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Ur. 229 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, 30. September 1953
Erntetag.
Von K Walther Oarr4, Reichsminifter für Ernährung und Landwirtschaft.
31(58. ErnteLanktage hat es in Deutschland immer gegeben, seitdem es dort ein Germanentum gibt, denn Germanentum heißt Bauerntum, und dessen wichtigster Höhepunkt im Auf und Ab der Zeit heißt Ernte. Und wie das Bauerntum jenseits von Preisberechnung und persönlicher Bereicherung steht, so ist auch der Erntetag jener Zeitpunkt, an dem sich die inneren, seelischen Gebalte dieses einzigartigen Standes und seine tausendfältige Verbundenheit zum Boden offenbaren. Nirgendwo sonst auf dieser Welt decken sich Rasse und Stand so wie im deutschen Bauerntum, denn nur bei der nordischen Rasse hat sich das unbedingte Verflochtensein des Menschen mit der Natur herausaebildet. So konnte es dazu kommen, daß der Ackeroau beim Germanentum zu einem Kult wurde, wie denn auch nur ein bäuerlich denkender Mensch wahrhaftig religiös sein kann und die notwendige Ehrfurcht für das Göttliche aufbringt. Daher ist ein Erntedankfest grundsätzlich nicht eine Angelegenheit des Landwirts, sondern des Bauern. Es ist der Tag, an dem sich unbesehen von Menge und Zahl die urgermanische Einheit von Bauer, Boden und Schöpfer kundtut als heiligstes Symbol für dos Verhältnis des germanischen Menschen zur Scholle.
Es ist selbstverständlich, daß auch der Landwirt sich genau Rechenschaft gibt über die finanziellen Ergebnisse seines Betriebsjahres. Dies ist aber nicht das Entscheidende in Hinsicht auf die Volksgemeinschaft. Wenn irgendein Unternehmer seinen Gewinn ober Verlust rechnerisch feststellt, so ist das kein Anlaß, der vom ganzen Volk festlich begangen werden soll. Es hat noch nie eine Generalversammlung gegeben, die das ganze Volk direkt anging. Gerade hier sehen wir den ungeheuren Unterschied zwischen Unternehmer und Bauer.
Deshalb kann auch nicht jedermann einen wirklichen Erntedanktag abhalten. Ein guter Rechner kann Voranschläge aufstellen, er kann ein Projekt rationell durchführen und Bilanzen ziehen. Das alles ist Sache eines guten Unternehmens und eines guten Landwirts. Erntetage aber als Ausdruck der unbedingten Verwurzlung des Menschen mit der Scholle und des Dankes für deren Früchte kann nur ein bäuerlich denkender Mensch begehen. Deshalb hatte der liberalistische Staat und eine dazu gehörige liberalistische Bevölkerung für solche Tage kein Verständnis. Jetzt aber feiert das gesamte Volk, und der Staat selbst hat die Durchführung des Erntedanktages in die Hand genommen. Dies zeigt den ungeheuren Wandel, der eingetreten ist, und beweist den Gleichklang von Bauerntum und organisierter Volksgemeinschaft. Es beweist ferner, daß dieser Staat ein Bauern st aat ist und dem Bauern gibt, was ihm gebührt: Den ersten Platz.
In der Tat ist durch den Nationalsozialismus zum ersten Male in der Geschichte Deutschlands der unbedingte Gleichschritt von Staat und Bauerntum hergestellt worden. Auch der letzte weiß den Wert des Landstandes zu würdigen. Das gesamte Volk sieht in ihm die Sicherung der Ernährungsgrundlage und, biologisch, die Sicherung der Rasse. Daß aber der Erntedanktag auch in den Städten gefeiert wird, zeigt, daß auch dort sich die liberalistischen Nebel verflüchtigt haben und man sich anschickt, wieder bäuerlich zu denken. Ein Zeichen, daß der bäuerliche, also germanische Geist mit der nationalsozialistischen Revolution die Städte erobert hat.
Die kurze Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft hat bereits vermocht, die Bauernhöfe aus der kapitalistischen Verstrickung herauszureißen. Der Bauer weiß, daß seine Scholle wirklich ihm und seinem Geschlechte gehört. Der Ernte- danktag ist deshalb der Tag bäuerlichen Dankes an den Führer. Wenn am Sonntag sich Hunderttausende von Bauern an der altgermanischen Thingstätte auf dem Bückeberg im Herzen Niedersachsens versammeln, wenn Millionen deutscher Volksgenossen im ganzen Reich den Tag des Brotes miterleben, so dankt der deutsche Bauer in gläubigstem Vertrauen seinem Bauernkanzler, denn er weiß, daß biefer es war, der ihm sein Bauerntum wiedergegeben hat.
