Ausgabe 
30.9.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 229 Erstes Blatt

183. Jahrgang

5amstag,30. September 1933

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Lheftedakteur:

Dr. Friede. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den An­zeigenteil L D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen.

Zum Ehrentag des deutschen Bauern.

Gruß an den deutschen Ackersmann.

Don Or. Keienburg.

Wer nicht den Sinn des Bäuerlichen begriffen hat so wie man etwas mit dem Herzen begreifen muß der weiß auch nicht um den tiefsten Sinn der Nation, denn der Ackerer ist das ä l t e st e Symbol des seßhaften Wirkens zum Wohle der Allgemeinheit und zwischen Saat und Ernte vollzieht sich der Ablauf jedes fruchtbaren Daseins, im Leben des Einzelnen wie im Leben der Völker.

Nur eine Zeit, die verwaschenen Allerweltsbe­griffen nachjagte und sich zugunsten eines inter­nationalen Trugbildes im Niemandsland von der eigenen Scholle entfernte, konnte diese staatserhal­tende und volkbildende Eigenart des deutschen Bauern vergessen. Mehr noch: sie schuf einen künst­lichen Gegensatz zwischen Stadt und Land und machte den Bauern friedlos, indem sie seinen Hof und seinen Erbacker a l sW a r e" behandelte. Mit Grauen denken wir an die Jahre zurück, wo der durch Spekulationen künstlich gemästete Dollar jahr­hundertealten Besitz an sich riß und der Mann mit dem Hammer durch das Sterben der kleinen Bauernwirtschaften ging. Nichts war so sinnlos und verbrecherisch am Körper des eigenen Volkes wie diese noch unvergessene aktive ober passive Gewalt­tat an einem ursprünglich wertvollsten Volksge­nossen. Doppelt hell im Licht sehen wir daher auch von dieser Seite aus das Werk der nationalen Er­hebung: den deutschen Bauern als Stand und wirkende Kraft wieder herausgestellt zu haben.

*

lieber den Leidensweg des Bauerntums auszu­sagen von der Tragödie der Bauernkriege an bis in die letztlichen Verzweiflungskämpfe gegen die Ueberfremdung, die schlimmer wütet als Pest und Krieg über dieses große opservoll durchgestandene Ringen zu sprechen, das wird eines Tages Ange­legenheit eines Chronisten sein. Wir Gegenwärti­gen, die wir den Neubau unseres Reiches erleben, reuen uns am Lebendigen und Werdenden und püren mit Dank und mit Stolz die Wieder­erweckung des bäuerlichen Gei st es, der aus uralter Erbmasse im Blute eines jeden von uns steckt. Es gab vielleicht keine Zeit, wo aus Selbstbesinnung und inbrünstiger Versenkung das Lieb ber Scholle, ber Bobenverbunbenheit, unb ba- mit ber Heimat so mächtig cmporschwoll wie in unseren Tagen. Nie waren Künbung unb Dichtung so vom Bäuerlichen bewegt, nie würbe eine Tra­dition so verantwortungsbewußt fortgesponnen, die einstmals schon in Goethe gipfelte und zu einer großen, zukunftweisenden Vision gerann: wird doch auch der alternde Faust Landmann und Siedler und erachtet die Arbeit mit dem Spaten als letzte Lebensweisheit unb höchstes Daseinsglück.

