Ausgabe 
26.5.1933 Frühausgabe
 
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Nr. 121 KrübauSsabe

185. Jahrgang

Zreitag, 26. Mai 1955

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Drorf und Verlag: vriihl'sche Universttälr-Vuch- und Stcinöruderei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.

Der erste Soldat des Dritten Reichs

Zur zehnten Wiederkehr des Todestages Albert Leo Schlageters

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Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8. auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20 , mehr.

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Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantwonlich für'Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschcin undfür denAn- zeigcnteil i. D.TH.ltümmel sämtlich in (flitzen.

Eriche, t täglich, auhei Sonntag- und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle monati-Be$ug$preis:

Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

Zernfprechanschlusie unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach« richten Anzeiger riehen.

Pofifdiedfonto:

Sronffurl am Main 11686.

Symbol und Aufgabe.

Don Friedrich Wilhelm Heinz (GDS.j.

Aus dem Blute der Helden erneuern sich die Böller. Wenn der Strom des Opserblutes der Besten versiegt, verdorren die Böller an der Wurzel. Sie sinken in die Bucht der Geschichts- losigkcit zurück und verlieren die Rechtfertigung zur Herrschaft, mag Stamm und Krone auch noch grünen. Das Blut, das um die Wurzeln unserer Kraft flieht, bedarf des unaufhörlichen Zustroms. So ist keiner der Toten unserer zwei­tausendjährigen Geschichte umsonst gefallen, und so wird kein Opfer künftiger Entscheidungen ver­gebens gebracht sein.

Wenn die Rainen verwehen und die Leiber ver­modern, Jo geht der Geist ein in die Ewigkeit des Bolkes, um das mahnende Gewissen der Ge­genwart und die anspornende Verheißung für die Zukunft zu bilden. Wenn gar der Opfertod einer Äielzahl von Helden ihr Sinnbild und Symbol fand in einem, der für alle starb, so wirken Tat und Tod dieses einen als eine volkbewahrcnde und volkerzeugende Kraft fort in die fernsten Jahrhunderte hinein. Bon dieser Art und von diesem Rang ist Albert Leo Schlageter, der vor 10 Jahren, am 26. Mai, in der Goltz- Heimer Heide unter den Kugeln der Franzosen niedersank. So geht es denn, wenn wir den Ba­men Schlageter nennen, nicht um menschliche, fon* dcrn um göttliche, nicht um zeitliche, sondern um ewige Dinge. Schlageter ist das Symbol für einen Glauben, ohne den es keine Zukunft gibt.

Bier Jahre und fünf Monate lang gehörte cs zum bittern und selbstverständlichen Tage­werk der Deutschen, die besten Söhne des Volkes in die Feindeserde zu betten. Bur von ganz wenigen, wie etwa von Richthofen, blieb einer Allgemeinheit der Toten Baine und Gesicht be­wahrt. Die zwei Millionen Toten der grauen Armee aber wurden eins in Antlitz und Bild des schlichten und namenlosen Soldaten der Front. Bicht der Einzelne tritt in unser Gedächtnis, wenn wir an die unendlichen Gräberrcihen in West und Ost denken, sondern cs ist die skclett- haft-visionäre Gröhe des Frontsoldatengesichtes aus den furchtbaren Materialschlachten, das, die Stirne von der Krone aus Dornen und Lorbeer zerstochen, sich vor uns aufreckt.

Der Soldat des Weltkrieges, der den Frieden er­leben durfte, der kein Frieden war, und dem die Schmach des Vaterlandes unerträglich schien, warf sich hinein in die grohe Wandlung der deutschen Seele und der deutschen Gestalt, die mit dem August 1914 begann, und die in diesen Monaten ihren ersten revolutionären Durchbruch erlebte. Im Baltikum, in Oberschlesien, an der Ruhr, vor der Münchener Feldherrnhalle, überall, wo im Nach, krieg, der wiederum blutiger Krieg war, gekämpft und gestorben wurde, ging es um diese Verwand­lung. Hanns Iohst hat recht, wenn er den Sinn dieser Wandlung dahin auslegt, daß Schlageter nicht der letzte Soldat des Weltkrieges, sondern der erste Soldat des dritten Reiches sei. Denn als das deutsche Volk, und in seinem Namen das heimliche und unterdrückte, das rebellierende und nicht verstandene Soldatentum an jenem blü- tenschweren Frühlingstag des Mai 1923 aus den Händen des Feindes den Sarg empfing, der das Sterbliche an Albert Leo Schlageter barg, häufte sich die Fülle der Kränze nicht über einem der zwei Millionen Namenlosen, sondern aller Schmerz und aller Stolz, aller Glaube und alle Opserbereitschaft entfammte am Vorbild dieses Einen, und der Name Schlageter, umweht von Weihe und Ehre, ging un­mittelbar und ganz persönlich ein in das ewige und unauslöschliche Seelengut des deutschen Volkes.

