Montag, 27.mar.n955
185. Jahrgang
Nr. 75 KrübauSsabe
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GietzeimAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Ehesredakteur
Dr. ftricbr. Will). Lange. Verantwortlich für‘Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr jS.'Ihnnot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und tllr den Anzeigenteil i.B. Th.Klimme! sämtlich «n Wiegen.
Minister Göring gegen die deutschfeindliche Greuelpropaganda.
Die Wahrheit findet immer mehr Verkünder.
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Berlin. 25. Mär-. (TLl.) Der kommissarische Innenminister Goring empfing heute die getarnte ausländische Presse, um ihr bedeutsame Erklärungen über die Borgänge in Deutschland abzugeben, die dazu dienen sollten, die Vreuelnachrichten im Ausland über Pogrome in Deutschland zu widerlegen.
Goring erklärte einleitend, die Regierung sei erschrocken, empört und schließlich sassungSloS gewesen über daS, was im AuSlande über die Zustände in Deutschland geschrieben werde. In Wirklichkeit habe Deutschland seine nationale A userstehung gefeiert und ein Bolk habe sich endlich zusammengesunden.
Seit dem 30. Januar habe sich eine Revolution in Disziplin vollzogen, und, abgesehen von einigen bedauerlichen Ausnahmen, sei in Deutschland niemandem etwas zu Leide getan worden, jedenfalls bei weitem nicht so viel wie 1918, als die Revolte des Spartakismus die kommunistische Weltdämmerung eingeleitet habe.
GS gebe in Deutschland nicht einen Menschen, dem ein Fingernagel abgehackt oder ein Ohrläppchen abgezwictt worden sei, und das Augenlicht h"!ten alle behalten. Die Zahl der Toten sei tägl.ch nicht h her gewesen, als die der politischen 3tDi|u).n|ällc der vergangenen Jahre. <88 habe sich nicht einmal ein Dutzend Zusammenstöße ereignet, bei denen eS Tote gegeben habe. 2n der ausländischen Presse seien mast lose und schamlose Entstellungen über die Zustande in Deutschland erschienen, nur deshalb, weil das nationale Deutschland es gewagt habe, jene, die seine Ehre zerstör t hätten, aus ihren Aemtern und Pfründen zu wer- s c n und in Schutzhaft zu nehmen. Gr bestreite nicht, dast mehrere tausend kommunistische Funktionäre verhaftet worden seien, aber diese wurden genau so behandelt, wie jeder andere Gefangene auch. Wo Ucbergriffc vorgekommen seien, habe die Regierung alles getan, um diese Vorgänge abzustellen. Gs habe auch Fälle gegeben, wo Juden sestgenommen und geschlagen worden seien. Er könne aber versichern, dast bereits eine ganze Reihe Angehöriger nationaler Verbände, die sich ilebergrlffc hätten zu» schuldenkommen lassen, bestraft und entlassen worden seien.
wo etwas geschehen sei, habe die Regierung durchgegrifsen. Der beste Beweis dafür sei die Tatsache, dast seit einer Woche jegliche Uebcr- grisse ausgchört hätten. Die Regierung habe unerhört scharfe Bestimmungen gegen derartige llebergrifse erlassen, und sie gehe mit ganz besonderer Energie gegen diejenigen vor, die Ausländer belästigen würden.
An einem Beispiel in Köln wies der Minister nach, dast ganz gewöhnliche Verbrecher in Uniform sich hätten Uebergriffe zuschulden kommen lassen. Da, wo Kommunisten oder andere Personen als Provokateure tätig seien, um diplomatische Verwicklungen hervorzurufen und der Regierung Schwierigkeiten zu bereiten, werde die Regierung mit drakonischen Strafen vorgehen. Riemals feien Uebcrgriffc von der Regierung gefordert, oder geduldet worden. Zwar feien Rat- häuser befehl und vereinzelte Geschäfte vorübergehend geschlossen gewesen, aber niemals fei auch nur ein einzigesWarenhaus geplündert worden.
„Die Regierung und ich selber dulden niemals, dast jemand einer Verfolgung ausgesetzt ist nur deshalb, weil er Jude ist. Wenn die Regierung Mastnahmen gegen eine Ueberwucherung des jüdischen Clements ergreift, dann ist das ihre Sache. Man darf nicht vergessen, dast im Volke eine starke antisemitische Stimmung vorhanden ist. Aber, wenn trotzdem die Geschäfte offen sind, dann ist das em Beweis für die eiserne Disziplin, von der die nationale Erhebung begleitet war."