Das Winterhilfswerk am Erntedanktag.
Ein Aufruf an den deutschen Bauern.
Berlin, 29. Sept. (WTB.) Die Vorbereitungen für den Erntedanktag auf dem Bückeberg bei Hameln sind beendet. Alles ist gerüstet für den Aufmarsch der 500 OOO, der ein Bekenntnis des neuen Deutschlands zum Bauerntum und seiner Kraft werden soll.
An dich, deutscher Bauer, aber richten mir die Frage: Bist auch du selbst recht gerüstet? Wir meinen mit unserer Frage nicht die äußeren die zu jedem rechten Erntefest gehören. Wir fragen: Bist du auch innerlich recht gerüstet, würdig, den Erntedanktag zu begehen?
Du kannst nicht ehrlich ja sagen, wenn du nicht für das Winterhilfswerk deine Gabe b e r e i k g e st e l l t hast. Der ist des eigenen Brotes nicht wert, der nicht bereit ist, zu teilen mit dem Darbenden. Dem Erntedank ist leeres Wortgetöne wenn er nicht durch helfende Tat bestätigt wird'
Deutscher Bauer! Du hast einst das gehässige Geschwätz liberaler und marxistischer Zeitungen über den Egoismus des Bauern als bitteres ‘ Unrecht empfunden, das Dir die Zornesröte ins Gesicht trieb. Das Bekenntnis des ganzen deutschen Volkes zum Bauerntum am Erntedanktage ist eine Rechtfertigung, wie sie schöner und eindrucksvoller nicht denkbar ist. Die Bauern- spende für das Winterhilfs-werk ist die Bestätigung auf dieses Bekenntnis. Wieder fragen wir: H a st Du das Deine schon getan, damit diese Antwort so ausfällt, daß sie auch den letzten noch Schwankenden überzeugt? Wenn nicht, noch i ft es Zeit, das bisher Versäumte nachzuholen. Wer schnell gibt, gibt doppelt. Hast Du aber bereits Deine Pflicht getan, so weißt Du vielleicht einen Nachbarn, der noch säumte Rede ihm ins Gewissen. Jede leere Hand i ft ein Schandfleck für das ganze Dorf. Alle müssen geben, damit allen geholfen werde. Die deutsche Schicksalsgemeinschaft kann auf keinen verzichten.
Devffcher Protest gegen die Ausweisung denischer presievertreier ans der Sowjetunion.
Berlin, 29. Sept. (WTB.) Im Zusammenhang mit der Ausweisung der deutschen Pressevertreter in Moskau aus der Sowjet-Union, gegen die der deutsche Geschäftsträger in Moskau sofort Protest erhoben hat, hat das Auswärtige Amt an die Botschafter der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken in Berlin heute nachstehende Verbalnote gerichtet:
Das Auswärtige Amt beehrt sich, der Botschaft der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken auf die Verbalnote vom 22. und 23. dieses Monats enbes mitzuteilen:
ie Tatsache der Nichtzulassung kommu-
nistischer und sozialistischer Pressevertreter zum R e i ch s t a g s b r a n d p r o- in Leipzig war der Botschafter der UdSSR, bereits am 20. dieses Monats bekannt, denn sie hat in ihrer Verbalnote vom 20. dieses Monats gegen die endgültige Mitteilung der Nichtzulassung Protest erhoben. Ueber die Gründe, die das Reichsgericht zu einem Ausschluß von Pressevertretern genannter Richtung veranlaßten, wurde die Botschaft der UdSSR, durch ein Schreiben des Herrn Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes am 21. dieses Monats unterrichtet.
Da Herr Bespalow, der Vertreter der amtlichen Sowjetrussischen Telegraphenagentur, und Frau Keith, Vertreterin des offiziösen Blattes „Iswestija" sind, mußten die beiden genannten Persönlichkeiten zum mindesten von der Tatsache der Nichtzulassung unterrichtet fein, als sie nach Leipzig fuhren.
