Ausgabe 
29.9.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 228 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Zreitag, 29. September 1935

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Aus der Provinzialhauptstadl.

Aehren und Mohn.

Zwei Aehren zusammenyehalten durch eine Mohn- blume das ist das Zeichen, in dem das Ernte- danksest stehen wird. Die Bauern, die aus dem Bückeberg zusammenströmen, werden es ebenso tragen, wie die daheim gebliebenen Bauern. Auch auf den Rockaufschlägen des Städters wird es sich als Ausdruck der Verbundenheit von Stadt und Land, aber auch als Zeichen der Dankbarkeit dem schaffenden Land- und Nährstand gegenüber finden.

Kaum glücklicher konnte der Gedanke sein, Aehren zu wählen, hing doch von jeher von ihrer Zahl und ihrem Inhalt das Glück der Völker ab. Wir selbst haben doch erst vor nicht langer Zeit ein nationales Unglück nicht bannen können, weil es uns, umgeben von einer feindlichen Uebermacht, die mit der hinter­hältigen Waffe der Aushungerung kämpfte, an Brotgetreide mangelte. Damals lernten wir die Halmfrucht schätzen, damals erkannten wir, daß das Schicksal eines Volkes durch den Ausfall der Ernten seines Bodens mitbestimmt wird. Wohl hat der Deutsche wie kein anderer Geschichte studiert, hat die Ursachen von Völkerwanderungen erforscht, die fast immer im Mangel an Nahrungsmitteln zu suchen waren, hat Erntebräuche studiert, aber aus dem Getreideopfer auf den heidnischen Altären hat er doch nicht die Erkenntnis gewonnen, daß die Widerstandskraft eines Volkes mit dem Umfang seiner Ernte wächst. Ein gut funktionierender Lebensmittelaustausch, das unausgesetzte Herein­strömen fremder Ernteerträgnisse ließ das Gesetz der Abhängigkeit eines Volkes von der Frucht der eigenen Scholle mehr und mehr verblassen. Bis dann der Krieg ausbrach und uns zwang, der heimischen Landwirtschaft den Blick zuzuwenden.

Inzwischen sind wir in der Erringung unserer Nahrungsfreiheit ein gutes Stück vorwärts ge­kommen. Das hohe Ziel, unfer Volk von der eige­nen Scholle zu nähren, wird erreicht werden. Unser täglich Brot hat uns in diesem Jahre Gott, der immer auf der Seite des Tatkräftigen, des Vor­wärtsstrebenden und nie Verzagenden steht, in rei­cher Fülle gespendet. 3hm sei Preis und Dank!

Wir wollen aber nicht vergessen, daß uns ohne die harte Arbeit des Landmannes, für den es keine scharf umrittene Arbeitszeit gibt, der bei Regen und Sonnenschein auf dem Felde arbeitet, der den Pflug zu führen, die Sense zu schwingen, das Vieh zu betreuen hat, der Erntesegen dieses Jahres nicht zuteil geworden wäre. Auch ihm gebührt Dank und Ehre am Erntedankfest. Mehr aber noch versinn­bildlichen die Aehren auf dem Rockaufschlag eines jeden Deutschen das: Sie sind das Siegel des neuen, niemals mehr zu lösenden Bundes -wischen Stadt und Land, der wohl Städter und Bauern, aber keine Deutschen verschiedener Seichten und Kasten kennt. Die Vergangenheit ist überwunden, Hand in Hand schreitet der Bauer mit dem Städter in eine bessere Zukunft hinein.

Reichsstatthalter Sprenger Mitglied des Deutschen Sprachvereins.

Der Herr Reichsstatthalter in Hessen Spren­ge r, die Herren Ministerialrat Ringshausen, Oberfchulrat Dr. Blank, Schulrat Großmann und Schulrat Klo st ermann sind dem Darm­städter Zweig des Deutschen Sprachvereins beige­treten, Sie bekunden damit, daß der Sprachverein, der feit bald 50 Jahren für Ehre und Geltung unserer Muttersprache wirkt, einer der Kampfbünde ist, die das deutsche Volk braucht, um seine Art zu bewahren. Sie wollen zugleich zum Ausdruck brin­gen, daß die Schule im Sinne des Sprachvereins arbeiten soll, damit die Jugend unsere Sprache mit Achtung und Stolz ansehen lerne.

