Die Instandsetzung von Wohngebäuden.
Oie Irichilin:en für die Verwendung derZuschüffe des Reichs.
Don der Hessischen Handwerkskammer in Darmstadt wird uns mitgeteilt:
Der Rcichsarbeilsminister hat den Länderregie, rur.gen mit Schreiben vom 24. Januar 1933 mit* geteilt, das) die Reichsregierung einen weiteren Betrag von 50 Millionen Mark für die Instandsetzung von Wohngebäuden usw. zur Dersügung stellt. Das Schreiben besagt etwa folgendes:
Die Bereitstellung des Betrages von 50 Millionen Mark zu Reichszuschüssen für die Instandsetzung von Wohngebäuden, die Teilung _ von Wohnungen und den Umbau gewerblicher Räume zu Wohnungen hat sich als
starker Anreiz zur Vornahme von Instand- fehungs- und llmbauardeiien erwiesen und damit neue Arbeilsmögtichkeiten für das Baugewerbe, insbesondere dos Bouhand- weck. geschaffen.
Rach den Mitteilungen der Länder kann bereits vielfach Anträgen nicht mehr entsprochen werden, da die Mittel erschöpft sind. Der besondere Vorleit der Maßnahmen liegt darin, daß gerade in den Wintermonaten Arbeitsgelegenheit geschaffen wird. Die Reichsregierung hat daher beschlossen, erneut einen Betrag von 50 Millionen für derartige Reichszu- schüsse zur Berfügung zu stellen, von dem den einzelnen Ländern ein anteiliger Betrag zugeteilt ist. Falls sich ergibt, daß in dieser Höhe ein Bedarf in einem Lande nicht besteyt, behalt sich der Rcichsarbeilsminister vor, den Restbetrag einem anderen Lande zur Dersügung zu stellen.
our die •-ocrgcoung der Mittel gelten die bis- herigcnBest.mmung n m t folgend:nAcnd.rungen:
1. Jüc die Instandsetzung von Wohngebäuden kann ein Reichszuschuß bereits gewährt werden, wenn die Kosten für das einzelne Grundstück wenigstens 100 Rw. betragen.
Die Herabsetzung ist erfolgt, um auch dem kleineren insbesondere dem landwirtschaftlichen HauSbesitz in mittleren und kleineren Gemeinden in stärkerem Umfange als bisher die Zuschüsse zugute kommen zu lassen.
2. Die Arbeiten müssen spätestens am 1. Juli 1 933 vollendet sein. Durch die Acndcrung soll im Interesse der Arbeitsbeschaffung verhindert werden, daß die Durchführung der Arbeiten über einen langen Zeitraum erstreckt wird. Die vorstehenden Acndcrungen gelten auch für die Derteilung d^s etwa noch vor- han'-enen Restes der zunächst bereitgestcllten Mittel.
3. Rach den Bestimmungen vom 17. September 1932 dürfen Zuschüsse nur für größere Instand-'
„Ait-Gietzen."
Zweiter Vortrag von Oberkriegsgerichtsrat Koch.
Am Freitagabend fand der zweite gutbesuchte Dortrag^abena der Matthäusgemeinde statt. Mannigfachen Wünschen folgend, sprach Ober. kriegsgeri''->tsrat Koch noch einmal über „Alt- G c en". Pf i rcrM a h r sprach einte t nde Torte.
Sodann erzählte Ober.riegsgerichtIrat Koch und ergänzte bei seinen Ausführungen in einzelnen Teilen seinen ersten Dortrag. Er sprach zunächst von Pfarrer G l a u b r e ch t, der in seiner Rovelle .. D i e W i n l e l s a> u l e" die Gießener Verhältnisse zu Beginn des 19. Jahrhunderts schilderte und insbesondere von den Schulvcrhä.tnissen der damaligen Zeit sprach. Damals habe es sogenannte W.nkelschulcn gegeben, deren Lehrer nicht immer geprüft gewesen seien. Auch in der Wehsteingasse habe, geleitet von Magister Schab, eine solche Winkelschule bestanden. Die Person des Magisters Schab habe er (der Redner) gesch chtlich verfolgen können. Der Schulmeister sei ein gebürtiger Wiesecker gewesen. Roch verschiedene andere Rovellen, die in der Stadt Gießen spielten, seien gesch'.chtlich zu verfolgen gewesen. In weiteren Ausführungen kam der Dortragende auf die Geschichte einiger Gießener Familien zu sprechen. Interessant sei es, festzustellen, daß Oeser. ein gebürtiger Gießener, blutsverwandt m i t G o e t h e war.
