Jugend und Hochschule.
Schule und iMgesundheifSlehre.
Don protefjor £)r. Günt-erZust, Greifswald
Dor wenigen Wochen ist in einem Erlaß des Preußischen 5tultu3mmifteriums bestimmt worden, daß zu Ende dieses Wintersemesters kein Schüler die Schule verlassen darf, ohne aus den Gebieten der Erbbiologie, Rassenkunde. Rassenhygiene. Familienkunde und B e v ö l- kerunaspolitik soweit unterrichtet worden zu sein, daß er sich in einer Prüfung als mit den Grundzügen dieser Gebiete vertraut ausweisen kann. Mit dieser Bestimmung ist endlich erreicht worden, wofür verantwortungsbewußte Manner seit Jahren gekämpft haben: daß Fragen, über die man hinreichend unterrichtet sein muß. wenn man für die Lebensnotwendigkeiten und die Zukunftsausgaben unseres Volkes Verständnis besitzen will, in der Schule nicht nur einen Platz, sondern sogar einen bevorzugten Platz erhalten.
Daß solche Verordnungen, wie sie jetzt für die preußischen Schulen erlassen worden sind, kommen würden, war nicht nur von vornherein auf Grund der Stellung, die diese Fragen im Programm unserer Staatsführung besitzen, zu erwarten, sondern war auch im Mai dieses Wahres auf einer Konferenz der Unterrichtsminister der deutschen Länder vom Reichsminister des Innern ausdrücklich ange- kündigt worden. Minister Dr. Frick sprach damals mit vollem Recht von dem „großen Gedanken der Erbgesundheitslehrc, daß alle Vufwärtsbcwegung eines Volkes im letzten Grunde von der Erhaltung und Mehrung seiner erbtüchtigen Geschlechter ab- hängig ist."
Von besonderer Wichtiakeit scheint es uns zu sein, daß die genannten Unterrichtsgegenstände in die Arbeit der Schulen aller Gattungen nicht im Sinne der Einführung eines neuen „Faches" hineingestellt werden sollen. Denn in der Tot kann die große Aufgabe, die hier der Schule gestellt ist, n'cht dadurch gelüst werden, daß zu zehn oder elf v" chern ein neues zwölftes hinzutritt, sondern da- durch, daß der Geist rassehygienischen Verantwortungsbewußtseins und rassenhygienischer Zielsetzung m die Schule überhaupt einzieht.
Rassenhygiene ist ja im Grunde genommen nichts anderes als die Anwendung des Satzes „Semei n- nutz geht vor Eigennutz" auf den Volkskörper als Ganzes. Wissen und Nachdenken auf die großen Gesetze hinzulcnken, nach denen das Leben des Brlsskörpers als eines lebendigen Organismus sich vo Iziehl, Gewissen und Willen dafür zu schärfen, bcy Ge'-orsam gegen jene Gesetze einem Volke Bestand und Aufstieg verbürgt, während Mißachtung und Ungehorsam mit der gleichen unerbittlichen Folgerichtigkeit zum Verfall führt, die jugendlichen Herzen auszuschlicßen für den Dienst der Hingabe auch an diese Ausgabe gegen ihr Volk: das ist es, was die Schule hier zu leisten hat.
Daß der lebenskundliche (biologische) U n - terricht an dieser Arbeit einen höchst bedeutungsvollen Anteil hat, ergibt sich ohne weiteres aus der Tatsache, daß jene Gesetze, denen das Leben von Völkern ebenso wie das Leben des Einzelnen gehorcht. eben Lebensgesetze sind. Von der Belehrung über erbbiologische und rassenbiologische Fragen aus ergibt sich ja auch wie von selbst eine Eingehen auf di" Fragen der Rassenhygiene.