DerA u f b r u ch zum L a n b e" liegt in uns selbst, nicht in bilettantischen Nachahmungen freilich, jonbern in ber Einprägung bes beutschen Bauern- ibeals in Herz unb Sinne. Viele Züge, bie bas Wesen unserer gesamten Nation ausmachen, er­kennen wir in diesem Silbe; ben Durchsatz bes Eigensten, bie Zähigkeit unb ben Zornmut um eine gerechte Sache, bie Wehrhaftigkeit, bie Treue vor sich selbst unb vor einer höheren Macht, bie Gott unb Volk heißt unb heimlicher Mittelpunkt aller Deutschen ist, mit bem Namen Vaterlanb. Oft unb in vielen Gesichten finb wir biefen ewig bäuerlichen Zügen begegnet. Wir erinnern uns an bie Karne- raben bes Krieges, bie ben Pflugsterz mit ber Waffe vertauschten unb ben fremben Acker hinfort mit Granaten pflügten, nie hörten wir ein Wort ber Klage von biefen schweigsamen, schwerblütigen Männern, aber wir wußten, bie Fremde fraß an ihnen unb sie würben noch einsilbiger unb in sich gekehrter, wenn im März ber zerrissene Acker an zu buften fing ober sich im reifen Sommer spär­liches Korn auf ben Halmen wiegte. Da rührte sie bas Vererbte, bas Anvertraute in ihnen: baheim ber Acker, ben bas Weib mit bem alten Knecht unb etlichen Kriegsgefangenen bestellte. Es war viel Sorge in ihnen über bies unb bas, was anberen gering erscheinen mag, über ein bißchen Vieh, ein wenig Gerät, ein Stückchen Lanb. Wir aber konn­ten ihnen nichts abnehmen, bie Mißachtung jebes noch so kleinen Anspruches wäre ihnen als eine Veruntreuung erschienen. (Denn: zeigt mir ben rechten Bauer, ber sich nicht als Statthalter Gottes fühlte auf feiner Scholle.) lieber ollem aber ftanb eine ferne Verheißung:Wenn mir Heim­kommen..."

Nicht allzu viele tarnen heim unb sie kamen nicht auf trächtiges Felb, vom Frieden gesegnet, sondern von einem Krieg in den anderen, aus den Schützen­gräben in den großenOrlog" gegen Bedrückung, Verständnislosigkeit, Undeutschheit, Verhetzung unb Bonzentum. Wieber begegneten wir ben alten Kameraben aus bem Felbe. Ihre Mienen waren sinster, sie roanberten im Morgengrauen burch bie Wälber, in bie Finanzämter bes Systems, vor bie Schalter volkssrember Bürokratie, ben Buckel voller Sorgen unb bie Augen im Dreck. Manche gingen außer Lanbes, anbere verbluteten schweigenb, man­cher spielte ben Knecht, wo er früher zu sagen ge- habt hatte. Dennoch ging ihr Geist nicht unter. Ewig ist ber beutsche Acker wie bie beutsche Zuversicht unb ihre unzerstörbaren Mächte bürfen beute eine neue Sonne grüßen.

So grüßen auch wir dich, deutscher Ackersmann, Träger altvererbter Werte, reiner Sitte und wurzel- tiefer Volkheit. Wenn irgendetwas unsere Augen verhangen hatte in dem widrigen Dunst der Jahre, die hinter uns liegen, so tun wir es heute ab und grüßen euch klaren Auges und guter Vorsätze voll. Wir bekennen heute, an eurem Ehrentage, da die

Nation durch ihre berufenen Vertreter unser aller Dank an euch abstattet, daß wir brüderlich neben euch st e h e n und nicht ablassen wollen vom Geiste des deutschen Ackerers, in oolksver­bundenem Wirken und Trachten um Fülle und Bestand ber beutschen Ernte.

Spruch am Erntedankfest.

Don Oiemar Moering (BOS.)

Wir pflügen, wir säen. Wir graben, wir mähen. Wir bienen der Erde Mit treuer Gebärde Herr, schirm Haus und Herd uns vor Not!

Dein Herr, ist der Wein und das Brot. Du sendest die Wolke Dem dürstenden Volke, Du strahlst aus der Sonne, Du sprichst aus bem Bronne Der Herr gibt uns Speise unb Trank: Preiset ben Herrn! Dem Herren sei Dank!

Bewahr, Herr, bie Scheuer Dor Wetter unb Feuer!

