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29.7.1933 Frühausgabe
 
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kriminalpolizei, die sämtliche Teilnehmer an der Versammlung verhaften konnte. Es wurden umfangreiches kommuni ft isches Schriftenmaterial und Flugblätter beschlag­nahmt. Die fe st genommenen 10 Kommu­ni st e n wurden in das Offenbacher Gerichtsgefäng­nis eingeliefert.

Geheimorganisation derKPL). im Industriegebiet entdeckt.

Umfangreiche Verhaftungen.

Bochum, 28. Juli. (TU.) Durch den Nachrich­tendienst der hiesigen SA.-Standarte wurde wiederum eine neuorganisierte kommuni st is ch e Bewegung ermittelt und unschädlich gemacht. Unter irreführenden Namen hatten sich Tausende von Komunisten im Ruhrgebiet neu zu­sammengeschlossen. Der Sitz der Orgnisation war Essen. Der Vorsitzende ist ein übelbeleumundeter Kommunist. Die hiesige Ortsgruppe umfaßt 35 Mitglieder, die zum größten Teil f e st g e n o m ° men werden konnten. Unter den Verhafteten be­finden sich der Ortsgruppenleiter und der Kassierer. Die gesamte Karthotek konnte sichergestellt werden. In Verbindung hiermit konnte die Geschäfts- st e l l e f e st g e st e l l t und die gesamte Einrichtung beschlagnahmt werden. Dabei wurden 45000 Mitgliedskarten aufgefunden. . .

Weiter wurde der Leiter der k o m m u n l st l - schen geheimen Organisation im Ruhrgebiet verhaftet. Es handelt sich um den berüchtigten kommunistischen Funktionär Heinrich Hülsmann aus Essen. Die Spur der geheimen Organisation erstreckt sich über das ganze Jndu- st r i e g e b i e t. Am Donnerstag wurden weitere 14 Kommuni st en fe st genommen, die dieser bolschewistischen Wühlorganisation angehören. Hier­bei wurden neben kommunstischen Hetzschriften auch einige Ausgaben der 3. Juni-Nummer derRoten Fahne" beschlagnahmt. Diese Nummer strotzt von Hetzüberschriften. Auch Greuelpropaganda treibt das Blatt. t

Wegen Vorbereitung zum Hochverrat nahm die Staatspolizeistelle Recklinghausen in D o r st e n 30 Mitglieder des verbotenen Rot- frontkämpferbundes fest. Der Rotfront­kämpferbund hat in Dorten bis in die letzte Zeit hinein Versammlungen seiner Mitglieder oorge- nommen.

Strafmaßnahmen wegen des Frevels an der Hindenburg-Eiche'.

Berlin, 28.Juli. (WTB.) Die Pressestelle des Staatsministeriums teilt mit: Bekanntlich wurde die am Tage der Nationalen Arbeit auf dem Tempel­hofer Feld gepflanzte Hindenburg-Eiche in der Nacht zum 27. Juli von Kommunisten zerstört. Das Geheime Staatspolizeiamt hat als Gegenmaßnahmen angeordnet, daß sämtlichen kommunistischen Schützhäftlingen für drei Tage die Mittags Mahlzeit ent­zogen wird. Den Schutzhäftlingen ist diese Maß­nahme tir Hinblick auf den an der Hindenburg-Eiche verübten Frevel zu eröffnen.

Spanien erkennt Sowjet- Rußland an.

Madrid. 28. 3uIL (TU.) Der Präsident hat ein Dekret unterzeichnet, wonach Spanien Sowjetrußland anerkennt. Die For­malitäten zur Wiederher st ellung der diplomatischen Beziehungen beider Länder sollen, wie verlautet, durch den Sowjet» botschafter Dowgalowski erledigt werden. Als zukünftiger Sowjetbotschafter in Madrid wird der frühere Volkskommissar Lunartfcharski ge­normt.

Wie aus Moskau verlautet, hat die Sowjet- regierung beschlossen, mehrere Beamte nach Madrid zu senden, um dort die Gebäude der ehemaligen kaiserlich-russischen Bot­schaft unddes Konsulats zu übernehmen.

Die Armbrust.

Erzählung von Witt Scheller.

