haben in Stettin und Hamburg kommunistische M o r b e r ausgenommen und sie a u f d e n S ch i f ° fen versteckt, so baß sie ungehinbert ben Kaiser- Wilhelm-Kanal passieren konnten. Es konnte auch festgestcllt werben, baß bie Derop Benzin unb Del u n ben verbotenen Rotfrontkämpfer- b u n b unb an bie „Rote Kavallerie", bie Kurierdienste leistete, auf dem Wege eines Gutscheinheftsystems abgab. Bei einem russischen Direktor der Derop wurde im Schreibtisch ein von russischen amtlichen Stellen herrührender Jnformations- briefdienst gefunden, in dem von angeblichen Greueln die in Deutschland passieren, die Rede ist.
Es wird als sicher angenommen, daß die offiziellen Stellen in Mostar? von diesem Geboren bei der Derop Kenntnis haben mußten. Kommunisten, die unzufrieden waren, haben der Politischen Polizei bestätigt, daß die Derop stets bestrebt gewesen sei, die Kommunistische Partei und deren Organisationen tatkräftig zu unterstützen.
Die Entlohnung am Tag der nationalen Arbeit.
Berlin, 27. April. (WTB. Funkspruch.) Zur Klärung von Fragen, die sich bezüglich der Entlohnung von feiernden Arbeitnehmern am Tag der nationalen Arbeit ergeben haben, wird amtlich verlautbar:
Voraussetzung für die Bezahlung der feiernden Arbeitnehmer ist, daß für sie am 1. Mai tatsächlich Arbeitszeit a u s f ä l l t. Diese Arbeitnehmer sollen nach der Verordnung vom 20. April d. I. so gestellt werden, als wenn sie am 1. Mai gearbeitet hätten. Fällt auf den 1. Mai planmäßig eine Feierschicht, so entfällt die Bezahlung: würde jedoch der Arbeitgeber auf den 1. Mai außerplanmäßig eine Feierschicht legen, so würde eine solche Arbeitsverteilung dem Sinne der Verordnung widersprechen: in diesem Falle würde also der regelmäßige Arbeitsverdienst zu zahlen sein. Hinsichtlich der Höhe der Bezahlung bestimmt die Verordnung, daß der regelmäßige Arbeitsverdienst für die ausfallende Arbeitszeit zu zahlen ist. Ueberstunden sind hiernach regelmäßig nicht zu bezahlen, weil nicht damit gerechnet werden darf, daß sie über die normale Arbeitszeit hinaus geleistet worden wären. Den Akkordarbeitern ist der durchschnittliche Akkordverdienst ihrer Gruppe zu zahlen, damit sie den regelmäßigen Arbeitsverdienst im Sinne der Verordnung erhalten. Die vorstehenden Grundsätze greifen nicht Platz, soweit tarifliche Bestimmungen eine andere Bezahlung ausfallender Arbeitszeiten an Wochenfeiertagen vorsehen.
Für Arbeitnehmer, die am 1. Mai notwendige Arbeiten zu machen haben, wird folgendes zu gelten haben: Ist im Arbcits- oder Tarifvertrag für Arbeit an Wochenfeiertagen ein Zu - Ich l a g vorgesehen, so ist dieser Zuschlag auch ü r d i e Arbeit am 1. M a i zu zahlen. Sind ür die Wochenfeiertage Zuschläge in verschiedener Höhe vorgesehen, so ist der für ben Neu- jahrstag vorgesehene Zuschlag zu zahlen.
Kammerwahlen in den Niederlanden.
Amsterdan, 26. April. (CND. Eigene Meldung.) Die Neuwahlen zu der am 15. Februar d. 3. aufgelösten Zweiten Kammer fanden heute unter reger Beteiligung statt. Die Zweite Kammer hallte seinerzeit einem Gesetz der Regierung, das eine Tlmgestaltung der Land- und Amtsgerichte aus Ersparnisgründen vorsah, die Zustimmung versagt und war deshalb von
Die stummen Gäste von Zweilinden
Roman von Anny vonpanhuys.
Copyright by Belletristische Korrespondenz Bechthold.