Don der Lahn, über die er in seinem ersten Dortrag verschiedenes erzählt habe, sei ebenfalls .einiges nachzutragen. Im 17. urf' '8. Jahrhundert feien viele Holzflöße von holl indischen Flößern vorbeigeführt word..i und brachten der Skadt durch Zoll und Schleusenziehgelder manche willkommene Einnahme. In Gießen habe sich auch eine M ü n z st ä t t e befunden und zwar während der Jahre von 1692 bis 1702. Münz- meister sei ein gewisser Rebhuhn gewesen. Einige ausländ.sche Münzgehilfen seien hier beschäftigt gewesen. Auch Falschmünzer trieben ihr Unwesen. Besonders erzählte man sich von einem adeligen Falschmünzer, der hauptsächlich Heller, allerdings keine hessischen, fabriziert habe. Sein Komplice sei später im Leiningischen gefoltert und hingerichtet worden, nachdem er zuvor feinen Kameraden verraten hatte. Diefer aber entzog sich der Strafe durch Flucht.
Die Gießener Bevölkerung habe schwer unter Seuchen zu leiden gehabt. Die Derhältnisse in der Stadt in hygienischer Hinsicht ließen besonders noch im 17. Jahrhundert sehr viel zu wünschen übrig. Seuchen konnten sich also leicht ausbreiten. So war im 16. und im 17. Jahr- hunde.t die Pest häufiger, gefürchteter Gast in der Stadt. 2m Jahre 1551 habe die Pest am schlimmsten gewütet. Pestjahre seien au.e.dem die Jahre 1575, 1576, 1583, 1588, 1597 und 1599 gewesen. Das Jahr 1635 brachte abermals den „Schwarzen Tod": weit über tausend Einwohner fielen der Seuche zum Opfer. Ganze Familien wurden dahingerafft. Die nahe Stadt Lich habe seinerzeit die Zuwanderung aus Gießen ve.boten. Die durch die Pest dezimierte Gießener Bevöl.erung sei aber überraschenderweise immer wieder ra ch ergänzt worden. Insbesondere seien aus Westfalen sehr viele Leute zugewandert und heirateten in der Stadt. Diele Familien in unserer Stadt hätten somit westfälische Dorfahren. Besonders aus dem Ort Hattingen zogen auffällig vee Leute nach Gieß.n. Aus dem Bergischen Land seien außerdem Leinwanokrämer zugewan- dert. 2m 2ahre 1797 habe Gießen nur 3959 Einwohner gezählt.
sehungsarbeiten gegeben werden. 2n der Praxis find bereits kleinere 2nstandseyungsarbeiten dann berücksthtigt worden, wenn fie aus wirtschaf.lichen Gründen glei^zeitig mit größeren durchgesüyrt werden. Einer derartigen Ausdehnung der Bestimmungen wird zugestimmt. Der Reichsarbeitsminister ist ferner damit einverstanden,
daß auch die völlige Jnslandschung einer leeren
Wohnung als größere Jnslandsehungsarbeil angZchen wird.
Hiermit wird für Hausbcfih und Ausbaugewerbe eine Lücke ausgefüllt, die die seitherige Bestimmung gelassen hatte.
Als ein besonderer Dorzug der Maßnahme wi.d bezeichnet, daß durch sie gerade in den Wintermonaten Arbeit geschaffen toLb. Bei der gegenwärtigen Lage des Arbeils- marckes wird entscheidender W.rt darauf gelegt, daß auch für die Derteilung der Mittel im Einzelfalle d.eser Gesichtspunkt maßgebend ist. Für die Bewilligung eines Zuschusses darf nicht der Tag des Eingangs des Antrags maßgebend sein, sondern der Zeitpunkt, in dem der Hausbesitzer nach seiner Erklärung mit den Arbeiten beginnen will.