Die Reise konnte also nur den Zweck haben, die vom Reichsgericht ausgesprochene Richtzulassung zu umgehen. Die beiden Pressevertreter setzten sich durch diese Reise dem verdacht aus, auf einem ungesetzlichen Wege die Teilnahme am Reichstagsbrandprozeß zu erreichen. Das verhallen der Genannten in Leipzig und deren Berichterstattung aus Leipzig, die in tendenziöser weise den Tatbestand der Beweisaufnahme e n t st e l l t e n, verstärkten den bereit» bestehenden verdacht und führten zu einer vorläufigen Festnahme. Schon nach einigen Stunden jedoch erfolgte die Freilassung.
Der Polizeipräsident in Leipzig wie auch die Reichsregierung haben sofort ihr Bedauern aus- gespr och e n. Eingehende Ermittlungen sind unverzüglich eingeleitet worden. Nach Abschluß dieser Ermittlungen wird das Auswärtige Amt die Botschaft der UdSSR, von dem Ergebnis unterrichten.
In einer Note des Volkskommissars für auswärtige Angelegenheiten an den deutschen Geschäfts- träger in Moskau vom 26 d. M. hat die Regierung der UdSSR, den Vorfall in Leipzig zum Anlaß genommen, um ganz allgemein aufbie Rechtsstellung der Vertreter der Sowjetpresse in Deutschland einzugehen. Das Auswärtige Amt hält es für notwendig, hierzu folgendes festzustellen:
Seit Atonalen hat die Berichterstattung der Vertreter der Sowjetpresse zu schwer st en
Beanstandungen Anlaß gegeben. Die Berichterstattung, insbesondere die der amtlichen und halbamtlichen Pressevertreter, entbehrt nicht nur die zu erwartende übliche Korrektheit, sie war vielmehr stets in tenden- ziösester weise gefärbt und enthielt fortgesetzt starke Angriffe gegen da» deutsche Volk, die deutsche Regierung und leitende Staatsmänner. Zu wiederholten Walen ist die Regierung der UdSSR, auf das Unhaltbare dieses Zustandes aufmerksam gemacht und um Abhilfe gebeten worden, ohne daß hieraus irgendwelche Schlußfolgerungen gezogen worden wären.
Die bereits seit Monaten in Aussicht gestellte Abberufung von Frau Keith ist nicht erfolgt. Inhalt und Form der Berichterstattung der Berliner Vertreter der Sowjetpresse überschreiten in sich steigender Weise jedes erträgliche Maß. Trotzdem sind die sowjetistischen Pressevertreter in Deutschland nicht einer diskriminierenden Behandlung unterworfen worden. Wenn in letzter Zeit Pressevertreter Gegenstand unliebsamer Vorkommnisse waren, so muß in Betracht gezogen werden, daß die soeben dargelegte Tendenz ihrer Berichterstattung zu einer großen (Erregung der öffentlichen Meinung in Deutschland geführt hat, die von dieser Berichterstattung durch ständigedeutschsprachige Rundfunksendungen aus der Sowjetunion Kenntnis erhielt.
Andererseits muß festgestellt werden, daß die in Moskau lebenden deutschen Pressevertreter zeitweilig nicht einmal ohne besondere Genehmigung amtlicher Stellen der Sowjetregierung Moskau verlassen durften. Ihre Berichterstattung unterliegt einer ständigen Kontrolle. Der Nachweis einer tendenziösen Berichterstattung dieser deutschen Pressevertreter, die auch nur im entferntesten mit der der sowjetischen Pressevertreter verglichen werden könnte, ist nicht zu erbringen. Ihr Grundsatz, durch eine sachliche Berichterstattung den freundschaftlichen Beziehungen beider Länder zu dienen, ist von den deutschen Pressevertretern stets beachtet, van den sowjetischen
Pressevertretern in Berlin oft verletzt worden.
Auf Grund dieses ganzen Sachverhalts vermag das Auswärtige Amt eine Berechtigung für die von der Regierung der UdSS. getroffenen Maßnahme nicht anzuerkennen. Die Repressalie gegen die deutschen Pressevertreter in Moskau kann keine Begründung finden in einem Vorfall, für den d i e Berliner Sowjet-Korrespondenten felbft d i e Deranwortung tragen. Die Ausweisung der deutschen Pressevertreter aus der Sowjetunion ist aus presserechtlichen Gründen unoer- st ä n d l i ch und stellt für die freundschaftlichen Beziehungen der beiden Länder eine schwere Sela ft u n g dar, für die die Regierung der UdSSR, die alleinige Verantwortung trägt.
Die akademistheZugeud im neuen Staat.