26 Fortsetzung. Nachdruck verbotenl
Bestürzt brachte Konrad von Zweilinden ein Glas Wasser, und Frau Bettina trank in langen, gierigen Zügen, wie eine völlig Erschöpfte.
Er sagte leise und besorgt: „Ich bitte dich, Mutter, wenn es dir irgend möglich ist, bann sprich. Ich mache mir Vorwürfe, dich zu sehr erschreckt zu haben, aber glaube mir, ich hoffte, dich angenehm zu über- 1 raschen mit der Neuigkeit, daß Angela doch in jeder Weise würdig ist, Frau von Zweilinden zu werden. Ich begreife nicht, warum du darüber so die Fassung verloren hast."
Frau Bettina riß sich gewaltsam aus der Erstarrung, in die sie die Nachtricht versetzt, und sie fragte mit Nachdruck: „Erinnerst du dich noch an den Tag meiner silbernen Hochzeit?" Sie unterbrach sich- „Aber, wie könntest du ihn vergessen, dein Vater starb ja an dem Tage. Und nun denke einmal an bas, was bu an bem Tage, vormittags, dem Vater unb mir schenktest. Weißt bu es noch? Es war kein Buch unb kein Schmuckstück, es war nur ein Versprechen. Wie schwer es wog, darüber mochtest du dir wohl damals kaum klar gewesen sein. Damals habe ich über das Versprechen gelächelt und wie dein Vater gefunden, bu machtest dir bas Schenken reichlich bequem, heute aber scheint mir bas merkwürbige Geschenk wertvoller als alle Geschenke zu sein, bie Vater unb ich zur Silberhochzeit erhielten. Denn heute brauche ich es, heute ist ber Tag ba, wo ich es dir wie einen Scheck vor- lege unb bestimmt erwarte, baß bu es sofort einlösen wirst."
Konrab von Zweilinben wich einen Schritt zurück, unb seine Stimme gehorchte ihm kaum, als er sagte: ?2ch versprach bem Vater unb bir barnals, wenn ich eines Tages baran benken würbe, mich zu verheiraten unb bem Vater ober bir gefiele bas Mäd- chen nicht, bas ich mir ausgesucht, bann hättet ihr das Recht, einen Verzicht von mir zu fordern. Ich erinnere mich ganz genau an den Inhalt meines Versprechens, bäs ich euch schenkte, weil ich beim besten Willen kein Geschenk für euch fanb, unb 'ch euch nichts schenken wollte, was euch alle West schenkte." Er atmete hörbar. „Unb an bas Der- sprechen, bas bu selbst barnals so wenig ernst genommen hast wie ber Vater, mahnst bu mich jetzt, wo ich als ber glückseligste Mensch auf Erben zu bir gekommen bin, um dir von Angela unb meiner großen Liebe zu ihr zu reben. Unb von meiner Freude, weil Angela in jeber Weise bie passenbe Frau für mich ist Mutter, stört es dich so sehr, baß Angela nur eine Blumenmacherin ist, nur eine Blumenoerkäuferin, unb baß sie bisher gelebt wie
Wie Polen das Deuischiuni in Ost-Oberschlesien drangsaliert.
Die Verhältnisse in Dst-Dberschlesien spitzen sich immer mehr zu. Die deutsche Bevölkerung lebt wieder unter dem schärfsten polnischen Druck wie in den Tagen der Wahlen zum polnischen Sejm. In den Städten werden in allen Straßenecken aufreizende Plakate gegen das Deutschtum angebracht. In den Plakaten wird die polnische Bevölkerung aufgefordert, sogar den Gebrauch der deutschen Svrache innerhalb der Familien zu verfolgen. In Königshütte fand am Sonntag eine große polnische Kundgebung statt. An ber Kund- gebung nahmen auch Vertreter ber Staats- unb Kommunalbehörden, so ber Lanbrat, ber erste Bürgermeister, ber Polizeibirektor unb anbere polnische Persönlichkeiten teil. Die Rebner hetzten in ber blutrünstigsten Weise gegen Deutschland. Es wurden unglaubliche Behauptungen aufgestellt. So wußte man von angeblichen Meuchelmorden zu berichten, die in Deutschland an Angehörigen der polnischen Minderheit verübt worden fein sollen. Der Nationalsozialismus wurde als eine hysterische Attacke der Deutschen gegen die polnische Grenze dargestellt, gegen bie sich bas ganze polnische Volk roenben würbe. Es blieb nicht bei biesen Kundgebungen. In Lublinitz wurde nach einer ähnlichen Demonstration der Geschäftsführer des Deutschen Volksbundes überfallen und mißhandelt. Einem deutschen Abgeordneten wurden in Hohenlohe-Hütte die Fenster eingeschlagen.