Das Erntedankfest in Gießen und Umgegend.

Nach den vom Kreispropagandaleiter Hopfen- m ü 11 e r veröffentlichten Anordnungen der Kreis­leitung der NSDAP, findet anläßlich des Ernte- d a n k f e st e s als einzige Veranstaltung in G i e ßen um 9.30 Uhr ein F e st g o t t e s d i e nst auf dem Trieb statt. Der Gottesdienst in den Kirchen bleibt unberührt. Um 11 Uhr wird Platzkon­zert folgen. Nachmittags nehmen die Parteige­nossen aus Gießen an den Erntedankfesten der benachbarten ländlichen Orts­gruppen teil. Es feiern: die Ortsgruppe Gießen- Mitte in Watzenborn-Steinberg, die Orts­gruppe Gießen-Ost in Annerod, die Ortsgruppe Gicßen-Süd in Leihgestern, die Ortsgruppe Gießen-Nord in Wieseck, die Ortsgruppe Gießen- Nord (Stadtteil Sachsenhausen) in Heuchelheim. Jedermann ist zur Teilnahme an den Feiern auf­gefordert. Nichtorganisierte schließen sich für die Feiern auf dem Lande den Gießener Ortsgruppen an. Die Teilnahme der SA., SS., der HI., des Jungvolkes, des BDM. und der NS.-Frauenfchaft wird durch die Anordnungen der zuständigen Dienst­stellen geregelt. Die NSBO. von Gießen schließt sich nach Zellen gegliedert der Ortsgruppe an, in welcher der Betrieb liegt. Jeder Teilnehmer muß das Erntezeichen tragen.

In der Ortsgruppe Gießen-Ost treten die uniformierten Parteigenossen (einschl. NSBO., Fachschaften ufro.) vor der Volkshalle zum Marsch nach Annerod an. Die übrigen Einwohner des Be­reichs der Ortsgruppe, auch Nichtparteigenossen, be- ?eben sich beliebig zur Teilnahme am Emtedank- est nach Annerod. Dort beginnt um 14 Uhr der Festzug, der von der Bauernschaft Annerod durch- geführt wird. Bei der anschließenden Feier auf der Platte wird Pg. Grünewald die Ansprache hal­ten. Die Festteilnehmer treffen sich dann von 16.30 Uhr ab in den Gastwirtschaften, und zwar Zelle 1 bei Wächter, Zellen 2 und 3 im Mühlchen, Zellen 4 u^b 5 bei Wallbott, Zellen 6 und 7 bei Engel­hardt. In allen Wirtschaften wird die Feier am Bückeberg mit Ansprache des Führers durch Laut­sprecher übertragen. Anschließend in sämtlichen Wirtschaften Tanz.

In der Ortsgruppe Gießen-Nord beteiligen sich alle Parteiangehörigen und übrigen deutschen Volksgenossen (einschließlich NSBO. und Fachschaf­ten) am Erntedankfest wie folgt: In Wieseck Zellen 1, 2, 3, 4, 5, in Heuchelheim die Zellen 6 und 7. Antreten zum Abmarsch pünktlich 13.30 Uhr. Der Zug nach Wieseck stellt sich zwischen Stein- K51 und Turnhalle mit Marschrichtung Mar-

r Straße auf, der Zug nach Heuchelheim ord­net "sich am Oswaldsgarten. An der Spitze des Zuges marschieren die Uniformierten, dann die übrigen Partei- und Volksgenossen in Zivil. Anzug für nichtuniformierte Parteigenossen: dunkle Hose,

weißes Hemd, schwarzer Binder, Armbinde, Rock wird auf dem Arm getragen. Frauen und Kinder marschieren im Zuge nicht mit, sie begeben sich be­liebig nach Wieseck ober Heuchelheim, wo alle Partei» unb Volksgenossen an bem Festzua teil- nehmen. Die Feier am Bückeberg mit ber Ansprache bes Führers wirb burch Lautsprecher übertragen. Anschließenb Volksfest mit Tanz. Rückmarsch ge­schlossen um 22 Uhr.

NS.-Zrauenschast Gießen-Ost.