Aber auch im heimatkundlichen und im Geschichtsunterricht bestehen vielfache Gelegenheiten, solchen Fragen nachzugehen, Familie, Dorf- gemeinschast, Heimat — Stadt und Land, Wände- rung, Industrialisierung, Verstädterung und Ent- stödterung, Siedlung — Grenzlandfragen, vor allem die brennenden Probleme des deutschen Ostens — der Untergang der alten Kulturvölker — das sind einige Stichworte, die die mannigfachen Möglichkeiten auszcigen sollen, die in der Heimatkunde und im Geschichtsunterricht bestehen, um nicht nur Zusammenhänge durchzudenken, sondern auch die Herzen brennen zu machen
Im Deutschunterricht bietet manches Gebiet, manche Novelle, manches Drama die gleiche Gelegenheit. Am Muttertag mag im Erlebnis der Dichtung lebendig werden, wie sehr jene innigste Beziehung, von der das körperliche und noch mehr das geistig-seelische Leben eines jeden von uns unser ganies Leben lang abhängig bleibt, zugleich zu den v" ^'''s'chen Grundlagen auch des völkischen und
staatlichen Lebens gehört. Und das Erntedankfest mag zu einem dichterischen Preise des Bauerntums werden, das für alle Zeiten eine Kraftquelle unfe- res Volkes fein und bleiben wird.
Daß wir auch dem Religionsunterricht eine wichtige Rolle in der rassenhygienischen Erziehung zuschreiben, wird noch dem Ausgeführten fast als selbstverständlich erscheinen. Wenn wahre Religion nicht zur Abwendung vom Natürlichen führt, sondern Anerkennung und Verklärung natürlicher Ordnungen ist, wenn die Dienslleislung, die der Einzelne seinem Volke zu geben hat, durch die Einordnung seiner täglichen Arbeit in das Ge-
Dos preußische Kultusministerium hat vor kurzem einen Erlaß herausgchracht, der mit besonderem Nachdruck den Wert der Schullandheime für die völkische Jugenderziehung betont. Wir bringen nachstehend aus der Feder eines erfahrenen Pädagogen eine gründliche Durchleuchtung dieses für die Ocffentlichkcit und namentlich für die Elternschaft wichtigen Themas.
Nach einem kürzlich veröffentlichten Erlaß erwartet der Preußische Unterrichtsminister von allen Schulen weitgehende Förderung des Schullandheimwesens. Die Unterstützung der Schullandheimbewe- flung steht im engsten Zusammenhang mit den Plänen des Ministeriums, schon von Ostern 1934 ab in einem 9. Schuljahr, dem „Landschuljahr", die städtische Volksjchuljugend in den deutschen Landheimen unterzubringen, um sie hier, in enger Berührung mit der Scholle und den Kameraden des Landvolks, zu den Werten des Bodens und der Kameradschaft zu führen und für ihre großen Aufgaben beim deutschen Wiederaufstieg zu ertüchtigen. Mit der Einrichtung des „Landjohres" und dem jetzt herausgegebenen Erlaß erfährt die deutsche Schullandheimbewegung endlich die verdiente staatliche Anerkennung und Förderung.
Die ersten Schullandheime entstanden in Deutschland in den ersten Jahren nach dem Weltkrieg. Sie hatten den Zweck, städtische Schulklassen für einige Wochen aufzunehmen, um die durch wirtschaftliches und soziales Elend gefährdete Großstadt- jugend in gesunder, landschaftlich schöner Umgebung körperlich zu kräftigen und erziehlich zu fördern. Träger der Landheimbewegung war nicht der Staat, sondern die Elternschaft, die in enger Zusammenarbeit mit den Berufserziehern, meist aus eigenen Mitteln und ohne wesentliche Mitwirkung des Staates, die Landheime für ihre Kinder errichtete und unterhielt. 1920 konnten zum ersten Male die Schüler zweier höherer Schulen Frankfurts a. M. in ihr Landheim im Spessart hinausziehen. Heute besitzen über 250 Schulen oder Schvlenverbände aller Schulgattungen ein Einzeloder Sammelheim. Die deutschen Schullandheime konnten im vergangenen Jahre mit ihren 1800 Betten 120000 Schülern 1,5 Millionen Uebernachtungen gewähren. In vielen Fällen haben die Väter der Grohstadtkinder, Arbeiter, oder Erwerbslose, in ihrer Freizeit selbst so ein Heim erbaut. Ein beredtes Zeugnis für den freudigen Opferwillen, den starken Zukunftsglaubcn und das hohe Verantwortungsgefühl, die im deutschen Ar- beitertum lebendig find!