Die Aehren, die Reben, Du hast sie gegeben Der Herr gabs mit segnender Hand.

Knie vor dem Herren, o Land!

Zu ihm von den Stufen Der Hügel wir rufen, Zu ihm von den Türmen Die Glocken, sie stürmen, Sie jubeln mit ehernem Klang: Preiset den Herrn! Dem Herren sei Dank!

Das DM Äeich ein Reich ans Mi unb Roden.

Don Reichskommissar Erwin Mehner, Sonderbeauftragter für bäuerliches Brauchtum, für Snte und Gesittung im Reichsernährungsministerium.

Wenn wir das diesjährige Erntedankfest in groß­artigem Ausmaß alsTag des deutschen Bauern" begehen, so hat das seine eiaene Bewandtnis. Es soll nicht nur ein Festtag des deutschen Landstandes sein, sondern ein Dankfest ber ganzen Nation, eine Kunbgebung gleichzeitig ber natio­nalsozialistischen Regierung, bie in bem Bekenntnis zum Bauerntum als bem Lebensquell unb ber Grunbfeste allen Volkstums gipfelt. Auf bem Bücke­berg bei Hameln wirb an diesem ersten Gilbhart (Oktober) 1933 ber Führer allen Volksgenossen verkünben, was es bebeutet, ein gesunbes Bauern­tum zu besitzen unb weich' kostbares Gut ber Staat in seinem Bauernstanb zu betreuen hat. An seiner Seite wirb ber Reichsbauernführer unb Reichs­ernährungsminister 2) a r r 6 als Treuhänber bes beutschen Reichsbauernstanbes stehen unb bas Ge­löbnis ablegen, baß biefer beutsche Lanbstanb für immer unb ewig in unmanbelbarer Gefolgschafts­treue zum Führer stehen wirb, komme was kom­men mag. Das Wort vom Dritten Reich, bas ein Bauernreich sein muß, wenn es Bestanb haben soll unb nicht vergehen wie die Reiche der Hohen­staufen und Hohenzollern, ist in die Herzen von Millionen deutscher bäuerlicher Menschen einge­brannt und wirkt fort in ihnen als lebendige lieber« Zeugung.

Der Landstand und mit ihm die ganze Nation hat wahrlich Grund, Dankfeste zu feiern, denn bie entscheibenben Schritte zur Errettung aus bem Elenb fmb getan. Die umstürzenben Gesetze finb erlassen unb in Kraft getreten, bie mit einem Schlage Deutschlands Ernährunaswirtschaft aus ben Fängen bes liberalistisch-kapitalistischen Wirtschafts­systems befreit unb unter eine organische Wirt- schaftsorbnung gestellt haben. Noch ist es nicht ab­zusehen unb zu ermessen, welch' umwälzenbe Aus­

wirkung auf bie gesamte Volkswirtschaft biese Ge­setze haben werben. Eins aber ist gewiß: Sie wer­ben bem Gesamtvolk zum Segen gereichen! Späte­ren Zeiten mag es vorbehalten bleiben, rückschauenb bie geschichtliche Bebeutung ber neuen unb enb- gültigen Bauernbefreiung burch bie Regierung Hitler abzuwägen unb aufzuzeichnen. Uns sei er­laubt, ben Sieg zu feiern, ben bie Beharrlichkeit bes Bauern baoongetragen hat. Bauerngeist wirb ben Hänblergeist ablösen, ber zum Fluch unseres Volkstums bie Herrschaft in Deutschland an sich ge­rissen hatte. Das Blut hat das Gold überwunden. Der Staat aus Blut unb SBoben wächst stolz empor eine neue Ewe (Epoche) beutscher Geschichte ist eingeleitet.