Die Hakenkreuzfahnen ber Mitglieber, mit Namen versehen, werben für nächsten Sonntag zur Schmük- kung der Häuser der Parteigenossen in Annerod erbeten. Die Fahnen sind alsbald bei Prof. Hum­mel, Georg-Philipp-Gail-Straße, abzugeben.

BDM.-Gießeu-Stadi.

Heute Freitag, 20 Uhr, im Gewerkschaftshaus Gemeinschaftsabend. Erscheinen jedes Mädels ist Pflicht.

NS.-Lehrerbund.

Die nächste Sitzung der Mitarbeiter des Gaues Ausland und derArbeitsgemeinschaft für Grenz- unb Auslanbsbeutschtum" finbet am Montag, 2. Ok­tober, in der Goetheschule (Horst-Wessel-Wall) statt. Gauobmann Dr. H e n ß spricht überDas Deutsch­tum in Jugoslawien" (mit Lichtbildern).

Wir beginnen!

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Sonntag, 1. Oktober, 19.30 Uhr, Aufführung ber OperetteSchwarzwalbmäbel" zu ermäßigten Ope- retten-Preisen. Außer Abonnement. Enbe: 22 Uhr. Dienstag, 3. Oktober, offizieller Beginn ber Winterspielzeit mit ber Ausführung bes Dramas: Die Hermannsschlacht" von Heinrich von Kleist unter ber Spielleitung bes Jntenbanten Hanns König. Erste Borstellung im Dienstag-Abonne­ment; gewöhnliche Preise. Spielbauer von 20 bis gegen 22.45 Uhr. Mittwoch, 4. Oktober, erste Vorstellung im Mittwoch-Abonnement. Erstausfüh­rung ber Meister-Operette Franz Lehars:Wo bie Lerche singt" (Leitung: W r e b e - C u j 6.) Operet- ten-Preise. Spielbauer von 19.30 bis 22 Uhr. Donnerstag, 5. Oktober, Wieberholung bes Schau­spiels:Die Hermannsschlacht" für Deutsche Bühne, Reihe 1: gerabe Mitgliebsnummern. Spielbauer von 20- bis gegen 22.45 Uhr. Freitag, 6. Oktober, erste Vorstellung im Freitag-Abonnement mit ber Erst - Ausführung bes heiteren Spiels um eine Bühne:Die Freunbin eines großen Mannes" von Möller unb Lorenz; Spielleitung Wolfgang Kühne. Gewöhnliche Preise. Spieldauer von 20 bis 22 Uhr. Samstag, 7. Oktober, für bie Deutsche Bühne, Reihe 2: ungerabe Mitgliebsnummern, Wieber­holung:Die Freunbin eines großen Mannes". Spielbauer von 20 bis 22 Uhr. Sonntag, 8. Ok­tober, Wieberholung ber Operette:Schwarzwalb­mäbel" als Vorstellung außer Abonnement zu er­mäßigten Operettenpreisen. Spielbauer von 19.30 bis 22 Uhr.

Oeffentliche Generalprobe zuGchwarzwaldmädel".

Die Jntenbanz unseres Stabttheoters beabsichtigt, in der kommenden Spielzeit für Gießen erstmalig eine Neuerung einzuführen. Die Theaterleitung hält es für ihre selbstverständliche nationale Pflicht, auch all denen, für die selbst bie stark ermäßigten Preise noch eine wirtschaftliche Ueberlaftung bebeuten, ben Besuch bes Theaters zu ermöglichen. Von größeren unb bebeutenben Werken sollen baher, sofern keine technischen Schwierigkeiten bestehen, bie General­proben für bie Minberbemittelten zugänglich ge­macht werben. Versuchsweise wirb baher bereits die Generalprobe zuSchwarzwaldmädel" am Sams­tag um 20 Uhr öffentlich sein. Kartenausgabe er­folgt durch bieDeutsche Bühne" unb burch bie Arbeitsgemeinschaft für kulturelle Veranstaltungen.

Die Beschäftigung von ausländischen Arbeitern und Angestellten.

Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung unb Arbeitslosenversicherung teilt mit, baß seit bem 1. Juli 1933 auslänbische Arbeiter unb Angestellte nur noch beschäftigt werben bürfen, wenn sie ent- weber im Besitz einer Arbeitskarte ober eines Be­freiungsscheines sinb. Sämtliche vor bem 1. Juli 1933 erteilten Legitimationskarten unb Befreiungs­scheine ober sonstigen Bescheinigungen für Be° fdjäftigung eines ausländischen Arbeitnehmers haben ihre Gültigkeit verloren.

Soweit die erforderlichen Anträge nach dem l.Juli 1933 noch nicht gestellt worden sind, wer­den die Arbeitgeber unb auslänbischen Arbeitneh­mer aufgeforbert, sie unverzüglich nachzuholen. Die näheren Einzelheiten sinb bei ben Arbeitsämtern zu erfahren, bei benen auch bie Antragsvorbrucke erhältlich sinb.

Eine größere Anzahl von Arbeitgebern unb aus­länbischen Arbeitnehmern ist noch immer nicht ber Pflicht zur Nachsuchung einer neuen Beschäfti­gungsgenehmigung unb Arbeitskarte ober eines Befreiungsscheines nachgekommen. Es wirb baher noch einmal ausbrücklich barauf hingewiesen, baß sich bie Arbeitgeber unb auslänbischen Arbeitneh­mer bei Verstoß gegen bie gesetzlichen Bestimmun­gen strafbar machen.

Taten für Freitag, 2S.Leptember.

1758: Der englische Abmiral Nelson in Burnham- Thorpe geb. (geft. 1805). 1815: Der Maler Anbreas Achenbach in Kassel geb. (geft. 1910). 1861: Der Chemiker unb Großinbustrielle Karl Duisberg in Barmen geb. 1903: Wetterprophet Rub. Falb geft. 1913: Der Ingenieur Rubolf Diesel geft. (geb. 1858). 1919: Die Sängerin Abeline Patti geft. (geb. 1843).

VornoNzcn.

Tageskalenber für Freitag: Volks­halleverein Gießen, 17 Uhr, Sitzungssaal bes Stabt» Hauses, Bergstraße 20, orbentliche Mitglieber-Ver- fammlung VHC., 20.30 Uhr, Monats-Versamm­lung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Lachenbe Er­ben" mit Heinz Rühmann unb Lien Deyers.

*

** Eine Kraftpost-Gesellschaftsfahrt, die die Reichspost für den kommenden Sonntag vorgesehen hat, wird die Teilnehmer durch bas schöne Weiltal führen. Aufenthalte sind vorgesehen auf dem Feldberg i. T., in Königstein, in Bad Hom­burg unb in Bad-Nauheim. Die Abfahrt erfolgt um

8 Uhr von ber Hauptpost aus. Aus die gestrige An­zeige sei besonders hingewiesen.

** Geschäftsoerlegung. Die Firma Gedr. Seelbach hat ihr Ladengeschäft von der Ecke Hindenburg-Wall und Bleichstraße nach dem Hause Seltersweg 20 verlegt. Die neuen Geschäftsräume werden am morgigen Samstag ihrer Bestimmung übergeben. Um bie Leistungsfähigkeit ber Firma barzutun, würben in übersichtlicher Aufmachung in den Schaufenstern die wesentlichsten Artikel aus­gestellt. Auf die heutige Anzeige sei besonders auf­merksam gemacht.

** Geschäftsjubiläum. Man berichtet uns: Am 15. September waren es 40 Jahre, daß Martin Schwall sein Geschäft begründete. Er betrieb die Anfertigung von Grabdenkmälern, in früheren Jah­ren stellte er als Steinbildhauer auch Baudekora­tionen her, und gar manche Fassade in Gießen und in Bad-Nauheim zeugt von seinem Können. Als Obermeister bes alten Verbanbes ber Steinmetz» geschäfte unb Bildhauereien in Oberhessen ist er stets unparteiisch für bie Belange feiner Geschästs- kollegen eingetreten. Herr Schmal!, der in ben letzten Jahren durch Krankheit an der alleinigen Führung feines Geschäftes behindert war, wurde von feinen Söhnen Walter und Helmut Schmoll tatkräftig unterstützt. Jetzt ist das Geschäft an Walter Schmoll als alleinigen Inhaber über­gegangen, da Hellmut Schmoll in Fronhausen (Lahn) auf eigene Rechnung ein Geschäft betreibt. Martin Schmoll bleibt zur Unterstützung seines Sohnes noch im Geschäft tätig.

