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26.5.1933 Erstes Blatt
 
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Il

vom

7. Fortsetzung

Nachdruck verboten!

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Amtsverkündigungen aus den oberhessischen Kreisen.

Streik Gießen.

Den in Hessen wohnenden Stutenbe­sitzern wird der 2. Teilbetrag des Deck- gelbes bis zum Ablauf der Trächtigkeits­dauer gestundet. Wenn jedoch bis späte­stens Ende Juli des aus das Decken fol­genden Jahres von dem Besitzer nachge­wiesen worden ist, daß seine während der vorigen Deckzeit gedeckte Stute ein leben- Les Sohlen nicht geworfen hat, so wird der Rest des Deckgeldes erlassen. Ein Erlaß des Restbetrages (Fohlengeld) tritt auch dann ein, wenn bis zum gleichen Zeit­punkt nachgewiejen wird, daß das Fohlen ein Lebensalter von 28 Tagen nicht er­reicht hat. Beim Berkaus einer gedeckten Stute an einen anderen in Hessen wohn­haften Besitzer kommt ein Erlaß des Rest- betrages des Deckgeldes nur in Frage, wenn von dem seitherigen Besitzer durch Vorlage einer amtlichen Bescheinigung nachgewiesen wind, daß die Stute bei dem neuen Besitzer ein Fohlen nicht zur Welt gebracht oder das Fohlen ein Lebensalter von 28 Tagen nicht erreicht hat. Für nach außerhalb Hessens verkaufte Stuten wird der Restbetrag des Deckgeldes auch dann nicht erlassen, wenn die Stute ein leben­des Fohlen nicht geboren hab

Das Kreisamt weist, wie in den letzten Jahren, so auch in diesem Jahre auf die rechtzeitige Errichtung der vorge- schriebenen Protokolle, d. h. bis zum 31. Juli 1933, wegen des Erlasses der 2 Rate des Deckgeldes für die Fälle, in denen die Stuten nicht trächtig geblieben sind oder die Fohlen ein Lebensalter von 28 Tagen nicht erreicht haben, hin.

Im Falle der verspäteten Errichtung der Protokolle erwachsen den Stutenbesitzern große Nachteile. 3510C

Ein Erlaß des zweiten Teilbetrages kann auch künftig dann nicht eintreten, wenn etwa mündlich rechtzeitig Antrag auf Erlaß gestellt, das Protokoll aus irgend­welchen Gründen aber verspätet, d. h. nach dem 31. Juli 1933 errichtet werden sollte.

Detektiv K. Gerz, Bad-Nauheim, Knr- straßel7erleöi0toUe vertrauliche Privat- u. Geschäftsangele­genheiten, wie Aus­künfte, Beobachtun­gen,Erm ttelungen, Beschaffung v. Be- we smat. in Straf- u. Zivilvroz. streng diskr. Svrechst.: 9 b. 12'/rU.3-6Nbr «7,.d

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Ein vaterländischerRoman vontzansDietzke

Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau.

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Karl Jost

mit seinen Künstlern

Bekanntmachung

Der Voranschlag der Gemeinde Heuchel­heim für das Rj. 1933 liegt von Freitag, den 26.2Nai 1933, ab eine Woche auf hie­siger Bürgermeisterei zur Einsicht der Be­teiligten offen. Einwendungen können da- selbst während dieser Frist schriftlich ober zu Protokoll vorgebracht werden. 35150

Heuchelheim, den 23. Mai 1933.

Hessische Bürgermeisterei. Rinn.

stark genug fühlte, an den bisher unzerreißbar schek« nenben Ketten zu rütteln. Man wagte allenthalben roieber ein freies Wort, wenn auch noch ber scheue Blick unter bcn Gewehren der Feinbe stand. Noch fühlte sich bie französische Besatzung in Berlin voll­kommen Herrin ber Lage. Aber doch vermochte kein noch so bravouröses Auftreten bem Hellhörigen das nahende Rauschen der unterirdischen Wogen einer kommenden, neuen, stärkeren Macht zu verheim­lichen, bie ihren grellen Schein durch bas düstere Gewölk des europäischen Staatenhimmels in mah­nendem, kurzem Aufblitzen sandte, gleich einem Ge­witter, bas nach Zeiten endloser Dürre aus heiter­stem Himmel herniederbricht.

Ein Brief Blüchers, den ber greife Haudegen in diesen Tagen an seinen nachmaligen Generalstabs­chef Scharnhorst richtete, war dem Volk aus ber Seele gesprochen:

Mich juckts in allen Fingern, den Säbel zu er­greifen! Wenn es jetzt nicht Sr. Majestät unseres Königs und aller übrigen deutschen Fürsten und ber ganzen Nation Fürnehmen ist, alles Schelmenfran- zosenzeua mitsammt bem Bonaparte unb all seinen ganzen Anhang vom deutschen Boben wegzuvertil­gen, so scheint mich, baß kein beutscher Mann mehr bes deutschen Namens werth sei! Jetzo ist wieberum bie Zeit zu duhn, was ich schon Anno 9 anaerathen, nämlich die ganze Nation zu den Waffen aufzurufen, unb wenn bie Fürsten nicht wollen unb sich dem ent­gegensetzen, sie sammt dem Bonaparte wegzujagen. Denn nicht nur Preußen allein, sondern bas ganze deutsche Vaterland muß wiederum heraufgebracht unb bie Nation hergeftellt werden."