Der Deutsche Dolksbund zur Wahrung der Minberheiten-Rechte hat sich, nachdem die offiziellen Schritte des deutschen Gesandten in Warschau und des deutschen Generalkonsuls in
Kattowih erfolglos gewesen sind, direkt mit dem Wojewoden von Kattowih in Verbindung gesetzt, um ihn aufzufordern, Maßnahmen zu treffen, die verhindern können, daß Oberschlesien erneut 5um Schauplatz blutiger Ereignisse werd«. Die Vertreter des Deutschen Dolksbundes, Tllih und Dr. Pant, protestierten gegen die Sprache des Alarm-Aufrufs der Aufständischen und gegen die bereits begangenen Ausschreitungen, durch die die Lage außerordentlich verschärft worden sei. Der Woiewode, es ist immer >>oey jener berüchtigte Dr. Grazynski, dessen Abberufung der Völkerbund seinerzeit ben Warschauer Behörden nabegelegt hatte, erklärte nur, daß er die Sicherheitsmaßnahmen noch verschärft habe und entschlossen sei, die Ordnung unter allen Umständen aufrecht zu erhalten. Was Dr. Grazynski unter Aufrechterhaltung der Ordnung versteht, ist ja aus den Tagen des polnischen Wahlkampfes bekannt.
Der Präsident der gemischten Kommission, der Schweizer Bundesrat Cal and er, verfolgt die Entwicklung der Verhältnisse in Oberschlesien mit Aufmerksamkeit. Er hat Vertretern der deutschen Minderheit in Kattowitz erklärt, entschlossen zu fein, alle ihm zu Gebote stehenden Möglichkeiten zum Schutze der deutschen Bevölkerung auszuschöpfen. Diese Erklärung befriedigt die deutsche Minderheit nicht, sie verlangt, daß der Präsident der gemischten Kommission seine ganze Autorität einsetzt, um drohende Zwischenfälle zu verhindern und sich nicht darauf beschränkt, abzuwarten, bis erst die Beschwerdefälle an ihn herantreten.
bem Ministerpräsidenten Ruhs b e D« eren- brouk aufgelöst worben.
Es werben insgesamt 100 Abgeordnete gewählt. Sn ben Nieberlanben besteht Wahlpflicht. Seber Arbeitgeber muß seinen Angestellten mindestens eine Stunde für die Abstimmung freigeben.
Aus Grund des vorläufigen Gesamtergebnisses der Wahlen zur Zweiten Kammer verteilen sich bie 100 Abgeordnetensitze auf bie einzelnen Parteien wie folgt: Römisch-katholische Staatspartei 28 (1929: 30), Antirevolutionäre Partei 14 (12), Christlich-Historisch« Partei 10 (11), Sozialdemokraten 22 (24), Liberale 7 (8), Demokraten 6 (7), Kommunisten 4 (2), Reformierte Staatspartei 3 (3), Protestantische Reformpartei 1 (1), Rationaler Bauernbund 1 (1), Verband für den nationalen Wiederaufbau 1 (0), Römisch-katholische Volkspartei 1 (0), Christlich-Demokratische Partei 1 (0), und Revolutionäre Sozialisten 1 (0). Von den 53 Parteien unb politischen Gruppieren haben es also nur 14 zu Mandaten gebracht.
Aus oder Wett.
Einweihung der neuen Brücke zwischen Mestre und Venedig.