Jür die lausende Aktion ist daher bereits bestimmt, daß in erster Linie Anträge berücksichtigt werden mü'sen, bei denen sofort oder innerhalb kurzer Zeit mit den Arbeiten begonnen werden fall.
2n dem Dorbescheid ist die Zusage des Zuschusses nur unter der Bedingung zu erteilen, daß die Arbeit in der angegebenen Zeit auch tatsächlich begonnen wi.d. Die Einhaltung dister Bedingung ist nachzuprüfen. 2ft fie nicht e füllt, so ist der B:trag einem anderen Antrag- ste.ler zuzuteilen. Zu berücksichtigen sind daher zur Zeit nur Arbeiten, die im Winter durch- gcsührt werden können, also vor allem Arbeiten im 2nneen der Gebäude.
Bei der Derle'.lunz der neuen Mittel sind die mit der Dergebung im Einzelfalle beauftragten Stellen nochmals daraus hingewiesen,
daß unter allen Umständen unverzüglich für diejenigen Arbeit n ein Zuschuß zugesagt wird, die sofort begonnen werden sollen.
Solange Anträge auf einen Zuschuß für derartige Arbeiten noch vorliegen, dürfen andere Anträge keinesfalls berücksichtigt we'den. 2m 2nteressc de: Arbeitsbeschaffung m. ß unbedingt erreicht We den, daß sich die Wirku.ig der Zuschüsse besonders in den nächsten Wochen geltend macht. Daher ist auch besonders zu überwachen, daß bei der Derteilung der Mittel nach dem dargelegten Grundsatz verfahren wird.
2nteressant sei es, zu erfahren, daß schon im 2 a h r e 1 692 im Rathaus Theater gespielt worden sei, und zwar von Mark- g.ä l.ch Badenschcn Durlachschen Hoslomödianlen. Die Studenten hielten im Rathaufe Konzerte ab. Durch die Studenten sei immer viel Unruhe in de: kl.inen Stadt gewesen, denn jene zogen nach der damaligen Sitte stets bewaffnet durch die
',bt, suchten Händel und zogen rasch und bei jede.' Geleg nhstt vo.n Leder. Auch unter den ^u.ge.n uaö Soldaten habe es manchen tätlichen Streit gegeben.
Diel Rühmstches wisse man von einem Gießener Rentmeister, dem Konrad B r e i d e n st e i n, der zu ammen mit anderen G.eßenern den Versuch mcd)ie. den Landgrafen Philipp den Großmütigen im Jahre 1550 aus der Gefangenschaft in Mecheln zu befreien. In weiteren Ausführungen erzählte der Dortragende noch von dem Wirlen des Landgcasen Philipp des Großmütigen, der ein ausgezeichnete: Landesvater und weitschauender Fürst gewesen sei. Mit einigen kleinen ergötzlichen Erlebnissen Gießener Bürger im nahen Städtchen Lich beschloß der Redner feinen mit großer Aufmerksamkeit verfolgten CBorttag.
Pfarrer Mahr beendete mit Worten des Dankes den interessanten Abend.
$tarnotr>cn.
— Aus dem Stadttheater-Bureau wird uns geschrieben: Morgen 20 11 br als 17. Borstellung im Dienstag-Abonnement das Lu t- spiel: „2:2 unentschieden' von Lichtenberg (Spielleitung: Karl H e Y f e r): gewöhnliche Preise. Cnce 22 Uhr. — Arn Mittwoch, 1. Februar, in dieser Spielzeit zum erstenmal die Operette: „Drei- mäderlhaus". 2n der Inszenierung Paul W r e - des wird von Balettmeister Ewald D ä u l k e und Frau ein Sextett getanzt, das sonst fast immer gestrichen wird, obwohl es Melodien aus der Komposition „Deutsche Tänze" enthält, außerdem wird der ungekürzte „Militärmarsch" der Aufführung den Auftakt geben. Die musikalische Leitung hat Kapellmeister Walter Moe hl. Die Borstellung ist die 17. Mittwoch-Abonnements- Vorstellung und zu Operettenpreisen. Spieldauer von 19.30 Uhr bis 22.30 Uhr. — Das Austauschgastspiel der Koblenzer Bühne findet am Donnerstag, 2. Februar, statt. Die Gäste bringen das Schauspiel: „Gestern und Heute" von Christa Winsloe zur Aufführung. Der Film „Mädchen in Uniform" entlehnte fein Drehbuch der Handlung dieses interessanten Schauspiels. Das Gießener Gastspiel bekommt eine besondere Rote durch die Mitwirkung von Hedwig Schlichter, Berlin, die sowohl im Film, als auch bei den über 100 Ausführungen des Stückes an den Barnowsch- Bühnen in Berlin in der Rolle des Fräulein von Kesten größte Erfolge errang. Das Gastspiel ist außer Abonnement zu ermäßigten Operettenpreisen: Abonnenten erhalten die Dergünstigung der ermäßigten Schauspiclpreise. Rundfunlgul- scheine haben Gültigkeit. Svieldauer von 20 bis 22 Uhr.