Alle die völlig entstellten Gerüchte hätten ihren Ursprung in den internationalen Beziehungen marxistischer Kreise. Aber auch vom Judentum selbst sei im Auslande eine Hetze gegen Deutschland inszeniert worden. Angeblich werde daS deutsche Volk unterdrückt, während in Deutschland in Wirklichkeit ein politischer Frühling angebrochen sei. Wenn heute nochmals gewählt werden würde, dann würden n.cht 20, sondern 30 Millionen Deutsche für die nationale Regierung stimmen.
Die weit müsse Deutschland danken, dast cs die abendländische frultur vor dem Bolschewismus gerettet habe.
Wenn er, Göring, die sozialdemokratischen Zeitungen in Preusten verboten habe, dann nur deshalb, weil die Presse der marxisti- schen Internationale im Ausland Heye. Solange die ausländische sozialdemokratische Presse in so gemeiner Weise Deutschland befch mpfe, so lange würden in Deutschland keine sozialdemokratischen Zeitungen mehr erscheinen.
Wenn der jüdische Staatsbürger sich in gewissen Grenzen halte, werde ihm auch unter der neuen Regierung nichts passieren. Die Reichsregierung und die preußische Regierung seien bestrebt, jedes Mittel zu ergreifen, um Disziplin. Ruhe und Ordnung ausrechtzu-
Reichsminister Göring bei feiner Ansprache an die
erhalten. Die Beruhigung in Deutschland werde mit jedem Tage gröster.
Die Ausführungen des Ministers Göring fanden außerordentlich starken Beifall der ausländischen Journalisten. Eine Anzahl von ihnen erhielt besondere Ausweise, um die Gesäng- niffe z u besichtigen und sich durch eigenen Augenschein zu überzeugen, wie verlogen die Greuelnachrichten über die politischen (befangenen sind.
Vizekanzler von papen klärt Amerika auf.
Berlin, 25. März. (WTD.) Amtlich wird mitgeteilt: Auf eine telegraphische Anfrage der Deutsch-amerikanischen Handelstammer in Reu- hork betreffend angebliche Ucbergriffc gegen amerikanische Gefchäflsin crcffen un s onst.ge Ausschreitungen hat Vizekanzler v. Papen heute in einem ausführlichen Antworttabei geantwortet, daß diese Rachrichten jeder Begründung entbehrten. Das GeschästSleben verlaufe durchaus normal und irgendwelche Klagen über Beeinträchtigungen amerikanischer Inter- elfcn seien auch von der hiesigen amerikanischen Handelskammer nicht gemeldet worden. Vizekanzler v. Papen nimmt dann weiter scharf Stellung gegen die im Ausland verbreiteten Greuelrneldungen und betont, daß
die nationale Revolution, deren Ziel sei, Deutschland von schwerer kommunistischer Gefahr zu befreien und die Verwaltung von minderwertigen Elementen zu säubern, sich in bemerkenswerter Ordnung vollzogen habe.
Gewiß seien einige beklagenswerte Uebergrisfe vorgekommen, die aber nach der scharsen Erklärung des Reichskanzlers vom 12. März unterblieben seien. Hunderttausend«: von Juden lebten in Deutschland völlig unbehelligt. und der Betrieb zahlreicher jüdischer Ge- schäste und Derlagshäuser verlaufe normal und ungestört. Die in Amerika verbreiteten gegenteiligen Rachrichlen stammten offenbar aus Quellen, die ein starkes Interesse daran haben/ die freundschastlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika zu vergiften und die nationale Regierung, obwohl sie sich auf die Mehrheit des deutschen Volkes stütze, bei dem amerikanischen Volk systematisch zu diskreditieren.
Der Reichsbund jüdischer Jronl- soidalen gegen die Hetze.
Anndgcbnng an die amerikanische Botschaft in Berlin.
Berlin, 25. März. (WTD.) Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat an die Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in Berlin das nachstehende Schreiben gerichtet:
„Wir erhielten Kenntnis von der Propaganda, die in Ihrem Lande über die angeblichen Greuel tat en gegen die Juden in Deutschland gemacht wird- Wir halten es für unsere Pflicht, nicht nur in vaterländischem Interesse, sondern auch im Interesse der Wahrheit zu diesen Vorgängen Stellung zu nehmen- Es sind Mißhandlungen und Ausschreitungen vorgekommen, die zu beschönigen gerade uns bestimmt fernliegt. Aber derartige Exzesse sind bei keiner Umwälzung vermeidbar.