.Am Festtage des heiligen Markus, des Schutz- Patrons van Venedig, wurde die kolossale Brücke über bie Lagunen, die Mestre mit Venedig verbindet und der Trennung der Stadt vom Festlande eine Ende bereitet, ihrer Bestimmung übergeben. Die neue Straße hat eine Länge von 10 Kilometer. Sie besteht aus 228 Bögen über ben. Lagunen, einer großen Brücke über den Marghera- Kanal, zwei je 24 Meter breiten Gewölben über den Canale Grande, drei Eisenbahnoiadukten, einer Brücke über den Scovezera-Kanal, einem Platz von 40 000 Quadratmeter, einer Garage für 1800 Kraft
wagen und einem Netz von Nebenstraßen, die eine Gesamtlänge von 8 Kilometer haben. Die Brücke kostete 40 Millionen Lire und ist aus istrianischen Steinen erbaut. Weitere 40 Millionen Lire find für dazu gehörigen Bauten verwandt worden. Vor dem Platz, wo die Brücke endet, beginnt ein neuer Wasserweg, der Rio Nuovo, der die Entfernung zwischen dem Canale Grande und dem San Marco-Platz abkürzt. Die feierliche Einweihung fand in Anwesenheit des Prinzen und der Prinzessin von Piemont statt, denen die Bevölkerung begeisterte Kundgebungen bereitete.
Ein drittes Todesopfer der Granatenexplafion von Rösberg.
Sn einem Walde bei Rösberg in ber Nähe von Bonn waren, wie bereits gemeldet, zwei spielende Kinder durch Explosion einer anscheinend aus dem Kriege zurückgebliebenen Granate getötet und zwei lebensgefährlich verletzt worden. Das eine der beiden schwerverletzten Kinder ist inzwischen seinen Verletzungen erlegen, das andere schwebt noch in Lebensgefahr. Ferner erlitten noch mehrere Kinder bösartige Splitterverletzungen.
Die Erdstöße in der Türkei dauern an.
Begleitet von schweren Unwettern setzten sich, wje aus Angora gemeldet wird, in den Distrikten Dadya und Rechadiye die E r d st ö ß e weiter fort. Im Laufe der vergangenen Nächte wurden 140 Häuser durch das Erdbeben vernichtet.
Die Stieftochter aus Unvorsichtigkeit erschossen.
Sn der Zeughausstrahe in Kassel wurde die 17jährige Herta Butte durch einen Bauchschuß tödlich verletzt. Shr Stiefvater hatte eine Pistole, von ber er irrtümlicherweise annahm, bah sich im Ladestreifen keine Patrone befand, beim Reinigen des Laufes abgedrückt. Dabei war die Stieftochter von ihm unbemerkt in die Schuß
linie geraten und von der Kugel in ben Leib getroffen worden. Das Mädchen starb nach kurzer Zeit.
Deutscher Farbenring.
Dom 3. bis 5. Suni (Pfingsten) findet in Goslar am Harz die 2. Dundestagung des Deutschen Farbenringes, Bund der farbentragenden Korporationen, statt. Als einziger Verband, welcher nur H. T. L-Korpora- tionen aller technischen Fachrichtungen umfaßt, ladet der D. F. R. alle Sntereffenten zu dieser Tagung ein.
Politisches Attentat in Sofia. — Ein Woiwode erschossen.
Vor dem Renaissance-Theater in Sofia wurde ein mazedonisches Attentat verübt. Der den Michailowisten angehörende ehemalige Wojwode Paraspunow wurde von drei Burschen, davon einer mit Studentenmühe, übersatten unb durch drei Schüsse getötet. Von den Mördern, die nach der Tat flüchteten, konnten zwei gefaßt werden. Bei ihrem ersten Verhör gaben sie an, daß sie der mazedonischen Gruppe Proto g e r o w angehören und die Bluttat auf Befehl ihres Revolutionskomitees verübt hätten. Der neue mazedonische Mord zeigt, daß die seit einiger Zeit von bulgarischer Seite unternommenen Vermittlungsschritte zwischen den beiden sich bekämpfenden mazedonischen Fronten gescheitert und der gegenseitige Vernichtungskrieg neu aufgelebt ist.
Schwere Explosion in einem Braunkohlenkraftwerk. Ein Toter, zehn verletzte.