Die Erziehunqs- und Unterrichtsarbeit im Schullandheim erhält ihr eigenartiges Gepräge durch das Gemeinschaftsleben im ländlichen Lebenskreis. Das Landheim soll keineswegs „eine Futteranftalt mit Mastkuren" fein,, wie ein boshafter Kritiker einmal die Ferien- und Erholungsheime der Kinderfürforge nannte. Es ist vielmehr eine vollwertige Bildungsanftalt, in der auch der Unterricht, freilich unter veränderten Voraussetzungen und in einer anderen Richtung als in der Stadt, fortgesetzt wird. Zum ersten Male werden hier zahlreiche Großstadtkinder aus der Unruhe und dem Lärm der Menschen zusammenballenden Stadt in den Frieden Und die Beschaulichkeit des Landes versetzt. Zum ersten Male erleben hier in Wände- blicke in das Innenleben seiner Zöglinge, das ihm
samtleben der Volksgemeinschaft noch nicht restlos getan ist, sondern darüber hinaus auch im Dienste an der Zukunft des Dolkskörpers besteht, wenn der Besitz wertvoller oder ungünstiger Erbanlagen nicht nur schicksolsmäßige Bedeutung für den Einzelnen und seine Familie besitzt, sondern eben darum ihm auch in individueller und generativer Beziehung die höchsten Pflichten auferlegt, so wird immer wieder in einem Religionsunterricht, der nicht im Histori- sehen steckenbleibt, sondern gegenwärtiges Leben zünden will, die Möglichkeit, ja die Notwendigkeit bestehen, zum Erlebnis der Helligkeft natürlicher Ordnungen zu führen.
ningen. Unterricht im Freien und Gedan- kenaustausch mit der Landjugend die Stadtkinder den Zauber deutscher Landschaft, die lebendige Viel- gcstaltigkeit der Heimatnatur und das Volkstum bodenständiger Landmenschen. Im Landheim hat dcr Klassenunterricht und der Fachunterricht seinen Sinn verloren. Gesamt- und Gelegenheitsunterricht im Sinne Berthold Ottos treten an ihre Stelle. Die Natur selbst wird zur Lehrmeisterin und Schule. Was gibt es in der natürlichen Umgebung eines Landheims für ein-Stadtkind nicht alles zu'bewun- dern, zu erfragen und zu entdecken! Da wachsen im Wald, Feld, und Heide allerlei nieaesehene Pflan- 3en, da gibt es in Tümpeln und Bächen ein feit- sames Leben, Wanderungen durch das Gebirge erschließen den ganzen geologischen Aufbau einer Landschaft, Stein- und Gräberfunde erinnern an die geschichtliche Vergangenheit. Hier erhält aller Unter- richt Inhalt und Tiefe durch die unmittelbare Na- turanschauung. Hier wird das Kind zum Forscher und Entdecker. Und auch im Darstellen und Gestal- ten der Kinder, im Aufsatz, in der Zeichnung oder im mündlichen Bericht, bekundet sich die Echtheit und Tiefe des Erlebens.
Die völkische Jugenderziehung setzt es sich zum Ziel, alle deutschen Menschen zu einer großen Schicksals- u n d»K ampfgemeinschaft zu einen, in der alle Glieder sich miteinander in treuer Kameradschaft verbunden fühlen. Die Stadtjugend muß in den Jungen und Mädchen der Landjugend gute Kameraden gewinnen, denen Achtung und Vertrauen gebührt. Die Zeiten, in denen die Städter Witze über die „dummen Bauern" machten, lind vorüber. Achtung vor dem Bauerntum und seinem Schaffen in der Stadtiugend zu erwecken, ist eine wesentliche Aufgabe der Schullandheimerziehung. In der Arbeit im Landheimgarten, in gelegentlicher Erntehilfe bei Bauern und Siedlern und in Besuchen im Dorf erleben unsere Stadtkinder den Segen der Heimatscholle. Hier lernen sie ermessen, welche Arbeitslast und Verantwortung auf den Schultern des Bauern ruht, hier wird ihnen in eigener Arbeit am Boden aber auch jene tiefe Boden- und Naturverbundenheit zum Erlebnis, die eigentlichste Grundlage des Heimatgefühls ist. In der Teilnahme an dörflichen Festen und Heimat- oeranftaltungen bringt das Stadtkind ein in das Volkstum des Landvolks, in feine alten Bräuche, Spiele und feinen Lieder-, Sagen- und Märchen- fchatz, und wenn dann an stillen Abenden Dorfund Stadtjugend gemeinsam ihre schönen ländlichen Volksweisen und die Lieder des jungen Deutschland über das weite Land hinausklingen lassen, dann wird auch in dem aus seinem Heimatboden längst entwurzelten Großstadtkinde wieder das beglückende Gefühl lebendig, Kind dieser schönen deutschen Heimat zu sein.