Das Leben bleibt ernst, auch wenn es einmal zu lächeln scheint, und die Geheimnisse des mensch­lichen Schicksals bleiben schwer, auch wenn es einmal so aussieht, als habe bei der Ver- knüpfung seiner Fäden ein scherzender Geist die Hand im Spiel gehabt. Aber vielleicht soll dem Menschen, da er immer noch mit so geringem Erfolg in die Lehrstuben des Lebens geht, eben in solchen Zusammenhängen ein Beispiel gegeben werden dafür, daß, ob ihm die Lose licht oder dunkel fallen, er, wieviel auch immer ihm ge­heim bleiben muh. immerhin zu etlicher Er­fahrung durchzudringen vermag: hierbei kann er wohl entdecken, daß er, auf jene nur dem Hochmut seiner Vernunft zufällig dünkenden An­zeichen achtend, womöglich besser beraten ist, als wenn er davon absieht, sie als Wegmale seines doch immer einer höheren Ordnung gefügigen und von ihr gezeichneten Schicksals zu betrachten.

Ein Knabe, der in diesem Bericht Philipp heihen soll, hatte in den frühen Jahren, da das Kind zuerst an den Erscheinungen der nächsten LImwelt im Sehenlernen sich ergötzt, viel Ge­fallen an der Figur eines Amor aus farbigem Porzellan, der, mit Pfeil und Bogen bewaffnet, auf einem schön glänzenden, mit weih gehäkelter Decke versehenen Tischchen vor einem hohen, goldumrahmten Spiegel in jenem Zimmer stand, das so selten und am meisten dann betreten wurde, wenn Fremde zu Besuch kamen. 3n solchen Fällen wurde auch der kleine Philipp in seinem Wagen hereingebracht, und es ergötzte die Erwachsenen jedesmal von neuem als eine Art von Merkwürdigkeit, wenn das Kind, noch lallend und keines Wortes mächtig, den Kops hin und her drehte, bis die Augen der Figur auf der dunkel polierten Spiegelkonsole habhaft geworden waren und das Gestammel des Kleinen in ein Helles Jauchzen überging, das von einem munteren Schlagen der winzigen Fäuste auf das Wagenpolster begleitet war.

Vicht viel später pflegten derartige Szenen mit Geschrei und Tränen zu endigen, weil dem nun wachgcwordenen Verlangen der kleinen Hände nach dem kostbaren Prunkstück doch nicht statt­gegeben werden konnte. Mit der Zeit ging dieses Verlangen denn auch in ein anderes Begehren über. "Nachdem nämlich Philipp, als er schon laufen und sprechen konnte, Gelegenheit gehabt hatte, die kühle Glätte des nackten Gottes der Liebe zu betasten und seine Ausrüstung im ein­zelnen zu untersuchen, und vorzüglich, als ihm

OerAbschluß desReichskonkordats

Eine Antwort an denOffervatore Romano".

Berlin. 28. Juli. (Täl.) Don unterrichteter Seite wird uns geschrieben

Der Osservatore Romano . das Blatt des Vatikans, beschäftigt sich in seinen Ausgaben Rr 173 und 174 vom 26. und 27. 3uh 1933 mit dem Reichskonkordat. Diese Artikel sind zwar, wie bekannt geworden ist, keine amt­lichen Verlautbarungen des Heili­gen Stuhls, sie verdienen aber bei den be­sonderen Beziehungen des Blattes zum Vatikan besondere Beachtung.

Richtig ist die dort getroffene Darstellung, dah die Oeffentlichkeit über den Gang der Ver­handlungen in Rom nichts weih. Es ist in der Tat undenkbar, dah gerade über die Ver­handlungen eines Reichskonkordats die Oeffent­lichkeit in Einzelheiten unterrichtet werden kann. Äm so mehr muh dabei aber das Ergebnis der Verhandlungen in einer für die Oeffentlich­keit überzeugenden Weise festgelegt werden, wo­bei zu bedenken ist, dah es der Ton ist, der die Musik macht. 3m einzelnen ist zu den Auslassun­gen des amtlichen Organs des Heiligen Stuhls hauptsächlich folgendes zu bemerken:

1. Wenn der Artikelschreiber zuvorderst darauf Hinweisen zu müssen glaubt, dah der codex juris canonici die Grundlage und die wesentlichste juristische Voraussetzung des Konkordats bildet, so ist dies eine erstaunliche Behauptung. Das Konkordat regelt die rechtlichen Be­ziehungen des Deutschen Reiches und der römisch-katholischen Kirche. Die dreimalige Her­vorhebung, dah es sich um Kirchenpolitik, um Kirchendinge und um den kirchlichen Bereich handelt, spricht dafür, dah es sich hierbei lediglich um die für den staatlichen Vertragspartner auf­

gestellte Anerkennung der Kirche handelt.