Sm Braunkohlenkraftwerk Deutzen in Dorna bei Leipzig ereignete sich eine schwere Explosion. Bier Arbeiter erlitten schwere unb sieben leichtere Verletzungen. Don ben Schwerverletzten ist einer gestorben.
vier Todesopfer eines Gasunglück» in Plauen.
Ein schweres Gasunglück, dem vier Personen zum Opfer gefallen sind, hat sich in Plauen ereignet. Man fanb bort ben 35jährigen Kraftwagenführer Alfred Blüh er vor seiner Wohnung in nahezu bewußtlosem Zustand« auf. Sn der Wohnung lagen die 33 Sahre alte Ehefrau Blühers unb seine drei Kinder im Alter von 8, 7 und 1 Sahr t o t in den Betten. Dis Mutter hatte für das kleinste Kind Milch auf dem Gaskocher gewärmt, bann aber infolge eines Dersehens den Zuleitungshahn nicht toieber völlig geschlossen, so daß das "Gas ungehindert aus- ftromen konnte, nachdem sich die Famttie zur Ruhe begeben hatte. Der Ehemann erwachte durch ben Gasgeruch und konnte, schon halb bewußtlos, um Hilfe rufen.
Wettervoraussage.
Während es in West- und Süddeutschland bereits zu Niederschlägen gekommen ist und im Süden die Niederschlagstätigkeit noch onhätt, hat sich bei uns das trockene Wetter erhalten. Die stabilen Verhüll- nisse in Luftzufuhr und Druckoerteilung scheinen auch zunächst bei uns den Witterungscharakter nicht wesentlich zu ändern, wenn auch Bewölkung auftritt und vereinzelt Möglichkeit zu etwas Niederschlag besteht.
Aussichten für Freitag: Stellenweise dunstig ober neblig-wolkig, sonst aufheiternd, trocken, warm.
Aussichten für Samstag: Fortdauer der herrschenden Wellerlage.
Lufttemperaturen am 26. April: mittags 14,6 Gr. Celsius, abends 9,9 Grad: am 27. April: morgens 4,9 Grad. Maximum 15 Grad, Minimum 1,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 26. April: abends 14,3 Grad: am 27. April: morgens 8,9 Grad Celsius.
ein richtiges Kind des Volkes? Kann so etwas meine Muller stören?"
„Ich bitte dich um das Einhalten deines freiwilligen Versprechens, Konrad, ich habe Gründe, dich darum zu bitten, und bin sicher, du weigerst dich nicht, denn ich weiß, ein Zweilinden bricht tein Versprechen."
Konrad erwiderte ohne Besinnen: „Nein, ein Zweilinden bricht kein Versprechen, aber weh tut es mir doch über alle Maßen, Mutter, daß du mich an das Geschenk erinnert hast. Es kann für dich keinen anderen Grund geben als ben, bu willst dich nicht mit bem Gebauten befreunden, daß ich ein Mädchen heirate, das bis jetzt in ärmlichen Verhältnissen gelebt hat." Er setzte bitter hinzu: „Ich glaubte stets, mein Lebensglück wäre bir bas Wichtigste auf Erben. Du hast es mir oft versichert, unb aus all ber Besorgnis unb Liebe, bie bu mir immer bewiesen, meinte ich es überzeugen!) zu spüren. Deine Mutterliebe tritt jetzt nur beshalb weit zurück, weil es bich stört, eine kleine Blumenvertäuferin als Schwiegertochter anzuerkennen", ermiberte Konrab.
Frau Bettina hatte schweigen wollen, sie hatte vor bem Sohne nicht bie Vergangenheit erst herauszerren wollen aus bem Dunkel, um ihm zu beweisen, warum Angela Speerau nicht seine Frau werben burfte. Aber nun zweifelte er ihre Mutterliebe an. Das tat weh. An biefer Stelle war sie empfindlich.
Sie sah ihn traurig an. „Gab ich bir jemals Grund, mich so gering einzuschätzen, Konrad, wie bu es eben getan? Aber ich kann wohl nicht von dir verlangen, bu sollst ein Versprechen halten unb dich blinb fügen. Das Mäbchen ist betörenb schön, unb vielleicht ist es auch ut unb sogar in Wahrheit ein Engel. Angela heißt ja Engel. Aber trotz allem, selbst wenn ich einsähe, sie würbe bich glücklich machen, bleibe ich babei: Erfülle jetzt bein Versprechen! Aber ich werbe bir bie Gründe zu meinem Verlangen nennen, damit du nicht weiter so gering von deiner Muller denkst."