Von allen Seiten stürmte der Druck auf die Regie­rung ein. Es waren schwere Tage für Hardenberg, der zwischen den Drängenden und dem zaudernden König stand.

M |Oli

Im Arbeitszimmer Friedrich Wilhelms III. im Charlottenburger Schloß, hält im Beisein des Gene» ralabjutanten und Direktors des Kriegsdeparte­ments, Scharnhorst, der Flügeladjutant des Königs beim Yorckschen Korps, Major Graf Henckel von Donnersmarck, Vortrag.

Yorck hat den Major nach Berlin geschickt, um den Hof von den schwebenden Verhandlungen mit den Russen in Kenntnis zu setzen, bie jedoch inzwischen durch die Konvention von Tauroggen ihren Abschluß gefunben haben, wovon ber Major noch nicht unter- richtet war, da er bereits am 26. Dezember das preußische Hauptquartier verlassen hatte.

Der König hat, ttotz aller erdenklichen eindring­lichsten Vorstellungen des Yorckschen Kuriers, eine Vereinigung mit den russischen Streitkräften strikt abgelehnt.

Verzweifelt versucht Major von Donnersmarck das letzte, was zu tun übrig bleibt, den König um Auf- ruf zu den Waffen zu bitten.

(Fortsetzung folgt.)

2>er General sieht den Oberst noch einmal starr und prüfend an. Dann geht er wieder mit hastigen schritten auf unb ab. Etwas Ungeheures geht in ihm vor.

Run hält er ein mit dem Laufen. Langsam wen­det er sich bem Obersten zu unb spricht, ihm babei bie Hand reichend, knapp unb klar, Satz für Satz betonenb:

."Ihr habt mich! Sagt bem General Diebitsch, baß wir uns morgen früh auf ber Mühle von Poscherun treffen wollen, unb baß ich jetzt fest entschlossen bin, mich von ben Franzosen unb ihrer Sache zu tren­nen!

Jetzt leuchtet in seinen Augen etwas Strahlendes.

Wenn ich biefen Schritt nun einmal tue, so will ich ihn ganz tun! Ich verschaffe Euch auch meinen General Massenbach!"

Er ruft zu bem roartenben Oberst Roeber hinüber: Rufen Sie mir ben Leutnant Holm von ber Massen- bachschen Kavallerie!"

Yorck steht abseits in Gebauten versunken. Erst das krachende Salutieren des Leutnants läßt ihn aufsehen.

Leutnant Holm was sagt man bei Euern Re­gimentern? Ihr versteht mich?"

Eure Exzellenz es ist der sehnlichste Wunsch jedes einzelnen Mannes, von dem französischen Bündnis freizukommen!"

Der General sieht lange in bas enthusiasmierte Gesicht des jungen Offiziers. Dann sagt er, halb 3" sich:

Ihr habt gut reden, Ihr jungen Leute! Mir Altem wackelt der Kopf auf den Schultern..."

Unb zu Oberst von Clausewitz geroanbt, gibt er den Befehl:Ich erwarte General Wittgenstein mor­gen punkt acht Uhr auf ber Mühle zu Poscherun!"

Die Konvention von Tauroggen ist beschlossene Sache. Es gibt fein Zurück mehr. Die Lawine ist im Rollen.

7.

Der geheime Kurier Hauptmann Döllnitz ist in Eilritten von Schloß Löbau unentdeckt in Berlin angekommen.

Die preußische Hauptstadt steht bereits inmitten der politischen Brandung, deren Wogen immer dro­hender von Osten her heranstürmen.

Das Lager der Meinungen ist geteilt. Der Hof zaudert, wie immer. Die Bürgerschaft, vor allem in großer Mehrzahl bie nieberen Stände, beginnen

immer unverhohlener dem Wunsch nach endlicher Befreiung Ausdruck zu geben.

Das Militär ist ganz in der Hand der Offiziere, die einmütig bereit find, jeden Augenblick loszu- fchlagen.

Im Offizierskasino in Charlottenburg ist eine leb­hafte Debatte im Gange. Der hohe, spitzbogige Raum mit seinen verräucherten Decken und den glo­riosen Feldzeichen aus manch siegreicher friderizia- nischer Schlacht, hallt wider von den Gesprächen rauher Solbatenkehlen.

General von Doyen führt das Wort. Der alte Mitarbeiter Scharnhorsts kann aus seinem Herzen keine Mörgergrube machen. Er redet frei herunter, was ihn drückt.

Das furchtbarste bei allem ist, daß ber König uns in biefem Augenblick in Stich läßt! Nie war ber Moment günstiger Rußlanb steht hinter uns!"

Hardenberg erreicht alles beim König er könnte jetzt ben Ausschlag geben!" ruft eine Stimme dazwischen. .