2. Mißverständlich können die Ausführungen des Blattes wirken, wenn dort behauptet wird, nach dem Konkordat werde die Erziehung zur Vaterlandsliebe nach den Vorschriften des Glaubens geregelt, d. h. nach den Lehren des Evangeliums. Der Wortlaut des Artikels 21 stellt nur fest, daß die gesamte Erziehung in Volk und Beruf, in Mittelschule und höheren Lehranstallen

zur Vaterlandsliebe stets in bürgerlichem und sozialem Pflichtbewußtsein auf dem Gebiete des christlichen Glaubens stattsinde.

3. Das Konkordat sieht hinsichtlich der Ausbil- düng der katholischen Lehrer Einrichtun­gen vor, die im Auslande der katholischen Lehre entsprechen und besondere Erfordernisse des katho­lischen Bekenntnisses gewährleisten. Die Ueber- setzung des italienischen Textes des Artikelschreibers könnte den Eindruck erwecken, als ob damit kon­fessionelle Lehrerbildungs an st alten zugestanden wären; das wäre nicht zutreffend.

4. Der kirchliche Anspruch'auf die Gründung der Ehe durch das Sakrament ist im Ar­tikel 26 weder im bejahenden, noch im verneinenden Sinne behandelt.

5. Die Entfernung der Geistlichen und Ordensleute aus politischen Parteien und die Ausschließung ihrer Tätigkeit darf nicht eng aus gelegt werden. Der Sinn dieser Vor­schrift ist, die Geistlichen in ihre seelsorgerische Tätigkeit zurückzuführen. Es liegt im eigensten Interesse der römisch-katholischen Kirche, wenn gerade auf diesem Gebiete die Geistlichen eine Umgehung dieses Verbots vermeiden.

6. Ein staatliches Veto gegen die Kan­didaten für hohe kirchliche Aemter ist in dem Artikel 14 nicht ausgesprochen; jedoch ist die Fassung der Vorschrift dieses Artikels so gewählt worden, daß der Reichsstatthalter Bedenken allgemein-politischer Natur gegenüber einer Bestätigung erheben kann.

7. Eigentümlich mutet die Annahme des Artikel­schreibers an, daß der Abschluß des Konkordats eine Abweichung von der n a ti o n a l s o z i a l i sti sch e n Richtung" bedeute. Der Abschluß des Konkor­dats ist mit dem Präsidenten des Deut­schen Reiches erfolgt. Das Deutsche Reich aber wird von der nationalsozialistischenRichtung" völ­lig beherrscht, was auch den Artikelschreibern in Rom nicht unbekannt sein dürfte. Der Vertrags­abschluß bedeutet also die Tatsache der rechtli­chen Anerkennung der nationalsozia- listischen Regierung.

Aus aller Wett.

Zwei $2L-£eute zu Ehrenbürgern ernannt.

Die Stadtoerordnetenversammlung in Hamm ver­lieh den SA.-Männern D r u e e n und Schütte das Ehrenbürgerrecht der Stadt, weil sie ihre Treue zum Führer und zum deutschen Volke mit ihrem Leben zu besiegeln bereit waren und tagelang zwischen Tod und Leben geschwebt hatten.

Ehrung gefallener SA.Leute.

Wie die Verwaltung der Hafendampfschiff- fahrtsgesellschaft in Hamburg mitteilt, sind die DampferSenator Grünwaldt" undBürger­meister Tolten" um g e t auf t worden. Der erste Dampfer erhielt den NamenHeinrich Heis- singe r", nach einem gefallenen Angehörigen des Marinesturmes, der zweite heißtKarl Heinzelmann, ebenfalls nach einem von Kommunisten erschossenen SA.-Mann.