In ganz Deutschlanb wirb bas Erntebankfest unter lautem Jubel begangen unb bie alten über­lieferten Bräuche werben babei wieber zu ihrem Recht kommen. Das beutsche Volk besinnt sich auf sich selber unb holt bas gute Brauchtum ber Väter hervor, oerbinbet es mit bem vom Nationalsozialismus geprägten Stil zu einer lebenbi« gen Einheit. Aus biefer Verschmelzung bes Her­kommens mit bem Neuen wirb sich eine boben- ft ä n b i g e unb eigenwüchsige Kultur entwickeln, welche enblich herausführt aus bem Zeit­alter ber Bilbung unb bes Wissens in ein Zeitalter schöpferischer Lebensgestaltung unb ber Tat. Das Brot zum Leben ist unserem Volke gesichert. Der Mensch aber lebt nicht von Brot allein. Der Hunger ber Seele muß auch gestillt werben können. Das Erlebnis ber Volksgemeinschaft im Nationalsozialismus unb bas Erlebnis ber Stimme bes Blutes, ber beutschen Rasse als einer Bauern­rasse bilben bie Voraussetzungen zu einer wahrhaft völkischen Kulturbilbung. Es wirb eine Bauern- kultur fein.

Bauer und Heimaizeiiung.

Zum Grntebantfeft kommt auch die Heimatzei­tung mit einem festlichen Herzen. Sie fühlt sich mit bem Bauern unb seiner Familie eng verwachsen als Binbeglieb zwischen Stabt unb Dorf, zwischen Technik unb Scholle. Für ben Bauern hat bie Heitmatzeitung besondere Bedeutung. Er lebt nicht in ber dichten Masse wie der Städter, er ist den großen Ereignissen ber Zeit mehr entrückt. Sein Hof ist seine Welt, unb seine Gebauten unb Wünsche umkreisen bas Stuck Erde, bas er bebaut unb aberntet, damit Stabt unb Laub Nahrung haben.

Wenn sein Leben auch mehr in ber Einsamkeit ber Natur steht, ist er aber doch ©lieb bes Vol­kes, durch Blut unb Schicksal mit ber Umwelt ver­bunden. Was nützt ihm seine harte mühselige Ar­beit, wenn das Volk, dem sie bienen soll, leidet unb verarmt? Er muß daher Anteil nehmen an dem großen Ringen bes Volkes, für bas er bie Früchte sät unb erntet, er darf sich nicht ab- kehren von dem Kampf ums Dasein, ben bas ganze Volk durchzuführen hat, denn sonst wird er mit in bas Unglück gerissen.

Die Heimatzeitung iist der tägliche Be­sucher, derKunde ausder Welt bringt, aus ber engeren Heimat, aber auch von dem großen Äampffelb ber Politik unb Wirtschaft. Still unb ohne zu stören, ist er zur Hanb, wenn bie Familie von ber Arbeit nach Hause kommt unb Zeit unb Muße finbet, sich mit ben Vorgängen außerhalb ber vier Wänbe zu beschäftigen. Eine große Organi­sation arbeitet zusammen, um diese Stunde ber Lek­türe, der Beschaulichkeit, nicht nur angenehm, son­dern auch niützlich zu machen. Der Leser erfährt die

Marktpreise feiner Erzeugnisse, die Veranstaltungen, die für sein persönliches Leben oder feine Berufs­arbeit von Bedeutung sind, alle wichtigen Ereignisse, bie sich in der näheren und weiteren Umgebung ab­gespielt haben, er sieht plötzlich ganz Deutschlanb vor sich, wie es um seinen Aufstieg unb um seine innere Gesunbung ringt, er erkennt feine Verbunben- heit mit bem Erleben des Volkes, unb plötzlich ist diese Stunde erfüllt von bem heiligen Feuer, bas sein Volk ersaßt hat. Auch für Entspannung finbet er in seinem Heimatblatt lehrreichen und fesselnden Lesestoff. Die Zeitung ift bemüht, bie Stunde, bie ihr gehört, zu einer besonders schönen Feierstunde zu machen.