— Bortrag eines englischen Pädagogen. Heute, 20.15 Uhr, Dortrag von Pros. C. W. D<i Icntine, Birmingham, über „Modern Tendencies in English Education“, im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen 2nstituts, Ludwig- strahe 34.
•* Morgen letzter Tag für Steuergutscheine! In den vorn Wirtschaftsprüfer | und Steuershndilus Hermann Will zu Gießen herausgegebe'nen „Aktuellen Steuerfragen" (Rund- I schreiben.'Mr. 3) lesen wir: Am 31. 2anuar 1933
läuft die Frist für Anträge auf Ausgabe von S.cue.gutsch.i. e i für diejenigen Arbeitnehmer ab, die im Kalendervierteljahr vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1932 gegenüber dem Dergleichs- zeitraum des Dorjahres oder dem sonstigen in Frage kommenden Derglcich-zeitraum mehr beschäftigt worden sind. Muster für derartige Anträge find jetzt heraus und können bei den Finanzämtern angefordert werden. Die Frif! ist eine Ausschlußfrist. Die Anträge müssen bis spätestens 31. 2anuar 1933 beim zuständigen Finanzamt eingehen: zuständig ist das Finanzamt, das für den Gut.cheinberechtigten die Umsatzsteuer ve.anlagt. Wird Umsatzsteuer n'cht gezahlt, so ist das für die Veranlagung der Einkommensteuer in Frage kommende Finanzamt die zuständige Stelle.
•• Arbeitsjubiläum bei der Firma Georg Philipp Gail AG. Rach altem Brauch fand bei der Firma Georg Philipp Gail AG.. Gießen, am 27. 2amiar 1933, dem 121. Gründungstage, die Auszeichnung derjenigen Arbeitnehmer statt, die in diesem Jayre auf eine ununterbrochene 25jährige Tätigkeit bei der Firma zurückblicken können. Cs waren dies die Zigattenmacherinnen Elisabeth Bremer, Helene Mailing und Luise Waldschmidt. sämtlich aus Rodheim a. d. Bieber, die durch Ueberreichung einer Ehrenurkunde des Deutschen Tabakvereins und einer Geldspende von der Firma mit Worten des Dankes und der Anerkennung für treue Pflichterfüllung durch den Firmeninhaber ausgezeichnet und beglückwünscht wurden. 130 Werksangehörige haben bis jetzt diesen 2ubiläumstag begehen können.
•* Rachträgliche Einlösu n g d e r B e - zugsscheine für verbilligtes Frischfl e i s ch. Aus Grund zahlreicher Gesuche von
II.
Königwerden,ifl nicht schwer — nur teuer ...