Der alemannische Bauernsohn, der Mensch, Sol­dat und Offizier «chlageter, war nicht mehr und nicht weniger gewesen bis dahin, als alle die andern toten ober überlebenden Namenlosen des großen Krieges. Schlageter hatte in Den feurigen Wirbeln der Schlachten jene Prägung durch das Hammerwerk des Schicksals empfangen, die eine andere Mannschaft in die verzweifelte und müde Heimat zurückkehren ließ, als sie die unterwürfigen und durch die Schlammflut der Novemberrevolte hochgespültenFührer" erwarteten oder dulden konnten. Dieser jungen und heroischen Mannschaft war der Krieg zur Sinngebung des Landes gewor- den. Hatte das innere Kommando ihres Blutes ihr die erste Freiwilligkeit des August 1914 und die zweite Freiwilligkeit des Herbstes von 1918 befoh­len, so befahl ihr jetzt die Schmach der Nation erst recht neue Gesetze, erst recht eine dritte Freiwillig­keit der bedingungslosen Hingabe, der Verwegen­heit und des Einsatzes.

Die Gefahr war Schlageters Heimat geworden. Freiheit hieß sein Wollen, das sichere Gefühl für das Entscheidende verkündete ihm beim Einbruch der Franzosen in das Reich, daß ohne Angriff und Ge­walt die Macht des Feindes nicht zu brechen sei. Schlageter begriff nicht, daß ein kriegerisches Volk, wie das deutsche, vermeinen könnte, es könne einen siegestrunkenen und gutbewaffneten Gegner durch das Mittel des schweigenden Erduldens, despas­siven Widerstandes" vertreiben. So unterdrückte, Schlageter jeden Spruch des sogenanntengesunden Menschenverstandes", ein Einzelner sei machtlos l gegen einen ganzen Staat, und zog los, Tag für i Tag, Nacht für Nacht, um mit jeder Brückenfpren- I

gung die kalte Lavakruste um das Herz seines Volkes zu sprengen, um mit jedem hochgejagten Transport das Blut seines Volkes aufkochen zu (affen und um nicht nur dem Feinde, sondern auch der deutschen Feigheit und dem deutschen Kampfverzicht Abbruch zu tun.

Bis zu dem Tage, da Verrat ihn in die Ge­walt des Feindes fallen ließ, war Schlageter Soldat, Kämpfer, Hasser gewesen. Bun aber to-.r er mehr, nun stand er da für ein Volk, nun mußte er durch Haltung und Tat gutmachen, was die ganze Bation gefehlt hatte. Zuerst ge­dachte Schlageter zu fliehen. Doch als sich tat­sächlich die Möglichkeit der Flucht bot, als ihm Hilfe von außen und die Menschlichkeit der Wächter den Weg in die Freiheit bahnten, lehnte Schlageter ab, diesen Weg xu gehen. Wir, seine Kameraden aus dem Ruhrkampf, haben ihn damals noch nicht begriffen. Heute wissen wir, daß er über sich hinaus gewachsen war, daß er in letzter Größe einsam für alle stand, er

Gilbert Leo Schlageter, ein unbekannter deutscher Soldat.

Mit heiterer Gelassenheit schrieb er die kindlich reinen Abschiedsbriefe an seine Eltern. Mit Der- achtender Ruhe wies er das Freiheitsangebot um den Preis des Kameradenverrats zurück. Schlageter war bereits vor seinem Tode Symbol geworden. Die Wurzeln unsres deutschen Lebens dürsteten nach dem versöhnenden Blute des Opfers. Schlageter beschloß, dieses Opfer zu sein. Selbst schon nicht mehr Teil dieser Welt, längst schon abgeschieden von dem, was er in seiner irdischen Verstrickung gewesen war, hauchte er am 26. Mai 1923 sein Leben aus unter den Kugeln der französischen Henker.

Sein Leib ruht in der mütterlichen Erde seiner Heimat. Sein Blut kreist um die Wurzeln unsrer Kraft. Sein Geist ging ein in das ewige Ge­wissen der Deutschen. Sein Grabstein lastet so­lange auf der Ehre der Bation, als die volle außenpolitische Freiheit nicht erkämpft ist.

Die Tragödie auf der Golzheimer Heide.

Don ORolf Brandt.