Zeitung und Bauer gehören zusam­men. Ebenso wie das Heimatblatt unermüdlich für das Wohlergehen bes Sauernftanbes kämpft unb um Verständnis wirbt für feine Sorgen unb Leistungen, muß aber auch ber Bauer z u seiner Zei­tung stehen unb ihr burch treue Gefolgschaft helfen. Er bars diesen treuen Freunb nicht von ber Tür weisen, wenn er einmal weniger Zeit für ihn bat, denn dieser Verbindungsmann zwischen dem Bauernhof unb der Welt kann feine für den Bauern nützliche Aufgabe nicht durchführen, wenn sie auch nur vorübergehend unterbrochen wird.

Wenn wir am heutigen Erntedankfest allen un­seren Freunden auf dem Lande für ihre Anhänglich­keit danken und ihre Arbeit segnen, sind wir stolz auf diese Zusammengehörigkeit; denn auch wir wol­len säen unb ernten, wenn auch auf geistigem Ge­biete, damit sich Brot und Geist zum Wohle unseres Volkes vereinen.

Ltrstand her Nation.

Völker mögen Kriege verlieren, Staaten mögen unter frember Tributknechtschaft stehen, Stäbte mögen in Flammen aufaehen: niemals ist bie Zu­kunft einer Nation bebroht, solange ihr Bauern- t u m gefunb unb stark ist. Zu Beginn bes 30jähri- gen Krieges zählte Deutschlanb 20 Millionen Ein­wohner. Zum Schluß lebten in ben verwüsteten Gauen bes Reiches noch 10 Millionen Menschen. Von biefen waren aber bie meisten d e u t s ch e Bauern, unb sie retteten bas Reich, inbem sie aus ber mütterlichen Fruchtbarkeit ber Erbe em­porwuchsen zu einem Volke, bem Bach unb Beetho­ven, Goethe unb Schiller, Fichte unb Hegel, Gnei- senau unb Scharnhorst entsprotzten. Wir alle reichen mit unseren Wurzeln in bas Bauerntum zurück, wir alle werben uns heute wieber bieser Verbinbung bewußt, unb - für uns alle ist unser Wissen um bie Herkunft aus ber Scholle eine Verpflichtung für Gegenwart unb Zukunft.

Das Bauerntum ift ber Urftanb ber Nation. Das Bauerntum ift ber ewige Jungborn, aus bem sich bie Kräfte ber Rasse erneuern. Die Zeit einer Vergötzung bes Verstanbes unb ber äußer­lichen Zivilisation hat sich von biefen ewigen Wahr­heiten entfernt. Den Bauer focht bies jeboch nicht an. Er bestellte feinen Acker, er begrünbete seine Familie, er tat seine Pflicht. Damit siegte er über bie tönenben Worte ohne Inhalt unb den mensch­lichen Leerlauf der Großstädte. Er redete nicht von Naturverbundenheit, denn er besaß sie. Er machte keine großen Worte von Pflichterfüllung, denn das Tagewerk war Selbstverständlichkeit. Er erhob keine Ansprüche über bas Maß bes ihm zustehenben Rech­tes hinaus, benn bas Leben in ber Gemeinschaft bes Dorfes war ihm Sinn genug. Nur als ber Geist ber Stabt nach ben Lebensrechten bes Bauern griff, setzte er sich zur Wehr. So ftanb ber Bauer am frühesten unb geschlossensten hinter ber Haken- kreuzfahne bes neuen Staates. Unb als es so weit war, mußte ber Novemberstaat kapitulieren.