Drei Verteidiger für die Reichstagsbrandstifter.

Von zuständiger Stelle wird zum Reichs­tagsbrandstifter-Prozeh folgendes mit­geteilt: Rach den Bestimmungen der Straf- Prozeßordnung ist in Sachen vor dem Reichs­gericht dem Beschuldigten, der noch keinen Ver­teidiger gewählt hat, ein solcher von Amts wegen zu stellen. Da die Angeschuldigten bisher keine Verteidiger haben und die Zustellung der An­klageschrift unmittelbar bevorsteht, hat ihnen der Präsident des 4. Strafsenats des Reichsgerichts schon jetzt Verteidiger von Amts wegen

beigeordnet. Die Auswahl dieser Verteidiger hatte nach gesetzlicher Vorschrift aus der Zahl der am Sitz des Reichsgerichts in Leipzig wohn­haften Rechtsanwälte zu erfolgen. Mit Rück­sicht auf die Bedeutung der Sache hat der Vor­sitzende des Reichsgerichts zwei Verteidiger aus der Zahl der beim Reichsgericht zugelassenen Rechtsanwälte, nämlich die Rechtsanwälte Hu­ber und S e n f f e r t ernannt, die hierfür be­sonders geeignet erscheinen. Außerdem ist Rechts­anwalt T e i ch e r t bestellt worden, der gleich­falls als besonders tüchtiger Strafverteidiger bekannt ist.

Zollschiebung mit amerikanischen Autos.

Im Mai v. I. erregten umfangreiche Zollschie­bungen, in deren Mittelpunkt ein damaliger Sekretär des Automobilklubs von Deutschland stand, in der Oeffentlichkeit großes Aufsehen. Erst jetzt sind die umfangreichen Ermittelungen der Zollfahn- dungsslelle und der Staatsanwaltschaft soweit zum Abschluß gekommen, daß gegen acht Beteiligte An­klage erhoben worden ist. Beschuldigt werden u. a. der Sekretär in der Verkehrsabteilung des A. v. D. Bäulich, ein Zollassistent und ein Oberzollsekre­tär. Bäulich hat mit Hilse von Zollbeamten in 36 Fällen wertvolle ausländische, größtenteils ameri­kanische Autos zollfrei über die deutsche Grenze ge­schmuggelt. Das großangelegte Betrugsmanöoer wurde aufgedeckt, weil es auffiel, daß für eine kleine tschechisch-sächsische Grenzstelle merkwürdig viele vom

klar geworden war, dah der Gegenstand, den jener in der Hand hielt, ein Werkzeug war, umi Pfeile damit abzuschiehen, da ging es ihm nicht mehr um den Amor selbst, sondern da richtete sich der Wunsch des Kleinen auf ein solches Gewaffen, auf Pfeil und Bogen, mit dem der Schütz, wio das Lied, das er damals hörte, sagt, durch Ge- birg und Tal gezogen kommt, früh im Morgen­strahl.

Der Schütze, früh im Morgenstrahl, war ein Traumbild, in dem sich der kleine Philipp damals gern spiegelte, und um so leidenschaftlicher, je ungeduldiger er aus die Erfüllung seines bren­nenden Wunsches wartete. Die ©einigen mochten sich aber nicht entschließen, dem Kind eine Waffe, und wäre sie ein Spielgerät, schon jetzt in die Hand zu geben, und so vergingen wiederum 3ahre der Enttäuschung am Geburtstag und am Weih­nachtsfest, bis endlich ein Paten-Onkel dem in­zwischenvernünftiger" gewordenen und schon die Schule besuchenden Knaben zu dessen an Freüden- tränen reicher Erschütterung unvermutet, da er von einer Reise kam, eine kleine Armbrust mit­brachte, ohne dah etwas anderes als eben das Wiedersehen Anlah zu dieser Gabe bot.