Oer neue Weg der Oeuischen Gtudenienschast.
Berlin, 29. Sept. (TU.) Der vor kurzem zum Führer der Deutschen Studentenschaft ernannte Reichsführer des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes, Dr. S t ä b e I, erklärte in einer Unterredung u. a., daß er vom Reichsinnenminister auf feinen neuen Posten berufen worden sei, um die großen Unklarheiten, die über d i e Zuständigkeit t e n zwischen dem NSDSTB. und zwischen der Deutschen Studentenschaft bestanden, zu beseitigen. Bei der Deutschen Studentenschaft handele es sich um eine Zwangsorganisation, die die gesamte Masse der deutschen Studenten organisatorisch zusammenfaßt. Im Gegensatz hierzu bilde der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund die Gemeinschaft einer weltanschaulich gebundenen zielbewuhten Minderheit, die die Führer für die Erziehungsarbeit der gesamten Studentenschaft im Sinne der deutschen Revolution zu stellen habe. Diese Führer sollen durch besondere Führungsschulungslager, sowie durch die Kameradschaftshäuser, in denen sich Studenten und Arbeiter zu gemeinsamer Arbeit vereinigen, herangebildet werden. Die studentischen Korporationen seien nur anzuerkennen, wenn sie ihren Mitgliedern die Zugehörigkeit zu einem der dem Stabschef der SA. unterstellten Verbände zur Pflicht machen. Andererseits würden Zwangsmaßnahmen irgendwelcher Art gegen ftu- dentische Verbände nicht geduldet werden. Die politische Schulung der Bünde werde dem Wei- spngs- und Aufsichtsrecht der jeweiligen örtlichen Studentenschaften unterstehen. Ein Zwang zur Errichtung privater Kameradschaftshäuser seitens der Korporationen werde nicht ausgeübt werden. Als wichtige Aufgabe bezeichnete Dr. Stäbe! die Schaffung eines engen Arbeitsabkommens zwischen dem NSDStB. und der NSBO., um den Studenten die notwendige Achtung vor jeder Arbeit beizubringen. Den gleichen Zweck verfolgt die Schulungsarbeit der Fachschaften, die in enger Verbindung mit den Berufsverbänden durchgeführt werden soll.
Studentische Kundgebung für Stabschef Röhm.
Friedrichshafen, 29. Sept. (TU.) Donnerstag nachmittag kehrte das Luftschiff „Graf Zeppelin" mit den Führern der SA. und SS. und maßgebenden Persönlichkeiten des Reichsluftfahrtministeriums von einer Instruktionsfahrt über Oberbayern nach Friedrichshafen zurück. Bei der Landung begrüßten die Führer der studentischen Verbände, der deutschen Burschenschaft, der Verbände der Turnerschaft auf deutschen Hochschulen, der Deutschen Sängerschaft, des Allgemeinen Deutschen Burschenbunoes den Stabschef
Röhm und erklärten ihm, daß sie in einer Front mit dem Führer und Kanzler des Reiches bereit feien, ihre ganze Kraft ohne Kompromiß für den unverfälschten nationalsozialistischen StaatHausbau und die nationalsozialistischen Erziehungsziele einzusetzen. Die geistige und soldatische Zusammengehörigkeit von SA.-Mann, Student und Akademiker werde noch stärker als bisher in nationalsozialistischer Gemeinsamkeit mit allen revolutio- nären Kräften und wahrhaften Volksgenossen in Erscheinung treten. Der Stabschef zeigte sich hocherfreut über die Gefolgschaftserklärung der studentischen Verbände. Er begrüßte die neue Kameradschaft, die gemeinsam in der Zukunft sich bewähren werde. Mit Handschlag verabschiedete er sich dann von jedem einzelnen Führer der Verbände.
Korporationen
und Kameradschafishaus.