Dem Buche Rolf Brandts,Leben und Sterben eines deutschen Heide n", Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, der einzigen authentischen Dar­stellung seines Lebens entnehmen wir fol­gende ergreifende Schilderung:

Schlageter hatte nun auch ein letztes Auf- flammen seines Glaubens an Befreiung nieder­gerungen. Er sah jetzt dem Tod ins Auge. Ruhig und gut, ein einfacher und wahrhafter deutscher Mensch, ging er den Weg zu seiner letjten Stunde.

Er schrieb an seine Eltern und Geschwister, und immer stand das Bild seiner Heimat dabei vor seinen Augen.

_ 10. Mai.

Liebe Eltern und Geschwister!

Höret das letzte, aber wahre Wort Eures ungehorsamen und undankbaren Sohnes und Bruders. Seit 1914 bis heute habe ich aus Liebe und reiner Treue meine ganze Kraft und Arbeit meiner deutschen Heimat geopfert. Wo sie in Bot war, zog es mich hin, um zu helfen. Das letztemal hat mir gestern mein Todesurteil ge­bracht. Mit Ruhe tjabe ich es vernommen, ruhig wird mich auch die Kugel treffen. Hab' ich doch alles, was ich tat. nur in bester Absicht ausgesührt. Kein wildes Abenteuerleben war mein Verlangen, nicht Dandenführer war ich, sondern in stiller Arbeit suchte ich meinem Vater­lande zu helfen. Ein gemeines Verbrechen oder gar einen Mord habe ich nicht begangen. Wie alle anderen Leute auch über mich urteilen mögen, denkt Ihr doch wenigstens nicht schlecht von mir. Bemühet wenigstens Ihr Euch, das Gute zu sehen, was ich gewollt habe. Denkt auch in Zukunft nur in Liebe an mich und haltet mir ein ehrenvolles Andenken. Das ist alles, was ich in diesem Leben noch verlange. Liebe MutterI Lieber Vater! Das Herz droht zu brechen bei dem Gedanken, welch gewaltigen Schmerz und welch grohe Trauer Euch dieser Brief bringt. Werdet Ihr sie ertragen können? □Heine größte Bitte wird bis zu meiner letzten Sekunde die sein, daß unser lieber Gott Euch Kraft und Trost senden möge, daß er Euch stark erhält in diesen schweren Stunden. Wenn es Euch irgend möglich ist, bitte ich Euch, nur noch einige Zeilen zu schreiben. Sie werden mich stärken auf meinem letzten Gang Ich lege heute gegen das Urteil Revision ein. Bun lebt wohl, feit in Gedanken noch einmal geküßt von Eurem

Albert.

Der Vollstreckungsbefehl traf nachts um Haibein Uhr in Düsseldorf ein.

Um zwei Uhr wurde ein Geistlicher und der Rechtsanwalt Eengstock benachrichtigt.

Schlageter wurde geweckt. Ein Offizier las ihm den Vollstreckungsbefehl vor. Das Gesicht Schla- gcters hat niemals vor einem französischen Offi­zier einen Schatten seiner inneren Bewegung gezeigt. Er bat, daß er wenige Zeilen an seine Eltern schreiben dürfe. Auch die Handschrift dieses letzten Briefes ist fest.

Liebe Eltern!

26. 5.23....

-Nun trete ich bald meinen letzten Gang an. Ich werde noch beichten und kommunizieren. Also bann auf ein frohes Wiedersehen im Jenseits.

Nochmals Gruß an Euch alle. Vater, Mutter, Jo­sef, Otto, Frieda, Ida, Marie, die beiden Schwager, Göttis, die ganze Heimat.

Euer Albert.

Posten ziehen auf. Ein Geistlicher wird zu Schla­geter in die Zelle gelassen, damit er beichten und kommunizieren kann. Schlageter spricht ganz ruhig zu dem französischem Offizier: .Ich werde nicht in Gegenwart von.Ihnen und Ihren Soldaten mit meinem Gott reden." Der Geistliche sieht den un- geheuren heiligen Ernst im Gesicht des Todgeweih­ten. Er findet ein paar Worte, die den französi­schen Offizier bestimmen, errötend die Zelle zu ccr= lasten und die Posten draußen aufzustellen. Nur

fünf Minuten gibt man Schlageter für die heilige Handlung.

Der Offizier tritt in die Zelle und fragt ihn nach feinen letzten Wünschen. Schlageter sieht ihn fast ein wenig erstaunt an. Aber er weiß, daß er feine Ner­ven noch wird brauchen müssen. Er sagt:Eine Zigarette..." Er nimmt ein paar Züge, sieht auf das glimmende Feuer, und wirft die Zigarette zu Boden. Festen Schrittes folgt er der Wache in das bereitstehende Auto.