Philipp stand zuerst fassungslos einer Tatsache gegenüber, deren Möglichkeit schon begonnen hatte, vor seinen Augen in die Gefilde unerreichbarer Traumhastigkeit zu entschweben. Er hielt Pfeil und Bogen, wenn auch in etwas veränderter Form, in der Hand, lauschte mit halbem Ohr den Erläuterungen des Paten-Onkels, wie der Bolzen aufzusehen, die Sehne zu spannen, der Hebel abzudrücken sei, und ihm war, beinahe wie in einem Fieber, als käme der Schütz auf ihn zu­gezogen, um mit ihm, Philipp, ein Leib und eine Seele zu werden. Dann aber lernte er doch, mit dem Spielzeug umzugehen, und hatte eine so aus- schliehliche Freude daran, dah er, als seine Eltern einen berühmten Maler baten, ein Bildnis des Knaben anzufertigen, darauf bestand, auch die Armbrust mit in dieses Bild hineinnehmen zu dürfen; nur unter dieser Bedingung erklärte er sich bereit, so lange stillzusitzen, wie der Künstler es haben wollte.

Wer weiß um die Wandlungen, die sich in einem Menschen vollziehen, während seine Lebenszeit Jahr zu Jahren fügt? Es kamen für den jungen Philipp Erlebnisse, keine Begebenheiten von Bedeutung, Dinge, die rasch verblaßten und bald ins Dunkle des Vergessens einsanken, aber doch im Augenblick stark genug waren, eine Jo handgreifliche Wirklich­keit wie das Gerät der Armbrust aus dem Bereich unmittelbarer Neigung zu verdrängen. Es gab autf) andere Spiele, ja, und dann, später, gab es auch andere Gedanken als solche, die mit dem Bilde des Schützen und feinem Zug durch Gebirg und Tal

auch nur von fern etwas zu schaffen hatten. Schließ­lich hört der Mensch auch auf, zu spielen, nicht wahr, oder glaubt es zumindest, und dann ist es ihm bald gar seltsam, daran gemahnt zu werden, daß er überhaupt je hat spielen können. So wurde denn Philipp, dem Jüngling, fast beklommen zumute, wenn er unversehens, an einem Sonntag etwa, vor das Bildnis zu stehen kam, das ihn als Knaben zeigte, die Armbrust fest im Arm. Daß ihm dies einst so wichtig gewesen war!

Aber es hat noch keiner herausgefunden, was das Schicksal oder das, was der Mensch so nennt, mit ihm will, wenn er ihm eine Neigung ins Herz pflanzt, auf der er erst eigensinnig bestanden hat und die ihm später wie ein Rätsel vorkommt. Phi- lipp ging es nun wie vielen jungen Männern, wenn sie ins Leben treten: das Herz, dem Zustrom lie­bender Erfüllung offen, schlägt heftig, wenn das Auge den Umriß einer Gestalt, den Schimmer eines Antlitzes wahrnimmt, die Bllder eines Geschöpfes, in dem das reine, jetzt ganz auf sich selbst ange- miejene Gefühl des Ich zum ersten Mal ein Du erahnt, in dem es widerklingt, beruhigt und ver­klärt. Und auch insofern ging es Philipp wie vielen jungen Männern, daß er dieses Geschöpf, dieses junge Mädchen nicht kannte, das sein Innerstes entzündet hatte, und nach dem er begehrte wie, nun, wie ein Kind nach einem Spielzeug. Er mußte sie haben, sie mußte ihm gehören, für alle Zeit, sonst hatte das Leben keinen Sinn!

Aus der Unruhe seines Herzens heraus lief und stellte er ihr nach und erlebte manche Enttäuschung, wenn es ihm nicht gelang, ihren Blick, den kühlen Blick einer Unbekannten, zu erhaschen, oder gar, wenn er Stunden vertan hatte, um ihrer nur an­sichtig zu werden, und auch das vergebens. Etwas in ihm aber zwang ihn, trotzdem nicht nachzulassen, und zuletzt, als er dennoch schon elend genug und bereit war, alle Hoffnung fahren zu lassen, kam er in einem Konzert in ihre Nähe und empfand es als eine schier berauschende Gunst der Fügung, ihr eine kleine, unbedeutende Handreichung leisten zu dürfen. Unter jungen Menschen ist dann leicht ein Einverständnis gefunden, zu dem es feiner besonde­ren Worte bedarf. Eben dieses wortlose Einver­ständnis ermöglicht die Unterhaltung, ein leichtes Geplauder zunächst, erlaubt den Gruß, gestattet am Ende die Verabredung.