Konrad wehrte ab. „Nein, Mutter, ich will nichts wissen, verzeih, wenn bich meine Worte kränkten, aber ich bin überzeugt, bu mußt wirklich überaus gewichtige Grünbe zu beiner Forberung haben. Sonst hättest bu bich auch anbers verhalten."
Frau Bettina schüttelle ben Kopf. „Es freut mich, daß bu bas von mir glaubst, aber nun wir einmal so weit finb, ist es besser, bu erfährst alles. Du würdest den Gedanken ja doch nicht loswerben, warum ich so hanble." Sie lächelte flüchtig. „Wohl sah ich Schwierigkeiten, als ich merkte, bu hattest bein Herz an bie Blumenoerkäuferin verloren, aber ba störte es mich wirklich nur, daß biese Angela einer so völlig anberen Lebenssphäre entstammte als du. Ich fürchtete, sie könnte kaum lesen unb schreiben, unb fürchtete weiter, bu müßtest später darunter leiden, wenn man vielleicht im ganzen Kreise Witze reißen würde, wie einfältig bie junge Frau von Zweilinden wäre. Nun ber Grunb fortfällt, mochte 'ch gern, o wie gern sagen: Heirate bas Mäbchen,
werde glücklich mit ihr: aber ich darf es nicht tun. Jetzt wäre es mir fast lieber, sie könnte nicht einmal ihren Namen schreiben, wenn dieser Name nur ein anderer wäre." Ihre Augen blitzten: „Der Name Speerau ist für mich ber oerachtungswürbigste, ben es gibt auf bem großen, weiten Erbenrund, unb biefes Mädchen, bas ihn trägt, barf niemals Zweilinben betreten."
„Mutter, bas klingt alles so seltsam, so befrem- benb!" rief Konrad und blickte die blasse Frau bittend an. „Sprich deutlicher, sage mir rasch, was hängt an bem Namen? Mir kam er bekannt vor, aber ich legte keinen besonderen Wert weiter barauf."
„Setze bich erst, Konrad", bat Frau Bettina, unb als er ihr gegenüber Platz genommen, begann sie: „D . warst noch gar nicht auf ber Well, unb ich hieß noch Bettina Claudius, als Wulf Speerau ber Schloßherr auf Wiesental war, auf unserem Nachbargut, bas seitbem schon burch mehrere Hände ging."
Konrab nickte. „Natürlich, jetzt weiß ich, woher ich ben Namen Speerau kenne. Manchmal, aber ganz selten, klang er noch in unserer Gegenb auf."
Frau Bettina fuhr fort: „Graf Speerau ver- schwanb schon aus Wiesental, ehe ich beines Vaters Frau mürbe. Die Schulben trieben ihn fort, aber auch bie Schaube, er war ein Boykottierter, ein von ber Nachbarschaft völlig Gemiebener, unb boch — ehe es erst soweit kam war er ber Mann gewesen, dem mein Herz gehörte, in bem ich ben zukünftigen Gatten sah."
Konrad machte eine nervöse Handbewegung. „Dann warst du also mit dem Grafen Speerau verlobt?"
„Nur heimlich verlobt. Ehe die Verlobung offiziell werden konnte, hörte er, ich fei nicht bie Erbin von Zweilinben, wie er geglaubt, unb bas kühlte seine kurz zuvor noch so heiße Liebe ab. Allerdings erbte ich Zweilinden bann boch, unb über ihm brach alles zusammen."
Sie erzählte genau alles, was einmal geschehen, was ihr viel Leid und Sorge bereitet, und was sich bann boch noch so gut für sie gelöst. Sie erzählte auch, baß sein Vater Wulf Speerau mit ber Peitsche bie Straße hinaufgejagt unb ihm bann eine Genugtuung verweigert, weil man sich mit einem Ehrlosen nicht buelliert.
