein wertvolles Glied der großen schicksalsverbundenen deutschen Volksgemeinschaft fühlen und bewähren muß, die ihm ihre Gesetze auch für den Berufs- und Daseins­kampf als Richtschnur für sein Handeln auferlegt.

Als weiteres Mittel der Werbung kommt für die Geschäftswelt die Beteiligung an Ausstellungen in Betracht, bei denen der heimischen Wirtschaft un­ter Betonung der Bodenständigkeit von Handel, Ge­werbe und Handwerk Gelegenheit geboten wird.

Zum Geleit.

Oer Reichsstatthalter in Hessen, Gauleiter Sprenger:

OieStaune Messe" soll überall der Brennpunkt des Werbefeldzuges für deutsche Waren und deutsche Erzeugnisse sein. Oer Führer hat erst kürzlich bei der Tagung der Generalvertreter der Wirtschaft mit Nachdruck betont, daß die deutsche Wirtschaft nur unter einer ganz bestimmten Äedarfshöhe bestehen kann.

Diese Äedarfshöhe ist im Laufe der beiden letzten Jahrzehnte widernatürlich ge­brütet. Möge dieÄraune Messe" ihren Zweck und ihre Erfüllung darin sehen, die vom Führer gedrandmarkte systematische Äedarfseinschränkung zu überwinden.

Allen beteiligten, Ausstellern wie Äesuchern, wird die allgemeine Wirtschaftet« belebung um so schneller auch persönlich zugute kommen, je nachdrücklicher jeder ein­zelne stch des Grundsatzes:Gemeinnutz vor Eigennutz" befleißigt.

Heil Hitler! Sprenger

Der Schirmherr der Ausstellung.

Oer hessische Staatsminister:

Oie hessische Staaisregierung schließt sich dem Wunsche des Herrn Neichsstaft- Halters in Hessen, Gauleiter Sprenger, an und wünscht ebenfalls, daß diebraune Messe" überall brennpunkt sein möge im Kampf um die Wiedereroberung aller durch Not und Verrat verlorenen Absatzgebiete. Oie Vielseitigkeit und Qualitätsarbeit d?r rhein-mainischen Unternehmungen und Handwerksarbeit wird diesen Kampf erleichtern.

An der Unterstützung durch die Staatsbehörden soll und wird es nicht fehlen. Voraussetzung aber ist ein reger Unternehmergeist, selbstloses Dienen im Kampf der großen Arbeitsschlacht und denkbar weitgehendstes soziales Verständnis für die Erschließung aller Möglichkeiten einer allgemeinen Kaufkraffsteigerung. Zung.

werbend vor die Oeffentlichkeit zu treten. Wer als Geschäftsinhaber im Rahmen einer solchen Waren­schau, wie sie vom 30. September bis 8. Oktober als Braune Messe" in der Dolkshalle in Gießen zu sehen ist, um den Zuspruch des Publikums wirbt, muß darauf bedacht fein, daß die ausgestellte Ware in vollem Gleichklang mit der Qualität seiner Ware im Rahmen des alltäglichen Verkaufsgeschäftes steht. Der Kunde wird bei dem Besuch einer solchen Wareirschau und Verkaufsmesse von dem Gedanken geleitet, daß er in dem Ausstellungsstand der Firma einen maßgeblichen Ausschnitt aus der Leistungs­fähigkeit des Unternehmens im alltäglichen Geschäfts- verkehr zu sehen bekommt. Rach diesem Maßstab wird er fein Urteil und seinen Entschluß bestimmen.

nicht nur für die Zeit der Ausstellung, sondern auch für die dauernde Einschätzung des ausstellenden Un­ternehmens. Daher trägt jeder Geschäftsmann mit feiner Beteiligung an einer derartigen, auf dem Grundsatz der Qualität aufgebauten Ausstellung eine hohe Verantwortung für die Bewertung feines Geschäfts und für feinen Berufsstand. Ein derartiger Ausschnitt aus dem Geschäftsbetrieb soll aber auch Vielseitigkeit und Leistungsfähigkeit, sowie die Be- reit-schaft des Geschäftsinhabers zur Anpassungsfähig- keit an die Wünsche der Kundschaft im Einverney- men mit fachgerechter Aufklärung und Beratung des Kunden über die vorteilhafteste Art der Bedarfs­deckung offenbaren. Hierbei übernimmt der Ge- schäftsmann gewissermaßen die Aufgabe eines Treu­