Das Fest ber beutschen Ernte ist ber Dank ber Nation an ben Bauern, baß er immer unb immer wieber das Reich gerettet hat. Gerettet hat, weil er einmal bie biologische Urzelle barstellte, bie niemals oerbarb unb heute so gefunb ift wie sie vor Jahrtausenben war, zum anbern aber auch, weil ber Geilt ber solbatischen Opferbereitschaft im­mer im wehrhaften Bauerntum zu Hause war. Nirgenbwo ist vielleicht ber Geist biefes wehrhaften Bauerntums besser geschilbert worben, als im Werwolf" von Hermann Löns. Hier haben wir bas Hohelieb bes beutschen Bauern, bem bie Deut­sche Zukunft anvertraut ift. Denn ber neue Staat hat bie Ehrenschulb ber Nation eingelöft unb ben Bauern in ben Mittelpunkt bes Rettungswerkes gestellt, bas alle Stänbe zu neuer Blüte führen soll.

Der Segen ber Erbe wirb über einem Volke wal­ten, bas feine Verbunbenheit mit Blut unb Boben niemals verliert. Die beiben gekreuzten Aehren unb bie rote Mohnblume, die morgen am 1. Oktober jeder Deutsche auf der Brust trägt, sollen Sinnbild fein dieser Verwurzelung. Das Fest, das morgen in Stabt unb Lanb gefeiert wirb, soll Bekenntnis sein zum täglichen Brot auf unserem Tische unb zum Blut unserer Ahnen. Symbol unb Bekenntnis aber bürfen nicht nur Aeußerlichkeit bleiben, fon- bern aus ihnen muß emporwachsen bie Ver- pflichtung zur Tal unb zum unmittelbaren Einsatz. Jebes Fest, bas ber neue Staat feiert, ist schließlich mehr als eine Angelegenheit ber Stim­mung unb bes Gefühls, fonbern es ist ber feierlich betunbete Wille zur Volksgemeinschaft. Diese Volksgemeinschaft unb Schicksalsgemeinschaft ist gleichzeitig eine Brot- unb Notgemeinschaft aller beutschen Stänbe. Praktischer Sozialismus heißt, aus biefem Geist ber Brotgemeinschaft heraus einem jeben Volksgenossen bas zu sichern, was ber beutsche Boben zur Fristung unseres Daseins be- schert. Die Ernte ist eingebracht, nun gilt es, aus ben Gaben ber Ernte ben Kampf gegen Frost unb Hunger aufzunehmen. Immer noch finb viele Millionen Deutscher arbeitslos. Fast alle finb sie bie Söhne ober Enkel von Bauern, benen bie Scholle zu eng geworben war.

Das Werk bieser Rettung wirb im Winter tm Kampf gegen Not unb Kälte bestehen. Wenn ber Frühling bann wieber kommt, wirb es nicht mehr genügen, bie Symptome ber Not, fonbern b i e Ursachen ber Not zu bekämpfen. Dem Bauern muß neues Lanb erschlossen werben. Der Ar- beitsbienst, jene Verbinbung von Bauerntum und Arbeitertum, wird immer mehr in die Aufgabe hineinwachsen, die Großstadtentwicklung des letzten Jahrhunderts rückgängig zu machen und neuen Siedlungsraum für die heute arbeitslosen und in ben Stäbten zusammengepferchten Bauernenkel zu gewinnen. Hier wirb sich ber eigentliche Dank an ben beutschen Bauern als ben Urftanb ber Nation unb ben Jungbronnen bes Volkes zu bekunben haben. Gewatti-ges hat bie neue Regierung bereits für bie Brotgemeinschaft aller beutschen Stänbe getan. Größeres wirb bie Zukunft noch zu bringen haben. Lassen wir für einen Tag bas Werk unserer Hänbe ruhen unb finb wir im Geiste ganj beim beutschen Bauern unb ben Quellen seiner Straft Wenn bann bie Glocken ausgeläutet haben, unb wenn bann ber Werktag wieber beginnt, so soll uns ber Geist bes beutschen Bauerntums, ber ber Geist unserer Ahnen ift, die Kraft zum Durchhalten ver- leihen. Deutschland wird liegen, wenn es gelingt, die bäuerlichen Werte unaustilgbar in das Herz eines jeden Volksgenossen zu säen.