Wir legen Wert auf die Feststellung, dast die
Berichterstatter der ausländifchen Zeitungen.
Behörden in allen uns bekannt gewordenen Fällen energisch gegen Ausschreitungen vorgegangen sind, wo immer die Möglichkeit des Eingreifens vorlag. Die Ausschreitungen wurden in allen Fällen von unverantwortlichen Elementen unternommen, öle sich Im verborgenen hielten. Wir wissen, dast die Regierung und alle sührenden Stetten die oorgcfallencii Gewalthandlungen ausv schärfste inistbittigen.
Es ist aber auch unseres Ermessens an der Zeit, von der unverantwortlichen Hetze a b z u r ü ck e n, die von sogenannten jüdischen Intellektuellen im Auslande gegen Deutschland unternommen wird- Diese Männer, die sich zum überwiegenden Teil nie als Deutsche bekannten, ihre Glaubensgenossen im eigenen Lande, für die sie Vorkämpfer du sein vorgaben, Im kritischsten Augenblicl im Stiche ließen und i n s Ausland flüchteten, haben das Recht verwirkt, in d e u t s ch - j ü d i s ch e n Angelegenheiten mitzureden.
Ihre aus sicherem versteck abgeschofsenen Pfeile schaden wohl Deutschland und den deutschen Juden, aber sie dienen den Schützen selbst gewiß nicht zur Ehre. Ihre Berichte strotzen von llcberkelbungen.
Wir waren der Botschaft der Bereinigten Staaten sehr dankbar, wenn sie dieses unser Schreiben, das wir in vollem Berantwortungs- gefühl für das, was wir damit auSsprechen, der Botschaft überreichen, unverzüglich nach Amerika fabeln würde Der unterzeichnete Bund ist bereit, die entstehenden Kosten zu übernehmen." Amerikaner gegen den Lügen-
feldzug in Amerika.
Köln, 25. Mörz. (TU.) Die Zweigstelle Köln der Amerikanischen Handelskammer feilt mit: Beunruhigende Nachrichten in der deutschen Presse über die Bemühungen bestimmter Kreise in den Bereinigten Staaten zur Herbeisührung eines Boyko11s deutfchcr Waren haben der Kölner Zweigstelle der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland Bcranlafsung gegeben, nachstehendes T e l e g i a m m an d i e N a l i o n a l e H a n d e l s - k a m m e r der Vereinigten Staaten in Washington zu senden:
„Heutige Sitzung des geschäslssührenden Ausschuß ses, bestehend aus ausschließlich amerikanischen Vertretern amerikanischer Firmen, bedauert die Möglichkeit eines Boykotts gegen deut« Iche Waren, wie in der deutschen Presse berichtet. Unsere feste Ucberzeugung ist es, dast die Boykottbewegung gegen die ureigensten amerikanischen Interessen oerstöstt, insbesondere angesichts m i aktiven Handelsbilanz der Vereinigten Staaten und der mit Sicherheit zu erwartenden deutschen Gegen- Maßnahmen.
Wir haben bisher nicht scstgeslellt, noch erwarten wir Eingriffe gegen Personen oder Eigentum amerikanischer Firmen oder Staatsangehörige infolge politischen Umschwunges in Deutschland."
Weiter heißt es in der Mitteilung: „Darüber hinaus haben die Amerikanische Handelskammer in Deutschland und die ihr nahestehenden Kreise Fühlung mit maßgebenden Stellen genommen, um ihre Dienste dafür zur Verfügung zu stellen und daraus hinzuwirken, daß ein unversälschlicher Bericht über Deutschland dem amerikanischen Volke möglichst bald ein wahres Bild von den tatsächlichen Geschehnissen und Vorgängen in Deutschland geben wird. Wenn auch die in Deutschland lebenden Ame
rikaner der Angesicht sind, dast hinter diesen Bestrebungen in Amerika lediglich^ b e st l m m t c Kreise stehen, die sich hierbei der Sensations^'resfe bedient haben, so halten sie e» doch in ihrer oorge für die
Aufrechterhaltung der bestehenden sreundschast- lichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern ür dringend wünschenswert, dast mit tunlichster Be- chleunigung alles geschieht, um solchen Bestrebungen n i hren Anfängen wirksam entgegen» 3 u t r e t e n."
Zum Schluß heißt es nach, daß ähnliche leie« grainme von der Berliner Zentrale und anderen Zweigstellen der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland abgesandt worden sind.
Es dämmert
im amenkamschen Volke.