Vom Geiste der Kameradschaft wird jegliche Lebensfunktion im Schullandheim getragen, so auch dos Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler. Der Lehrer ist hier Führer und Kamerad zugleich. Im täglichen Zusammenleben und im gemeinsamen Schassen erscheint der Lehrer feinen Schülern bald als ein Mensch, der nicht nur eine Respektsperson, ein „Unterrichter" ist, sondern mit dem man menschlich reden und sich aussprechen kann. Und auch der Lehrer gewinnt bei solchem Vertrauen auf feine Kameradschaftlichkeit tiefe (Sinin den wenigen Schulstunden in der Stabt meist
Gchul-Landheime in Front!
Neue Richtlinien der völkischen Jugenderziehung.
Von O. G. Förster.
verschloss?n bleiben muß. Er vermag nun erst ble (Eigenart seiner Schuler recht zu beim,-Jen, und manches, was er in diesem vertrauensvollen, natürlichen Zusammensein im Heim von ihn.n erfährt, wird ihm wichtige psychologische Anbaltsrunkle geben können für die erzieherische und dildneruche Beeinflussung der jungen, ihm anoertrautcn SceLa. Das im Landheim entstandene freiere und menlch- lichere Verhältnis zwischen Erzieher und Sdjui.-rn bleibt bei her nachhaltigen Wirkung des erlebnis- starken Landheimlebens auch in der Stadt bestehen und tragt dazu bei, daß die Jugend ihre Lehrer als echte Führer anerkennt und ihnen treue Gefolgschaft leistet.
Sie f ö r p e r I i^dj e Ertüchtigung der Iu» gend läßt sich im Schullandheim weit umiangreid) r und fruchtbarer gestalten, als das in der Stadt 'elbst bei günstigsten Verhältnissen möalich ist. Ein geregeltes Leben mit viel Bewegung in reiner Lust und Sonne, aefunbes, kräftiges Esten und Gelen n- beit zu Wandern, Baden und Wintersport roirf?n zusammen und kräftigen die Jungen und Mähch-n, die in ihrem LandHc m Erholung vom Stadk.'-b-n suchen. Besser als auf Sportplätzen und in Turnhallen können hier in der weiten, freien Natur, in Wold, Gebirge und Heide, auf den Chausseen und Landstraßen Geländesport, Marschubungen .mb Kampfspiele durchgeführt werden, die dos Land- Heim zu einer einzigartigen Dorbereitungssratte für die Aufnahme in Jugendoerbänden und W.hr- organifationen wachsen (affen.
Korporaiion,Gtudentenschastund<rtaat
Das Sommerfcmefter hat die organisatorischen Grundlagen für die Mitarbeit der Deutschen Stutenschaft am Aufbau des nationalsozialistilchen Deutschlands gelegt. Das Wintersemester soll nun die Studentenschaft durch eine planmäßige politische Schulungsarbeit fähig machen, diese Aufgaben zu erfüllen. Das Kameradschaftshaus ist die sozialistische Lebensform des neuen deutschen Studenten. Hi^- wohnt eine fest zusammenhaltende Ha« merodschaft zu gemeinsamer körperlicher und geistiger Ertüchtigung zusammen. Hier wird eine Erziehungsarbeit geleistet, welche die Voraussetzung für den vollen Einsatz der studentischen Gemeinschaften im Kampf für den Neubau des Reiches geben soll. Aus der Kameradschaftsidee erwächst den st u b e n • tischen Bünden, den alten Trägern des Ge- meinschaftsdenkens an der Hochschule, die Pflicht, ihrem Bundesgeist einen politischen Sinn zu geben, die Bünde zu wirklichen Erzichungs- und Kampf, gemeinschaften im Geiste der deutschen Revolution zu machen. Das Wintersemester muß dem neuen Wollen, das in allen studentischen Korporationsoerbän- den wach ist, die artgemäßen Formen geben. Im Ringen um diese neuen studentischen Einsatzformen wird das Nooemberheft der „B C - R u n d f ch a u", der Monatsschrift des Verbandes der Turnerschaften auf deutschen Hochschulen, allerlei Anregungen geben. Das gilt nicht nur über die grundsätzlichen Beitrage über „Politischer Semesterbedinn", das „Kamerod- schaftshaus", „Ehre und Persönlichkeit" und „Politische Leibeserziehung", aus denen der gleiche W'l'e spricht, im Bund allem Tun einen politischen ei n zu geben, z. B. auch dem Turnen, in dem gerade l e Turnerschafter schon bei ihrer diesjährigen Pstngsl tagung in Abkehr von Rekordwesen und Spcu >- listenturn unter Anknüpfung an das Erbe I o b -i s neue Formen gefunden haben. Roch deutlicher sprechen für die Arbeitsmöglichkeiten des ft uh .. tischen Bundes die zahlreichen Berichte vom Bun^ . - führerlager, einem Tumwartekurs und einem wehr» politischen Schulungslager des Verbandes im Zur- nerfchafterhaus in Bad Blankenburg im Thüringer Wald, von Grenzlandfahrten nach Nordschle^wig, Sudetendeutschland und der Grenzmark Posen West- preußen, von der Unterbringung von 70 Saarfin- dem im Reich, von dem Schulungslager einer Ein. zelturnerschast, der Marburger „Schaumburgio". Diese Berichte sind nur Beispiele für die Arbeit des Verbandes in den letzten Wochen. Sie zeigen aber, daß der Geist, der den Verband der Turnerschaften an der Seite des Nationalsozialistischen Deutschen Stubcntcnburtbs für die Politisierung der Deutschen Studentenschaft kämpfen ließ, in der Arbeit des Verbandes wachgeblieben ist und daß aus diesem Geist die neuen Formen bei den Turnerschaften da sind: in den Ferien dem Lager und der Fahrt, im Semester dem Kameradschaftshaus.
Zucht, Erziehung, Bildung.
Von Professor Or. h. c. Ernst K ieck, Rektor der itninerfifät Frankfurt a.Main*. Der politische Mensch des nationalsozialistischen Reiches weiß wieder um den Sinn der Zucht: Die Zucht ist für die deutsche Volkwerdung zur Lebens- Notwendigkeit gewordei, Sie ist wesentlicher Teil der uns vom Schicksal auferlegten geschichtlichen Gc- samtaufgabe, nämlich des Aufbaus des völkisch- politischen Gemeinwesens der Deutschen auf der Grundlage der ganzheitlichen Weltanschauung. Zucht wird das deutsche Menschentum zur Höchstleistuiw befähigen und damit bas deutsche Volk zur letzten Entfaltung seiner rassischen Lebensbosis und zur NMung seiner Mission an der Geschichte der Menschheit emporsühren. Zucht ist ein ariftotrati- I“)'r Vegriff und gehört daher notwendig zusam- m«n mit 3)errid).ift und Staat, mit Rasse, mit Ge- jolgldjaft, mit gebundener Lebensordnung und der Tafel adliger Werte. Darum ist die Zucht im Zeit- alter des Liberalismus entwertet und verfemt worben: man kannte da nur noch die „Bildung" und ihre vorausgesetzten Dogmen vom naturhaft guten Menschen und von (einer Selbstentfaltung im leeren Slaum ber fubjettioen 'Willkür und der hemmungs- ofen 9nb.mbualfre.beit. Diese „Bildung" ist heute amt dem zugehörigen Weltbild am Ende ange- r "Ol\ l!^em das Erziehungsmonopol der Schule samt der „autonomen Pädagogik" gesprengt 2" ^werpunkt der Erziehung liegt schon heute ni<5 .lnehro't b,r ?d)ule- 'andern in den völkisch- politischen Lebensordnungen selbst: im Staat, in den Wehrverbanden, in der hündischen Staatsfugend in den werdenden Berufsständen als Gliedern des totalen Staates und Tragern des nordischen Rasse- gedankens. Von jedem derartigen Gebilde al* einer Zuchtform hochgesteigerten Menschentums gibt aber das Buch „Menjchensormung- anschauliche Parallelbeispiele in Fülle: als vorwegnehmende Vorbilder künftiger deutscher Zuchtformen waren sie gemeint und verfaßt. Von besonderer Bedeutung werden die Bilder der mittelalterlichen Handwerkerzunft, der
• Entnommen mit Genehmigung bes Verlags Quelle & Meyer in Leipzig aus der soeben erschienenen 2. Auflage von Professor K r iecks ..Menschenformung". Geheftet 6 Mk, in ßeinenbanb 7 Mk.