** Eine 81jährige. Heute, am 29. Septem­ber, vollendet Frau Marie Walter Wwe., Ka° plansgaffe 25, ihr 81. Lebensjahr.

** Hausfrauenberatung Gießen. Die Hausfrauenberatung hat in ihrer jüngsten Vor» stanbssitzuna beschlossen, den jährlichen Mitglieds­beitrag in ber Höhe von 1 Mark zu belassen. Die Mütter tinberreidjer Familien (ab vier Kinder) sol­len nur 75 Pf. bezahlen.

** Schachklub Gießen 18 5 8. Heute abend findet im Gewerkschaftshaus ein Simultanspiel statt unter gleichzeitigem Spiel des betreffenden Herrn gegen einen Herrn im Blindspiel. Pünktlich 20.15 Uhr wird begonnen. (Siehe heutige Anzeige!)

** Warnung vor einer Schwindlerin. Einer raffinierten Schwindlerin sind in Limburg mehrere Geschäftsleute zum Opfer gefallen. Eine gut aussehende junge Frau, die vorher unter dem Na­men Lotte Grimmeisen in Frankfurt Geschäfts­leute hereingelegt hak, trat unter dem Namen H öl­te r m a n n auf. Sie kaufte Waren und erklärte beim Bezahlen, daß sie ihr Geldtäschchen verloren habe. Da sie nun auch nicht nach Hause fahren könne, bat sie, ihr das Fahrgeld vorzustrecken. Die bestellten Sachen sollten nach Niederbrechen gelie­

fert werden, wo die Geschäftsleute prompt ihr Geld' und die vorgelegten Summen erhalten würden. Als die Waren in Niederbrechen eintrafen, stellte sich heraus, daß der angegebene Name vollständig un« bekannt war. Da die Schwindlerin auch noch art andern Orten ihren Trick versuchen wird, sei vor ihrer Methode gewarnt. Auf der rechten Gesichts« hälfte trägt sie ein Brandmal.

'Frau und Kleid im Wandel bet Z e i t." Die Ortsgruppe Gießen bes Verbandet ber weiblichen Angestellten hielt gestern in Serbin« bung mit ber Ortsgruppe bes Vereins für beutscht Frauenkultur einen Vortragsabenb mit Filmvor« führung ab. Die Leiterin ber Ortsgruppe bes Ver­banbes ber weiblichen Angestellten, Fräuleirt G r o s s a r t, begrüßte bie Teilnehmerinnen unb wies in kurzen Ausführungen auf bie Fachschaften! hin. Sobann sprach Frau Schäfer, bie Vor« sitzenbe ber Ortsgruppe Gießen bes Vereins fül beutfche Frauenkultur, über bas ThemaFrort unb Kleib im Wanbel ber Zeit", lieber bas beut« fche Mobeschaffen herrsche noch vielfach Unklarheit, bie burch bie bisherige, von Paris geleitete Beein­flussung unb Irreführung verursacht sei. Mancher glaube, baß in Deutschlanb neue, eigene Wege ge« funben werben müßten. Zu berücksichtigen sei aber, baß französisches Mobegut sehr stark beeinflußt worben sei von beutschem Mobeschaffen. Darüber hinaus sei Deutschlanb im Mobeschaffen sehr selb- ftänbig geworben. Sein hochwertiges Textilhand- werk habe Deutschlanb außerbem unabhängig ge­macht. Deutschland sei auf bem Gebiete ber Hanb- Weberei unb Hanbbruckerei technisch unb geschmack­lich führenb. Die Erfolge beutschen Kunsthanbwer- kes seien nicht Zufälle, fonbern bie Frucht lang­jährigen ehrlichen Bemühens. Mit ben Fortschrit­ten auf ben Gebieten ber Hygiene fei in Deutsch­lanb auch ein Fortschritt in ber Gestaltung ber Frauenkleibung einhergegangen, ber insbesonbere von bem Verein für beutsche Frauenkleibung unb Frauenkultur getragen worben sei unb sich in letz- ter Zeit immer stärker burgesetzt habe. Man suchte bewußt die Wibernatürlichkeiten einer Pariser Mode zu überwinden. Diese Entwicklung wurde von ber Rebnerin geschilbert unb barüber hinaus noch burch einen Film veranschaulicht, ber anläßlich ber gro­ßen Berliner AusstellungDie Frau" im Frühjahr bieses Jahres geschaffen worben war. Der Vor­trag unb ber Film würben mit großer Aufmerk­samkeit verfolgt. Der Rebnerin wurde herzlicher Beifall zuteil. Fräulein Appel, bie Geschäfts­führerin ber Ortsgruppe Gießen bes Verbanbes ber weiblichen Angestellten, gab sobann einige organi­satorische Mitteilungen bekannt unb schloß ben Abenb mit einem breifachenSieg-Heil!'^ auf die Führer des Reiches.