So glücklich sein zu können hatte Philipp nie ge­glaubt und wußte nicht, daß er zum zweiten Mal in seinem Leben, wie verschieden auch die Gegen­stände waren, fassungslos einer Tatsache gegenüber­stand, deren Möglichkeit schon begonnen hatte, ihm zu entschweben in die Gefilde unerreichbarer Traum- Hastigkeit. Er hielt die Geliebte im Arm, nannte sie bei ihrem Vornamen, denn einen anderen wußte er noch nicht, und hörte kaum auf das Perlen ihrer

A. v. D. ausgestellte Ausfuhrbescheinigungen für wertvolle amerikanische Autos oorgelegt wurden. Explosion in einem kalischachl. Zwei Todesopfer.

Bei einer Begehung des Kalischachtes Craja bei Bleicherode (Provinz 'Sachsen) gerieten der stellver­tretende Betriebssichrer Thiele und der Berg­schüler Nolte auf einer alten nicht mehr benutzten Strecke in brennbare Gase. Auf unaufgeklärte Weise entzündeten sich diese Gase, wobei Thiele und Nolte so schwere Brandwunden erlitten, daß sie nach ihrer Einlieferung in das Krankenhaus star­ben. Die Herkunft der Gase ist noch nicht restlos geklärt.

Großfeuer in einem pommerschen Dorfe.

Während säst die gesamte Einwohnerschaft auf dem Felde beschäftigt war, brach in Amalienhof bei Gollnow (Pommern) ein Feuer aus. Zuerst geriet eine Scheune in Brand, die in wenigen Minuten vollständig in Flammen stand. Durch den starken Wind wurde das Feuer von Gebäude zu Gebäude getragen und auf neun Hof stellen ins­gesamt acht Scheunen und sechs Diehställe ein­geäschert. Das Großvieh konnte gerettet wer­den, jedoch ist die gesamte Ernte Vernich- t e t und ebenso eine große Menge landwirtschaft­licher Maschinen. Man vermutet, daß das Feuer durch spielende Kinder verursacht worden ist.

Nobile baut ein Luftschiff für Sowjetruhland.

General Nobile hat mit der Sowjetregierung einen neuen Vertrag unterzeichnet über seine Ver­wendung als Konstrukteur bei dem Bau russischer Luftschiffe. Der Vertrag soll bis zum Jahre 1936 laufen. Nobile hat vorgeschlagen, ein neues Luftschiff mit 20 000 Kubikmeter Inhalt und einem Aktionsradius von etwa 7500 Kilometer zu bauen. Es soll im Dienst zwischen Moskau und Wladiwostock eingestellt werden.

Valdos Rückflug verzögert sich.

B a l b o hat seine ursprüngliche Absicht, für den Rückflug von Shoal Harbour (Neufundland) nach Europa den nördlichen Weg über Irland zu wählen, aufgegeben. Wahrscheinlich wird er den Weg über die Azoren nehmen. Der Start des ita­lienischen Fluggeschwaders ist aber nach dem neue­sten Funkspruch aus Shoal Harbour, vermutlich wegen ungünstiger Wettermeldungen, bis auf weite­res verschoben worden.

Der Leiter der Neuyorker jüdischen Boykottbewegung Führer einer Erprefserbande.

Die Neuyorker Polizei verhaftete auf An­trag der Chikagoer Staatsanwaltschaft den berüch­tigten Neuyorker Rechtsanwalt und Leiter der jü­dischen deutschfeindlichen Boykottbewegung, Baron S h a pi r o , wegen Organisierung eines sogenann­tenRackets", einer Bande zur Erpressung von Geldern von Kleinbetrieben, hauptsächlich Waschanstalten, Färbereien und Limonadenfabriken. Diesen Betrieben wurde bei Weigerung mit Dyna­mitanschlägen und Erschießen gedroht. Außer Sha- piro wurden weitere 22 Personen, darunter zahl­reiche Juden, verhaftet.

Entwichene Leprakranke verursachen eine Panik.