Berlin, 29. Sept. (TU.) Am 29. September fand im Reichsministerium des Innern unter Vorsitz des Staatssekretärs Pfundtner eine Sitzung über die Frage der Errichtung von studen- tischen Kameradschaftsyäusern und insbesondere über das Verhältnis von Korporationen und Kamerad sch a f t shaus statt. An der Sitzung nahmen Vertreter der Hochschulländer, der vom Reichsminister des Innern ernannte Führer der Deutschen Studentenschaft Dr. Stäbe!, die Führer der Korporationsoerbände, Vertreter des SA.-Hochfchulamtes, des Deutschen Studentenwerkes und der Hochschulen statt
Die Sitzung ergab die allseitige Zustim - mung zu den grundsätzlichen Darlegungen, die Staatssekretär Pfundtner für den Reichsinnenminister und Dr. Stöbet für die Deutsche Studentenschaft über die Frage machten. Danach wird das K a m e r a d s ch a f t s h a u s als eine dem nationalsozialistischen Willen der Studenten entsprechende Form des staatspolitischen und wissenschaftlichen Dienstes und der körperlichen und charakteristischen Stählung v o l l b e j a h t. 3m kommenden Semester soll die äußere und innere Gestalt des Kameradschaftshauses aus den bereits vorliegenden Erfahrungen zunächst organisch weiter entwickelt und i n er ft er Linie mit Den Studenten, die zum Arbeit»- und S A. - D i e n st für die neue Erziehungsform besonders aufgeschlossen sind, vorbildmäßig verwirklicht werden. Die Korporationen sollen unter Wahrung ihrer Selbständigkeit ohne Zwang von s i ch aus die Aufgabe durchführen, den Kameradschaftsgeist des nationalsozialistischen Studententums, der sich in dem Gedanken des Kameradschaftshauses ausdrückt, in ihrem Kreise weitgehend zu verwirklichen. Ferner wurde durch Erklärungen des Reichsinnenministeriums, des Führers der deutschen Studentenschaft und des Vertreters des SA.-Hochschulamtes feftge- stellt, daß im kommenden Semester eine klare Ordnungder von feiten der Deutschen Studentenschaft, des SA.-Hochschulamtes, des Kameradschafts-
Hauses, der Korporationen und der Hochschulen an den Studenten zu stellenden zeitlichen Ansprüche stattfinden wird. Diese Ordnung wird die Erfüllung aller Forderungen gewährleisten, die im nationalsozialistischen Staat an den Studenten gestellt werden müssen, ihm andererseits aber auch die Durchführung seines Studiums und öie Betätigung innerhalb der Korporation ermöglichen. Der Eintritt in die einzelne Korporation bleibt wie bisher der freien Entschließung des einzelnen über- lassen.
Sin nationales Aufsorstnngswerl
Berlin, 28. Sept. (TU.) Der deutsche Wald kann den Bedarf unserer Wirtschaft und unseres Volkes an Gütern des Waldes zu normalen Zeiten nicht ganz decken. Anderseits aber besitzen wir noch Millionen Hektar ertragloses unbebautes Land, das zum großen Teil forstwirtschaftlich zu Nutzen ist. Aus diesem Grunde hat der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, D a r r 6, ein nationales Aufforstungswerk eingeleitet. An der Neuschaffung von Wäldern soll sich sowohl der öffentliche als auch der private Waldbesitz beteiligen. Träger der Arbeit sollen Kör- oerschaften des öffentlichen Rechts, gemischtwirtschaftliche Unternehmungen und Landwirtschaftskammern sein. Der aufforftungsroillige private Grundbesitz muß einen der genannten Kreditträger einschalten. Die Anträge für Kreditgewährung Für Aufforstungen müssen bis zum 31. 12. 1933 an Die Deutsche Rentenbankkreditanstalt eingereicht werden. Die Durchführung der Arbeit kann erfolaen als Notstandsarbeit mit Hilfe des Freiwilligen Arbeitsdienstes oder ausnahmsweise auch im freien Ar- beitsoerhältnis, soweit der Darlehensbetrag 10 000 Mark nicht übersteigt.
Mit der Arbeit muß nach Bewilligung des Darlehens unverzüglich begonnen werden. Sie muß bis zum 1. Juli 1934 beendet fein. Aufgeforstet werden können in erster Linie Oedland, unbrauchbares Ackerland, sowie frühere Waldflächen, die durch Insekten, Feuer, Sturm usw. vernichtet wurden und vom Besitzer mit eigenen Mitteln nicht wieder aufgeforstet werden können. Bei der Aufforstung ist unter allen Umständen zu vermeiden. Daß Wälder gegründet werden, die infolge nichtsach- aemäher Zusammensetzung, durch Witterungseinflüsse und Schädlinge besonders gefährdet sind, vor allem also reine Nadelwälder. Es ist vielmehr an- zustreben, daß Mischwald gebaut wird, der vor allem auch aus Bäumen bestehen soll, die Deutschland nicht in ausreichender Menge und Beschaffenheit besitzt. Bei Aufforstungen, die vorwiegend mit Nadelhölzern geschehen, müssen die notwendigen Vorkehrungen gegen Feuersgefahr' getroffen werden.