DieBraune Messe" in Gießen.

Flaggen heraus!

Von der Stadtverwaltung wird uns ge­schrieben:

Am Samstag, 30. September, beginnt bie hiesige Braune Messe, bie für das Wirtschaftsleben unserer Stabt von befonberer Bebeutung ist. Die Bevölkerung wirb ersucht, ihr Interesse an biefer Veranstaltung durch Flaggen ber Häuser währenb ber Dauer kunbzutun.

Dor ber Eröffnung.

Aus allen Schaufenstern, aus ben Straßenbahn­wagen leuchten uns bie geschmackvollen Plakate ber Messeleitung entgegen. Sie sinb wie man uns schreibt eine Schöpfung bes Gießener Graphikers Gustav Rohrbach unb wirken besonbers durch ihre bestechende Einfachheit. Von den vielen Se­henswürdigkeiten verdient noch heroorgehoben zu werden die Töpferei von L. Keßler (Wieseck), die auf der Messe die Herstellung ihrer Erzeugnisse zeigen wird. Die bestens bekannte Firma Joh. Valth. Noll zeigt die Herstellung von Qualitäts­erzeugnissen der Tabakindustrie. Frau Zimmer- Kor schuß (Babenhausen II) (ab Oktober in Gie- ßen) zeigt, wie man mit den primitivsten Mitteln wirklich brauchbare Musikinstrumente herzustellen vermag.

Ab Freitagnachmittag werden auf bem Hofe ber Alten Bürgermeisterei zum Schmuck ber Häuser Tonnenzweige, pro Bunb zu 30 Psg., verabfolgt.

Die Bürgerschaft wirb gebeten, währenb ber Dauer berBraunen Messe'^ bie Häuser z u be­flaggen.

Verbilligte Gtraßenbahnfahrten

anläßlich der Braunen Messe, Gießen, Aolkshalle.

Währenb ber Ausstellungszeit vom 30. Septem­ber bis 8. Oktober gibt bie Gießener Straßenbahn eine Fahrkarte zum Preise von 40 Pf. heraus. Diese Karte gilt ab Markt zur Volkshalle unb wie- ber zurück, einschl. Eintritt für die Dolkshalle und Liebigshöhe.

Der Eintritt zurBraunen Messe" kostet sonst für Erwachsene 30 Pf., für Erwerbslose und Kinder 15 Pf. Jeder Besucher kann sich ausrechnen, was für eine Ersparnis es ist, wenn er die verbilligte Fahrkarte (oft.

Das Glück über Gießen.

Gutscheine fallen vom Himmel.

Anläßlich berBraunen Messe", bie vorn 30. Sep­tember bis 8. Oktober in ber Volkshalle zu Gießen ftattfinbet, werben zwei Reklameflieger am Sams­tag zwischen 12 unb 14 Uhr in Gießen unb Um­gebung Flugblätter unb Gutscheine abwerfen. Die Gutscheine haben einen Wert von 3 Mark unb wer- ben von ben auf berBraunen Messe" ausstellen- ben Firmen in Zahlung genommen. Der Finder erhält gleichzeitig freien Eintritt zur Messe. Es wird also, so schreibt man uns, jeder zu dieser Zeit zu seinem eigenen Vorteil ein Hans-guck-in-die-Luft fein.

Dir AS.-Dolkswohlsahri im Kreise Gießen.