germanischen Gefolgschaft, der römischen Staats- zücht und bes griechischen Iugendbundes sein. Bei aller inneren Größe hatte der preußische Staat doch die klassische Leistungshöhe der römischen Staats- zucht noch nicht erreicht. Der nationalsozialistische Staat wird die Mission des preußischen Staates erst noch zu vollenden haben. Vor allem wird durch die Zucht dieses Staates eine neue staatstragende Aus- lesejchicht emporgeführt werden.
Wir wissen bei alledem: Die Geschichte geht stets nur vorwärts zu neuen Gebilden, niemals aber rückwärts zu irgendeiner Vergangenheit, und hätte i sie noch so klassische Leistungen vollbracht. Die großen Vorbilder der Vergangenheit können uns jedoch die eigenen -Ziele zur Anschauung bringen und die eigenen Wege erhellen
Eine Grundlehre des Buches „Menschenformung" sei hier zum Schluß noch besonders hervorgehoben. Aus dem sog. „Milieu" erwächst nie und nirgends eine Menschensorm und ein hohes Menschentum. Gewiß ist alles Menschentum mit seiner äußeren Naturgrundlage untrennbar verflochten. Die entscheidende Macht des Werdens und der Lebensrichtung ist aber schicksalhaft vorbestimmt mit der rassischen Art und Anlage, daraus Volkscharakter und Gemeinwillen nur heraufwachsen, wenn sie durch artgemäße Lebensordnung und Werttafel auf- gezüchtet werden. Ohne Zucht keine Reife und Vollendung.
Dem liberalen Optimismus des 18. Jahrhunderts hat einst Kant den aufreizenden Satz entgegenge* eubert: Der Mensch ist ein Tier, das einen Herrn nötig hat. Als Herrn und Zuchtmeister zur Freiheit hak er den Staat in die Geschichtsbetrachtung ein- geführt. Dieser Satz Kants hat ein ft den Zorn Her- ders ebenso erregt, wie seine Wiederholung in der „Menschenformung" die Wut der Liberalisten. Heute dürste der Staat als Zuchtmeister zur Dcutschheit in sein volles Recht eingesetzt jein.
(Sfudenfenu'f von anno dazumal.
Die Stimmung verschollener Burschenherrlichkett wird lebendig in einem Erinnerungsbuch „E i n Heidelberger Bursch vor fünfzigIah- r e n von Gert Selig, das in der Schriftenreihe der Akademischen Mitteilungen Heidelberg erscheint. Der Versaiier, der als Vandale seine studentischen Sporen verdiente, erzähft auch von allerlei luftigen
Streichen, mit denen damals die Studenten die Philister mehr ergötzten als entsetzten. Ein besonders hunwrdBUer Geselle war ein Corpsbruder Mathias o. d. S ch u l e n b u r g, der eines Tages wettete, er werde den Sandstein-Herkules, der den Brunnen auf dem Marktplatz bei der Heiliggeist. Kirche krönt, und damals unmittelbar vor der Polizeiwache stand, einer hohen Obrigkeit zum Hohn mit grüner Oelfarbe anftreichen. Zu diesem Zweck mußten zwei Corpsbrüder den Polizeiposten vor der Wache fortlocken, zwei andere drehten die Kande- laber aus, und sowie die wünschenswerte Dunkelheit geschaffen war, schlich Schulenburg aus seiner an der Nordseite des Platzes gelegenen Bude hervor, bewaffnet mit einem Henkeltopf mit grüner Farbe und einem großen, auf eine Stange gebundenen Pinsel, und strich in aller Ruhe den antiken Helden hoffnungsgrün an, um dann unentdeckt zu ver- fchwinden. Der Jubel der Marktweiber, die am nächsten Morgen die Verschönerung ihres Schutzpa- trons entdeckten, war unbeschreiblich, und ganz Heidelberg lachte. Die Polizei hätte wohl vergeblich nach dem Urheber dieses Frevels gefahndet, wenn nicht Schulenburg bei der Rückkehr mit seinem Pinsel auf der Sandsteinschwelle seines Hauses einen verräterischen grünen Fleck zurückgelassen hätte. Da nützte