Die Franzosen hatten die Exekution nach der menschenunwürdigen Vorschrift, die in ihrer Armee gilt, vorbereitet. Draußen am Rande des Nord­friedhofs hielt eine Kompanie. Vor dem Abfall eines alten Steinbruchs war eine Grube aufgewor­fen. Davor stand ein starker Pfahl. Ein paar Offi­ziere, eine Gruppe französischer Infanterie. Die Dämmerung des jungen Tages zieht herauf. Am Himmel blaßroter und dann dunkelroter Schein, wie von einer Wunde. Die Verteidiger Schlageters sind am Platz. Er wird bei ihnen vorbeigeführt. Einen Augenblick preßt er die Lippen zusammen. Dann ist feine Stimme klar und fest, als ob er einen Sturmangriff kommandiere.Auf Wiedersehen!" Er läßt sich ruhig zum Richtpfahl führen.

Nun kommt die Infamie der französischen Exe­kution, die auch auf deutschem Boden die Gemein- heit einer französischen Hinrichtung durchführen will.

Ein Sergeant bedeutet ihm, er solle niederknien. In Schlageters Augen, die schon dem Bild dieser Welt entsagt haben, flammt es noch einmal auf. Niemals! klingt ihm das Andreas-Hofer-Lied durch den Sinn ... will sterben wie ich stritt ...

Da drückt ihm eine Bestie von französischem Ser­geanten von hinten die Knie durch, daß er auf den Boden sinkt.

Seine gefesselten Hände werden hinter ihm am Pfahl feftgebunben.

Die Augen von Schlageter finb in biefem Augen- blick blaue Blitze.

Eine Szene, so unerhört in ihrer Bestialität, daß selbst dieses französische Peloton unruhig wird. Man merkt Bewegung und nervöses Klirren. Der Offizier schreit in diesem Augenblick mit lauter Stimme, da er merkt, wie die Dinge stehen:

Zurück!"

Trommeln wirbeln. Die Kompanie präsentiert. Schlageter reißt sich empor. Er kniet aufrecht.

Feuer!"

Die Salve peitscht durch die Morgenstille.

Der Körper sinkt in sich zusammen. Ein Offiziers­stelloertreter tritt an ihn heran und setzt ihm den Revolver an die Schläfe.

Revoloerschuß.

Noch einmal bäumt sich der arme Leib empor. Schlageter ist endgültig gemordet.

Das Wort stirbt, der Lorbeer redet.

Durch die Morgenluft weht die Schande Frank­reichs und der Ruhm eines deutschen Menschen, der seine Heimat heißer liebte als sein Leben.

*

Elberfelder Kameraden verlangten bei der fran­zösischen Kommandantur, die merkwürdig nervös und betreten war, die Freigabe des Leichnams. Der Sarg wurde aus dem besetzten Gebiet nach Elber- feld überführt. Er wurde in der Stadthalle auf- gebahrt und unter Kränzen begraben. Die Reichs- kriegsflagge lag über dem toten Schlageter. Tau- lende folgten feinem Sarge, als ihn Offiziere zum Bahnhof trugen, um ihn in die Heimat zu geleiten. 21uf den Bahnhöfen Taufende von Menschen, Kor­porationen, Vereine. Einig in Trauer und einig im Haß. Nun, da dieser einfache, liebenswerte und starke deutsche Mensch geopfert war, fühlte man die illamme des Opfers.^Auch in Berlin bekam man um diese Zeit rote Flecke der Scham im Gesicht, wenn an Stellen, die wußten, wie die Dinge ge­gangen waren, der Name Schlageter fiel. Schlageter hatte zu seinen Lebzeiten irgendwo im Baltikum die Abwandlung, nur den Schluß eines Liedes in fin- nifdjer Sprachform kennengelernt:Das Banner muß stehen, wenn der Mann auch fällt." lieber ihm mefjte die Fahne Deutschlands, an die er geglaubt, für die er gestorben war, schwarzweihrot.

Schlageter.

Von Friedrich Wilhelm Heinz GDS.

Kein Wehruf klage, wenn wir kündend preisen Das Tatbekenntnis deines Heldentums.

Wenn Opferwille, Mannesmut des Ruhms Sieghafte Banner in die Feinde reißen! e

Ein Funke fiel aus gotterfüUten Fernen In eine Welt, von Feigheit Überfchlammt. Ein Funke fiel, und eine Tat entflammt Die Fackelantwort strahlend zu den Sternen.