Der neue Kurfürst stellte sofort sein Leben und sein Amt auf Glanz, auf Sichausleben, auf einen Ehrgeiz voll hernrnungsloier Ichsucht. Seine Haupl- stadt gewann äußerlich dabei: er hatte ein feines Verständnis für Architektur und alle sonstigen der Repräsentation dienenden schönen Künste, so daß sich das Antlitz der Residenz schnell prunkvoll wandelte. Freilich: solche Taten kosteten Geld — kosteten das Geld der Untertanen, das der Kurfürst mit vollen Händen verschwendete, nicht nur für Lauten, sondern auch für die Alchemie, „d i e Kunst, Gold z u mache n", für seine Feste, für seine Spielleidenschaft, für sein Heer und seine Ge- j liebten. Um diese Zeit wurde seine Favoritin die be- I rühmte Aurora von Königsmarck, die ihm i drei Wochen nach der Kurfürstin einen Sohn gebar, den Grafen Moritz von Sachsen. Sein Intimus wurde damals der Bruder der Favoritin, der Graf von Königsmarck, den er sofort zum Generalmajor er: nannte. Ein Bild vom Leben und Treiben dieser beiden Freunde gibt ein Brief der Kurfürstin von Hannover, in dem sie erzählt, wie der Kurfürst seinen Intimus in einem seltsamen „Kriegsspiel" m i t rohen Eiern bombardiert ^unb ihm fast ein Auge ausgeworsen habe —: „Solche Kinderpossen sollen viele vorgehen: er soll aber fünften ein recht gutter Herr fein.
Der „gutte Herr" gefiel alsbald seinen Untertanen weniger. Allzu viel Geld kostete die Vermehrung des Heeres, kosteten Luxus, Spiel und Mätressen, die in bunter Folge wechselten — damals begannen sich die Königsmarck, ein Fräulein von L a m b e r g , eine Madame Rabutin und die Türkin Fatiine in die Gunst des leicht entflammten Fürsten zu teilen; eine Herzensaffäre verdrängte die andere und ließ kaum Zeit für die Staatsgeschäfte, sondern verfchlang lediglich jeweils beträchtliche Summen. Unsummen kostete die sonstige Lebensführung, kostete allein schon der erste Karneval des jungen Kurfürsten mit j einen Schlittenfahrten, Maskeraden, Gebauten; man beziffert das hier an wenigen Tagen verschleuderte Geld auf die damals ungeheure Summe von achtzigtausend Talern. Zur gleichen Zeit wurden für um ge,ähr die gleiche Summe Gewänder, Spiegel, Galanterien angeschasst. Zwischendurch verlor der Kurfürst zehntausend Taler im Spiel an den Gra'en von der Lippe, an den kaiserlichen Gesandten etwas weniger. Im Handumdrehen war es so weit, baß der Fürst sich gezwungen sah, Darlehen zu suchen, einige Gutsbezirke und Länderschaften zu verpfänden, einige ungetreue Beamte um riesige Summen zu erpressen zwecks Niederschlagung des Strasoersahrens — so zum Beispiel allein zweihunderttausend Taler von dem Kammerpräsidenten o. H o i; m. Gewaltig wurde die Steuerschraube angezogen, zumal auch die Vermehrung des stehenden Heeres große Summen ersorberte. unb die Steuerlasten trug nicht der Adel, nicht die Kurie, sondern das niedere Volk, dem alsbald allenthalben der Exekutor, heute Gerichtsvollzieher genannt, oft bas Letzte nahm ... Zeitgenössische Berichte beteuern, vor allem im Erzgebirge unb im Reustäbler Kreis gehe es den Meistern elenber als Hunben.
Der Lanbtag würbe vorstellig beim Kurfürsten. Der begab sich, um solchen unangenehmen Behelligungen zu entrinnen, in den Jahren 1695 unb 1696 mit 12 060 Sachsen, für bie er vom Kaiser stattliche cubfibiengelber erhielt, als Oberbefehlshaber auf ben Kriegsschauplatz gegen bie Türken n a ch Ungarn, erzielte aber keineswegs Erfolge, sondern erlitt ein paar empfindliche Schlappen, so an der Bega, wo er eine stattliche Zahl an Mannschaften unb Geschützen verlor, weil er — so behaupteten bie kaiserlichen Generale — vor Beginn bes Kampfes zu stark gezecht unb feine Angriffsbefehle als hoffnungslos Betrunkener erteilt habe. Diese „Verdächtigungen" kränkten ben Kurfürsten berart, baß er bem Kaiser ben Oberbefehl'vor bie Füße warf unb nach Dresben zurückkehrte.