Aus dem Lepra-Lager in Tichilesti (Rumänien) entwichen sieben Leprakranke. Sie kamen in das Städtchen 3facra. Dort verursachte das Erscheinen der durch die Krankheit stark entstell­ten Leute eine Panik. Die Kaufleute liehen die Rolläden herunter, und die Passanten flüchteten entsetzt. Erst am Abend gelang es, die halb be­trunkenen Kranken nach dem Lager zurückzuschaf- sen. Die Polizei untersucht, in welchen Gast­wirtschaften die Leprakranken während ihres Be­suches eingekehrt sind.

Todesstrafe für Entführung in Amerika.

3n Kansas Stadt im Staat Missouri wurde erstmalig in der Geschichte Amerikas für das Verbrechen der Entführung die Todes- st r a f e verhängt. Ein gewisser Walter M c Gee. der im Mai die Tochter des Stadtbeamten M c E l r o y entführt und nach dreißigstündiger Ge­fangenschaft gegen Zahlung von 30 000 Dollar wieder freigelassen hatte, wurde vom Gericht zum Tode durch den Strang verurteilt.

Verantwortlich für Politik: i. V.: Ernst Blumschein.

Worte, da die Wirklichkeit durchsichtig zu werden schien: hinter dem Schleier der Maja, zog nicht, wie griff ihn das an, die Gestalt des Schützen durch Gebirg und Tal, die Waffe fest im Arm? Und wie, kam sie ihm entgegen, die Gestalt, aus der Vergessenheit langer Jahre, um mit ihm eins zu werden, ein Leib und eine Seele? Fast schauderte ihn vor diesem Traumbild, so abgrundbreit schien ihm die Entfernung zwischen ihm und allem greif­bar Wirklichen, und um dieses heimlichen Grauens ledig zu werden, kam er auf die nüchternen Not­wendigkeiten zu sprechen, die mit einem Verlöbnis und der von diesem vorbereiteten Hochzeit nun ein­mal Zusammenhängen.

Als er aber, beinahe lachend, sagte, er wisse ja noch nicht einmal, ob auch schon alles be­schlossen sei, wes Namens ihr Vater sei, da stand urplötzlich das große Rätsel wieder neben ihm, denn das Mädchen erwiderte mit sachtem Lächeln, es heiße mit Daternamen Armbrust. Und erst, als er die Braut seinen Eltern zugeführt und ihr das Knabenbildnis gezeigt hatte, gab er ihr, während fein Blick zuweilen rätselnd über den Amor aus farbigem Porzellan schweifte, der noch immer auf der polierten, mit gehäkelter Decke versehenen Konsole unter dem goldgerahmten Spiegel stand, zu wissen/ warum er sie damals erschreckt hatte durch ein unverständliches Aechzen, durch ein saft schmerzendes Pressen ihres Handgelenks und durch ein Schweigen, das zu brechen sie so lange ver­gebens bemüht gewesen war. Beinahe wären ihr doch die Tränen gekommen in jener seligen Stunde.

Da traten die Eltern zu ihnen, und auch durch sie zitterte es wie ein Befremden, als sie, ohne andere Absicht als die eines freundlichen Gefühls, oon der Braut zu dem Knabenbildnis auf und, er­kennend und im Nu sich verständigend, auf jene zurückblickten. Auch sie mochte etwas oon dorther angeweht haben, wo die Geschicke der Menschen er­sonnen und gesponnen werden, aber sie wendeten es, wie es nun einmal in die Hand des Menschen gegeben ist, was auf des Messers Schneide steht, richtig zu entscheiden, in der weisen Güte des Alters dahin, wohin es wohl auch das Lächeln der Vor­sehung, wenn es denn ein Lächeln war, wollte ge­wendet haben. Nun wüßten sie endlich, hieß es mit behutsam-zärtlichem Anlächeln des beglückten Paares, warum Philipp, das Kind, den porzellanenen Amor von früh auf geliebt und was ihn gezwungen habe, den Knaben, die Armbrust als seine teuerste Spielgefährtin so festzuhatten, wie es in dem Werk des berühmten Malers gleichsam verewigt sei. Nun wüßten sie es, und wahrlich, damit nahmen die Alten die Errötende, die sie nun zum ersten Male Tochter nannten, in ihre Mitte, sie könnten es ver­stehen!

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