alle gutgespielte Harmlosigkeit nichts, und er mußte zwei Tage in den Karzer wandern. Dorthin begab er sich mit einer großen Wasferspritze unterm Arm, aus der er durch das leichte Drahtgitter, das sein Gefängnisfenster trug, bequem über die schmale Gasse in eine Nähschule hineinspritzen konnte, was ihm bei dem Sommertage sehr passend erschien. Die jungen Damen erfreuten sich an dem kühlen Naß, aber die Leiterin schloß das Fenster, als sie hinter die Erklärung dieses Regens in ihrer Stube bei ftrah- lenbem Himmel gekommen war So rasch ergab sich aber Mathias nicht Am nächsten Morgen wurde eine große Glasröhre als Puste-Rohr und eine Portion Knallerbsen in den Karzer geschmuggelt. Ein Spießgeselle beschoß bas Fenster gegenüber, und als die Alte, durch die Knallerei neugierige- macht, das Fenster öffnete, erhielt sie eine wohlge- zielte Ladung aus der Spritze. Für den Geist der damaligen Heidelberger spricht, daß Schulenburg von den Damen eine niedliche Zuschrift erhielt, sie erklärten sich für besiegt, und er möge sie von jetzt ab schonen. Das geschah auch. Ein andermal er- erklärte Schulenberg, er werbe aus dem Jahrmarkt
im Juli eine Bube errichten, ba er mit seinem Wechsel nicht auskommen könnte unb etwas verdienen müsse. Als man ihm bie Erlaubnis verweigerte, begab er sich zum Oberbürgermeister, um sich zu beschweren, setzte biesern alles genau auseinander und legte ihm einige Proben seiner Waren vor, wie Kanarienvögel an Gummistrippen, Knarren usw. Die Obrigkeit war so verblüfft, daß sie sich bie weitere Entscheidung oorbehielt, und so wäre Schulenburg vielleicht doch noch zu feiner Bude gekom» men, wenn nicht der Unioersitätsrichter Dr. Wilkens, mit dem er trotz mannigfacher Bestrafung auf autem Fuße stand, erklärt hatte, der Hauptwitz bestehe wohl darin, ihn in Verlegenheit zu setzen.
Ein anderer Student namens S a l m u t h, dem allerlei von dem weggekommen war, was man ihm von flu Haufe geschickt hatte, beschloß, sich an seiner Wirtin surchtbar zu rächen unb ließ sich von einem älteren Mebiziner ein starkes, aber harmloses Ab- führ- unb Brechmittel verschreiben, das 57 Bruft- bonbons einoerieibt wurde. Als diese in einer Tüte auf dem Sophatisch gelegt worden waren und bald danach nur noch 40 sich vorfanden, entstand bei den Wirtleuten schon in der Nacht ein unheimliche» Gelaufe unb Turengeklappe. Am Morgen aber erklärte Salmuth, bie Bonbons enthielten ein schreckliches für bie Jagd bestimmtes Rattengift, das er unvorsichtigerweise habe Herumliegen lassen. Dadurch jagte er der Wirtin einen so furchtbaren Schrecken ein, daß seitdem seine Ehwaren unberührt blieben.
Die Schwaben, ein anderes Korps, kauften einmal gegen schriftliche Quittung einen großen Balken zogen gegen 12 Uhr nachts mit ihm und der Urkunde los. Natürlich wurden sie verdächtigt, das mächtige Ding irgendwo geftiebiht zu Haden, unb zur Dache geschleppt. Dort wiesen sie sich burch bie Quittung als rechtmäßige Eigentümer aus unb mußten mit ihrem Besitz entlassen werden. Selbstverständlich kam nach einer Viertelstunde eine neue Polizeipatrouille mit den Schwaden unb ihrem Balken angezogcn, unb erst b?im dritten Mal merkte bie Obrigkeit, daß sie angeführt worden fei, unb bat „bie Herre" höflichst, mit Holz unb Quittung nun endgültig zu verschwinden. Alle Stubentenftreiche wurden in der damaligen gemütlichen Atmosphäre mit verständnisvoller Heiterkeit aufgenommen und ganz Heidelberg freute sich so harmlos darüber wie die Burschen selbst.