Denn Tat ist Anfang! Und der Kampf ist Zeugung! Ihr Alleswöger, Niemalswager: Wasser, Laulichtes Wasser bleibt eu'r Blut! Uns bebt

Und kocht es grollend in der Ketten Beugung: Werft euer Herz ins Dickicht eurer Hasser, Und ihr lebt ewig, wie Schlageter lebt!

Mein Batteriekamerad vom FM. 76.

Von Or. Richard Wenzl, Freiburg, Stahlhelm-^andesführer Baden-Württemberg.

Es war im Herbst 1914. Der Regimenlsadjutant rief an und meldete frisch eingefroffencn Mann- fchasts-Ersah. Darunter waren sechs Kriegs­freiwillige. Keine Batterie wollte diese jun­gen Kriegsfreiwilligen gerne haben, man hielt wenig ton ihrer Schnellausbildung und ihrer gro­ßen Jugend. Da bat ich darum, sie unserer Vat- terie und meinem Zug zu überweisen. So kam mit fünf anderen Albert Leo Schlageter in den 2. Zug der 6. Batterie FAR. 76.

Die jungen Männer waren wirllich keine Sol­daten, die Ausbildungszeit war zu kurz, das Lehr- Personal noch zu ungeübt. Aber eine heilige Begeisterung brachten diese jungen Freiwilli­gen mit, welche uns tief ergriff. Wir waren alle rauh und hart geworden, wir hatten die erste Nervenprobe, die erste Krise des unaufhaltsamen Vorstürmens gerade hinter uns, wir murrten über den Rückzug der ganzen Front, über den wider­lichen Stellungskrieg, über den Dreck und Schlamm von Flandern, über den Munitionsmangel und wir sahen das erste Feldweihnachten sicher vor uns ahnungslos, was uns noch alles bevor­stand.

Und nun standen diese jungen frischen Burschen vor mir, ein Hauch der Heimat war an ihnen und ohne daß sie es aussprachen, da stand vor uns allen das eine Wort ,M utter"! Da wurde uns wieder klar, daß zuhause Menschen, liebe deutsche Menschen wohnten, mit einem gren­zenlosen Vertrauen zur Front, zu uns Soldaten und daß diese Mütter uns ihr Bestes und Liebstes gesandt hatten, ihre Jungens, damit die Front stehe und neues Blut erhalte und neue Kraft. Und die Front standl

So bin ich an die schwere Aufgabe gegangen, diese jungen Menschenkinder zu Soldaten zu er­ziehen und darüber zu wachen, daß sie uns nicht gleich weggeschossen würden. Riesengroß war ihr Lerneifer und heilig war ihnen die Pflicht. Ich weiß noch, daß ich einen um den anderen mitnahm bei den Gängen durch die Stellungen und daß es doch etwas Herrliches war, diese gläubigen Menschenkinder einzuweihen in ihren schweren Dienst.

Der Uebel Größtes war damals das Feld- t e l e p h o n. Rie funktionierte es richtig und stets hatten die höheren Dienststellen etwas zu tadeln. Da kam mir der Gedanke, den Physikunterricht dieser jungen Freiwilligen auszunutzen und sie in den Telepyontrupp zu nehmen. Und nun auf ein­mal funktionierte das Telephon. Run auf einmal waren überall auch in anderen Formationen die , Kriegsfreiwilligen" begehrt und wurden in ähn­licher Weise eingesetzt. Rur der Frontsoldat, das Grabenschwein, der Artilleriebeobachter, sie wissen was für eine ungeheuere Bedeutung der Telephondienst hatte im grohen Krieg. Das Leben von Tausenden ja, in den Materialschlachten von Zchnt aus enden hing tausendfach oft an einer einzigen Strippe, an einem einzigen Stückchen Draht und an der todesmutigen Opferberritschaft der Telephontrupps. Es sind viel Heldenlieder gelungen worden auf den Infanteristen, auf den Pionier, auf den Flieger und U-Bootsmann aber sagen muh ich, daß man eine Truppe prccht- vollster Frontsoldaten recht sehr vergeben hat: d i c Männer vom Feldtelephon!

Und Albert Leo Schlageter war der Typ des pflichtgetreuen Feldtelephonisten in edelster Form' Wenn ich heute sein Bild zur Hand nehme, dann steht er wieder vor mir im stets mit Graben­dreck beschmutzten Rock, die Finger schwarz vom Isolierband, Schraubenzieher und Zange in der Tasche, und stets guten Mutes. Seine stille, unverwüstliche Fröhlichkeit, seine lachende, selbstt erständliche Pflichterfüllung, das unendlich Schlichte, Gerade und Einfache, aber durch und durch Soldatische sind mir als wesentliche Ein-