Der alte Hauptmann Grumkow, der auf feinem Stammplatz in ber Mitte des Tisches sitzt, nimmt langsam seine Tabakspfeife aus bem Mund, sieht sich verächtlich nach bem Sprecher um und sagt:

Diplomat! Wenn wir uns auf ben verlassen, sind wir verlassen genug!"

Doyen kommt die Galle hoch. Die Debatte erregt ihn bis aufs Blut. Immer dasselbe: Reden, reden unb nicht handeln!

Napoleon auf der Flucht seine Armee ein Trümmerhaufen unb wir sehen zu, wie sie sich alle heil nach Frankreich retten!"

Etwas Mübes, beinah Verzweifeltes ist in seiner Stimme.

Dafür haben Scharnhorst unb ich in all diesen Jahren geschuftet, dafür hat Stein Rußland endlich für uns gewonnen ..

Ironisch führt Grumkow, halb für sich, den Satz zu Ende:... damit unser Herr Minister Harden­berg verhandeln kann! Man wird versuchen, durch diplomatische Traktätchen die Freiheit vom Himmel herunter zu reden wo allein jetzt der Säbel ent­scheiden kann!"

Er räuspert sich, als ersticke ihn etwas, bann spuckt er grob auf den Boden.Pfui Deibel über solche Schweinerei!"

Da geht die Tür auf unb herein tritt Hauptmann Döllnitz, immer noch in Zivilkleidung, so baß sein Erscheinen im ersten Augenblick einen merfroürbigen Kontrast zu ben bunten Uniformen hier im Raum bildet.

Die Begrüßung ist stürmisch. Der alte Grumkow schüttelt ihm strahlend bie f)änbe.Döllnitz, Men- schenskind--Deibelskerl, du bist wohl wieder

wie Exttapost geritten."

Auch Doyen unb alle anderen sind beglückt, ihren tapferen Kameraden wieder bei sich zu haben.

9. B.

GIESSEN

AM OSWALDSGARTEN

ren unb hofft, baß auch weiterhin ganz in seinem Sinne gearbeitet wirb."

Grumbkow brummt dazwischen, daß es fast ein unfreiwilliges Gelächter gibt:Worauf er sich ver­lassen kann! Machen wir schon allens von atteene!"

Doyen fragt nach bem Befinben Steins.

Döllnitz überlegt einen Moment bie Antwort, bann wirb er sehr ernst.

Der Freiherr ist, wie Sie wissen, seit langem von schwerer Gicht geplagt. Hinzu kommt das seelische Leiben: Das Leben im Exil! Was ihn aufrecht hält, ist nur ber Wille, ist ber unzerstörbare Glaube an feine Aufgabe, bas Vaterland frei zu machen." Döll­nitz macht eine Pause, bann sagt er sehr einbringlich: Uns allen sollte bieser unheimlich zähe Wille und tiefe Glaube, der über einen kranken Körper trium­phiert, Mahnung unb Vorbilb sein."

Doyen, ber sehr nachbenklich geworben ist, will noch einmal aus berufenem Munb bie Wahrheit hören:Hauptmann wie denken Sie über Ruß­land? Glauben Sie bestimmt, daß es mit uns gehen wird?"

Es ist nicht nur mein felsenfester Glaube es ist bereits Gewißheit! Stein hat mich beauftragt, auch Ihnen, meine Herren, die Nachricht offiziell bekanntzugeben!"

Na, bann is ja allens jut! sagt ber alte Grumb­kow unb trifft bamit ben Nagel auf den Kops. Alle Kameraden sind ber gleichen Meinung.

Unb wie steht es mit Schlesien, Hauptmann?" fragt Doyen.

Auf bas beste! Herr von Löbau gab mir Gelegen­heit, vor den Vertrauensmännern des Landkreises zu sprechen. Man steht einmütig zu unserer Sache, man wirbt unablässig und rüstet insgeheim seit langem. Der Tugendbunb wartet auf unser Zeichen unb wir können losschlagen!"

Wie ein Aufatmen geht es durch die Reihen. Le­ben kommt in bie mürrischen, von Warten unb Hof­fen zerquälten Gesichter ber Offiziere.

Es ist schon so: Deutschlands Freiheit wird von Osten kommen!" sagt nachbenklich Doyen.Aber wie dem auch sei: Die Stunde muß uns gerüstet finden! Scharnhorst ist jetzt beim König. Hoffen wir, daß er ben Entscheid erzwingt!"

8.

Wie im Offizierskasino, so stand auch in allen Bürgerstuben, in den Kaffees und Kneipen, in Gas­sen und Patrizierhäusern nur bas eine Thema zur Debatte: Wann marschieren wir? Der bämonische Druck, den das Genie Napoleons mit Sieg und Ge­walt in die Herzen der Bevölkerung feiner Vasallen­staaten zu stoßen verstanden hatte, war nach dem furchtbaren Untergange feiner russischen Heeressäule aus einem ersten Aufatmen zu einem Besinnen und endlich zum Entschluß einer Sache gekommen, die sich

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