Alsbald würbe fein Tun unb Trachten von einem anberen Ziel entflammt —: von bem wilben Ehr geiz, aus einem Kurfürsten ein König, unb zwar ein König von Polen zu werben. Damals ging es in Polen brunter unb drüber, Sobief ti, der Polentönig war gestorben, bie Gewalt im Lande in ben Händen hemmungLtcÜH--' meist zuchtloser unb eifersüchtig gegeneüjtftfoer stehender Adliger. Es herrschte Äorruvjjon und Chaos, das polnische Königtum wa^^ohlköniglum, wobei der Bestechung Tot^nLO-^u^fsensland. SVönig konnte werden, wer
Fleischverkaufsstellen hat sich der Reichsarbcit»^ Minister zur Vermeidung von Härten damit einverstanden erklärt, daß die für die Zeit vom 11. Oktober bis 30. Rovember 1932 und vom 1. Dezember bis 31. Dezember 1932 ausgcgebenen Abschnitte der Reichsbezugsscheine für verbilligtes Frischfleisch auf Antrag nachträglich eingelöst wer- den. sofern der Antrag bis zum 20. Februar 1933 gestellt ist.
Kirche und Schule.
ty.i.Mrcid Gictzcn.
z. Grohen-Linden. 29. 2an. Aus der hiesigen kirchlichen Statistik des Jahres 1932 ist zu berichten: Bei 59 Hauptgottcsdiensten war ein Durchschnittsbefuch von 131 Männern, 127 Frauen und 85 Kindern und bei 35 Rebengottesdiensten ein Durchschnittsbesuch von 38 Männern, 50 Frauen und 20 Kindern zu verzeichnen Am heiligen Abendmahl nahmen insgesamt 1858 Personen, davon 868 Männer und 990 Frauen teil. Kirchlich getraut wurden 26 Paare. Getauft wurden 29 Kinder Kirchliche Beerdigungen fanden 14 statt. Konfirmiert wurden 33 Kinder. Gaben und Kollekten wurden aus der Gemeinde insgesamt 2707 Mark aufgebracht. Hiervon entfallen auf „Aeußere Mission" 141 Mark, auf „Innere Mission" 690 Mark, für den Gustav- Adols-Verein 180 Mark, für die Klcinkinderschule wurden 479 Mark aus der Gemeinde ausgebracht. Au allgemein erhobener Kirchenkollelte für Zwecke christlicher Liebestätigkeit gingen insgesamt 314 Mark ein. Gaben für die Ortsarmen, die am 6. Januar eines jeden Jahres zur Auszahlung gelangen. 331 Mark. Auf Öen Kopf des Ge- meindegliedes gerechnet, ergibt sich 1.06 Mark als Opfer des einzelnen.
am meisten zahlte: es bestand nur eine unumgäng- liche Bedingung: ein König von Polen hatte sich mit seiner Gemahlin zum Katholizismus zu bekennen.
Enttäuscht aus dem Feld heimgekehrt, stürzte sich der Kurfürst auf diese Situation unb Möglichkeit. Nebenbei hetzte ihn die Eifersucht auf ben branbem burgischen „Kollegen", dessen Machlsülle in stürmischem Wachstum war, unb ber Hunger nach Ruhm, Ansehen unb Besitz für bas ganze Wettiner Haus. Ei begann eiligst, seine Fühler auszustrecken, versuchte vor allem, das geheime Einverständnis Frankreichs für feine polnischen Pläne zu gewinnen, inbem er Ludwig XIV. vorschlagen ließ, er wolle bie Partei bes Kaisers verlassen unb mit Frankreich ein Bünd nis schließen. Lubwig XIV. winkte ab, weil er seine eigenen Pläne hatte: er wollte bem französischen Prinzen Conti bie Krone Polens verschaffen. Schnell orientierte sich ber Kurfürst roieber hin zum Kaiser, ben er eben noch zu verraten im Begriff gewesen war. Um bas Religionshinbernis ju befer tigen, trat er am 2. Juni 1697 zum Katholizismus über. Gleichzeitig entfanbte er mehrfach feinen Vertrauten, ben Obersten von Flemming, nach Warschau, ber bie Stimmung ber maßgeblichen pol nischen Kreise erforschen sollte unb zu diesem Zweck mit Riesensummen um sich warf. Gelb unb Versprechungen wirkten Wunber —: ber entschei benbeWahlgang fanb am 27. Juni 1697 statt; bas Ergebnis war zwiespältig — sowohl ber Prinz Conti als auch ber sächsische Kurfürst würbe zum polnischen König gewählt ..