händers der Kundschaft, die sich bet passender Gele­genheit gerne wieder der guten Dienste erinnern wird, die der Geschäftsmann leistet. Aus dieser Be­trachtung der Dinge ergibt sich, daß der Aussteller sich nicht allein das Erfordernis des Augen­blicks, also das Geschehen während der Ausstel­lungswoche vor Augen halten darf, sondern daß er sich allezeit bewußt sein muß, wie stark die Wirkung einer solchen Warenschau für sein Geschäft weit über d i e Ausstellungszeit hinaus Jein wird. Der eigentliche Sinn einer derartigen Aus- stellung ist ja auch allein in einer solchen Wirkung auf weite Sicht zu erblicken, denn die Ausstel- luna stellt gewissermaßen das Sprungbrett des Ge­schäftsmannes zur weiteren Auswärtsentwickelung feines Unternehmens dar. Wer durch Qualität der Waren und Reellität des kaufmännischen Handelns am besten von diesem Sprungbrett auf den Weg zuk Gunst des Publikums kommt, der kann auf die Dauer den wirksamsten Erfolg einer solchen Warenstau verbuchen. Unter diesem Gesichtswinkel betrachtet muß man Ausstellungen, wie wir sie in Gießen im September 1926 als AusstellungGartenbau und Elektrizität", im Jahre 1927 alsGewerbeausstel­lung" hatten und jetzt wieder alsBraune Messe" erleben, nicht nur als Werbemittel, sondern zugleich auch als wertvollen Erziehungsfaktor auf dem Ge­biete der Wirtschaft betrachten. Damit ist nicht eine Erziehung im landläufigen Sinne gemeint, die der rechte Geschäftsmann mit klar erkannter Verant­wortlichkeit vor seiner Kundschaft und gegenüber feinem Unternehmen nicht nötig yat, sondern es ist vor allem daran gedacht, daß eine Schau wie die Braune Messe" die Aussteller zu der tieferen Er­kenntnis der wirtschaftlichen und werbepsychologischen Gesetze im eigenen Beruf führen soll, um den neuzeitlichen Wettbewerbsbedingungen zum Nutzen aller, also auch zum eigenen Vorteil, noch mehr als bisher entsprechen zu können.

Wie der neue Geist in unserem Volke, der durch den nationalen Umbruch erfreuliche Geltung erlangt hat. nicht die schrankenlose Wirksamkeit des einzelnen Individuums sanktioniert, sondern den Gemein­schaftsgedanken als beherrschenden obersten Faktor verkündet, so <ft auch eine Ausstellung wie die jetzigeBraune Messe" ein beredter Ver- künder des Grundsatzes, daß über jeder Einzelper- sönlichkeit und über jedem Einzelgeschehen das wohl­verstandene Interesse der Gesamtheit die Herrschaft im deutschen Dolksstaat haben muß. Diesem guten nationalsozialistischen Grundsatz muß man auch im Hinblick auf die Werbung im allge­meinen und auf das Ausstellungswesen im beson­deren zustimmen. Eine Werbung und eine Ausstel­lung in diesem Sinne soll neben der Befruchtung der Wirtschaft vor allem auch D i e n ft für das Gesamtwohl sein. Dieser Dienst macht es unbedingt erforderlich, daß die Werbung durch die Ausstellung vor allem bezwecken muß, für die Er­zeugnisse des deutschen Bodens und des deutschen Arbeitsfleißes eine breitere Basis als bisher zu schaffen. Es geht darum, auch in diesem Rahmen die Bevölkerung zum Verbrauch deutscher Erzeugnisse zu erziehen, die bisher leider noch vielfach bestehende Vorliebe für ausländische Waren zurückzudämmen und dem deutschen Geschäftsmann, dem heimischen Handwerker und dem bodenständigen Bauer wieder ein größeres Absatzfeld für feine Waren und Erzeugnisse zu verschaffen. Allzu lange bat der deutsche Konsument leider dem verkehrten Grundsatz gehuldigt, daß alles Deutsche und Einhei­mische gegenüber dem Fremden geringwertiger sei und darum nicht in erster Linie berücksichtigt wer­den müsse. Mit dieser falschen Meinung ist erfreu­licherweise seit der nationalen Erhebung gründlich gebrochen worden. Das deutsche Erzeugnis, die Frucht der heimischen Scholle wird jetzt planmäßig und bewußt wieder in den Vordergrund gestellt. Das geschieht nicht etwa nur, um dem einzelnen deutschen Volksgenossen in Stadt und Land wieder zu einer besseren Stellung im Daseinskämpfe zu ver­helfen, sondern dieser Wandel der Dinge bezweckt ebenso, der deutschen Gesamtwirtschaft und damit auch der Wirtschaft des engeren Heimatbezirkes Kräfte zu erhalten und zu verstärken, der sie bis zum Zeitpunkt der nationalen Erhebung verlustig gingen, zum Schaden des deutschen Bruders und des deutschen Volkes, lediglich zum Nutzen des Aus­landes und alles Fremden. Die grundlegende Neu­orientierung kommt in der jetzigen Ausstellung als maßgebliche Richtlinie zum Ausdruck. Stärkung allerdeutschenGliederunsererVolks- ge mein schäft in der engeren Heimat und im großen deutschen Vaterlande ist der tiefere Sinn und Zweck derBraunen Messe" auch in unserer Stadt. Damit erfüllt diese Ausstellung eine Ausgabe, die aus dem Geiste des geläuterten deutschen Volkes sich von selbst ergab und der jeder deutsche Volksgenosse in Stadt und Land nur mit vollem Herzen zustim- men kann.

Aus dieser Werbeveranstaltung ergibt sich für die Gießener Werbung in ihrer Gesamt­heit ebenfalls eine Lehre. Bei dem jetzigen Unter­nehmen derBraunen Messe" wirkt ein großer Kreis

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Der Aufbau der Ausstellung zur Braunen Messe ht Gießen,