Wasbington, 25. März. (WTB.) Das Staatsdepartement, das ebenso wie daS Weiße Haus in der Frage der jüdischen Protest« gegen die deutsche Retchsregierung sich konsequent zurückhaltend und mäßigend verhielt, ist auch jetzt bemüht, vor einer falschen Meinungsbildung zu warnen. Trotz zahlloser Forderungen nach Protesterhebung Ist der Außenminister fest entschlossen, nichts zu unternehmen, was nicht durch einwandsreie Beweise gerechtfertigt sei. In der amerikanischen Presse hat die Erregung über Deutschland nachgelassen. Die größeren ernsthasten Zeitungen rüde n allmählich davon a b, derartige Meldungen in großer Ausmachung herauszubringen. teils weil sie so offensichtlich unwahr sind und an die Greuelmär - ch e n aus der K r t e g s z e t t erinnern, teils weil die sensationelle Boulevardpresse, insbesondere in Reuyork, die Schauermeldungen dazu benutzt hat, um ihre Auslagenzisser hochzutreiben.
französische Journalisten stellen dce Wahrheit fest.
Paris, 26. März. (WTB.) Die Berliner Korrespondenten des „I o u r n a I" und des „P etil P a r i f i e n" berichten über den Besuch, den ausländische Journalisten im Gefängnis des Alexander- Platze-, den politischen Häftlingen, nämlich Thälinann, Torgler, Ludwig Renn und Karl von Ossietzky, haben abftatlen können. Der Berliner Korrespondenl des „Journal" spricht sich dahin aus, daß er der Wahrheit gemäß erklären müsse, dast er alle vier genannten Häftlinge am Leben vor- gefunden habe und daß keiner von ihnen eine Verletzung aufgemle|cn hätte. Auf Fragen der Journalisten hätten die Häftlinge zwar ziem- lid) einsilbig geantwortet, aber nicht Beschwerde geführt. — Nach dem „Petit Parisien" sollen sie erklärt haben, dast sie nicht mißhandelt worden seien.
Moskau für freundliche Beziehungen zu Deutschland.
Moskau, 26. März. (TU.) Am Montag kehrt her russische Botschafter Chintschuk wieder nach Berlin zurück. Er Hal sich in M o v k a u ausgehalten, um Stalin, Molotow, Litwinow, Krestinski und Woroschilow über die allgemeine politische Lage in Deutschland Bericht zu erstatten. Wie mir erfahren, hat die Regierung der Sowjetunion die Erklärung des Reichskanzlers Hitler über die deutsch-russischen Beziehungen mit Befriedigung auf* genommen und den russischen Botschafter angewiesen, auch weiterhin s r e u u d i ch a s t l i ch e Beziehungen zu Deutschland zu pflegen. In Moskau verspricht man sich allgemein eine weitere Besserung der deutsch-russischen Beziehungen.
Gründung des Deutschen Landhandelsbundes.
München, 25.März. (WTB.) Der Deutsche L a n d h a n d c l s b u n d . der die vom Amt für Agrarpolitik der RSDAP. geförderte StandeS- organilatlon aller auf deutscher nationaler Grundlage stehenden Landcsproduktcnhändler darstellt, hielt heute seine G r ü n d u n g S v e r s a m in - l u n g und erste ordentliche Generalversammlung ab.
Der Adjutant des StaatskommissarS Luber, Eichinger, legte eingehend die Ziele des neuen DerbandeS dar. Er betonte erneut den Grundsatz Adols HitlerS, daß dem Volke die Wirtschaft und das Kapital der Wirtschaft zu dienen habe und nicht umgekehrt. Jede spekulative Betätigung müsse aus dem Getreidehandel ausgeschaltet werden. Die Getreidebörsen, über deren Reugestaltung schon In der nächsten Zeit grundlegende Maßnahmen den. hätten keine Berechtigung mehr. 3u- sammensassend gelte für die Äeugründung des Deutschen LandhandelSbundcS der Grundsatz: Gemeinnutz geht vor Eigennutz.
Rach den Ausführungen Eichingers nahm die Versammlung eine entsprechende Entschließung an. in der u. a. gesordcrt wird, daß jede weitere Subventionierung der landwirtschaftlichen Genossenschaften sofort einzustellen lei. Der deutsche Getreidehandel fei sofort von allen spekulativen Elementen und Einrichtungen au säubern, um im Interesse der Ernährung de« Volke« eine möglichste Verkürzung deS Absatzwege- zu erzielen.
Au« den einstimmig angenommenen Satzungen ist hervorzuheben, daß die Ausnahme in den Bund nur Händlern arischen Ursprunges mag-