Aus aller Welt.
Hauptversammlung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Weimar.
Im Rahmen der Herbsttagung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft fand in Wei- mar die 124. Hauptversammlung statt. Landrat a. D. v. Keudell erinnerte daran, daß die deutschen Bauern besonderen Grund hätten, dem Führer aus tiefster Seele zu danken. Denn seit Bismarck sei noch niemals von einem deutschen führenden Staatsmann ein solches Bekenntnis zum Bauernstand errungen, und noch niemals seien den Worten auch solche gesetzgeberischen Taten gefolgt. Sodann wies der thüringische Ministerpräsident Marsch ler auf die Notlage der im Thüringer Wald und auf den Höhen der Rhön wirtschaftenden Landwirte hin und umriß die Bemühungen Der thüringischen Regierung, praktische Agrarpolitik zu treiben. Den Haupt- vortrag hielt Professor Dr. Brinkmann (Bonn- Poppelsdorf), über „Die Selbstversorgung Deutschlands als Arbeitsziel der deutschen Landwirtschaft". Zur vollen Selbstversorgung, so führte der Redner aus, fehlten uns heute noch rund 20 v. H. des gegenwärtigen Bedarfes. Mit den wechselnden Konjunkturen und der jeweiligen Anpassung des Betriebes an sie sei es heute vorbei. Von Dem Wahn der Weltgebunoenheit seien wir zurückgeführt worden zu Dem Bewußtsein der Bodenoerbundenheit. Durch ev-bloc-Annahme erfolgte die Wahl zum Präsidenten und zum Hauptausschuß. Vorsitzender des Vorstandes bleibt Rittmeister Dr. v. Wedsky.
Zwischenfall
bei einer Hauptmann-Aufführung in London.
Bei der englischen. Uraufführung von Gerhart Hauptmanns „Vor Sonnenuntergang" im Londoner Shaftesbury-Theater, in der Werner Krauß in Der Hauptrolle gastierte, ist es, wie aus London berichtet wird, zu Störungen gekommen. Als der Vorhang hochging und der erste Schauspieler, den man fälschlich für Werner Krauß hielt, zu sprechen anfangen wollte, setzte von den Galerien ein Sprechchor mit Schmährufen gegen das neue Deutschland ein. Gleichzeitig wurden Flugblätter in das Parkett geworfen. Auch Stinkbomben wurden geworfen. Es Dauerte Minuten, ehe eine junge englische Schauspielerin sich vor Dem niedergelassenen Vorhang Gehör verschaffen konnte. Sie wies darauf hin, daß es für dreißig englische Schauspieler eine hohe Ehre sei, mit diesem großen deutschen Künstler zusammen spielen zu dürfen, und forderte die Ruhestörer auf, das Haus zu verlassen. Die überwältigende Mehrheit der Zuhörer unterstützte die Schauspielerin mit lautem Beifall. Nachdem die Galerie von den Störenfrieden geräumt worden war, konnte das Stück feinen Anfang nehmen.
Aerzliche Führerlagung in Eisettach.
Der Führer der deutschen Aeuzteschaft, Kommissar Dr. Wagner, München, hat die (Bauobmän- ner Des NSD.-AerztebunDes, Die staatlichen Gesundheitskommissare und die Beauftraften bez den Landes- und Prooinzialverbänden zu einer wichtigen Besprechung nach Eisenach berufen. Eine Reihe bedeutender aktueller Fragen wird Gegenstand interner Beratungen fein. Während der Tagung findet heute (Samstag) abend eine große öffentliche Versammlung statt, in deren Mittelpunkt eine Rede von Dr. med. W. Groß, dem Leiter des Auf- tlärungsamtes für Bevölkerungspolitik und Rassenpflege stehen wird.
Grohfeuer vernichkel elf Gebäude.
In Schwabhausen bei Tauberbischofsheim vernichtete ein Großfeuer sechs Wohnhäuser und fünf Scheunen. Zahlreiche Löschmannschaften von Schwabhausen und Umgebung sowie Die Motorspritzen von Tauberbischofsheim und LauDa bekämpften das riesige Feuer, ohne jedoch viel aus» richten zu können. Eine Anzahl Schweine und Hühner, reiche Getreide- und Futteroorräte und zahlreicher Hausrat wurden ein Opfer der Flam» men.