Jetzt kam es auf Schnelligkeit an —: schon am 6. Juli betrat ber Sachse in Tarnowitz polnischen Loben, bekannte sich in Pikari öffentlich zum katho lischen Glauben, zog am 12. Septembre enblich in Krakau, ber allen polnischen Ärönungsstabt, ein unb würbe bort im Dom bret Tage später feierlich z u m König gekrönt.
Erst gegen Ende September erschien ber Nebenbuhler, ber Prinz Conti, mit einer kleinen Flotte vor bem bamals polnischen Danzig, um seine Ansprüche auf bie Königskrone geltenb zu machen. Der Sachse zögerte nicht, bie Franzosen mit einigen Regi mentern beim Kloster Oliva zu überfallen unb zu überrumpeln — geschlagen unb um eine Krone be trogen mußte ber französische Prinz roieber gen Frankreich segeln, (fnbgültig war nun aus bem Kur fürsten von Sachsen ein König von Polen geworben, waren bie ßänber Sachsen unb Polen durch Personalunion vereinigt worden.
Allerdings blieb in Polen geheimes Mißtrauen gegenden Ausländer rege; die Situation, die sich bis zu blutigen UeberfäUen auf sächsische Trup pen zuspitzte, blieb nicht gefahrlos, > bis im Januar 1698 aus Rom unb Paris bie Anerkennung ber Königswürbe eintraf — nunmehr hatte August festen Loben unter ben Füßen. Dafür aber regle sich 'Angst unb Entsetzen im heimatlichen Sachsen, als hier bie Kunbe von bes Kurfürsten Uebcrtritt zum katholischen Glauben unb seiner Königskrönung ein- traf. Man fürchtete, baß bas ganze Land zum Re- ligionswechfel gezwungen werben würbe. Aber diese Furcht war unnötig, der Kursürsl von Sachsen ließ auch weiterhin seine Untertanen selig werden in welchem Glauben immer sie wollten — aber der König von Polen brauchte Geld ... und die nach dieser Richtung hin ausschweifenden Angstträume ber Sachsen waren mehr als berechtigt.
Zunächst einmal verlangte ber neugebackene König binnen vierzehn Tagen aus Sachsen sechzehn Tonnen Golbes falls man es nicht zu „Extremitäten" kommen lassen wolle. Sobann ging ein toller Amts schacher los: alle wichtigen Beamtenposten würben ncubesetzt mit zahlungskräftigen Jnbivibuen, deren Zahlungen in die Taschen des Kursürsten-Königs flössen. Daneben versetzte der hohe Herr seine Juwelen für eine 'Million Gulden in Wien, pumpte non ben sächsischen Stählen unb Stäuben riesige Summen, oerpfänbete einen Teil seiner Einkünfte als Polenkönig verpfändete einige Herrschaften, einige Aemter, einige Burgen, einige Abteien, ganze Provinzen — kurzum, machte zu Geld, was schon kaum noch zu Geld zu machen mar. All diese Summen Honen nach Polen, zum großen Teil als Bestechungsgelder für immer noch opponierende Adlige, Geistliche, bann für bie Kronarmee — schlecht gerechnet hat den ehrgeizigen Wettiner schon noch wenigen Monaten die polnische Krone die damals orz geheuerkiche Summe von fünf Millionen Talern gekostet Der König geriet in tolle Geldnöte, schrieb die oerzweifellslen Brandbriefe an alle Well, vor allem an die maßgeblichen Instanzen seines „geliebten Landes Sachsen", durch welch geliebter- Land ein Schauder des Entsetzens ging ob ber Erkenntnis, was es für den Geldbeutel des ärmsten Einzelnen bedeutete, daß sein Kurfürst nebenbei
! irgendwo in der Welt König geworden war ...
I (Fortsetzung folgt.)
Aus ber provinzialhaupistabi.
König, Kriegsmann, Herkules...
Zum 200.Todestage Augusts des Starken am ^.Februar. Don Maximilian pallanca.