Die Organisation der NS. -Volkswohl­fahrt im Kreise Gießen wurde nach dem bewährten Aufbau der Partei vorgenommen. Der Kreis Gießen wird in 18 Ortsgruppen eingeteilt. Jede Ortsgruppe umfaßt mit Ausnahme von Wieseck, Heuchelheim und Lich mehrere Ort­schaften, bie als Zellen angeschlossen sind. Die Organisation gliedert sich in folgende Ortsgruppen:

Ortsgruppe A 11endorf a. b. Lda. mit ben Zellen Allenborf a. b. Lba., Allertshausen, Clim­bach, Kesselbach, ßonborf, Rübbingshausen unb Treis a. b. Lba.

Ortsgruppe Bersrob mit ben Zellen Bersrob, Beuern, Hattenrob, Linbenstruth, Reinhardshain, Reiskirchen unb Saasen.

Ortsgruppe Bettenhausen mit ben Zellen Bettenhausen, Muschenheim unb Birklar.

Ortsgruppe Geilshausen mit ben Zellen Geilshausen, Beltershain, Lumba, Obenhausen unb Weitershain.

Ortsgruppe Großen-Buseck mit ben Zellen Großen-Buseck, Alten-Buseck, Burkharbsselben, Röb- gen, Dppenrob unb Trohe.

Ortsgruppe Großen-Linben mit den Zellen Großen-Linden, Leihgestern, Allendors a. d. L. und Klein-Linden.

Ortsgruppe Grünberg mit ben Zellen Grün­berg, ©öbelnrob, Lauter, Queckborn, Stangenrod, Stockhausen unb Weickartshain.

Ortsgruppe Heuchelheim: Heuchelheim.

Ortsgruppe Ettingshausen mit ben Zellen Ettingshausen, Harbach, Münster, Nieber-Bessingen unb Ober-Bessingen.

Ortsgruppe Hungen mit ben Zellen Hungen, ßangb, ßangsborf, Nonnenroth, Röthges unb Dil- lingen.

Ortsgruppe ßang-Göns mit ben Zellen ßang» Göns, Holzheim, Orüningen, Dorfgill, Oberhörgern und Eberstadt.

Ortsgruppe ßich: ßich.

Ortsgruppe ß o 11 a r mit den Zellen ßollar, Daubringen, Mainzlar und Staufenberg.

Ortsgruppe Rodheim a. H. mit den Zellen Rodheim a. H., Rabertshausen unb Steinheim.

Ortsgruppe Trais-Horloff mit ben Zellen Trais-Horloff, Bellersheim, Jnheiben, Obbornhofen unb Utphe.

Ortsgruppe Wieseck: Wieseck.

Ortsgruppe Watzenborn-Steinberg mit ben Zellen Watzenborn-Steinberg, Albach, Garben­teich, Hausen unb Steinbach.

Ortsgruppe Gießen: Dieselbe wurde wieder in vier Ortsgruppen eingeteilt, unb zwar in die Orts­gruppen Gießen-Süd, Gießen-Mitte, Gießen-Ost und Gießen-Nord.

Line Anttswatterversammlnng der NSV. des Kreises Gießen fand am Mittwochabend im Gewerkschaftshaus zu Gießen unter ßeitung des Kreiswalters der NSB. Pg. K l ö ß statt. Kreiswalter K l ö ß gab einen kurzen Ueberblid über Sinn und Zweck der NS.- Dolkswohlfahrt unb über bereu Organisation. Außerbem würben bie Maßnahmen zur Durchfüh- rung bes Winterhilfswerks 1933/34, welches ber NSB. übertragen ist, besprochen. Pa. K l ö ß führte u. a. aus, baß bie NS.-Volkswohlfahrt durch den Führer als allein zuständige Organisation für die gesamte Wohlfahrtspflege unb Fürsorge im Deut­schen Reich bestimmt worben sei. Ihr sei daher mit das bedeutsamste Gebiet des nationalsozialistischen Programms übertragen worden.

Die 3X5*0. müsse ben deutschen Sozialismus in bie Tat umsehen unter Beseitigung aller Klassengegensätze.

Die Organisation ber NSV. sei bie gleiche wie bei ber NSDAP. Die Führung sei bereits bis zum Blockwart durchgebilbet. Nun sei es Sache der