Konrad hörte alles und dachte babei an ben schmalen, großen Mann mit bem beinahe weißen Haar über bem verfallenen Gesicht. Er begriff jetzt, warum Wulf Speerau so zurückhaltend gewesen, nachdem er erfahren, man stammte aus derselben Gegend Deutschlands.
Aber er verstand jetzt auch seine Mutter. Nicht aus kleinlichen Gründen hatte sie ihn an sein Ver- sprechen erinnert. Und als sie zu Ende war mit ihrer Erzählung, reichte er ihr die Hand.
„Verzeihe mir, Mutter, weil ich schuldig bin, daß ■bu nun alle bie bösen Erinnerungen herauskramen mußtest; aber ich bezweifle jetzt wenigstens nicht mehr deine Liebe zu mir. Ich sehe ein, ich darf es I
dir nicht zumuten, Angela in Zweilinben willkommen zu heißen- es wäre zuviel von bir verlangt. Und dieser Vater würde geradezu eine Katastrophe bedeuten. Er könnte boch niemals nach Zweilinben kommen. Angela aber würbe sich kaum für immer von ihm trennen wollen, unb es wäre herzlos, ihr die Wahrheit über ihren Vater zu enthüllen."
Er sprang auf, lief mit allen Anzeichen heftiger innerer Erregung auf unb ab über bie teppich- belegten Steinplatten.
Frau Bettina tat es bitter leib, baß sie dem geliebten Sohn nicht helfen konnte, daß er seiner Liebe entsagen mußte. Sie beobachtete ihn unb dachte bekümmert, sie hätte jetzt wer weiß was dafür gegeben, wenn sie anders handeln dürfte.
Konrad machte vor der Mutter hall. „Wir wollen es bei der Abreise morgen lassen. Ich werde Angela ein paar Zeilen schreiben, damit ist bann ber kurze Traum enbgültig zu Enbe."
Frau Bettina streichelte seine Rechte. „Geh nur, lieber Konrab, geh, ich will bermeil ein wenig einpacken", gab feine Mutter zurück.
Aber sie packte nicht, sie hatte wieder an der offenen Balkontür Platz genommen unb sann ohne Unterlaß darüber nach, warum bas Schicksal bie beiben jungen Menschen zusammengeführt, um sie gleich barauf wieber für immer zu trennen.
Konrad von Zweilinden aber setzte sich in seinem Zimmer an den Schreibtisch und grübelte, was sollte er Angela schreiben, da er ihr, um sie zu schonen, die Wahrheit nicht erklären durfte.
Ihm fiel ein, sie halle von ihm gefordert, wenn seine Mutter Schwierigkeiten machen würde und ihr der Gedanke vielleicht nicht angenehm wäre, sie als seine Frau zu sehen, bann sollte er es nicht auf Kämpfe ankommen lassen, fonbern sich fügen.
Diesen Grund mußte er anführen. Er schrieb, und seine Rechte bebte babei ein wenig:
„Meine über alles geliebte Angela!
Leiber ist meine Muller gegen unsere Ehe unb ich füge mich, weil Du es so wolltest. Ich werbe Dich niemals vergessen unb wünsche Dir recht viel Glück für Dein ferneres Leben.
Lebe wohl. Du mein schönes Lieb!
Dein Konrad von Zweilinden."
Er adressierte den Brief an „Senorita Angela Esperao" und fuhr mit der Untergrundbahn bis zur Station Borbeta. Von bort aus ging er nach dem Stadtviertel Coll Blanch bis in die Nähe des Häuschens, in bem er erst ein einziges Mal gewesen war, besten Lage er sich aber gut gemerkt hatte. Hier gab er einem urnherlungernben Jungen ben Brief, zeigte dann auf das deine, windschiefe Haus.
Der Junge las bie Adresse und begriff, was ber Fremde von ihm wollte. Für alle Fälle fragte er noch: „Esta carta es para la senorita Angela Esperao verdad?“
unb Konrad Zweilinden nickte als Antwort auf die Frage, die auf Deutsch hieß: „Dieser Brief ist für Fräulein Angela Esperao, nicht wahr?"
(Fortsetzung folgt),


